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	<title>Sacra.Wiki - Benutzerbeiträge [de-at]</title>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<updated>2022-10-31T11:06:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg, S.93–99.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Bearb. von Helga Litschel. Linz 1983, S. 23–42.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882),S. 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 99.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. University Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33f.&lt;br /&gt;
*Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: Festschrift 1983. S.250–296.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg. In: Festschrift 1983. S. 300.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ansichten und Pläne===&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sphragistik und Heraldik===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495). In: Festschrift 1983. S.84–105.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===allgemeine Literatur===&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315-377.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden / Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Universität Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg. In: 900 Jahre Stift Reichersberg, S.93–99.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Bearb. von Helga Litschel. Linz 1983, S. 23–42.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 99.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. University Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33f.&lt;br /&gt;
*Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: Festschrift 1983. S.250–296.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg. In: Festschrift 1983. S. 300.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ansichten und Pläne===&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sphragistik und Heraldik===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495). In: Festschrift 1983. S.84–105.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===allgemeine Literatur===&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315-377.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden / Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Universität Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Geschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Bearb. von Helga Litschel. Linz 1983, S. 23–42.&lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
* Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 99.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. University Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33f.&lt;br /&gt;
*Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: Festschrift 1983. S.250–296.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg. In: Festschrift 1983. S. 300.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ansichten und Pläne===&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sphragistik und Heraldik===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495). In: Festschrift 1983. S.84–105.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===allgemeine Literatur===&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315-377.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden / Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Universität Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Bearb. von Helga Litschel. Linz 1983, S. 23–42.&lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 99.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. University Fordham. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33f.&lt;br /&gt;
*Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: Festschrift 1983. S.250–296.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg. In: Festschrift 1983. S. 300.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ansichten und Pläne===&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sphragistik und Heraldik===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495). In: Festschrift 1983. S.84–105.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===allgemeine Literatur===&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315-377.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden / Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Universität Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Bau- und Kunstgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Bearb. von Helga Litschel. Linz 1983, S. 23–42.&lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 99.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882), S. 28–51.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern Band 109 (1983), S. 33f.&lt;br /&gt;
*Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: Festschrift 1983. S.250–296.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg. In: Festschrift 1983. S. 300.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ansichten und Pläne===&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sphragistik und Heraldik===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495). In: Festschrift 1983. S.84–105.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===allgemeine Literatur===&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315-377.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden / Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Universität Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Ansichten und Pläne */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Bearb. von Helga Litschel. Linz 1983, S. 23–42.&lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 99.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern. Band 109. 1983, S. 33f.&lt;br /&gt;
*Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: Festschrift 1983. S.250–296.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg. In: Festschrift 1983. S. 300.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ansichten und Pläne===&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sphragistik und Heraldik===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495). In: Festschrift 1983. S.84–105.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===allgemeine Literatur===&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315-377.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden / Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Universität Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* allgemeine Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Lage={{AUT}}&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.33765, 13.36098&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Closter Reichersberg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Reichersberg, Kupferstich (1721)&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621–1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627–1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637–1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650–1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675–1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685–1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707–1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735–1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752–1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770–1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken.  1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800–1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817–1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823–1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861–1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876–1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
* Bernard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857. [https://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC00601491/12/ (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: La vita comune del clero nei secoli XI e XII. Atti della Settimana di studio. Teilband 1. Mailand 1960 (Miscellanea del Centro di studi medievali, 3), S. 304–340. [http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a103293.pdf (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: 900 Jahre Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg. Bearb. von Helga Litschel. Linz 1983, S. 23–42.&lt;br /&gt;
* Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati 31 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati 22/3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
* Diemtar Straub (Bearb.): 900 Jahre Stift Reichersberg. Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Katalog der Ausstellung des Landes Oberösterreich, 26. April bis 28. Oktober 1984 im Stift Reichersberg am Inn. Bearb. von Dietmar Straub. Linz 1984.&lt;br /&gt;
** Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg, S. 93–99.&lt;br /&gt;
** Michael Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich, S. 101–108.&lt;br /&gt;
** Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen, S. 121–126.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873. [https://books.google.at/books?id=7ORaAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
* Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
* Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
* Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
* Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
* Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
* Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
* Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 68 (1960), S. 99.&lt;br /&gt;
* Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
* Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
* Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
* Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
* Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern. Band 109. 1983, S. 33f.&lt;br /&gt;
*Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: Festschrift 1983. S.250–296.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg. In: Festschrift 1983. S. 300.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ansichten und Pläne===&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sphragistik und Heraldik===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495). In: Festschrift 1983. S.84–105.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===allgemeine Literatur===&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 67 (1959), S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Band 52 (1938), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931), S. 315-377.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden / Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Universität Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau (1978).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Bau- und Kunstgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Blick auf Klosterneubuurg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Klosterneuburg, Aquarell von Jakob von Alt (1834)&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburger Reformkreis ger.jpg|right|350px]] &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste.  Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an.  Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rückkehr der Chorherren 1945.jpg|right|250px]]&lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall. Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet. Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln / Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14 (1939), S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 3 (1963), S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1 (1975), S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4 (1912), S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich Neue Folge 36 (1964), S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich Neue Folge 37 (1976), S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4 (1964), S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41 (1990), S. 14–42.&lt;br /&gt;
* Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684. [https://books.google.at/books?id=rW1gAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S. 95–218.&lt;br /&gt;
* Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42 (1909), S. 3–22.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker / Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien Neue Folge 7 (1933), S. 229–248.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 7ff.&lt;br /&gt;
* Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2 (1909), S. 155ff.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
* Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 2 (1962), S. 101ff.&lt;br /&gt;
* Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 8 (1973), S. 57ff.&lt;br /&gt;
* Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien / Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
* Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien / Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien / Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg (1985), S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 14 (1991), S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 15 (1994), S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2 (1916).&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 1 (1961), S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 4 (1964), S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: Archiv für Österreichische Geschichte 5 (1850), S. 261–316.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1 (1908), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S.57–94.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5 (1913), S. 97–176.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6 (1914), S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg Neue Folge 1 (1961), S. 69–103.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992 S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch / Edith Fischer / Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 2 (1962), S. 163–173.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 3 (1963), S. 137–179.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 6 (1966), S. 135–216.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47 (1993/94), S. 595–603.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2 (1909), S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 1 (1961), S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 5 (1965), S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archivalien===&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: In Unum Congregati (1985), Heft 3 / 4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===weiterführende Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 5 (1965), S. 115ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Blick auf Klosterneubuurg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Klosterneuburg, Aquarell von Jakob von Alt (1834)&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburger Reformkreis ger.jpg|right|350px]] &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste.  Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an.  Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rückkehr der Chorherren 1945.jpg|right|250px]]&lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall. Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet. Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln / Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14 (1939), S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 3 (1963), S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1 (1975), S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4 (1912), S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich Neue Folge 36 (1964), S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich Neue Folge 37 (1976), S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4 (1964), S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41 (1990), S. 14–42.&lt;br /&gt;
* Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684. [https://books.google.at/books?id=rW1gAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S. 95–218.&lt;br /&gt;
* Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42 (1909), S. 3–22.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker / Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien Neue Folge 7 (1933), S. 229–248.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 7ff.&lt;br /&gt;
* Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2 (1909), S. 155ff.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
* Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 2 (1962), S. 101ff.&lt;br /&gt;
* Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 8 (1973), S. 57ff.&lt;br /&gt;
* Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien / Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
* Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien / Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien / Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg (1985), S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 14 (1991), S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 15 (1994), S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2 (1916).&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 1 (1961), S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 4 (1964), S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: Archiv für Österreichische Geschichte 5 (1850), S. 261–316.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1 (1908), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S.57–94.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5 (1913), S. 97–176.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6 (1914), S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg Neue Folge 1 (1961), S. 69–103.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992 S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch / Edith Fischer / Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archivalien===&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: In Unum Congregati (1985), Heft 3 / 4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===weiterführende Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 5 (1965), S. 115ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<updated>2022-10-31T10:04:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Blick auf Klosterneubuurg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Klosterneuburg, Aquarell von Jakob von Alt (1834)&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburger Reformkreis ger.jpg|right|350px]] &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste.  Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an.  Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rückkehr der Chorherren 1945.jpg|right|250px]]&lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall. Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet. Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln / Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14 (1939), S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 3 (1963), S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1 (1975), S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4 (1912), S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich Neue Folge 36 (1964), S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich Neue Folge 37 (1976), S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4 (1964), S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41 (1990), S. 14–42.&lt;br /&gt;
* Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684. [https://books.google.at/books?id=rW1gAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S. 95–218.&lt;br /&gt;
* Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42 (1909), S. 3–22.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker / Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien Neue Folge 7 (1933), S. 229–248.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 7ff.&lt;br /&gt;
* Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2 (1909), S. 155ff.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
* Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 2 (1962), S. 101ff.&lt;br /&gt;
* Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 8 (1973), S. 57ff.&lt;br /&gt;
* Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien / Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
* Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien / Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien / Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg (1985), S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 14 (1991), S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 15 (1994), S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2 (1916).&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 1 (1961), S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 4 (1964), S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg N.F. . 1961, S. 69ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archivalien===&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: In Unum Congregati (1985), Heft 3 / 4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===weiterführende Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 5 (1965), S. 115ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Geschichtlicher Überblick */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Blick auf Klosterneubuurg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Klosterneuburg, Aquarell von Jakob von Alt (1834)&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburger Reformkreis ger.jpg|right|350px]] &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste.  Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an.  Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rückkehr der Chorherren 1945.jpg|right|250px]]&lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall. Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet. Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln / Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14 (1939), S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 3 (1963), S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 7 (1971), S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1 (1975), S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4 (1912), S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich Neue Folge 36 (1964), S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich Neue Folge 37 (1976), S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4 (1964), S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41 (1990), S. 14–42.&lt;br /&gt;
* Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684. [https://books.google.at/books?id=rW1gAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1 (1908), S. 95–218.&lt;br /&gt;
* Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42 (1909), S. 3–22.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker / Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien Neue Folge 7 (1933), S. 229–248.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 11 (1979), S. 7ff.&lt;br /&gt;
* Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2 (1909), S. 155ff.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
* Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 2 (1962), S. 101ff.&lt;br /&gt;
* Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 8 (1973), S. 57ff.&lt;br /&gt;
* Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien / Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
* Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF. 1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg N.F. . 1961, S. 69ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archivalien===&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: In Unum Congregati (1985), Heft 3 / 4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===weiterführende Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 5 (1965), S. 115ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Archivalien */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Blick auf Klosterneubuurg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Klosterneuburg, Aquarell von Jakob von Alt (1834)&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburger Reformkreis ger.jpg|right|350px]] &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste.  Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an.  Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rückkehr der Chorherren 1945.jpg|right|250px]]&lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall. Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet. Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. 1990, S. 14–42.&lt;br /&gt;
* Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684. [https://books.google.at/books?id=rW1gAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 95–218.&lt;br /&gt;
* Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3–22.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien N.F. 7. 1933, S. 229–248.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg N.F. 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
* Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
* Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
* Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
* Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
* Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF. 1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg N.F. . 1961, S. 69ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archivalien===&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: In Unum Congregati (1985), Heft 3 / 4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===weiterführende Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 5 (1965), S. 115ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* weiterführende Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Blick auf Klosterneubuurg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Klosterneuburg, Aquarell von Jakob von Alt (1834)&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburger Reformkreis ger.jpg|right|350px]] &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste.  Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an.  Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rückkehr der Chorherren 1945.jpg|right|250px]]&lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall. Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet. Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. 1990, S. 14–42.&lt;br /&gt;
* Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684. [https://books.google.at/books?id=rW1gAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 95–218.&lt;br /&gt;
* Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3–22.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien N.F. 7. 1933, S. 229–248.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg N.F. 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
* Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
* Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
* Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
* Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
* Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF. 1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg N.F. . 1961, S. 69ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archivalien===&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: IUC 1985. Heft 3/4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===weiterführende Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg Neue Folge 5 (1965), S. 115ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* allgemeine Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Blick auf Klosterneubuurg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Klosterneuburg, Aquarell von Jakob von Alt (1834)&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburger Reformkreis ger.jpg|right|350px]] &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste.  Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an.  Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rückkehr der Chorherren 1945.jpg|right|250px]]&lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall. Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet. Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. 1990, S. 14–42.&lt;br /&gt;
* Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684. [https://books.google.at/books?id=rW1gAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 95–218.&lt;br /&gt;
* Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3–22.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien N.F. 7. 1933, S. 229–248.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg N.F. 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
* Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
* Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
* Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
* Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
* Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF. 1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg N.F. . 1961, S. 69ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archivalien===&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: IUC 1985. Heft 3/4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===weiterführende Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 115ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<updated>2022-10-31T09:48:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur allgemein */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Hat Bild=Blick auf Klosterneubuurg.jpg&lt;br /&gt;
|Hat Bildunterschrift=Stift Klosterneuburg, Aquarell von Jakob von Alt (1834)&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Salzburger Reformkreis ger.jpg|right|350px]] &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste.  Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an.  Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rückkehr der Chorherren 1945.jpg|right|250px]]&lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall. Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet. Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. 1990, S. 14–42.&lt;br /&gt;
* Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684. [https://books.google.at/books?id=rW1gAAAAcAAJ&amp;amp;printsec=frontcover&amp;amp;hl=de&amp;amp;source=gbs_ge_summary_r&amp;amp;cad=0#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false (Digitalisat)]&lt;br /&gt;
* Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 95–218.&lt;br /&gt;
* Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3–22.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien N.F. 7. 1933, S. 229–248.&lt;br /&gt;
* Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
* Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg N.F. 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
* Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
* Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
* Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
* Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
* Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
* Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
* Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
* Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
* Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
* Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF. 1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg N.F. . 1961, S. 69ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archivalien===&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: IUC 1985. Heft 3/4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===allgemeine Literatur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 115ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Eberndorf</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das spätmittelalterliche Nekrologium des Stiftes Eberndorf nennt zum 16. Mai „''Achacius comesfundator huius monasterii, Chunigundis vxor sua''“, wobei über dem Namen Achacius von anderer (späterer) Hand „''Gatzelinus''&amp;quot; geschrieben wurde. An diesem Tag beging man im Stift den Jahrtag dieses und aller anderen Stifter mit einergetreidespende an die Armen, eines „Schinkens&amp;quot; und einer Urne Wein.&lt;br /&gt;
Bei „''Achacius''&amp;quot; handelte es sich um den in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Friaul begüterten Graf Chazil, in der Literatur als Graf in Friaul, von Eberndorf und von Moggio bezeichnet. Chazil bzw. Kazelin ist die Kurzform von Kadalhoch, eines Namens, der in der Nachkommenschaft desgrafen Otakar (von Leoben, in Karantanien, 904) üblich war. Als Patriarch Sighard von Aquileja 1072 die Abtei Michaelbeuern bei Salzburg erneuerte, befand sich in seinem Gefolge auch sein Vasall Chazilide Mvosiza (= Moggio in Friaul). Der Patriarch und Kazelin waren miteinander entfernt verwandt. Kazelin war ein Urenkel Aribos und seiner Frau Adala (Adula), der Stifter von Göss, der Patriarch aber nach Heinrich Dopsch (1991) ein Enkel Adulas aus ihrer zweiten Ehe (diese von Plank 1981 bestritten). Diese Verwandtschaft und das Vasallenverhältnis Chazelins zu Aqileja bedingten enge Beziehungen zum Patriarchat. Aus ihnen erflossen nach Kazelins Tod zwei Klostergründungen.&lt;br /&gt;
Da Kazelin kinderlos war - seine Gemahlin Kunigunde wird nur im Eberndorfer Nekrolog aus dem späten 15. Jahrhundert genannt - und auch der Letzte seiner Linie, übergab er um 1085 dem Patriarchen Friedrich II. von Aquileja (1084-1086) Eigengüter in Friaul, vor allem um Moggio an der Fella, zur Stiftung eines Klosters. Diese Dotation verwendete Patriarch Ulrich I. (1086 - 1121) zur Errichtung der Benediktinerabtei Moggio, deren Kirche 1119 geweiht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kazelin hatte aber vor seinem Tod auch seinen in Unterkärnten gelegenen Allodbesitz der Kirche von Aquileja mit der Bedingung überantwortet, ''dass durch die an dem Ort, wo er begraben würde, lebenden Brüder immerfort mit gebeten gott gedient werde.'' Kazelin starb im oder bald nach dem Jahr 1090 und wurde zuerst in Gösseling (nicht Gösselsdorf bei Eberndorf), unmittelbar bei St. Georgen am Längsee in Kärnten, wo 1002 - 1018 Adalas Schwester Wichburg ein Nonnenklostergestiftet hatte, begraben.	&lt;br /&gt;
Weil Gösseling im Bereich der Erzdiözese Salzburg lag, ordnete Patriarch Ulrich die Überführung des Leichnams Kazelins in die Kirche „''sanctae Mariae Jun in Dobrendorf''“&lt;br /&gt;
(= Eberndorf), die im Diözesansprengel des Patriarchats und auf Kazelins Eigengut lag, an und veranlasste deren Erweiterung. Die angebliche Anwesenheit von drei Suffraganbischöfen Aquilejas (Erhard von Pola, Riwin von Concorda, Hartwig von Triest) bei der Überführung und endgültigen Grablegung Kazelins fällt auf. Kurz vor 1106 soll Bischof Riwin von Concordia im Auftrag des Patriarchen die neue Kirche in Eberndorf geweiht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1106 kam Patriarch Ulrich I. persönlich nach Eberndorf und stellte dort eine Urkunde aus, durch die er dem Gotteshaus und den bereits am Ort lebenden Kanonikern zu ihrem Unterhalt folgende Güter, Einkünfte und Kirchen übertrug : die Dörfergösseling (Goztelich), Eberndorf (Dobrendorf) und was Graf Kazelin in Köcking (Coken), Pribelsdorf (Prilep),gablern (Gablarn, alle drei bei Eberndorf) und anderen Dörfern besaß, die Hügel Kolm (Chulm), Krugl (Chrugel), auf dem das Stift liegt, und Unarach (Vnistiz) bei Eberndorf. Die Wälder mit Jagd- und Fischrechten zwischen dem Jaunberg (Jvnberch, jetzt Hemmaberg bei Jaunstein) und Zelach (Seelach bei St. Kanzian oder Sielach bei Sittersdorf?) und die Zehente zu Windischgraz/Slov.gradec (Graz) und Eberndorf (Ivn) samt den vier Pfarren (plebibus) und ihren Zehenten in Rosegg (im Rosental, Ras), St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Windischgraz (Graz, eigentlich [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Pankraz in Altenmarkt bei Windischgraz|St. Pankraz in Altenmarkt]]).&lt;br /&gt;
Diese „Stiftungsurkunde&amp;quot; von 1106 Eberndorf (eine genauere Datumsangabe fehlt) ist nur als „Innovation&amp;quot; vom Jahre 1226 erhalten. An ihr hängt aber ein Siegel Patriarch Ulrichs I. (1086-1121), das an der Originalurkunde, nach der Sitte der Zeit, aufgedrückt gewesen wäre. Dieses Siegel ist übrigens das älteste authentische eines Patriarchen von Aquileja. Reinhard Härtel (dem ich hier für vielfache Hinweise aufrichtig danke)gab zu bedenken, dass es heute von Patriarch Ulrich I. keine einzige authentische Urkunde gibt.&lt;br /&gt;
1154 bestätigte der Patriarch Pellegrino I. nach Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes bei der Pfarre Eberndorf den dem Kloster zugewiesenen Besitz. Als solcher wird genannt: Die Pfarre Eberndorf samt Zehenten und sechs Kapellen, die Pfarre Leifling mit zwei Kapellen, ein Teil Zehent in der Pfarre Skalis bei Schönstein in der Untersteiermark und die Kapelle St. Georgen am Georgiberg bei Eberndorf. Die angeblich schon 1106 inkorporierten großen Pfarren St. Michael in Rosegg, St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Graz werden 1154 nicht erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Urkunde von 1106 angeblich in Eberndorf ausgestellt wurde, nennt sie als Zeugen der Rechtshandlung weder einen höheren oder niederen Geistlichen in der Begleitung des Patriarchen, noch den ersten Propst - nach Marian hätte es der von ihm zu 1111 genannte Hartwig (im Nekrolog von Eberndorf zum 3. August eingetragen) sein können - oder einen der Kanoniker. Auch die weltliche Zeugenreihe beinhaltet nur Vornamen, was R. Härtel jedoch als Kriterium der Echtheit der Urkunde ansieht. Auch die zum Schluss der Urkunde ausgesprochene ''Commina cio spiritualis'' ist damals nicht unüblich gewesen und findet sich auch in anderen Urkunden dieser Zeit. In der päpstlichen Bestätigung für den Patriarchen Pellegrino I. von 1132 fehlt Eberndorf richtigerweise unter den zum Patriarchat gehörigen Klöstern, weil es einerseits immer im Herzogtum Kärnten lag, andererseits noch nicht als reguliertes Stift existiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1106 hört man fast fünfzig Jahre überhaupt nichts von Eberndorf. Erst 1149, 1151 und 1152 erscheint in „''Leoprepositus Iunensis''“ der erste auch durch Urkunden nachweisbare Vorsteher einer Priesterkommunität in Eberndorf. Dies hat W. Fresacher, J. Rainer, E. Webernig und andere bewogen, die Errichtung des Augustiner-Chorherren Klosters zwischen 1149 und 1154 anzusetzen. 1154, unter Leos Nachfolger Roman, war sie durch die Einführung der Augustinerregel für die Kanoniker seitens des Patriarchen Pellegrino I. bereits vollzogen und 1177 wird Eberndorf erstmals als Kloster aquilejischer Jurisdiktion bezeichnet.&lt;br /&gt;
Auffallend ist, dass Patriarch Ulrich I. die Gründung Eberndorfs als Säkularstift schon 1106 ins Werk setzte, während er sich bei Moggio länger Zeit ließ, dessen Gründung erst 1119 zum Abschluss kam. R. Härtel hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Ulrich I. der letzte seines Hauses (Eppenstein) war. Deshalb und seines zuletzt hohen Alters wegen könnte sein Interesse an der weiteren Verfügung über die Güter Kazelins erlahmt sein. Andererseits konnte er auch ohne größere Bedenken aus Eigenem für Klostergründungengeben. Wegen der Übergabe der Güter Kazelins und der Inkorporation der vier Pfarren wurde Ulrich im Ebendorfer Nekrolog als „Stifter&amp;quot; eingetragen. Ein besonderer Freund der regulierten Chorherren scheint er aber nicht gewesen zu sein, hat er doch das nach der Augustinerregel lebende Kloster Rosazzo im Patriarchat Aquileja um 1090 in ein Benediktinerkloster umgewandelt, das der Hirsauer Reformbewegung nahestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die besondere Stellung Ulrichs I. (Alter, Letzter seines Hauses) könnte - nach Meinung Härtels - auch dafür verantwortlich sein, dass für beide Klöster aus ihrer Gründungszeit heute so wenig schriftliches Material vorhanden ist, vielmehr erst Patriarch Pellegrino I. die Verhältnisse sowohl in Moggio als auch in Eberndorf stabilisiert bzw. geordnet hat. Es herrscht die Meinung vor, Eberndorf sei die letzte Stiftsgründung in Kärnten gewesen, die in einen unmittelbaren Zusammenhang mit der von Salzburg getragenen Reformbewegung in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gebracht werden könne.&lt;br /&gt;
Denn die Chorherren waren, zum Unterschied von den Mönchen, auch in der Seelsorge tätig. Und um diese ist es Patriarch Pellegrino I. wohlgegangen. Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106-1147) führte die Augustinerregel in den Dom stiften Salzburg und Gurk ein und errichtete eine stattliche Zahl von Chorherrenstiften in seiner Diözese. Eberndorf wird mit den Stiften [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (Oberösterreich) und [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] (Niederösterreich) als zur Salzburger Observanz gehörig bezeichnet.&lt;br /&gt;
Die Frage nach der Herkunft der Chorherren des Jahres 1154 ist momentan nicht zu beantworten. Im Falle einer „Umwandlung&amp;quot; des Säkularstiftes in ein reguliertes, erübrigt sich die Frage weitgehend. Die Meinung, es könnten (auch) Kanoniker aus dem oberbayrischen Kloster Rottenbuch nach Eberndorf gekommen sein, wurde widerlegt und statt diesem der eben erwähnte Salzburger Reformkreis in Vorschlag gebracht. Trotzdem gab es schon um 1170 enge Beziehungen zwischen Eberndorf und Rottenbuch, weil damals ein und derselbe Propst beiden Klöstern vorstand.&lt;br /&gt;
Vogtei und Blutgericht über Eberndorf lagen ursprünglich bei den Herren von Trixen, dann wurde die Blutgerichtsbarkeit von den Herrschaften Sonnegg bzw. Rechberg als Sitze des Landgerichts Jauntal, seit 1454 aber vom herzoglichen Landgericht Stein im Jauntal ausgeübt. Die Niederegerichtsbarkeit über die Bewohner im Burgfried Eberndorf und über die stiftischen Untertanen hatte der Propst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kapitel von Eberndorf hatte das Recht, seine Pröpste aus seiner Mitte zu wählen, dem Patriarchat blieb als Ordinarius das Bestätigungsrecht. Unter dem bedeutendsten Propst des frühen Mittelalters Otto (II.) erreichten die Beziehungen zu Aguileja geradezu familiären Charakter. Otto, Propst des Reformklosters [[Stift Rottenbuch|Rottenbuch]] am Ammersee (dort 1144 zur Regierung gekommen), war eingeborener Graf von Falkenstein, Bruder des Abtes Rupert von Tegernsee (1156–1186) und hatte einen dritten Bruder Gebhard von Sanegg, der die Schwester des Patriarchen Ulrich II. Graf von Treffen (1161–1182) geheiratet hatte. Wohl deshalb wurde Propst [[Otto (Stift Eberndorf)|Otto]] 1173 (oder kurz davor) auch Propst von Eberndorf, dessen zusätzliche Einkünfte Otto für seine vom Patriarchen gewünschte Mitarbeit beweglicher machen und das Kloster Rottenbuch finanziell entlasten sollten. Aus den Jahren 1177 bis 1179 existiert ein Briefwechsel zwischen Otto, seinem Bruder Abt Rupert, dem Patriarchen und anderen Prälaten. Dieser zeigt Otto im aufreibenden Dienst beim Patriarchen, mit dem er sich in Venedig beim Friedensschluss zwischen Papst und Kaiser (1177) aufhielt. Er gehörte in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs I. Barbarossa mit Papst Alexander III. der päpstlichen Partei, das heißt der streng kirchlichen Richtung an und hatte deshalb manche Verfolgung von Seiten Welfs von Bayern zu ertragen. Aber selbst die Mittel aus zwei Propsteien scheinen für Otto nicht ausgereicht zu haben, um den Aufträgen des Patriarchen nachkommen. Der Propst beklagte sich beim Archidiakon von Villach darüber, dass er sich nicht einmal neue Kleider leisten könne, denn er musste häufig zwischen Rottenbuch, Eberndorf und Aguileja pendeln.&lt;br /&gt;
Eine Familienaffäre brachte Propst Otto sogar in Gegensatz zum Patriarchen. Herrand von Wildon, der schon mit Graf Wilhelm von Heunburg zwei Töchter Leutolds von Gutenberg-Waldstein entführt hatte, um für sich und seinen Freund zu reichen Bräuten zu kommen, entführte – diesmal nicht für sich – die minderjährige Tochter des inzwischen verstorbenen Gebhard von Sanegg. Die Mutter des Mädchens war damit einverstanden, denn sie wollte ihre beiden Kinder, die Tochter und deren Bruder, an nicht standesgemäße Partner verheiraten, um ihnen nicht das ganze elterliche Erbe als Mitgiftgeben zu müssen. Den größten Teil des Erbes gedachte sie dem Patriarchat Aquileia zuhanden ihres Bruders, des Patriarchen, zuzuwenden. Propst Otto gelang es, mit Unterstützung seines äbtlichen Bruders, den Knaben unter seine Obhut zu bringen und ihm nach langen Verhandlungen sein reiches väterliches Erbe gegen die Absichten der Mutter und des Patriarchen zu sichern. Der Knabe wurde dadurch der Stammvater der späteren Grafen von Cilli.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang des 13. Jahrhunderts bestanden auch Beziehungen zwischen Eberndorf und der Kanonie Reichersberg am Inn. Dort resignierte 1206 Propst [[Leonhard I.|Leonhard]]. Er verließ in diesem Jahr sein Kloster, nachdem er den dortigen Kanonikern noch einige Wohltaten erwiesen hatte, und wandte sich nach Eberndorf, wo er sofort zum Propst gewählt wurde. Auch hier wirkte er für seine neuen Mitbrüder segensreich. Auf ihn ging die Widmung der Einkünfte von 20 Huben zur Kleiderkammer der Chorherren zurück.&lt;br /&gt;
Das 14. und 15. Jahrhundert war auch für Eberndorf die große Zeit der Jahrtagsstiftungen. Die Schenkungen aus diesem Titel bedeuteten für die Propstei einen respektablen Besitzzuwachs. 1312 errichtete der Burgherr von Sonnegg im Jauntal eine große Stiftung, die von zwölf Priestern bedient werden sollte und gab dafür sechs Huben. Ob das Stift damals so viele Priesterkanoniker hatte ist unbekannt. Die zwölf Messen dürften wohl auch von den Säkularpriestern, die zum Jahrtag ins Stiftgeholt wurden, gelesen worden sein. Die Sonnegg–Stiftung wurde in der Folge noch erweitert, doch kam Ebendorf nicht sofort in den Besitz der Liegenschaften, denn diese wurden von späteren Burgbesitzern widerrechtlich zurückbehalten und erst 1394 den Stift eingeantwortet. 1313 verlieh Graf Heinrich von Görz-Tirol dem Stift Lehenhuben in Grabelsdorf bei Ebendorf, damit der Konvent für ihn und seine Vorfahren bete. Auch mehrere Mitglieder der im Jauntal ansässigen ritterlichen Familie der Christendorfer errichteten in dieser Zeit Messstiftungen. größere Jahrtagsstifungen gingen auf Wulfing von Sunneck (1344), die adeligen Schrampf (1501), den Kardinalbischof von Santa Sabina oder den Bischof Warunensis de Pruscia zurück. 1330 errichtete Patriarch Paganus für sich eine Jahrtagsstiftung in Eberndorf und gab dazu einen Weingarten bei Sittersdorf. 1362 erfolgte die Jahrtagsstiftung des Dechants Jacob von Eberndorf. Eine letzte Stiftung machte noch kurz vor der Reformation Martin Luthers der vermögende Propst Valentin Fabri 1508.&lt;br /&gt;
Durch die Munifizenz des Patriarchen Bertold (1218–1251) besaß Eberndorf schon früh auch eine Spitalstiftung. 1397 erlaubte der Patriarch der Propstei, die Stiftung von einem Kanoniker verwalten zu lassen. Sie überlebte nicht nur die Aufhebung des Stiftes, sondern auch die des Jesuitenordens und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformbestrebungen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte schon früher (1309) der Patriarch in das geistliche Leben der Kanonie Eberndorf eingegriffen, gab der Klerus in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nicht nur in der Diözese Aquileja, Anlass zu herber Kritik. Der Patriarch schickte Visitatoren auch nach Eberndorf. Diese fanden am 10. Oktober 1475 die dortigen Verhältnisse ziemlich liederlich. Unpassende Kleidung, intime Beziehungen zu Frauen und regelwidriges Leben waren die Hauptvorwürfe. Man schärfte Propst und Kapitel die schon früher ergangenen Reformvorschriften erneut ein. Bald danach wurde Leonhard von Keutschach zum Propst gewählt. Er hatte sich vordringlich um die Sicherheit der Propstei in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs III. mit den ins Land eingedrungenen Truppen des Ungarnkönigs Matthias Corvinus zu kümmern. Als Keutschach 1490 zum Dom Propst von Salzburg gewählt wurde, behielt er Eberndorf noch drei Jahre lang als Kommende bei. Schließlich wurde er Erzbischof von Salzburg, wo sein Andenken mit dem Ausbau der Festung Hohensalzburg verknüpft ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1497 kam ein Mann zur Propstwürde, der als typischer Vertreter des höher en Klerus am Vorabend der Reformation erscheint: [[Valentin Fabri]]. Er stammte aus Ponigl in der Untersteiermark, war als Säkularpriester 1478 schon Vikar, drei Jahre später ordentlicher Pfarrer von Gonobitz/Konjice. Im nächsten Jahr wurde er Statthalter des Patriarchats, dann Vizearchidiakon und 1486 Archidiakon von Saunien. &lt;br /&gt;
Im März resignierte Propst [[Andreas Erlpacher|Erlpacher]] und Fabri wurde von den Kanonikern dem Patriarchen als Propst präsentiert und auch bestätigt. 1498 nannte er sich Propst von Eberndorf, Archidiakon im Jaun- und Sanntal, ewiger Kommendator der Pfarren St. Georg in Gonobitz und St. Nikolaus in Saldenhofen/Vuzenica. 1487 bereiste der Bischof von Caorle im Auftrag des Patriarchen den Archidiakonatsdistrikt Saunien und traf mehrmals mit dem Archidiakon Fabri zusammen. Paolo Santonino beschreibt Fabri als an Körpermaß und Tugend wahrlich großen Mann, der in Gonobitz einen Haushalt mit 43 Personen (darunter neungeistliche) führte und acht Pferde unterhielt. Die Gastmähler, die Fabri der Reisegesellschaft gab, waren eines Kardinals würdig. Die Pfarre Gonobitz hatte 25 Filialkirchen, fetteste Einkünfte und warf ihrem Inhaber im Jahr 200 Dukaten ab. Kein Wunder, dass die Eberndorfer Chorherren Fabri als Propst wünschten, denn sie erhofften sich von ihm wirtschaftliche Vorteile für ihr Stift. Eine Ebendorfer Inschrift von 1506 nennt ihn ''prepositus et reformator'' des Klosters. Fabri residierte abwechselnd in Eberndorf und Gonobitz, wo er an der Beulenpest starb und eingrabmal erhielt. Dessen Inschrift lautete:&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;''Hoc sub signo requiescat in Pace Rev. Pater Valentinus Fabri honorandusque praepositus in Aberdorfiis et huius ecclesiae plebanus et reformator et archidiaconus Sauniae. Obiit bubonnibus anno Domini 1505''&amp;quot;. &amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seiner Todeskrankheit wegen wollte man Fabri nicht nach Ebendorf überführen, was aber Jahre später von Aquileja aus angeordnet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 16. Jahrhundert - das Völkermarkter Bistumsprojekt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hätte mehrere Pröpste wie Valentin Fabri bedurft, um Eberndorf durch die schweren Zeiten des 16. Jahrhunderts zu führen. 1529 musste das Stift ein Viertel seines Grundbesitzes König Ferdinand I. als Subsidium zum Türkenkrieg opfern. Einiges konnte das Stift in bar ablösen, trotzdem war der Verlust so vieler Güter und ihrer Einkünfte empfindlich und eigentlich der Anfang vom Ende des Klosters. Hausgemacht war die Misswirtschaft, die man Propstes [[Lucas Mayr]] von Seiten des Stiftes wie der Regierung vorwarf. Sie endete 1573 mit seiner Absetzung. Mayr hatte mit seiner Haushälterin einige Kinder gezeugt, denen er in Bleiburg Haus und Grund kaufte. Dar auf angesprochen antwortete er lapidar, er habe sich das Geld noch als Pfarrer von Sittersdorf verdient. Vom Regularleben hielten er und etliche Chorherren nichts mehr. Diese Zeit ist die&amp;quot; protestantische Phase&amp;quot; des Stiftes. 1569 forderte Erzherzog Karl den Propst auf, den von ihm verlangten Bericht über die Profanierung und Einziehung der Benefizien und geistlichen Güter, deren sich vor allem die evangelischen Ungnad als Schlossherrn von Sonnegg schuldig gemacht hatten, unverzüglich nach Graz einzuschicken.&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes [[Bartholomäus Kranich]] (1583) war die Administration der wirtschaftlichen und geistlichen Agenden Eberndorfs nicht mehr zu umgehen. Die ökonomischen Verhältnisse waren so desolat, dass ab 1588 der Bischof von Laibach (vertreten durch einen Stiftsökonomen) die Stiftswirtschaft sechs Jahre hindurchführte, ohne deren Gesundung zu erreichen. In dieser Zeit verfiel das Stift auch personell zunehmend. Die miserablen Zustände lenkt en die Aufmerksamkeit des Grazer Hofes auf die Propstei. Mitte Februar 1587 richtete Erzherzog Karl an den Papst ein Schreiben mit der Bitte, an der Kollegiat- und Pfarr Kirche Völkermarkt in Kärnten einen Bischofsitz zu errichten und dem Bistum alle Pfarren und Filialkirchen des Kollegiatstiftes von der Erzdiözese Salzburg sowie auch die dem Patriarchat Aquileja unterstehenden Kärntner Pfarren von ihren Bistümern abzutrennen und dem neuen Bistum zuzuweisen. Als Dotation der bischöflichen Mensa sollte das schlecht verwaltete Stift Eberndorf verwendet werden. Als Gründe für die Bistumserrichtung wurden gegenreformatorische Erwägungen genannt. Doch gab es 1588 im Ort Eberndorf selbst angeblich nur drei Lutheraner. Der Heilige Stuhl war diesem Plan nicht abgeneigt und ordnete einen Informationsprozess an, der im August 1588 begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Zeugen wurden der Propst von Völkermarkt und zwei Eberndorfer Chorherren einvernommen. Der eine von ihnen war der ehemalige Propst [[Matthäus Scharrer]], der andere der Chorherr und Pfarrer von Gutenstein. Beide bekannten, häufig bis öfter zu beichten und fast täglich bis häufig zu zelebrieren. Das Land habe in den vergangenen Jahren durch die Pest furchtbaren Schaden erlitten, der noch immer spürbar sei. Die Bevölkerung sei fast ganz lutherisch. Die Zahl der dem Stift inkorporierten Pfarren wurde (ohne die Stiftspfarre) mit zwölf angegeben, wozu noch zwei Benefizien kamen. Das Leben der Chorherren nannte der Expropst skandalös, sie seien eher Kaufleute als Religiosen, eine Reform daher dringend erforderlich. Im Jahr darauf (1589) wurde der Administrator in temporalibus Peter Crobat, 29 Jahre alt, zur wirtschaftlichen Lage befragt. Er wusste nicht, wer gerade Propst und Dechant in Eberndorf war, konnte aber detaillierte Angaben zu den Einkünften des Klosters machen. Nach seinen und des Expropstes Angaben waren sie beträchtlich, doch standen ihnen hohe Schuldengegenüber. Das günstige Gutachten der Kommission führte Ende Februar zum formellen Antrag des Grazer Hofes in Rom zur Errichtung des Bistums. Nur der im Juli eingetretener Tod des Erzherzogs verhinderte die Ausführung des Plans. Andernfalls wäre Eberndorf bereits damals untergegangen. Die Ruhe war aber nur von kurzer Dauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftlicher und personeller Niedergang===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der immer deutlicher zu Tage tretende Verfall in der Wirtschaft des Klosters und der Disziplin der Chorherren rief den Patriarchen auf den Plan. Er wollte dem Stift helfen und sandte den Bischof von Triest nach Eberndorf, um die Situation festzustellen (13. April 1590). Der unfähige Propst wurde zur Abdankung veranlasst und der Kapitular [[Zacharias Fladnitzer]] in Anwesenheit eines aquileischen Provikars gewählt, von der Regierung aber nicht bestätigt, weil die landesfürstlichen Kommissäre nicht zur Wahl beigezogen worden waren. Kanonisch war Fladnitzers Wahl rechtmäßig, trotzdem musste er sich zurückziehen. An die Stelle Fladnitzers trat auf Empfehlung der Erzherzogin Witwe Maria deren Sekretär und Rat [[Ursinus de Bertis|Ursinus (Orsino) de Bertis]] (4. Juli 1591). Weil aber auch diese Wahl „aus irgendwelchen gründen“ den Anschein der Illegitimität hatte, resignierte der gewählte, in zwischen Bischof von Triest geworden, die Würde. Erst die folgende Propstwahl brachte vorläufig Beruhigung. Da kam der Koadjutor des Patriarchen im Spätherbst 1593 auf einer Visitationsreise nach Eberndorf. Auch er musste die desolaten Zustände feststellen, ohne sie nachhaltig verbessern zu können. Zu allem Unglück wurde das Stift bald darauf auch noch Opfer frecher Räuber. Nicht nur Immobilien und Zehenterträge, sondern auch Bargeld, Kirchenkleinodien, Paramente, Dokumente und anderes verschwanden, ohne dass die Diebe bekannt geworden wären. Der Schaden war so hoch, dass sich der Propst an den Papst um Hilfe wandte. Dieser beauftragte mit der Ausforschung der Räuber und Hehler den Patriarchen von Aquileja, den Erzbischof von Salzburg und den Bischof von Lavant, damit dem Stift das Geraubte zurückgegeben werde, was wahrscheinlich nicht geschehen ist.&lt;br /&gt;
Die Administration Eberndorfs durch den Laibacher Bischof blieb auch unter Propst Bertis noch aufrecht, doch keiner von beiden vermochte das Stift finanziell zu sanieren. Zu einer Zeit, da es mit den meisten Stiften des Landes in jeder Beziehung wieder aufwärts ging, siechte Eberndorf nicht nur wirtschaftlich weiter dahin, sondern entbehrte geeigneten Nachwuchses, obwohl damals mehrere junge Männer aus dem Ort Eberndorf an der Grazer Jesuitenuniversität studierten und sich Kandidaten für den Eintritt in Eberndorf meldeten. Ende Jänner 1599 bestellte der Erzherzog [[Sebastian Kobl]], Pfarrer von Pettau/Ptuj, zum Administrator in temporalibus. Der Patriarch von Aquileja sprach den Wunsch aus, es möge ein neuer Propst bestellt werden, worauf der Erzherzog Anfang Mai erlaubte, Kobl zum Propst einzusetzen, der auch der Wunschkandidat des Patriarchen war. Das Kapitel hatte aber – in Ausübung seines freien Wahlrechts – den Gurker Kanoniker Matthias von Staudach zum Propst gewählt, denn Kobl gehörte nicht dem Orden an. Die Regierung verweigerte Staudach die Bestätigung, weshalb das Kapitel Kobl akzeptieren musste, der schließlich den Orden annahm. Mit Kobls Regierungsantritt ging auch die Zeit der wirtschaftlich en Administration zu Ende. 1601 erfolgte letztmalig die Bestätigung der Stiftsprivilegien durch den Landesfürsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kobl regierte ganz im Sinne der Gegenreformation, wie seine Bemühungen um die Wiedererrichtung des Schlossbenefiziums Sonnegg zeigen, das die evangelischen Freiherrn Ungnad hatten abkommen lassen. Das Stift hatte früher dem Besitzer von Sonnegg 8.000 Gulden geliehen, als Pfand aber zum Teilgüter der Schloss-Kaplanei, die ohnehin dem Stift inkorporiert war, angenommen. Insofern hatte das Stift das Geld für Untertanen verliehen, die es bereits besaß. Die Grazer Regierung legte dem Propst nahe, sich darüber mit den Ungnad'schen Erben vor Gericht auseinanderzusetzen. Kobl hat für die Restaurierung von Kirche und Kloster viel getan und sich um die Weiterexistenz der Kanonie gesorgt, auch wenn ihm die erforderlichen Neuaufnahmen von Chorherren aus unerfindlichen Gründen nicht gelangen. Selbst bei seinen wenigen noch vorhandenen Konventualen vermochte er die Ordensdisziplin nicht wiederherzustellen. Drei von ihnen, die dem Konkubinat verfallen waren, wollte er aus dem Stift in ein anderes überstellen, damit nicht auch die jungen Kleriker verführt würden. Über alle diese Probleme ist Kobl unvermutet am 10. Oktober 1602 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufhebung 1604 und Übergabe an den Jesuitenorden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der frühe Tod Propst Kohls hinterließ im Stift ein gefährliches Vakuum. Zwar wählten die Chorherren im darauffolgenden April neuerlich Matthias von Staudach zum Propst, und das in Anwesenheit des Abtes von Arnoldstein als Vertreter des Patriarchen, doch auch diesmal ohne Regierungskommissär. Wieder verweigerte die Grazer Regierung dem gewählten die Anerkennung und verbot ihm die Führung der Geschäfte. Die Kanoniker wandten sich an den Erzherzog und wiesen auf ihre Privilegien und die Zustimmung des Patriarchen bezüglich der vorgenommenen Wahl hin. Auch die Ernennung Staudachs zum Administrator Eberndorfs und Vikar durch den Patriarchen (14. November 1603) nützte nichts. Der Erzherzog hatte längst andere Pläne und hielt die Kanoniker hin.&lt;br /&gt;
Der Koadjutor des Patriarchen, Francesco Barbara, hatte bei seinen Visitationen in Kärnten 1593/94 die katastrophale Lage des Katholizismus in diesem Teil der Diözese kennengelernt und befürwortete die Errichtung eines Jesuitenkollegiums in Kärnten. Als er Patriarch geworden war, hegte er die Absicht, die Einkünfte von Eberndorf für ein zu errichten des Jesuitenkolleg in Görz und die Installierung eines Archidiakons des Patriarchen für Unterkärnten mit Sitz in Eberndorf zu verwenden. Für ein Kolleg im erzprotestantischen Villach war die personell schwache Abtei Arnoldstein in Aussichtgenommen, doch legte sich diesfalls der Bischof von Bamberg, dem dieses Stift unterstand, quer. Das Stift Millstatt hatte der Jesuitenorden bereits 1598 „okkupiert&amp;quot;, bevor es ihm 1600 vom Papst bestätigt wurde, und für ein Jesuitenkolleg in Laibach verwendete man die Kartause von Pletriach/Pleterje. Wollte der Erzherzog ein neues Kolleg gründen, konnte er dies – mangels eigenen Geldes – nur auf Kosten bestehender Stifte oder Klöster tun. Der erzherzogliche Plan, in Klagenfurt ein Jesuitenkolleg ein zurichten und dazu Eberndorf und seine inkorporierten Pfarren zu verwenden, stieß aber nun auf den Widerstand des sonst jesuitenfreundlichen Patriarchen. Denn dieser fürchtete um seine Jurisdiktion über die Eberndorfer Pfarren, sollten diese jesuitisch werden. Die Jesuiten, bereits auf Eberndorf aufmerksam gemacht, bemühten sich, die Bedenken Barbaras zu zerstreuen und fanden im Erzherzog einen konsequenten Förderer ihres Anliegens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lavanter Bischof Georg Stobäus von Palmburg (1584-1618) erwuchs der Propstei zuletzt ein Gegner, dem das personell schwache Kapitel nicht gewachsen war. Stobäus besaß das uneingeschränkte Vertrauen des Erzherzogs und war ein erklärter Feind der Protestanten, zu deren Zurückdrängung in Kärnten er das Kolleg in Klagenfurt ins Leben rief, wo 1602 die ersten Jesuiten eintrafen. Stobäus beredete den Erzherzog, die reiche Propstei Eberndorf den Klagenfurter Jesuiten zu schenken. Im Stiftgäbe es derzeit keinen Propst und nur sehr wenige Kanoniker, deren Lebenswandel wenig erbaulich sei.&lt;br /&gt;
Ohne die päpstliche Zustimmung zur Aufhebung abzuwarten ließ Erzherzog Ferdinand per Dekret vom 29. Juli 1603 die mobilen und immobilen Temporalia den Jesuiten für ein zu errichtendes Kolleg in Klagenfurt übergeben. Die Eberndorfer Kanoniker wandten sich an Kardinalstaatssekretär Aldobrandini um Hilfe gegen die Jesuiten, die sie als Usurpatoren bezeichneten. Sie wandten sich auch schriftlich an den Papst selbst, der dem Erzherzog durch den Nuntius in Graz mitteilen ließ, dass er sich des Verbrechens der unerlaubten Besitzergreifung von Kirchenvermögen schuldig gemacht habe. Der Erzherzog sah seinen Fehler ein und war bereit, die beiden Jesuiten aus Eberndorf abzuziehen und die Besitzergreifung zu widerrufen. Auch die Jesuiten schienen geneigt, Eberndorf aufzugeben. Nun appellierten die Kanoniker an den Patriarchen, ihnen zu sagen, was sie tun und wovon sie leben sollten. Er möge ihnen seinen Schutzgewähren und den früheren Zustand wiederherstellen. Aus dem Streit über die Gültigkeit der letzten Propstwahl war ein Tauziehen um den Fortbestand des Stiftes geworden, das eineinhalb Jahre dauerte. Der Patriarch stand mittlerweile ganz auf Seite des Kapitels, weil das Stift seit seiner ersten Gründung im Jahre 1146 (! - richtiges Datum oder irrig statt 1106?) zur Kirche von Aquileja gehöre. Da erkrankte der Papst und die Angelegenheit blieb in Rom vorerst unerledigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den ganzen Winter 1603/1604 gab es über diese Frage einen regen Briefwechsel zwischen Graz, Eberndorf, Aquileja und Rom. Letztendlich war nicht das Fehlen eines Propstes – der Gurker Domherr Matthias von Staudach wäre gerne bereit gewesen, dem Stift als Propst wieder aufzuhelfen –, der personell überalterte und geschrumpfte Konvent oder die schlechte Wirtschaftslage des Stiftes für seine Aufhebung ausschlaggebend.&lt;br /&gt;
Allein gegenreformatorische Gründe führten die Entscheidung herbei. Der katholische Erzherzog brauchte die Jesuiten, um mit ihrer Hilfe den Protestantismus aus seinen Erblanden zu verdrängen. Da er aber die zu errichtenden Kollegien nicht mit landesfürstlichem Kammergut dotieren wollte, griff er nach geistlichem Gut, das ohnehin seit jeher als Kammergut galt. Deshalb musste Eberndorf als Augustiner-Chorherrenstift unter-gehen. Das gegenreformatorische Argument und die persönliche Intervention Erzherzog Maximilians, eines Bruders Ferdinands, beim neuen Papst dürften diesen letztendlich umgestimmt haben. Aquilejas Position war zu schwach, um die Propstei vor dem Zugriff der Jesuiten zu bewahren. Denn der Erzherzog hatte gedroht, das Patriarchat militärisch anzugreifen, sollte der Patriarch als venezianischer Adeliger den venezianischen Gesandten am Heiligen Stuhl um Intervention beim Papst bitten.&lt;br /&gt;
Am 5. April 1604 erließ Clemens VIII. das Aufhebungsdekret bezüglich Eberndorf. Er berief sich darin auf ein schon früher erlassenes Dekret, wonach alle vakanten Propsteien und Konvente seiner Verleihung oder Verfügung vorbehalten seien. Dies sei nun bei Eberndorf der Fall und deshalb gebe er der Bitte des Erzherzogs, die Propstei zur besseren Dotierung eines Jesuitenkollegs verwenden zu dürfen, nach. Er hebe deshalb die Propstei auf, ordne aber die gerechte Versorgung der Chorherren für ihr auch fernerhin an die Klosterregel gebundenes Leben an. Der Patriarch stimmte der Aufhebung resigniert zu, da er sah, dass er den Ausgang der Sache nicht mehr verhindern konnte. Am 29. Juli fand in Beisein des päpstlichen Nuntius in Graz Gerolamo Porcia, des Sekkauer Bischofs Martin Brenner als Regierungskommissär, des Kärntner Landeshauptmanns, des Landesvizedoms und des Jesuitenprovinzials P. Alphons Carrillius die Übergabe der Kanonie an den habgierigen Orden statt. Im Kloster lebten noch fünf Chorherren, von denen vier angeblich so krank waren, dass sie nicht zelebrieren konnten. Ihre Versorgung übernahmen die Jesuiten. Der jeweilige Jesuitenrektor von Klagenfurt erhielt Titel und Rechte eines Propstes von Eberndorf und Archidiakons des Jauntales. Der Patriarch konnte die Aufhebung des Stiftes nie verschmerzen. Noch 1611 beklagte er die Unterdrückung der reichen Propstei Eberndof durch den Erzherzog, während die Seckauer Chorherren in ihrer Chronik den Untergang des Bruderstiftes mit den Worten kommentierten: „Devoraverunt hanc canoniam patres Jesuitae iam aliunde locupletes.“&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde Eberndorf staatliche Studienherrschaft. 1809 übernahmen die von St. Blasien gekommenen Benediktiner des wieder errichteten Stiftes St. Paul im Lavanttal die Herrschaft als Eigentümer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schule==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aachener Synode von 789 bestimmte, dass jedes Kloster oder Domstift eine Schule errichten sollte, in der neben (lateinischer) Grammatik, Rhetorik und Dialektik auch die artes reales Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik gelehrt werden sollten. Eine Klosterschule hatte sich überdies um den Nachwuchs für das Haus zu kümmern, also Kleriker heranzubilden. Dazu schrieb das 4. Laterankonzil (1215) allen Kapitelkirchen vor, einen „magister“ zu halten, der die Kleriker in Grammatik und anderen Wissenschaften unterrichten sollte. Dies betraf in Eberndorf das Lesen und Studium der Bibel ebenso wie der Schriften des Ordensvaters Augustinus und der anderen „Väter&amp;quot;. Dann aber auch das Erlernen des Chorgebetes und -gesanges und der Liturgie allgemein. Die Urkunde von 1236 September 20 Saldenhofen, mit der Cholo von Saldenhofen gegenüber dem Stift auf seine Betvogtei verzichtete, schrieb ein gewisser Johannes Scholaris, „sub diaconus Junensis“. Zur gleichen Zeit wird ein „magister Hailwardus“ genannt. Dies sind die frühesten Nachrichten, aus denen auf die Existenz einer Klosterschule geschlossen werden kann. 1298 wird ein Chuonrat, 1310 Johann der Jussel von Völkermarkt als Schulmeister in Eberndorf und 1362 ein „scolasticus“ (Erzieher) der Schüler urkundlich erwähnt. Der 1440 gestorbene Kantor Johannes schenkte dem Stift „solemnia gradualia“ für den Chor. Vor 1480 gab es einen Magister Nikolaus und seine Frau Krispa, die ins Eberndorfer Nekrolog eingetragen wurden. 1531 starb der Organist des Klosters. Einer seiner Nachfolger war der aus Meißen stammende Klosterorganist Sigmund Quas. Sollte er evangelisch gewesen sein und reformatorische Orgelwerke und Lieder gespielt haben? 1588 unterhielt das Stift sieben oder acht Schüler, andere frequentierten bloß die Schule. Noch zwei Jahre später gab es ein en Schulmeister und einen Organisten in Eberndorf. Das sind die eher spärlichen Hinweise auf eine Schule, die feierliche Liturgiegestaltung und die Existenz einer Orgel im alten Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Spital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon Patriarch Berthold von Aquileja (1218–1251) hatte – nach einer späteren Nachricht – dem Stift Zehente im Dorf Edling in der Pfarre St. Michael ob Bleiburg zwecks Errichtung eines Spitals für Arme geschenkt. Dieses soll um 1226 – noch zu Lebzeiten des Patriarchen – tatsächlich errichtet worden sein. Es war mit der dazugehörigen Kirche dem heiligen Antonius von Padua geweiht und stand nordwestlich des alten Ortes Eberndorf, unweit des Stiftsmeierhofes. Mit der Zeit erhielt das Spital weitere Güter übertragen. 1397 erlaubte der Patriarch dem Konvent, den Besitz des Spitals durch ein en Kanoniker verwalten zu lassen. Der erste könnte der 1419 gestorbene Chorherr Andreas de Sittersdorf, Provisor des Spitals, gewesen sein. Die Spitalstiftung überdauerte alle Wechselfälle der Zeit, war 1886 der Gemeinde Eberndorf zur Verwaltung übertragen und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit liegenden Gütern aus dem Erbegraf Chazelins und vom Patriarchen mit Pfarren und ihren Zehenten seit der Gründung gut dotiert, scheint die Propstei die ersten zwei Jahrhunderte ihres Bestehens – trotz einiger Anfangsschwierigkeiten mit ihren Vögten – gut gewirtschaftet zu haben. Zahlreiche Güterschenkungen und Ankäufe erhöhten die Einkünfte kontinuierlich. Dies zeigen die von der Propstei geleisteten Steuern. An den Grafen von Tirol hatte die Propstei 1292 zwei Goldgulden zu entrichten und das Aquilejer Zehentregister von 1296 weist hinsichtlich des von Papst Bonifaz VIII. auferlegte Zehents die Propstei für zwei Termine mit 25 solidos grossarum aus. Die 1323 veranstaltete Sammlung des päpstlichen Legaten im Archidiakonat Kärnten nennt die Propstei an erster Stelle mit einem Sammelergebnis von 15 Mark Agleier Pfennige. Zur selben Zeit befand sich das herzoglich kärntnerische Landgericht im Jauntal als Pfand in der Hand des Propstes und noch 1391 hatte das Stift 250 Mark Silber auf dem Landgericht sichergestellt liegen. Um diese Zeit beginnen weitere umfangreiche Güterankäufe in und um Eberndorf, aber auch in entfernteren Gegenden, wie z.B. Lembach/Limbuc bei Marburg/Maribor. Dort war das Stift schon früh zu Weingärten gekommen. Zwischen 1272 und 1277 erhielt das Stift das Fischrecht mit einem Netz am Klopeinersee, 1508 besaß es dort bereits das Recht auf drei Fischer. 1316 erwarb es einen Teil am Sablatniggsee (Zapottnicksee) in der Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf # St. Veit im Jauntal|St. Veit im Jauntal]]. Auch in der Drau und in dem in diese fließenden Vellachbach (südlich von Möchling) fischte das Kloster, hatte aber deshalb jahrelang Streit mit dem Stift St. Paul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Großen Besitzzuwachs erzielte das Stift durch Propst [[Georg („de Capella“, aus Eisenkappel)|Georg]] († 1421), der den Besitz des Stiftes auf beinahe 100 Huben vermehrte und Weingärten, Wiesen und anderes erwarb. In den dreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts veräußerte die Familie Kriegfelder zahlreiche ihrer Besitzungen an Eberndorf, ebenso die adeligen Rechberger. Letztere wollten aber dann den Verkauf nicht anerkennen. Sie griffen sogar das Kloster an, verwüsteten es mit Feuer und Schwert und raubten den Kaufbrief. Deshalb der kaiserlichen Ungnade verfallen, wurde ein Teil ihrer Güter vom Kaiser eingezogen und an andere vergeben, die der Propstei verkauften aber dieser bestätigt (1441).&lt;br /&gt;
In den Jahren 1473 und 1476 bedrohten die Türken das Land, gleichzeitig drangsalierten die Soldaten des Ungarnkönigs Matthias Corvinus Stift und Bevölkerung schwer. Wehrbauten mussten errichtet werden, um die Klostergebäude und Pfarrkirchen zu schützen, was viel Geld kostete. 1476 übergab ein Adeliger dem Stift 120 ungarische Goldgulden mit dem Auftrag, das Stift durch Mauern und Gräben vor den Türken und anderen Feinden zu schützen. Dafür sollte das Stift für ihn einen Jahrtag halten. In diesen Notzeiten suchte sich der damalige Propst [[Lorenz]] vermehrt der Gebete anderer Klöster zu versichern, mit denen sich Eberndorf zahlreich verbrüderte. 1483 richtete ein durch Blitzschlag entstandener Großbrand schwere Zerstörungen an Kirche und Kloster an.&lt;br /&gt;
Zwei Jahre später beauftragte der Patriarch seinen Generalvikar mit dem besonderen Schutz der Propstei, die durch Beraubung schweren Schaden erlitten habe. Darüber hinaus hatte die Propstei erhöhte und immer wieder aufs neue geforderte Landes- und außerordentliche Steuern aufzubringen, die die finanziellen Möglichkeiten des Klosters erschöpften. Propst [[Leonhard von Keutschach]] (1480-1490) bemühte sich deshalb um ein Darlehen, um das arme Gottshaus vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bewahren, erntete aber dafür beim Kapitel wenig Dank. Dass Kaiser Friedrich III. dem Stift und seinen Untertanen die ihm zu leistende Robot erließ, konnte sich da höchstens lindernd auswirken. Eine spürbare Hilfe bedeutete die Übernahme des landesfürstlichen Amtes Stein samt dem Landgericht im Jauntal auf Rechnung, die Propst Keutschach erreichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verkauf von Chorherrenpfründen durch das Stift, wie 1507 geschehen, ist besonders im 16. Jahrhundert in den meisten Stiften gang und gäbe gewesen. Die Chorherren besaßen Geld und mitunter beträchtlichen Eigenbesitz zur persönlichen Verfügung.1362 stiftete der Dechant Jakob mit einem Gut, das er gekaut hatte, einen Jahrtag in Eberndorf. 1460 leistete der Chorherr Martin Lempl von seinen Gütern dem Prokurator eines spanischen Ordens zum Loskauf von Gefangenen einen entsprechenden Beitrag und erhielt dafür Ablässe. Noch 1537 kaufte der Chorherr Jakob Pruethe von seiner Mutter ein Gut samt drei Äckern, weil er seinen Eltern seinerzeit Geld für den Kauf des Gutes dazugegeben hatte. Besonders vermögend war Propst Valentin Fabri, der aus eigenem Geld etliche Stiftungen errichtete.&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Johannes Wildensteiner]] (1509–1532) und seinem Nachfolger [[Andreas Lochner]], der gleichzeitig Propst von Völkermarkt und zuerst einige Jahre Koadjutor in Eberndorf war (1527/1532–1544), scheint sich die Propstei insgesamt erholt zu haben. Und dies trotz der vom Landesfürsten 1529/30 von Eberndorf – wie allen anderen Klöstern in den österreichischen Erblanden – verlangten „Quart&amp;quot;. Diese bedeutete, dass von allem geistlichen Grundbesitz der vierte Teil der Gülten (Steuereinheitswert des Grundbesitzes) zu veräußern und der Erlös König Ferdinand I. zur Fortführung des Türkenkrieges in bar zu übergeben war. Eberndorf besaß damals Gülten im Ausmaß von 648 Pfund, 7 Schilling und 22 Pfennigen, die einen Geldwert von 14.900 Pfund Pfennigen (=Gulden) hatten. Ein Viertel von beiden waren 3.725 Pfund 6 Pfennige Bargeld oder 162 Pfund zu verkaufende Gülten. Bei allen Verkäufen war das Rückkaufrecht vertraglich gesichert, wurde von den Käufern aber meistens ignoriert. Als Käufer der Gülten traten Hans Ungnad, Landeshauptmann in Steiermark, und sein Bruder Andrä, als Besitzer der Burg Sonnegg und Nachbarn des Stiftes, auf. Sie erwarben um 2.367 Pfund Pfennige (oder Gulden) etwas über 100 Pfundgülten, wovon das Schlossgut Wasserhofen bei Kühnsdorf 2.000 Pfund Pfennige wert war. 1530 jedoch übernahm das Stift diese Güter, ausgenommen sechs Stück, von den Käufern wieder als Pfand. 21 Pfundgülten kaufte zu freiem Eigen (!) Sigmund Freiherr von Dietrichstein, der damit seine Herrschaft Hollenburg in Südkärnten arrondierte. Es handelte sich um Huben, Güter und Zulehen bei Niederdorf, Gallizien,,,Kleinperg &amp;quot; und anderen Orten. Weitere 12 Pfund gingen an andere Interessenten. Der Propst selbst bezahlte 110 Pfund Pfennige bar und erbot sich, die noch unverkauften 29 Pfundgülten (im Wert von ca. 450 Gulden) ebenfalls selbst zu bezahlen. Damit erwies sich das Kloster nicht nur als wirtschaftlich um sichtig, sondern auch als liquid. Propst Wildensteiner tätigte darüber hinaus noch mehrere größere Ankäufe, darunter freieigene Güter im Jauntal und in Gonobitz/Konjice, aber auch eine Mühle und etliche Huben in Kappel, die landesfürstliche Lehen waren, konnte er für das Stift erwerben. Die meisten stiftischen Huben wurden von diesem zu Kaufrecht gegen Reichung des jährlichen Urbarzinses und des dritten Pfennigs beim Weiterverkauf durch den Besitzer vergeben. Außerdem hat Propst Wildensteiner das Kloster durch Zubauten erweitert und verschönert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreich sind die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angekauften Weingärten, mit denen das Stift seinen Weingartenbesitz bei Marburg/Maribor systematisch erweiterte. Da dieser aber von Eberndorf weit entfernt lag und sowohl Bewirtschaftung als auch Transport kostenintensiv waren, hielt sich der Gewinn für das Stift in Grenzen. Dabei hätte der überschüssige Wein bei günstigem Verkauf das Bargeld ins Hausgebracht. 1589 warfen die Weingärten des Stiftes 50 Fässer Wein ab, von denen aber nur 20 Fässer als Reinertrag übrigblieben, mehr als die Hälfte des Gewinns verschlangen die Kosten. Propst Valentin war ein großer Gönner seines Stiftes. Er besaß als elterliches Erbe mehrere Weingärten in Skalitz bei Gonobitz, Frauheim bei Marburg/Pram und Marburg und hatte 1505 sechs Huben zu Preurat bei Gonobitz und eine Hofstatt zu Gonobitz selbst, später noch mehrere andere Weingärten und Äcker bei Gonobitz gekauft. Er übergab sie seinem Kloster, indem er sie teils mit geistlichen Stiftungen zugunsten seiner Familie verband, teils zum Tisch des Pfarrers von St. Peter und Paul in Tainach bei Gonobitz widmete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Lucas Mayr (1560–1573) wird für den wirtschaftlichen und sittlichen Verfall des Stiftes verantwortlich gemacht. Beides ist eine Tatsache. Mayr dürfte aber ein bereits schwer verschuldetes Heimwesen übernommen haben. Schon Propst Andreas Lochner hatte das Amt im Lavanttal um 600 Gulden verpfänden müssen, um den vom König Ferdinand I. geforderten Kriegsbeitrag von 2.000 Gulden aufzubringen. 1563 soll Propst Mayr mit dem Abt von Viktring dem Kaiser 30.000 (?) Gulden geliehen haben. Im selben Jahr lieh er dem Hans Ungnad, Besitzer von Sonnegg, 8.000 Gulden, wofür das Stift Realitäten bei Sonnegg und Eberndorf als Pfand erhielt. Dass sich darunter auch Güter befanden, die zur gestifteten Kaplanei im Schloss gehörten, zeigt, was der evangelische Adel von geistlichen Benefizien hielt. Das Stift hatte nämlich Güter zum Pfanderhalten und angenommen, die ohnedies schon ihm gehörten. Sie wurden erst kurz vor der Stiftsaufhebung wieder der Kaplanei und deren Verwaltung dem Propst zugesprochen.&lt;br /&gt;
Die Regierung glaubte, mit der Absetzung Mayrs die Probleme gelöst zu haben. Die nachfolgenden Pröpste – zum Teil Kloster- und Ordensfremde – regierten jedoch viel zu kurz, um den wirtschaftlichen Aufschwung des Stiftes bewerkstelligen zu können. Sie waren mit ihrer Aufgabe wohl auch überfordert. Streitigkeiten des Kapitels mit dem Grazer Hof um das Recht zur Wahl neuer Pröpste und ihre landesfürstliche Bestätigung erschwerten zusätzlich die notwendige Konsolidierung der Propstei nach innen und außen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1577 sahen sich die Stifte Eberndorf und Viktring mit einer Klage der Erben des Leonhard von Siegersdorf auf Bezahlung von 6.000 Gulden samt Zinsen konfrontiert, die dem Erzherzog geliehen worden waren. Beide Stifte waren quasi ohne Vorstände und der Schaffer von Eberndorf bat den Erzherzog um Abwendung der Zahlung. Gleichzeitig informierte der Schaffer namens des Konvents den Landesfürsten, dass der abgesetzte Propst Lucas Mayr mit seinem verstorbenen Nachfolger Wolfgang von Neuhaus vereinbart habe, dass Mayr lebenslänglich und danach seinen Kindern und Verwandten ein Deputat vom Kloster gereicht werden solle. Außerdem seien ohne Wissen des Konvents vom Expropst Schulden gemacht und die Schuldbriefe dem Erzherzog zur Bestätigung eingereicht worden. Der Konvent könne diese Zahlungen nicht ohne Schaden für das Kloster leisten. Er bitte den Erzherzog, die Ratifikation für die Schuldverschreibungen abzulehnen und den abgesetzten Propst auf seine gewöhnliche Herrenpfründe zu verweisen.&lt;br /&gt;
Im selben Jahr (1577) konnte Propst [[Vitus Preysl]] eine Schuld an Christoph Reinwald zu Rojach über 1.200 Pfund Pfennige (= 1.200 Gulden) nicht bezahlen und wurde vor das Klagenfurter Landrecht zitiert. Ob und wie er das Geld aufgebracht hat, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
Vielleicht mit Hilfe des Propstes von Griffen, von dem er sich drei Jahre später mit landesfürstlicher Bewilligung 3.000 Gulden lieh. Bei dieser aussichtslosen Finanzlage mutet das Begehren Erzherzog Karls an die Prälaten von Eberndorf und Viktring um Bedeckung von 10.000 Gulden zur Abfertigung Moriz Christoph Khevenhüllers mehr als seltsam an. Der Erzherzog hatte Khevenhüller an die Stiftsvorstände gewiesen und Khevenhüller wollte nun das Geld von diesen einklagen. Der Erzherzog beruhigte 1583 die Prälaten, er habe die Klage abgewendet, sie sollten das Geld aber irgendwo auf ihren Kredit aufnehmen.&lt;br /&gt;
Aus diesen und vielen anderen Ursachen verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Propstei so sehr, dass ein Administrator in temporalibus bestellt werden musste. 1583 übernahm Propst Gregor Latonius von Völkermarkt die finanzielle Verantwortung für Eberndorf. Propst [[Matthäus Scharrer|Matthäus]] von Eberndorf führte die Misere seines Stiftes auf schlechte Hauswirtschaft seiner Vorgänger und darauf zurück, dass einige von ihnen mehr für ihre Verwandten, als für das Stift gesorgt hätten. Propst Lucas habe in Bleiburg ein Haus gebaut und zwei Huben gekauft, die nicht in das Eigentum des Stiftes gelangt seien. Auch sein Nachfolger Bartholomäus habe in der kurzen Zeit seiner Regierung mit Stiftsgeldern Grundstücke gekauft, die Kaufbriefe aber vordatiert, um den Anschein zu erwecken, er hätte die Ankäufe noch als Pfarrer von Sittersdorf getätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Bartholomäus 1583 in Windischgraz starb, sei dessen Nachlass samt den Kaufbriefen bei seinem dort lebenden Vater verblieben. Das Stift ersuchte den Erzherzog um Einantwortung der betreffenden Güter und um die Erlaubnis, sie zur Schuldentilgung verkaufen zu dürfen.&lt;br /&gt;
1588 setzte der Erzherzog den Laibacher Bischof Johann Tautscher zum Administrator in temporalibus ein, der die undankbare Aufgabe hatte, das schwer verschuldete Stift durch sparsames Wirtschaften zu sanieren. Dies rief den lebhaften Widerspruch des Kapitels her vor. Als Aquileja dem Propst Matthäus auch die geistliche Leitung entziehen wollte, wählten die Kanoniker gegen alles Herkommen und unter Ausschluss der Regierung einen neuen Propst. Sie beklagten sich über unzulängliche Kleidung und Kost, was der Administrator bestritt. Dieser berichtete dem Erzherzog, dass er den Konventualen immer fünf Speisen und drei Halbe Weingeben lasse. Trotzdem sei ihnen alles zu wenig und zu schlecht. Sie würden die Tage für den Empfang eines außerordentlichen Weines besser kennen, als die Tage der Heiligen im Brevier. Währender schon über 8.000 Gulden Schulden bezahlt habe, hätten sie heimlich neue gemacht. Eine persönliche Aussprache mit den Chorherren in seiner und des Bischofs von Triest Anwesenheit sei ergebnislos verlaufen. Die Antwort des Hofes, vom damaligen Hofsekretär und späteren Propst Ursinus Berthis unterschrieben, lautete dahingehend, die vom neuen Propst und den Kapitularen gemachten Schulden seien nicht zu bezahlen und dies solle auch künftig nicht geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bischof Tautscher hatte nicht nur den Vorteil des Stiftes, sondern auch seinen eigenen im Auge. 1593 schloss der Administrator mit der Pfarrgemeinde von Seeland (südwestlich von Kappel) einen Vertrag über die Einsetzung eines dort ständig residierenden Kaplans. Die Pfarrgemeinde hatte dafür dem Pfarrer von Kappel jährlich fünf Gulden, dem Administrator aber – nicht dem Stift – „zu freyer jährlicher Verehrung“ 15 Pfund Käse zugeben. Propst Ursinus de Berthis betrieb energisch die Eintreibung von Untertanenausständen, so Anfang 1592 die der stiftischen Holden zu Gonobitz. Aus der selben Zeit sind auch eine ganze Anzahl von Kaufrechtsbriefen an Eberndorfer Untertanen vorhanden, die Zehente und Bergrechte betreffen. Die Vergabe von Gütern zu Kaufrecht war für die Untertanen günstiger, weil damit das Erbrecht ihrer Nachkommen am Besitzgesichert bzw. auch der Verkauf des Gutes seitens der Untertanen möglich wurde. Dem Stift hingegen verschafften die beim Besitzerwechsel fälligen Gebühren das so dringend benötigte Bargeld. Eine noch größere Zahl von Anlait- (= Übernahmsgebühr) und Kaufrechtsbriefen hat dann Propst Sebastian Kobl ausgestellt. Dazu bedurfte er aber der Zustimmung des Landesfürsten, der bereits seine Hand auf den Stiftsbesitzgelegt hatte. Die landesfürstliche Verfügung vom Dezember 1601, der Propst möge künftig um solche Konsense bei der Grazer Hofkammer ansuchen, war nur ein weiterer Schritt in Richtung Enteignung der Stiftsgüter zugunsten Dritter.&lt;br /&gt;
Einige Jahre vor der Aufhebung des Stiftes wurde eine Übersicht über seine Wirtschaftslage erstellt. Nach ihr sollen 1588 die Schulden des Klosters 20.000 Gulden betragen haben, während die Einkünfte jährlich 4.000 Gulden ausmachten. Letztere setzten sich zusammen aus etwa 2.000 Star (ca. 160.000 Liter) Zinsgetreide, aus Zehenten, Ehrungen und Strafgeldern. Je 200 Joch Äcker und Wiesen Eigenwirtschaft mussten von den Bauern durch Robotdienst bearbeitet werden, wobei ihnen nur ein Frühstück zustand. An Getreide konnten durchschnittlich 1.000 Star (davon 250 Star Buchweizen) geerntet werden. Heu wurde für 60 Stück Großvieh eingebracht und die Klosterweingärten warfen 50 Fass (10.000 Liter) Wein ab, von denen nach Abzug aller Spesen nur 20 Fass übrigblieben, deren Wert 300 Gulden ausmachte. Für die Küche des Propstes und des Kapitels reichten diese Erträge hin länglich, wie der Expropst 1589 feststellte. Während der Administrator Tautscher durch sparsames Wirtschaften Schulden tilgte, ging Propst Bertis einen anderen Weg. Er nahm zur Verringerung der Schuldenlast neuerlich Kapitalien auf, erzielte aber damit nicht den erhofften Erfolg. Die permanente Finanzmisere brachte das Stift nicht nur an den Rand des wirtschaftlichen Ruins, sondern alarmierte auch den Grazer Hof. Dieser betrieb die Übergabe des Stiftes an den Jesuitenorden deshalb so energisch, weil er für ihn noch möglichst viel an Klostergütern retten wollte, bevor der Konkurs Eberndorf wertlos machen würde. Unter Erzherzog Karl musste das Stift auch das Urbar nach Graz einsenden, weshalb erst aus 1614 Urbare der Eberndorfer Besitzungen und Pfarrpfründen vorhanden sind, die von den Jesuiten angelegt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mittelalter ergaben sich Berührungen zwischen Landesfürst und Stift hauptsächlich wegen der Vogtei oder der Privilegienbestätigungen. Die Vogtei über Eberndorf übten, soweit dies zurückverfolgt werden kann, die Herren von Trixen aus, ohne dass bekannt wäre, wie das Vogtei recht in ihren Besitzgekommen ist. Die Trixener bedrückten das Stift in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts dermaßen, dass es angeblich sogar zu tätlichen Übergriffen gegen Propst Leo kam, der zwischen 1152 und 1154 von Kuno von Lonck im Streit um die Eberndorfer Kirche zweimal aus dem Stift vertrieben, darum sogar geblendet worden und in der Fremde gestorben sein soll. Vor 1194 gerieten die Brüder Cholo und Heinrich von Trixen mit Haward von Jau in Streit über die Vogtei. In diesem Jahr überließ Heinrich die Vogtei vertraglich an Hawards Sohn Cuno, der diese nach einem Jahr gegen eine hohe Entschädigung zugunsten Heinrichs in die Hände des Herzogs von Kärnten – als Lehensherr Cunos – resignierte. Der Patriarch bestätigte im selben Jahr die diesbezüglichen Vereinbarungen. Sie bestimmten, dass der Vogt vom Kloster und vom Dorf Eberndorf keine Abgaben fordern und dort auch keine Gerichtstage halten dürfe, außer er würde vom Propst dazu erbeten. Blutfälle sollten dem Vogt vorbehalten, Bußgelder bei Straffällen der niederen Gerichtsbarkeit zwischen Propst und Vogt im Verhältnis zwei zu eins geteilt werden. Alle Beamten konnten vom Propst ohne Mitsprache des Vogtes ein- oder abgesetzt werden. Dass 1220 Herzog Leopold VI. von Österreich und Steiermark als Vogteiherr über Eberndorf auftritt und damals urkundlich gelobte, die Vogtei nicht mehr zu vergeben, sondern selbst auszuüben und dies auch für sein Nachfolger versprach, wird mit zeitweiligen Ansprüchen des Babenbergers auf die Vogtei als Lehensherr der Trixener erklärt. Die Bestätigung des Vertrages von 1194 durch Herzog Ulrich III. von Kärnten erwähnt bezeichnenderweise die Urkunde von 1220 nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Aussterben der Herren von Jaun (Juneck) fiel deren Erbschaft an den Herzog von Kärnten, weil im Urbar des Schlosses Rechberg Herzog Ulrichs III. 1267/68 die Vogtei über Eberndorf ausdrücklich als Erbe nach Cuno von Junek bezeichnet wir d. Deshalb wurde das Blutgericht über Eberndorf zuerst von der Burg Sonnegg (wahrscheinlich früher Junek genannt) und spät er von Rechberg aus wahrgenommen. Erst als das Schloss Slein im Jauntal in den Besitz Kaiser Friedrichs III. kam, wurde Eberndorf 1454 bezüglich des Blutgerichts dem Landgericht Stein unterstellt, bei dem das Stift weiterhin verblieb. Damals wurden auch die Grenzen des Burgfrieds von Eberndorf (dieser schon seit 1194 festgelegt), die der Freiung Sittersdorf, die zum Landgericht im Jauntal gehören den Kirchtage etlicher Kirchen, die der Propst zu „behüten&amp;quot; hatte, so wie die Fischrechte im Vellachbach festgehalten. Die Vogtei lag also seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts beim Kärntner Landesfürsten. Ab 1394 zahlte das Kloster für die landesfürstliche Vogtei des Jauntals jährlich nur noch 10 Gulden, wobei Besitz und Untertanen der Propstei im herzoglichen Landgericht Jauntal denselben Status wie des Hezogs Leute daselbst hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle zeitlich später erwähnten Vogteirechte betrafen nur mehr einzelne, dem Stift geschenkte oder verkaufte Güter bzw. Kirchen, wie z. B. das Patronat und die Vogtei der Marienkirche in Globasnitz, welche der Herzog von Kärnten 1265 dem Propst Johann wegen dessen großer, aber nicht näher benannten Verdienste schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestätigungen von Privilegien ergingen von 1266 (Herzog Ulrich III. von Kärnten) bis 1601 (Erzherzog Ferdinand II.), während päpstliche Privilegien- und Besitzbestätigungen ohne Nennung der Rechte und Stücke in den Jahren 1341, 1448 (Kardialdiakon Johannes von St. Angeli, päpstlicher Legat) und 1450 erfolgte. Vor 1329 besaß der Propst das herzogliche Landgericht im Jautal als Pfand, verzichtete aber 1391 auf die Pfandsumme von 250 Mark Silber und erhielt dafür vom Landesfürst die Gleichstellung seiner im Landgericht befindlichen Untertane und Güter mit jenen der herzoglichen Dienstherren, Ritter, Untertanen und Güter. Das damals festgesetzte Vogteigeld von jährlich zehn Gulden erließ Friedrich III. 1481 dem Stift, weil es kurz zuvor schwere Schäden durch den Türkeneinfall und die Ungarn erlitten hatte. 1408 gestattete Herzog Ernst dem Stift, den Nachlass der verstorbenen Pfarrer der stiftischen Lehenspfarre Rechberg, Globasnitz, St. Kanzian, Gallizien, Schwabegg, Neuhaus und Leifling gegen Reichung eines Winterpelzes und zweier Filzschuhe an ihn – zur Erinnerung an seine Vogtei über diese Pfarren – einzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den schweren Verwüstungen, die dem Stift und seinen Gütern durch die Ritter von Rechberg zugefügt wurden, wobei auch Urkunden verloren gingen, ließ Kaiser Friedrich III. 1454 die stiftischen Privilegie neu erheben und festschreiben. Es handelte sich um das Gericht im Burgfried Eberndorf, desen Grenzen genau angegeben wurden, die fürstliche Freiung zu Sittersdorf und die Kirchtage, die zur Vogtei und zum Landgericht Stein im Jauntal gehörte, aber vom Propst zu beaufsichtigen waren. Schließlich wurde auch das Fischrecht des Propstes, das dieser gemeinsam mit dem Kloster St. Paul und dem Besitzer von Sonnegg ausübte, anerkannt. 1455 behielt sich der Papst die Besetzung von zehn Abteien und Propsteien, darunter Eberndorf, nach den Vorschlägen des Kaisers vor. Damit war die freie Wahl unterdrückt, der Landesfürst ernannte, der Papst bestätigte. Darauf lief die Praxis hinaus. Ob Eberndorf davon betroffen war, ist fraglich, da der damalige Propst noch mehr als zwanzig Jahre regierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1476 wird in Eberndorf erstmals ein Richter (später „Hofrichter&amp;quot;) erwähnt, der die Niederegerichtsbarkeit über die Stiftsuntertanen besorgte. Die zur selben Zeit genannten zwei Offiziale waren wohl Verwaltungsbeamte des Stiftes. nach 1481 befreite der Kaiser das Stift von jeder Gerichtsbarkeit, ausgenommen die dem Landgericht vorbehaltenen Blutfälle, und unterstellte es direkt dem kaiserlichen Gericht. Eine Verfügung von 1487 setzte die gerichtliche Zuständigkeit des Propstes auf dessen Lebenszeit für seine im Landgericht wohnenden Untertanen fest, ausgenommen wieder todeswürdige Verbrechen.&lt;br /&gt;
Da das Stift politisch zum Herzogtum Kärnten gehörte, hatte es bei den Landes- und sonstigen Steuern mitzuzahlen. Ende des 16. Jahrhunderts musste Eberndorf – ähnlich wie andere Stifte – für die zur Landesverteidigung von ihm aufzubietende waffenfähige Mannschaft einen Adeligen als Rüstmeister bestellen und besolden. Seit mindestens 1446 gehörte der Propst als Mitglied der geistlichen Landstände zu den „Landleuten&amp;quot; Kärntens. Denn anlässlich einer damals im Hause Habsburg begangenen Hochzeit betrug der Beitrag Eberndorfs 200 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem Regierungsantritt Ferdinands I. in den Erblandenahm der Landesfürst verstärkt Einfluss auf die internen Geschicke der Propstei, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. 1532 bevollmächtigte das Stift erstmals zwei Prokuratoren, um bei König Ferdinand I. die Bestätigung der Postulation des Propstes von Völkermarkt nach Eberndorf zu erwirken. 1573 zeigte Erzherzog Karl dem Stift an, dass die Grazer Regierung künftig neu gewählte Prälaten nur noch dann bestätigen werde, wenn diese mit ihrem Wahldekret vor ihm oder seinem Vertreter erscheinen und einen Revers unterschreiben. Damit wollte der Erzherzog verhindern, dass häretische oder unfähige Männer zu Stiftsvorstehern gewählt würden. Die Verfügung bedeutete jedoch einen gravierenden Eingriff in die Freiheit des Klosters, den Propst ohne Einflussnahme von außen wählen zu dürfen, und somit ein Präjudiz für künftige Wahlen. Dementsprechend wurde dieses Mandat vom Eberndorfer Kapitel bei der Propstwahl 1577 missachtet, was sofort eine Rüge durch den Erzherzog zur Folge hatte. Später verlangte die Grazer Regierung unnachgiebig die Beiziehung landesfürstlicher Kommissäre zu den Wahlen und verweigerte den gewählten Pröpsten die Bestätigung, wenn ihre Wahl in Abwesenheit landesfürstlicher Vertreter stattgefunden hatte. Deshalb kam es bei der Bestellung der letzten Pröpste zu erhebliche Spannungen zwischen dem Kapitel und dem Patriarchen einerseits und der Regierung in Graz andererseits. Letztere verzögerte nach dem Tod des Propstes Kobl eine Neuwahl. Das beschleunigte die Aufhebung Eberndorfs, die vom Erzherzog auch gegen den Widerstand des Patriarchen als kirchlichen Ordinarius durchgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Jesuitenzeit fungierten die Klagenfurter Rektoren als Pröpste von Eberndorf. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens wurde dem jeweiligen Pfarrer von Eberndorf und seinen. Nachfolgern durch Bestätigung Maria Theresias die Würde eines Propstes und Archidiakons des Jauntales zuerkannt, was das Gurker Ordiariat 1865 neuerlich bestätigt hat und noch 1938 galt. Der letzte Pfarrer, der noch den Titel Propst führte, aber nicht mehr infuliert war, starb vor einigen Jahren, der jetzige führt auch den Titel Propst nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eberndorf und das Patriarchat Aquileja===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung Eberndorfs zum Patriarchat blieb seit der Gründung des Stiftes durch alle Jahrhunderte aufrecht und traditionell gut. Zahlreiche Urkunden der Patriarchen dokumentiere nicht nur deren Sorge für das Stift, sondern auch für den Aufbau einer Organisation der Stiftspfarren. Die Marienkirche in Eberndorf ist wahrscheinlich eine Eigenkirchengründung Chazelins und scheint erst 1154 oder kurz davor zu einer Pfarre erhoben worden zu sein. 1106 wurden dem Kloster angeblich die vier plebes St. Michael in Rosegg (Ras), St. Kanzian, St. Michael ob Bleiburg und Windischgraz/Slovenjgradec (Graz) übergeben. Damit wären Eberndorf alle Taufkirchenpfarren von Villach abwärts bis zur heutigen Staats- und Landesgrenze zur seelsorglichen Betreuung anvertraut gewesen, ausgenommen die ehemalige Eigenkirche Kappel im Rosental, die in der Hand des Patriarchen blieb. Bestätigungen der „Gründungsurkunde&amp;quot; Eberndorfs von 1106 durch die Patriarchen erfolgten 1404 und 1452.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelsorge auf den Eberndorfer Pfarren übten sowohl Weltgeistliche wie Kanoniker aus. Letztere waren Anfang des 14. Jahrhunderts disziplinär bereits reformbedürftig, da der Patriarch ihnen 1304 diesbezüglich einen Brief schrieb. 1309 ermahnte der Patriarch Ottobono alle Prälaten und Kirchenvosteher seiner Diözese, darunter Propst Johannes von Eberndorf, sich innerhalb von sechs Monaten in ihre Residenzen zu verfügen und dort zu bleiben, andernfalls ihnen Kirchenstrafen drohten. Propst Eberhard fungierte 1328 offenbar als Sammler von Geldern, deren Zahlung der päpstliche Legat angeordnet hatte, denn der Propst bestätigte dem Abt von Rosazzo den Erlag von 18 Mark Agleier Pfennigen. Im darauffolgenden Jahr schrieb der Propst dem Patriarchen, er habe den Pfarrer Ulrich von [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Philippen bei Pfannsdorf im Jauntal|St. Philippen bei Pfannsdorf]], der ein skandalöses Leben führte, mit Kirchenstrafen belegt, weshalb er nun um sein Leben fürchten müsse. 1335 verlangte der Patriarch vom Propst unter Androhung der Exkommunikation, die Pfarre Gutenstein/Prevalje künftig keinem Säkularpriester mehr zu verleihen, sondern mit einem Kanoniker zu besetzen, wie dies alter Gewohnheit entspreche. Einige Jahre später bestätigte er dem Stift gegen den Anspruch ein es Säkularpriesters neuerlich den Besitz dieser Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erfolgte Wahl der Pröpste wurde vom Kapitel dem Patriarchen angezeigt und ihre Bestätigung erbeten. Sie wurde auch stets gegeben. Wahlurkunden des Kapitels existieren von 1583 und 1599. Noch Mitte November 1603 ernannte der Patriarch den Gurker Domherrn Matthias von Staudach zum Administrator und Vikar von Eberndorf, dem der Erzherzog jedoch die Anerkennung verweigerte. 1213 wird Propst Leonhard vom Patriarchen als capellanus noster angesprochen. Propst Johannes (III.) wird 1324 aquilejanischer vicearchidiaconus von Kärnten genannt und Propst Hermann von Freg wurde noch als Pfarrer von Rosegg vom Patriarchen zum Archidiakon von Kärnten bestellt (1362), was er als nachheriger Propst von Eberndorf wohl nicht mehr war. Ab 1469 fungierten alle Pröpste als Archidiakone Aquilejas im Jauntal. Valentin Fabri, der bei seiner Wahl zum Eberndorfer Propst den Orden annahm, war Archidiakon des Jaun- und Sanntals. 1571 nennt der Patriarch Propst Lucas, dessen Lebensführung sonst zu Kritik Anlass gab, seinen Archidiaconum Patriarchalem natum und bestellte ihn zu seinem bevollmächtigten Prokurator und Generalvertreter bei der Rekuperation etlicher von den Bischöfen von Laibach der Kirche von Aquileja entfremdeter Rechte und Güter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Pröpste waren vor ihrer Postulation Säkularpfarrer nicht stiftischer Pfarren (zuletzt Sebastian Kobl in Pettau), regierten gleichzeitig ein zweites Stift (Otto [II.] von Rottenbuch und Eberndorf) oder waren ordensfremd (z. B. Andreas Lochner, gleichzeitig Säkularpropst von St. Maria Magdalena in Völkermarkt). Sie alle fanden trotzdem die Bestätigung Aquilejas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als cumulus beneftciorum zu betrachten ist die Verleihung einer großen Pfarre an den Propst, wie dies mit der Pfarre St. Michael ob Bleiburg geschah, die von 1298 bis nach 1335 im Besitz Eberndorfer Pröpste erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Namensliste von Chorherren stammt aus dem Jahre 1236, in der neben dem Propst neun Kanoniker genannt werden, die alle Priester waren. Einer trug den Titel Magister, ein anderer fungierte als Kustos. Anlässlich der Verleihung der Pontifikalien und der Pelzmozzetta durch den Papst an den Propst 1449 wird das hohe Ansehen des Stiftes gerühmt, welches besonders Adelige zu Kanonikern aufnehme. Im Dezember 1493 unterschrieben acht Chorherren das Wahlinstrumet, mit dem sie ihren Mitbruder Andreas Erlpacher zum Propst gewählt hatten, 1497 wählten der Dechant und acht Priesterkanoniker den neuen Propst. Mehr als zehn Chorherren dürfte das Stift aber nur selten gezählt haben. Beim Regierungsantritt der Pröpste Matthäus Scharrer und Sebastian Kobl (November 1583 bzw. Anfang März 1599) bestand der Konvent außer dem Propst aus sieben bzw. acht Kanonikern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war die Disziplin im Konvent stark gesunken – mehrere Chorherren frönten dem Laster des Konkubinats, wie dem Patriarchen berichtet werden musste. Diese Zustände waren auch der Grazer Regierung seit langem bekannt und Wasser auf ihre Mühlen. Bei der Übernahme des Klosters durch die Jesuiten Ende Juli 1604 lebten außer dem Dechant noch vier Chorherren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die soziale Herkunft der ersten Pröpste ist fast nichts bekannt, da sie nur mit ihren Vornamen erwähnt werden. Eine Ausnahme ist Propst Otto II. (†1179). Er war als Graf von Falkenstein Angehöriger des bayrischen Hochadels und mit Patriarch Ulrich II. verschwägert, außer dem gleichzeitig Propst von Rottenbuch. Erst aus dem späten Mittelalter werden auch die Familiennamen der Pröpste überliefert. Propst Hermann von Freg (1378) stammt e aus einem Kärntner Rittergeschlecht, gesessen auf dem Turm Frög unter Rosegg im Drautal, ebenso ritterlicher Herkunft war Propst Ulrich von Christendorf († 1405). Propst Georg „de Capella&amp;quot; († 1421) stammte aus dem Markt Eisenkappel und dürfte bürgerlich gewesen sein. Von reichen Gonobitzer Bürgern stammte Propst Valentin Fabri (1497–1509). Adelig hingegen waren die Pröpste Leonhard von Keutschach, der 1490 Dom Propst in Salzburg wurde und Eberndorf noch drei Jahre als Administrator verwaltete, Johann Wildensteiner († 1532), Andreas Lochner zu Liebenfels († 1544) und Wolfgang von Neuhaus (1573–1577). Die nachfolgenden Pröpste gehörten bürgerlichen Familien an, ausgenommen Ursinus de Bertis, der aus einer Görzer Adelsfamilie stammte, Säkularpriester, Doktor beider Rechte und vor seiner Berufung nach Eberndorf Sekretär bei Erzherzogin Maria in Graz war. 1499 postulierte Erzbischof Leonhard von Salzburg den Eberndorfer Chorherrn Christoph Hofmann auf die Propstei St. Magdalena und St. Mauritzen in Friesach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Lucas Mayr und Bartholomäus Kranich amtierten vor ihrer Wahl als Pfarrer in Sittersdorf. Beim Regierungsatritt Mayrs befanden sich neun Chorherren im Stift, angeblich ohne jene, die auf den Pfarren wirkten. Doch haben sicher alle wahlberechtigten Herren den euen Propst gewählt, weshalb es kaum m ehr als zehn gewesen sein dürften. Propst Jakob Pruethe (1544–1559) war vorher Pfarrer zu Stein im Jauntal. Der letzte Propst Sebastian Kobl war Pfarrer in Pettau, wurde Ende Jänner 1599 Administrator in temporalibs und im Mai zum Propst gewählt, nachdem er sich gegenüber dem Kapitel bereit erklärt hatte, in den Orden zu treten. Seltsamer weise gibt es von den vielen Pröpsten, die Eberndorf hatte, in der dortigen Pfarrkirche und früheren Stiftskirche nur von einem einen Grabstein. Dieser gehört Propst Andreas Lochner, der sich seinen Grabstein zu Lebzeiten errichten ließ. Er trägt die Jahreszahl 1540, während der Propst erst 1544 starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Herkunft der Chorherren im 13. und 14. Jahrhundert ist kaum etwas festzustellen, außer dass der 1298 urkundlich erwähnte Kanoniker Johannes – vielleicht der spätere Propst Johannes II. – ein Schwager des Ritters Wulfing von Rechberg war. Anfangs dürfte sich der Konvent wohl mehrheitlich aus dem Adel der Umgebung Eberndorfs bzw. Unterkärntens rekrutiert haben. Ab dem späten 15. Jahrhundert traten verstärkt bürgerliche Kandidaten ins Stift. Für diese werden im Necrologium als Heimatorte Eberndorf, Gmünd und Straßburg (Kärnten), Cilli/Celje (Steiermark) und Eferding (Oberösterreich) genannt. Die Chorherren des 16. Jahrhunderts stammten nach den Angaben des Nekrologs aus Eberndorf, Bleiburg, Eisenkappel, Klagenfurt, Maria Saal und St. Leonhard im Lavanttal (Kärnten), Voitsberg (Steiermark) und Rudolfswerth (Krain). Adelig war kaum einer von ihnen. Der Konvent hatte immer einige Mitglieder windischer (sloweischer) Zunge, weil die Kenntnis dieser Sprache für die Seelsorge bei der windischen Bevölkerung in den Eberndorfer Pfarren Vorraussetzung war. Die Namen der meisten Chorherren, soweit im Nekrolog verzeichnet, verraten aber deutsche Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Skriptorium und Bibliothek==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1280 nennt sich Johannes dictus Shawer de Juna als scriptor aut compilator einer Urkunde Privater für das Kloster Arnoldstein. Ob es sich bei ihm um einen Eberndorfer Chorherrn gehandelt hat, und wenn ja, ob diese Erwähnung bereits als Nachweis eines mittelalterlichen Skriptoriums in Eberndorf ausreicht, ist mehr als fraglich. Denn später bediente sich das Stift für Beurkundungen eigener Notare, die die Urkunden aufsetzten und schrieben. Im Nekrolog von Eberndorf erscheint im 14. Jahrhundert Johannes Polierer von Prag als Notar des Klosters und noch 1469 stellte der Notar des Propstes ein Transsumpt einer Urkunde aus. Eindeutig belegt ist skriptorische Tätigkeit im Stift nur aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Denn vom Dechant Johannes de Everding, der wohl aus dem oberösterreichischen Eferding stammte und 1444 starb, heißt es, dass er schöne Gradualien, Antiphonarien und andere Bücher geschrieben, illuminiert und auch selbst gebunden habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn 1298 bereits ein Schulmeister in Eberndorf genannt wird, musste auch dieser, wie seine Nachfolger, Bücher besessen haben. Ob die nach Eberndorf postulierten Pröpste des Hoch- und Spätmittelalters sowie des 16. Jahrhunderts Handschriften und Bücher in das Stift mitgebracht oder gekauft haben, entzieht sich mangels Hinweisen der Kenntnis. Der 1476 verstorbene Priester Antonius von Bleiburg schenkte dem Stift außer Geld auch Bücher. Auch andere Priester, Pfarrer, Chorherren und Private haben im Laufe der Zeit dem Kloster Bücher geschenkt, wofür ihre Namen in den Nekrolog gesetzt wurden. Daher ist schon für das 15. Jahrhundert ein gewisser Bücherschatz in Eberndorf anzunehmen. 1588 allerdings befanden sich nach der Aussage des Dechanen in der Bibliothek nur antike, keine neueren Bücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menhardt vertrat die Meinung, Wolfgang Lazius habe 1549 bei seiner Kärntner Bibliotheksreise neben anderen Stiften auch Eberndorf besucht und Hadschriften für die kaiserliche Hofbibliothek in Wien requiriert. Daraus würde sich das gänzliche Fehlen von Handschriften aus manchen der aufgehobenen Klöster erklären. Dies mag hinsichtlich Eberndorfs seine Bestätigung darin finden, dass nach Aufhebung des Jesuitenordens nur sehr wenige und unbedeutende Handschriften aus Eberndorf nach Klagenfurt gekommen sind. In der dortigen Studienbibliothek konnten 1882 nur zwei Handschriften sicher als von Eberndorf stammend identifiziert werden, und zwar die Papiercodices Nr. 99 und 170, letzterer früher im Besitz der Jesuiten. Darüber hinaus wurde auch vermutet, dass einiges an Manuskripten nach der Aufhebung aus der Bibliothek der Jesuiten zerstreut, verschleppt oder beiseitegeschafft worden sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessat ist die Nachricht, in der Sakristei der ehemaligen Eberndorfer Filialkirche von Loibegg/Belovice habe sich noch 1938 ein Rituale aus dem 15. Jahrhundert befunden, desse Buchstaben auf das Pergament teils mit der Handgeschrieben, teils mitgotischen Lettern gedruckt waren. In die Grazer Universitätsbibliothek ist über die Jesuiten aus Eberndorfer Bestäden nichts gelangt. Im Stiftsarchiv St. Paul wird der Eberndorfer Rotulus aufbewahrt, der zwischen Juli 1528 und Juli 1529 die Eintragungen von rund 80 Stiften und Klöstern aus Kärnten, Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich und Wien aufweist. Aus dem Jahre 1604 stammt ein Archivregister von Eberndorf (''„Primus Index litterarum Archivii Oberndorfensis cum earum summis&amp;quot;''), das als Pergametumschlag ein Doppelblatt eines Orationale aus den 14. Jahrhundert (gotische Minuskel, rote und blaue Initialen) besitzt. Es ist heute die Geschichtsvereins-Handschrift 2/40 im Kärntner Landesarchiv. Im selben Archiv existiert als Geschichtsvereins-Handschrift 2/14 das von den Jesuiten angelegte Eberndorfer Kopialbuch („Liber variorum contractum&amp;quot;, 1106-1663).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung Eberndorfs existierte jedenfalls auch eine Bibliothek. Diese dürfte 1603 den Grundstock für die Bibliothek des Jesuitenkollegiums in Klagenfurt gebildet haben, denn sie wurde in diese aufgenommen. Nach Aufhebung des Ordens wurde sie in der Klagenfurter Lyceumsbibliothek aufgestellt, worauf die Bestände in die Klagenfurter bundesstaatliche Studienbibliothek kamen. Dort befanden sich im Jahre 1882 Bücher, deren Herkunft aus Eberndorf durch Vermerke (''Exlibris Eberndorfensis coenobii Col. Clagenf. Soc. Jesu Catalogo inscriptus'') erwiesen ist. Wie viele Werke davon aus dem alten Chorherrenstift stammten und von den Jesuiten nur übernommen worden waren, wurde damals nicht angegeben. Die Bestäde der ehemaligen Studiebibliothek befinden sich jetzt in der Klagenfurter Universitätsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baugeschichte==&lt;br /&gt;
===Kirche===&lt;br /&gt;
Die alte Kirche von Eberndorf reichte bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zurück. Es wurde vermutet, dass das Muttergottes-Patrozinium deshalb gewählt wurde, um eine früher am Ort verehrte weibliche Gottheit zu verdrägen. Von dieser vor 1106 nachgewiesenen Marienkirche ist nichts mehr vorhanden. Patriarch Ulrich ließ sie um 1106 erweitern und darin die sterblichen Überreste des Grafen Chazelin bestatten. Auch der östliche Teil des einstigen Presbyteriums, das um 2,20 m höher liegt als das Schiff und 11 m im Quadrat misst, samt der darunter liegenden ersten Krypta stammen von dieser Kirche. Das Chorquadrat hatte im Osten eine Halbkreisapsis, zwei Eingänge unter dem Priesterchor führten in die Krypta. Die Kirche hatte eine hölzerne Flachdecke, die 3 m niederer als die jetzige Decke war und auf in die Wände gemauerten Pfeilern ruhte.&lt;br /&gt;
Propst Ulrich Christendorfer (1387-1405) errichtete das jetzige, erhöhte Presbyterium. Es ist 13 m lang, hat ein Kreuzrippengewölbe und Strebepfeiler sowie einen 5/8 - Chorschluss, darunter eine gleichlange 3-schiffige Krypta als Verlängerung der bereits bestehenden. Die Weihe des neuen Hochaltares und der Krypta erfolgten 1391 durch den Bischof von Triest Heinrich von Wildenstin gemeinsam mit dem Generalvikar von Aquileja Johann Cado. Die Krypta ist die bedeutendste eben der von Gurk.&lt;br /&gt;
Die Ungnad, seit 1442 Herren auf Schloss Sonnegg, pflegten ihre Toten an der südlichen Außenseite der Kirche zu bestatten. Um die Grabstätte mit der Kirche zu verbinden, entfernten sie die Kirchenmauer und errichteten parallel zur früheren eine neue, wodurch das südliche Seitenschiff mit einer Länge von 20 m und einer Breite von 8 m entstand. Bis 1500 waren dort sieben (nicht 37!) Familienmitglieder begraben worden.&lt;br /&gt;
1483 fiel die Holzdecke der Kirche einem Brand zum Opfer, worauf die Wiederherstellung im Stil der Spätgotik begann. Propst Valentin Fabri vollendete aus Mitteln sei-nes Familienerbes die Einwölbung der Kirche, wobei der Dechant Lucas Fellpacher unter Feierlichkeiten und im Beisein des ganzen Konventes am 7. Oktober 1505 den Schlussstein setzte. Dieses Schlingrippengewölbe trägt die Jahreszahl „''1506''&amp;quot;. Da beim Altar aus dem 15. Jahrhundert, eine von einem Flügelaltar stammende Statue Mariä Verkündigung, die 1938 in der Sakristei stand, und eine Anna Selbdritt Halbrelief aus dem 16. Jahrhundert. Arbeiten der Spätgotik sind auch die Statuen des Florianialtars. Die übrige Kircheneinrichtung stammt aus der Jesuitenzeit und ist barock.&lt;br /&gt;
In der Kirche hängt noch ein Bild in Form eines Altaraufsatzes in der Größe von 3 x 4 m. Der letzte Propst ließ es 1601 ''ad sui suorumque memoriam'' malen. Das Mittelbild stellt das Allerheiligste in der Monstranz dar, die Attika zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. In der Predella knien vor einem Kruzifix der Propst und die sieben letzten Chorherren, alle mit Rosenkräzen in den Händen und ihren Namen bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Patriarch Peregrin I. erklärte 1154, er habe in Eberndorf nicht nur eine Kanonie regulierter Augustinermönche errichtet, sondern auch das Kloster für die vita regularis der Chorherren gebaut. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine Erweiterung der vorhandenen, noch eher bescheidenen Wohngebäude des Säkularkapitels.&lt;br /&gt;
Das jetzige Stiftsgebäude, mit runden Ecktürmen und Schießscharten versehen, stammt aus verschiedenen Epochen. Propst Laurentius (1445-1479) ließ anlässlich des Türkeneinfalls 1473 das Stift mit Wall und Graben befestigen, wozu ihm Georg Löschenpfeffer 120 ungarische Dukatengulden als Messstiftung beisteuerte. Am 14. Oktober 1476 griffen die Türken Eberndorf neuerlich an, wurden aber durch die Befestigungen und die Verteidigung der Klosterleute abgewehrt. Deshalb trieb Propst Leonhard von Keutschach (1480-1490), dessen Brüder in der Eberndorfer Kirche begraben waren, die Befestigungsarbeiten zum Schutz des Klosters voran und gab Anleitungen zur Errichtung von Wehrgalerien an den von den Türken bedrohten Kirchen. Dazu und zum Brand der Kirche von 1483 passt die Erwähnung der Jabrica, also einer Zeche (Bauhütte), aus 1489, ebenso einer fabrica ecclesiaeet monasterii im 16. Jahrhundert. Denn Propst Johannes Wildensteiner (1509-1532) vergrößerte und verschönerte das Kloster und baute Gebäude hinzu. Der im 17. Jahrhundert erwähnte „Dreikönigssaal &amp;quot; war vor der Jesuitenzeit wahrscheinlich eine Kapelle, die sich im Osttrakt der Stiftsgebäude befand, wo man vor dem Zweiten Weltkrieg an der Außenseite in nördlicher Richtung vom Presbyterium der Pfarrkirche vermauerte spitzbogige Fenster sah. 1588 waren die Dächer der Gebäude undicht, letztere deshalb schadhaft.&lt;br /&gt;
Als die Jesuiten Eberndorf übernahmen, unterzogen sie das Ganze Stift einem großzügigen Umbau, denn sie hatten das Geld dazu. Die nördlich der Kirche einen geschlossenen Hofbildenden Gebäude stammen mit Ausnahme der Trakte im Westen und norden vorwiegend aus dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts. Durch die teilweise Einbeziehung mittelalterlicher Gebäude und Mauern entstand der unregelmäßig viereckige Hof. Die Trakte weisen dreigeschossige Pfeilerarkaden unterschiedlicher Achsenzahl auf. 1634 wurden laut Inschrift das Eingangstor mit dem zweistöckigen Aufbau und ein Pfarrhof (,,Benefiziatenhaus&amp;quot;) errichtet. Der Erweiterungsumbau und die Fassadierung werden Peter Franz Carlone zugeschrieben.&lt;br /&gt;
Der weitläufige Bau diente den Jesuiten zuerst als Noviziat, wobei gewöhnlich nur vier Patres im ehemaligen Stift lebten. 1658 wurde das Noviziat aufgegeben und es blieben nur zwei bis drei Patres zurück, die die Seelsorge ausübten und die Wirtschaft betrieben. Um die Räumlichkeiten des Klosters doch zu nützen, führt en die Jesuiten Exerzitien für Priester -meist in der ersten Fastenwoche abgehalten - ein. 1690 richtete ein Erdbeben beträchtlichen Schaden an Gebäuden, Kaminen und Türmen des Stiftes an. 1723 vernichtete ein großer Brand Kloster und Kirche. Der Wiederaufbau dauerte mehrere Jahre und kostete 60.000 fl. 1751 wurde der jetzige Bau fertiggestellt. 1809 übergab Kaiser Franz I. den Benediktinern des ehemaligen Klosters St. Blasien im Schwarzwald das leerstehende Stift St. Paul i. L. und als Dotation u. a. Kloster und Herrschaft Eberndorf samt Gut und Schloss Wasserhofen. Die Stiftsgebäude gehören jetzt der Marktgemeinde Eberndorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Über das Archiv des Klosters im Mittelalter fehlen alle Nachrichten. Vor 1447 wurden dem Kloster angeblich viele Urkunden geraubt und gingen deshalb zugrunde, doch kann sich dies wohl nur auf jene Stücke bezogen haben, die die Güterverkäufe der Rechberger an das Stift betrafen. 1588 wurden die Schriften in einer hölzernen Truhe in der Sakristei aufbewahrt. Das Archiv des untergegangenen Stiftes verblieb größtenteils auch unter den Jesuiten in Eberndorf, einige wichtige Urkunden verwahrten sie allerdings in Klagenfurt. Davon kamen nach der Aufhebung dieses Ordens 36 Originalurkunden (von 1220 bis 1601) in die k. k. Hofbibliothek und liegen jetzt im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Die „älteste&amp;quot; Eberndorfer Urkunde von 1106 (Innovation 13. Jahrhundert) gelangte 1849 an den Kärntner Geschichtsverein und befindet sich im Kärntner Landesarchiv.&lt;br /&gt;
Der übrige Archivkörper verblieb weiter in Eberndorf, mit dem nun auch wieder die Eberndorf-Bestände im Klagenfurter Jesuitenkolleg vereinigt wurden. Alles zusammen ging dann 1809 in den Besitz des wieder errichteten Stiftes St. Paul über, wo sich die Archivalien nach wie vor befinden. Die wichtigsten darunter sind: l. Zahlreiche Originalurkunden. 2. Ein von den Jesuiten angelegtes Eberndorfer Kopialbuch aus dem ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. 3. Das Nekrolog der Propstei in Form eines Pergament-Codex. Dabei scheint es sich um ein erneuertes Nekrolog aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu handeln, dessen Vorläufer um die Mitte des 14. Jahrhunderts begonnen worden war. In der vorliegenden Fassung von zwei Händen geschrieben (A bis ca. 1480, B bis 1592 fortgesetzt) ist es jedoch unvollständig, weil etliche Blätter schon 1886 fehlten. Als letzte Eintragungen haben die Jesuiten die Sterbedaten einiger Exchorherren festgehalten. 4. Rotulae aus Eberndorf. 5. Urbare (erst von 1614). 6. Akten über Vorgänge aus den letzten Jahrzehnten der Propstei im Dekanatsarchiv Eberndorf. 7. Zahlreiche Faszikel „Herrschaft Eberndorf&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Diese Quellen hat B. Schroll entweder ediert oder für seine Publikationen benützt. Die meisten Eberndorfer Urkunden haben Eingang in die MDC und andere gedruckte Urkundenbücher gefunden. Laschitzer hat einige Urkunden des HHStA als Nachtrag zu Schroll ediert. Im Archivio della Curia Arcivesovile di Udine (ACAU) liegen zahlreiche Faszikel mit Akten über das Stift (Prepositura di Eberndorf), die die Beziehungen zwischen dem Patriarchat Aquileja und der Propstei, hauptsächlich im 16. Jahrhundert bis zur Aufhebung, dokumentieren. Diese Faszikel enthalten auch einige wenige Original-Urkunden des genannten Zeitraums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pläne und Ansichten==&lt;br /&gt;
Ein Grundrissplan der Stiftsanlage von der Hand F. X. Kohlas (?), Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden, ist im 1. Band der „Kärntner Burgenkunde&amp;quot;, wiedergegeben.&lt;br /&gt;
Die älteste überlieferte Ortsansicht von Eberndorf ist auf einer gemalten Grenzkarte der Landgerichte Sonnegg und Feuersberg von 1668 zu finden (Papier auf Lw., Tinte aquarelliert). Das in der Stiftskirche hängende Stifterbild (Öl/Lw.) darstellend COMES ACHAZIVS CAZELINVS FVNDATOR KVNIGVDA CON IVNX, das angeblich aus dem frühen 17. Jahrhundert stammen soll, zeigt eine Ansicht des Stiftes, wie es sich zur Zeit der Renaissance (2. Hälfte 16. Jahrhundert) präsentiert haben mag. Der größte Teil der Gebäude ist noch gotisch, ein Hof hat schon zweistöckige Renaissance-Arkaden. Die Abbildung erweckt den Eindruck von Zuverlässigkeit, zumindest scheint ihr die Absicht zugrunde zu liegen, den Zustand der Stiftsanlage vor dem Umbau durch Carlone festzuhalten.&lt;br /&gt;
Der prächtige Kupferstich des Stiftes von Peter Mungerstorf in J. W. Valvasors Topographia Archiducatus Carinthiae von 1688 stellt die Gebäude noch in einer Anordnung dar, die sehr an jene im Stifterbild erinnert. Doch sollte sie bereits die Erweiterung des Komplexes durch die Jesuiten zeigen. Beide Darstellungen weichen von der heutigen Wirklichkeit beträchtlich ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Siegel===&lt;br /&gt;
Das Kapitel in Eberndorf führte ein von 1335 bis 1471 nachweisbares spitzovales Siegel. Im Siegelfeld ist die Muttergottes mit dem unbekleideten Jesuskind dargestellt. Maria sitzt auf einem gepolsterten Thronsessel, der auf einem mit einer Lilie geschmückten Podest steht, und reicht dem Kind mit der Rechten eine Kugel, nach der dieses greift. Bekleidet ist sie mit einem langen Mantel und auf dem Haupt trägt sie einen Schleier.&lt;br /&gt;
Beide Figuren sind nimbiert sowie links von drei Sechsternen und rechts von einem begleitet. Zwischen zwei Perllinien ist eine mit einem Kreuzzeichen beginnende unziale Umschrift angeordnet:&lt;br /&gt;
+	S(igillum). S(an)C(t)E:  MARIE: IVN/ENSIS: ECCLESIE&lt;br /&gt;
Von diesem Stift konnte bisher kein nachfolgendes (Konvent-) Siegeltypar angetroffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wappen===&lt;br /&gt;
Nach heraldisch rechts in Blau über einem silbernen Bogenschildfuß (Berg) aufgerichtet ein goldenes Einhorn.&lt;br /&gt;
Das Wappenbild dürfte von den Stifterngraf Chazilo und seiner Gemahlin Kunigunde herkommen. In der Stiftskirche befindet sich ein barockes Gemälde von dem Paar. Unter ihnen sind zwei Wappentartschen zu sehen: nach links aufgerichtet ein goldenes Einhorn in Blau. Früher wurde es fälschlich, so von Megiser 1612 und ihm folgend von anderen Autoren, dem Kapitel von St. Andrä im Lavattal zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Johannes Fr. Bernardus Mariae de Rubeis: Monumenta ecclesiae Aquileiensis (…). Argentinae 1740.&lt;br /&gt;
*Josef Chmel: Materialien zur österreichischen Geschichte. Band 2. Wien 1838.&lt;br /&gt;
*Relazione della visita apostolica in Carniola. Stiria e Carinzia fatta da Francesco Barvaro. Patriarca eletto d´Aquileja l’anno1593 e presentata a papa Clemente VIII. Udine 1862.&lt;br /&gt;
*Beda Schroll: Rotulae des Augustiner-Chorherren-Stiftes zu Eberndorf. In: Archiv für. Klagenfurt 1870.&lt;br /&gt;
*Ders.: Ukrunden.Regesten des Augustiner-Chorherren-Stiftes Eberndorf im Jaunthale. Klagenfurt 1870.&lt;br /&gt;
*Simon Laschitzer: Nachträge zu den „Urkunden-Regesten des Augustiner-Chorherren-Stiftes Eberndorf im Jaunthale. Bearbeitet von Beda Schroll. In: Carinthia I, 72/1882. Klagenfurt 1870, S. 117 folgende.&lt;br /&gt;
*Beda Schroll: Necrologium des ehemaligen Augistiner-Chorherrenstiftes St. Maria in Juna oder Eberndorf in Kärnten. In: Archiv für österreichische Geschichte 68. 1886, S. 209 folgende.&lt;br /&gt;
*Giorlamo Conte de Renaldis: Memorie storiche dei tre ultimi secoli del Patriacarto d’Aquileia (1411–1751). Udine 1888.&lt;br /&gt;
*Guiseppe Vale: Itinerario di Paolo Santonino in Carintia, Stiria e Carniola negli anni 1485–1487 (studi e testi 103). Cittá del Caticano 1943.&lt;br /&gt;
*Monumenta historica ducatus Carithiae. Bände 1–4. Bearbeitet von Anton von Jaksch. Klagenfurt 1896–1906. Bände 5–11. Bearbeitet von Hermann Weißner. Klagenfurt 1956–1972.&lt;br /&gt;
*Oskar Veselsky: Die Konsekrationsberichte aus den Ordinations- und Konsekrationsprotokollen der Bischöfe von Lavant im 16. Jahrhundert. (Quellen zur Geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XI) 1997.&lt;br /&gt;
*Helmut Pechl/Wener Bergmann: Die Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts. In: Monumenta Germaniae historica. Die Briefe der deutschen Kaiserzeit VIII. Hannover 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
*Wilhelm Deuer: Eine abgekommene Filialkirche in Eberndort von 1668. In: Carinthia I. 191 (2001), S. 705–706.&lt;br /&gt;
*Francesco di Manzano: Annali del Friuli (…). Band IV. Udine 1862.&lt;br /&gt;
*Heinz Dopsch: Die Aribonen – Stifter des Klosters Seeon. In: Kloster Seeon. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur der ehemaligen Benediktinerabtei. Hg. vom Bezirk Oberbayerm durch Hans von Malottki. 1993.&lt;br /&gt;
*Heinz Dopsch / Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs Stadt und Land. Band I/2. Salzburg 1983.&lt;br /&gt;
*Bernhard Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im XVI. Jahrhundert. Band II 1. Teil. Freiburg im Breisgau 1913.&lt;br /&gt;
*Rudolf Egger: Die Reisetagebücher des Paolo Santonino 1485–1486. Aus dem Lateinischen übertragen von Rudolf Egger. Klagenfurt 1947.&lt;br /&gt;
*Walter Friesacher: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. 2. Abteilung: Die Kirchen- und Grafschaftskarte. 8. Teil Kärnten 1. Kärnten südlich der Drau. Klagenfurt 1966.&lt;br /&gt;
*Reinhard Härtel: Le fonti diplomatiche e la fondazione dell‘ Abbazia di Moggio. In: Gian Carlo Menis (Hg.): Le origini dell’Abbazia di Moggio e i suoi rapport con l’Abbazia svizzera di S. Gallo (Publicationi della Deputazione di Storia partia per il Friuli 21). Udine 1994, S. 17–44. &lt;br /&gt;
*Reinhard Härtel: Tre secoli di diplomatica patriarcale (944–1251). In: Paolo Cammarosano (Hg.): Il patriarcato di Aquileia uno stato nell’ Europa medieval. Udine 1999, S. 229–262. &lt;br /&gt;
*Reinhard Härtel: Moggio. In: Germania Benedictina. Band III/2. Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol. Hg. von der Bayerischen benediktinerakademie München. München 200, S. 832–862. &lt;br /&gt;
*Alfred von Jaksch / Martin Wutte u.a.: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer 1. Abt. Die Landgerichtskarte, 4. Teil Kärnten, Krain, Görz und Istrien, 1. Heft: Kärnten Görz und Gradisca. Wien 1914.&lt;br /&gt;
*Renate Jernej: Das Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 85. Klagenfurt 2001.&lt;br /&gt;
*Ernst Klebel: Zur Geschichte der Pfarren und Kirchen Kärntens. B. Die kirchliche Organisation im Patriarchat Aquileja. In: Carinthia I, 116 (1926), S. 1–47.&lt;br /&gt;
*Ernst Klebel: Eigenklosterrechte und Vogteien in Bayern und Deutschösterreich. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 14. 1938, S. 175–214. &lt;br /&gt;
*Ernst Klebel: Zur Geschichte der Patriarchen von Aquileja. In: Festschrift R. Egger. Band 1. Klagenfurt 1992, S. 396–422.&lt;br /&gt;
*Irmtraud Koller-Neumann: Eine Statistik zum österreichischen Klosterwesen von 1593. In: Historische Blickpunkte. Festschrift Johann Rainer. Hg. von Sabine Weiss. Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft 25. Innsbruck 1988, S. 331–344. &lt;br /&gt;
*Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten I. und II. Teil (…). Archiv für vaterländische Geschichte. Klagenfurt 1956, 1958.&lt;br /&gt;
*Simon Laschitzer: Geschichte der Klosterbibliotheken und Archive Kärntens zur Zeit ihrer Aufhebung unter Kaiser Joseph II. In: Carinthia I, 73 (1883), S. 129–148.&lt;br /&gt;
*Giacomo Marcuzzi: Sinodi Aquileiesi. Udine 1910.&lt;br /&gt;
*Hermann Meinhardt: Handschriftenverzeichnis der Kärntner Bibliotheken. In: Handschriftenverzeichnisse österreichischer Bibliotheken, Kärnten, Band 1.&lt;br /&gt;
*Hermann Meinhardt: Die Kärntner Bibliotheksreise des Wolfgang Lazius 1549. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 24/25. 1936, S. 100 folgend.&lt;br /&gt;
*Gian Carlo Menis: Storia del friuli dlalle origini alla caduta dello stato patriarcale (1420). Udine 1978.&lt;br /&gt;
*Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch in der Kirchenreform des 11.–12. Jahrhunderts. In: Beiträge zur altbayrischen Kirchengeschichte, 3. Folge 19. München 1953.&lt;br /&gt;
*Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch im Mittelalter. In: Rottenbuch. Das Augustinerchorherrenstift im Ammergau. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur. Hg. von Hans Pörnbacher. 1980, S. 9–25.&lt;br /&gt;
*Trudpert Neugart: Das Chorherrenstift Eberndorf. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 1. 1849, S. 97–114.&lt;br /&gt;
*Miroslav Ortravsky: Beiträge zur Kirchengeschichte im Patriarchate Aquileja (Kärntner Museumsschriften XXX) Klagenfurt 1965.&lt;br /&gt;
*Miroslav Ortravsky: Die Visitation des Patriarchen Franz Barbaro 1593/94 in Kärnten und seine Diözesan- und Provinzsynode im Patriarchat Aquileja. In: Carinthia 1, 62 (1972) S. 227 folgend.&lt;br /&gt;
*Pio Paschini: Bertoldo di Merania, patriarca d'Aquileia (1218–1251). In: Memorie storiche Forogiuliesi 15 (1919), S. 1–97.&lt;br /&gt;
*Hans Pirchegger: Der Besitz der Kärntner Klöster und Pfarren in der Steiermark. In: Carinthia I, 151 (1961), S. 514–519.&lt;br /&gt;
*Carl Plank: Rihni. Graf Otokar von Leoben und Erzbischof Odalbert von Salzburg. In: Siedlung, Macht und Wirtschaft. Festschrift Fritz Posch. Hg. von Gerhard Pferschy. Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives 12 (1981), S. 65–80.&lt;br /&gt;
*Helmut Plechl: Studien zur Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts 3. Briefe zur Reichs- und Landesgeschichte aus der Zeit des Venetianer Friedenskongresses bis zum 3. Laterankonzil (Februar 1177 - März 1179) In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 12 (1956), S. 388–452.&lt;br /&gt;
*Helmut Plechl: Studien zur Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts 4. Tegernsee unter den Äbten Konrad I. und Rupert (1126-1186). In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 13 (1957), S. 394–481.&lt;br /&gt;
*Johann Rainer: Das geplante Bistum Völkermarkt. In: Carinthia I, 150 (1960), S. 804-828.&lt;br /&gt;
*Johann Rainer: Die Jesuiten in Klagenfurt und Eberndorf. In: Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten. Hg. von Franz Nikolasch. Verein Stiftsmuseum Millstatt / Geschichtsverein für Kärnten. Millstatt 1994, S. 52–64.&lt;br /&gt;
*C. Scalon: Diplomati patriacali. I documenti dei patriarchi aquileiesi anteriori alla metá del XIII secolo nell’archivo capitolare di Udine (Quaderni e dispense dell’ Istituto di sroia dell’ Universitá degli Studi di Udine 8). Udine 1983.&lt;br /&gt;
*R. Schäffer: Die Ungnad 1450-1530. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 12 (XXVI) (1981), S. 166, Anm. 15.&lt;br /&gt;
*Michael Schmid: Das Augustinerchorherrenstift Eberndorf in Kärnten. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 2 (1955), S. 86ff. &lt;br /&gt;
*Heinrich Schmidinger: Patriarch und Landherr. Die weltliche Herrschaft der Patriarchen von Aquileia bis zum Ende der Stauffer. Publikationen des Österreichischen Kulturinstituts in Rom I, 1. Graz / Köln 1954.&lt;br /&gt;
*Heinrich Schmidinger: Die Besetzung des Patriarchenstuhls von Aquileja bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 60 (1952), S. 335–354.&lt;br /&gt;
*Monika Siedler: Marktgemeinde Eberndorf Einst und heute. Klagenfurt 1992.&lt;br /&gt;
*Stephan Singer: III. Band, Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales. Dekanat Eberndorf. Kappel 1938.&lt;br /&gt;
*Stephan Singer: IV. Band. Kultur. Und Kirchengeschichte des Jauntales. Dekanat Bleiburg. Klagenfurt 1983.&lt;br /&gt;
*Albert Starzer: Die Uebergabe des Chorherrenstiftes Eberndorf an die Jesuiten. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 6 (1901), S. 624–633.&lt;br /&gt;
*Guiseppe Trebbi: Francesco Barbaro. Patrizio veneto e patriarca di Aquileia. Storia della societá Friulana. Sezione studi e testi. Udine 1984.&lt;br /&gt;
*Adolf Trende: Die Stiftsbibliothek in St. Paul. In: Carinthia I, 142 (1952), S. 609–669.&lt;br /&gt;
*Peter Tropper: Von Missionsgebiet zum Landesbistum. Organisation und Administration der katholischen Kirche in Kärnten von Chorbischof Modestus bis zu Bischof Köstner. Klagenfurt 1996.&lt;br /&gt;
*Johann Weichard Freiherr Valvasor: Topographia Archiducatus Carinthiae. Nürnberg 1688.&lt;br /&gt;
*Evelyne Webernig: Geschichtliches über Eberndorf. Ausstellungskatalog des Kärntner Landesarchivs 6. Klagenfurt 2000.&lt;br /&gt;
*Erika Weinzierl-Fischer: Die Quart in Kärntens Stiften und Klöstern. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchiv 4 (1951), S. 138–166.&lt;br /&gt;
*Hermann Weissner/Gerhard Seebach: Burgen und Schlösser in Kärnten. Klagenfurt Feldkirchen Völkermarkt. Wien 1980.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Dürnstein</title>
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		<updated>2022-09-16T08:44:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (ab 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=''de Diernsteine'' (1158), ''in der stat zu Tirnstain'' (1311), ''unser frawn gotshaus ze Tyrnstain sand Augustin orden bzw. monasterium beate Marie virginis in Tirnstain ordinis sancti Augustini canonicorum regularium'' (1410), ''gottshaus und herrncloster Tiernstain'' (16. Jahrhundert), ''Stift zu Tirnstein'' (18. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
|Lage=Österreich [[Datei:Flag of Austria.svg|thumbnail|left|20px]]&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.39563, 15.51964&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die prächtig mit Miniaturen ausgestattete Stiftungsurkunde für das Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein wurde am 17. Februar 1410 ausgestellt. Der Errichtung der Kanonie liegt jedoch eine ältere Marienkapelle zugrunde, die Elisabeth von Kuenring, Witwe Eberhards von Wallsee zu Graz, und Heidenreich von Maissau stifteten und die 1373 erstmals genannt ist. Elisabeth gehörte zur letzten Generation der Dürnsteiner Linie ihrer Familie und ließ ihre Kapelle im Kuenringerhof erbauen, den sie von ihren Verwandten erworben hatte. Heidenreich von Maissau war ein angeheirateter Cousin Elisabeths und Pfandinhaber der landesfürstlichen Herrschaft Dürnstein. Gemeinsam erwarben sie verschiedene Gülten und Liegenschaften, um sie ihrer Kapelle &amp;quot;Unserer Frau&amp;quot; zu widmen. Spätmittelalterliche Kapellengründungen wie diese dienten dem liturgischen Totengedenken an die Stifterfamilie und verbanden eine tief empfundene Sorge um das jenseitige Seelenheil mit einem adeligen Anspruch auf Repräsentation und Memoria, einer formellen und rituellen Pflege der Erinnerung. &lt;br /&gt;
Im Stiftungsbrief vom 15. Juni 1378 wurde die Kapelle dem Kaplan Elisabeths, Johannes von Weitra, verliehen, der auch für den Unterhalt von zwei weiteren Priestern zu sorgen hatte. Als Elisabeth ein Jahr später verstarb, wurde aufgrund ihres Testaments eine Änderung der Dotation notwendig. Heidenreich von Maissau ließ darum am 1. Februar 1380 einen zweiten Stiftungsbrief ausstellen. Die Anzahl der Seelenmessen ließ er erweitern und verfügte auch eine Ausspeisung an drei Arme, die die Schule besuchten, welche hier erstmals genannt ist. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des ersten Kaplans 1387 verlieh Hans von Maissau, Heidenreichs Sohn, die Stiftung an [[Stephan von Haslach]], in dem die Tradition schon frühzeitig den fundator, den Gründer des späteren Chorherrenstiftes sah. Der Kaplan der Maissauer Stephan ist für die Jahre 1402 und 1403 mehrfach als herzoglicher Kammerschreiber nachzuweisen. Er führte in seinem Wappen – abgebildet auf seinem Grabstein in der Krypta sowie auf der Stiftungsurkunde von 1410 - den von zwei Kreuzen flankierten Blumenkorb, das Zeichen der heiligen Dorothea und spätere Wappen des Chorherrenstiftes. Der Altar dieser Heiligen, für die Leutold von Maissau 1399 eine Messstiftung errichtete, sollte im besonderen dem Totengedenken seiner Familie gewidmet sein und der Kaplan Stephan hatte die getreuliche Ausführung der Seelgeräte zu besorgen. Die Bedeutung des Dorotheaaltar es ist auch insofern eine besondere, als nämlich dafür eine eigene Kapelle im Kreuzgang errichtet wurde. &lt;br /&gt;
Mit dem dritten Stiftungsbrief vom 26. Jänner 1395 erhöhte [[Hans von Maissau]] die Anzahl der Kapläne auf vier, denen er neu erworbene Güter widmete, und erweiterte ihre Aufgaben im liturgischen Gedenken an die Stifter. Als der Frauenkapelle schließlich 1402 die Johanneskapelle auf der Burg inkorporiert wurde, kündigte sich bereits der Plan an, aus der Gemeinschaft der Kapläne ein Kollegiatstift zu machen. Vorgesehen war der Unterhalt von zwölf Priestern, zu dem auch die Dürnsteiner und die Grafenwörther Pfarrkirchen beitragen sollten, deren Patronatsrechte der Kapelle 1407 übertragen wurden. Bereits 1403 war mit dem Tod Leutolds von Maissau die Hauptlinie seiner Familie erloschen, die Führung des Hauses und damit das Patronat der Dürnsteiner Kapelle übernahm [[Otto von Maissau]], der hohe und einträgliche Funktionen am landesfürstlichen Hof bekleidete. Er gab die ursprüngliche Absicht, ein weltliches Kanonikat zu errichten, auf und stiftete am 17. Februar 1410 ein Augustiner–Chorherrenstift, dessen Ordensleben nach den Vorschriften der böhmischen Chorherren stifte Raudnitz und Wittingau ausgerichtet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stift [[Raudnitz]] (Roudnice) an der Elbe in Nordböhmen, gegründet 1333 als erstes Augustiner–Chorherrenstift Böhmens vom Bischof von Prag, Johannes von Drazic, ging eine Erneuerungsbewegung des Ordens aus. Unter den ersten Kanonien, die von Raudnitz besiedelt wurden, war auch [[Wittingau]] (Třeboň) in Südböhmen, errichtet 1367. Die Konvente der Raudnitzer Reform waren getragen vom Bestreben um eine verinnerlichte Spiritualität im Geiste der ''devotio moderna'', einer Frömmigkeitsbewegung, die durch die Betrachtung des Lebens und Leidens Christi den Weg zu einer apostolischen Nachfolge suchte und ihren Ausdruck auch in der Kunst, vor allem im gotischen Andachtsbild, fand. Die Chorherren strebten danach, die augustinische Einheit in Herz und Seele (''cor unum et anima una'') in einer sichtbaren Einigkeit im klösterlichen Zusammenleben erfahrbar zu machen: durch strengen Verzicht auf privates Eigentum, durch Tragen einheitlicher Ordenskleidung, sorgfältige Einhaltung der Gebetszeiten und Fastenvorschriften. Sie pflegten das Studium der Kirchenväter, besonders des heiliger Augustinus, als Inspiration zu einer wahren vita apostolica. Eine päpstliche Dispens gestattete es ihnen, zur Förderung ihrer Studien eigene Zellen anstelle des sonst üblichen gemeinsamen Schlafsaals zu bewohnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dürnstein war das erste Chorherrenstift im österreichischen Raum, das die Gewohnheiten von Raudnitz übernahm. Der erste Konvent setzte sich zusammen aus der Gemeinschaft der ehemaligen Kapläne und aus Professen aus Wittingau, sie wählten den ersten Propst namens [[Martin]]. Stephan von Haslach brachte das Vermögen seiner Kapelle in die junge Kanonie ein und wurde Pfarrer von Dürnstein. Er erlebte noch, als 1414, ein Jahr vor seinem Tod, Dürnsteiner Kanoniker nach Wien entsandt wurden, um die Umwandlung der landesfürstlichen Dorotheakapelle in ein Chorherrenstift mit Raudnitzer Statuten mitzutragen. &lt;br /&gt;
Damit eine klösterliche Erneuerungsbewegung nicht erstarrte, bedurft en die Konvente eines engen Austausches untereinander und der Festlegung konkreter Statuten, die die Augusstinusregel ergänzten. Die Stifte Dürnstein und St. Dorothea schlossen 1426 ein Bündnis, das der Einheit und Eintracht dienen sollte und mit dem man sich des gegenseitigen Beistandes im Fall von Zwistigkeiten in den Konventen versicherte. Es waren auch Professen aus diesen beiden Stiften, die neue Statuten ergänzend zu den bestehenden ausarbeiteten, die besonders die Liturgie und die Stundengebete betrafen. Später wurden diese ''statuta vetera et nova'' um Vorschriften für die einzelnen Stiftsämter ergänzt und in einem einzigen Kompendium, den sogenannten „Wiener Konstitutionen&amp;quot;, zusammengefasst und vom Bischof vom Passau und vom Legaten des Papstes bestätigt. Sie bildeten die gemeinsame Grundlage für einen Verband verschiedener Chorherrenstifte: Dem Bündnis von Dürnstein und St. Dorothea schlossen sich mit der Übernahme der Ordensvorschriften die von Kaiser Friedrich III. neu gegründeten Klöster in Wr. Neustadt (Niederösterreich) und Rottenmann (Steiermark) sowie die wieder errichtete Kanonie Glatz (Schlesien) an und bildeten ab 1460 eine vom Kaiser angeregte und geförderte Kongregation, welche allerdings durch den raschen Niedergang der Neugründungen schon im 16. Jahrhundert wieder ein Ende fand. &lt;br /&gt;
Eines der wichtigsten Instrumente zur Aufrechterhaltung eines regeltreuen Ordenslebens stellte die Visitation dar, also der Besuch des Klosters durch delegierte Visitatoren, oft Vorsteher anderer Konvente, welche sich vor Ort ein Bild über das klösterliche Leben zu machen hatten. Dabei erhielt der Konvent eine ''carta visitationis'', worin Vorschriften darüber verzeichnet sind, worauf in Bezug auf die Einhaltung der Ordensstatuten in Zukunft besonders zu achten sei. Obwohl die Ernennung von Visitatoren eigentlich ein Recht des zuständigen Diözesanbischofs war, stellte sich der österreichische Herzog Albrecht V. selbst an die Spitze der klösterlichen Reformbewegungen des ausgehenden Mittelalters und erlangte die päpstliche Machtbefugnis, mit von ihm ernannten Visitatoren über die Regeltreue in den Klöstern seines Landes zu wachen - waren diese doch nicht nur geistlicher und kultureller, sondern auch ein wichtiger ökonomischer Rückhalt seiner Landesherrschaft. 1418 ernannte der Herzog unter anderem den ersten Propst von Dürnstein, Martin, und den Propst von [[Wittingau]], [[Andreas]], zu Visitatoren für die Chorherrenstifte [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] und [[Stift St. Florian|St. Florian]]. &lt;br /&gt;
Zur Unterstützung der klösterlichen Erneuerung wurden Professen aus Reformklöstern in andere Konvente ausgesandt, so etwa 1433 auf Weisung des Erzbischofs von Salzburg Dürnsteiner Chorherren nach Stift Vorau (Steiermark). In Ranshofen (Oberösterreich) wurde ein Kanoniker aus Dürnstein, [[Wolfgang Strobl]], zum Propst postuliert und reformierte das Kapitel. Weitere Dürnsteiner Chorherren gehörten zum ersten Konvent der neuen Kanonie in [[Schrattenthal]] (Niederösterreich), die 1477 gegründet wurde. Immer wieder wurde der Propst von Dürnstein von anderen Prälaten gebeten, für einige Zeit einen Konventualen aufzunehmen, um ihn echte Klosterzucht zu lehren. &lt;br /&gt;
Vom päpstlichen Legaten und Bischof von Brixen, Nikolaus von Kues, wurden jene Visitatoren ernannt, die 1451 unter anderem auch Dürnstein besuchten. In ihrer noch erhaltenen Visitationsurkunde hinter ließen sie detaillierte Anweisungen zum Tagesablauf der Chorherren: über das Chorgebet, die tägliche Kapitelsitzung und die Erholungszeiten für Gespräch und Umtrunk. Sie verfügten über die Art der Tonsur ebenso wie über die Amtsbefugnisse des Propstes und die Ehrerbietung, die ihm die Kapitularen zu erweisen hatten. Ausführlich erörterten sie die Bedeutung einer strengen Observanz und wiesen den Prälaten an, dass er jene Brüder, die das Kloster verlassen und in ein freier es wechseln wollten, an einen noch härteren und strengeren Ort schicken sollte, nämlich in den Klosterkerker. Das Leben in Reformklöstern war von jeher ein hartes gewesen, doch bot die Spiritualität und gemeinsame Lebensführung ein hohes Maß an Zugehörigkeit, Orientierung und Sicherheit - Werte, die der Herbst des Mittelalters nicht für jeden bereithielt. &lt;br /&gt;
Dürnstein war stets ein kleines Kloster gewesen, auch in Hinblick auf seine wirtschaftliche Situation, und doch war es in den ersten Generationen seines Bestehens eine gefestigte, geistliche Institution mit einem stabilen Konvent. Auf jenen Urkunden, die von Notaren aufgezeichnet wurden und in denen die Konventualen die Rechtmäßigkeit einer Propstwahl bestätigten, haben bei sechs Wahlen zwischen 1431 und 1521 durchschnittlich immer an die 15 Professen unterschrieben. Für ihren Unterhalt sorgten auch die zahlreichen frommen Stiftungen, die dem Kloster zugewendet wurden: Gelddienste oder Liegenschaften, meist Weingärten, übertrugen die Bürger der Stadt und die Bauern des Umlandes, damit die Chorherren Totenmessen für sie sangen oder lasen. &lt;br /&gt;
Das Stiftungswesen war auch ein bedeutender ökonomischer Faktor und brachte umwälzende Veränderungen im Grund- und Rentenmarkt. In dem komplexen Wirtschaftsgefüge einer Gegend, die sich zudem schon lange auf den Weinbau und -handel spezialisiert hatte, konnte ein Einzelner leicht in Nöte geraten. Die erhaltenen Kaufurkunden belegen, dass manch einer seinen Weingarten an das Kloster verkaufen musste, um seine Schulden zu bezahlen. &lt;br /&gt;
Zudem er lebte im 15. Jahrhundert jede Generation der Dürnsteiner Bürgerschaft Kriegshandlungen: zuerst den Hussitensturm, dann die Kämpfe zwischen Friedrich III. und seinem Bruder Albrecht VI. und schließlich den Krieg gegen Ungarn; Verwüstungen und Engpässe im landwirtschaftlichen Ertrag waren die Folge. In manchen Seelgerätstiftungen dieser Zeit werden die Nöte der Bevölkerung spürbar: In der Fastenzeit des Jahres 1492 stiftete ein Dürnsteiner namens Simon Brücklmüllner der Kanonie 300 Pfund Pfennige, für die der Propst Grundstücke kaufen sollte, aus deren Ertrag Seelenmessen zu bezahlen wären, doch ''so aber in den kriegsleyffen tauglich und nutz grunt nit vail sein'', wurde die Stiftung aufgeschoben und über andere Abgaben zwischenfinanziert. Berührend an diesem Stiftungsbrief ist vor allem, dass der Stifter seine Schenkung entgegen dem sonst üblichen Brauch nicht nur seinem eigenem Seelenheil und dem seiner Familie zugedacht hat, sondern auch dem ''aller ellenden armen waisen, die nichts anders haben dann das heylig almuesen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reform und Reformation===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verlangen nach Erneuerung und Reform in der Kirche hatte am Ausgang des Mittelalters nicht nur die Klöster erfasst, es wurde in zunehmenden Maße ein existentielles Anliegen auch der Laien. In einer Zeit, in der bestehende kirchliche Strukturen oft nicht mehr als heilsam und beseligend wahrgenommen werden konnten, fanden die Menschen zu anderen Formen eines religiösen Miteinanders, zu einer neuen Frömmigkeit und Theologie. Der monastische Gedanke einer besonderen Gottesnähe und der Verrichtung einer Gebetsarbeit als „Sorge für die Seelen&amp;quot;, besonders für deren jenseitiges Schicksal , geriet in eine Krise. Auch in Dürnstein versiegten allmählich die frommen Stiftungen, der Nachwuchs im Konvent blieb aus, das reformatorische Gedankengut hingegen fand immer weitere Verbreitung. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Stiftes und die Last der Kriegssteuern führten außerdem noch zu Überschuldung. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1544 fanden die landesfürstlichen Visitatoren in Dürnstein nur mehr den Propst, einen Konventualen und zwei Weltpriester , die für das Messelesen angestellt und besoldet wurden. Noch im gleichen Jahr wurde nach dem Tod von Propst [[Urban Hanal]] – nicht ohne kaiserlichen Einfluss – [[Franz Abstemius]] zum Propst erhoben, ein ehemaliger Domherr von Stuhlweißenburg, der wegen der Osmanen nach Wien geflohen war und dort an der Universität als Lektor gewirkt hatte. 1553 präsentierte ihn der Kaiser als Bischof von Wiener Neustadt, als solcher war er an der Erhebung seines Nachfolgers in Dürnstein, [[Leopold Maurer]], beteiligt. &lt;br /&gt;
Propst Leopold bemühte sich, die wirtschaftliche Grundlage des Klosters zu stabilisieren und jene Grundstücke wiederzuerlangen, die unter Propst Urban ohne Zustimmung seines Kapitels veräußert bzw. dem Stift aufgrund einer mangelhaften Verwaltung entfremdet worden waren. Doch schon bei der nächsten Visitation 1566 wurde Propst [[Kaspar Pangel]] für seine hohen Ausgaben kritisiert, die mehr der Prachtentfaltung denn der Nützlichkeit dienen würden. &lt;br /&gt;
Die Situation der österreichischen Klöster veranlasste Kaiser Maximilian II., es nicht nur bei gelegentlichen Visitationen bewenden zu lassen, sondern einen ständigen Klosterrat damit zu beauftragen, vor allem über die wirtschaftlichen Belange der Konvente zu wachen. Das führte allerdings schon bald zu Kompetenzstreitigkeiten mit den bischöflichen Stellen, besonders mit dem Passauer Offizial und Generalvikar, der seinen Sitz in Wien hatte. In vorher nie gekanntem Ausmaß begannen die Aktenberge zu wachsen: mit Befehlen und Verordnungen des Landesfürsten und seiner Regierung, mit Relationen und Intimationen der Räte und Beamten, mit Anfragen und Ermahnungen des Offizialats, mit Suppliken und Beschwerdebriefen aus den Klöstern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als im Jänner 1571 Propst Kaspar starb, berichtete der Dechant der nahe gelegenen Stadt Krems, Christoph Lebitsch, an das Passauer Offizialat, dass das Kloster bis auf einen „Bärtigen&amp;quot;, das heißt einen Laienbruder, völlig verwaist sei. Er habe darum, wie nach dem Tod eines Klostervorstehers vorgeschrieben, die Sperre des Kirchenschatzes durchgeführt. Da nun an eine Wahl mangels Kapitel nicht zu denken war, musste ein neuer Propst postuliert, also eingesetzt werden. Der Kremser Dechant fügte seinem Schreiben einen kleinen Zettel bei, in dem er andeutete, dass er sich selbst gern um diesen Posten bewerben würde. Der übliche Weg in dieser Situation war jedoch, in anderen Klöstern desgleichen Ordens nach einem geeigneten Nachfolger zu suchen. Die kaiserlichen Klosterräte forderten den Passauer Generalvikar auf, in Frage kommende Kandidaten zu benennen. Im Offizialat begannen Empfehlungsschreiben von Prälaten für Mitbrüder einzugehen. Der Herzogenburger Propst benannte seinen Dechanten [[Jakob Reisser]]. Stellvertretend für ein Kapitel traten die Prälaten der Augustiner-Chorherren in Dürnstein zusammen und postulierten Reisser zum Propst. Er war der erste von acht Dürnsteiner Prälaten in Folge, die alle aus anderen Chorherrenstiften kamen. Von den Klosterräten wurde Reisser in die Verfügungsgewalt des weltlichen Besitzes - Klostergut galt ja als kaiserliches Kammergut – eingeführt, und von den Beauftragten des Bischofs von Passau mit seinem geistlichen Amt betraut. 1573 wurde jedoch gemeldet, dass der Propst des Stiftes [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] ''seiner gelübd vergessen und von angezaigtem gotzhaus entwichen'' sei und das Kapitel seinen ehemaligen Dechanten zum neuen Propst berufen habe. Damit war Dürnstein erneut vakant, dieses Mal wurde ein Konventuale des Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien namens Adam Faber zum Propst erhoben. &lt;br /&gt;
Aus seiner Amtszeit sind erstmals Auseinandersetzungen mit der evangelischen Konfession dokumentiert. Die von Kaiser Maximilian II. gewährte Religionskonzession, die es dem Adel erlaubte, auf seinen Herrschaften evangelische Prediger anzustellen, markierte die rasche Ausbreitung des protestantischen Bekenntnisses. Konkrete Konflikte zwischen dem katholischen Stift und den evangelischen Grundherren entzündeten sich häufig an der Frage der Pfarrrechte. Während die Schlossprediger auch die Sakramente spendeten und die Toten bestatteten, blieben die dem Stift inkorporierten Pfarrkirchen leer. Die Frage des Zugriffs auf die Kirchengüter der Pfarre Dürnstein und Erhebungen über die Konfession der Bürger waren Kern der Auseinandersetzungen zwischen Propst [[Adam Faber|Adam]] und dem protestantischen Grundherrn Reichard Streun von Schwarzenau. Dieser versicherte selbstbewusst, dass in ganz Dürnstein keiner zu finden sei, der der katholischen Konfession anhänge, und wollte man die Dürnsteiner dazu zwingen, würden sie die Stadt verlassen und der Weinbau läge darnieder. &lt;br /&gt;
Auch in der Pfarre Grafenwörth hatten vor der Regierungszeit des Propstes Adam evangelische Prediger gewirkt, oft mit Duldung des Stiftes als Patronatsherrn – sei es aus Mangel an anderen Seelsorgern, sei es im Bemühen um eine Erneuerung, bevor die Konfessionsgrenzen sich verhärtet hatten. Zu Beginn seiner Amtszeit suchte Propst Adam darum an, dass die Kirche von St. Johann bei Grafenwörth, eine Stiftung des 14. Jahrhunderts, die seit der Inkorporation ins neu gegründete Stift Dürnstein auch pfarrliche Rechte hatte, seiner Pfarre Grafenwörth einverleibt werde, da sie durch die häufigen Überschwemmungen der Donau in Verfall gekommen sei. Propst Adam ging es aber auch darum, die Kirche von St. Johann dem Einfluss des evangelischen Grundherrn zu entziehen. Er beklagte, dass der Pächter der Herrschaft das Getreide der Pfarräcker in den eigenen Meierhof bringen lasse und damit seinem Vikar in Grafenwörth den Unterhalt entziehe. Diesen hatte er selbst eingesetzt, nachdem er ''ainen sectischen pfarrer alda doch mit harter muehe austriben''. Schließlich sei es so weit gekommen, dass sich der Vikar selbst ''zu den rebellischen geschlagen'' hat und nun mehr seine Besoldung im Schloss erhielt und dort auch predigte. Die St. Johanner Kirche wurde dabei von der Grundobrigkeit als Stützpunkt der evangelischen Seelsorge betrachtet. Der Grundherr Hans Rueber, wegen seiner Funktion als Befehls haber eines ungarischen Reiterheeres häufig abwesend, gewährte seinem Feldkaplan, dem namhaften Flacianer Joachim Magdeburg, Aufenthalt in seinem Schloss zu Grafenwörth. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass der nächste Propst [[Matthias Schreckeisen]] zwischen der Herrschaft und dem Stift einen Vergleich erzielte, wonach nämlich St. Johann, eine Filialkirche von Grafenwörth bleiben sollte, jedoch die zugehörigen Kirchenlehen gegen eine jährliche Zahlung von 30 Talern der Herrschaft zur Nutzung überlassen werden, verhinderte nicht, dass das Stift auch weiterhin genug Anlass zur Klage über protestantische Prediger fand, welche die Dürnsteiner Vikare in Grafenwörth in ihren Rechten und in ihren Einkünften merklich beschnitten. &lt;br /&gt;
Matthias Schreckeisen war ein Konventuale aus St. Dorothea in Wien, ihm wurde nach dem Tod Adam Fabers 1589 die Verwaltung Dürnsteins übertragen, da das dortige Kapitel selbst keine Person namhaft machen konnte, die für diese Aufgabe qualifiziert gewesen wäre. Der Klosterrat drängte auf die Installation Schreckeisens als Propst, doch der Passauer Offizial und Generalvikar Melchior Khlesl verbat sich entschieden jede Einmischung seitens weltlicher Behörden und untersagte Schreckeisen unter Androhung kirchlicher Sanktionen, sich vom Klosterrat installieren zu lassen. Khlesl war eine zentrale Figur der Gegenreformation in Österreich und verfolgte mit großer Hartnäckigkeit und Konfrontationsbereitschaft seine Ziele. Als im März 1590 die Klosterräte den Verwalter Schreckeisen in die Temporalien, also seine weltlichen Amtsbefugnisse, einsetzten, worauf dieser sich in seinen Briefen nur mehr Propst nannte, ließ sich Khlesl nicht präjudizieren und verweigerte Schreckeisen, den er stets nur als Administrator titulierte, die Installation in die Spiritualien, die geistlichen Vollmachten. Jahrelang erbat sich der Dürnsteiner Vorsteher immer wieder diese Konfirmation seines Amtes. Im Jahr 1592 schlossen Passau und Wien einen Vertrag, worin das gemeinsame Vorgehen der Beauftragten des Bischofs und des Klosterrates reglementiert wurde, womit in Zukunft Vorkommnisse wie in Dürnstein vermieden werden sollten. Matthias Schreckeisen wurde im September 1594 offiziell zum Propst erhoben, nachdem der Bischof von Passau selbst seine Installation angeordnet hatte. Der neue Propst starb allerdings schon im folgenden Jahr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder musste Khlesl dem Landesfürsten berichten, dass in Dürnstein ''aus mengl der conventualen an disem ort khain election gehalten werden khünne.'' [[Balthasar Puchseer]] aus St. Dorothea fungierte als Administrator, die Klostersperre hatte der Kremser Dechant Andreas Hofman vorgenommen. Um liturgisches Gerät für die Osterfeiern 1596 entnehmen zu können, musste Puchseer den Dechanten um Öffnung der Sakristei bitten. Eine rasche Entscheidung über die Nachfolge war nötig, aber für den Passauer Offizial war das mehr als eine pragmatische Erwägung. Es war ihm sehr daran gelegen, nach Dürnstein auch den rechten Mann zu entsenden, denn das Kloster läge, wie er dem Kaiser berichtete, „rings herumb under den khezern“. Damit spielte er auf die starke protestantische Bürgerschaft von Krems und Stein an, die seinen eigenen gegenreformatorischen Maßnahmen heftig Widerstand geleistet hatte. Bereits Propst Adam Faber war vom Klosterrat verschiedentlich mit Untersuchungen der Kremser und Steiner Verhältnisse betraut worden. Khlesl wollte darum in Dürnstein vor allem einen guten Prediger haben, der die katholische Reform, die mit den zukunftsweisenden Entschließungen des Konzils von Trient Inhalt und Form bekommen hatte, glaubhaft vertreten konnte und die Bevölkerung wieder der katholischen Konfession zuführte. Er war überzeugt, diese Person in einem Klosterneuburger Chorherrn namens Nikolaus Arnold gefunden zu haben. Dieser war Administrator des ehemaligen Heiligen-Geist-Klosters Pulgarn (Oberösterreich) gewesen und hatte das Klostergebäude durch einen unvorsichtigen Schuss, der die Scheune entzündete, niedergebrannt. In den letzten Jahren habe er ihm, Khlesl, in Klosterneuburg und Korneuburg, als er dort ''die reformation für genomben, nützlich und trefflich beistandt gelaistet'', und jeder andere Kandidat schien ihm ''im predigen diesem Arnoldo nichts zu vergleichen.'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Bewerbung eines Dürnsteiner Konventualen namens [[Johann Hofmann]] um die vakante Propstei parierte Khlesl, indem er berichtete, dieser Hofmann hab e zu Zeiten von Propst Matthias „sich gegen seinen herrn offentlich vernemen lassen, er khöne on weibsbilder nit sein“,worauf er um Lösung seiner Bindung ans Kloster gebeten hätte, die ihm auch gewährt worden war. Nur sei er später zurückgekommen und habe nun als ältester Profess des Klosters seinen Anspruch auf die Propstwürde erhoben. Im September 1596 wurde schließlich [[Nikolaus Arnold]] zum Propst von Dürnstein installiert , starb jedoch nur sechs Wochen später. Balthasar Puchseer, der ehemalige Verwalter Dürnsteins, wurde sein Nachfolger. Melchior Khlesl berichtete über ihn an den Bischof von Passau, dass er sich zwar ''frumb, erbar, nüchtern, kheusch und züchtig, also sine quaerela gehalten'' habe, ''was aber das predigen belangdt, hatt er woll khain gnadt darzue.'' &lt;br /&gt;
Als Puchseer 1599 starb, war Khlesl bereits Bischof von Wien. Die Verwaltung des Stiftes wurde dem Konventualen Johannes Hofmann übergeben, eben jener, der schon einmal versucht hatte, die Leitung des Klosters zu übernehmen. Dass jedoch die Spiritualien dem St. Pöltner Chorherrn [[Georg Ursus]] zur Administration überantwortet wurden und dass das Offizialat beim Kaiser ansuchte, er möge auch die Temporalien übertragen bekommen, zeugen davon, dass man die Akte Hofmann nicht vergessen hatte. Hofmann wandte sich auch an die Bürgerschaft Dürnsteins, und diese unterstützte seine Bewerbung um die Prälatur bei der Grundobrigkeit, weil man sich kannte und auf gute Nachbarschaft hoffte, also wohl von seiner Seite keine gegenreformatorischen Maßnahmen in der protestantischen Stadt erwartete. Als Hofmanns Bemühungen keine Erfolge zeitigten, verschwand er - er war der letzte Konventuale in Dürnstein gewesen. Georg Ursus schaffte es kaum, ganz allein alle geistlichen Aufgaben wahrzunehmen und erhielt zudem kaum Unterhalt von den weltlichen Administratoren, die der Klosterrat eingesetzt hatte. An eine Propstwahl war wieder einmal nicht zu denken, doch selbst eine Postulation war schwierig, da die Situation auch in den anderen Klöstern des Ordens kaum besser war. Als neuer Prälat wurde schließlich der Propst von [[St. Andrä an der Traisen]] namens [[Melchior Kniepichler]], ehemals Chorherr des Stiftes St. Pölten, nach Dürnstein transferiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Melchior war schon bei seinen Zeitgenossen eine umstrittene Person. Man warf ihm vor, in seiner Wirtschaftsführung die Schuldenlast zu vergrößern und mit seinem eigenmächtigen Handeln die Rechte seiner Konventualen zu übergehen. Sein schroff es Auftreten polarisierte, besonders in seiner Auseinandersetzung mit den Gläubigen der evangelischen Konfession. Er vertrat einen durchaus kämpferischen, gegenreformatorischen Katholizismus,und letztlich wird gerade diese Beharrlichkeit dazu beigetragen haben, dass man ihn in mehreren Klöstern zum Propst postulierte. &lt;br /&gt;
Die Frage der Konfessionszugehörigkeit war zu jener Zeit unmittelbar auch eine Frage der politischen Macht und der gesellschaftlichen Ordnung. Das führte unweigerlich dazu, dass theologische Bestimmungen über sakramentale Gnadenwirkung, über Rechtfertigung des sündigen Menschen und die Rolle der Kleriker in der konkreten Situation von Pastoral und Herrschaft als Polemiken in handfesten Streitigkeiten instrumentalisiert wurden. Als sich der evangelische Schlossprediger des Georg Rueber in Grafenwörth „Pfarrer von St. Johann&amp;quot; nannte, war Propst Melchior Kniepichler entrüstet, schließlich sei er nur ''ein pur lauterer lay und seinem stanndt nach ainem jeden schneider und schuester gleich''. Für ihn waren solche Leute nichts als „sektische Seelenmörder,die zudem noch das Volk aufwiegelten&amp;quot;, denn es seien &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;dieses die frücht der lutherischen evangelii, das – wo solches eingerissen – daselbst allerley widerspennigkheit, truz, aufruehr, zertrennung des hailsambenfridens, verachtung des loblichen gesetz und obrigkheiten, unndtertrückhung der alten warheit und allerley Laster und gewaltthätigkheiten im schwang gehen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schwere Anschuldigungen erhob der Propst auch gegen die Bürger der Stadt Dürnstein, mit denen schon die Pröpste Adam und Balthasar Konflikte gehabt hatten. Kniepichler warf ihn en vor, die Kirchenrechnung nicht ordnungsgemäß zu legen - die Verwaltung der pfarrlichen Liegenschaften lag ja seit dem späteren Mittelalter in Händen einer Zeche, einer Korporation der Pfarrleute unter Vorsitz des Zechmeisters. Weiters beklagte er, dass die Bürger die Pfarrkirche überhaupt nicht mehr besuchten, sondern die Sakramente beim evangelischen Prediger im nahe gelegenen Weißenkirchen empfingen, wo sie ihm doch als ihrem Pfarrherrn Gehorsam schuldeten. Die Kinder würde man in einer eigenen Schule unterrichten, anstatt sie in die Pfarrschule zu schicken, und Bestattungen würden eigenmächtig auf einem eigenen Friedhof vorgenommen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den landesfürstlichen Behörden fanden diese Klagen Gehör: Unter Rudolf II. begannen auch in Niederösterreich die ersten Maßnahmen zur Rekatholisierung zu greifen. In Dürnstein stellte sich eine Abordnung von kaiserlichen Reformationskommissären bei Richter und Rat ein und wies einen landesfürstlichen Befehl vor, nachdem die vom Propst angezeigten Verfehlungen sofort einzustellen seien. Der Stadtrichter Marx Preuhauser berief sich in seiner Erwiderung auf die Zugehörigkeit zur Dürnsteiner Grundobrigkeit - und tatsächlich war dem evangelischen Adel die freie Religionsausübung noch nicht untersagt worden - und verlangte für die anderen Anklagepunkte ein ordentliches Verfahren vor dem landesfürstlichen Gericht. Denn was die Kirchengüter betreffe, so habe der Propst selbst die Ernte der Pfarre ins Stift bringen lassen und die Zechlade mit allen Urkunden, die die Besitzungen der Pfarrkirche belegten, unrechtmäßig an sich genommen. Für die Kinder werde keine Schule unterhalten, sondern der Stadtrichter unterweise die Kinder seiner Familie zu Hause ''im gebett, in gottsfurcht und lere sy das abc und buchstabiren.''&lt;br /&gt;
Von beiden Seiten wurde der Streit mit heftiger Polemik und scharf en Worten geführt: Propst Melchior beschrieb die Bürger als widerspenstige, respektlose Rebellen, die die katholische Konfession als „abgötterey“ verunglimpften, Mistgruben entlang der Klostermauer anlegten und ihn mit zahlreichen städtischen Steuerforderungen traktierten. Die Bürger wiederum stellten den Propst als üblen Despoten dar, der ihnen Bestattungen auf dem Friedhof der Pfarre verweigerte mit den Worten, „wir sollten unsere stinkhenden leichnamb gleichwoll in die Thonaw oder ander unsaubere örther werffen und verscharren. Die Dürnst einer Grundherrin Regina Streun intervenierte bei Erzherzog Matthias für ihre Bürger und erbat, dass sie ihrer Religion wegen nicht weiter belastet werden sollten, zu der sie sich stets „frey und offen bekhandt, auch darinnen erzogen worden“ seien. Verschiedentlich getroffene Vergleiche zwischen Stift und Stadt, die vor Schiedsgerichten ausverhandelt wurden und besonders die Kirchengüter, die Stolgebühren und die städtischen Abgabenforderungen betrafen, konnten den Konflikt nicht endgültig beilegen. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1622 erging schließlich auf entsprechendes Gesuch des Propstes Melchior hin an die Stadt der kaiserliche Befehl, an der Fronleichnamsprozession teilzunehmen, wo mit den Bürgern ein offenes Bekenntnis zum Katholizismus abverlangt wurde. Wer weiterhin seiner evangelischen Konfession treu bleiben wollte, war schon bald zum Auswandern gezwungen: auch etliche Dürnsteiner Familien lösten 1629 ihren Haushalt auf und verließen das Land. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1609 wurde Melchior Kniepichler als neuer Propst von Herzogenburg postuliert. Ein Chorherr des dortgen Kapitels, der ursprünglich selbst gewählt, aber von der Wahlkommission nicht bestätigt worden war, erhob beim Offizialat erfolglos Einspruch gegen Kniepichler, der nichts als Schulden in Dürnstein hinterlassen habe und außerdem streitsüchtig und dem Trunke und den Frauen ergeben sei. Nach Dürnstein wurde [[Thomas Parstorffer]], ein Konventuale aus [[Waldhausen]] postuliert, welches Kloster ihn 1612 als seinen neuen Propst zurückrief. Die weiteren Jahre stand Dürnstein unter der Administration von [[Stift Göttweig]]. Geeignete Kandidaten für die Nachfolge konnten nicht gefunden werden bzw. konnten sich staatliche und kirchliche Stellen auf keinen neuen Propst einigen. Mittlerweile war der Konflikt zwischen dem Herzogenburger Kapitel und seinem Propst Melchior Kniepichler eskaliert: Er war des Konkubinats angeklagt und seines Amtes enthoben worden. Als 1618 eine Neuwahl in Herzogenburg anstand, wehrte man sich gegen eine eventuelle Wiedereinsetzung Kniepichlers, der schließlich wieder nach Dürnstein berufen wurde und dort bis zu seinem Tod 1628 Propst blieb. &lt;br /&gt;
Als das Kapitel in diesem Jahr zur Neuwahl zusammentrat, erhielten zwei Kandidaten die gleiche Stimmenanzahl: [[Matthäus Khuen]], Profess und Senior aus Dürnstein und Vikar in Grafenwörth, und [[Nikolaus Hay]], Profess in Herzogenburg und Pfarrer von Haitzendorf. Hay, der aus Franken stammte, war bereits 1621 zum Herzogenburger Propst gewählt worden, hatte jedoch zugunsten eines vom Kaiser favorisierten Gegenkandidaten verzichtet. Nachdem die Wahlkommission Matthäus Khuen als für nicht tauglich zum Propstamt befunden hatte, wurde Nikolaus Hay zum Prälaten erhoben und verblieb fast 20Jahre in diesem Amt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
In dieser Zeit begann die Gegenreformation auch die letzten Reste evangelischer Religionsausübung aufzuspüren und zu beseitigen. Propst Nikolaus erhielt den kaiserlichen Auftrag, Nachforschungen über geheime Bündnisse „unkatholischer Bürger“ in Dürnstein und Weißenkirchen anzustellen und darüber zu berichten. Sein Nachfolger als Propst, Matthias Feldhorn, seit langem wieder der erste Dürnsteiner Konventuale in diesem Amt, wurde vom Kaiser zum Reformationskommissär im Viertel ober dem Manhartsberg für das Tal Wachau ernannt. Er ließ Berichte über die Konfessionsbekenntnisse der Untertanen erstellen, Privathäuser, in denen evangelische Gottesdienste gefeiert wurden, aufspüren, Pönalen für Widerspenstigkeit verhängen sowie verbotene Bücher konfiszieren. Selbst in dieser Zeit der Verfolgung findet sich in einem Verhörprotokoll die Beteuerung einer Untertanin, niemals durch Ablegung der Beichte und Empfang der Kommunion eine Konversion zum katholischen Glauben vollziehen zu wolle, und ''wenn man sie darzue wird bewzingen wollen, sie sich in die fluht begebe.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Barock und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Neuzeit hatte sich das Klosterleben durch innere und äußere Umstände sehr weit von seinen ursprünglichen Idealen entfernt gehabt. Die Restauration der Klöster im Zuge der katholischen Reform sollte ihren Ausdruck nicht nur in einer Entfaltung eines nach außen dargestellten neuen, barocken Glanzes finden, sondern auch eine innere Erneuerung einleiten. Mit dem Sieg des Katholizismus, dem sich das habsburgische Herrscherhaus eng verbunden hatte, und nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges begann eine sinnenfällige, dem Volksbrauch nahestehende Frömmigkeit Alltag und Festzeit im religiösen Leben zu prägen und die Berufungen zum Priesteramt wurden zahlreicher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Konvent von Dürnstein hatte sich wieder vergrößert und bedurfte einer Besinnung auf die alten Regeln und Statuten des Ordensleben, die gleichzeitig auch einer neuen Zeit Rechnung trugen. Bereits 1630 hatte eine Visitation durch den Propst von Klosterneuburg stattgefunden, der dem Dürnsteiner Konvent erneuerte Hausstatuten verordnete, die den Tageslauf im klösterlichen Zusammenleben ''morem vetustorum imitando'', dem alten Brauch nacheifernd, gestalten sollten. &lt;br /&gt;
Die von bischöflicher Seite 1665 durchgeführte Visitation legte folgende Richtlinien fest: Die Klausur, die man in den letzten Jahren vernachlässigt hatte, sollte wieder streng beachtet werden. Das Ordensgewand sollte ohne jeden Luxus sein und stets getragen werden, auch in der Öffentlichkeit. Privateigentum der Chorherren wurde untersagt, auch die Kirchengüter der Pfarren sollten die Vikare als Eigentum des Stiftes und nicht als ihr persönliches betrachten. Zu bestimmten Stunden sei auf das Schweigen im Kloster Bedacht zu nehmen, Erholungszeiten sollten den Konventualen ein- oder zweimal in der Woche gewährt werden. Dafür sollten sie Erlaubnis zum Spaziergang sowie einen eigenen Aufenthaltsraum und geeignete Spiele erhalten. Die Mahlzeiten sollten dem Stand eines Religiosen angemessen sein: sie hatten sättigend zu sein, aber nicht zu erlesen und zu süß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit dieser Visitation bekleidete [[Reinhard Faust]] das Amt des Propstes. Er stammte aus Mainz und hatte vorher dem Jesuitenorden angehört. Bei der Umsetzung der Klosterreform hatte er keine sehr glückliche Hand und zeigte wenig Geschick in der Leitung des Konvents. Die Chorherren opponierten gegen ihn und brachten eine seitenlange Klageschrift beim Passauer Offizialat ein. Sie beschrieben ihren Prälaten als ausgesprochen tyrannischen und herrschsüchtigen Menschen, der ständig ein Terzerol, also eine kleine Taschenpistole, bei sich trage und sie damit bedrohe. Jede Zusammenkunft der Brüder verhindere er und sie ''derffen diebus recreationis nit spazirn gehen noch mitain- ander offentlich dicurrirn, dieweil er ihm einbilt, man redet von ihm.'' Er führe die Wirtschaft schlecht und verschenke alle Pretiosen. Besonders ausführlich wurde er beschuldigt, ein Verhältnis zur Frau seines Hofmeisters zu unterhalten, die er mit Geschenken überhäufe, so dass sie, ''welche vorhero ein armes weib, sich zu Tirnstein alß ein vornems von adl geklaidet'', und überhaupt sich schon wie die Hausherrin im Kloster gebärde. Er beschimpfe seine Konventualen als ''bueben, pachanten, esel, idioten, adulteros'',sperre sie grundlos in den Klosterkerker und mache ihnen das Leben so schwer, dass ein Mitbruder am Sterbebett bekannt habe: ''der Faust ist schuldig an meinem unzeitigen todt''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Reinhard führte seinerseits gegen seine Konventualen Klage, dass sie ihm den Gehorsam verweigerten, eine Theateraufführung am Festtag des heiligen Augustinus zu einem Affront gegen seine Autorität gemacht und ihm schließlich angedroht hätten, seine Absetzung wegen schlechter Verwaltung der Klostergüter zu betreiben. Als Rädelsführer benannte er den Dechanten [[Franz Feldhorn]], einen Bruder seines Vorgängers als Propst, und den Professen [[Honorius Arthofer]]. Man fand schließlich mit Hilfe einer Schlichtungskommission in einigen konkreten Punkten zu einem Vergleich zwischen Propst und Kapitel: Dass der Dechant wieder Verfügung über das Konventsiegel bekommen und ein Inventar der Kirchen schätze angelegt werden sollte, konnte dem eigenmächtigen Wirtschaften des Propstes entgegenwirken. Die Konventualen wurden ermahnt, die Ordensstatuten zu befolgen, sie sollten auch nicht in den Gebäuden des Propstes, sondern im Kapitelhaus wohnen. Die engen Zellen sollte der Propst für sie ausbauen, dass sie genügend Licht und Luft empfingen. Der Appell, einander ansonsten in brüderlicher Liebe zu begegnen, fruchtete wenig. Der Versuch, die Lage durch Einsetzung eines neuen Dechanten zu entschärfen, brachte nur neuen Zwiespalt. Feldhorn war zwar bereit zu resignieren, wollte aber Arthofer als seinen Nachfolger sehen. Als schließlich wenig später im Jahr 1668 Propst Reinhard starb, wurde der von ihm so geschmähte &amp;quot;Rebell&amp;quot; Honorius Arthofer sogar zum neuen Prälaten erwählt. Unter seiner Regierung wurde das neu ausgebaute Kapitelgebäude fertig gestellt. &lt;br /&gt;
Sein Nachfolger war Karl Donrey, der allerdings schon nach wenigen Jahren bat, von der Bürde dieses Amtes, dem er sich weder gesundheitlich noch seelisch gewachsen fühlte , entbunden zu werden und eine Pension zu erhalten, die ihm ein standesgemäßes Leben ermöglichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von bischöflicher Seite erachtete man es für notwendig, einen neuen Propst von einem anderen Kloster nach Dürnstein zu berufen, da die Konventualen die Gutmütigkeit Donreys, der ''die einsambkheit mehr als das regiern liebet'',in einer Weise missbraucht hatten, dass sie ''ganz dissolut worden, allen respect und gehorsamb, auch die clösterliche disciplin genzlich vergessen undt so liderlich worden'', dass kein tauglicher Nachfolger unter ihnen zu finden sei. DieWahl per Stimmzettel brachte im Konvent das vom Offizialat gewünschte Ergebnis: Es wurde [[Gottfried von Haslingen]], ein Profess aus St. Dorothea, dem sein Propst ein gutes Zeugnis ausstellte, installiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Pröpsten der Barockzeit ist vor allem die Erinnerung an [[Hieronymus Übelbacher]] bis heute lebendig geblieben, war er es doch, der den Umbau seines Klosters im Stil seiner Zeit nicht nur leitete, sondern nachweislich selbst großen Anteil am Programm und der Ausgestaltung des barocken Bauwerks nahm. Übelbacher wurde 1674 in Hollabrunn als Sohn bürgerlicher Eltern geboren, mit 18 Jahren trat er in den Orden ein und legte seine Profess in Dürnstein unter Propst Gottfried ab, den er sehr schätzte. Er studierte Theologie in Olmütz und Wien und erhielt die Priesterweihe. Im Stift hatte er mehrere Stiftsämter inne, er war auch Verwalter des Dürnsteiner Hofes in Wien und damit für die äußeren Angelegenheiten des Kapitels zuständig. Nach dem Tod von Propst Gottfried im Jahr 1710 wählten ihn seine 20 Mitbrüder zum neuen Prälaten. Er bekleidete nicht, wie manche seiner Vorgänger, ein Amt in der Niederösterreichischen Landschaft und verkaufte darum das Dürnsteiner Haus in der Wiener Singerstraße. 1722 errichtete er für seine Kleriker eine Hauslehranstalt, an der er selbst philosophische und theologische Fächer vortrug. Seine Aufzeichnungen über seine Geldaufwendungen, die er in Schreibkalender eintrug und durch tagebuchähnlichen Notizen ergänzte, belegen, dass er sich mit allen Details des barocken Umbaus eingehend befasste, sodass die Klostergebäude heute nicht nur das Stilempfinden ihrer Zeit und die Eigenheiten ihrer berühmten Baumeister repräsentieren, sondern in hohem Maß auch die persönlichen Vorlieben des Propstes Hieronymus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur mehr zwei Pröpste sollten ihm nach seinem Tod 1740 nachfolgen, [[Maximilian Leeb]] und [[Dominik Ruemer]]. Danach wurde das Stift von Kaiser Joseph II. aufgehoben. Die Ursache dafür lag im gewandelten Verhältnis des aufgeklärten Absolutismus gegenüber den kirchlichen und vor allem klösterlichen Einrichtungen. Weder die rechtliche und wirtschaftliche Eigenständigkeit der Konvente noch ihre besondere Religiosität passten in die Vorstellungen von einem Untertanenstaat, in dem allen kirchlichen Amtsträgern eine dem Gemein- bzw. Staatswohl dienende Funktion zugedacht war. Da die österreichische spätbarocke Kirche zudem mehr als reichlichen Priesternachwuchs hervorgebracht hatte, erachtete man den Ordensklerus als verzichtbar gegenüber den Weltklerikern, die in der staatlich beförderten und intensivierten Pfarrseelsorge eingesetzt wurden. &lt;br /&gt;
Stift Dürnstein hatte überdies in josephinischer Zeit mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen: Der Personalstand betrug damals zwar 13 Chorherren, von diesen waren aber nur sechs zur Seelsorge in den Pfarren Dürnstein, Grafenwörth und Engabrunn (eine ehemalige Filiale von Grafenwörth) voll tauglich. Propst Dominik Ruemer, ein gebürtiger Dürnsteiner, war ein betagter Greis von über 80 Jahren. Der Stiftsdechant [[Franz Hoffmann]] ersuchte das Konsistorium des neu gegründeten Bischofssitzes in St. Pölten, die Stiftsadministration aus den Händen des senilen Propstes in die des Dechants zu übertragen, um weiterem Schaden vorzubeugen. Doch dies wäre als eine Angelegenheit der Temporalien eine Agenda der staatlichen Behörden gewesen, welche man aber nur ungern über die Dürnsteiner Situation in Kenntnis setzen wollte. &lt;br /&gt;
1787 starb Propst Dominik und eine Neuwahl wurde vorerst hinausgezögert. Mit Beschluss vom 19. Jänner 1788 wurde das Kloster schließlich aufgehoben, dem nahegelegenen Stift Herzogenburg einverleibt und die Stiftsherrschaft dem dortigen Prälaten zur Administration übergeben. Mit der Beauftragung von Propst [[Michael Teufel]] hatte man diese Aufgabe in umsichtige und bewährte Hände gelegt. Dass man ihn trotzdem schon nach einem Jahr zu einem Rechtfertigungsbericht über seine Verwaltertätigkeit aufforderte, lag an einer Denunziation eines ehemaligen Kanonikers aus Dürnstein, der damit spekulierte, eventuell selbst Administrator werden zu können. Propst Michael Teufel konterte seine Anschuldigungen mit Bravour und legte seinen Wirtschaftsplan vor, der von der Regierung genehmigt wurde: Im Klostergebäude wurden neben dem Pfarrer und seinen Kooperatoren auch die Schule und die Wohnung des Lehrers untergebracht. Mobilien und Liegenschaften wurden in Vorbereitung einer Versteigerung geschätzt: Der Erlös sollte dem Religionsfonds zugeführt werden, einer staatlichen Einrichtung, aus der Kirchenbau und Priesterbesoldung finanziert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1790 starb Joseph II. und sein Nachfolger Leopold II. erwog, die Aufhebung rückgängig zu machen. Die Hofkommission empfahl jedoch, den getroffenen Beschluss beizubehalten, da das kleine Kloster zur Aushilfe in der Seelsorge nicht benötigt würde. Von den Dürnsteiner Chorherren gingen vier in Pension, den Rest nahm Stift Herzogenburg bei sich auf. Der Großteil der Liegenschaften, vor allem der Weingartenbesitz in der Wachau, wurde in den näcsten Jahren veräußert, einiges verblieb bei Herzogenburg. Klostergebäude und Stiftskirche sind bis heute erhalten geblieben: Gotischer Baukern und barocke Schaufassade legen Zeugnis ab von der wechselhaften Geschichte eines kleinen, doch keineswegs unbedeutenden österreichischen Chorherrenstiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und soziale Entwicklung=== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stiftungsgut der neu gegründeten Kanonie kam zum Gutteil aus der Dotation der älteren Marienkapelle. Es bestand anfänglich aus Weingärten in Dürnstein und im benachbarten Loiben, aus Erträgen von Lehen in und um Zagging (ca. 15 km südlich von Dürnstein), welche Elisabeth von Kueming-Wallsee gehörten, und aus angekauften Gütern in der Nähe Zaggings in Merking, Rust und Hain. Die Zagginger Güter fielen nach Elisabeths Tod an ihre Familie, die Kapelle erhielt dafür die Güter der Feste Streitwiesen (Nähe Pöggstall) und den Hof Neidegg in Oberloiben. Aus der Dotation der Dorotheakapelle im Kreuzgang stammten die stiftlichen Besitzungen in Willendorf in der Wachau, Groisbach, Litzendorf, Thalham und Schlaubing (bei Maria Laach am Jauerling). Die Dörfer Reichau und Ostra (nördlich von Dürnstein) erlangte das Stift aus der Dotation der inkorporierten Johanneskapelle in der Burg Dürnstein. Auch etliche Geld- und Naturaliendienste von Häusern, Wein- und Obstgärten gehörten zur Ausstattung. Einen eigenen Meierhof hatte das Kloster nicht nur in Dürnstein selbst, sondern auch in der Pfarre Grafenwörth für die Erträge aus den Kirchengütern in Grafenwörth, Wagram, Gösing und Kamp. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etliche Stiftungen erweiterten in der Folge die ökonomische Grundlage des jungen Klosters. Zahlreich waren im 15. Jahrhundert die Seelgeräte, mit denen eine Familie einen jährlichen Gelddienst, der an einen Weingarten oder Acker gebunden war, dem Stift übertrug, wofür die Chorherren einen &amp;quot;ewigen Jahrtag&amp;quot; begingen, also jährich eine Seelemnesse zelebrierten. Eine größere Zuwendung, nämlich Erträge aus Weißenkirchen, Joching und Wösendorf, erhielt das Stift 1415 durch eine Schenkung von Berthold von Basel, dem Arzt von Herzog Albrecht V. Der Pfarrer von Ravelsbach, Ulrich Hippeldorfer, stiftete einige Jahre später mehrere Liegenschaften und Einkünfte zu Parisdorf (bei Ravelsbach). Hans Härtl, der Bürgermeister von Krems und Stein, widmete 1499 mehrere Weingärten und Äcker bei Dürnstein und Loiben sowie einige Pretiosen an die neue Hl.-Kreuz-Kapelle im Kreuzgang, später &amp;quot;Kremser Kapelle&amp;quot; genannt . Zu gewendete Gelder wurden von den Pröpsten in den Ankauf weiterer Liegenschaften investiert, denn Grundbesitz war die wichtigste Kapitalanlage der klösterlichen Wirtschaftsführung. So wurden etwa Weingärten in Rohrendorf (bei Krems) und Zöbing (bei Langenlois) erworben. &lt;br /&gt;
Mit landwirtschaftlichen Produkten wurde das Kloster unter anderem durch die Abgaben seiner Grundholden versorgt. Das waren Bauern, die den Grundbesitz des Klosters meist in Form einer Erbleihe oder auch zu Leibgeding erhielten und dafür Getreide, Hühner, Gänse, Eier, Käse sowie Pfennigdienste ablieferten. Zu den bedeutendsten Einnahmequellen des Stiftes gehörte jedoch von Anfang an der Weinverkauf. Das Recht, im Stiftskeller in Dürnstein eine Weinausschank zu betreiben, hatte bereits Stephan von Haslach für die Marienkapelle erworben. Die Schank war von der Zahlung des Ungelds, einer landesfürstlichen Alkoholsteuer, befreit, und zwar für Wein, den das Stift in Eigenbau erwirtschaftete, für eine Menge von 10 Dreiling Wein jährlich, also etwa 12.000 Liter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch andere landesfürstliche Privilegien unterstützten die Wirtschaftsführung: 1413 erteilte Herzog Albrecht V. das Recht, aus den landesfürstlichen Wäldern bei Dürnstein Brennholz zu entnehmen - ein Privileg, das das Stift gegenüber den verschiedenen Herrschaftsinhabern manchmal nur schwer durchsetzen konnte. 1415 gewährte der Herzog das Recht, Getreide zum eigenen Bedarf mautfrei ins Kloster zu führen. Weiters sollten die Chorherren vom landesfürstlichen Amtmann in Gmunden jährlich eine bestimmte Menge Salz beziehen. Diese Salzlieferung blieb bis 1784 aufrecht. &lt;br /&gt;
Die Besitzungen des Stiftes Dürnstein waren insgesamt nicht besonders groß, und im Prälatenstand rangierte der Propst weit hinter den wohlhabenderen Konventen . Dennoch reichten die Einkünfte im 15. Jahrhundert für den Unterhalt von durchschnittlich 15 Konventualen. Diese brachten zudem ihr privates Vermögen in das Stift ein, denn auch wenn der Adelsvorbehalt in den Klöstern der alten Orden im Spätmittelalter bereits gefallen war, so traten doch keine gänzlich Besitzlosen in ein Chorherrenstift ein. Über die Herkunft der Professen lassen sich jedoch aufgrund mangelnder Quellen nur vage Angaben treffen. Viele kamen aus der näheren oder weiteren Umgebung: aus Dürnstein, Loiben, Weißenkirchen, Weitra, Zwettl, Krems, Stein, Tulln, Laa an der Thaya, Waidhofen , Klosterneuburg, Wien, Wels, Steyregg oder Graz. In der frühen Neuzeit, als es an Nachwuchs und auch Ausbildungsmöglichkeiten in den österreichischen Klöstern fehlte, kamen die Prälaten bisweilen auch aus entfernter liegenden Orten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Budweis stammte Propst [[Urban Hanal]], der dem Stift 1521 bis 1544 vorstand. Zu dieser Zeit waren Grundherrschaften umwälzenden ökonomischen Veränderungen ausgesetzt. Das mittelalterliche System der Rentenwirtschaft, in dem die fixen Abgaben der Bauern nicht auf Preisschwankungen reagierten und daher in Krisenzeiten ein Sinken der herrschaftlichen Realeinkünfte zur Folge hatte, wich allmählich einer marktorientierten Produktion und der Erwirtschaftung von Mehrwert, der im traditionellen Feudalsystem nicht zu erzielen war. Ökonomische und soziale Gegensätze wurden zunehmend größer und innerhalb der ständisch gegliederten Gesellschaft, in der auch für ein Kloster Ausgaben für Repräsentation unerlässlich waren, stieg der Geldbedarf. Verschärft wurden die Geldnöte Dürnsteins noch durch die hohen Steuern, mit denen die Kriege gegen das Osmanische Reich finanziert wurden und mit denen besonders die geistlichen Grundherrschaften schwer belastet wurden. In einer Gülteinlage - einer Besitzaufstellung als Grundlage für die Steuerbemessung - weisen die Chorherren den stiftlichen Neideggerhof in Oberloiben und den Scheibenhof bei Dürnstein als öde aus, beklagen weiters, dass ihnen in Grafenwörth großer Schaden entstehe ''von dem wasser und guß der Tunaw und Champ, das dy vergangnn jarenn gar woll der drittaill vexung verdorben im stadl und auff dem veldt ist und dass in Dürnstein einige Weingärten der reiff pissen hat.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig blieben aufgrund veränderter Glaubensvorstellungen die Stiftungen aus und der Konvent schrumpfte ständig. Damit verlor auch die stiftliche Verwaltung an Effizienz, die Weingärten wurden nicht bewirtschaftet und die Einkünfte sanken. Propst Urban erwies in dieser schwierigen Lage wenig Geschick: Er deckte den Geldbedarf durch Verkauf von Grundbesitz und entzog damit dem Kloster seine wirtschaftliche Basis. Seine Nachfolger waren lange damit beschäftigt, diese Güter wiederzuerlangen. &lt;br /&gt;
Da der Weinbau der wichtigste und vielversprechendste Wirtschaftszweig Dürnsteins war, versuchte das Stift in diesem Bereich die Einnahmen zuerhöhen. Propst [[Jakob Reisser]] verpachtete die brachliegenden Weingärten an Dürnsteiner Bürger. Das Kloster stellte den Inhabern der Weingärten Geräte und Presse zur Verfügung und erhielt die Hälfte oder das Drittel des Ertrags. Dem nächsten Propst, Adam Faber, gelang 1573 eine Erweiterung der Besitzungen, indem er bei den landesfürstlichen Behörden erwirkte, dass das aufgelassene Klarissenkloster, das dem Stift direkt benachbart lag, mitsamt seinen Gütern seinem Kloster einverleibt wurde. &lt;br /&gt;
Wie andere Grundherrn versuchte in der Folge auch Stift Dürnstein seine Erträge zu steigern, indem es den Anteil der Eigenwirtschaft erhöhte und den Weinbau mit billigen Lohnarbeitern zu betreiben begann. Die Bürger Dürnsteins, die wegen der Konfessionsfrage ohnedies in heftigem Streit mit dem Kloster lagen, beschwerten sich bitter über Propst Melchior Kniepichler , dass er die klösterlichen Weingärten, die sie als Pächter in schlechtem Zustand übernommen und wieder kultiviert hätten, nun an „außwendigen, ja auch herrnlosen gesindl und ledigen hauern“ gegeben habe, die im alten Nonnenkloster hausten, der Stadt keine Steuern brächten und nur Unfug anstellten. &lt;br /&gt;
Eine wichtige Einnahmequelle für ein Kloster waren auch die spezifisch kirchlichen Einkünfte. Der Zehent, also das Zehntel des landwirtschaftlichen Ertrages, den die Pfarrleute an den Patronatsherrn ihrer Kirche abführen mussten, teilte sich Dürnstein für die Pfarre Grafenwörth mit dem Stift Herzogenburg im Verhältnis 2 : 1. Den Zehent der Pfarre Dürnstein erhielt das Stift erst ab 1573 durch die Übernahme des Klarissenklosters, das den Chorherren zwar das Patronat abgetreten, aber weiterhin über die Güter und Einnahmen der Pfarre verfügt hatte. Den halben Dürnsteiner Weinzehent musste das Stift aber der Pfarre Krems überlassen, deren Filialkirche die Pfarre Dürnstein früher gewesen war. Es waren nicht zuletzt die Einkünfte aus den Kirchengütern und den Stolgebühren, die für liturgische Handlungen zu entrichten waren, die Anlass zu langen Auseinandersetzungen mit den evangelischen Untertanen gaben. &lt;br /&gt;
Überhaupt konkretisierten sich Konflikte zwischen dem katholischen Stift und der protestantischen Bürgerschaft oft in strittigen Geldangelegenheiten. Die Stadtregierung lenkte im 16. Jahrhundert mit großem Selbstbewusstsein die Angelegenheiten des Gemeinwesens und die Bürger errichteten repräsentative Häuser, die dem Ort bis heute sein Gepräge geben . Die Steuerforderungen des Rates erschienen dem Stift unangemessen, während andererseits die Bürger die Erhöhung der Pachtgelder beklagten. Das Chorherrenstift besaß auch seit der Zeit seiner Gründung das „Urfahr&amp;quot;, also das Recht auf den Fährbetrieb auf der Donau. 1596 beschwerte sich Propst [[Balthasar]] bei Richter und Rat der Stadt, dass sie ohne sein Einverständnis die Urfahr-Ordnung geändert hätten, und dass sie jedem Bürger, der ans gegenüberliegende Rossatz zum ''sectischen predicanten'', also zum evangelischen Prediger, übersetzen wollte, nur einen statt der bisherigen zwei Pfennige abverlangten. Außerdem hätte der Pächter des Fährbetriebs so viele Ausnahmen gewährt, dass schon fast jeder Bürger sein eigenes Boot besäße. &lt;br /&gt;
Schwierigkeiten in der Verwaltung brachten imm er wieder dieilmerstiftlichen Pro- bleme Dürnsteins mit sich. Bestand der Konvent noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus fast 20 Chorherren, so sank der Konventualenstand während der Regierung von Propst Urban bis 1544 auf einen einzigen Chorherren herab. Die nächsten hundert Jahre änderte sich daran wenig, so dass die folgenden acht Pröpste aus anderen Stiften berufen werden mussten: aus St. Dorothea, aus Herzogenburg, [[St. Pölten]], Klosterneuburg und Waldhausen. Die Administration war dementsprechend schwierig. Propst Balthasar Puchseer begann 1597 einen langen Rechtsstreit mit dem Pächter der stiftlichen Weingärten in Zöbing, der dieselben unrechtmäßig an sich gezogen habe, obwohl sein Leibgedingvertrag aufgrund seiner schlechten Hauerarbeit gelöst worden war. Ausständige Pachtgelder versuchte noch Propst Melchior Kniepichler bei der Witwe des Pächters einzutreiben. Propst Melchior begann auch Listen anlegen zu lassen über jene Besitzungen, die dem Stift während der Reformationszeit von der evangelischen Grundobrigkeit bzw. den Bürgern in Dürnstein entzogen worden waren, und forderte ausständige Grunddienste aus den vergangenen Jahrzehnten ein. &lt;br /&gt;
Eine weitere Möglichkeit der Gewinnmaximierung war die Arrondierung des klösterlichen Streubesitzes, bei dem die Bewirtschaftung aufwändiger und die Gefahr einer Entfremdung größer war. Solchen Grundbesitz hatte Dürnstein mit dem Amt Ederding, das in der Nähe Herzogenburgs lag und aus dem Besitz des ehemaligen Klarissenklosters stammte. Propst Nikolaus Hay tauschte 1634 dieses Amt mit den dazugehörigen Liegenschaften und Untertanen in Ederding und Oberwinden gegen die dem Stift Herzogenburg inkorporierte Pfarre Haitzendorf, der Nachbarpfarre von Grafenwörth. Jedoch hielt der Kontrakt nicht lange, denn ab 1664 sind wieder Herzogenburger Chorherren in Haitzendorf tätig. Dürnstein bekam dafür auf 15 Jahre die landesfürstliche Pfarre Hadersdorf am Kamp verliehen, deren Einkünfte helfen sollten, die Stiftschulden abzutragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1663 erwarb Propst [[Matthias Feldhorn]] den nahe gelegenen Förthof (bei Stein) mit allen Untertanen und Weingärten. Dass er den Kaufpreis von fast 10.000 Gulden aufbringen konnte, beweist, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse des Stiftes sich allmählich konsolidiert hatten. Die Rechnungsbücher, die ab dieser Zeit überliefert sind, weisen bereits positive Bilanzen im Jahresbudget auf. Größere Ausgaben wurden durch Darlehen finanziert, wie die Zahlungen von Kreditzinsen belegen. &lt;br /&gt;
Auch die Größe des Konvents hatte wieder seinen früheren Stand erreicht, wenngleich die Gemeinschaft der Chorherren noch einige Zeit aufgerieben wurde im Spannungsverhältnis zwischen den strengen Ordensstatuten, der barocken Lebensführung des Klerikerstandes und des Adels, der abgerissenen Tradition klösterlicher Spiritualität und der Autorität mancher inkompetenter Pröpste. Doch fand man schließlich zu einem geregelten Klosterleben und achtete auch auf eine entsprechende Ausbildung der Chorherren, für die Propst Hieronymus Übelbacher 1722 eine Hauslehranstalt errichten ließ. &lt;br /&gt;
Gleichzeitig wurde auch die Verwaltung übersichtlicher und stiftsintern organisierter. Im ausgehenden 17. und im 18.Jahrhundert waren bereits alle Leistungen der Grundholden und Untertanen, die das Stift erhielt, in Geldabgaben umgewandelt. Auch die Robot, also die Arbeitsleistung, zu der die Bauern ihren Grundherren gegenüber verpflichtet waren, konnte in Geld beglichen werden, bis sie unter der Regierung Josephs II. vollkommen aufgehoben wurde. Ein Gutteil der regelmäßigen Einnahmen des Stiftes bestanden aus Herrschaftseinkünften aus obrigkeitlichen Rechten: von den Holden Dienste und Besitzveränderungsabgaben bzw. von Pächtern Pachtgeld, von Untertanen Gerichtstaxen für Heiratsbewilligungen, Verlassenschaftsverhandlungen oder ähnliches und Steuern . Das Stift hatte im 18. Jahrhundert etwa 230 Untertanen, vor allem in Grafenwörth, weiters in Willendorf in der Wachau, in der Kremser Gegend (Förthof, Rührsdorf), am Wagram (Großwiesendorf), bei Herzogenburg (Oberwinden, Ederding), bei Böheimkirchen (Dürnhag), bei Ravelsbach (in Meiseldorf), in Ostra und Harrau (Gerichtsbezirk Spitz), Henndorf (Gerichtsbezirk Scheibbs), Bernharts und Kamles (Gerichtsbezirk Ottenschlag), Kilb (Gerichtsbezirk Mank) und Dürnstein. Der Zehent war verpachtet und wurde ebenfalls in Geld eingenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast ebenso viel wie alle diese Einnahmen zusammen erbrachte im 18. Jahrhundert der Weinbau in den Wachauer Weinbergen: Der Wein wurde im Dürnsteiner Stiftskeller und im Förthof ausgeschenkt bzw. in größeren Mengen gehandelt, wobei das Stift auch Käufer in Oberösterreich, Salzburg und Bayern hatte. Später hatte auch der Verkauf von Branntwein und Obst einen gewissen Anteil am stiftlichen Einkommen. Bei den jährlichen Ausgaben waren die Steuern an das Land sowie die Baukosten die größten Einzelposten, weiters die Aufwendungen für den Weinbau und für den Stiftsbetrieb mit Küche, Meierhof und Handwerkern. &lt;br /&gt;
Wie sehr im Bewusstsein der Bevölkerung das Stift auch als Wirtschaftskörper sein Umfeld ökonomisch und sozial geprägt hatte, zeigt sich in einem Gesuch der Dürnsteiner Bürgerschaft aus dem Jahr 1789. Man erbat die Abtretung von einigen Joch Land aus dem Besitz des aufgehobenen Klosters, weil alle landwirtschaftliche Nutzungsfläche in der Stadt durch Stiftungen oder Kauf an das Kloster gekommen sei und jetzt kein Haus mehr genug Grund dabei hätte, um auch nur ein Pferd zu ernähren. Die Bürger hätten sich beim Stift als Hauerknechte verdingen müssen, und die Weingärten, die sie noch besäßen, seien die schlechten und gebirgigen. Durch die Aufhebung des Stiftes sei den Bürgern noch ein zusätzlicher Verdienst entgangen, da man früher Arbeit im Kloster gefunden hatte, vor allem, wenn der Propst Gäste hatte. Der Herzogenburger Propst Michael Teufel, der das aufgehobene Stift administrierte, sah in seinem Wirtschaftsplan vor, das Fährmannshaus und die Taverne des Stiftes an die Bürgerschaft abzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wird das Stiftsgebäude, in dem neben den Räumen der Pfarre auch eine Volksschule untergebracht ist, für verschiedene Veranstaltungen und Ausstellungen genützt, eine Präsentation von Geschichte und Spiritualität des Chorherrenordens wird ständig gezeigt. Das eindrucksvolle barocke Bauwerk zieht auch viele Besucher an, und der aufmerksame Betrachter kann entdecken, dass dem reichhaltigen, barocken Figurenprogramm nicht nur religiöse Inhalte zugrunde liegen, sondern dass auch die sehr irdischen und profanen Aspekte klösterlichen Lebens, seine Wirtschaft und Verwaltung, ihren künstlerischen Ausdruck gefunden haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otto von Maissau übernahm bei der Stiftung 1410 auch die Vogtei über die junge Kanonie, entband sie jedoch von allen Abgaben, die üblicherweise damit verbunden waren. Für den Fall seines kinderlosen Todes übertrug er das Vogteirecht 1412 Herzog Albrecht V. Dieser nahm das Stift 1413 in seinen Schutz und verfügte, dass keiner seiner Pfleger, Landrichter und Amtsleute die Stiftsuntertanen ''besweren noch anvallen'' dürfe, jedoch ausgenommen die dem Landgericht vorbehaltenen Fälle. Dies waren in der Regel die Straftaten, die mit dem Tod geahndet wurden, nämlich Mord, Raub und Vergewaltigung. &lt;br /&gt;
Kaiser Friedrich III. bestätigte 1459 dieses Recht der niederen Gerichtsbarkeit sowie die anderen Privilegien des Stiftes, die vor allem wirtschaftlich wichtig waren, nämlich das Urfahr, die Befreiung von Ungeld und Maut, die Salzlieferungen und das Recht der Brennholzentnahme aus den herrschaftlichen Wäldern. Als ''obrister erbvogt und petvogt'' über die Klöster seines Landes gestattete Friedrich III. die freie Wahl von Untervögten und verfügte, dass das Stift alle Rechte und Freiheiten innehaben sollte wie ''die andre gefürste clöster hie in dem land''. Damit war Dürnstein rechtlich den landesfürstlichen Klöstern gleichgestellt. Relevant wurde die Rechtsstellung Dürnsteins vor allem in der Reformationszeit, in der das Passauer Offizialat gegenüber dem Klosterrat stets betonte, dass das Stift unmittelbar dem Bischof von Passau unterstellt sei und der Kaiser und Landesfürst daher kein Recht habe, auf die Propsterhebung Einfluss zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Grundausstattung jedes Klosters gehört auch ein Bestand an Büchern. Für die Feiern der Gottesdienste benötigte man liturgische Bücher und Predigten, für das Chorgebet Breviere, für die Unterweisung der Novizen und Schüler Grammatiken und andere didaktische und theologische Schriften. Weiters sollten natürlich Abschriften der Regel des heiligen Augustinus und der Ordensvorschriften vorhanden sein. Aus der Dürnsteiner Bibliothek sind bis heute zwei Abschriften der überarbeiteten Raudnitzer Statuten erhalten geblieben, eine davon aus dem 15. Jahrhundert (Stiftsbibliothek Herzogenburg). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihrem Testament hinterließ Elisabeth von Kuenring, Witwe Eberhards von Wallsee, 1379 der von ihr gestifteten Marienkapelle in Dürnstein „alle meine puecher dawtschew und laetin“, die wohl die Grundlage für die Bibliothek des Chorherrenstiftes bildeten. Einzelne Buchschenkungen an die Chorherren sind auch im 15. Jahrhundert bezeugt, als das Stift als Reformkloster in gutem Ruf stand und das Studium von Büchern wichtiger Bestandteil des klösterlichen Lebens war. Man verfügte über die Schriften der Kirchenväter, über theologische Summen, Bibelexegesen, Dekretalensammlungen, Erzählungen über Tugend und Laster, Heiligenviten und dergleichen mehr. Frühdrucke des 15. Jahrhunderts wurden in Dürnstein selbst illuminiert und in kunstvoll verzierte Ledereinbände gebunden. Viele Dürnsteiner Inkunabeln au s dieser versierten Werkstatt sind in der Frühdruckesammlung der Östereichischen Nationalbibliothek überliefert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Neuzeit dürften die Bibliotheksbestände des kleinen Chorherrenstifts nicht allzu sehr angewachsen sein. Der älteste erhaltene, vollständige Katalog datiert erst aus dem Jahr 1710 und wurde auf Verlangen der bei den Propstwahlen anwesenden landesfürstlichen Kommission anlässlich der Erhebung von Hieronymus Übelbacher zum Prälaten angelegt. Er liegt dem Stiftsinventar in den Klosterakten der Niederösterreichischen Regierung bei, heute im Landesarchiv in St.Pölten. Er verzeichnet etwa 650 bis 700 Bände, wobei vermerkt ist, dass die Ankäufe des Vorgängers von Propst Hieronymus, Gottfried von Haslingen, in der Höhe von 600 Gulden noch nicht berücksichtigt sind. Die Bücher erscheinen in Sachgruppen zusammengefasst: Fast die Hälfte sind „pia opera“, fromme Werke, theologische Literatur und Gebetsbücher, weiters geschichtliche Werke, Grammatiken, Sammlungen von kirchlichen und weltlichen Gesetzestexten, philosophische und medizinische Abhandlungen. Propst Hieronymus hat selbst etliche Bücher angekauft, wie aus seinen Aufzeichnungen über die Rechnungen von Buchhändlern und Buchbindern ersichtlich ist. Er las regelmäßig mehrere Zeitungen und notierte sich daraus Anzeigen über neu erschienene Bücher, die er anzuschaffen gedachte. Bücher wurden zu dieser Zeit noch ungebunden erworben und erst danach von einem Buchbinder nach Wünschen des Besitzers mit einem Ledereinband versehen. Ein Messbuch für Pontifikalämter ließ Propst Hieronymus in rotem Samt binden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hieronymus Übelbacher, der den barocken Umbau des Stiftes geleitet hatte, 1740 starb, war ein Bibliotheksraum noch nicht vorhanden. Die Bücher waren jedoch bereits aus dem alten Bibliothekssaal, der nunmehr als Dechantenwohnung dienen sollte, ausgelagert worden und lagen noch in Kisten verwahrt. Doch auch später hat das Stift keinen repräsentativen Büchersaal mehr bekommen, wie man ihn sonst in den barocken Klöstern findet. Adalbert Blumenschein, der 1781 eine Beschreibung der niederösterreichischen Bibliotheken hinterlassen hat, berichtet über Dürnstein, dass es eine gar nicht viel bedeutende Bücherkammer besitze. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Stiftes wurden die Bücher in 24 eigens dafür angefertigte Kisten verpackt und 1789 an Paul Strattmann überstellt. Er war nicht nur Direktor der Wiener Universitätsbibliothek, sondern auch in der Hofbibliothek tätig. Bücher mit Dürnsteiner Besitzvermerken finden sich heute sowohl in der Universitäts- als auch in der Nationalbibliothek. Einige wenige Handschriften sind heute noch in der Herzogenburger Stiftsbibliothek vorhanden. Sie stammen möglicherweise aus Nachlässen von Dürnsteiner Chorherren, die in Herzogenburg aufgenommen worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die ersten Bauten in Spätmittelalter und Früher Neuzeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Grund des Kuenringerhofes, den Elisabeth von Kuenring-Wallsee nach dem Tod ihres Mannes (†1363) von ihren Verwandten erworben hatte, ließ sie eine Marienkapelle erbauen, in der 1373 schon Gottesdienste abgehalten wurden. Die Mauern dieser Kapelle stimmen wahrscheinlich teilweise mit den Mauern des Presbyteriums der heutigen Stiftskirche überein. Mit dem ersten Stiftungsbrief vom 15. Juni 1378 wurde der Unterhalt eines Kaplans und zwei weiterer Priester an der Kapelle gesichert. Die Jahreszahl 1378 wurde in Erinnerung an dieses Gründungsdatum beim barocken Umbau am Giebel über der Einfahrt des Klosters angebracht. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod Elisabeths († 1379) trat ihr Verwandter Heidenreich von Maissau in ihre Nachfolge. Nachdem in zwei weiteren Stiftungsbriefen die Ausstattung der Kapelle vergrößert und die Anzahl der Priester erhöht worden war, konnte der Kaplan Stephan von Haslach das Gotteshaus bis 1407 durch Krypta, Langhaus und Kreuzgang baulich so erweitern, dass es der Liturgie einer größeren Priestergemeinschaft entsprochen hat. Die gotischen Strebepfeiler an der Außenseite der Kirche, ein schwarz-weiß gemaltes gotisches Fries mit kleeblattförmigen Vierpassmotiven an der nördlichen Außenwand des Presbyteriums und ein Maßwerkfragment im Kreuzgang sind heute noch sichtbare Zeugen dieser Bauetappe. Stephan ließ auch die nötigen Gebäude für den Lebensraum dieser Kommunität errichten: Schlafsaal, Speiseraum (das alte Refektorium lag ebenerdig im heutigen Nordtrakt), Kapitelsaal und die dazugehörigen Wirtschaftsräume. Im Jahr 1407 gewährte der Bischof von Passau die Umwandlung der Kapelle in eine weltliche Kollegiatkirche. &lt;br /&gt;
Auf der Stiftungsurkunde von 1410 ist in eine r Miniatur zur Initiale Elisabeth von Kuenring zu sehen: In einer Kapelle, die auf der nördlichen Seite offen ist, kniet sie vor der Gottesmutter. Diese Kapelle, die möglicherweise Anklänge an das tatsächlich errichtete Gotteshaus hat, wird mit einem 5/8 - Abschluss und einschiffig dargestellt. Weiters ist ein vermutlich als sechseckig zu interpretierender Turm mit gotischem Abschluss zu sehen. Nach dem jüngsten Baubefund besaß die mittelalterliche Kirche ein Mittelschiff und südlich davon ein halb so breites Seitenschiff. Der teilweise noch aus dieser Zeit erhaltene Dachstuhl bestätigt dies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1440 wurden Gebäude westlich des damalig en Stiftsareals erworben. Propst [[Johannes von Waidhofen]] (1431-1469) bezog diese Bauten in den Klosterkomplex ein und errichtete für die Mitbrüder einen eigenen Konventtrakt. Das Refektorium wurde vom Nordtrakt in den Mitteltrakt verlegt. Im darunter Iiegenden Kellergeschoß ließ der Propst einen Weinkeller anle gen. Dieser Johanneskeller ist ein kreuzgratge wö lbter Raum, der von einer Mittelsäule gestützt wird. Für den Stiftsbau wurden ältere Bauteile im Westen und Teile des Kuenringerhofes im Osten mitverwendet. Davon zeugen nicht nur der - ebenerdig an der Nordostseite gelegene - spätgotische Wirtschaftsraum mit seinen bei- den achtseitigen Mittelpfeilern, sondern auch einige Grundmauern der Kirche und der Sakristei. Die Klosteranlage wurde auf dem zur Verfügung stehenden engen Areal zwischen Hauptstraße und Donau sukzessive erweitert. Das Stift hatte nun eine Größe erreicht, die es auch in Zukunft beibehalten sollte. &lt;br /&gt;
Von Umbauarbeit en unter Propst Franz Abstemius (1544 - 1553) zeugt eine auf einem Türsturz zum Konventtrakt eingemeißelte Bauinschrift, die das hier bereitete „aurelianische Haus&amp;quot; preist (1553), vermutlich eine Anspielung auf Aurelius Augustinus, nach dessen Ordensregel die Chorherren lebten. Zum Besitz des Stiftes gehörte ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert auch das benachbarte Klarissenkloster, das 1571 zu bestehen aufgehört hatte. Hierher wurden die meisten Wirtschaftsbetriebe (Viehhaltung, Körner- und vielleicht auch die Weinwirtschaft) ausgelagert. &lt;br /&gt;
Auf einem Stich von Matthäus Merian vom Jahre 1649 ist die Anlage des Stiftes vor dem barocken Umbau gut erkennbar. Im Westen war der Kapiteltrakt mit den Wohnungen der Priester und des Dechants. Unter den turmartigen Gebäuden im Süden (auf der Donauseite) erstreckte sich die Bibliothek und im Trakt zum Kirchturm zu die Prälatur. Die Kirche mit dem viereckigen Turm, den schmalen gotischen Fenstern sowie mit der Kapelle im Kreuzgang ist gut zu sehen. Im Nordtrakt waren Küche und Bäckereiuntergebracht. Im nord-südgerichteten Mitteltrakt war das Refektorium, der Speisesaal der Chorherren, eingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die barocke Stiftsanlage===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Barockisierung der Stiftsgebäude fand unter Propst Honorius Arthofer (1668 - 1678) statt. Unteranderem ließ er den Kapiteltrakt im Westen der Stiftsanlage mit neuen Wohnräumen für die Chorherren ausbauen. Den ersten Anstoß zu diesem Ausbau gab ein vor dem Passauer Offizialat getroffener Vergleich im Streit zwischen Propst Reinhard Faust und seinem Konvent (siehe oben). Der Trakt wurde durch den St. Pöltner Maurermeister Hanns Georg Probst 1676 neu- bzw. umgebaut. Dabei wurden gotische Bauelemente, wie Konsolen, Tür- und Fensterumrahmungen, die heute noch sichtbar sind, erhalten. Es wurden je fünf Zimmer im Erd- und Obergeschoß für die Chorherren errichtet. An der Stirnseite des Konventtraktes zur Donau hin war ehemals das Wappen mit der Inschrift „H.A.P.T. 1676&amp;quot; (&amp;quot;''Honorius Arthofer, Propst zu Tirnstein''&amp;quot;) angebracht. Heute befindet sich an dieser Stelle das Wappenpaar des Stiftes Dürnstein und des Propstes [[Maximilian Fürnsinn]] von Herzogenburg mit der Jahreszahl 1989, dem Abschlussjahr der Generalrestaurierung. &lt;br /&gt;
Die zweite Barockisierung nahm Propst [[Karl Donrey]] (1678-1692) vor . Dabei wurde die Kirche um ein Seitenschiff nach Norden vergrößert, das Langhaus um eine Achse erweitert und das Presbyterium um diese Einheit verkürzt. In einer baulichen Meisterleistung wurde der gotische Dachstuhl der Kirche erhalten. Der neue barocke Dachstuhl für das nördliche Seitenschiff wurde 1685 an den gotischen angefügt. &lt;br /&gt;
Der nachfolgende Propst Gottfried von Haslingen (1692-1710) versuchte die wirtschaftliche Grundlage des Klosters zu stärken und begann mit dem Umbau des Klarissenklosters als Wirtschaftsgebäude und dem Neubau des Kellers mit einem Kellerschlössl in den Weinbergen vor der Stadt. Beide Bauvorhaben sollte sein Nachfolger weiterführen und beenden. &lt;br /&gt;
In die Regierungszeit dieses Propstes, Hieronymus Übelbacher (1710-1740), fällt die zweifellos wichtigste barocke Bauphase des Stiftes. Sie lässt sich durch die detaillierten Eintragungen des Propstes in seine Schreibkalender besonders gut nachvollziehen. Diese enthalten nicht nur die Nennungen der berühmen Künstler und Handwerker, die er am Bau beschäftigte, sondern sie geben auch Einblick über seine direkten Eingriffe in das Figurenprogramm: Den Künstlern präsentierte er Stiche als Vorlagen. Ebenso notierte er seine alltäglichen Probleme auf der Baustelle. Über einen Handwerkergesellen vermerkte er etwa: „Den 13. september nicht gearbeitet und den 14. nachmittag wieder gesoffen, dasser die augen nicht aufmachen künnen.“&lt;br /&gt;
Für den Umbau der Anlage de s ehemaligen Klarissenklosters in Wirtschaftsgebäude holte Propst Hieronymus fachlichen Rat bei Jakob Prandtauer, den er in seinem Diarium von 1716 als ''fürnehmen baumeisterzu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich'' bezeichnet. Im nördlichen, gotischen Tor der ehemaligen Klarissenkirche lässt er eine barocke Torwölbung einziehen, sie trägt die Bauinschrift „17 HPZT 16&amp;quot; (,,Hieronymus, Propst zu Tiernstein, 1716&amp;quot;). &lt;br /&gt;
Auch an der Errichtung des neuen Weinkellers - dem Kellersehlössl - war Prandtauer maßgeblich beteiligt. Auf dem Giebel dieses Gebäudes ist ein Fresko einer fröhlichen Tischgesellschaft zu sehen, das von Wolfgang Ehrenreich Priefer von Miespach signiert wurde (1714). Wahrscheinlich sind links der Maler, weiters der Besitzer des Dürnsteiner Schlosses, Reichsgraf Konrad Sigmund Adam von Starhemberg, in der Mitte Propst Hieronymus und rechts Jakob Prandtauer dargestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1714/15 ließ Propst Hieronymus die Umbauarbeiten im Stiftshof beginnen. Prandtauer dürfte dazu einen ersten Entwurf geliefert haben, der im Zuge der Ausführung jedoch durch andere Künstler abgeändert wurde. Grundlegend war die weitgehende Beibehaltung alter Bausubstanz. So birgt etwa der gegenüber dem Eingang gelegene Westflügel des Stiftshofes nach wie vor das gotische, von einem Netzrippengewölbe überfangene Refektorium. Durch das Vorstellen von barocken Fassaden an der Nord- und Westseite und die Errichtung eines neuen zweigeschoßigen Ost- und Südtraktes entstand ein annähernd einheitlicher rechteckiger Hof. Auf diese Weise gelang es, den verwinkelten Komplex dem Symmetriebedürfnis barocken Stilwollens anzupassen. Dass dies nicht völlig gelingen konnte und der Hoftrapezförmig verzogen ist, schrieb Propst Hieronymus „dem schlechten platz“ zu, also der beengten Lage, die keine großzügigen Ausbaumaßnahmen erlaubte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ost-und Südtrakt wurde die Prälatur von Propst Hieronymus zum Teil neu erbaut. Während eines Aufenthaltes in Wien hatte der Propst im Stift St. Dorothea den Architekten Matthias Steinl kennen und schätzen gelernt. Dieser dürfte ihm Entwürfe für den Stiftsumbau geliefert haben. Joseph Munggenast war der ausführende Baumeister, der vermutlich im Auftrag Übelbachers einige Änderungen vornahm. Polier am Ort war Martin Schrittwieser. Da eine bauliche Erweiterung durch die topographische Lage des hart an der Donau gelegenen Stiftes nicht möglich war, konzentrierte sich die Barockisierung auf einen großen Formenreichtum architektonischer Akzente, die reich gegliedert und wohlüberlegt platziert wurden. Diese „Schmuckstücke&amp;quot;, für deren künstlerisches Programm Propst Übelbacher vielfach selbst Regie führte, stehen somit in einem reizvollen Kontrast zu der bewusst einfach gehaltenen Gliederung der einzelnen Trakte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Prälaturtrakt dominiert das große Stiftsportal, das nach einem Entwurf von Matthias Steinl vollendet wurde. Die Sandsteinfiguren (die beiden Atlanten, die Figuren Stärke und Wachsamkeit, sowie die Symbolgestalten von Glaube, Hoffnung und Liebe) wurden von den Bildhauern Joseph Päbel aus St. Pölten und Johann Schmidt, dem Vater des berühmten Malers Martin Johann Schmidt, sogenannter „Kremser Schmidt&amp;quot;, geliefert. Oberhalb der Wappen des Stiftes und des Propstes befindet sich eine lateinische Inschrift, deren Übersetzung lautet: ''Hieronymus seit dem Jahr der Gründung der Kanonie Dürnstein im Jahr 1378 der 30. Propst, 1718.''&lt;br /&gt;
In den Räumlichkeiten der Prälatur fällt besonders die Ausstattung des Kaminzimmers auf: Das Deckenfresko von Johann Gottlieb Starmayr, dem Lehrer des „Kremser Schmidt&amp;quot;, stellt ein Gastmahl des heiligen Augustinus dar. Vermutlich ist hier Propst Hieronymus Übelbacher mit einigen seiner Freunde dargestellt: ''Wer mein gast und fränd sein will, swaig evon fremden fählern still'', lautet die dazugehörige Inschrift. &lt;br /&gt;
Acht Seitenportale sind mit den Puttengruppen der vier Jahreszeiten, der vier Tageszeiten, der vier Elemente und der vier Erdteile bekrönt. Die Kartuschen mit 20 Imperatorenporträts fertigte der Kremser Stukkateur Johann Piazoll, der bei der Dekoration des Stiftskomplexes in die Nachfolge seines verstorben n Vaters Domenico getreten war. Die Einfahrt an der Ostseite schmückte er mit dem Löwenfell des Herkules. Diese kaiserlichen Symbole weisen vermutlich darauf hin, dass Kaiser Leopold I. 1683 in Dürnstein die Nachricht der Befreiung Wiens von den Türken erhielt. &lt;br /&gt;
Auch das Kirchenportal wurde wegen der besseren Wirkung in diesen Hof verlegt. Es zählt zu den Meisterwerken seiner Zeit. Von Matthias Steinl entworfen, wurde es 1725 von Joseph Munggenast ausgeführt. Unterstützt durch die Bildsprache soll das Tor von der irdischen Welt in die Sphäre des Sakralen führen. Die vier Sandsteinreliefs auf den Säulensockeln, darstellend die vier letzten Dinge (Tod und Gericht, Himmel und Hölle), die vier Kirchenväter mit dem auferstanden Christus in ihrer Mitte und das bekrönende Relief mit der erhöhten Schlange stammen von Johann Schmidt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kirche, Krypta und Kreuzgang===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um der Stiftskirche eine entsprechende Höhe zu verleihen und um den gotischen Dachstuhl beizubehalten, wurde von Joseph Munggenast und seinem Polier Martin Schrittwieser am 11. August 1717 mit der Tieferlegung der mittelalterlichen Gruft um 3 1⁄2 Schuh (ca. 1,10 Meter) begonnen. Das Bildprogramm der barockisierten Krypta zeigt an der Decke Illustrationen zur Apokalypse nach Stichvorlagen einer Bilderbibel, die der Kupferstecher Christoph Weigelerstmals1693 in Augsburg herausgegeben hatte. An den Wänden befinden sich Darstellungen, die sich auf den Tod und die letzten Dinge beziehen (Totengerippe als Papst, Bischof, Kaiser und König bekleidet). Der Hochaltar an der Ostseite der Krypta wurde als grottenartiger Kreuzigungsaltar nach einem Entwurf von Joseph Munggenast angefertigt. Im nördlich liegend en Stiegenabgang wurde der 1855 aufgefundene Grabstein von Stephan von Haslach (†1415) aufgestellt. In den direkt anschließenden Grufträumen befinden sich die Grabstätten mehrerer Dürnsteiner Pröpste und Konventualen des Stiftes. Über dieser Priestergruft wurde 1717 die Sakristei eingerichtet, deren Mauern wahrscheinlich noch vom ehemaligen Wohnturm des Kuenringerhof es stammen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am 25. April 1721 wurde der Grundstein zum Umbau der Kirche gelegt: Es enstand eine barocke Wandpfeilerkirche mit dreijochigem Langhaus. Der Innenraum der Kirche wurde einerseits durch die Tieferlegung des Kirchenniveaus und andererseits durch das Hineinragen des Deckengewölbes in den mittelalterlichen Dachstuhl auf 15 Meter erhöht. Der Entwurf stammt vermutlich von Matthias Steinl und Joseph Munggenast, welcher ausführender Bauleiter war. Das Innere der Kirche, dessen barocke Ausstattung vollständig erhalten ist, wurde außerordentlich dynamisch gestaltet.Besonders der Kontrast zwischen den Wandpfeilern, die je drei zum Langhaus hin geöffnete Seitenkapellen säumen, und den über diesen liegenden vor- und zurückschwingenden Emporen verleihen dem Raum Bewegung und Dramatik. Zusätzliche Plastizität und Formenreichtum erzielen die reichen Stuckarbeiten. Johann Piazoll stuckierte die Seitenkapellen, für das Kirchengewölbe verpflichtete Propst Übelbacher den Hofstukkateur Santino Bussi. Das theologische Programm der Stuckr eliefs, welches im Langhaus auf das Neue Testament und im Presbyterium auf die Eucharist ie Bezug nimmt, war diesem vom Prälaten und Bauherrn vorgegeben worden. Auch die beiden überlebensgroßen Figuren beiderseits des Hochaltarbildes - die hll. Augustinus und Possidius - sind seine Arbeiten. Bussis Vorschlag einer freiplastischen Gestaltung des gesamten Hochaltars kam allerdings nicht zur Ausführung. Stattdessen wurde ein Hochaltarbild „Maria Himmelfahrt&amp;quot; angebracht, das ebenso wie die Altarblätter der sechs Seitenkapellen von dem Wiener Maler und Architekten Carl Joseph Haringer gemalt wurde. Die beiden mittleren Altarblätter wurden allerdings 1767 durch die hervorragenden Bilder von Johann Martin Schmidt ersetzt: die hl. Monika vor Ambrosius und die Enthauptung der hl. Katharina. Unter diesen beiden Altarblättern wurden zwei Glassarkophage für die beiden, aus Rom importierten 11 Katakombenheiligen&amp;quot; Clemens und Faustinus errichtet. &lt;br /&gt;
Bei der Ausführung der weiteren Elemente der Innenausstattung wirkten neben Carl Haringer, der auch die Ölgemälde im Langhaus und die14 ovalen Apostelbilderanden Gewölbeansätzen malte, der Bildhauer Johann Schmidt, sowie der St. Pöltner Kunsttischler Hippolyt Nallenburg. Zu ihren Arbeiten gehören das reichgeschnitzte Chorgestühl, die Kanzel mit Reliefs, welche Johannes den Täufer, Christus und Paulus als Prediger zeigen, sowie -als Gegenstück zur Kanzel- eine Holzfigur des hl. Nepomuk, deren Podest drei Reliefs mit Szenen aus der Nepomuklegende schmücken. Besondere Beachtung verdient gleichfalls der vergoldete Tabernakel in der originellen Gestalt einer drehbaren Weltkugel, geziert mit 44 Reliefs aus dem Leben Jesu von Johann Schmidt. Vorbild für die meisten Darstellungen waren wiederum die Kupferstiche aus der Bibel von Christoph Weigel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Orgel mit 16 Registern von Johannes Christoph Panzner wurde 1724 auf dem Musikchoraufgestellt. Sie bekam ein von dem Melker Benediktinerpater und Maler Bonifaz Gallner entworfenes Gehäuse, das ein Stiftstischler ausführte. Die Bildhauerarbeiten - König David und musizierende Putti - lieferte wieder Johann Schmidt. Unter dem Musikchor befindet sich der Betchor, wo die Priestergemeinschaft ihr gemeinsames Gotteslob betete. &lt;br /&gt;
Am 9. Juli 1724 weihte der Fürstbischof von Passau, Joseph Dominik Graf von Lamberg, die Stiftskirche. Das wohldurchdachte theologische Programm der vollendeten Innenausstattung findet in einem auch für die Zeitgenossen eindrucksvollen Formenreichtum seinen Ausdruck, der im lichten Kirchenraum zu einem sümenfälligen Gesamteindruck verschmilzt. Die Predigt des Administrators von Maria Taferl, Johann Carl Geyer, anläßlich der Kanzel weihe verherrlicht darum den Bauherrn, Propst Hieronymus Übelbacher, mit den Worten: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann man jene salte, zerfallene, staubige, winkelhafte Werk und diesen nunmehr kostbar erneuten Kirchenhimmel [nämlich die Stiftskiche] gegeneinander haltet, mögt ihr wohl ohne Benambsung erraten, wem ich nach Gott das Lob sprechen könnte. Jener ists, der aus einem so finsteren Kerker, wie anvor zu sehen war, ein so prächtiges Gotteshaus hergestellet.&amp;quot; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu den Pretiosen der Kirche zählt unter anderem eine aus Silber getriebene und vergoldete Monstranz, die Propst Hieronymus nach einem Entwurf von Matthias Steinl in Wien anfertigen ließ. An die wahrscheinlich sehr qualitätvolle Ausstattung der Kirche im Mittelalter erinnert heute nur noch eine Muttergottesstatue auf der Mondsichel um 1500 in der linken Seitenkapelle. Aus dem 14. Jahrhundert ist auch noch eine Muttergottesstatue erhalten, die im St. Pöltner Diözesanmuseum aufbewahrt wird. &lt;br /&gt;
Zugleich mit dem Kirchenumbau wurde auch der mittelalterliche Kreuzgang ab 1722 durch Joseph Munggenast umgestaltet. Dort befindet sich auch ein Heiliges Grab in einem bühnenartigen Aufbau, den der Theateringenieur des Kaiserhofes in Wien Antonio Galli Bibiena entwarf. Um der Karwochenliturgie die nötige Stimmung zu verleihen, wurden die Kreuzgangfenster durch zwölf Ölbilder mit Passionsdarstellungen, gemalt 1734 von Starmayr, verdeckt. Weiters befinden sich im Kreuzgang die Johanneskapelle, die Dorotheakapelle und die Geburt-Christi-Kapelle. Letzere hat einen Altar, dessen Figuren 1729 von Johann Schmidt geschnitzt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kirchturm wurde in seiner mittelalterlichen Bausubstanz erhalten und in barocker Ausgestaltung nach Plänen von Matthias Steindl ummantelt. Der obere Teil dürfte 1729 von dem ausführenden Baumei ster Joseph Munggenast verändert worden sein. Am 8. Juli 1733 wurde das Turmkreuz aufgesetzt. Auch der Turm zeigt ein reiches Figurenprogramm: Die vier Evangelistenfiguren am Turmhelm, die Putti mit den Leidenswerkzeugen, die Figuren über den Toren des Turmes, Maria und Johannes Nepomuk und die beiden Figuren an den Volutenpfeilern, Augustinus und Nikolaus, stammen von Johann Schmidt. Er lieferte auch die sieben Sandsteinreliefs an den Turmseiten, die das Leiden Christi darstellen. Der Turm erhielt 1734 eine blaue Färbelung: Mit der Farbe des Himmels ausgestattet überragt der Kirchturm das in Brauntönen gehaltene und das Irdische symbolisierende Stiftsgebäude. Damit bietet das Ensemble auch in der Farbgebung ein eindrucksvolles spirituelles Programm. &lt;br /&gt;
An der Westseite des Turmes und an der Westseite des Kreuzganges ließ Propst Hieronymus Übelbacher eine Altane mit einer Steinbalustrade errichten. Einige der Putten von Johann Schmidt tragen ein Herz, das Zeichen, das auf die Gottesliebe des Ordensgründers Augustinus hinweist. Der Turm zeigt zur Donau hin seine schönste Seite. Propst Hieronymus wollte mit diesem Turm eine in Stein geformte Predigt den Menscen seiner Zeit geben. Das Konzept atmet die Spiritualität der ''devotio moderna'', der Nachfolge Christi. In der Betrachtung des Lebens und Sterbens Christi soll der Mensch zur Einsicht gelangen und sein Leben nach dem Evangelium gestalten. In der barocken Umsetzung dieser Ideen wird die Kunst zur kraftvollen Überzeugung: das Christentum ist Sieger in dieser Welt. Damit wird der mittelalterliche Reformgeist aus Raudnitz spürbar, aber auch die Lebensfreude und Weltbejahung des Propstes Hieronymus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Hieronymus Übelbacher starb im Alter von 65 Jahren am 13. Jänner 1740. Er ist sicher den großen Barockprälaten der Donaustifte gleichzustellen, wenngleich auch sein Haus nicht so große Ausmaße erreichte. Es war für ihn nicht immer leicht den Bau zu führen. Er schreibt 1723 in seinen Tagebüchern , er wünschte, „dass ich in den Bau nicht involvieret wäre“. &lt;br /&gt;
Der letzte Propst des Stiftes, Dominik Ruemer (1751-1787), ließ an der Westempore in der Kirche die Musikempore einziehen sowie den Betchor erhöhen und dort einen Ofen aufstellen, damit an kalten Tagen das Chorgebet bei halbwegs erträglichen Temperaturen verrichtet werden konnte. Der nächste bedeutende Umbau war die Vergrößerung des Festsaales und die Erneuerung der Nebenzimmer. Das Fresko im Festsaal wurde 1775 von Martin Johann Schmid gemalt und stellt das Gastmahl des Pharisäers Simon dar: Jesus werden von der Sünderin die Füße gesalbt. Zum Festsaal gehört ein kleines Salettl, da s schon 1721von Propst Hieronymus eingerichtet wurde. Aus der Zeit des Propstes Dominik stammt auch ein vergoldeter, mit Steinen besetzter Silberkelch. &lt;br /&gt;
Mit der Aufhebung des Stiftes Dürnstein als eigenständige Kommunität im Jahre 1788 wurden die baulichen Aufgaben dem Stift Herzogenburg übertragen. Im Jahr darauf wird mit dem Zurichten ''des hiesigen Pfarrers Wohnung und der Schul und Schullehrers Wohnung'' begonnen. Die Schule befindet sich heute im ersten Stock des Nordtraktes, wo früher die Gastzimmer gelegen waren. &lt;br /&gt;
Die letzte große Außenrenovierung des Stiftes und der Kirche fand 1985 bis 1995 unter Propst Maximilian Fürnsinn statt. Unter der Aufsicht des Bundesdenkmalamtes wurden die Dächer der Kirche und Teile des Stiftsgebäudes neu gedeckt, viele Teile durch Trockenlegung gründlich saniert, sämtlicher Figurenschmuck restauriert und alle Fassaden neu gefärbelt. Das Stift Dürnstein vermittelt in seiner künstlerischen Ausgestaltung einen Hauch von barocker Lebensfreude. Es kann der Intention seiner Bauherren auch heute noch treu bleiben: den Betrachter von der Weite und Schönheit des irdischen Lebens zu einer Ahnung des Himmlischen zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Stiftes verblieb da s Archiv vorerst in Dürnstein, denn die Dokumente wurden für die weitere Verwaltung der Stiftsherrschaft benötigt, die in Händen des Herzogenburger Propstes Michael Teufel lag. Nach der Aufhebung der Grundobrigkeit 1848 wurde das Verwaltungsamt für die ehemaligen Dürnsteiner Liegenschaften nach Herzogenburg übersiedelt und damit auch die Registratur und in weiterer Folge auch das historische Archiv. Alles, was für die Verwaltung nicht benötigt wurde, hatte man jedoch nach der Aufhebung des Stiftes nicht weiter aufbewahrt, so dass heute vor allem die Quellen über die Geschichte des Konvents wie die älteren Nekrologe, Professbücher und Personalakten von Chorherren fehlen. &lt;br /&gt;
Der ehemalige Pfarrer von Dürnstein, der Herzogenburger Chorherr [[Wilhelm Biélsky]], der sich als Haushistoriker einen Namen gemacht hatte, ordnete um 1860 die ver bliebenen Archivalien, vor allem die beiden Urkundenreihen: die Urkunden des Chorherrenstiftes und jene des ehemaligen Klarissenklosters mit 390 bzw. 330 Pergamenturkunden. Erhalten sind weiters Grund- und andere Geschäftsbücher sowie Verwaltungs- und Wirtschaftsakten. Dieses Dürnsteiner Archiv stellt heute einen Teil des Stiftsarchivs von Herzogenburg dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Bauplänen des Barock ist keiner erhalten. Die frühesten Planaufnahmen stammen aus der Zeit um 1900 und sind im Bundesdenkmalamt aufbewahrt und teilweise in der Österreichischen Kunsttopographie veröffentlicht. &lt;br /&gt;
Die älteste Ansicht von Dürnstein zeigt die obere Burg und findet sich in der sogenannten „Bärenhaut&amp;quot;, einer handschriftlichen Aufzeichnung der Gründung und Dotation des Stiftes Zwettl (um 1320). Ein Bilddokument für die ältesten Stiftsbauten ist - neben der Darstellung der Marienkapelle im Stiftungsbrief von 1410 - der Wappenbrief der Stadt Dürnstein von 1476. Dort ist neben der Burg und der über ihr liegenden Vorburg auch die Chorherrenkirche mit einigen Nebengebäuden abgebildet. &lt;br /&gt;
Auf dem bereits oben beschriebenen Stich von Matthäus Merian vom Jahre 1649 sind neben der vorbarocken Stiftsanlage auch das Klarissenkloster, der Turm der Pfarrkirche, einige Häuser, das neue Schloss (Neubau von 1630), die Stadtbefestigung und die von den Schweden gesprengte Burg dargestellt. Auf der Radierung von Georg Matthias Vischer von 1672 sind neben der Burgruine der Turm der alten Pfarrkirche und das neue Schloss abgebildet. Die östliche Stadtmauer dominiert die Stadtansicht und gibt den Blick auf eine Kirche, wahrscheinlich die Stiftskirche, frei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den zahlreichen Graphiken aus der Sammlung d es Propstes Hieronymus Übelbacher, mit denen die Räume des Kellerschlössls ausgestattet sind, befinden sich auch zwei lavierte Federzeichnungen mit Stiftsdarstellungen: In einer „Mariä Verkündigung&amp;quot; trägt der kniende Engel da s Modell des barocken Kirchenportals (um 1730), in einer Darstellung der Berufung des Zöllners Matthäus (um 1735), die vielleicht von Martin Johann Schmidt stammt, sind im Hintergrund ein Teil des barocken Stiftes und der Turmhelm zu sehen. &lt;br /&gt;
Ein großes Ölbild mit einer Ansicht der barocken Anlage, das sich im Stift befindet, malte Johann Gottlieb Starmayr 1733. Da der Turm noch nicht ganz vollendet ist, wurde er ungefärbelt, in einer neutralen grau-weißen Farbe gemalt. Die Topographische Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek verwahrt eine kolorierte Federzeichnnung von Johann Andreas Pfeffel der Ältere, aus der Zeit um 1745, die zwei Ansichten vom barock en Stift mit dem Prälatengarten zeigt. Auf einer Ansicht ist auch das Kellerschlössl zu sehen. &lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert häufen sic h durch die aufkommende Reiseliteratur , in der die Wachau beschrieben wird, und durch die historische Literatur, in der die Gefangennahme des englischen Königs Richard Löwenherz oder die Schlacht bei Loiben von 1805 behandelt wird, die Stiche und Lithographien, die als Abbildung den Text illustrieren . Die als malerisch empfundene Wachau wurde in den stark nachgefragten Veduten besonders häufig dargestellt, etwa in dem mehrfach aufgelegten Werk „Historisch-malerische Darstellungen von Österreich&amp;quot;, das der Wiener Maler und Radierer Anton Köpp, Edler von Felsenthal, gemeinsam mit seinem Bruder Christoph 1814 herausgab. Eine blühende Landschaftsmalerei fand ihr Sujet recht häufig in Dürnstein, so etwa in den Bildern von Franz Barbarini (1820), Johann Josef Schindler (1830) und Thomas Ender (1830).Von vielen bekannten Biedermeiermalern sind Dürnsteiner Ansichten erhalten, etwa von Jakob Alt (1833) und seinem Sohn Rudolf von Alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe des 19. Jahrhunderts war Dürnstein nicht nur Kulisse einer Genremalerei, sondern das zentrale Motiv für eine ganze Generation von Malern, etwa Wilhelm Bernatzik, Emil Strecker, Johann Nepomuk Geller, Wilhelm Gause und Josef Kienzel. Eduard von Lichtenfels, der einen bescheidenen Impressionismus österreichischer Prägung vertrat, hatte Dürnstein, wie schon vorher Thomas Ender, zum Standort seiner Schule auserwählt. Aus diesem Schülerkreis formte sich der Wachauer Künstlerbund, zu dem neben den bereits Genannten Robert Ruß, Eduard Zetsche, Heinrich Tomec, Ernst Graner, Max Suppantschitsch, Stephan Simony und Hans Ranzoni der Ältere gehörten. Viele ihrer Bilder befinden sich bei Dürnsteiner Familien, im Niederösterreichischen Landesmuseum und im Teisenhoferhof in Weißenkirchen. Als Vertreter der expressionistischen Richtung sei Anton Faistauer genannt (Ölbild im Niederösterreichischen Landesmuseum). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufkommen der Ansichtskarten seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt es neben den fotografischen Aufnahmen auch Wiedergaben von Ölbildern, Aquarellen und Radierungen bedeutender Künstler. Von fast allen oben genannten und etlichen weiteren Künstlern wurden Werke mit der Ansicht von Dürnstein auf Postkarten gedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
*Joseph Chmel: Kleinere Historische Mitteilungen (Teildruck eines Dürnsteiner Urbars von 1533). In: Sitzungsberichte der k.k. Akademie der Wissenschaften. Phil-.hist. Kl 2.1849, S. 148–174.&lt;br /&gt;
*Necrologium Canoniae in Duernstein. In: Monumenta Germaniae historica. Necr. Germ. 5. Hg. v. Adalbert F. Fuchs. Berlin 1913, S. 434–436.&lt;br /&gt;
*Adalbert Fuchs (Hg.): Die Traditionsbücher des Benediktinerstiftes Göttweig (=Fontes rerum Austriacarum II/69). Wien / Leipzig 1940, S. 489.&lt;br /&gt;
*Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Band 1: Niederösterreich. Bearbeitet von Theodor Gottlieb. Wien 1915, S. 416/266.&lt;br /&gt;
*Hope Mayo: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Library. Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville/Minnesota 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Joseph Chmel: Beiträge zur Adelsgeschichte. Die Herren von Wallsee im 14. Jahrhundert (Forts.). In: Notizenblatt. Beilage zum Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 4 (1854), S. 549–589.&lt;br /&gt;
*Ernö Déak: Dürnstein. In: Österreichisches Städtebuch. Band IV/1. Hg. von Othmar Pickl. Wien 1988, S. 173–183.&lt;br /&gt;
*Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Agathe Deutschmann: Das Augustiner Chorherrenstift St. Dorothea in Wien. Diss. Univ. Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Dürnstein. Eine Burgstadt vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hg. von der Gesellschaft der Freunde Dürnsteins. Dürnstein 1976.&lt;br /&gt;
*Fritz Dworschak: Die Kalendernotizen des Propstes Hieonymus Übelbacher. Unveröffentlichtes Manuskript ca. 1960. Aufbewahrt im Verein für Landeskunde von Niederösterreich. St. Pölten.&lt;br /&gt;
*Heinrich Fasching: Die Chorherrenstifte von Wiener Neustadt – eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. Wien 1966.(Veröffentlichungen des kirchenhistorischen Instituts der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien, 2). &lt;br /&gt;
*Sieglinde Fuchs: Die in Niederösterreich unter Josef II. aufgehobenen Klöster im Hinblick auf ihre Weiterverwendung. Diss. Univ. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Rudolf Gnevkow-Blume: Dürnstein. Die Malerstadt an der Donau. Wien / Leipzig 1932.&lt;br /&gt;
*Lydia Gröbl: Das Klarissnkloster in Dürnstein an der Donau 1289–1571. Diss. Univ. Wien 1998.&lt;br /&gt;
*Gottfried Hofmann: Dürnstein. Kunst und Geschichte. Krems 1952.&lt;br /&gt;
*König Richard I. Löwenherz von England (1189–1199). Hg. von der Stadt Dürnstein/Wachau. Schriftleitung: Fritz Dworschak / Willi Schwengler. Dürnstein 1966.&lt;br /&gt;
*Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzöge (1365–1406). Wien / München 2002. (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 41.) &lt;br /&gt;
*Otto Mazal: Datierte gotische Einbände aus dem Augustiner Chorherrenstift Dürnstein an der Donau. In: Bibliothekswesen und Forschung. Festgabe für Otto Mazal. Graz 1982, S. 127–132.&lt;br /&gt;
*Österreichische Kunsttopographie. Band 1: Die Denkmale des politischen Bezirkes Krems. Bearbeitet von Hans Tietze u.a. Wien 1907.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Kirche und das Kollegiatsstift der ehemaligen regulierten Chorherren zu Dürnstein. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg 2 (1910), S. 181–344.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Theol. Diplomarbeit. Linz 1987.&lt;br /&gt;
*Helga Penz: Am Schauplatz der Schrift. Gebrauch, Verwahrung und Überlieferung von spätmittelalterlichem Schriftgut am Beispiel des Archivs des ehemaligen Chorherrenstiftes Dürnstein in Niederösterreich. In: Walter Pohl / Paul Herold (Hg.): Vom Nutzen des Schreibens. Soziales Gedächtnis, Herrschaft und Besitz im Mittelalter. (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 5. Österreichische Akademie der Wissenschaften. Phil. hist. Kl., Denkschriften 306). Wien 2002, S. 355–373.&lt;br /&gt;
*Alois Plesser: Zur Kirschengeschichgte des Waldviertels vor 1627. In: Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesan-Blatt 12 (1939), S. 84–119.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein und das „neue Kloster“ de Propstes Hieronymus Übelbacher. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 26 (1973), S. 96–198.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Stift Dürnstein (Kunstdenkmäler 6). Wien 1948.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig (Hg.): Die Stifte der Augustiner-Chorherren in Böhmen, Mähren und Ungarn. Klosterneuburg / Wien 1994.&lt;br /&gt;
*Eva Schmettan: Das Chorherrenstift Dürnstein. Diss. Univ. Wien 1948.&lt;br /&gt;
*Anneliese Schmitt: Ein Dürnsteiner Einband mit datierten Kopfstempeln. In: Gutenberg Jahrbuch 70 (1995), S. 225–227.&lt;br /&gt;
*Franz Schönfellner: Krems zwischen Reformation und Gegenreformation. (Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich 24). Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Schuster: Altdeutsches Namenbuch. 5. Lieferung. Wien 1993, S. 296.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Schuster: Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen. Teil 1. (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich). Wien 1989, S. 456.&lt;br /&gt;
*Stift Dürnstein. Eine Restaurierung. Hg. vom Amt der NÖ Landesregierung. Abt. III/2. Kulturabteilung (Denkmalpflege in Niederösterreich 1). 1987.&lt;br /&gt;
*Topographie von Niederösterreich. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich. Band 1. Wien 1885, S. 375–386.&lt;br /&gt;
*Georg Wacha: Die Stukkateure in den Kalendernotizen des Propstes Hieronymus Übelbacher von Dürnstein. 1716–1739. In: Unsere Heimat 50 (1979), S. 196–203.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weigl: Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich. Band 2. Wien 1965, S. 94.&lt;br /&gt;
*Huberta Weigl: Die Klosteranlagen Jakob Prandtauers. Diss. Univ. Wien. Band 1 (Textband). 2002, S. 288–294.&lt;br /&gt;
*Jakob Werner: Der Stukkateur Santino Bussi und die Innenausstattung der ehemaligen Stiftskirche Dürnstein. In: Das Waldviertel 43 (1994), S. 256–267.&lt;br /&gt;
*Theodor Wiedemann: Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Lande unter der Enns. 3. Band: Die reformatorische Bewegung im Bisthume Passau. Prag 1882.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien / München 1967.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg. Neue Folge 4 (1964), S. 111–127.&lt;br /&gt;
*Hans Wolf: Erläuterungen zum historischen Atlas der Alpenländer. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, II. Abteilung. Kirchen- und Grafschaftskarte. 6 Tl. Niederösterreich. Wien 1955.&lt;br /&gt;
*Ignaz Zibermayr: Die Legation des Kardinals Nikolaus Cusanus und die Ordensreform in der Kirchenprovinz Salzburg (Reformationsgeschichtliche Studien und Texte 29). Münster 1914.&lt;br /&gt;
*Ignaz Zibermayr: Zur Geschichte der Raudnitzer Reform. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband 11 (1929), S. 323–353.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Sphragistik und Heraldik */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: Festschrift 1983, S. 23, 35, 39 (Anm.8).&lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 93f.&lt;br /&gt;
*M. Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 101f. &lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 121f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung68. 1960, S. 99.&lt;br /&gt;
*Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern. Band 109. 1983, S. 33f.&lt;br /&gt;
*Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: Festschrift 1983. S.250–296.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg. In: Festschrift 1983. S. 300.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ansichten und Pläne===&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sphragistik und Heraldik===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Siegfried Haider: Stift Reichersberg zwischen Blüte und Reform (1169–1495). In: Festschrift 1983. S.84–105.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===allgemeine Literatur===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter. 1973, S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 67. Graz 1959, S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 52. Graz 1938, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50. 1931, 315-377.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14. 1893, S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden-Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<updated>2022-09-15T16:20:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Archiv */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: Festschrift 1983, S. 23, 35, 39 (Anm.8).&lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 93f.&lt;br /&gt;
*M. Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 101f. &lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 121f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung68. 1960, S. 99.&lt;br /&gt;
*Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern. Band 109. 1983, S. 33f.&lt;br /&gt;
*Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: Festschrift 1983. S.250–296.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reichersberg. In: Festschrift 1983. S. 300.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sphragistik und Heraldik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter. 1973, S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 67. Graz 1959, S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 52. Graz 1938, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50. 1931, 315-377.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14. 1893, S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden-Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_Reichersberg&amp;diff=10321</id>
		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<updated>2022-09-15T16:19:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Bau- und Kunstgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: Festschrift 1983, S. 23, 35, 39 (Anm.8).&lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 93f.&lt;br /&gt;
*M. Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 101f. &lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 121f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung68. 1960, S. 99.&lt;br /&gt;
*Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Andreas Huber: Franz Jakob Schwanthaler (1760–1820) und seine Verkündigung von Lambrechten. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern. Band 109. 1983, S. 33f.&lt;br /&gt;
*Benno Ulm: Zum Kunstschaffen im Stift Reichersberg. In: Festschrift 1983. S.250–296.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archiv===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter. 1973, S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 67. Graz 1959, S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 52. Graz 1938, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50. 1931, 315-377.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14. 1893, S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden-Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: Festschrift 1983, S. 23, 35, 39 (Anm.8).&lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 93f.&lt;br /&gt;
*M. Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 101f. &lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 121f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung68. 1960, S. 99.&lt;br /&gt;
*Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Kurt Holter: Mittelalterliche Buchkunst in Reicherer. In: Festschrift 1983. S. 295.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter. 1973, S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 67. Graz 1959, S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 52. Graz 1938, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50. 1931, 315-377.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14. 1893, S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden-Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: Festschrift 1983, S. 23, 35, 39 (Anm.8).&lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 93f.&lt;br /&gt;
*M. Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 101f. &lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 121f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Friedrich Hausmann: Die Urkunden der Staufer für das Stift Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung68. 1960, S. 99.&lt;br /&gt;
*Heinz Dopsch: Benediktinerabtei Micheaelbeuern. Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter. 1973, S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 67. Graz 1959, S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 52. Graz 1938, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50. 1931, 315-377.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14. 1893, S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden-Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<updated>2022-09-15T16:07:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
===Geschichte===&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Störner: Gründungs- und Frühgeschichte des Stiftes Reichersberg am Inn. In: Festschrift 1983, S. 23, 35, 39 (Anm.8).&lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Brüder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 93f.&lt;br /&gt;
*M. Hammer: Die Entstehung der Reichersberger Pfarren in Niederösterreich. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 101f. &lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Die Augustiner-Chorfrauen. In: Katalog Landesausstellung Niederösterreich 1984. S. 121f.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter. 1973, S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 67. Graz 1959, S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 52. Graz 1938, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50. 1931, 315-377.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14. 1893, S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden-Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Archivalien */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. &lt;br /&gt;
Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus &lt;br /&gt;
dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. &lt;br /&gt;
Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich. &lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste. &lt;br /&gt;
Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. &lt;br /&gt;
Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus. &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an. &lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn. &lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. &lt;br /&gt;
Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. &lt;br /&gt;
Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus. &lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. &lt;br /&gt;
In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. &lt;br /&gt;
Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an. &lt;br /&gt;
Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet. &lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. &lt;br /&gt;
Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall.&lt;br /&gt;
Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet.&lt;br /&gt;
Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor. &lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. 1990, S. 14–42.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 95–218.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3–22.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229–248.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF. 1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg N.F. . 1961, S. 69ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archivalien===&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: IUC 1985. Heft 3/4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur allgemein===&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg, statistische und geschichtliche Daten. Wien 1958.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Stift Klosterneuburg und seine Pfarren. Wien 1914.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S.  218ff.&lt;br /&gt;
*Maximilian Fischer: Merkwürdigere Schicksale des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1815.&lt;br /&gt;
*Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg. Erste Folge 1908–1919. 9 Bände. Neue Folge seit 1961. Bisher 15 Bände.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/ Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 115ff.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Jöchlinger: Andreas Weißenstein, erwählter Propst zu Klosterneuburg, und sein Kampf gegen das Staatskirchentum. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 110ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Viktor Ludwig: Klosterneuburg – ein Heimatbüchlein für Schule und Haus. Wien 1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Stift und Stadt Klosterneuburg in den Ereignissen des Jahres 1848. Aus Maximilian Fischers zeitgenössischen Aufzeichnungen. In: Die Kultur 15. 1914, S. 315ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg in Niederösterreich. 3 Hefte (Österreichische Kunstbücher Band 11–13). Wien o.J.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Pfarrkirche von Hietzing. Wien 1899.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41.1990, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: IUC 1985. Heft 3/4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg (Wiener Geschichtsbücher Band 11). Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeinde Klosterneuburg. Band 1: Die Stadt. 1992. Band 2: Die Katastralgemeinden. 1993.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Kapelle von Hietzung – ein kirchliches Streitobjekt. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 34. 1978, S. 122ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Wien-Klosterneuburg 1994.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Von Afra zu Nikolaus. Eine Patroziniumsänderung als Zeichen der Kirchenreform? In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Graz 1988, S. 423f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig (Hg.): Der Albrechtsaltar und sein Meister. Wien 1981.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Leo Schabes: Alte liturgische Gebräuche und Zeremonien an der Stiftskirche zu Klosterneuburg. Klosterneuburg 1930.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Albert Starzer: Geschichte der landesfürstlichen Stadt Klosterneuburg. Klosterneuburg 1900.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Klosterneuburg. In: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeine Klosterneuburg. Klosterneuburg 1992. S. 39–96.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Lapidarium. Klosterneuburg 1991.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF .1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Bau- und Kunstgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. &lt;br /&gt;
Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus &lt;br /&gt;
dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. &lt;br /&gt;
Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich. &lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste. &lt;br /&gt;
Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. &lt;br /&gt;
Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus. &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an. &lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn. &lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. &lt;br /&gt;
Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. &lt;br /&gt;
Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus. &lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. &lt;br /&gt;
In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. &lt;br /&gt;
Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an. &lt;br /&gt;
Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet. &lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. &lt;br /&gt;
Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall.&lt;br /&gt;
Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet.&lt;br /&gt;
Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor. &lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. 1990, S. 14–42.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 95–218.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3–22.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229–248.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF. 1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg N.F. . 1961, S. 69ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Archivalien===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg, statistische und geschichtliche Daten. Wien 1958.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Stift Klosterneuburg und seine Pfarren. Wien 1914.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S.  218ff.&lt;br /&gt;
*Maximilian Fischer: Merkwürdigere Schicksale des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1815.&lt;br /&gt;
*Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg. Erste Folge 1908–1919. 9 Bände. Neue Folge seit 1961. Bisher 15 Bände.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/ Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 115ff.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Jöchlinger: Andreas Weißenstein, erwählter Propst zu Klosterneuburg, und sein Kampf gegen das Staatskirchentum. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 110ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Viktor Ludwig: Klosterneuburg – ein Heimatbüchlein für Schule und Haus. Wien 1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Stift und Stadt Klosterneuburg in den Ereignissen des Jahres 1848. Aus Maximilian Fischers zeitgenössischen Aufzeichnungen. In: Die Kultur 15. 1914, S. 315ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg in Niederösterreich. 3 Hefte (Österreichische Kunstbücher Band 11–13). Wien o.J.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Pfarrkirche von Hietzing. Wien 1899.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41.1990, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: IUC 1985. Heft 3/4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg (Wiener Geschichtsbücher Band 11). Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeinde Klosterneuburg. Band 1: Die Stadt. 1992. Band 2: Die Katastralgemeinden. 1993.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Kapelle von Hietzung – ein kirchliches Streitobjekt. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 34. 1978, S. 122ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Wien-Klosterneuburg 1994.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Von Afra zu Nikolaus. Eine Patroziniumsänderung als Zeichen der Kirchenreform? In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Graz 1988, S. 423f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig (Hg.): Der Albrechtsaltar und sein Meister. Wien 1981.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Leo Schabes: Alte liturgische Gebräuche und Zeremonien an der Stiftskirche zu Klosterneuburg. Klosterneuburg 1930.&lt;br /&gt;
*Gertraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Albert Starzer: Geschichte der landesfürstlichen Stadt Klosterneuburg. Klosterneuburg 1900.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Klosterneuburg. In: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeine Klosterneuburg. Klosterneuburg 1992. S. 39–96.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Lapidarium. Klosterneuburg 1991.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF .1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Bibliothek */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. &lt;br /&gt;
Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus &lt;br /&gt;
dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. &lt;br /&gt;
Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich. &lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste. &lt;br /&gt;
Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. &lt;br /&gt;
Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus. &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an. &lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn. &lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. &lt;br /&gt;
Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. &lt;br /&gt;
Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus. &lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. &lt;br /&gt;
In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. &lt;br /&gt;
Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an. &lt;br /&gt;
Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet. &lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. &lt;br /&gt;
Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall.&lt;br /&gt;
Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet.&lt;br /&gt;
Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor. &lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. 1990, S. 14–42.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 95–218.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3–22.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229–248.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF. 1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Alphons Lhotsky: Studia Neuburgensia. In: Jahrbuch Stift Klosterneuburg N.F. . 1961, S. 69ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bau- und Kunstgeschichte===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg, statistische und geschichtliche Daten. Wien 1958.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Stift Klosterneuburg und seine Pfarren. Wien 1914.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S.  218ff.&lt;br /&gt;
*Maximilian Fischer: Merkwürdigere Schicksale des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1815.&lt;br /&gt;
*Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg. Erste Folge 1908–1919. 9 Bände. Neue Folge seit 1961. Bisher 15 Bände.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/ Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 115ff.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Jöchlinger: Andreas Weißenstein, erwählter Propst zu Klosterneuburg, und sein Kampf gegen das Staatskirchentum. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 110ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Viktor Ludwig: Klosterneuburg – ein Heimatbüchlein für Schule und Haus. Wien 1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Stift und Stadt Klosterneuburg in den Ereignissen des Jahres 1848. Aus Maximilian Fischers zeitgenössischen Aufzeichnungen. In: Die Kultur 15. 1914, S. 315ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg in Niederösterreich. 3 Hefte (Österreichische Kunstbücher Band 11–13). Wien o.J.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Pfarrkirche von Hietzing. Wien 1899.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41.1990, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: IUC 1985. Heft 3/4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg (Wiener Geschichtsbücher Band 11). Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeinde Klosterneuburg. Band 1: Die Stadt. 1992. Band 2: Die Katastralgemeinden. 1993.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Kapelle von Hietzung – ein kirchliches Streitobjekt. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 34. 1978, S. 122ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Wien-Klosterneuburg 1994.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Von Afra zu Nikolaus. Eine Patroziniumsänderung als Zeichen der Kirchenreform? In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Graz 1988, S. 423f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig (Hg.): Der Albrechtsaltar und sein Meister. Wien 1981.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Leo Schabes: Alte liturgische Gebräuche und Zeremonien an der Stiftskirche zu Klosterneuburg. Klosterneuburg 1930.&lt;br /&gt;
*Gerrtraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Albert Starzer: Geschichte der landesfürstlichen Stadt Klosterneuburg. Klosterneuburg 1900.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Klosterneuburg. In: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeine Klosterneuburg. Klosterneuburg 1992. S. 39–96.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Lapidarium. Klosterneuburg 1991.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF .1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. &lt;br /&gt;
Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus &lt;br /&gt;
dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. &lt;br /&gt;
Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich. &lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste. &lt;br /&gt;
Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. &lt;br /&gt;
Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus. &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an. &lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn. &lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. &lt;br /&gt;
Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. &lt;br /&gt;
Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus. &lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. &lt;br /&gt;
In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. &lt;br /&gt;
Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an. &lt;br /&gt;
Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet. &lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. &lt;br /&gt;
Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall.&lt;br /&gt;
Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet.&lt;br /&gt;
Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor. &lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. 1990, S. 14–42.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 95–218.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3–22.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229–248.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF. 1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliothek===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg, statistische und geschichtliche Daten. Wien 1958.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Stift Klosterneuburg und seine Pfarren. Wien 1914.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S.  218ff.&lt;br /&gt;
*Maximilian Fischer: Merkwürdigere Schicksale des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1815.&lt;br /&gt;
*Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg. Erste Folge 1908–1919. 9 Bände. Neue Folge seit 1961. Bisher 15 Bände.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/ Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 115ff.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Jöchlinger: Andreas Weißenstein, erwählter Propst zu Klosterneuburg, und sein Kampf gegen das Staatskirchentum. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 110ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Viktor Ludwig: Klosterneuburg – ein Heimatbüchlein für Schule und Haus. Wien 1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Stift und Stadt Klosterneuburg in den Ereignissen des Jahres 1848. Aus Maximilian Fischers zeitgenössischen Aufzeichnungen. In: Die Kultur 15. 1914, S. 315ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg in Niederösterreich. 3 Hefte (Österreichische Kunstbücher Band 11–13). Wien o.J.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Pfarrkirche von Hietzing. Wien 1899.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41.1990, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: IUC 1985. Heft 3/4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg (Wiener Geschichtsbücher Band 11). Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeinde Klosterneuburg. Band 1: Die Stadt. 1992. Band 2: Die Katastralgemeinden. 1993.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Kapelle von Hietzung – ein kirchliches Streitobjekt. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 34. 1978, S. 122ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Wien-Klosterneuburg 1994.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Von Afra zu Nikolaus. Eine Patroziniumsänderung als Zeichen der Kirchenreform? In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Graz 1988, S. 423f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig (Hg.): Der Albrechtsaltar und sein Meister. Wien 1981.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Leo Schabes: Alte liturgische Gebräuche und Zeremonien an der Stiftskirche zu Klosterneuburg. Klosterneuburg 1930.&lt;br /&gt;
*Gerrtraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Albert Starzer: Geschichte der landesfürstlichen Stadt Klosterneuburg. Klosterneuburg 1900.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Klosterneuburg. In: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeine Klosterneuburg. Klosterneuburg 1992. S. 39–96.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Lapidarium. Klosterneuburg 1991.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF .1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei Kilometer donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatten seit 976 die Babenberger das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes, der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem ''Chronicon pii marchionis'', heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. &lt;br /&gt;
Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das ''Chronicon pii marchionis'', die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert. Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. [[Datei:Pz 035.JPG|450px|right|Grundriss der Gesamtanlage mit unveränderter Stiftskirche von Donato Felice d'Allio (1677–1761)&amp;lt;br/&amp;gt;Stiftsarchiv Klosterneuburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''summa cum consolationeet complacentia'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt. Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus &lt;br /&gt;
dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. &lt;br /&gt;
Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich. &lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste. &lt;br /&gt;
Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. &lt;br /&gt;
Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus. &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an. &lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn. &lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. &lt;br /&gt;
Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. &lt;br /&gt;
Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus. &lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. &lt;br /&gt;
In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. &lt;br /&gt;
Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an. &lt;br /&gt;
Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet. &lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. &lt;br /&gt;
Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall.&lt;br /&gt;
Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet.&lt;br /&gt;
Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor. &lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von [[Wolfgang Pauker]] ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. 1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Geschichtlicher Überblick===&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984, S.93–99.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S.97–176.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 22–49.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 109–136.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7–102.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S. 218–238.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992. Sehnsucht nach der Antike, S. 45–57.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280–294.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184–192.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77–97. &lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41. 1990, S. 14–42.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 95–218.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3–22.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5–48.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229–248.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*[[Berthold Otto Černík]]: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg, statistische und geschichtliche Daten. Wien 1958.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Berthold Otto Černík: Das Stift Klosterneuburg und seine Pfarren. Wien 1914.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*[[Karl Drexler]]: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S.  218ff.&lt;br /&gt;
*Maximilian Fischer: Merkwürdigere Schicksale des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1815.&lt;br /&gt;
*Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg. Erste Folge 1908–1919. 9 Bände. Neue Folge seit 1961. Bisher 15 Bände.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/ Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 115ff.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Jöchlinger: Andreas Weißenstein, erwählter Propst zu Klosterneuburg, und sein Kampf gegen das Staatskirchentum. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 110ff.&lt;br /&gt;
*[[Ubald Kostersitz]]: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Viktor Ludwig: Klosterneuburg – ein Heimatbüchlein für Schule und Haus. Wien 1924.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Stift und Stadt Klosterneuburg in den Ereignissen des Jahres 1848. Aus Maximilian Fischers zeitgenössischen Aufzeichnungen. In: Die Kultur 15. 1914, S. 315ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg in Niederösterreich. 3 Hefte (Österreichische Kunstbücher Band 11–13). Wien o.J.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Pfarrkirche von Hietzing. Wien 1899.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41.1990, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: IUC 1985. Heft 3/4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg (Wiener Geschichtsbücher Band 11). Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeinde Klosterneuburg. Band 1: Die Stadt. 1992. Band 2: Die Katastralgemeinden. 1993.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Kapelle von Hietzung – ein kirchliches Streitobjekt. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 34. 1978, S. 122ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Wien-Klosterneuburg 1994.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Von Afra zu Nikolaus. Eine Patroziniumsänderung als Zeichen der Kirchenreform? In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Graz 1988, S. 423f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig (Hg.): Der Albrechtsaltar und sein Meister. Wien 1981.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Leo Schabes: Alte liturgische Gebräuche und Zeremonien an der Stiftskirche zu Klosterneuburg. Klosterneuburg 1930.&lt;br /&gt;
*Gerrtraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Albert Starzer: Geschichte der landesfürstlichen Stadt Klosterneuburg. Klosterneuburg 1900.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Klosterneuburg. In: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeine Klosterneuburg. Klosterneuburg 1992. S. 39–96.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Lapidarium. Klosterneuburg 1991.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF .1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<updated>2022-09-15T14:33:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter. 1973, S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 67. Graz 1959, S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 52. Graz 1938, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50. 1931, 315-377.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14. 1893, S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden-Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 67. Graz 1959, S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 52. Graz 1938, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50. 1931, 315-377.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14. 1893, S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden-Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 67. Graz 1959, S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 52. Graz 1938, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foisner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50. 1931, 315-377.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14. 1893, S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden-Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: In Unum Congregati Band 3/4. 1984, S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: In Unum Congregati   Band 3. 1975, S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Univ. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), S. 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 67. Graz 1959, S. 249–277.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304–340.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 52. Graz 1938, S. 1–56.&lt;br /&gt;
*Roman Foisner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50. 1931, 315-377.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14. 1893, S. 385–398, 567–589.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21. 1882, 28–51.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. In: Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters Band 4. Leiden-Köln 1959.&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: IUC 3/4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: IUC 3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2. 1984, S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur. Dipl.-Arb. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<id>https://sacra.wiki/index.php?title=Stift_P%C3%B6llau&amp;diff=10302</id>
		<title>Stift Pöllau</title>
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		<updated>2022-09-15T14:05:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Die älteste urkundliche Nennung von Pöllau findet sich in der Pfarrerhebungsurkunde von Mönichwald zum Jahr 1163, in der unter den Zeugen auch der Pfarrer Heinricus de Polan genannt wird. Auch die weiteren Nennungen erfolgen durchwegs nur in Zusammenhang mit der Nennung des Pfarrers:&lt;br /&gt;
''Heinricus de Polan'' (1163), ''H. de Polan'' (1170), ''Petrus de Polan'' (1209), um nur einige zu nennen. Der Name weist nur geringe Schreibvarianten auf: ''Polhan'' (1285), ''Pöllan'' (1309) usw. Der Name ist slawischen Ursprungs (von slaw. ''polje'') und bedeutet so viel wie Ebene, Feld, breite Talmulde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Sieg König Heinrichs III. über die Ungarn im Jahr 1043 wurde die Ostgrenze des damaligen HI. Römischen Reiches und mit ihm der Karantaner Mark, zu der Pöllau gehörte, bis zur Lafnitz vorgeschoben. Seit der Erhebung der Steiermark zum Herzogtum 1180 gehört das Gebiet um Pöllau zur Steiermark; heute liegt Pöllau im politischen Bezirk Hartberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit seiner Besiedlung und Pfarrerhebung (vor 1163) unterstand Pöllau der Erzdiözese Salzburg, von der es 1786 losgetrennt und dem Bischof der Diözese Graz-Seckau unterstellt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinium ==&lt;br /&gt;
Die einstige Pfarr- und spätere Stiftskirche hatte wohl von Anbeginn den heiligen Veit (Vitus) als Patron. Ihm war auch schon die vom Hochfreien Wolfber, der sich später Wulfing nannte, um 1140 errichtete Eigenkirche geweiht. Das St.-Veits-Patrozinium weist darauf hin, dass die erste Kirche hier im slawischen Siedlungsgebiet errichtet wurde, weil der heilige Veit als Slawenheiliger bekannt ist und sich die Mehrzahl der St-Veit-Kirchen in der Steiermark in Orten mit slawischen Namen befindet. Während nach Gugitz dem hl. Veit in Bayern über 80 Kirchen geweiht sind, treffen wir in der Steiermark nur 14 dem heiligen Veit geweihte Kirchen an: Vogau, Liezen, Söchau, Paldau, Andritz, Passail usw. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichtlicher Überblick ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Die letzte Blüte des ortsgebundenen monastischen Geistes trieb die Grüne Mark unweit Vorau, das letzt gegründete Stift der Steiermark ist Pöllau'' (R. Kohlbach). Nach Heinrich von Neuberg übernahm 1481 sein Sohn Hans von Neuberg den gesamten Neuberger Besitz und damit auch die Herrschaft Pöllau. Der bereits todkranke Neuberger machte am 6. Dezember 1482 sein Testament, in welchem er Pöllau als Sitz eines Chorherrenstiftes bestimmte, während Neuberg, Thalberg und Neudau an seine nächsten Verwandten fallen sollten. Er war der letzte männliche Spross seiner Familie, starb schon am 22. Oktober 1483 und wurde im Familiengrab in der Pfarrkirche Pöllau beigesetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Testament, das zugleich als Stiftbrief für Stift Pöllau anzusehen ist, machte Hans von Neuberg ohne Beiziehung von Zeugen einzig mit seiner Unterschrift und seinem Siegel. Darin nennt er auch alle Besitzungen, die nach seinem Tod an seine Stiftung fallen sollten, die Ämter, Zehente und Rechte. Auch bestimmte er den Bau einer eigenen Wolfgangi-Kirche im Bereich der Burg Pöllau, die den Chorherren als Stiftskirche dienen sollte, damit der bestehenden Pfarrkirche zum heiligen Veit keine Einschränkung zukommen könne. In der alten Burg solle ein Stift mit 24 Chorherren entstehen und zwar von jenem Orden, der auch in Vorau ansässig ist. Das Stift solle beim Mangel eines männlichen Erben innerhalb von 14 Tagen nach seinem Tod zu errichten begonnen werden. Hans von Neuberg verstarb am 22. Oktober 1483, doch aus den 14 Tagen, innerhalb derer nach dem letzten Willen des Stifters das Augustiner-Chorherrenstift in Pöllau gegründet werden sollte, wurden 21 Jahre. Nach dem Tod des Neubergers zog Kaiser Friedrich III. ohne Rücksicht auf dessen testamentarische Verfügung den ganzen Besitz ein, weil der Neuberger einen Sondervertrag mit Ungarn geschlossen hatte, was ihm in der Folge eine Anklage wegen Hochverrates gegenüber den österreichischen Landesherren, den Habsburgern, eingebracht hatte. Doch Elisabeth, die Schwester des Hans, Witwe nach dem 1488 verstorbenen Friedrich von Pottendorf und nun verehelicht mit dem Grafen Christoph von St. Georgen und Pösing, wurde nun öfter beim Kaiser vorstellig und bat in einem Gesuch für ihren Bruder um Verzeihung wegen des von ihm begangenen Vergehens und um die Freigabe des Schlosses zwecks Errichtung eines Augustiner-Chorherrenstiftes, denn Hans von Neuberg habe seine letzte Willensmeinung schon gemacht gehabt, als er sich gegen den Kaiser verging. Kaiser Friedrich ließ sich durch die Frau Elisabeth soweit umstimmen, dass er ihr versprach, das Schloss Pöllau nicht anderweitig als Lehen zu vergeben, sondern es für die Gründung eines Stiftes freizuhalten. Wegen des Ungarnkriegs aber musste die Pöllauer Stiftungsangelegenheit vorläufig unerledigt bleiben. 1485 versprach der Kaiser die Gründung eines Kapitels nach dem Vorbild des Kollegiatstiftes Spital am Pyhrn und ernannte den kaiserlichen Hofkaplan Alban Kogler zum Propst und Pfarrer des künftigen Stifts. Dieser trat jedoch als Propst wegen Streitigkeiten zurück, sodass die Stiftsgründung neuerlich unterblieb. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1501 bemühten sich die Neubergerin Elisabeth und ihr Gatte Christoph von St. Georgen und Pösing wieder um ein Chorherrenstift und konnten die Güter zurückgewinnen, nicht zuletzt durch die Bereitstellung eines &amp;quot;Darlehens&amp;quot; von 5.000 Pfund Pfennigen an König Maximilian, der 1501 den Beginn des Stiftes in drei Jahren festsetzte. Um diese Darlehenssumme aufbringen zu können, versetzte Elisabeth am 20. Oktober 1502 das Amt Ratten und das Ödamt bei Birkfeld mit einer Gült von 94 Pfund um 1.880 Guden und am 21. Dezember des gleichen Jahres das Amt Waldbach mit einer Gült von 41 Pfund, 3 Schilling 321 Pfennig um die Satzsumme von 830 Gulden dem Georg von Rottal, Freiherrn zu Thalberg. &lt;br /&gt;
Nach diesem großen persönlichen Opfer nahmen Elisabeth und ihr Gemahl wieder Besitz von Burg und Herrschaft Pöllau und erklärten öffentlich, nun den Willen ihres verstorbenen Bruders endlich durchzusetzen. In der Folge erkrankte jedoch auch Elisabeth schwer und machte am 28. März 1503 ihr Testament. Darin wurde festgelegt, dass Pöllau ein Chorherrenstift werden, ihr Gemahl aber auf Lebenszeit das Wohnrecht und die Nutznießung in Pöllau haben solle. Elisabeth möchte in der Stiftskirche Pöllau an der Seite ihres Bruders beigesetzt werden, außerdem sollten noch 1.000 Messen zu ihrem Seelenheil gelesen werden. Am 11. Juli 1503 verstarb Elisabeth und wurde ihrem Wunsch gemäß an der Seite ihres Bruders Hans von Neuberg beigesetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun hatte Christoph von St. Georgen und Pösing als Witwer nach Elisabeth von Neuberg die Aufgabe, die Stiftung auszuführen. Seinerzeit hatte man von Kaiser Maximilian eine Frist von drei Jahren erhalten, so schob Christoph die Gründung hinaus, um recht lange allein in den Genuss der Einkünfte zu kommen. Erst kurz vor Ablauf dieses Termins stellte er am 28. August 1504, also am Fest des heiligen Augustinus, den Stiftsbrief aus, womit erst weit über 20 Jahre nach dem Tod des eigentlichen Stifters die Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes Pöllau vollzogen werden konnte. &lt;br /&gt;
Dieser Stiftbrief bestimmte in Vollführung des Testamentes des Hans von Neuberg Pöllau zu einer Propstei mit Chorherren aus dem Orden des heiligen Augustinus, nach Inhalt seiner Regel und Observanzen, wie in [[Stift Vorau|Vorau]], was bisher wegen der Kriegsunruhen viele Jahre hatte aufgeschoben werden müssen. Er widmete dafür Schloss und Feste Pöllau mit allem Zubehör und das Amt Prätis und das Amt des Perstler, beide in der Pöllauer Pfarre, das Sprenghofer Amt am Rabenwald, das Amt zu Dienersdorf und Hofkirchen, das Amt Schildbach in der Pfarre Hartberg, das Amt zu Miesenbach und Kaindorf, das Amt Strallegg, das Amt Ratten, das Amt in der Pfarre St. Jakob, das damals Peter Pock an der Brandstatt innehatte, das Amt auf der Öd in der Birkfelder Pfarre, weiters alle Fischwasser, Wälder, Forste und Almen, die zum Schloss gehörten, den Wildbann, die Zehente, den Anteil am Landgericht Waldbach etc. Er übergab seine Stiftung dem Schutz und der Vogtei des Kaisers. Zahlreiche Zeugen bezeugten die Gründung und der Stifter selbst hängte sein Siegel daran. Die zweite Ausfertigung des Stiftbriefes mit geringen Änderungen enthält die Bitte an den Erzbischof, dem Kloster die Pfarre Pöllau einzuverleiben und als Propst den vom Grafen vorgeschlagenen Ulrich von Trautmannsdorf anzunehmen und zu bestätigen, doch sollte künftig eine freie Wahl durch das Kapitel stattfinden. Am 12. September 1504 bestätigte der Erzbischof die Gründung und befreite das Stift von aller weltlichen Macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 19. September 1504 trafen die Stifterfamilie, die eben von Pöllau kam, und die geladenen Zeugen, darunter auch der Abt des Zisterzienserstiftes Neuberg, im Stift Vorau ein. Der eigentliche Gründungstag aber war der 20. September. Die Stifterfamilie und die geladenen Zeugen begaben sich zum bereits im Kapitelsaal des Stiftes versammelten Propst und Konvent des Chorherrenstiftes Vorau. Hierauf stellte der Stifter die Stiftungsurkunde aus, die durch Notare verlesen wurde. Auf die Bitte des Stifters, für Pöllau aus der Reihe des Vorauer Kapitels Chorherren zu entsenden, befragte ihn der Propst, ob denn auch die im Stiftbrief genannten Temporalien vollständig übergeben werden könnten und ob der Stifter dem neuen Konvent alles gewähren könnte , was dieser für ein richtiges Klosterleben nötig hätte . Als der Stifter dies mit Handschlag versprach, erwählte der Propst sechs Chorherren, die in Pöllau das klösterliche Leben beginnen sollten. Nun zog man in die Stiftskirche zum Heiliggeist-Altar, wonach Gebet durch den Stifter der neue Propst in der Person [[Ulrich von Trautmannsdorf|Ulrichs von Trautmannsdorf]] erwählt wurde. Der Erwählte trat vor und wurde von allen beglückwünscht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 21. September 1504 zog nun die ganze Gesellschaft nach Pöllau, um der Besitznahme des neuen Stiftes durch Propst Ulrich und sein Kapitel beizuwohnen. Die päpstliche Konfirmation der Stiftung ließ nicht lange auf sich warten und erfolgte am 14. März 1505, 1506 die Bestätigung des Landesfürsten als oberstem Vogtherrn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Aufstieg und Blüte ===&lt;br /&gt;
Schon bald nach der Übersiedlung der Vorauer Chorherren in das neu gegründete Stift ergaben sich große Schwierigkeiten im Zusammenleben mit dem Vollzieher der Stiftung, Graf Christoph von St. Georgen und Pösing, der hier auf Lebenszeit seine Wohn- und Genussrechte hatte. Die Burg war klein, manche Räume hatten der Konvent und Graf Christoph gemeinsam, wie etwa die Küche und die Backstube im Westtrakt, an einen Neubau war bis auf weiteres nicht zu denken. Zudem wohnten die seit 1504 pensionierten Geistlichen Alban Kogler, Pfarrer, sowie sein Kaplan Landschacher ebenfalls im gleichen Gebäude, weiters noch etwa 40 Dienstboten. So war es schwer, aus diesem Haus das zu machen, was von den Stiftern eigentlich vorgesehen war. In diesen Wohnungsstreit wurde anfänglich der Vorauer Propst als Vermittler eingeschaltet, danach der Erzpriester zu Gratwein und schließlich wurde 1506 an Kaiser Maximilian eine Petition mit der Bitte um Abhilfe gerichtet, doch erst 1507 gelang es einer auf Schloss Thalberg zusammengetretenen Kommission, die Streitigkeiten zu schlichten. Der heute in der Stiftskirche befindliche Grabstein aus rotem Marmor gibt den Sterbetag des ersten Propstes mit 16. Mai 1512 an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wählte das Kapitel unter Außerachtlassung aller angeordneten Förmlichkeiten den bisherigen Stiftsdechanten [[Laurentius Handl]] zu seinem Nachfolger, doch bereits am Tag nach seiner Wahl teilte er dem Kapitel seine Resignation mit. &lt;br /&gt;
Handls Resignation führte zur Postulation des Weltpriesters und bisherigen Pfarrers von Waltersdorf, [[Johann Mistelberger]], der für das Stift neben dem Recht der Wappenführung (1514) auch das Recht, die Pontifikalien zu tragen (1517) sowie weitere geistliche Privilegien und auch einen Ablassbrief erwirkte. In seine Zeit fällt der Abschluss der meisten Konföderationen mit anderen Klöstern. Gleich den anderen Stiften schloss auch Pöllau mit zahlreichen Klöstern eine Gebetsverbrüderung, deren Bedingungen in den so genannten Konföderationsurkunden festgehalten sind. Zu den frühesten zählen jene von [[Stift Seckau|Seckau]] und Ossiach aus dem Jahr 1516. Die 1519 und 1520 geschlossenen Konföderationen schrieben Propst Johann und Dechant Bernhard in einem eigenen Büchlein zusammen, und für 1520 und 1521 liegen im Steiermärkischen Landesarchiv zahlreiche Konföderationsurkunden in Original auf. Zudem liegt von Pöllau auch noch ein unter Propst Johann 1527 angelegtes Rotelbuch vor, das z.B. den genauen Weg des Rotelboten von Ende März 1527 bis Mai 1528 aufzeigt und höchst interessante Notizen enthält. Sein Weg führte von Pöllau über Graz nach Seckau in der Obersteiermark, von dort nach Kärnten und Südtirol bis nach Bayern, und von Passau über die ober- und niederösterreichischen Klöster nach Wien, von wo er über Neubergander Mürz am 4. Mai das Mutterstift Vorau als letztes der Klöster ansteuerte und tags darauf nach mehr als einem Jahr wieder nach Pöllau zurückkehrte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als 1528 die Visitationskommission in Pöllau eintraf, fand sie außer dem Propst noch elf Chorherren und zwei Laienpriester und die Verhältnisse im Stift in gutem Zustande vor: Sind den lutherischen und anderen verführerischen Sekten ganz entgegen. In Mistelbergers Zeit fällt der Rückkauf der seinerzeit versetzten Ämter Ratten, Waldbach und Öd bei Birkfeld sowie die wirtschaftlich schwierige Zeit der Quart. Der Propst war dann auch nicht bereit, die 1530 in Graz schon ausgefertigten Kaufbriefe zum Verkauf der Ämter Ratten und Waldbach an Siegmund von Dietrichstein zu unterschreiben, kurzerhand wurde er so lange arrestiert, bis er auf Drängen des Konvents die Unterschrift gab. Als er am 6. Juni 1530 enthaftet mit den Chorherren, die ihm das Schreiben des Kapitels überbracht hatten, nach Pöllau heimritt, erlag er kurz nach Weiz einem Schlaganfall in den Armen seiner Begleiter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Tod Mistelbergers wählte das Kapitel, bestehend aus nur sechs Chorherren, den Senior und begabten Musiker [[Leonhard Pachmann]] zum neuen Propst, doch resignierte dieser bereits am 1. November 1531 auf sein Amt. &lt;br /&gt;
Anlässlich der Neuwahl fand sich wiederum kein Kapitular für die Übernahme der Propstwürde und es kam, wie schon 1512, abermals zu einer Postulation in der Person des Erzpriesters und Pfarrers von Gratwein [[Christoph Trückl]]. Seine Amtsjahre liegen im Schatten der Reformation und der Türkenkriege. 1532 wurde Pöllau von türkischen Streifscharen arg verwüstet, worauf das Gültbuch einen Brandschaden von 169 Pfund verzeichnet. Auch die Quart forderte noch immer kleinere Abverkäufe. Mit Wolfgang von Stubenberg entspann sich ein langwieriger Prozess wegen eines Getreide- und Weinzehents, dem Markt Pöllau gab Trückl 1541 eine Feuerordnung und 1547 eine aus 25 Paragraphen bestehende Polizei- und Marktordnung. &lt;br /&gt;
Das wertvollste Schriftdokument aus der Zeit dieses Propstes bleibt aber der Visitationsbericht aus dem Jahr 1544, der uns in einer Detailbeschreibung den Zustand im damaligen Konvent schildert und eine sehr präzise Kenntnis über die ökonomischen Verhältnisse des Stiftes vermittelt; im Jahr 1700 ließ Propst [[Johann Ernst von Ortenhofen|Ortenhofen]] eine amtlich kollationierte Abschrift anfertigen, wofür er 45 Gulden zahlen musste. Die Lehre Luthers hat den Konvent nicht so stark reduziert, wie in anderen Stiften, denn laut Visitationsprotokoll von 1544 gab es neben dem Propst noch 16 Konventualen, darunter zehn Priester. Sie alle waren ''aines gueten erlichen briesterlichen Wandels''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Trückls Tod am 2. Jänner 1560 fand sich wiederum kein Kandidat in den eigenen Reihen und es wurde [[Georg Steinhauser]], Professe des Stiftes St. Zeno bei Bad Reichenhall (Bayern), postuliert, der jedoch schon 1565 verstarb. Noch auf seinem Sterbebett gab er den vier hinterbliebenen Chorherren den Rat, [[Stefan Mitterhauser]], der 1549 das Stift verlassen hatte und nun als Pfarrer in Mureck wirkte, zu seinem Nachfolger zu wählen, was diese tatsächlich befolgten. Wegen seines Konkubinates in Mureck verweigerte ihm Salzburg anfänglich die Konfirmation, doch blieb er dann bis zu seinem Tod 1585 Propst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die sechs Pöllauer Kapitulare ihren Kandidaten Valentin Ritter nicht durchbrachten postulierte der Erzbischof abermals einen Auswärtigen: [[Dr. Peter Muchitsch|Peter Muchitsch]]. Der in Cilli Geborene war Dekan der Theologischen Fakultät an der Wiener Universität, bevor er 1577 zu deren Rektor ernannt wurde. In dieser Wiener Zeit trat Muchitsch als entschiedener Kämpfer gegen die Tübinger lutherischen Theologen auf, verfasste entsprechende Streitschriften, die natürlich Entgegnungen zur Folge hatten, sodass der Pöllauer Propst überregionale Bekanntheit genoss. Als Propst erwarb er sich besonders auf ökonomischem Gebiet große Verdienste um das Stift und löste mehrere verpfändete Gülten und Güter zurück. &lt;br /&gt;
Die Prälatur des Peter Muchitsch hat sich sehr positiv auf das Ansehen des Stiftes ausgewirkt, sodass es nun nach längerem Intervall endlich wieder zu einer Erwählung aus den eigenen Reihen kam; der schon 1585 vorgeschlagene [[Valentin Ritter]] kam nun zum Zug. Auch unter ihm währte der Kauf und Austausch von Ämtern und Gülten fort und die Klosterdisziplin war gut. Die Visitationskommission von 1617 legte ihm jedoch die Sorge um den Nachwuchs nahe, denn es zählte das Stift nur sehr wenige Chorherren, sodass die Jesuiten den Versuch machten, das Stift Pöllau zu erwerben. Anlässlich eines Besuches habe nun der Propst etliche Pöllauer Bürger als Chorherren verkleidet, sodass sich die Jesuiten wunderten, plötzlich so viele Kapitulare im Chor zu sehen. Valentin Ritter starb am 21. Oktober 1623. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu seinem Nachfolger wurde erst im vierten Wahlgang [[Michael Praithofer]] als erster gebürtiger Pöllauer zum Propst gewählt (1624-1641). Anlässlich seiner Bestellung zur Konfirmation nach Salzburg musste er ein Protokoll unterschreiben, in dem er sich verpflichtete, mindestens 14 Chorherren im Stift zu haben. Trotz aller Bemühungen gelang es dem Propst nicht, die Zahl der Kapitulare zu vermehren. Sieben Chorherren übernahm er von seinem Vorgänger, von den fünf Professen in seiner Amtszeit waren vier frühzeitig gestorben. Schon 1633 wurde er wegen des drohenden Personalmangels von Salzburg ermahnt. Von den drei Studenten, die er in der Folge in das Stift nahm, blieb ihm keiner. &lt;br /&gt;
Zur Zeit der Visitation von 1633, als sich nur wenige Chorherren im Stift befanden, war auch die Ordensdisziplin nicht besonders gut. So beklagten die Visitatoren die fehlende Tagesordnung, Tischlesung, Silentium und Klausur wurden nicht eingehalten, der Einzelausgang wurde unterbunden. Als Propst Praithofer 1641 verstarb hinterließ er zwei Chorherren, die Priester waren, einen Diakon und fünf Novizen. Sein prachtvoller Epitaph befindet sich in der Stiftskirche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der geringe Personalstand hatte eine bischöfliche Visitation zur Folge, bei der der bisherige Dechant [[Vinzenz Neuhold]] zum neuen Propst gewählt wurde, doch verstarb dieser nach nur zwei Jahren am 28. August 1643. Die nach seinem plötzlichen Tod neuerlich durchgeführte Visitation stellte fest, dass keiner der wenigen Kandidaten für eine Nachfolge geeignet war, woraufhin es zur Postulation des bereits 1641 für die Propstwürde vorgeschlagenen Vorauer Chorherrn [[Kaspar Kolb]] kam. Doch auch er verstarb wie sein Vorgänger nach nur zweijähriger Regierungszeit schon am 6. August 1645. Bei seinem Tod war der stiftische Personalstand auf ein Minimum reduziert. Von den sieben Altprofessen, die er übernommen hatte, waren zwei verstorben und die übernommenen Novizen waren inzwischen ausgetreten. &lt;br /&gt;
Wegen des geringen Personalstandes erfolgte am 7. November 1645 abermals eine Postulation: Wiederum wurde ein Vorauer Chorherr, [[Pankraz Perkhofer]], bestellt; die Benediktion fand am 20. Jänner 1646 in Graz statt. &lt;br /&gt;
Unter ihm ging es wirtschaftlich endlich aufwärts; er erweiterte den Stiftsbesitz durch mehrere Ankäufe, u. a. 1647 um das Stadlische Amt Prätis und 1650 um Schloss und Herrschaft Külml, gründete die Rosenkranzbruderschaft und konnte andererseits mit rund 30 neu aufgenommenen Kapitularen das Stift wirklich erst zu dem machen, was in der Stiftung von 1504 vorgesehen war. Zukäufe und Neubauten sowie die Anlage von Reserven waren der erste Grundstein für die folgenden Investitionen, vor allem in baulicher Hinsicht. Als er am 28. Februar 1669 im Alter von 59 Jahren starb, hinterließ er ein durchaus wohlbestelltes Haus und einen Personalstand von 16 Kapitularen, einem Laienbruder und fünf Novizen. Dies verwundert etwas, weil sich Propst Perkhofer vom Leben im Konvent sehr distanzierte, wurde doch noch vor der Wahl seines Nachfolgers vom Kapitel der Beschluss gefasst, der neue Propst hätte in Zukunft mit dem Konvent gemeinsam zu essen und sich des Bankettierens zu enthalten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Michael Josef Maister]] (1670-1696) setzte sich die wirtschaftliche Blütezeit fort und es kam zum Eintritt zahlreicher Sprösslinge aus dem Adel des Landes (Stubenberg, Saurau, Schrattenbach, Zollner, Gloiach usw.), die bedeutende Geldmittel einbrachten. Allein die Aufnahme der zwei adeligen Brüder Wertelsperg brachte 120.000 Gulden. Auch die Übernahme der Stadtpfarre Hartberg zwischen 1676 und 1687 brachte beträchtliche Geldmittel, sodass Propst Maister den Plan fassen konnte, das noch immer mittelalterliche Stift und die Kirche völlig neu bauen zu lassen. Als er 1696 starb, waren der Nordtrakt, der Westtrakt und der Mitteltrakt bereits in wesentlichen Teilen fertig. Trotz dieser und anderer Investitionen hinterließ Propst Maister ein Kapital von 70.000 Gulden, die 120.000 Gulden für die Stiftskirche zusätzlich. Freilich waren die Stiftsgebäude noch unvollendet und der Neubau der Kirche noch gar nicht begonnen. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod Propst Maisters waren 18 Chorherren wahlberechtigt. Als auch der dritte Wahlgang keine Entscheidung brachte, weil auf beide Kandidaten je acht Stimmen fielen, entschied sich die Wahlkommission für Johann Ernst von Ortenhofen. Dem auf Schloss Limberg in der Weststeiermark Gebürtigen gelang es, das Stift und die große Kirche erfolgreich zu vollenden, weiters noch die Herrschaften Welsdorf und das Hartbergschlössl bei Fürstenfeld zu erwerben. Ortenhofen war ein kluger, aber auch gestrenger Oberer, der sich besonders des geistlichen Lebens seines Kapitels annahm. Endlich gelang es auch, die Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes Pöllau #Strallegg|Strallegg]] zu inkorporieren, was 1725 geschah, daraus 1727 die Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes Pöllau #Miesenbach|Miesenbach]] zu gründen und das Ansehen des Wallfahrtsortes [[Liste der Pfarren des Stiftes Pöllau #Pöllauberg|Pöllauberg]] zu mehren. Die gotische Wallfahrtskirche war ja schon unter Propst Maister barockisiert worden und 1707 auch Sitz einer eigenen Stiftspfarre geworden. &lt;br /&gt;
Propst Ortenhofen war auch bemüht, den vorzüglichen Ruf wie das Ansehen des Stiftes betreffend die klösterliche Disziplin wie auch die gewissenhafte Verwaltung des Stiftsvermögens zu wahren und zu mehren. Auch findet unter seiner wie auch der Leitung seines Vorgängers ein steter Zuwachs von nicht wenigen adeligen, mitunter auch sehr vermögenden Novizen statt. Zu den negativen Erscheinungen während seiner Regierungszeit zählen mehrere Besitzstreitprozesse, der Kuruzzeneinfall im Jahr 1704 und das Pestjahr 1713. &lt;br /&gt;
Ortenhofen hat nach den Pröpsten Perkhofer und Maister das Stift Pöllau weiter zur Blüte geführt und hat schließlich als wichtigste Quelle für die Stiftsgeschichte eine großangelegte Chronik verfasst, in der alle wichtigen Urkunden wörtlich angeführt sind. Durch die rege Bautätigkeit, die weit über das Stift hinausging, hat er das Pöllauer Tal ganz wesentlich mitgeprägt. Als er am 29. Juni 1743 starb, hinterließ er ein wohlbestelltes Haus. Bei der am 10. Februar 1744 durchgeführten Propstwahl fielen bereits beim ersten Wahlgang elf von 20 abgegebenen Stimmen auf das Konventmitglied [[Karl Josef Breuner|Karl Josef Graf von Breuner]]. Der gebürtige Grazer hielt sich zum Leidwesen seiner Mitbrüder den Großteil seiner 32 jährigen Regierungszeit in Graz auf. Das Kapitel in Pöllau sah ihn kaum, sodass es ihn über den Bischof mahnen ließen, doch wenigstens ab und zu in Pöllau zu pontifizieren. Die Leitung des Stiftes oblag dem jeweiligen Dechant. Propst Breuner verstarb 1776 in Graz, sein Leichnam wurde nach Pöllau überführt und in der Prälatengruft beigesetzt. &lt;br /&gt;
Das Stift Pöllau stand in schönster Blüte, als man am 12. Dezember 1776 zur letzten Propstwahl in der Pöllauer Stiftsgeschichte schritt. 22 Kapitulare waren wahlberechtigt, die höchste Zahl in Pöllau seit der Gründung. Auch die Wahl fiel ziemlich eindeutig aus, denn schon beim ersten Wahlgang erhielt Propst [[Anton Maria Edler von Rain|Anton Maria Edler von Rain]] 18 Stimmen; ein überaus gutes Ergebnis, ebenfalls einmalig in der Geschichte Pöllaus. &lt;br /&gt;
Rain war fromm und sparsam, ließ in der Kirche noch vieles erneuern und erreichte mit 29 Kapitularen den Höchststand an Chorherren im Pöllauer Stift. Dennoch war er in wirtschaftlichen Dingen nicht sehr selbständig und ließ sich von einigen Chorherren zur Verpachtung der gesamten Stiftswirtschaft bewegen, ohne dass dafür triftige Gründe vorgelegen wären, was zu großen internen Streitigkeiten und zum Wunsch einiger Chorherren führte, das Stift aufzuheben, was in bald Wirklichkeit wurde. Propst Rain lebte nach der Aufhebung in Graz und verstarb dort 1793.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Aufhebung ===&lt;br /&gt;
Das Stift befand sich in gutem Zustand und zählte unter Propst Anton Maria Edler von Rain (1776-1785) mit 29 Konventualen den Höchststand an Chorherren seit der Gründung. Doch schlich sich unter den letzten Pröpsten wegen ihrer häufigen Abwesenheit vom Kloster sowohl im religiösen Leben als auch in wirtschaftlichen Belangen allmählich ein Niedergang ein, bedingt auch durch die fortschreitende Untertanenbefreiung unter Kaiserin Maria Theresia und Joseph II. Genannt sei vor allem das Robotpatent von 1778, auf Grund dessen die Untertanen ihre Robot mit Geld ablösen konnten. Dadurch kamen mehrere Stifte mit ihrem Wirtschaftsbetrieb in große Schwierigkeiten. In Pöllau rieten zwei intime Ratgeber dem Propst, die Stiftswirtschaft zu verpachten. Obwohl in der folgenden Kapitelsitzung die Mehrheit des Kapitels gegen eine Verpachtung war, hielt sich der Propst nicht an den Kapitelbeschluss und verpachtete 1783 die Stiftswirtschaft an Matthias Vinzenz Tauß, der damals Inspektor der bei Pöllau gelegenen Oberkapfenberger Gült war und seinen Sitz in Pöllau hatte. Nun gab es weitere, endlose Streitereien, die einen bis dahin nicht dagewesenen Unfrieden in die Reihen der Chorherren brachten, bis endlich am letzten März 1785 ein endgültiger Pachtvertrag auf zwölf Jahre zu Stande kam. Tauß nützte die Spaltung im Stift aus,um für sich möglichst viele Rechte und Vorteile herauszuholen, was ihm auch tatsächlich gelungen ist. Diese Verpachtung hatte aber im Konvent tiefe Zerwürfnisse zur Folge: Einzelne Chorherren nahmen für den Propst Partei, andere wieder für den Pächter und der Unfriede zog in die Klosterräume. Nach Dechant Kellner, damals selbst Chorherr, sollen sogar zwei Stiftsmitglieder namens des ganzen Konvents, der darüber in Unkenntnis gelassen wurde, mit dem Propst um die Aufhebung angesucht haben - ein Wunsch, dessen Erfüllung nicht lange auf sich warten ließ. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kohlbach schreibt dazu: Am 18. Juni 1785 ward das Todesurteil über das Stift gefällt, am 30. Juni ward es ihm zugemittelt, am 11. Juli vollstreckt. Die kaiserliche Aufhebungsbestimmung trat bereits am 18. Juni 1785 in Kraft. Die Hofkommission in geistlichen Sachen bestellte am 30. Juni 1785 den Kreishauptmann Wolf- gang von Stubenberg zum Aufhebungskommissär mit folgendem Schreiben: &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;''An das Stift Pöllau! Nachdem Se. k. k. Mayj. vermög allerhöchster Resulution unterm 18. Juni anni currentis das Stift gänzlich aufzuheben befunden haben, als wird solches Ihme Stift zur nachrichtlichen Wissenschaft mit dem Beysatze erinnert, daß man den mittels Rath und Kreis-Hauptmann Wolf Herrn von Stubenberg als Aufhebungs-Commissario benennet habe, dessen Verfügung und Anordnungen das Stift sich in allen gehorsamst zu unterziehen habenwird. Gratz, den 30. Juni 1785.''&lt;br /&gt;
Zu diesem Ende bemerkt Karner in seiner Monographie: ''Wie diese Stiftung unter Zank und Streit entstanden war, so ging sie auch durch Zank und Streit zu Ende''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen guten Über- und Einblick in den Besitzstand, die finanzielle und wirtschaftliche Situation wie überhaupt das Stift als Ganzes vermittelt das am 18. Juli 1785 vom Kommissar aufgenommene Aufhebungsinventar. Das aufgehobene Stift verfügte über ein Aktivvermögen von 427.750 Gulden, ein Reinvermögen von 421.811 Gulden. Am 13. Dezember 1785 betraute das Innerösterreichische Gubernium den Konventualen Franz Anton Kuglmayr mit der Administration, da der Propst erkrankt war. Der Dechant des Stiftes, Joseph von Hirschthal, wurde Pfarrer und provisorischer Dechant von Pöllau, die übrigen Mitglieder, die nicht in die Seelsorge gingen, erhielten 300 Gulden Pension. Zur Zeit der Aufhebung des Stiftes gab es 29 Konventualen, von denen manche auswärtige Seelsorgeposten antraten. &lt;br /&gt;
Das Stiftsgebäude kam bis auf jenen Teil, der zur Wohnung der Geistlichkeit bestimmt war, samt allen Gütern und Gülten an den Religionsfonds. Nach dem Tod von Tauß 1790 wurde die Staatsverwaltung über das Gut eingerichtet, die Grundstücke mit Ausnahme der Waldungen wurden verpachtet. Der letzte Pächter begann 1935 mit Abverkäufen und überließ das Schloss 1941 der Marktgemeinde Pöllau , die es für Schulzwecke, Amtsräume, Privatwohnungen und Ausstellungen verwendet - 1994 fand hier die steirische Landesausstellung zum Thema Wallfahrten „Wege zur Kraft&amp;quot; statt. Der an die Kirche angrenzende Osttrakt ist Pfarrhof. &lt;br /&gt;
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts versuchten etliche ehemalige Mitglieder der Pöllauer Stiftsgeistlichkeit und die Bürgerschaft des Marktes eine Wiederherstellung des Chorherrenstiftes zu erreichen. Mit Hofkanzleiverordnung vom 3. Februar 1803 wurden die Versuche in dieser Richtung endgültig abgewiesen und den noch verbliebenen Chorherren die Möglichkeit gegeben, in das Stift Vorau einzutreten, wenn sie schon weiterhin in einer Kommunität leben wollten. Damit war das letzte Kapitel der Pöllauer Stiftsgeschichte endgültig zugeschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Graf Christoph dem neuen Kloster Schloss und Feste Pöllau mit allem Zubehör sowie zahlreiche Ämter von der Neuberger Herrschaft Pöllau. Der genaue Umfang der Stiftsherrschaft ist in der Gründungsurkunde vom 28. August 1504 festgehalten. Der Aussteller widmete für das Stift Schloss und Feste Pöllau mit allem Zubehör und das Amt Prätis und das Amt des Perstler, beide in der Pöllauer Pfarre, das Sprenghofer Amt am Rabenwald, das Amt zu Dienersdorf und Hofkirchen , das Amt Schildbach in der Pfarre Hartberg, das Amt zu Miesenbach und Kaindorf, das Amt Strallegg, das Amt Ratten, das Amt in der Pfarre St. Jakob, das damals Peter Pock an der Brandstatt innehatte, das Amt auf der Öd in der Birkfelder Pfarre, weiters alle Fischwasser, Wälder, Forste und Almen, die zum Schloss gehörten, den Wildbann, die Zehente, den Anteil am Landgericht Waldbach etc. Er übergab seine Stiftung dem Schutz und der Vogtei des Kaisers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Propst Mistelberger ging es wirtschaftlich langsam bergauf und der Propst konnte, um das Stiftseinkommen zu heben, die 1502 von Gräfin Elisabeth an Georg von Rottal, Freiherrn zu Thalberg, versetzten drei Ämter Ratten, Waldbach und das Ödamt bei Birkfeld wieder zurücklösen. &lt;br /&gt;
Den gesamten Besitzstand listet erstmals das Leibsteuerregister von 1527 auf. Dieses verzeichnet mehr als 500 Holden in 14 Ämtern: Markt Pöllau, Kalchegg, Prätis, Hofkirchen, Kaindorf, Ratten, Waldbach, Strallegg, Anger, Weiz, Oberrohr, Unterrohr, Schildbach und Hatzendorf, zusammen mit einer Summe von 122 Pfund 4 Schilling 8 Pfennig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Niedergang ließ aber nicht lange auf sich warten. Da König Ferdinand nach der Belagerung Wiens durch die Türken zur Verteidigung des Landes Geld brauchte, forderte er mit Genehmigung des Papstes den vierten Teil des gesamten Kirchengutes, die ,,Quart&amp;quot; - seien doch die Klöster und Pfründen für die Erhaltung des christlichen Glaubens gegründet worden. Das Stift Pöllau musste 1530 dem Siegmund von Dietrichstein, Besitzer der Herrschaft Thalberg, die beiden großen Ämter Ratten und Waldbach, die Propst Mistelberger 17 Jahre vorher von Thalberg zurückgelöst hatte, um 2.292 Pfund verkaufen und im gleichen Jahr an das Stift Neuberg an der Mürz das Amt Rodaun unweit Baden bei Wien, das Katharina Stubenberg 1339 der Pfarrkirche Pöllau geschenkt hatte. Diesen drei großen Gülten folgten noch einige kleinere zur Tilgung der restlichen Quartschuld. Alles musste weit unter dem wirklichen Wert abgestoßen werden. &lt;br /&gt;
Propst Muchitsch hatte in wirtschaftlichen Dingen eine weniger glückliche Hand. Als ihm die Regierung Misswirtschaft vorwirft, rechtfertigt er sich, er habe 5.000 Gulden in guten Doppeldukaten nach Pöllau mitgebracht und damit die Propstei gespickt, habe ferner trotz Missernten, Kriegszeiten, unerschwinglicher Steuern - die Gültsteuer ist inzwischen auf das Vierfache der Gült gestiegen - und Feuersbrunst das Vermögen des Stiftes um 6.000 Gulden vermehrt und ''das Klöster/zu solchem Pau erhöht, dass nit ein Ertl ist, das baufälligist''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1596 kam es zu einem ersten großen Ämtertausch mit Hans Stadler. Pöllau gab das Sprenghoferamt und das Amt Öd bei Anger und erhielt dafür die Stadlischen Ämter Strallegg und Miesenbach. Im Jahr 1602 gelang es Propst Ritter, die 1596 verkauften Ämter Sprenghofer und Öd wiederum durch Kauf dem Stift zuzuführen. Auch weitere größere Zukäufe erbrachten zu Beginn des 17. Jahrhunderts einen entscheidenden Zuwachs an Stiftsgütern, so 1604 das Stubenberger Amt Strallegg und 1607 die Untertanen in Kleinschlag. Schließlich war es Propst Perkhofer, der 1647 das Stadlische Amt Prätis und1650 Gut und Schloß Külml bei Anger erwerben konnte, das ab 1688 von den Pröpsten Maister und Ortenhofen für die Chorherren als Erholungsort ausgebaut und 1690 von Antonio Maderni mit Fresken ausgestattet wurde. &lt;br /&gt;
Ein weiterer wesentlicher Zuwachs erfolgte durch den Erwerb der umfangreichen Herrschaft Welsdorf bei Fürstenfeld, wo das Stift einige Weingärten besaß. Diese kaufte Propst Ortenhofen bald nach seinem Amtsantritt 1701 von Johann Ernst von Gera. Die Herrschaft erlitt nur drei Jahre später beim Kuruzzeneinfall von 1704 schwere Schäden. Das Stift baute das Schloß Welsdorf als Sommersitz für die Chorherren aus. &lt;br /&gt;
Neben diesen Besitzerweiterungen der Grundherrschaft kam es im Lauf der Zeit auch zu einigen Ankäufen von Häusern in Graz und Hartberg. Da für den Propst als Mitglied des Landtages und für die Novizen zum Besuch des Gymnasiums bzw. der Universität längere Aufenthalte in Graz unabdingbar waren, kaufte Propst Praithofer 1638 ein Haus in der Herrengasse, danach „Pöllauerhof&amp;quot; genannt, das 1721 als überflüssig wieder abgestoßen wurde, weil ein Jahr zuvor, 1720, von Propst Ortenhofen der „Pöllauerhof&amp;quot; am Mehlplatz angekauft worden war. Ihn verkaufte Propst Rain 1783 als letzte Pöllauer Besitzung in Graz kurz vor der Stiftsaufhebung. &lt;br /&gt;
In der nahe gelegenen Stadt Hartberg erwarb Propst Maister 1684 von Graf Siegmund von Steinpeiß ein Freihaus in der Hofgasse, das jedoch schon sein Nachfolger Ortenhofen 1720 weiterverkaufte. Dieses so genannte „Steinpeiß-Haus&amp;quot; beherbergt heute ein Museum. Eine große Einnahmequelle verschaffte sich Propst Maister dadurch, dass er Kaiser Leopold zu bewegen verstand, ihm zweimal auf fünf Jahre (1676-1686) die Stadtpfarre Hartberg zu verleihen, und mit dem Eintritt der jungen Brüder Philipp und Georg Ritter von Wertelsberg im Jahr 1695 kamen rund 120.000 Gulden als Erbgut an das Stift. 1674 vermachte die Gräfin Erdödi dem Stift testamentarisch 1.000 Gulden. Kein Wunder, dass Propst Maister mit den vorhandenen Geldern den Stiftsbesitz durch Zukäufe vergrößern und vor allem eine großangelegte Bautätigkeiten entfalten konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Ortenhofen wirtschaftete im Sinne seines Vorgängers weiter, doch als er 1743 starb, folgte auf diese Blütezeit ein jäher Niedergang. Propst Breuner (1744-1776) hielt sich vorwiegend in Graz auf und überließ die Leitung des Stiftes dem Dechant. Die intimen Berater von Propst Rain, die beiden Chorherren Matthäus Scherf und Ferdinand Wirth, redeten dem Propst die Verpachtung der Wirtschaft ein, womit der Untergang des Stiftes Pöllau im Jahr 1783 begann. &lt;br /&gt;
Zur Zeit der Stiftsaufhebung befanden sich die Pöllauer Untertanen in 17 Pfarren: Pöllau, Pöllauberg, Strallegg, Miesenbach, Birkfeld, Koglhof, Anger, Stubenberg, Kaindorf, Pischelsdorf, Hartberg, Grafendorf, Ratten, St. Jakob im Walde, Fischbach, Wenigzell und Vorau. Das Visitationsprotokoll von 1544 wie auch die von Propst Mitterhauser 1568 vorgelegte Zusammenstellung aller Einkünfte und Ausgaben vermitteln einen guten Einblick in die Stiftswirtschaft. Das wirtschaftliche Zentrum des Stiftes war der Meierhof. Dieser lag außerhalb der Wehrmauer und des Wehrgrabens, wird schon 1459 genannt, wurde 1577 unter Propst Mitterhauser grundlegend umgebaut und wird 1802 als der einzige bei der Herrschaft befindliche Meierhof bezeichnet. Zum Meierhof gehörten zwölf Felder, weiters fünf Wiesen (1754), die zum Teil weit von Pöllau entfernt waren. An Wäldern besaß das Stift den Rabenwald, den Masenbergwald bei Vorau, den Hochburgwald bei Stubenberg, den Mäßwald an der Safen, den Eichleitenwald an der Safen, den so genannten Tutenwald neben dem Markt Pöllau und den Wald in der Steinleiten am Pöllauberg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht ohne Bedeutung für das Stift waren auch die Almwirtschaft sowie die Teichwirtschaft, im Zentrum derer die beiden großen Teiche in Winzendorf (früher „Eichleiten&amp;quot; -Teiche genannt) standen, wo sich auch das stiftische Teichhaus - um 1540 gebaut und einst mit einer Kapelle versehen - befindet. &lt;br /&gt;
Wirtschaftlich von geringerer Bedeutung war der Weinbau. Die meisten Weingärten lagen in Stiftsnähe: am Winzenberg, am Vockenberg, bei Hartberg usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
Wie in jedem Kloster war auch in dem erst spät gegründeten Pöllau ein Stiftsgebäude ohne Bibliothek wohl undenkbar, wenngleich für das 16. Jahrhundert überhaupt keine und für das 17. Jahrhundert nur ganz wenige Nachrichten vorliegen. Erst im ältesten noch erhaltenen Nachlassinventar, das am 24. Juli 1600 nach dem Tod des Propstes Peter Muchitsch aufgenommen wurde, finden sich die ersten Hinweise auf einen vorhandenen Buchbestand. Dort notierten die Kommissäre auf Blatt 4v: ''Inn der Probstei Stuben. Allerlay Püecher zu dem Gottshauß gehörig, sein bei 65 befunden worden''. Hier scheint es sich wohl primär um die Handbibliothek des verstorbenen Propstes Muchitsch gehandelt zu haben, der schon zu seiner Zeit an der Wiener Universität als entschiedener Kämpfer gegen die Tübinger lutherischen Theologen aufgetreten ist und zahlreiche Streitschriften verfaßte, die natürlich Entgegnungen zur Folge hatten, sodass dieser Propst überregionale Bekanntheit genoss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des weiteren notierten die Kommissäre im Inventar auf Blatt 6r überraschenderweise eine Studierstube mit eigenem Bücherbestand: ''Inn Studorio. Item bey 98 allerlay gross und claine Püecher''. Und erst auf Blatt 9v wird ein eigener Bibliotheksraum ausgewiesen: ''Inn der Liberej. Allerlay allte Püecher bei 160, darunndter die maisten juristisch''. Es ist dies der erste Beleg für die Existenz der Klosterbibliothek. Als Propst Ortenhofen im Jahr 1689 in Pöllau eintrat, gab es, wie er selber schreibt, keine ordentliche Bibliothek. Die Bücher waren in einer alten Kammer mit einem einzigen Fenster untergebracht. Die spätere Stiftsbibliothek war in Propst Maisters (1670-1696) Plan für das neue Stiftsgebäude miteinbezogen. Der Bau wurde von 1690 bis 1696 auf- und von seinem Nachfolger Ortenhofen 1698 zu Ende geführt. In den Raum im Mitteltrakt, heute als Festsaal in öffentlicher Benützung stehend, gelangt man durch ein von Remigius Homer um 1720 geschaffenes, prächtiges Holzportal. Die Decke des weiträumigen Saales ist zur Gänze mit Fresken von Antonio Maderni aus 1698 geschmückt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Aufhebungs-Inventar von 1785 verzeichnet unter Nr. 48 auch ''Die Bibliothek und führt 10 fournirte Bücher-Kasten mit vergöldten Zierathen und Kirchen Lehrer'' im Schätzwert von 100 Gulden an sowie fünf kleinere Kästen zu je einem Gulden; zum Buchbestand fehlt jegliche Notiz. Weiters notierten die Aufhebungskommissäre in der Bibliothek zwei Globen, zwei ''Bücher Windten'' und ein ein Klafter langes ''Einhorn in einem Futerall''. &lt;br /&gt;
Keiner der hier einst aufgestellten Bücherschränke blieb erhalten wie überhaupt das einst auf ihnen abgestellte Buch gut zur Gänze verloren ging und sich die Pöllauer Bibliothek mit der Stiftsaufhebung förmlich in das Nichts auflöste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau- und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
Mit der Gründung des Chorherrenstiftes zog im Jahr 1504 als erster Propst der Vorauer Chorherr Ulrich von Trautmannsdorf mit einigen aus Vorau mitgenommenen Chorherren in die alte Burg der Stubenberger ein, die bis zum Ende des 17. Jahrhunderts als Stiftsanlage dienen sollte. Sie übernahmen eine Wasserburg, deren Gräben noch 1640 mit Wasser gefüllt waren und von der wichtige Mauerteile noch heute an der West- und Südseite des Stiftsgebäudes zu sehen sind. In dieser mittelalterlichen Burg war anfänglich wenig Raum vorhanden, wohnten 1504 doch noch 40 Hausangestellte in der Burg, und auch Graf Christoph von St. Georgen-Pösing hatte hier auf Lebenszeit seine Wohn- und Genussrechte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An einen Um- bzw. Erweiterungsbau war anfänglich auch aus finanziellen Gründen nicht zu denken. Erst 1513 konnte Propst Mistelberger im Nordtrakt einen Erweiterungsbau aufführen, ansonsten scheint das ganze 16. Jahrhundert hindurch die Bautätigkeit geruht zu haben. Die Visitationskommission beurteilte 1544 den baulichen Zustand folgendermaßen: ''Das Closter oder Gotshauß ist auch in zimblichen gueten Paw und derzeit an denselben der Gelegenhait und Nodturfft nach khain Mengl befunden''. Selbst Propst Muchitsch (1586-1600) lobte den Bauzustand, als ihm die Regierung Misswirtschaft vorwarf, dass er das Vermögen des Stiftes um 6.000 Gulden vermehrt und ''das Klösterl zu solchem Pau erhöbt, dass nit ein Ertl ist, das baufälligist''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst gegen 1630 ließ Propst Praithofer ein neues Refektorium errichten und die Prälatur umbauen. Das heutige Zweihöfesystem wurde um 1645 geschaffen, doch erst unter Propst Maister (1669-1696) war es möglich, an einen Neubau der gesamten Stiftsanlage zu denken. Propst Maister begann schon 1677 mit dem Neubau des Getreidespeichers und errichtete 1695 neben dem 1577 erbauten Meierhof ein neues Meierhaus. Der Nordtrakt erhielt nun zwei Obergeschosse; der Nord- und Osttrakt konnten gegen 1694 abgeschlossen werden. Der nächste Schritt war nun bis 1698 der Neubau des Mitteltraktes mit der Hofkanzlei und darüber der Stiftsbibliothek. &lt;br /&gt;
Noch in die Zeit von Propst Maister fällt die erste Planungsphase der gesamten Stiftsanlage, die 1670 begann und 1680 zur Zeit der Vischer-Stiche schon abgeschlossen war. So bringt uns Georg Matthäus Vischer die einzigen überlieferten Idealansichten des Stiftes, denen wohl die Originalpläne zu Grunde lagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleiche mit den Stiftsbauten von St. Lambrecht und der Basilika Mariazell lassen den Schluss zu, Propst Maister habe zuerst mit Domenico Sciassia geplant. Mit dessen Tod im Jahre 1679 wird wohl der Hauptteil der Planung bereits abgeschlossen gewesen sein. In Maisters Planung mag auch schon der Neubau der Kirche miteinbezogen gewesen sein, denn er selbst schildert in einem Schreiben an den Kaiser die engen Verhältnisse in der alten Kirche: Die Pfarre habe 5.000 Seelen. Das ''klein und eng Khürchel'', das baufällig ist, fasst aber kaum 2.000 Menschen. Bei großen Festen passiert es fast jedes Jahr, dass im Gedränge drei oder vier Kinder im Mutterleib erdrückt werden. Es komme auch öfters vor, dass der Priester zum Altar gar nicht durchkommt und wieder umkehren muss oder dass ihm der Kelch aus den Händen geschlagen wird. Es kann an den Festen niemand niederknien oder wegen des Geschwätzes ist das Predigen unmöglich. Beim Kommunion austeilen ist es durch die Drängerei schon passiert, dass der Priester die Hostien verschüttet hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Maister gebührt noch ein weiterer ganz besonderer Verdienst, nämlich die Förderung des steirischen Barockmalers Mathias von Görz. Er nahm den jungen Mathias, ein Waisenkind aus Gleisdorf, geboren1672, im Stift auf und ermöglichte ihm die Schulbildung. Als der Propst das bildnerische Genie in diesem Knaben erkannte, schickte er ihn zum Grazer Maler Mathias Echter, wo er wiederum auf Kosten des Stiftes seine Lehrzeit verbringen konnte. Anschließend folgten Studienreisen nach Italien und Wien, wo er entscheidende Kunstwerke kennenlernen und studieren konnte. So finden wir in Pöllau zahlreiche Hinweise auf seine ltalienaufenthalte und vor allem auf den Einfluss, den J. M. Rottmayr in Wien auf ihn ausübte. Wenngleich Propst Maister testamentarisch verfügt haben soll, Mathias von Görz mit den malerischen Arbeiten im Stift zu betrauen, so wurde doch noch von Maister selber der Grazer Maler Antonio Maderni für die Arbeiten auf Schloss Külml herangezogen. Als 1698 die Bibliothek fertig war, wurde Maderni auch zur Ausschmückung dieses Raumes bestellt und ihm auch die Ausgestaltung der Stiftskirche in Aussicht gestellt. Allein Maderni starb schon 1702, und schließlich kehrte Görz doch nach Pöllau zurück, wo ihm Ortenhofen sogleich den Auftrag für Stiftskirche und Sakristei übertrug. &lt;br /&gt;
Propst Maister erlebt die Fertigstellung des Stiftsgebäudes nicht, er stirbt 1696. Bis dahin sind aber wesentliche Teile fertig, so 1694 der gesamte Nordtrakt sowie große Teile von West- und Osttrakt. Erst 1698 kann der Mitteltrakt und damit die beabsichtigte Doppelhoflösung vollendet werden. Zu dieser Zeit ist der steirische Maurermeister Jakob Schmerlaib führend am Stiftsbau beschäftigt. Maisters Nachfolger, Propst Johann Ernst von Ortenhofen, setzt 1697 alles daran, um das Werk seines Vorgängers gut zu Ende führen zu können. Damit ist aber auch das Einfließen neuer Ideen sehr wahrscheinlich, ja geradezu verständlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen 1700 war es dann soweit, auch mit der Stiftskirche beginnen zu können. Nun aber wurde 1701 mit Joachim Carlone ein Bauvertrag geschlossen, dem der später bekannte Baumeister und Kunsttischler Remigius Homer als führender Baupolier unterstellt wurde. Die Hauptlast beim 1701 begonnenen Neubau der Stiftskirche trägt aber nicht der Baumeister Joachim Carlone – er kommt höchstens dreimal pro Jahr zur Überprüfung des Baufortschrittes nach Pöllau-, sondern ein Kollegium von zwei Baupolieren, wovon einer sicherlich der Pöllauer Remigius Homer war. Als Steinl-Schüler bringt er die Idee der geschwungenen Emporenbrüstungen nach Pöllau mit. In seinen eigenen Kirchenbauten kommen immer wieder Motive aus seinem Erstlingswerk, der Stiftskirche Pöllau, vor, aber auch sehr viel aus seiner Zeit bei Matthias Steinl. &lt;br /&gt;
Der zweite Polier könnte der Pöllauer Maurer Peter Schickh gewesen sein; er verstarb 1717 beim Bau der Pfarrkirche Pottendorf in Niederösterreich. &lt;br /&gt;
Joachim Carlone standen neben zwei Polieren 20 Gesellen und zwei Lehrjungen zur Verfügung, weiters standen die Pfarrbewohner mit Geld- und vor allem Robotleistungen hinter dem Kirchenbau. Noch 1701 wurde mit dem Heranbringen der Baumaterialien begonnen, wobei die Waldungen des Schlosses Lehenshofen am Rabenwald eine große Menge Bauholz einbrachten, während sich auch Stift Vorau mit entsprechenden Holzspenden einstellte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1712 war die Kirche innen so weit fertig, dass Mathias von Görz mit den Malereien beginnen konnte. Er begann in Kuppel und Konchen, führte die Arbeiten 1715 im Presbyterium fort und arbeitete von l. Mai bis 30. November 1718 am großen Gemälde der Langhaustonne. Aber schon am 12. Juni 1716 nahm Propst Ortenhofen die feierliche Benediktion der Stiftskirche vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun galt es noch, die Kirche mit Einrichtungsgegenständen zu versehen. Görz hatte 1715 einen gemalten Hochaltar errichtet, 1722 lieferte Hackhofer das Rosenkranzbild, dem 1723 bis 1724 die beiden Altarbauten in den Konchen folgten. 1724 kam der Apostelaltar, 1726 eine neue Glocke, 1727 der Dreikönigsaltar, 1730 eine weitere neue Glocke und schließlich 1739 die große Stiftsorgel von Johann Georg Mitterreither mit 24 Registern, womit sich die Ausstattung unter Propst Ortenhofen erschöpfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Baugeschichtlich von Interesse sind aber noch die Arbeiten am Stiftsgebäude. So wurde 1710 die Winterprälatur fertiggestellt. Sie befindet sich im Mitteltrakt zwischen Bibliothek und neuer Stiftskirche. Dieser Bau blieb ja vorerst unvollendet und konnte erst nach der Abtragung der alten Stiftskirche ergänzt werden. Gleichzeitig ließ Ortenhofen auch die Sommerprälatur mit dem Stiegenaufgang im kleinen Stiftshof umbauen. &lt;br /&gt;
Durch die Abtragung der alten Stiftskirche fehlte noch das Verbindungsstück zwischen Stiftsgebäude und neuer Kirche. Hier wurde 1723 die Sakristei fertig gestellt und darüber der Winterchor eingerichtet, während der Sommerchor hinter der großen Stiftsorgel eingebaut wurde. &lt;br /&gt;
Die Sakristei wurde erst 1723 fertig gestellt. Die Möbel wurden, unter Verwendung älterer Teile, von Remigius Homers Tischlerwerkstätte zusammengenstellt, die Gemälde stammen von Mathias von Görz. &lt;br /&gt;
Am großen Deckenbild wiederholt sich das Geschehen der Bilder im Langhaus und in der Kuppel der Kirche, nämlich die Kreuzerhöhung mit wörtlicher Wiedergabe der Kreuzszene vom Langhaus und die Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit. &lt;br /&gt;
Von ikonografischer Bedeutung aber ist das Programm der seitlich angebrachten Gemälde, Inschriften, Embleme und Allegorien. Sie haben eigentlich nur ein großes Ziel, nämlich die Ausdeutung des Priesterbildes der katholischen Kirche durch Vorstellung besonderer Heiligen, der Tugenden und Eigenschaften, sowie kleiner Lehrstücke in den Emblemen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Neubau des 1504 in die alte Burg Pöllau verlegten Chorherrenstiftes in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts ist die derzeit erhaltene Bauform errichtet worden. Es entspricht durchaus dem Willen und der Geisteshaltung der beiden Prälaten Maister und Ortenhofen, für diesen Stiftsneubau die besten zur Verfügung stehenden Kräfte als Berater gewählt und als ausführende Künstler eingestellt zu haben. Abgesehen von Stiftskirche und Sakristei hat sich von der alten Ausstattung trotz der Aufhebung des Stiftes 1785 dennoch manches erhalten, z. B. Kamin und Stuckdecke im ehemaligen Refektorium aus dem Jahr 1694 und vor allem die ehemalige Stiftsbibliothek, heute Festsaal, mit Deckenfresken der Allegorien geistlicher und weltlicher Wissenschaften, gemalt 1699 von Antonio Maderni nach dem Vorbild im Palazzo Barberini (Pietro da Cortona) in Rom. Das schöne Holzportal stammt wie die meisten noch erhaltenen Bildhauerarbeiten an Möbeln und Türen von Remigius Homer. Im Ecksaal der ehemaligen Prälatur (heute Musikschule) erblicken wir die letzten Deckenfresken des Mathias von Görz aus dem Jahr 1731, die Verherrlichung der Malerei darstellend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufhebung des Stiftes im Jahr 1785 hatte den Verlust des größten Teiles des Archivs zur Folge, indem ''das Archiv pfundweise hindan gegeben wurde''. Nur Weniges blieb erhalten wie z.B .verstreute Urkunden und Akten in fremden Archiven bzw. jener geringe Quellenbestand, der sich im Steiermärkischen Landesarchiv unter „Sonderarchiv Stift Pöllau&amp;quot; findet. Die Urkunden befanden sich im Besitz des Inhabers der Stiftsherrschaft, Ministerialrat Raimund Graf Lamberg, mit dessen Einverständnis sie Josef Karner 1852 dem Historischen Verein für Steiermark übergab, von dem sie in das Landesarchiv gelangten. Die als reines Wunschdenken bei vielen Geschichtsforschern vorherrschende Meinung, das Pöllauer Stiftsarchiv sei dem Stiftsarchiv Vorau übergeben worden und dort vorfindig, trifft leider nicht zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den grundherrschaftlichen Quellen fehlen sämtliche älteren Urbare bis zum Theresianischen Kataster von 1754 - abschriftlich liegen mehrere im Visitationsprotokoll von 1544 und in der Chronik von Ortenhofen vor. Nur aus dem 16. Jahrhundert blieben einige Auflistungen wie das Leibsteuerregister von 1527, die Gültschätzung von 1542 oder das Rauchgeld von 1572 im Original erhalten. &lt;br /&gt;
Ein besonderes Augenmerk scheint dem Archiv von den Pöllauer Chorherren nicht geschenkt worden zu sein, denn als der spätere Propst Johann Ernst von Ortenhofen 1689in das Stift eintrat, interessierte er sich sogleich für Archiv und Bibliothek. Was er vorfand, war für ein Haus dieses Ranges mehr als bescheiden: ''In einer alten Kammer mit einem einzigen Fenster waren die Bücher untergebracht''. Das Archiv war so eng, dass man die Dokumente auf den Boden legen musste. Kanzlei gab es überhaupt keine. &lt;br /&gt;
Im Nachlassinventar von 1600 nach dem Tod des Propstes Muchitsch wird nur so nebenbei als letzter Posten bei der Aufzählung des Silbergeschmeides vermerkt: ''Zwölf Schubladen, darinnen allerlay Urbaria, briefliche Urkhunden und Rechtshanndlungen das Gottshauß und die Unnderthanen der Probstey betreffent''. &lt;br /&gt;
Propst Ortenhofen (1697-1743) war der erste, der ein geordnetes Archiv einrichten ließ. Als im Jahr 1723 der kurze Verbindungstrakt zwischen dem Presbyterium und dem Osttrakt des Stiftes gebaut wurde, richtete man im ersten Stock einen eigenen Raum für das Archiv ein. Nicht wenige der dort aufbewahrten Schriftstücke blieben uns zumindest abschriftlich erhalten, denn zwischen 1715 und 1720 begann Ortenhofen mit der Abfassung einer kompletten Stiftsgeschichte, der Historica Descriptio Collegii Pöllensis, in der er sämtliche wichtigen Urkunden wörtlich wiedergibt, kommentiert und dazwischen auch so manche Tagesereignisse einfließen lässt. Von diesem Quellenwerk befindet sich je ein Exemplar im Steiermärkischen Landesarchiv und im Diözesanarchiv Graz. Zahlreiche Urkundenabschriften bringt weiters Joseph Karner in seiner Pöllau-Monographie, aufliegend als Codex 101 mit 1.042 Seiten in Folio-Format in der Vorauer Handschriftensammlung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Verlust des Archivs und der Bibliothek ist verständlicherweise auch die Anzahl der Ansichten relativ rar. Die bekannten seien kurz angeführt: &lt;br /&gt;
Die älteste Ansicht der Klosteranlage vor dem Umbau bringt Georg Matthäus Vischer in seinem 1681 erschienenen Schlösserbuch (Faksimile-Nachdruck 1975 Nr. 311; Nr. 312 u. 313 zeigen bereits den um 1670 begonnenen Um- bzw. Neubau in einer Idealansicht). Eine weitere Idealansicht des Stiftes findet sich im kleinen Freskensaal als Fresko.&lt;br /&gt;
Ein Wallfahrtsbildchen (Kupferstich) von Pöllauberg aus dem 18. Jahrhundert zeigt auch die ganze Stiftsanlage. Die fast idente Darstellung bringt das Altarblatt (Ölgemälde, 18. Jahrhundert) eines Seitenaltares in der Wallfahrtskirche Pöllauberg. Nicht uninteressant ist die inmitten des Marktes dargestellte Stiftsanlage auf einem Ölgemälde um 1840.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
=== Siegel ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das im Gründungsjahr 1504 des Stiftes angefertige Kapitelsiegel zeigt im reich mit Sternchen besäten Feld nebeneinander auf einem Stufenpodest stehend links in ganzer Gestalt die mit einer Laubkrone mit einem Bügel gekrönte und in einen langen Mantel gehüllte Muttergottes mit dem unbekleidete auf ihrem rechten Arm sitzenden Jesusknaben. Beide Gestalten sind nicht nimbiert. Rechts von ihr steht ihr zugewendet in einem fürstlichen langen Gewand, mit einer Kappe auf seinem von einem Strahlenschein umgebenen Kopf der heilige Veit. Er hält rechts einen Becher, aus dem eine kleine Flamme schlägt, und links die Palme der Märtyrer. Die kapitale Inschrift befindet sich auf einem zweigeteilten Schriftband, das um die Seitenlinie gewunden und an den Enden eingerollt ist: &lt;br /&gt;
SIGILLVM · CO(n)VENTUS / M / ONASTERII · Z(u) · POLAN&lt;br /&gt;
Zwischen den Köpfen der beiden Heiligen ist die Jahreszahl 1504 zu lesen. In der Umschrift sind alle Buchstaben N seitenverkehrt gestochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wappen ===&lt;br /&gt;
Das Pöllauer Kapitel unter Propst Johannes Mistelberger erhielt von Kaiser Maximilian I. einen Wappenbrief mit dem Privileg ein eigenes Stiftswappen führen zu dürfen. Die Urkunde darüber mit der Datierung 1514 III 18, Linz ist noch im Steiermärkischen Landesarchiv als Original erhalten.Es enthält eine genaue Beschreibung des verliehenen Wappens sowie zentral eine farbige Abbildung desselben. Die Blasonierung ist allerdings im zeitgenössischen heraldischen Gebrauch verfasst und auf den damaligen Propst bezogen. So werden die in den beiden oberen Außenfeldern dargestellten pflanzlichen Gebilde redend „Mistel&amp;quot; genannt. &lt;br /&gt;
Die heutige Wappenbeschreibung lautet: Geteilt, oben zweimal gespalten in drei Felder. In Feld 1 in Rot aus einer Pflanze mit grünen Blättern und einer Wurzel wachsend St. Veit, golden nirnbiert und in goldenem Unterkleid und einem über die linke Schulter geworfenen silbernen Mantel. Er trägt in der Rechten eine Märtyrerpalme von Silber und links den goldenen Ölkessel. In Feld 2 nach heraldisch links sehend ein roter Adler. In Feld 3 in Rot aus einer grünen Blüte mit Wurzel wachsend die Mutter Gottes mit einer silbernen Krone. Sie trägt auf ihrem rechten Arm und ihr zugewendet das unbekleidete Kind. Ihr Untergewand ist blau, der darüber geworfene Mantel von Silber. Ihre Linke hält ein Lilienzepter und beide Gestalten sind nimbiert. Unten in Schwarz nach heraldisch links laufend ein silberner Wolf mit einer roten Zunge und emporgereckter Lunte. Über dem Schild sind im Wappenbrief eine silberne Mitra und das Pedum dargestellt. &lt;br /&gt;
Der silberne Wolf geht auf das Stiftergeschlecht der Herren von Neidberg /Neuberg bei Hartberg zurück, die bis zu ihrem Erlöschen diese Wappenfigur in gleicher Tinktur führten. Die Herkunft des roten Adlers ist in der Beschreibung nicht angegeben, jedoch das Wappenbild Kaiser Maximilians als gefürsteter Graf zu Tirol.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
*Johannes Antonius Zunggo: Apocrisis seu responsio ad apologiam, qua asseritur clare perhiberi, quod iura fundationis collegii Pöllensis Can. Reg. in Styria L. B. de Neuperg solum radicaliter, principaliter vero Augustissimis Frideico IV. Imperatori et Maximiliano I. tunc Romanorum Regi deferenda sint. Graecii 1750.&lt;br /&gt;
*Aquilin Julius Caesar: Annales sucatus Sturiae. Band III. Viennae 1777.&lt;br /&gt;
*Albert Muchar: Geschichtliche Notizen des vormaligen lateranesischen Chorherrenstiftes Pöllau im Grätzer Kreise. In: Steiermärkische Zeitschrift N. F. 8. 1846, S. 90–101.&lt;br /&gt;
*Josef Chmel: Fraternitätsbuch des Chorherrenstiftes Pöllau in der Steiermark. In: Notizenblatt. Beilage zu Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. Wien 1857, S. 248–251 und 261–264.&lt;br /&gt;
*Franz Pichler: Die Urbare, urbarialen Aufzeichnungen und Grundbücher der Steiermark. Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchivs. Band 3/II. Graz 1977, S. 1065–1071.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Hutz: Die Urkunden des Stiftes Vorau 1161–1600. Quellen aus steirischen Archiven Band 1. Graz 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
*Gottfried Allmer: Geschichte des Marktes Pöllau. Pöllau 1993.&lt;br /&gt;
*Gottfried Allmer: Stifts- und Pfarrkirche St. Veit in Pöllau (Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 224). Salzburg 1995.&lt;br /&gt;
*Karl Amon: Die Chorherrenstifte der Steiermark. In: In Unum Congregati 35. 1988, S. 21–33.&lt;br /&gt;
*Robert Barvalle: Burgen und Schlösser der Steiermark. Graz 1961, S. 223–225.&lt;br /&gt;
*Walter Brunner: Strallegg. Strallegg 1995, S. 207–211.&lt;br /&gt;
*Franz Xaver Durach: Das Augustiner-Chorherrenstift Pöllau. Masching. theol. Diss. Graz 1952.&lt;br /&gt;
*Alfons Egle: Geschichte des Marktes Pöllau in Steiermark. Graz 1893.&lt;br /&gt;
*Susanne Haupt: Das Steinpeißhaus. In: Steinpeißer. Zeitschrift des Historischen Vereins Hartberg 4. 1996/97, S. 3–7.&lt;br /&gt;
*Stephan Hiero: Propst Mudlitsch von Pöllau . Ein Lebensbild in der Zeit der Gegenreformation. Masching. theol. Diss. Graz 1952.&lt;br /&gt;
*Rudolf Höfer: Die landesfürstliche Visitation der Pfarren und Klöster in der Steiermark in den Jahren 1544/1545. Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, Band 14. Graz 1992.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Hutz: Miesenbach in Vergangenheit und Gegenwart. Miesenbach 2003, S. 161–256.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Hutz: Archiv und Bibliothek des einstigen Chorherrenstiftes Pöllau. In: Blätter für Heimatkunde Steiermark Band 78. 2004, S. 119–123.&lt;br /&gt;
*Adalbert Klaar: Zur Baugeschichte des ehemaligen Chorherrenstiftes Pöllau. In: Blätter für Heimatkunde 40. 1966, S. 8–14.&lt;br /&gt;
*Konrad Kniely: Der Name „Pöllau&amp;quot; und seine Verwandten. In: Blätter für Heimatkunde 8. 1930, S. 50–54.&lt;br /&gt;
*Rochus Kohlbach: Die Stifte Steiermarks. Ein Ehrenbuch der Heimat. Graz 1953.&lt;br /&gt;
*Johann Köhldorfer: Besitzgeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Pöllau, 2 Bände. Diss. Graz 1984.&lt;br /&gt;
*Peter Krenn: Die Oststeiermark. Österreichische Kunstmonographie Band XI.Salzburg 1981, S. 219–223.&lt;br /&gt;
*Kurt Kühndl: Die Kontroverse des Pöllauer Propstes Peter Muchitsch mit den Württemberger Theologen in den Jahren 1588/90.  Diss. Graz 1957.&lt;br /&gt;
*Robert Meeraus: Die ehemalige Stiftskirche von Pöllau und ihr Maler Mathias von Görz, masching. phil.Diss. Graz 1925.&lt;br /&gt;
*Robert Meeraus: Die Bedeutung von Pöllau für die Kunstgeschichte in Steiermark. In: Blätter für Heimatkunde 8. 1930, S. 46–50.&lt;br /&gt;
*Albert Muchar: Geschichtliche Notizen des vormaligen lateranensischen Chorherrenstiftes Pöllau im Grätzer Kreise. In: Steiermärkische Zeitschrift N. F. 8. 1846, S. 90–101. &lt;br /&gt;
*Hans Pirchegger: Der heilige Veit in Steiermark. In: Aus Archiv und Chronik. Blätter für Seckauer Diözesangeschichte 3. 1950, S. 33–36. &lt;br /&gt;
*Kulturreferat der Marktgemeinde Pöllau (Hg.): Vergangenheit und Gegenwart. Pöllau 1977.&lt;br /&gt;
*Fritz Posch: Die Besiedlung des Pöllauer Kessels ... In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark 78. 1987, S. 15–67.&lt;br /&gt;
*Fritz Posch: Geschichte des Verwaltungsbezirkes Hartberg. Band II. Graz-Hartberg 1990, S. 368–396.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort Friesach wird mit der Schenkung Kaiser Ludwigs an das Erzstift Salzburg im Jahr 860 erstmals als ''ad Friesah'' genannt. Als Ableitung wurden das slowenische ''breg'' (Rain) bzw. ''breza'' (Birke) in Erwägung gezogen. Demnach würde es entweder den Ort bei den Rainern, am Ufer des Flusses Metnitz, oder den Ort bei den Birken bezeichnen. Die Namensformen des Chorherrenstifts in Friesach hängen mit der wechselvollen Geschichte der geistlichen und sozialen Institutionen, die vor der Gründung des Stiftes an diesem Ort existierten, eng zusammen. Um 1121 wird an dem Ort des späteren Chorherrenstifts ein Hospiz (''xenodochium'') und eine Kirche begründet, wobei das Patrozinium der Kirche rund 20 Jahre später erstmals in den Quellen mit Maria Magdalena genannt wird. Die Räumlichkeiten des noch vor dem Jahr 1275 verlegten Hospizes übernahm die Vereinigung der Beginen, die in den Quellen als „Schwestern von St. Mauritzen&amp;quot; (''sororibus, que dicitur de sancto Mauricio'') erscheinen. Die Kirche Maria Magdalena hatte spätestens seit dem 3. Viertel des 13. Jahrhunderts ein Doppelpatrozinium inne. Die in den Quellen nicht unmittelbar belegte Identität des Ortes ergibt sich anhand der Gründungsurkunde für die regulierten Augustiner-Chorfrauen in Friesach aus dem Jahr 1323: Die Chorfrauen des „Klosters Maria Magdalena&amp;quot; (''Monasterio nomen et titulum praetatae S. Mariae Magdalenae'') übernehmen das Haus, das einst die Mauritianerinnen (''quedam mulieres beginae, quae tune Mauritianae vocabantur'') innegehabt hatten. In der Folge wird die Vereinigung zumeist als „Kloster St. Maria Magdalena&amp;quot; bzw. als „Chorfrauen von St. Maria Magdalena&amp;quot; bezeichnet, teilweise mit dem Zusatz „Neustift&amp;quot;. Die Bezeichnung St. Mauritius ist für 1401 belegt. Das 1464 gegründete Augustiner-Chorherrenstift hingegen erscheint in den Quellen sowohl als „Kloster St. Maurizen&amp;quot; (''monasterium ... ad S. mauricy'') als auch als „Kloster Sankt Maria Magdalena&amp;quot;(''... closters zu sand Maria Magdalen ...''). Nach dem Ende des Stifts 1513 blieb die Propstei dem Namen nach bestehen. Die Titularpropstei wird zumeist als „Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen&amp;quot; bezeichnet, wenngleich die Weglassung des einen oder anderen Doppelnamens belegt ist. Im 18. Jahrhundert begegnet als Sammelbegriff auch die Bezeichnung ''praepositura S. Mauritii et Sociorum''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische Topographie ==&lt;br /&gt;
Die Stadt Friesach liegt rund 50 km nördlich der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt im politischen Bezirk St. Veit knapp an der Grenze zur Steiermark (SG Friesach, KG Friesach, VB St. Veit a. d. Glan) auf 637 m Seehöhe im breitesten Abschnitt des Metnitztales. In das Jahr 860 datiert die erste urkundliche Erwähnung Friesachs mit der Schenkung des Hofes Friesach an den Salzburger Erzbischof Adalwin durch Kaiser Ludwig. Kirchlich gehörte Friesach bis zur Loslösung des Bistums Gurk aus dem Salzburger Suffraganverband 1786/87 zur Salzburger Diözese. Seit dieser josephinischen Diözesanreform ist es Teil der Diözese Gurk. In weltlicher Hinsicht war Friesach bis 1535, als die Salzburger Erzbischöfe zugunsten der Habsburger Herzöge auf die Landeshoheit verzichteten, eine salzburgisch erzbischöfliche Stadt und unterstand dem Salzburger Erzbischof in weltlicher und geistlicher Hinsicht. Die Verbindung zu Salzburg dauerte bis in das Jahr 1803, als im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses die salzburgischen Außenbesitzungen an die Habsburger fielen. Das Chorherrenstift Maria Magdalena in Friesach, das nur 49 Jahre existierte (1464-1513), war eine Gründung des Salzburger Erzbischofs Burkhard und unterstand in geistlicher und weltlicher Hinsicht dem Metropoliten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patronzinen ==&lt;br /&gt;
Südlich des Chorherrenstifts befand sich die Kirche mit dem Doppelpatrozinium Maria Magdalena und St. Mauritzen. Die Kirche wurde bei einem Brand 1804 vollständig vernichtet und nicht wieder aufgebaut, so dass der Standort der Kirche heute nur mehr annähernd zu bestimmen ist. Das Patrozinium Maria Magdalena wird für Friesach um 1139 erstmals urkundlich erwähnt (''super altare beate Marie Magdalene''). Maria Magdalenas sterbliche Überreste sollen im 9.Jahrhundert in das Kloster in Vezelay überführt worden sein. Ab dem 11. Jahrhundert wurde dieses Kloster zu einem Wallfahrtsort, ab dem 13. Jahrhundert entstanden im deutschen Sprachraum Magdalenen-Orden für Büßerinnen und reuige Frauen. Als Attribute führt Maria Magdalena das Kreuz, ein Salbgefäß, eine Geißel oder Musikinstrumente. Das zweite Patrozinium ist in Friesach für das Jahr 1275 durch eine Besitzübertragung an die Schwestern von St. Mauritzen belegt, die bis 1323 das später von den Augustiner-Chorherren bewohnte Gebäude innehatten. Mauritius erlitt das Martyrium unter Maximianus, dem Mitregenten des römischen Kaisers Diokletian, bei Agaunum, dem heutigen St. Maurice im Wallis. Bereits im 6.Jahrhundert wurde am Ort des Mysteriums ein Kloster errichtet, das im 11. Jahrhundert die Augustiner-Regel annahm. Mauritius wird als dunkelhäutiger Ritter dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichtlicher Überblick ==&lt;br /&gt;
Dem Augustiner-Chorherrenstift Maria Magdalena war nur eine kurze Existenz von knapp 50 Jahren gegönnt. 1464 wurde es von Erzbischof Burkhard von Salzburg gegründet, bereits 1513 durch den Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach wieder aufgehoben. Die Augustiner-Chorherren übernahmen mit der Kirche und dem Stift Maria Magdalena jedoch eine geistlich-soziale Institution, die auf eine mehrere Jahrhunderte währende, bewegte Geschichte zurückblicken konnte. Bereits um das Jahr 1121 hatte Erzbischof Konrad von Salzburg an dem späteren Ort des Stiftes ein Hospital (''xenodochium'') gestiftet, neben dem er eine hölzerne Kirche erbauen ließ. Ein Patrozinium für diese Kirche ist noch nicht genannt, erst um 1139 erscheint die Kirche Maria Magdalena in den Quellen. Das Hospital wurde ebenfalls um 1139 dem Kloster Admont übertragen, diesem aber 1187 wieder entzogen und dem neu gegründeten Kollegiatstift St. Bartholomäus übergeben, dessen Kanoniker auch die Kirche Maria Magdalena mitbetreuen sollten. Doch bereits vor 1240 befand sich der Deutsche Orden im Besitz des Hospitals samt der dazugehörigen Kirche. Vor 1272 übersiedelte der Deutsche Orden an den südlichen Stadtrand von Friesach, wo sich bis heute das Deutsche-Ordens-Spital befindet. In das nunmehr verlassene Hospiz zog der nicht regulierte Frauenorden der Beginen ein. 1275 werden sie als ''sororibus, qui dicuntur de sancto Mauricio ibidem commorantibus'' genannt. Diese Vereinigung von Witwen und unverheirateten Frauen widmete sich karitativen Diensten. Sie waren keiner Ordensregel unterworfen und unterstanden der weltlichen Gerichtsbarkeit. Das Vermögen des Hospiz wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts durch Güterschenkungen verschiedener Ministerialenfamilien, deren weibliche Angehörige vermutlich dort lebten, vermehrt. Wer zu diesem Zeitpunkt die Kirche betreute, ist den Quellen nicht zu entnehmen, jedoch war den Säkularkanonikern von St. Bartholomäus 1187 diese Aufgabe übertragen worden, so dass anzunehmen ist, dass die Kanoniker von St. Bartholomäus die Kirche Maria Magdalena liturgisch versorgten. Der von Papst Klemens V. 1311 verbotene Beginenorden wurde auch in Friesach aufgelöst. Erzbischof Friedrich von Salzburg begründete 1323 an Stelle der ehemaligen, eher ärmlichen Räumlichkeiten (''domus exilis'') der Friesacher Beginen ein reguliertes Augustiner-Chorfrauenstift. Die priesterlichen Ämter im Kloster sollten von zwei Priestern des Kollegiums von St. Bartholomäus gehalten werden. An besonderen Festtagen sollte der Dekan selbst die Eucharistie feiern und die Beichte abnehmen. 1334 wurde das Stift von Erzbischof Friedrich mit zusätzlichen Pfründen ausgestattet, die dem Unterhalt von zwei Kaplänen zugutekommen sollten. Da das Stift auf Grund und Boden der Kanoniker von St. Bartholomäus stand und über eigene Begräbnis- und Pfarrechte verfügte, wurden im Gegenzug die Kanoniker von St. Bartholomäus vom Erzbischof entschädigt. Bis gegen Ende des 14. Jahrhunderts florierte das Stift, wie zahlreiche Schenkungsurkunden bezeugen. Namentlich bekannt sind aus dem 14. Jahrhundert die Nonnen Katharina und Elisabeth, in der vermutlich die spätere Äbtissin Elsbeth Markravin (bezeugt für 1354, 1356) zu sehen ist. 1403 wird mit Margareta eine weitere Chorfrau namentlich genannt, die vermutlich ident ist mit der späteren Meisterin Margareta Apotkarin (bis 1411). Aus dem Jahr 1341 datierte ein Filiationsbrief mit dem Gurker Domkapitel, die einzige bekannte Verbrüderung des Chorfrauenstifts, der sich jedoch nur als Regest erhalten hat, so dass über den Inhalt nichts Näheres bekannt ist. Erst an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert und mit einem vernichtenden Brand 1423 kam es zum Niedergang des Stiftes. 1443 verstarb Brigitta Moosburgerin, die 1411 von Erzbischof Eberhard ernannte Äbtissin. Noch 1448 war das Amt der Äbtissin vakant. Für das Jahr 1451 wird als Meisterin des Stifts Dorothea Huczingerin als bereits verstorben genannt, so dass nur zu vermuten bleibt, dass sie dieses Amt kurz nach 1448 angetreten hatte und nur wenige Jahre ausübte. Der umfangreiche Besitz des Stiftes wurde von Stiftsschaffern besorgt, von denen vier namentlich bekannt sind: 1379 kommt es zwischen dem Stift und dem gewesenen Amtmann Jakob von Moserin wegen wechselseitiger Ansprüche zu einem Vergleich. 1443 übte Ludwig, Pfarrer von Sagritz, das Amt des Schaffers aus, 1448 finden wir Hans Walichseder in dieser Position. 1451 hatte mit Balthasar Waldecker ein Mann dieses Amt inne, der zugleich als Vizedom von Friesach fungierte und somit in der weltlichen Verwaltung als Stellvertreter des Salzburger Erzbischofs fungierte. Pläne zur Wiederbelebung des Frauenstiftes blieben erfolglos, so dass 1464 Erzbischof Burkhard an Stelle des Frauenstifts ein reguliertes Augustiner-Chorherrenstift errichtete. Über die Statuten und Lebensweisen in der Propstei ist keine Nachricht erhalten, jedoch lässt der Zeitpunkt der Gründung daran denken, dass ein Zusammenhang mit der ab dem frühen 15. Jahrhundert im süddeutschen-böhmischen Raum wirksamen Raudnitzer Reformbewegung gegeben ist. Ähnlich der „Melker Reform&amp;quot; der Benediktinerklöster wurde die Augustinerregel von der Propstei Raudnitz an der Elbe reformiert und dabei die, die religiöse Haltung des Spätmittelalters stark beeinflussende ''devotio moderna'' ausgebildet. Erster Propst in Friesach wurde der regulierte Augustiner-Chorherr [[Johann Junge]]. Erzbischof Burkhard übertrug ihm am 31. August 1464 die Administration des Klosters in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten mit allen Rechten und Pflichten(...'' administrationem spiritualium et temporalium'' ... ).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Statt Friesach (Merian).jpg|mini|400px|Statt Friesach, ''Kupferstich 1679''&amp;lt;br /&amp;gt;''Matthaeus Merian, Topographia Provinciarum Austriacarum'']]Die kurze Geschichte des Chorherrenstiftes ist quellenmäßig eher schlecht zu fassen. Neben der Gründungsurkunde im Haus-, Hof-und Staatsarchiv in Wien und der Aufhebungsurkunde im Kärntner Landesarchiv in Klagenfurt sind nur wenige Regesten von Verleih- bzw. Kaufbriefen im Salzburger Repertorium, Cameralabteilung XX im Haus-, Hof-und Staatsarchiv überliefert. Über die wirtschaftliche Situation des Chorherrenstiftes informiert ferner eine Rechnungslegung aus dem Jahr 1476, die allerdings nicht den gesamten Besitz umfasst und im Kärntner Landesarchiv aufliegt. Somit sind die Wirtschaftsverhältnisse zumindest dürftig beleuchtet, während Hinweise auf die spirituellen Aufgaben und Abläufe im Stift völlig fehlen. Jeweils 1464 und 1478 kam es durch den namentlich nicht genannten Stiftsschaffer zu Kaufrechtsverleihungen von Gütern des Klosters St. Mau ritzen. 1495 erfolgten zwischen Propst Johann und zwei Friesacher Bürgern Vergleiche wegen strittiger Besitzungen in Friesach, wobei die Streitobjekte unter anderem in einer Mühle unter dem Geiersberg und in einem Haus mit Garten in Friesach bestanden. Noch 1498 stand der 1464 eingesetzte Propst Johann dem Stift vor, wie aus einem weiteren Vergleich hinsichtlich einiger Kaufrechte an Gütern in und um Friesach hervorgeht. 1502 begegnet Propst [[Christoph]] in einer Verleihurkunde, 1510 ist der letzte Propst [[Augustin Pollinger]] bezeugt. 1513 wurde die geistliche Institution, die sich am Vorabend der Reformation als nicht lebensfähig erwies, aufgelöst. Der letzte Propst Augustin Pollinger erhielt als Kompensation die Kaplanstelle in der Virgilikapelle im Fürstenhof zu Friesach sowie Einkünfte von acht Pfund Pfennig, die ihm der Verweser des Klosters aus dessen Einkünften zukommen lassen sollte. Die Einkommen sollten ihm nur dann entzogen werden können, wenn er mit einer gleich hohen Pfründe entschädigt würde. Nominell bestand die Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen jedoch weiter. Künftig wurden die Propstei und deren Einkünfte von einem Verweser verwaltet. Zwischen 1513 und 1525 sind weitere Verleihungen und Verkäufe an das Stift bezeugt. 1525 wird eine Hube aus dem Besitz von St. Mauritzen durch Erzbischof Matthäus Lang vergeben. Man kann darin einen Hinweis sehen, dass das als Titulaturpropstei fortbestehende Amt nicht besetzt gewesen war. Doch bereits 1528 wurde eine Hube vom namentlich nicht genannten Propst des Klosters verliehen, 1537 hatte der Salzburger Kapitelherr [[Peter Renn]] diese Würde inne. Im 16. Jahrhundert standen zumeist Salzburger Kapitelherren im Genuss der nicht gering dotierten Pfründen, während im 17. Jahrhundert die Bischöfe von Seckau damit ausgestattet waren. Um die Zahlung der Quart als Türkensteuer entbrannte ein jahrelanger Konflikt zwischen Landesfürst und Propst Peter Renn, der erst 1533 mit einem Erfolg für St. Mauritzen endete. Die Propstei wurde dabei als Salzburger Kammergut bezeichnet. Die Pröpste von St. Mauritzen konnten weiterhin die hohe Pfründe von rund 700 Gulden kassieren. Die Messen wurden zunächst von Kaplänen, dann von den Friesacher Dominikanerpatern gehalten, die Verwaltung wurde von weltlichen Personen besorgt. Bei einer Visitation aus dem Jahr 1616 wurde festgehalten, dass die Propstei einst ein ''ordo strictissimi'' gewesen wäre, nunmehr jedoch der Propst zu keiner Zeit in dem teilweise bereits eingestürzten Propsteigebäude verweile. Die Messen in der Kirche wurden von den Dominikanerpatres von St. Nikolai gehalten. 1780 ging die Propstei an das Bistum Lavant über, womit sich auch die Bezeichnung Schloss Neu-Lavant als Gegensatz zu der am Petersberg gelegenen Burg Lavant für das ehemalige Propsteigebäude einzubürgern begann. 1804 brannte die Kirche ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Durch die Aufhebung des Untertansverbandes 1848 verlor das Schloss Neu-Lavant seine Funktion als Sitz der Gutsverwaltung für die Lavanter Güter um Friesach, so dass es 1857 in Privatbesitz veräußert wurde. Aufgrund der 1859 erfolgten Verlegung des Bistums Lavant nach Marburg (heute Slowenien) wurden außerdem zusätzliche Einnahmen benötigt, um in Marburg Gebäude erwerben zu können. 1884 bemühte sich die Kärntner Landesregierung, die Propstei für Kärnten zu erhalten. Ab 1890 war das Haus Sitz von Dominikanerinnen, 1925 wurde hier eine Haupt- und Volksschule für Mädchen eingerichtet und seit 1988 befindet sich an der Stelle des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts das sogenannte Hemmahaus, eine Einrichtung des Kärntner Caritasverbandes und der Diözese Gurk für alte und pflegebedürftige Personen. Die Propstei wird heute nicht mehr vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftliche Basis des Chorherrenstifts war, wie für andere geistliche Institutionen jener Zeit, die Grundherrschaft. Aus der relativ kurzen Zeitspanne der Existenz des Stifts ist nur ein Verzeichnis der Einnahmen und Ausgaben vorhanden, das aus dem Jahr 1476 stammt, von Paul Semelhofer erstellt wurde und im Kärntner Landesarchiv aufbewahrt wird. Da Semelhofer Procurator des Klosters war und am Ende des 15. Jahrhunderts wirtschaftliche Belange noch öfters von Geistlichen besorgt wurden, ist es nicht ausgeschlossen, in ihm einen der wenigen, namentlich bekannten Chorherren des Klosters zu sehen. Die verzeichneten Einnahmen rührten von Grundbesitz in der Umgebung von Friesach her. So werden Besitzungen in St. Thomas (Hartmannsdorf), am Liechtperg under der Grabentzy (Grebenzen in der Steiermark), in Sepach, Gunzenberg, Micheldorf, Metnitz und St. Kosmas genannt. Außerdem verfügte das Kloster über Einnahmen aus einer Mühle unter dem Geiersberg in Friesach, über einen Zehent in Zeirigk (Zeiring?) und einen Weinberg in Marburg. Die Abgaben wurden teilweise in Geld, teilweise in Naturalien wie Hühner, Eier, Schafe und Getreide entrichtet. Den Einnahmen gegenüber standen Ausgaben für den Unterhalt der Klosterbrüder, für den Kirchenbedarf, die Klostergebäude und den Weinbau. Ein Teil der verzeichneten Einkünfte lässt sich bereits im 14. Jahrhundert als Teil der Grundherrschaft des Chorfrauenstifts nachweisen, wie die Mühle in Friesach oder der Weingarten in Marburg. Auch die Hube am Gunzenberg erscheint bereits 1356 im Besitz des Frauenklosters. Darüber hinaus verfügte das Frauenkloster jedoch über Besitzungen in der Steiermark rund um Fohnsdorf, im Murtal bei Murau und am Silberberg nahe Friesach. Auch lassen sich in Kärnten mehr Huben als im Besitz der Chorfrauen nachweisen, etwa im Metnitztal um St. Salvator oder am Krappfeld rund um Kappel. Da auch ein späteres Stiftsregister der Grundherrschaft der Propstei St. Maria Magdalena und St. Mauritzen aus dem Jahr 1718 weit mehr Untertanen anführt als die Rechnungslegung von 1476, liegt die Vermutung nahe, dass diese keinen vollständigen Überblick liefert und die Grundherrschaft des Augustiner-Chorherrenstift im späteren 15. und frühen 16. Jahrhundert bedeutend ausgedehnter war als sie diese Momentaufnahme vermittelt. 1718 dienten insgesamt 154 Untertanen zur nominell fortbestehenden Propstei. Sie verteilten sich auf Ämter in der Steiermark (Amt Judenburg, Amt Scheifling, Amt Neumarkt) und auf Kärnten (Amt Unterkärnten, Amt Mittelkärnten, Amt Oberkärnten). Zum Amt Unterkärnten zählten Besitzungen südlich von Friesach rund um Meiselding und Mölbling, das Amt Mittelkärnten umfasste Einnahmen östlich von Friesach bis ins Görtschitztal bei Hüttenberg und südlich begrenzt von Kappel und Guttaring, während das Amt Oberkärnten das Gebiet westlich von Friesach und das Metnitztal abdeckte. Die Besitzungen in der Steiermark waren weniger zahlreich und konzentrierten sich, den Ämternamen entsprechend, rund um Judenburg, Scheifling und Neumarkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Augustiner-Chorherren unterstanden die Kanoniker von Maria Magdalena und St. Mauritzen an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert ihrem Diözesanbischof, dem Erzbischof von Salzburg. Als Stellvertreter und Mittler zwischen Erzbischof und Pfarren hatte sich im Laufe des Mittelalters das Amt des Archidiakons oder Erzpriesters ausgebildet. Der Archidiakon übte das Amt eines geistlichen Richters aus und nahm in der kirchlichen Verwaltung eine zentrale Rolle zwischen Bischof und Diözese ein, die erst mit dem Tridentinum (1545-1563) geschmälert wurde. In Kärnten existierten bis 1624 mit Ober-und Unterkärnten zwei Archidiakonatsbezirke, wobei Friesach zum Unterkärntner Bezirk zählte. Im Laufe des 15. Jahrhunderts waren die Pröpste vom Friesacher Kollegiatstift Virgilienberg Archidiakone von Unterkärnten, ab 1527 folgten zumeist die Pröpste vom Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach in dieses Amt. Friesach war im 15. Jahrhundert mit zwei Kollegiatstiften, einem Dominikanerkloster, einem Zisterzienserinnenkloster und der Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen eine bedeutende geistliche Stadt, wenngleich sich auch hier die beginnende Reformationszeit bemerkbar machte und die Kanonikate der Stifte nicht immer besetzt werden konnten. Umso mehr ist in der Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts 1464 ein Versuch Erzbischof Burkhards zu sehen, dem entgegenzuwirken. Patron der Propstei war bei der Gründung 1464 der Erzbischof von Salzburg. 1786 wurde durch eine Konvention Kaiser Josephs II. das Präsentationsrecht abwechselnd dem Salzburger Erzbischof und dem Landesfürsten übertragen. Noch im 19. Jahrhundert musste der Fürstbischof von Lavant die Genehmigung des Salzburger Erzbischofs einholen, um die Gebäude der Propstei veräußern zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die sozialen Verhältnisse der Kanoniker, ihre Herkunft und ihre Lebensumstände ist mangels Quellen und aufgrund der kurzen Existenzzeit des Stiftes keine Aussage zu treffen. Die Propstwürde, die auch nach 1513 erhalten blieb, war aufgrund ihrer reichen Dotation jedoch für die Salzburger Kapitelherren und dann für die Bischöfe von Seckau eine interessante Einnahmequelle, umso mehr, als damit offenbar keine unmittelbaren Pflichten verbunden waren. Der ausgedehnte Untertanenverband blieb bis 1848 mit der Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen verbunden. Auch dafür ist die Quellenlage zu dürftig, als dass nähere Aussagen zu den sozialen Umständen der Stiftsuntertanen getroffen werden könnten. So sind hier nur allgemeine Überlegungen anzuführen. Die Stiftsuntertanen leisteten mannigfache Abgaben, deren Art und Bezeichnung im Lauf der Jahrhunderte wechselte. Zunächst handelte es sich um Naturalgaben, ab dem 17. Jahrhundert zunehmend um Geldabgaben. Die Einnahmen des Stifts bestanden aus den Abgaben der Grundholden und den Zehenteinnahmen. Dazu kamen die unregelmäßigen Abgaben wie Anlaithen und Ehrungen bei Veränderungen des Lehensträgers. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden die Abgaben der Grundholden, abgesehen von Zehent und Kleinrechten, vorwiegend in Geld geleistet. Neben Zins und Sidlpfennig wurden Steuer, Rüstgeld und neue Anlag eingehoben, Abgaben, die an den Landesfürsten weiterzuleiten waren. In der Folge variierten die Bezeichnungen der Abgaben, die prinzipielle Unterscheidung zwischen grundherrlichen und landesfürstlichen Abgaben blieb jedoch bestehen. Zu den landesfürstlichen Abgaben zählten im 18. Jahrhundert Contribution, Fleischtatz, Rimonta und Rekrutenanlage. Für die Kärntner und die steirischen Stiftsuntertanen war die Contribution unterschiedlich hoch veranschlagt. Im 19. Jahrhundert wurde zwischen Dominikal- und Rustikaluntertanen unterschieden, wobei die Dominikaluntertanen im Verhältnis weniger zu leisten hatten, da für sie keine landesfürstlichen Abgaben im Zins mitveranschlagt wurden. Anzunehmen ist, dass ein Untertanenverband, der im 18. Jahrhundert 154 Besitzugen aufwies, von einem Verwalter besorgt wurde. Mit der Grundherrschaft verbunden war die niedere Gerichtsbarkeit, die gewöhnlich von der Vogteiherrschaft übernommen wurde. Wie die Organisation im Falle von Maria Magdalena und St. Mauritzen aussah und wer diese Funktionen ausübte, muss ebenso offen bleiben wie die Frage nach den eventuell vorhandenen Spannungen und Problemen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kunst- und Baugeschichte ==&lt;br /&gt;
=== Kirche ===&lt;br /&gt;
Von der 1804 bei einem Stadtbrand vollständig vernichteten Kirche sind heute keine oberirdischen Überreste mehr vorhanden. Heute befindet sich an Stelle der ehemaligen Kirche die ost-west-verlaufende Conventgasse, wobei auffällt, dass diese gegenüber dem nördlich und südlich anschließenden Gelände ca. 2 Meter erhöht liegt. Offensichtlich wurde der Schutt beim Kirchenabriss nicht vollständig einplaniert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Kirchenbau war aus Holz errichtet gewesen, während vermutlich mit der Einrichtung des Chorfrauenstifts im Jahr 1323 ein Steinbau errichtet wurde. Ein im Archiv der Diözese Gurk aufbewahrter, undatierter Grundrissplan der Kirchen-und Klostergebäude etwa aus den vierziger Jahren des 17. Jahrhunderts zeigt eine dreischiffige, dreijochige Kirche, wobei der Chorbereich rund ein Drittel des Kirchenschiffes umfasste. Die Kirche befand sich ehemals an der Südseite des Klostergebäudes. Ein Stich von Matthäus Merian aus dem Jahr 1649 zeigt, dass sie ohne Turm errichtet war. Ähnlich der Dominikanerklosterkirche verfügte sie über einen, in diesem Fall am Westende, angesetzten Dachreiter. Aus dem Jahr 1672 stammt eine weitere Darstellung der Kirche. In diesem Jahr wurde die Propstei ''ex fundamente'' renoviert. Aus Anlass dieser Renovierung wurde ein Inschriftenstein zur Erinnerung gesetzt, der ursprünglich über dem Eingangstor angebracht gewesen war und der sich heute in der Begrenzungsmauer unweit des Eingangs zum Hemmahaus befindet. Der Wortlaut der Inschrift ist folgender: &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;''Wenceslaus dei gratia episcopus Passovensis et Gurcensis sacri Romani imperii princeps cathedralis ecclesiae Salisburgensis / praepositus ac comes A Thun Wenceslaus Wilhelmus dei gratia episcopus ac princeps Seccovensis comes Hofkhrchen(!) arche/piscopalium ecclasiarum cathedralum Gurcensis ac Passovensis canonicus venerabilis praepositura S.S M.Magdalenam ac Mauritium / pro tempore praepositus hoc renovare .praeposituram ex fundamento ad hanc exergere formam anno nativitate domn. MDCLXXII. ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über dem Inschriftenfeld stehen der heilige Mauritius und die heilige Maria Magdalena. Zwischen Ihnen und von Ihnen gehalten sind eine Darstellung des Stiftgebäudes mit der Kirche sowie die Wappen der Stifter, des Bischofs Wenzel von Passau und Gurk und des Bischofs Wenzel von Seckau, seinerseits Propst von Maria Magdalena und St. Mauritzen, zu sehen. Auch hier verfügt die Kirche über einen Dachreiter. Eine durchaus vergleichbare Darstellung stammt aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts als Joseph Anton Schröck 1736 eine Kopie eines aus einer Serie von Salzburger Städtebildern stammenden Gemäldes von 1717 malte, so dass diesen Darstellungen in Bezug auf das Kirchengebäude durchaus Glaubwürdigkeit zukommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kloster ===&lt;br /&gt;
Das Klostergebäude selbst wurde mehrmals umgebaut, wobei wir bei der Erschließung der Gebäude vor dem 17. Jahrhundert auf schriftliche Quellen angewiesen sind. Bei der Gründung des Hospitals wurde eine hölzerne Kirche erbaut, so dass vermutlich auch die ersten Gebäude des Hospitals aus demselben Werkstoff verfertigt wurden. Für diese eher bescheidenere bauliche Ausstattung spricht auch, dass 1323 bei der Umwandlung in ein Augustiner-Chorfrauenstift die Räumlichkeiten als domus exilis, als ärmliches Haus, bezeichnet wurden. Anlässlich dieser Begründung des regulierten Frauenordens durch Erzbischof Friedrich von Salzburg erfolgte jedoch ein Neubau des Klosters (de novo fundavimus domibus et edificiis). Diese bei der Gründung des Frauenstifts errichteten Gebäude bezogen wohl auch die Chorherren im Jahr 1464. Eine Rechnung des Klosters St. Mauritzen aus dem Jahr 1476 berichtet von notwendigen Ausgaben für das Dach und die Wasserleitung. Über die Nutzung der Gebäude nach der Aufhebung der Propstei 1513 ist nichts Näheres bekannt. Nach dem Stadtbrand von 1582, als unter anderem die Propstei St. Bartholomäus samt der Stadtpfarrkirche schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, konnten vorübergehend die Kanoniker von St. Bartholomäus in dem offenbar weitgehend ungenutzten Gebäude eine Wohnstatt finden. Der Grundrissplan aus den vierziger Jahren des 17. Jahrhunderts zeigt um einen zentralen, ca. 9 x 9 Klafter messenden Innenhof einen Kreuzgang, der im Westen und Norden von Gebäudetrakten umschlossen wurde. Im Norden war ein Wirtschaftsgebäude angeschlossen (K-Q), dazwischen lag der Küchentrakt (H, I). Das Gebäude selbst verfügte neben den Räumlichkeiten im Erdgeschoß noch über einen ersten Stock, in dem u.a. zwölf Zellen waren. Im Süden schloss die Kirche an, im Osten erstreckte sich ein Hof zur Straße hin. Das im Norden folgende Gebäude mit Küchen- und ebenerdigen Lagerungsräumen wurde vermutlich noch im 17. Jahrhundert gänzlich abgetragen. Eine vollständige Renovierung von Grund auf (ex fundamente) ist für das Jahr 1672 durch den genannten Inschriftenstein belegt. Die Darstellungen von 1649 und 1717 zeigen zwei unterschiedliche Gebäude typen: Während Merian einen geschlossenen Komplex rund um einen Innenhof darstellte, an dessen Südseite sich die Kirche befindet, wie es auch durch den Grundrissplan belegt ist, sind bei Schröck zwei nebeneinanderstehende Gebäude zu erkennen, was aber auf die perspektivische Verzerrung zurückzuführen sein wird. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts nutzten die Bischöfe von Lavant das Haus, so dass die Bezeichnung Schloss Neu-Lavant, als Gegensatz zur ursprünglichen Residenz der Lavanter Bischöfe am Petersberg, gebräuchlich wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich im Zuge des Brandes von 1804 wurde neben der Kirche auch die Ostseite des Kreuzgangs geschleift, da auf dem franziszeischen Kataster von 1828 sowohl Kirche als auch Osttrakt fehlen. Der Südtrakt wurde in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts nach Osten bis zur Straße hin erweitert und im Zuge der baulichen Neugestaltung bei der Adaptierung der Räumlichkeiten als Pflegeheim Ende der achtziger Jahre nach Osten zur Straße hin mit einem Trakt abgeschlossen. Die Reste des ehemaligen Innenhofes sind im Westen des heutigen Innenhofes zu sehen. Im Westtrakt ist eine Kapelle integriert, deren klassizistische Fassade darauf schließen lässt, dass sie ebenfalls nach dem Brand 1804 als Ersatz für die abgetragene Kirche errichtet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archivalien ==&lt;br /&gt;
Bereits 1884 berichtete der Friesacher Stadtpfarrer Franz Kornke auf Anfrage des Gurker&lt;br /&gt;
Ordinariats, dass sich im Archiv keinerlei Akten mit Bezug auf Maria Magdalena und&lt;br /&gt;
St. Mauritzen auffinden ließen. Zurückzuführen ist dies vermutlich auf die wechselvolle Geschichte am Ort der Propstei sowie auf die zahlreichen Brände, die 1582, 1652 und 1673 die Stadt Friesach vernichteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
=== Siegel ===&lt;br /&gt;
Von diesem nur kurz blühenden Stift konnte bisher kein Siegel, weder vom Kapitel, noch von einem der namentlich bekannten Pröpste angetroffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wappen ===&lt;br /&gt;
Geteilt von Silber und Rot, oben 1:2 gestellt drei rote Ballen (Kugeln).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
*Monumenta Historica ducatus Carinthiae. Geschichtliche Denkmäler des Herzogtums Kärnten. 11 Bände. Klagenfurt 1896–1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur== &lt;br /&gt;
*Gottlieb Freiherr von Ankershofen: Materialien zur Kirchengeschichte des 16. Jahrhunderts. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 3. 1856, S. 10–19. &lt;br /&gt;
*Gottlieb Freiherr von Ankershofen: Das Magdalenen-Hospital in Friesach. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 5. 1860, S. 81–87. &lt;br /&gt;
*Claudia Fräss-Ehrfeld: Geschichte Kärntens. 2 Band. Die ständische Epoche. Klagenfurt 1994.&lt;br /&gt;
*Franz Lorenz Hohenauer: Die Stadt Friesach. Ein Beitrag zur Profan- und Kirchengeschichte von Kärnten. Klagenfurt 1847.&lt;br /&gt;
*Renate Jernej: Das Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 85. Klagenfurt 2001.&lt;br /&gt;
*Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten II. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 51. Klagenfurt 1985, S. 75.&lt;br /&gt;
*Jakob Kucher: Materialien zur Kirchengeschichte des 17. Jahrhunderts. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 5. 1860, S. 35–80.&lt;br /&gt;
*Michaela Laichmann: Friesach. Österreichischer Städteatlas. Wien 2002. &lt;br /&gt;
*Johannes Sacherer: St. Virgil zu Friesach. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 82. Klagenfurt 2002.&lt;br /&gt;
*Peter Tropper: Vom Missionsgebiet zum Landesbistum. Organisation und Administration der katholischen Kirche in Kärnten von Chorbischof Modestus bis zu Bischof Köstner. Klagenfurt 1996.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Wadl: Friesachs historische Entwicklung. Ein Überblick. In: Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Friesach. Hg. von Barbara Hienzl/Gerhard Seebach/Ulrike Steiner. Österreichische Kunsttopographie LI, Wien 1991.&lt;br /&gt;
*Thomas Zedrosser: Die Stadt Friesach in Kärnten. Ein Führer durch ihre Geschichte, Bau- und Kunstdenkmäler. Klagenfurt 1926.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Friesach</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Archivalien */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort Friesach wird mit der Schenkung Kaiser Ludwigs an das Erzstift Salzburg im Jahr 860 erstmals als ''ad Friesah'' genannt. Als Ableitung wurden das slowenische ''breg'' (Rain) bzw. ''breza'' (Birke) in Erwägung gezogen. Demnach würde es entweder den Ort bei den Rainern, am Ufer des Flusses Metnitz, oder den Ort bei den Birken bezeichnen. Die Namensformen des Chorherrenstifts in Friesach hängen mit der wechselvollen Geschichte der geistlichen und sozialen Institutionen, die vor der Gründung des Stiftes an diesem Ort existierten, eng zusammen. Um 1121 wird an dem Ort des späteren Chorherrenstifts ein Hospiz (''xenodochium'') und eine Kirche begründet, wobei das Patrozinium der Kirche rund 20 Jahre später erstmals in den Quellen mit Maria Magdalena genannt wird. Die Räumlichkeiten des noch vor dem Jahr 1275 verlegten Hospizes übernahm die Vereinigung der Beginen, die in den Quellen als „Schwestern von St. Mauritzen&amp;quot; (''sororibus, que dicitur de sancto Mauricio'') erscheinen. Die Kirche Maria Magdalena hatte spätestens seit dem 3. Viertel des 13. Jahrhunderts ein Doppelpatrozinium inne. Die in den Quellen nicht unmittelbar belegte Identität des Ortes ergibt sich anhand der Gründungsurkunde für die regulierten Augustiner-Chorfrauen in Friesach aus dem Jahr 1323: Die Chorfrauen des „Klosters Maria Magdalena&amp;quot; (''Monasterio nomen et titulum praetatae S. Mariae Magdalenae'') übernehmen das Haus, das einst die Mauritianerinnen (''quedam mulieres beginae, quae tune Mauritianae vocabantur'') innegehabt hatten. In der Folge wird die Vereinigung zumeist als „Kloster St. Maria Magdalena&amp;quot; bzw. als „Chorfrauen von St. Maria Magdalena&amp;quot; bezeichnet, teilweise mit dem Zusatz „Neustift&amp;quot;. Die Bezeichnung St. Mauritius ist für 1401 belegt. Das 1464 gegründete Augustiner-Chorherrenstift hingegen erscheint in den Quellen sowohl als „Kloster St. Maurizen&amp;quot; (''monasterium ... ad S. mauricy'') als auch als „Kloster Sankt Maria Magdalena&amp;quot;(''... closters zu sand Maria Magdalen ...''). Nach dem Ende des Stifts 1513 blieb die Propstei dem Namen nach bestehen. Die Titularpropstei wird zumeist als „Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen&amp;quot; bezeichnet, wenngleich die Weglassung des einen oder anderen Doppelnamens belegt ist. Im 18. Jahrhundert begegnet als Sammelbegriff auch die Bezeichnung ''praepositura S. Mauritii et Sociorum''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische Topographie ==&lt;br /&gt;
Die Stadt Friesach liegt rund 50 km nördlich der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt im politischen Bezirk St. Veit knapp an der Grenze zur Steiermark (SG Friesach, KG Friesach, VB St. Veit a. d. Glan) auf 637 m Seehöhe im breitesten Abschnitt des Metnitztales. In das Jahr 860 datiert die erste urkundliche Erwähnung Friesachs mit der Schenkung des Hofes Friesach an den Salzburger Erzbischof Adalwin durch Kaiser Ludwig. Kirchlich gehörte Friesach bis zur Loslösung des Bistums Gurk aus dem Salzburger Suffraganverband 1786/87 zur Salzburger Diözese. Seit dieser josephinischen Diözesanreform ist es Teil der Diözese Gurk. In weltlicher Hinsicht war Friesach bis 1535, als die Salzburger Erzbischöfe zugunsten der Habsburger Herzöge auf die Landeshoheit verzichteten, eine salzburgisch erzbischöfliche Stadt und unterstand dem Salzburger Erzbischof in weltlicher und geistlicher Hinsicht. Die Verbindung zu Salzburg dauerte bis in das Jahr 1803, als im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses die salzburgischen Außenbesitzungen an die Habsburger fielen. Das Chorherrenstift Maria Magdalena in Friesach, das nur 49 Jahre existierte (1464-1513), war eine Gründung des Salzburger Erzbischofs Burkhard und unterstand in geistlicher und weltlicher Hinsicht dem Metropoliten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patronzinen ==&lt;br /&gt;
Südlich des Chorherrenstifts befand sich die Kirche mit dem Doppelpatrozinium Maria Magdalena und St. Mauritzen. Die Kirche wurde bei einem Brand 1804 vollständig vernichtet und nicht wieder aufgebaut, so dass der Standort der Kirche heute nur mehr annähernd zu bestimmen ist. Das Patrozinium Maria Magdalena wird für Friesach um 1139 erstmals urkundlich erwähnt (''super altare beate Marie Magdalene''). Maria Magdalenas sterbliche Überreste sollen im 9.Jahrhundert in das Kloster in Vezelay überführt worden sein. Ab dem 11. Jahrhundert wurde dieses Kloster zu einem Wallfahrtsort, ab dem 13. Jahrhundert entstanden im deutschen Sprachraum Magdalenen-Orden für Büßerinnen und reuige Frauen. Als Attribute führt Maria Magdalena das Kreuz, ein Salbgefäß, eine Geißel oder Musikinstrumente. Das zweite Patrozinium ist in Friesach für das Jahr 1275 durch eine Besitzübertragung an die Schwestern von St. Mauritzen belegt, die bis 1323 das später von den Augustiner-Chorherren bewohnte Gebäude innehatten. Mauritius erlitt das Martyrium unter Maximianus, dem Mitregenten des römischen Kaisers Diokletian, bei Agaunum, dem heutigen St. Maurice im Wallis. Bereits im 6.Jahrhundert wurde am Ort des Mysteriums ein Kloster errichtet, das im 11. Jahrhundert die Augustiner-Regel annahm. Mauritius wird als dunkelhäutiger Ritter dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichtlicher Überblick ==&lt;br /&gt;
Dem Augustiner-Chorherrenstift Maria Magdalena war nur eine kurze Existenz von knapp 50 Jahren gegönnt. 1464 wurde es von Erzbischof Burkhard von Salzburg gegründet, bereits 1513 durch den Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach wieder aufgehoben. Die Augustiner-Chorherren übernahmen mit der Kirche und dem Stift Maria Magdalena jedoch eine geistlich-soziale Institution, die auf eine mehrere Jahrhunderte währende, bewegte Geschichte zurückblicken konnte. Bereits um das Jahr 1121 hatte Erzbischof Konrad von Salzburg an dem späteren Ort des Stiftes ein Hospital (''xenodochium'') gestiftet, neben dem er eine hölzerne Kirche erbauen ließ. Ein Patrozinium für diese Kirche ist noch nicht genannt, erst um 1139 erscheint die Kirche Maria Magdalena in den Quellen. Das Hospital wurde ebenfalls um 1139 dem Kloster Admont übertragen, diesem aber 1187 wieder entzogen und dem neu gegründeten Kollegiatstift St. Bartholomäus übergeben, dessen Kanoniker auch die Kirche Maria Magdalena mitbetreuen sollten. Doch bereits vor 1240 befand sich der Deutsche Orden im Besitz des Hospitals samt der dazugehörigen Kirche. Vor 1272 übersiedelte der Deutsche Orden an den südlichen Stadtrand von Friesach, wo sich bis heute das Deutsche-Ordens-Spital befindet. In das nunmehr verlassene Hospiz zog der nicht regulierte Frauenorden der Beginen ein. 1275 werden sie als ''sororibus, qui dicuntur de sancto Mauricio ibidem commorantibus'' genannt. Diese Vereinigung von Witwen und unverheirateten Frauen widmete sich karitativen Diensten. Sie waren keiner Ordensregel unterworfen und unterstanden der weltlichen Gerichtsbarkeit. Das Vermögen des Hospiz wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts durch Güterschenkungen verschiedener Ministerialenfamilien, deren weibliche Angehörige vermutlich dort lebten, vermehrt. Wer zu diesem Zeitpunkt die Kirche betreute, ist den Quellen nicht zu entnehmen, jedoch war den Säkularkanonikern von St. Bartholomäus 1187 diese Aufgabe übertragen worden, so dass anzunehmen ist, dass die Kanoniker von St. Bartholomäus die Kirche Maria Magdalena liturgisch versorgten. Der von Papst Klemens V. 1311 verbotene Beginenorden wurde auch in Friesach aufgelöst. Erzbischof Friedrich von Salzburg begründete 1323 an Stelle der ehemaligen, eher ärmlichen Räumlichkeiten (''domus exilis'') der Friesacher Beginen ein reguliertes Augustiner-Chorfrauenstift. Die priesterlichen Ämter im Kloster sollten von zwei Priestern des Kollegiums von St. Bartholomäus gehalten werden. An besonderen Festtagen sollte der Dekan selbst die Eucharistie feiern und die Beichte abnehmen. 1334 wurde das Stift von Erzbischof Friedrich mit zusätzlichen Pfründen ausgestattet, die dem Unterhalt von zwei Kaplänen zugutekommen sollten. Da das Stift auf Grund und Boden der Kanoniker von St. Bartholomäus stand und über eigene Begräbnis- und Pfarrechte verfügte, wurden im Gegenzug die Kanoniker von St. Bartholomäus vom Erzbischof entschädigt. Bis gegen Ende des 14. Jahrhunderts florierte das Stift, wie zahlreiche Schenkungsurkunden bezeugen. Namentlich bekannt sind aus dem 14. Jahrhundert die Nonnen Katharina und Elisabeth, in der vermutlich die spätere Äbtissin Elsbeth Markravin (bezeugt für 1354, 1356) zu sehen ist. 1403 wird mit Margareta eine weitere Chorfrau namentlich genannt, die vermutlich ident ist mit der späteren Meisterin Margareta Apotkarin (bis 1411). Aus dem Jahr 1341 datierte ein Filiationsbrief mit dem Gurker Domkapitel, die einzige bekannte Verbrüderung des Chorfrauenstifts, der sich jedoch nur als Regest erhalten hat, so dass über den Inhalt nichts Näheres bekannt ist. Erst an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert und mit einem vernichtenden Brand 1423 kam es zum Niedergang des Stiftes. 1443 verstarb Brigitta Moosburgerin, die 1411 von Erzbischof Eberhard ernannte Äbtissin. Noch 1448 war das Amt der Äbtissin vakant. Für das Jahr 1451 wird als Meisterin des Stifts Dorothea Huczingerin als bereits verstorben genannt, so dass nur zu vermuten bleibt, dass sie dieses Amt kurz nach 1448 angetreten hatte und nur wenige Jahre ausübte. Der umfangreiche Besitz des Stiftes wurde von Stiftsschaffern besorgt, von denen vier namentlich bekannt sind: 1379 kommt es zwischen dem Stift und dem gewesenen Amtmann Jakob von Moserin wegen wechselseitiger Ansprüche zu einem Vergleich. 1443 übte Ludwig, Pfarrer von Sagritz, das Amt des Schaffers aus, 1448 finden wir Hans Walichseder in dieser Position. 1451 hatte mit Balthasar Waldecker ein Mann dieses Amt inne, der zugleich als Vizedom von Friesach fungierte und somit in der weltlichen Verwaltung als Stellvertreter des Salzburger Erzbischofs fungierte. Pläne zur Wiederbelebung des Frauenstiftes blieben erfolglos, so dass 1464 Erzbischof Burkhard an Stelle des Frauenstifts ein reguliertes Augustiner-Chorherrenstift errichtete. Über die Statuten und Lebensweisen in der Propstei ist keine Nachricht erhalten, jedoch lässt der Zeitpunkt der Gründung daran denken, dass ein Zusammenhang mit der ab dem frühen 15. Jahrhundert im süddeutschen-böhmischen Raum wirksamen Raudnitzer Reformbewegung gegeben ist. Ähnlich der „Melker Reform&amp;quot; der Benediktinerklöster wurde die Augustinerregel von der Propstei Raudnitz an der Elbe reformiert und dabei die, die religiöse Haltung des Spätmittelalters stark beeinflussende ''devotio moderna'' ausgebildet. Erster Propst in Friesach wurde der regulierte Augustiner-Chorherr [[Johann Junge]]. Erzbischof Burkhard übertrug ihm am 31. August 1464 die Administration des Klosters in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten mit allen Rechten und Pflichten(...'' administrationem spiritualium et temporalium'' ... ).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Statt Friesach (Merian).jpg|mini|400px|Statt Friesach, ''Kupferstich 1679''&amp;lt;br /&amp;gt;''Matthaeus Merian, Topographia Provinciarum Austriacarum'']]Die kurze Geschichte des Chorherrenstiftes ist quellenmäßig eher schlecht zu fassen. Neben der Gründungsurkunde im Haus-, Hof-und Staatsarchiv in Wien und der Aufhebungsurkunde im Kärntner Landesarchiv in Klagenfurt sind nur wenige Regesten von Verleih- bzw. Kaufbriefen im Salzburger Repertorium, Cameralabteilung XX im Haus-, Hof-und Staatsarchiv überliefert. Über die wirtschaftliche Situation des Chorherrenstiftes informiert ferner eine Rechnungslegung aus dem Jahr 1476, die allerdings nicht den gesamten Besitz umfasst und im Kärntner Landesarchiv aufliegt. Somit sind die Wirtschaftsverhältnisse zumindest dürftig beleuchtet, während Hinweise auf die spirituellen Aufgaben und Abläufe im Stift völlig fehlen. Jeweils 1464 und 1478 kam es durch den namentlich nicht genannten Stiftsschaffer zu Kaufrechtsverleihungen von Gütern des Klosters St. Mau ritzen. 1495 erfolgten zwischen Propst Johann und zwei Friesacher Bürgern Vergleiche wegen strittiger Besitzungen in Friesach, wobei die Streitobjekte unter anderem in einer Mühle unter dem Geiersberg und in einem Haus mit Garten in Friesach bestanden. Noch 1498 stand der 1464 eingesetzte Propst Johann dem Stift vor, wie aus einem weiteren Vergleich hinsichtlich einiger Kaufrechte an Gütern in und um Friesach hervorgeht. 1502 begegnet Propst [[Christoph]] in einer Verleihurkunde, 1510 ist der letzte Propst [[Augustin Pollinger]] bezeugt. 1513 wurde die geistliche Institution, die sich am Vorabend der Reformation als nicht lebensfähig erwies, aufgelöst. Der letzte Propst Augustin Pollinger erhielt als Kompensation die Kaplanstelle in der Virgilikapelle im Fürstenhof zu Friesach sowie Einkünfte von acht Pfund Pfennig, die ihm der Verweser des Klosters aus dessen Einkünften zukommen lassen sollte. Die Einkommen sollten ihm nur dann entzogen werden können, wenn er mit einer gleich hohen Pfründe entschädigt würde. Nominell bestand die Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen jedoch weiter. Künftig wurden die Propstei und deren Einkünfte von einem Verweser verwaltet. Zwischen 1513 und 1525 sind weitere Verleihungen und Verkäufe an das Stift bezeugt. 1525 wird eine Hube aus dem Besitz von St. Mauritzen durch Erzbischof Matthäus Lang vergeben. Man kann darin einen Hinweis sehen, dass das als Titulaturpropstei fortbestehende Amt nicht besetzt gewesen war. Doch bereits 1528 wurde eine Hube vom namentlich nicht genannten Propst des Klosters verliehen, 1537 hatte der Salzburger Kapitelherr [[Peter Renn]] diese Würde inne. Im 16. Jahrhundert standen zumeist Salzburger Kapitelherren im Genuss der nicht gering dotierten Pfründen, während im 17. Jahrhundert die Bischöfe von Seckau damit ausgestattet waren. Um die Zahlung der Quart als Türkensteuer entbrannte ein jahrelanger Konflikt zwischen Landesfürst und Propst Peter Renn, der erst 1533 mit einem Erfolg für St. Mauritzen endete. Die Propstei wurde dabei als Salzburger Kammergut bezeichnet. Die Pröpste von St. Mauritzen konnten weiterhin die hohe Pfründe von rund 700 Gulden kassieren. Die Messen wurden zunächst von Kaplänen, dann von den Friesacher Dominikanerpatern gehalten, die Verwaltung wurde von weltlichen Personen besorgt. Bei einer Visitation aus dem Jahr 1616 wurde festgehalten, dass die Propstei einst ein ''ordo strictissimi'' gewesen wäre, nunmehr jedoch der Propst zu keiner Zeit in dem teilweise bereits eingestürzten Propsteigebäude verweile. Die Messen in der Kirche wurden von den Dominikanerpatres von St. Nikolai gehalten. 1780 ging die Propstei an das Bistum Lavant über, womit sich auch die Bezeichnung Schloss Neu-Lavant als Gegensatz zu der am Petersberg gelegenen Burg Lavant für das ehemalige Propsteigebäude einzubürgern begann. 1804 brannte die Kirche ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Durch die Aufhebung des Untertansverbandes 1848 verlor das Schloss Neu-Lavant seine Funktion als Sitz der Gutsverwaltung für die Lavanter Güter um Friesach, so dass es 1857 in Privatbesitz veräußert wurde. Aufgrund der 1859 erfolgten Verlegung des Bistums Lavant nach Marburg (heute Slowenien) wurden außerdem zusätzliche Einnahmen benötigt, um in Marburg Gebäude erwerben zu können. 1884 bemühte sich die Kärntner Landesregierung, die Propstei für Kärnten zu erhalten. Ab 1890 war das Haus Sitz von Dominikanerinnen, 1925 wurde hier eine Haupt- und Volksschule für Mädchen eingerichtet und seit 1988 befindet sich an der Stelle des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts das sogenannte Hemmahaus, eine Einrichtung des Kärntner Caritasverbandes und der Diözese Gurk für alte und pflegebedürftige Personen. Die Propstei wird heute nicht mehr vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftliche Basis des Chorherrenstifts war, wie für andere geistliche Institutionen jener Zeit, die Grundherrschaft. Aus der relativ kurzen Zeitspanne der Existenz des Stifts ist nur ein Verzeichnis der Einnahmen und Ausgaben vorhanden, das aus dem Jahr 1476 stammt, von Paul Semelhofer erstellt wurde und im Kärntner Landesarchiv aufbewahrt wird. Da Semelhofer Procurator des Klosters war und am Ende des 15. Jahrhunderts wirtschaftliche Belange noch öfters von Geistlichen besorgt wurden, ist es nicht ausgeschlossen, in ihm einen der wenigen, namentlich bekannten Chorherren des Klosters zu sehen. Die verzeichneten Einnahmen rührten von Grundbesitz in der Umgebung von Friesach her. So werden Besitzungen in St. Thomas (Hartmannsdorf), am Liechtperg under der Grabentzy (Grebenzen in der Steiermark), in Sepach, Gunzenberg, Micheldorf, Metnitz und St. Kosmas genannt. Außerdem verfügte das Kloster über Einnahmen aus einer Mühle unter dem Geiersberg in Friesach, über einen Zehent in Zeirigk (Zeiring?) und einen Weinberg in Marburg. Die Abgaben wurden teilweise in Geld, teilweise in Naturalien wie Hühner, Eier, Schafe und Getreide entrichtet. Den Einnahmen gegenüber standen Ausgaben für den Unterhalt der Klosterbrüder, für den Kirchenbedarf, die Klostergebäude und den Weinbau. Ein Teil der verzeichneten Einkünfte lässt sich bereits im 14. Jahrhundert als Teil der Grundherrschaft des Chorfrauenstifts nachweisen, wie die Mühle in Friesach oder der Weingarten in Marburg. Auch die Hube am Gunzenberg erscheint bereits 1356 im Besitz des Frauenklosters. Darüber hinaus verfügte das Frauenkloster jedoch über Besitzungen in der Steiermark rund um Fohnsdorf, im Murtal bei Murau und am Silberberg nahe Friesach. Auch lassen sich in Kärnten mehr Huben als im Besitz der Chorfrauen nachweisen, etwa im Metnitztal um St. Salvator oder am Krappfeld rund um Kappel. Da auch ein späteres Stiftsregister der Grundherrschaft der Propstei St. Maria Magdalena und St. Mauritzen aus dem Jahr 1718 weit mehr Untertanen anführt als die Rechnungslegung von 1476, liegt die Vermutung nahe, dass diese keinen vollständigen Überblick liefert und die Grundherrschaft des Augustiner-Chorherrenstift im späteren 15. und frühen 16. Jahrhundert bedeutend ausgedehnter war als sie diese Momentaufnahme vermittelt. 1718 dienten insgesamt 154 Untertanen zur nominell fortbestehenden Propstei. Sie verteilten sich auf Ämter in der Steiermark (Amt Judenburg, Amt Scheifling, Amt Neumarkt) und auf Kärnten (Amt Unterkärnten, Amt Mittelkärnten, Amt Oberkärnten). Zum Amt Unterkärnten zählten Besitzungen südlich von Friesach rund um Meiselding und Mölbling, das Amt Mittelkärnten umfasste Einnahmen östlich von Friesach bis ins Görtschitztal bei Hüttenberg und südlich begrenzt von Kappel und Guttaring, während das Amt Oberkärnten das Gebiet westlich von Friesach und das Metnitztal abdeckte. Die Besitzungen in der Steiermark waren weniger zahlreich und konzentrierten sich, den Ämternamen entsprechend, rund um Judenburg, Scheifling und Neumarkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Augustiner-Chorherren unterstanden die Kanoniker von Maria Magdalena und St. Mauritzen an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert ihrem Diözesanbischof, dem Erzbischof von Salzburg. Als Stellvertreter und Mittler zwischen Erzbischof und Pfarren hatte sich im Laufe des Mittelalters das Amt des Archidiakons oder Erzpriesters ausgebildet. Der Archidiakon übte das Amt eines geistlichen Richters aus und nahm in der kirchlichen Verwaltung eine zentrale Rolle zwischen Bischof und Diözese ein, die erst mit dem Tridentinum (1545-1563) geschmälert wurde. In Kärnten existierten bis 1624 mit Ober-und Unterkärnten zwei Archidiakonatsbezirke, wobei Friesach zum Unterkärntner Bezirk zählte. Im Laufe des 15. Jahrhunderts waren die Pröpste vom Friesacher Kollegiatstift Virgilienberg Archidiakone von Unterkärnten, ab 1527 folgten zumeist die Pröpste vom Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach in dieses Amt. Friesach war im 15. Jahrhundert mit zwei Kollegiatstiften, einem Dominikanerkloster, einem Zisterzienserinnenkloster und der Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen eine bedeutende geistliche Stadt, wenngleich sich auch hier die beginnende Reformationszeit bemerkbar machte und die Kanonikate der Stifte nicht immer besetzt werden konnten. Umso mehr ist in der Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts 1464 ein Versuch Erzbischof Burkhards zu sehen, dem entgegenzuwirken. Patron der Propstei war bei der Gründung 1464 der Erzbischof von Salzburg. 1786 wurde durch eine Konvention Kaiser Josephs II. das Präsentationsrecht abwechselnd dem Salzburger Erzbischof und dem Landesfürsten übertragen. Noch im 19. Jahrhundert musste der Fürstbischof von Lavant die Genehmigung des Salzburger Erzbischofs einholen, um die Gebäude der Propstei veräußern zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die sozialen Verhältnisse der Kanoniker, ihre Herkunft und ihre Lebensumstände ist mangels Quellen und aufgrund der kurzen Existenzzeit des Stiftes keine Aussage zu treffen. Die Propstwürde, die auch nach 1513 erhalten blieb, war aufgrund ihrer reichen Dotation jedoch für die Salzburger Kapitelherren und dann für die Bischöfe von Seckau eine interessante Einnahmequelle, umso mehr, als damit offenbar keine unmittelbaren Pflichten verbunden waren. Der ausgedehnte Untertanenverband blieb bis 1848 mit der Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen verbunden. Auch dafür ist die Quellenlage zu dürftig, als dass nähere Aussagen zu den sozialen Umständen der Stiftsuntertanen getroffen werden könnten. So sind hier nur allgemeine Überlegungen anzuführen. Die Stiftsuntertanen leisteten mannigfache Abgaben, deren Art und Bezeichnung im Lauf der Jahrhunderte wechselte. Zunächst handelte es sich um Naturalgaben, ab dem 17. Jahrhundert zunehmend um Geldabgaben. Die Einnahmen des Stifts bestanden aus den Abgaben der Grundholden und den Zehenteinnahmen. Dazu kamen die unregelmäßigen Abgaben wie Anlaithen und Ehrungen bei Veränderungen des Lehensträgers. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden die Abgaben der Grundholden, abgesehen von Zehent und Kleinrechten, vorwiegend in Geld geleistet. Neben Zins und Sidlpfennig wurden Steuer, Rüstgeld und neue Anlag eingehoben, Abgaben, die an den Landesfürsten weiterzuleiten waren. In der Folge variierten die Bezeichnungen der Abgaben, die prinzipielle Unterscheidung zwischen grundherrlichen und landesfürstlichen Abgaben blieb jedoch bestehen. Zu den landesfürstlichen Abgaben zählten im 18. Jahrhundert Contribution, Fleischtatz, Rimonta und Rekrutenanlage. Für die Kärntner und die steirischen Stiftsuntertanen war die Contribution unterschiedlich hoch veranschlagt. Im 19. Jahrhundert wurde zwischen Dominikal- und Rustikaluntertanen unterschieden, wobei die Dominikaluntertanen im Verhältnis weniger zu leisten hatten, da für sie keine landesfürstlichen Abgaben im Zins mitveranschlagt wurden. Anzunehmen ist, dass ein Untertanenverband, der im 18. Jahrhundert 154 Besitzugen aufwies, von einem Verwalter besorgt wurde. Mit der Grundherrschaft verbunden war die niedere Gerichtsbarkeit, die gewöhnlich von der Vogteiherrschaft übernommen wurde. Wie die Organisation im Falle von Maria Magdalena und St. Mauritzen aussah und wer diese Funktionen ausübte, muss ebenso offen bleiben wie die Frage nach den eventuell vorhandenen Spannungen und Problemen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kunst- und Baugeschichte ==&lt;br /&gt;
=== Kirche ===&lt;br /&gt;
Von der 1804 bei einem Stadtbrand vollständig vernichteten Kirche sind heute keine oberirdischen Überreste mehr vorhanden. Heute befindet sich an Stelle der ehemaligen Kirche die ost-west-verlaufende Conventgasse, wobei auffällt, dass diese gegenüber dem nördlich und südlich anschließenden Gelände ca. 2 Meter erhöht liegt. Offensichtlich wurde der Schutt beim Kirchenabriss nicht vollständig einplaniert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Kirchenbau war aus Holz errichtet gewesen, während vermutlich mit der Einrichtung des Chorfrauenstifts im Jahr 1323 ein Steinbau errichtet wurde. Ein im Archiv der Diözese Gurk aufbewahrter, undatierter Grundrissplan der Kirchen-und Klostergebäude etwa aus den vierziger Jahren des 17. Jahrhunderts zeigt eine dreischiffige, dreijochige Kirche, wobei der Chorbereich rund ein Drittel des Kirchenschiffes umfasste. Die Kirche befand sich ehemals an der Südseite des Klostergebäudes. Ein Stich von Matthäus Merian aus dem Jahr 1649 zeigt, dass sie ohne Turm errichtet war. Ähnlich der Dominikanerklosterkirche verfügte sie über einen, in diesem Fall am Westende, angesetzten Dachreiter. Aus dem Jahr 1672 stammt eine weitere Darstellung der Kirche. In diesem Jahr wurde die Propstei ''ex fundamente'' renoviert. Aus Anlass dieser Renovierung wurde ein Inschriftenstein zur Erinnerung gesetzt, der ursprünglich über dem Eingangstor angebracht gewesen war und der sich heute in der Begrenzungsmauer unweit des Eingangs zum Hemmahaus befindet. Der Wortlaut der Inschrift ist folgender: &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;''Wenceslaus dei gratia episcopus Passovensis et Gurcensis sacri Romani imperii princeps cathedralis ecclesiae Salisburgensis / praepositus ac comes A Thun Wenceslaus Wilhelmus dei gratia episcopus ac princeps Seccovensis comes Hofkhrchen(!) arche/piscopalium ecclasiarum cathedralum Gurcensis ac Passovensis canonicus venerabilis praepositura S.S M.Magdalenam ac Mauritium / pro tempore praepositus hoc renovare .praeposituram ex fundamento ad hanc exergere formam anno nativitate domn. MDCLXXII. ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über dem Inschriftenfeld stehen der heilige Mauritius und die heilige Maria Magdalena. Zwischen Ihnen und von Ihnen gehalten sind eine Darstellung des Stiftgebäudes mit der Kirche sowie die Wappen der Stifter, des Bischofs Wenzel von Passau und Gurk und des Bischofs Wenzel von Seckau, seinerseits Propst von Maria Magdalena und St. Mauritzen, zu sehen. Auch hier verfügt die Kirche über einen Dachreiter. Eine durchaus vergleichbare Darstellung stammt aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts als Joseph Anton Schröck 1736 eine Kopie eines aus einer Serie von Salzburger Städtebildern stammenden Gemäldes von 1717 malte, so dass diesen Darstellungen in Bezug auf das Kirchengebäude durchaus Glaubwürdigkeit zukommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kloster ===&lt;br /&gt;
Das Klostergebäude selbst wurde mehrmals umgebaut, wobei wir bei der Erschließung der Gebäude vor dem 17. Jahrhundert auf schriftliche Quellen angewiesen sind. Bei der Gründung des Hospitals wurde eine hölzerne Kirche erbaut, so dass vermutlich auch die ersten Gebäude des Hospitals aus demselben Werkstoff verfertigt wurden. Für diese eher bescheidenere bauliche Ausstattung spricht auch, dass 1323 bei der Umwandlung in ein Augustiner-Chorfrauenstift die Räumlichkeiten als domus exilis, als ärmliches Haus, bezeichnet wurden. Anlässlich dieser Begründung des regulierten Frauenordens durch Erzbischof Friedrich von Salzburg erfolgte jedoch ein Neubau des Klosters (de novo fundavimus domibus et edificiis). Diese bei der Gründung des Frauenstifts errichteten Gebäude bezogen wohl auch die Chorherren im Jahr 1464. Eine Rechnung des Klosters St. Mauritzen aus dem Jahr 1476 berichtet von notwendigen Ausgaben für das Dach und die Wasserleitung. Über die Nutzung der Gebäude nach der Aufhebung der Propstei 1513 ist nichts Näheres bekannt. Nach dem Stadtbrand von 1582, als unter anderem die Propstei St. Bartholomäus samt der Stadtpfarrkirche schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, konnten vorübergehend die Kanoniker von St. Bartholomäus in dem offenbar weitgehend ungenutzten Gebäude eine Wohnstatt finden. Der Grundrissplan aus den vierziger Jahren des 17. Jahrhunderts zeigt um einen zentralen, ca. 9 x 9 Klafter messenden Innenhof einen Kreuzgang, der im Westen und Norden von Gebäudetrakten umschlossen wurde. Im Norden war ein Wirtschaftsgebäude angeschlossen (K-Q), dazwischen lag der Küchentrakt (H, I). Das Gebäude selbst verfügte neben den Räumlichkeiten im Erdgeschoß noch über einen ersten Stock, in dem u.a. zwölf Zellen waren. Im Süden schloss die Kirche an, im Osten erstreckte sich ein Hof zur Straße hin. Das im Norden folgende Gebäude mit Küchen- und ebenerdigen Lagerungsräumen wurde vermutlich noch im 17. Jahrhundert gänzlich abgetragen. Eine vollständige Renovierung von Grund auf (ex fundamente) ist für das Jahr 1672 durch den genannten Inschriftenstein belegt. Die Darstellungen von 1649 und 1717 zeigen zwei unterschiedliche Gebäude typen: Während Merian einen geschlossenen Komplex rund um einen Innenhof darstellte, an dessen Südseite sich die Kirche befindet, wie es auch durch den Grundrissplan belegt ist, sind bei Schröck zwei nebeneinanderstehende Gebäude zu erkennen, was aber auf die perspektivische Verzerrung zurückzuführen sein wird. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts nutzten die Bischöfe von Lavant das Haus, so dass die Bezeichnung Schloss Neu-Lavant, als Gegensatz zur ursprünglichen Residenz der Lavanter Bischöfe am Petersberg, gebräuchlich wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich im Zuge des Brandes von 1804 wurde neben der Kirche auch die Ostseite des Kreuzgangs geschleift, da auf dem franziszeischen Kataster von 1828 sowohl Kirche als auch Osttrakt fehlen. Der Südtrakt wurde in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts nach Osten bis zur Straße hin erweitert und im Zuge der baulichen Neugestaltung bei der Adaptierung der Räumlichkeiten als Pflegeheim Ende der achtziger Jahre nach Osten zur Straße hin mit einem Trakt abgeschlossen. Die Reste des ehemaligen Innenhofes sind im Westen des heutigen Innenhofes zu sehen. Im Westtrakt ist eine Kapelle integriert, deren klassizistische Fassade darauf schließen lässt, dass sie ebenfalls nach dem Brand 1804 als Ersatz für die abgetragene Kirche errichtet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archivalien ==&lt;br /&gt;
Bereits 1884 berichtete der Friesacher Stadtpfarrer Franz Kornke auf Anfrage des Gurker&lt;br /&gt;
Ordinariats, dass sich im Archiv keinerlei Akten mit Bezug auf Maria Magdalena und&lt;br /&gt;
St. Mauritzen auffinden ließen. Zurückzuführen ist dies vermutlich auf die wechselvolle Geschichte am Ort der Propstei sowie auf die zahlreichen Brände, die 1582, 1652 und 1673 die Stadt Friesach vernichteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
=== Siegel ===&lt;br /&gt;
Von diesem nur kurz blühenden Stift konnte bisher kein Siegel, weder vom Kapitel, noch von einem der namentlich bekannten Pröpste angetroffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wappen ===&lt;br /&gt;
Geteilt von Silber und Rot, oben 1:2 gestellt drei rote Ballen (Kugeln).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
*Monumenta Historica ducatus Carinthiae. Geschichtliche Denkmäler des Herzogtums Kärnten. 11 Bände. Klagenfurt 1896–1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur== &lt;br /&gt;
*Gottlieb Freiherr von Ankershofen: Materialien zur Kirchengeschichte des 16. Jahrhunderts. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 3. 1856, S. 10 folgend. &lt;br /&gt;
*Gottlieb Freiherr von Ankershofen: Das Magdalenen-Hospital in Friesach. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 5. 1860, S. 81 folgend. &lt;br /&gt;
*Claudia Fräss-Ehrfeld: Geschichte Kärntens. 2 Band. Die ständische Epoche. Klagenfurt 1994.&lt;br /&gt;
*Franz Lorenz Hohenauer: Die Stadt Friesach. Ein Beitrag zur Profan- und Kirchengeschichte von Kärnten. Klagenfurt 1847.&lt;br /&gt;
*Renate Jernej: Das Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 85. Klagenfurt 2001.&lt;br /&gt;
*Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten II. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 51. Klagenfurt 1985, S. 75.&lt;br /&gt;
*Jakob Kucher: Materialien zur Kirchengeschichte des 17. Jahrhunderts. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 5. 1860, S. 35 folgend.&lt;br /&gt;
*Michaela Laichmann: Friesach. Österreichischer Städteatlas. Wien 2002. &lt;br /&gt;
*Johannes Sacherer: St. Virgil zu Friesach. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 82. Klagenfurt 2002.&lt;br /&gt;
*Peter Tropper: Vom Missionsgebiet zum Landesbistum. Organisation und Administration der katholischen Kirche in Kärnten von Chorbischof Modestus bis zu Bischof Köstner. Klagenfurt 1996.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Wadl: Friesachs historische Entwicklung. Ein Überblick. In: Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Friesach. Hg. von Barbara Hienzl/Gerhard Seebach/Ulrike Steiner. Österreichische Kunsttopographie LI, Wien 1991.&lt;br /&gt;
*Thomas Zedrosser: Die Stadt Friesach in Kärnten. Ein Führer durch ihre Geschichte, Bau- und Kunstdenkmäler. Klagenfurt 1926.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Friesach</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Siegel */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ort Friesach wird mit der Schenkung Kaiser Ludwigs an das Erzstift Salzburg im Jahr 860 erstmals als ''ad Friesah'' genannt. Als Ableitung wurden das slowenische ''breg'' (Rain) bzw. ''breza'' (Birke) in Erwägung gezogen. Demnach würde es entweder den Ort bei den Rainern, am Ufer des Flusses Metnitz, oder den Ort bei den Birken bezeichnen. Die Namensformen des Chorherrenstifts in Friesach hängen mit der wechselvollen Geschichte der geistlichen und sozialen Institutionen, die vor der Gründung des Stiftes an diesem Ort existierten, eng zusammen. Um 1121 wird an dem Ort des späteren Chorherrenstifts ein Hospiz (''xenodochium'') und eine Kirche begründet, wobei das Patrozinium der Kirche rund 20 Jahre später erstmals in den Quellen mit Maria Magdalena genannt wird. Die Räumlichkeiten des noch vor dem Jahr 1275 verlegten Hospizes übernahm die Vereinigung der Beginen, die in den Quellen als „Schwestern von St. Mauritzen&amp;quot; (''sororibus, que dicitur de sancto Mauricio'') erscheinen. Die Kirche Maria Magdalena hatte spätestens seit dem 3. Viertel des 13. Jahrhunderts ein Doppelpatrozinium inne. Die in den Quellen nicht unmittelbar belegte Identität des Ortes ergibt sich anhand der Gründungsurkunde für die regulierten Augustiner-Chorfrauen in Friesach aus dem Jahr 1323: Die Chorfrauen des „Klosters Maria Magdalena&amp;quot; (''Monasterio nomen et titulum praetatae S. Mariae Magdalenae'') übernehmen das Haus, das einst die Mauritianerinnen (''quedam mulieres beginae, quae tune Mauritianae vocabantur'') innegehabt hatten. In der Folge wird die Vereinigung zumeist als „Kloster St. Maria Magdalena&amp;quot; bzw. als „Chorfrauen von St. Maria Magdalena&amp;quot; bezeichnet, teilweise mit dem Zusatz „Neustift&amp;quot;. Die Bezeichnung St. Mauritius ist für 1401 belegt. Das 1464 gegründete Augustiner-Chorherrenstift hingegen erscheint in den Quellen sowohl als „Kloster St. Maurizen&amp;quot; (''monasterium ... ad S. mauricy'') als auch als „Kloster Sankt Maria Magdalena&amp;quot;(''... closters zu sand Maria Magdalen ...''). Nach dem Ende des Stifts 1513 blieb die Propstei dem Namen nach bestehen. Die Titularpropstei wird zumeist als „Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen&amp;quot; bezeichnet, wenngleich die Weglassung des einen oder anderen Doppelnamens belegt ist. Im 18. Jahrhundert begegnet als Sammelbegriff auch die Bezeichnung ''praepositura S. Mauritii et Sociorum''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische Topographie ==&lt;br /&gt;
Die Stadt Friesach liegt rund 50 km nördlich der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt im politischen Bezirk St. Veit knapp an der Grenze zur Steiermark (SG Friesach, KG Friesach, VB St. Veit a. d. Glan) auf 637 m Seehöhe im breitesten Abschnitt des Metnitztales. In das Jahr 860 datiert die erste urkundliche Erwähnung Friesachs mit der Schenkung des Hofes Friesach an den Salzburger Erzbischof Adalwin durch Kaiser Ludwig. Kirchlich gehörte Friesach bis zur Loslösung des Bistums Gurk aus dem Salzburger Suffraganverband 1786/87 zur Salzburger Diözese. Seit dieser josephinischen Diözesanreform ist es Teil der Diözese Gurk. In weltlicher Hinsicht war Friesach bis 1535, als die Salzburger Erzbischöfe zugunsten der Habsburger Herzöge auf die Landeshoheit verzichteten, eine salzburgisch erzbischöfliche Stadt und unterstand dem Salzburger Erzbischof in weltlicher und geistlicher Hinsicht. Die Verbindung zu Salzburg dauerte bis in das Jahr 1803, als im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses die salzburgischen Außenbesitzungen an die Habsburger fielen. Das Chorherrenstift Maria Magdalena in Friesach, das nur 49 Jahre existierte (1464-1513), war eine Gründung des Salzburger Erzbischofs Burkhard und unterstand in geistlicher und weltlicher Hinsicht dem Metropoliten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patronzinen ==&lt;br /&gt;
Südlich des Chorherrenstifts befand sich die Kirche mit dem Doppelpatrozinium Maria Magdalena und St. Mauritzen. Die Kirche wurde bei einem Brand 1804 vollständig vernichtet und nicht wieder aufgebaut, so dass der Standort der Kirche heute nur mehr annähernd zu bestimmen ist. Das Patrozinium Maria Magdalena wird für Friesach um 1139 erstmals urkundlich erwähnt (''super altare beate Marie Magdalene''). Maria Magdalenas sterbliche Überreste sollen im 9.Jahrhundert in das Kloster in Vezelay überführt worden sein. Ab dem 11. Jahrhundert wurde dieses Kloster zu einem Wallfahrtsort, ab dem 13. Jahrhundert entstanden im deutschen Sprachraum Magdalenen-Orden für Büßerinnen und reuige Frauen. Als Attribute führt Maria Magdalena das Kreuz, ein Salbgefäß, eine Geißel oder Musikinstrumente. Das zweite Patrozinium ist in Friesach für das Jahr 1275 durch eine Besitzübertragung an die Schwestern von St. Mauritzen belegt, die bis 1323 das später von den Augustiner-Chorherren bewohnte Gebäude innehatten. Mauritius erlitt das Martyrium unter Maximianus, dem Mitregenten des römischen Kaisers Diokletian, bei Agaunum, dem heutigen St. Maurice im Wallis. Bereits im 6.Jahrhundert wurde am Ort des Mysteriums ein Kloster errichtet, das im 11. Jahrhundert die Augustiner-Regel annahm. Mauritius wird als dunkelhäutiger Ritter dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichtlicher Überblick ==&lt;br /&gt;
Dem Augustiner-Chorherrenstift Maria Magdalena war nur eine kurze Existenz von knapp 50 Jahren gegönnt. 1464 wurde es von Erzbischof Burkhard von Salzburg gegründet, bereits 1513 durch den Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach wieder aufgehoben. Die Augustiner-Chorherren übernahmen mit der Kirche und dem Stift Maria Magdalena jedoch eine geistlich-soziale Institution, die auf eine mehrere Jahrhunderte währende, bewegte Geschichte zurückblicken konnte. Bereits um das Jahr 1121 hatte Erzbischof Konrad von Salzburg an dem späteren Ort des Stiftes ein Hospital (''xenodochium'') gestiftet, neben dem er eine hölzerne Kirche erbauen ließ. Ein Patrozinium für diese Kirche ist noch nicht genannt, erst um 1139 erscheint die Kirche Maria Magdalena in den Quellen. Das Hospital wurde ebenfalls um 1139 dem Kloster Admont übertragen, diesem aber 1187 wieder entzogen und dem neu gegründeten Kollegiatstift St. Bartholomäus übergeben, dessen Kanoniker auch die Kirche Maria Magdalena mitbetreuen sollten. Doch bereits vor 1240 befand sich der Deutsche Orden im Besitz des Hospitals samt der dazugehörigen Kirche. Vor 1272 übersiedelte der Deutsche Orden an den südlichen Stadtrand von Friesach, wo sich bis heute das Deutsche-Ordens-Spital befindet. In das nunmehr verlassene Hospiz zog der nicht regulierte Frauenorden der Beginen ein. 1275 werden sie als ''sororibus, qui dicuntur de sancto Mauricio ibidem commorantibus'' genannt. Diese Vereinigung von Witwen und unverheirateten Frauen widmete sich karitativen Diensten. Sie waren keiner Ordensregel unterworfen und unterstanden der weltlichen Gerichtsbarkeit. Das Vermögen des Hospiz wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts durch Güterschenkungen verschiedener Ministerialenfamilien, deren weibliche Angehörige vermutlich dort lebten, vermehrt. Wer zu diesem Zeitpunkt die Kirche betreute, ist den Quellen nicht zu entnehmen, jedoch war den Säkularkanonikern von St. Bartholomäus 1187 diese Aufgabe übertragen worden, so dass anzunehmen ist, dass die Kanoniker von St. Bartholomäus die Kirche Maria Magdalena liturgisch versorgten. Der von Papst Klemens V. 1311 verbotene Beginenorden wurde auch in Friesach aufgelöst. Erzbischof Friedrich von Salzburg begründete 1323 an Stelle der ehemaligen, eher ärmlichen Räumlichkeiten (''domus exilis'') der Friesacher Beginen ein reguliertes Augustiner-Chorfrauenstift. Die priesterlichen Ämter im Kloster sollten von zwei Priestern des Kollegiums von St. Bartholomäus gehalten werden. An besonderen Festtagen sollte der Dekan selbst die Eucharistie feiern und die Beichte abnehmen. 1334 wurde das Stift von Erzbischof Friedrich mit zusätzlichen Pfründen ausgestattet, die dem Unterhalt von zwei Kaplänen zugutekommen sollten. Da das Stift auf Grund und Boden der Kanoniker von St. Bartholomäus stand und über eigene Begräbnis- und Pfarrechte verfügte, wurden im Gegenzug die Kanoniker von St. Bartholomäus vom Erzbischof entschädigt. Bis gegen Ende des 14. Jahrhunderts florierte das Stift, wie zahlreiche Schenkungsurkunden bezeugen. Namentlich bekannt sind aus dem 14. Jahrhundert die Nonnen Katharina und Elisabeth, in der vermutlich die spätere Äbtissin Elsbeth Markravin (bezeugt für 1354, 1356) zu sehen ist. 1403 wird mit Margareta eine weitere Chorfrau namentlich genannt, die vermutlich ident ist mit der späteren Meisterin Margareta Apotkarin (bis 1411). Aus dem Jahr 1341 datierte ein Filiationsbrief mit dem Gurker Domkapitel, die einzige bekannte Verbrüderung des Chorfrauenstifts, der sich jedoch nur als Regest erhalten hat, so dass über den Inhalt nichts Näheres bekannt ist. Erst an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert und mit einem vernichtenden Brand 1423 kam es zum Niedergang des Stiftes. 1443 verstarb Brigitta Moosburgerin, die 1411 von Erzbischof Eberhard ernannte Äbtissin. Noch 1448 war das Amt der Äbtissin vakant. Für das Jahr 1451 wird als Meisterin des Stifts Dorothea Huczingerin als bereits verstorben genannt, so dass nur zu vermuten bleibt, dass sie dieses Amt kurz nach 1448 angetreten hatte und nur wenige Jahre ausübte. Der umfangreiche Besitz des Stiftes wurde von Stiftsschaffern besorgt, von denen vier namentlich bekannt sind: 1379 kommt es zwischen dem Stift und dem gewesenen Amtmann Jakob von Moserin wegen wechselseitiger Ansprüche zu einem Vergleich. 1443 übte Ludwig, Pfarrer von Sagritz, das Amt des Schaffers aus, 1448 finden wir Hans Walichseder in dieser Position. 1451 hatte mit Balthasar Waldecker ein Mann dieses Amt inne, der zugleich als Vizedom von Friesach fungierte und somit in der weltlichen Verwaltung als Stellvertreter des Salzburger Erzbischofs fungierte. Pläne zur Wiederbelebung des Frauenstiftes blieben erfolglos, so dass 1464 Erzbischof Burkhard an Stelle des Frauenstifts ein reguliertes Augustiner-Chorherrenstift errichtete. Über die Statuten und Lebensweisen in der Propstei ist keine Nachricht erhalten, jedoch lässt der Zeitpunkt der Gründung daran denken, dass ein Zusammenhang mit der ab dem frühen 15. Jahrhundert im süddeutschen-böhmischen Raum wirksamen Raudnitzer Reformbewegung gegeben ist. Ähnlich der „Melker Reform&amp;quot; der Benediktinerklöster wurde die Augustinerregel von der Propstei Raudnitz an der Elbe reformiert und dabei die, die religiöse Haltung des Spätmittelalters stark beeinflussende ''devotio moderna'' ausgebildet. Erster Propst in Friesach wurde der regulierte Augustiner-Chorherr [[Johann Junge]]. Erzbischof Burkhard übertrug ihm am 31. August 1464 die Administration des Klosters in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten mit allen Rechten und Pflichten(...'' administrationem spiritualium et temporalium'' ... ).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Statt Friesach (Merian).jpg|mini|400px|Statt Friesach, ''Kupferstich 1679''&amp;lt;br /&amp;gt;''Matthaeus Merian, Topographia Provinciarum Austriacarum'']]Die kurze Geschichte des Chorherrenstiftes ist quellenmäßig eher schlecht zu fassen. Neben der Gründungsurkunde im Haus-, Hof-und Staatsarchiv in Wien und der Aufhebungsurkunde im Kärntner Landesarchiv in Klagenfurt sind nur wenige Regesten von Verleih- bzw. Kaufbriefen im Salzburger Repertorium, Cameralabteilung XX im Haus-, Hof-und Staatsarchiv überliefert. Über die wirtschaftliche Situation des Chorherrenstiftes informiert ferner eine Rechnungslegung aus dem Jahr 1476, die allerdings nicht den gesamten Besitz umfasst und im Kärntner Landesarchiv aufliegt. Somit sind die Wirtschaftsverhältnisse zumindest dürftig beleuchtet, während Hinweise auf die spirituellen Aufgaben und Abläufe im Stift völlig fehlen. Jeweils 1464 und 1478 kam es durch den namentlich nicht genannten Stiftsschaffer zu Kaufrechtsverleihungen von Gütern des Klosters St. Mau ritzen. 1495 erfolgten zwischen Propst Johann und zwei Friesacher Bürgern Vergleiche wegen strittiger Besitzungen in Friesach, wobei die Streitobjekte unter anderem in einer Mühle unter dem Geiersberg und in einem Haus mit Garten in Friesach bestanden. Noch 1498 stand der 1464 eingesetzte Propst Johann dem Stift vor, wie aus einem weiteren Vergleich hinsichtlich einiger Kaufrechte an Gütern in und um Friesach hervorgeht. 1502 begegnet Propst [[Christoph]] in einer Verleihurkunde, 1510 ist der letzte Propst [[Augustin Pollinger]] bezeugt. 1513 wurde die geistliche Institution, die sich am Vorabend der Reformation als nicht lebensfähig erwies, aufgelöst. Der letzte Propst Augustin Pollinger erhielt als Kompensation die Kaplanstelle in der Virgilikapelle im Fürstenhof zu Friesach sowie Einkünfte von acht Pfund Pfennig, die ihm der Verweser des Klosters aus dessen Einkünften zukommen lassen sollte. Die Einkommen sollten ihm nur dann entzogen werden können, wenn er mit einer gleich hohen Pfründe entschädigt würde. Nominell bestand die Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen jedoch weiter. Künftig wurden die Propstei und deren Einkünfte von einem Verweser verwaltet. Zwischen 1513 und 1525 sind weitere Verleihungen und Verkäufe an das Stift bezeugt. 1525 wird eine Hube aus dem Besitz von St. Mauritzen durch Erzbischof Matthäus Lang vergeben. Man kann darin einen Hinweis sehen, dass das als Titulaturpropstei fortbestehende Amt nicht besetzt gewesen war. Doch bereits 1528 wurde eine Hube vom namentlich nicht genannten Propst des Klosters verliehen, 1537 hatte der Salzburger Kapitelherr [[Peter Renn]] diese Würde inne. Im 16. Jahrhundert standen zumeist Salzburger Kapitelherren im Genuss der nicht gering dotierten Pfründen, während im 17. Jahrhundert die Bischöfe von Seckau damit ausgestattet waren. Um die Zahlung der Quart als Türkensteuer entbrannte ein jahrelanger Konflikt zwischen Landesfürst und Propst Peter Renn, der erst 1533 mit einem Erfolg für St. Mauritzen endete. Die Propstei wurde dabei als Salzburger Kammergut bezeichnet. Die Pröpste von St. Mauritzen konnten weiterhin die hohe Pfründe von rund 700 Gulden kassieren. Die Messen wurden zunächst von Kaplänen, dann von den Friesacher Dominikanerpatern gehalten, die Verwaltung wurde von weltlichen Personen besorgt. Bei einer Visitation aus dem Jahr 1616 wurde festgehalten, dass die Propstei einst ein ''ordo strictissimi'' gewesen wäre, nunmehr jedoch der Propst zu keiner Zeit in dem teilweise bereits eingestürzten Propsteigebäude verweile. Die Messen in der Kirche wurden von den Dominikanerpatres von St. Nikolai gehalten. 1780 ging die Propstei an das Bistum Lavant über, womit sich auch die Bezeichnung Schloss Neu-Lavant als Gegensatz zu der am Petersberg gelegenen Burg Lavant für das ehemalige Propsteigebäude einzubürgern begann. 1804 brannte die Kirche ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Durch die Aufhebung des Untertansverbandes 1848 verlor das Schloss Neu-Lavant seine Funktion als Sitz der Gutsverwaltung für die Lavanter Güter um Friesach, so dass es 1857 in Privatbesitz veräußert wurde. Aufgrund der 1859 erfolgten Verlegung des Bistums Lavant nach Marburg (heute Slowenien) wurden außerdem zusätzliche Einnahmen benötigt, um in Marburg Gebäude erwerben zu können. 1884 bemühte sich die Kärntner Landesregierung, die Propstei für Kärnten zu erhalten. Ab 1890 war das Haus Sitz von Dominikanerinnen, 1925 wurde hier eine Haupt- und Volksschule für Mädchen eingerichtet und seit 1988 befindet sich an der Stelle des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts das sogenannte Hemmahaus, eine Einrichtung des Kärntner Caritasverbandes und der Diözese Gurk für alte und pflegebedürftige Personen. Die Propstei wird heute nicht mehr vergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirtschaftliche Basis des Chorherrenstifts war, wie für andere geistliche Institutionen jener Zeit, die Grundherrschaft. Aus der relativ kurzen Zeitspanne der Existenz des Stifts ist nur ein Verzeichnis der Einnahmen und Ausgaben vorhanden, das aus dem Jahr 1476 stammt, von Paul Semelhofer erstellt wurde und im Kärntner Landesarchiv aufbewahrt wird. Da Semelhofer Procurator des Klosters war und am Ende des 15. Jahrhunderts wirtschaftliche Belange noch öfters von Geistlichen besorgt wurden, ist es nicht ausgeschlossen, in ihm einen der wenigen, namentlich bekannten Chorherren des Klosters zu sehen. Die verzeichneten Einnahmen rührten von Grundbesitz in der Umgebung von Friesach her. So werden Besitzungen in St. Thomas (Hartmannsdorf), am Liechtperg under der Grabentzy (Grebenzen in der Steiermark), in Sepach, Gunzenberg, Micheldorf, Metnitz und St. Kosmas genannt. Außerdem verfügte das Kloster über Einnahmen aus einer Mühle unter dem Geiersberg in Friesach, über einen Zehent in Zeirigk (Zeiring?) und einen Weinberg in Marburg. Die Abgaben wurden teilweise in Geld, teilweise in Naturalien wie Hühner, Eier, Schafe und Getreide entrichtet. Den Einnahmen gegenüber standen Ausgaben für den Unterhalt der Klosterbrüder, für den Kirchenbedarf, die Klostergebäude und den Weinbau. Ein Teil der verzeichneten Einkünfte lässt sich bereits im 14. Jahrhundert als Teil der Grundherrschaft des Chorfrauenstifts nachweisen, wie die Mühle in Friesach oder der Weingarten in Marburg. Auch die Hube am Gunzenberg erscheint bereits 1356 im Besitz des Frauenklosters. Darüber hinaus verfügte das Frauenkloster jedoch über Besitzungen in der Steiermark rund um Fohnsdorf, im Murtal bei Murau und am Silberberg nahe Friesach. Auch lassen sich in Kärnten mehr Huben als im Besitz der Chorfrauen nachweisen, etwa im Metnitztal um St. Salvator oder am Krappfeld rund um Kappel. Da auch ein späteres Stiftsregister der Grundherrschaft der Propstei St. Maria Magdalena und St. Mauritzen aus dem Jahr 1718 weit mehr Untertanen anführt als die Rechnungslegung von 1476, liegt die Vermutung nahe, dass diese keinen vollständigen Überblick liefert und die Grundherrschaft des Augustiner-Chorherrenstift im späteren 15. und frühen 16. Jahrhundert bedeutend ausgedehnter war als sie diese Momentaufnahme vermittelt. 1718 dienten insgesamt 154 Untertanen zur nominell fortbestehenden Propstei. Sie verteilten sich auf Ämter in der Steiermark (Amt Judenburg, Amt Scheifling, Amt Neumarkt) und auf Kärnten (Amt Unterkärnten, Amt Mittelkärnten, Amt Oberkärnten). Zum Amt Unterkärnten zählten Besitzungen südlich von Friesach rund um Meiselding und Mölbling, das Amt Mittelkärnten umfasste Einnahmen östlich von Friesach bis ins Görtschitztal bei Hüttenberg und südlich begrenzt von Kappel und Guttaring, während das Amt Oberkärnten das Gebiet westlich von Friesach und das Metnitztal abdeckte. Die Besitzungen in der Steiermark waren weniger zahlreich und konzentrierten sich, den Ämternamen entsprechend, rund um Judenburg, Scheifling und Neumarkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Als Augustiner-Chorherren unterstanden die Kanoniker von Maria Magdalena und St. Mauritzen an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert ihrem Diözesanbischof, dem Erzbischof von Salzburg. Als Stellvertreter und Mittler zwischen Erzbischof und Pfarren hatte sich im Laufe des Mittelalters das Amt des Archidiakons oder Erzpriesters ausgebildet. Der Archidiakon übte das Amt eines geistlichen Richters aus und nahm in der kirchlichen Verwaltung eine zentrale Rolle zwischen Bischof und Diözese ein, die erst mit dem Tridentinum (1545-1563) geschmälert wurde. In Kärnten existierten bis 1624 mit Ober-und Unterkärnten zwei Archidiakonatsbezirke, wobei Friesach zum Unterkärntner Bezirk zählte. Im Laufe des 15. Jahrhunderts waren die Pröpste vom Friesacher Kollegiatstift Virgilienberg Archidiakone von Unterkärnten, ab 1527 folgten zumeist die Pröpste vom Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach in dieses Amt. Friesach war im 15. Jahrhundert mit zwei Kollegiatstiften, einem Dominikanerkloster, einem Zisterzienserinnenkloster und der Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen eine bedeutende geistliche Stadt, wenngleich sich auch hier die beginnende Reformationszeit bemerkbar machte und die Kanonikate der Stifte nicht immer besetzt werden konnten. Umso mehr ist in der Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts 1464 ein Versuch Erzbischof Burkhards zu sehen, dem entgegenzuwirken. Patron der Propstei war bei der Gründung 1464 der Erzbischof von Salzburg. 1786 wurde durch eine Konvention Kaiser Josephs II. das Präsentationsrecht abwechselnd dem Salzburger Erzbischof und dem Landesfürsten übertragen. Noch im 19. Jahrhundert musste der Fürstbischof von Lavant die Genehmigung des Salzburger Erzbischofs einholen, um die Gebäude der Propstei veräußern zu können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die sozialen Verhältnisse der Kanoniker, ihre Herkunft und ihre Lebensumstände ist mangels Quellen und aufgrund der kurzen Existenzzeit des Stiftes keine Aussage zu treffen. Die Propstwürde, die auch nach 1513 erhalten blieb, war aufgrund ihrer reichen Dotation jedoch für die Salzburger Kapitelherren und dann für die Bischöfe von Seckau eine interessante Einnahmequelle, umso mehr, als damit offenbar keine unmittelbaren Pflichten verbunden waren. Der ausgedehnte Untertanenverband blieb bis 1848 mit der Propstei Maria Magdalena und St. Mauritzen verbunden. Auch dafür ist die Quellenlage zu dürftig, als dass nähere Aussagen zu den sozialen Umständen der Stiftsuntertanen getroffen werden könnten. So sind hier nur allgemeine Überlegungen anzuführen. Die Stiftsuntertanen leisteten mannigfache Abgaben, deren Art und Bezeichnung im Lauf der Jahrhunderte wechselte. Zunächst handelte es sich um Naturalgaben, ab dem 17. Jahrhundert zunehmend um Geldabgaben. Die Einnahmen des Stifts bestanden aus den Abgaben der Grundholden und den Zehenteinnahmen. Dazu kamen die unregelmäßigen Abgaben wie Anlaithen und Ehrungen bei Veränderungen des Lehensträgers. Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden die Abgaben der Grundholden, abgesehen von Zehent und Kleinrechten, vorwiegend in Geld geleistet. Neben Zins und Sidlpfennig wurden Steuer, Rüstgeld und neue Anlag eingehoben, Abgaben, die an den Landesfürsten weiterzuleiten waren. In der Folge variierten die Bezeichnungen der Abgaben, die prinzipielle Unterscheidung zwischen grundherrlichen und landesfürstlichen Abgaben blieb jedoch bestehen. Zu den landesfürstlichen Abgaben zählten im 18. Jahrhundert Contribution, Fleischtatz, Rimonta und Rekrutenanlage. Für die Kärntner und die steirischen Stiftsuntertanen war die Contribution unterschiedlich hoch veranschlagt. Im 19. Jahrhundert wurde zwischen Dominikal- und Rustikaluntertanen unterschieden, wobei die Dominikaluntertanen im Verhältnis weniger zu leisten hatten, da für sie keine landesfürstlichen Abgaben im Zins mitveranschlagt wurden. Anzunehmen ist, dass ein Untertanenverband, der im 18. Jahrhundert 154 Besitzugen aufwies, von einem Verwalter besorgt wurde. Mit der Grundherrschaft verbunden war die niedere Gerichtsbarkeit, die gewöhnlich von der Vogteiherrschaft übernommen wurde. Wie die Organisation im Falle von Maria Magdalena und St. Mauritzen aussah und wer diese Funktionen ausübte, muss ebenso offen bleiben wie die Frage nach den eventuell vorhandenen Spannungen und Problemen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kunst- und Baugeschichte ==&lt;br /&gt;
=== Kirche ===&lt;br /&gt;
Von der 1804 bei einem Stadtbrand vollständig vernichteten Kirche sind heute keine oberirdischen Überreste mehr vorhanden. Heute befindet sich an Stelle der ehemaligen Kirche die ost-west-verlaufende Conventgasse, wobei auffällt, dass diese gegenüber dem nördlich und südlich anschließenden Gelände ca. 2 Meter erhöht liegt. Offensichtlich wurde der Schutt beim Kirchenabriss nicht vollständig einplaniert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Kirchenbau war aus Holz errichtet gewesen, während vermutlich mit der Einrichtung des Chorfrauenstifts im Jahr 1323 ein Steinbau errichtet wurde. Ein im Archiv der Diözese Gurk aufbewahrter, undatierter Grundrissplan der Kirchen-und Klostergebäude etwa aus den vierziger Jahren des 17. Jahrhunderts zeigt eine dreischiffige, dreijochige Kirche, wobei der Chorbereich rund ein Drittel des Kirchenschiffes umfasste. Die Kirche befand sich ehemals an der Südseite des Klostergebäudes. Ein Stich von Matthäus Merian aus dem Jahr 1649 zeigt, dass sie ohne Turm errichtet war. Ähnlich der Dominikanerklosterkirche verfügte sie über einen, in diesem Fall am Westende, angesetzten Dachreiter. Aus dem Jahr 1672 stammt eine weitere Darstellung der Kirche. In diesem Jahr wurde die Propstei ''ex fundamente'' renoviert. Aus Anlass dieser Renovierung wurde ein Inschriftenstein zur Erinnerung gesetzt, der ursprünglich über dem Eingangstor angebracht gewesen war und der sich heute in der Begrenzungsmauer unweit des Eingangs zum Hemmahaus befindet. Der Wortlaut der Inschrift ist folgender: &lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;''Wenceslaus dei gratia episcopus Passovensis et Gurcensis sacri Romani imperii princeps cathedralis ecclesiae Salisburgensis / praepositus ac comes A Thun Wenceslaus Wilhelmus dei gratia episcopus ac princeps Seccovensis comes Hofkhrchen(!) arche/piscopalium ecclasiarum cathedralum Gurcensis ac Passovensis canonicus venerabilis praepositura S.S M.Magdalenam ac Mauritium / pro tempore praepositus hoc renovare .praeposituram ex fundamento ad hanc exergere formam anno nativitate domn. MDCLXXII. ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über dem Inschriftenfeld stehen der heilige Mauritius und die heilige Maria Magdalena. Zwischen Ihnen und von Ihnen gehalten sind eine Darstellung des Stiftgebäudes mit der Kirche sowie die Wappen der Stifter, des Bischofs Wenzel von Passau und Gurk und des Bischofs Wenzel von Seckau, seinerseits Propst von Maria Magdalena und St. Mauritzen, zu sehen. Auch hier verfügt die Kirche über einen Dachreiter. Eine durchaus vergleichbare Darstellung stammt aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts als Joseph Anton Schröck 1736 eine Kopie eines aus einer Serie von Salzburger Städtebildern stammenden Gemäldes von 1717 malte, so dass diesen Darstellungen in Bezug auf das Kirchengebäude durchaus Glaubwürdigkeit zukommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kloster ===&lt;br /&gt;
Das Klostergebäude selbst wurde mehrmals umgebaut, wobei wir bei der Erschließung der Gebäude vor dem 17. Jahrhundert auf schriftliche Quellen angewiesen sind. Bei der Gründung des Hospitals wurde eine hölzerne Kirche erbaut, so dass vermutlich auch die ersten Gebäude des Hospitals aus demselben Werkstoff verfertigt wurden. Für diese eher bescheidenere bauliche Ausstattung spricht auch, dass 1323 bei der Umwandlung in ein Augustiner-Chorfrauenstift die Räumlichkeiten als domus exilis, als ärmliches Haus, bezeichnet wurden. Anlässlich dieser Begründung des regulierten Frauenordens durch Erzbischof Friedrich von Salzburg erfolgte jedoch ein Neubau des Klosters (de novo fundavimus domibus et edificiis). Diese bei der Gründung des Frauenstifts errichteten Gebäude bezogen wohl auch die Chorherren im Jahr 1464. Eine Rechnung des Klosters St. Mauritzen aus dem Jahr 1476 berichtet von notwendigen Ausgaben für das Dach und die Wasserleitung. Über die Nutzung der Gebäude nach der Aufhebung der Propstei 1513 ist nichts Näheres bekannt. Nach dem Stadtbrand von 1582, als unter anderem die Propstei St. Bartholomäus samt der Stadtpfarrkirche schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, konnten vorübergehend die Kanoniker von St. Bartholomäus in dem offenbar weitgehend ungenutzten Gebäude eine Wohnstatt finden. Der Grundrissplan aus den vierziger Jahren des 17. Jahrhunderts zeigt um einen zentralen, ca. 9 x 9 Klafter messenden Innenhof einen Kreuzgang, der im Westen und Norden von Gebäudetrakten umschlossen wurde. Im Norden war ein Wirtschaftsgebäude angeschlossen (K-Q), dazwischen lag der Küchentrakt (H, I). Das Gebäude selbst verfügte neben den Räumlichkeiten im Erdgeschoß noch über einen ersten Stock, in dem u.a. zwölf Zellen waren. Im Süden schloss die Kirche an, im Osten erstreckte sich ein Hof zur Straße hin. Das im Norden folgende Gebäude mit Küchen- und ebenerdigen Lagerungsräumen wurde vermutlich noch im 17. Jahrhundert gänzlich abgetragen. Eine vollständige Renovierung von Grund auf (ex fundamente) ist für das Jahr 1672 durch den genannten Inschriftenstein belegt. Die Darstellungen von 1649 und 1717 zeigen zwei unterschiedliche Gebäude typen: Während Merian einen geschlossenen Komplex rund um einen Innenhof darstellte, an dessen Südseite sich die Kirche befindet, wie es auch durch den Grundrissplan belegt ist, sind bei Schröck zwei nebeneinanderstehende Gebäude zu erkennen, was aber auf die perspektivische Verzerrung zurückzuführen sein wird. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts nutzten die Bischöfe von Lavant das Haus, so dass die Bezeichnung Schloss Neu-Lavant, als Gegensatz zur ursprünglichen Residenz der Lavanter Bischöfe am Petersberg, gebräuchlich wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich im Zuge des Brandes von 1804 wurde neben der Kirche auch die Ostseite des Kreuzgangs geschleift, da auf dem franziszeischen Kataster von 1828 sowohl Kirche als auch Osttrakt fehlen. Der Südtrakt wurde in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts nach Osten bis zur Straße hin erweitert und im Zuge der baulichen Neugestaltung bei der Adaptierung der Räumlichkeiten als Pflegeheim Ende der achtziger Jahre nach Osten zur Straße hin mit einem Trakt abgeschlossen. Die Reste des ehemaligen Innenhofes sind im Westen des heutigen Innenhofes zu sehen. Im Westtrakt ist eine Kapelle integriert, deren klassizistische Fassade darauf schließen lässt, dass sie ebenfalls nach dem Brand 1804 als Ersatz für die abgetragene Kirche errichtet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archivalien ==&lt;br /&gt;
Bereits 1884 berichtete der Friesacher Stadtpfarrer Franz Kornke auf Anfrage des Gurker&lt;br /&gt;
Ordinariats, dass sich im Archiv keinerlei Akten mit Bezug auf Maria Magdalena und&lt;br /&gt;
St. Mauritzen auffinden ließen. Zurückzuführen ist dies vermutlich auf die wechselvolle Geschichte am Ort der Propstei sowie auf die zahlreichen Brände, die 1582, 1652 und1673 die Stadt Friesach vernichteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
=== Siegel ===&lt;br /&gt;
Von diesem nur kurz blühenden Stift konnte bisher kein Siegel, weder vom Kapitel, noch von einem der namentlich bekannten Pröpste angetroffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wappen ===&lt;br /&gt;
Geteilt von Silber und Rot, oben 1:2 gestellt drei rote Ballen (Kugeln).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
*Monumenta Historica ducatus Carinthiae. Geschichtliche Denkmäler des Herzogtums Kärnten. 11 Bände. Klagenfurt 1896–1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur== &lt;br /&gt;
*Gottlieb Freiherr von Ankershofen: Materialien zur Kirchengeschichte des 16. Jahrhunderts. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 3. 1856, S. 10 folgend. &lt;br /&gt;
*Gottlieb Freiherr von Ankershofen: Das Magdalenen-Hospital in Friesach. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 5. 1860, S. 81 folgend. &lt;br /&gt;
*Claudia Fräss-Ehrfeld: Geschichte Kärntens. 2 Band. Die ständische Epoche. Klagenfurt 1994.&lt;br /&gt;
*Franz Lorenz Hohenauer: Die Stadt Friesach. Ein Beitrag zur Profan- und Kirchengeschichte von Kärnten. Klagenfurt 1847.&lt;br /&gt;
*Renate Jernej: Das Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 85. Klagenfurt 2001.&lt;br /&gt;
*Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten II. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 51. Klagenfurt 1985, S. 75.&lt;br /&gt;
*Jakob Kucher: Materialien zur Kirchengeschichte des 17. Jahrhunderts. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 5. 1860, S. 35 folgend.&lt;br /&gt;
*Michaela Laichmann: Friesach. Österreichischer Städteatlas. Wien 2002. &lt;br /&gt;
*Johannes Sacherer: St. Virgil zu Friesach. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 82. Klagenfurt 2002.&lt;br /&gt;
*Peter Tropper: Vom Missionsgebiet zum Landesbistum. Organisation und Administration der katholischen Kirche in Kärnten von Chorbischof Modestus bis zu Bischof Köstner. Klagenfurt 1996.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Wadl: Friesachs historische Entwicklung. Ein Überblick. In: Die profanen Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Friesach. Hg. von Barbara Hienzl/Gerhard Seebach/Ulrike Steiner. Österreichische Kunsttopographie LI, Wien 1991.&lt;br /&gt;
*Thomas Zedrosser: Die Stadt Friesach in Kärnten. Ein Führer durch ihre Geschichte, Bau- und Kunstdenkmäler. Klagenfurt 1926.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Eberndorf</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das spätmittelalterliche Nekrologium des Stiftes Eberndorf nennt zum 16. Mai „''Achacius comesfundator huius monasterii, Chunigundis vxor sua''“, wobei über dem Namen Achacius von anderer (späterer) Hand „''Gatzelinus''&amp;quot; geschrieben wurde. An diesem Tag beging man im Stift den Jahrtag dieses und aller anderen Stifter mit einergetreidespende an die Armen, eines „Schinkens&amp;quot; und einer Urne Wein.&lt;br /&gt;
Bei „''Achacius''&amp;quot; handelte es sich um den in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Friaul begüterten Graf Chazil, in der Literatur als Graf in Friaul, von Eberndorf und von Moggio bezeichnet. Chazil bzw. Kazelin ist die Kurzform von Kadalhoch, eines Namens, der in der Nachkommenschaft desgrafen Otakar (von Leoben, in Karantanien, 904) üblich war. Als Patriarch Sighard von Aquileja 1072 die Abtei Michaelbeuern bei Salzburg erneuerte, befand sich in seinem Gefolge auch sein Vasall Chazilide Mvosiza (= Moggio in Friaul). Der Patriarch und Kazelin waren miteinander entfernt verwandt. Kazelin war ein Urenkel Aribos und seiner Frau Adala (Adula), der Stifter von Göss, der Patriarch aber nach Heinrich Dopsch (1991) ein Enkel Adulas aus ihrer zweiten Ehe (diese von Plank 1981 bestritten). Diese Verwandtschaft und das Vasallenverhältnis Chazelins zu Aqileja bedingten enge Beziehungen zum Patriarchat. Aus ihnen erflossen nach Kazelins Tod zwei Klostergründungen.&lt;br /&gt;
Da Kazelin kinderlos war - seine Gemahlin Kunigunde wird nur im Eberndorfer Nekrolog aus dem späten 15. Jahrhundert genannt - und auch der Letzte seiner Linie, übergab er um 1085 dem Patriarchen Friedrich II. von Aquileja (1084-1086) Eigengüter in Friaul, vor allem um Moggio an der Fella, zur Stiftung eines Klosters. Diese Dotation verwendete Patriarch Ulrich I. (1086 - 1121) zur Errichtung der Benediktinerabtei Moggio, deren Kirche 1119 geweiht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kazelin hatte aber vor seinem Tod auch seinen in Unterkärnten gelegenen Allodbesitz der Kirche von Aquileja mit der Bedingung überantwortet, ''dass durch die an dem Ort, wo er begraben würde, lebenden Brüder immerfort mit gebeten gott gedient werde.'' Kazelin starb im oder bald nach dem Jahr 1090 und wurde zuerst in Gösseling (nicht Gösselsdorf bei Eberndorf), unmittelbar bei St. Georgen am Längsee in Kärnten, wo 1002 - 1018 Adalas Schwester Wichburg ein Nonnenklostergestiftet hatte, begraben.	&lt;br /&gt;
Weil Gösseling im Bereich der Erzdiözese Salzburg lag, ordnete Patriarch Ulrich die Überführung des Leichnams Kazelins in die Kirche „''sanctae Mariae Jun in Dobrendorf''“&lt;br /&gt;
(= Eberndorf), die im Diözesansprengel des Patriarchats und auf Kazelins Eigengut lag, an und veranlasste deren Erweiterung. Die angebliche Anwesenheit von drei Suffraganbischöfen Aquilejas (Erhard von Pola, Riwin von Concorda, Hartwig von Triest) bei der Überführung und endgültigen Grablegung Kazelins fällt auf. Kurz vor 1106 soll Bischof Riwin von Concordia im Auftrag des Patriarchen die neue Kirche in Eberndorf geweiht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1106 kam Patriarch Ulrich I. persönlich nach Eberndorf und stellte dort eine Urkunde aus, durch die er dem Gotteshaus und den bereits am Ort lebenden Kanonikern zu ihrem Unterhalt folgende Güter, Einkünfte und Kirchen übertrug : die Dörfergösseling (Goztelich), Eberndorf (Dobrendorf) und was Graf Kazelin in Köcking (Coken), Pribelsdorf (Prilep),gablern (Gablarn, alle drei bei Eberndorf) und anderen Dörfern besaß, die Hügel Kolm (Chulm), Krugl (Chrugel), auf dem das Stift liegt, und Unarach (Vnistiz) bei Eberndorf. Die Wälder mit Jagd- und Fischrechten zwischen dem Jaunberg (Jvnberch, jetzt Hemmaberg bei Jaunstein) und Zelach (Seelach bei St. Kanzian oder Sielach bei Sittersdorf?) und die Zehente zu Windischgraz/Slov.gradec (Graz) und Eberndorf (Ivn) samt den vier Pfarren (plebibus) und ihren Zehenten in Rosegg (im Rosental, Ras), St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Windischgraz (Graz, eigentlich [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Pankraz in Altenmarkt bei Windischgraz|St. Pankraz in Altenmarkt]]).&lt;br /&gt;
Diese „Stiftungsurkunde&amp;quot; von 1106 Eberndorf (eine genauere Datumsangabe fehlt) ist nur als „Innovation&amp;quot; vom Jahre 1226 erhalten. An ihr hängt aber ein Siegel Patriarch Ulrichs I. (1086-1121), das an der Originalurkunde, nach der Sitte der Zeit, aufgedrückt gewesen wäre. Dieses Siegel ist übrigens das älteste authentische eines Patriarchen von Aquileja. Reinhard Härtel (dem ich hier für vielfache Hinweise aufrichtig danke)gab zu bedenken, dass es heute von Patriarch Ulrich I. keine einzige authentische Urkunde gibt.&lt;br /&gt;
1154 bestätigte der Patriarch Pellegrino I. nach Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes bei der Pfarre Eberndorf den dem Kloster zugewiesenen Besitz. Als solcher wird genannt: Die Pfarre Eberndorf samt Zehenten und sechs Kapellen, die Pfarre Leifling mit zwei Kapellen, ein Teil Zehent in der Pfarre Skalis bei Schönstein in der Untersteiermark und die Kapelle St. Georgen am Georgiberg bei Eberndorf. Die angeblich schon 1106 inkorporierten großen Pfarren St. Michael in Rosegg, St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Graz werden 1154 nicht erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Urkunde von 1106 angeblich in Eberndorf ausgestellt wurde, nennt sie als Zeugen der Rechtshandlung weder einen höheren oder niederen Geistlichen in der Begleitung des Patriarchen, noch den ersten Propst - nach Marian hätte es der von ihm zu 1111 genannte Hartwig (im Nekrolog von Eberndorf zum 3. August eingetragen) sein können - oder einen der Kanoniker. Auch die weltliche Zeugenreihe beinhaltet nur Vornamen, was R. Härtel jedoch als Kriterium der Echtheit der Urkunde ansieht. Auch die zum Schluss der Urkunde ausgesprochene ''Commina cio spiritualis'' ist damals nicht unüblich gewesen und findet sich auch in anderen Urkunden dieser Zeit. In der päpstlichen Bestätigung für den Patriarchen Pellegrino I. von 1132 fehlt Eberndorf richtigerweise unter den zum Patriarchat gehörigen Klöstern, weil es einerseits immer im Herzogtum Kärnten lag, andererseits noch nicht als reguliertes Stift existiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1106 hört man fast fünfzig Jahre überhaupt nichts von Eberndorf. Erst 1149, 1151 und 1152 erscheint in „''Leoprepositus Iunensis''“ der erste auch durch Urkunden nachweisbare Vorsteher einer Priesterkommunität in Eberndorf. Dies hat W. Fresacher, J. Rainer, E. Webernig und andere bewogen, die Errichtung des Augustiner-Chorherren Klosters zwischen 1149 und 1154 anzusetzen. 1154, unter Leos Nachfolger Roman, war sie durch die Einführung der Augustinerregel für die Kanoniker seitens des Patriarchen Pellegrino I. bereits vollzogen und 1177 wird Eberndorf erstmals als Kloster aquilejischer Jurisdiktion bezeichnet.&lt;br /&gt;
Auffallend ist, dass Patriarch Ulrich I. die Gründung Eberndorfs als Säkularstift schon 1106 ins Werk setzte, während er sich bei Moggio länger Zeit ließ, dessen Gründung erst 1119 zum Abschluss kam. R. Härtel hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Ulrich I. der letzte seines Hauses (Eppenstein) war. Deshalb und seines zuletzt hohen Alters wegen könnte sein Interesse an der weiteren Verfügung über die Güter Kazelins erlahmt sein. Andererseits konnte er auch ohne größere Bedenken aus Eigenem für Klostergründungengeben. Wegen der Übergabe der Güter Kazelins und der Inkorporation der vier Pfarren wurde Ulrich im Ebendorfer Nekrolog als „Stifter&amp;quot; eingetragen. Ein besonderer Freund der regulierten Chorherren scheint er aber nicht gewesen zu sein, hat er doch das nach der Augustinerregel lebende Kloster Rosazzo im Patriarchat Aquileja um 1090 in ein Benediktinerkloster umgewandelt, das der Hirsauer Reformbewegung nahestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die besondere Stellung Ulrichs I. (Alter, Letzter seines Hauses) könnte - nach Meinung Härtels - auch dafür verantwortlich sein, dass für beide Klöster aus ihrer Gründungszeit heute so wenig schriftliches Material vorhanden ist, vielmehr erst Patriarch Pellegrino I. die Verhältnisse sowohl in Moggio als auch in Eberndorf stabilisiert bzw. geordnet hat. Es herrscht die Meinung vor, Eberndorf sei die letzte Stiftsgründung in Kärnten gewesen, die in einen unmittelbaren Zusammenhang mit der von Salzburg getragenen Reformbewegung in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gebracht werden könne.&lt;br /&gt;
Denn die Chorherren waren, zum Unterschied von den Mönchen, auch in der Seelsorge tätig. Und um diese ist es Patriarch Pellegrino I. wohlgegangen. Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106-1147) führte die Augustinerregel in den Dom stiften Salzburg und Gurk ein und errichtete eine stattliche Zahl von Chorherrenstiften in seiner Diözese. Eberndorf wird mit den Stiften [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (Oberösterreich) und [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] (Niederösterreich) als zur Salzburger Observanz gehörig bezeichnet.&lt;br /&gt;
Die Frage nach der Herkunft der Chorherren des Jahres 1154 ist momentan nicht zu beantworten. Im Falle einer „Umwandlung&amp;quot; des Säkularstiftes in ein reguliertes, erübrigt sich die Frage weitgehend. Die Meinung, es könnten (auch) Kanoniker aus dem oberbayrischen Kloster Rottenbuch nach Eberndorf gekommen sein, wurde widerlegt und statt diesem der eben erwähnte Salzburger Reformkreis in Vorschlag gebracht. Trotzdem gab es schon um 1170 enge Beziehungen zwischen Eberndorf und Rottenbuch, weil damals ein und derselbe Propst beiden Klöstern vorstand.&lt;br /&gt;
Vogtei und Blutgericht über Eberndorf lagen ursprünglich bei den Herren von Trixen, dann wurde die Blutgerichtsbarkeit von den Herrschaften Sonnegg bzw. Rechberg als Sitze des Landgerichts Jauntal, seit 1454 aber vom herzoglichen Landgericht Stein im Jauntal ausgeübt. Die Niederegerichtsbarkeit über die Bewohner im Burgfried Eberndorf und über die stiftischen Untertanen hatte der Propst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kapitel von Eberndorf hatte das Recht, seine Pröpste aus seiner Mitte zu wählen, dem Patriarchat blieb als Ordinarius das Bestätigungsrecht. Unter dem bedeutendsten Propst des frühen Mittelalters Otto (II.) erreichten die Beziehungen zu Aguileja geradezu familiären Charakter. Otto, Propst des Reformklosters [[Stift Rottenbuch|Rottenbuch]] am Ammersee (dort 1144 zur Regierung gekommen), war eingeborener Graf von Falkenstein, Bruder des Abtes Rupert von Tegernsee (1156–1186) und hatte einen dritten Bruder Gebhard von Sanegg, der die Schwester des Patriarchen Ulrich II. Graf von Treffen (1161–1182) geheiratet hatte. Wohl deshalb wurde Propst [[Otto (Stift Eberndorf)|Otto]] 1173 (oder kurz davor) auch Propst von Eberndorf, dessen zusätzliche Einkünfte Otto für seine vom Patriarchen gewünschte Mitarbeit beweglicher machen und das Kloster Rottenbuch finanziell entlasten sollten. Aus den Jahren 1177 bis 1179 existiert ein Briefwechsel zwischen Otto, seinem Bruder Abt Rupert, dem Patriarchen und anderen Prälaten. Dieser zeigt Otto im aufreibenden Dienst beim Patriarchen, mit dem er sich in Venedig beim Friedensschluss zwischen Papst und Kaiser (1177) aufhielt. Er gehörte in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs I. Barbarossa mit Papst Alexander III. der päpstlichen Partei, das heißt der streng kirchlichen Richtung an und hatte deshalb manche Verfolgung von Seiten Welfs von Bayern zu ertragen. Aber selbst die Mittel aus zwei Propsteien scheinen für Otto nicht ausgereicht zu haben, um den Aufträgen des Patriarchen nachkommen. Der Propst beklagte sich beim Archidiakon von Villach darüber, dass er sich nicht einmal neue Kleider leisten könne, denn er musste häufig zwischen Rottenbuch, Eberndorf und Aguileja pendeln.&lt;br /&gt;
Eine Familienaffäre brachte Propst Otto sogar in Gegensatz zum Patriarchen. Herrand von Wildon, der schon mit Graf Wilhelm von Heunburg zwei Töchter Leutolds von Gutenberg-Waldstein entführt hatte, um für sich und seinen Freund zu reichen Bräuten zu kommen, entführte – diesmal nicht für sich – die minderjährige Tochter des inzwischen verstorbenen Gebhard von Sanegg. Die Mutter des Mädchens war damit einverstanden, denn sie wollte ihre beiden Kinder, die Tochter und deren Bruder, an nicht standesgemäße Partner verheiraten, um ihnen nicht das ganze elterliche Erbe als Mitgiftgeben zu müssen. Den größten Teil des Erbes gedachte sie dem Patriarchat Aquileia zuhanden ihres Bruders, des Patriarchen, zuzuwenden. Propst Otto gelang es, mit Unterstützung seines äbtlichen Bruders, den Knaben unter seine Obhut zu bringen und ihm nach langen Verhandlungen sein reiches väterliches Erbe gegen die Absichten der Mutter und des Patriarchen zu sichern. Der Knabe wurde dadurch der Stammvater der späteren Grafen von Cilli.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang des 13. Jahrhunderts bestanden auch Beziehungen zwischen Eberndorf und der Kanonie Reichersberg am Inn. Dort resignierte 1206 Propst [[Leonhard I.|Leonhard]]. Er verließ in diesem Jahr sein Kloster, nachdem er den dortigen Kanonikern noch einige Wohltaten erwiesen hatte, und wandte sich nach Eberndorf, wo er sofort zum Propst gewählt wurde. Auch hier wirkte er für seine neuen Mitbrüder segensreich. Auf ihn ging die Widmung der Einkünfte von 20 Huben zur Kleiderkammer der Chorherren zurück.&lt;br /&gt;
Das 14. und 15. Jahrhundert war auch für Eberndorf die große Zeit der Jahrtagsstiftungen. Die Schenkungen aus diesem Titel bedeuteten für die Propstei einen respektablen Besitzzuwachs. 1312 errichtete der Burgherr von Sonnegg im Jauntal eine große Stiftung, die von zwölf Priestern bedient werden sollte und gab dafür sechs Huben. Ob das Stift damals so viele Priesterkanoniker hatte ist unbekannt. Die zwölf Messen dürften wohl auch von den Säkularpriestern, die zum Jahrtag ins Stiftgeholt wurden, gelesen worden sein. Die Sonnegg–Stiftung wurde in der Folge noch erweitert, doch kam Ebendorf nicht sofort in den Besitz der Liegenschaften, denn diese wurden von späteren Burgbesitzern widerrechtlich zurückbehalten und erst 1394 den Stift eingeantwortet. 1313 verlieh Graf Heinrich von Görz-Tirol dem Stift Lehenhuben in Grabelsdorf bei Ebendorf, damit der Konvent für ihn und seine Vorfahren bete. Auch mehrere Mitglieder der im Jauntal ansässigen ritterlichen Familie der Christendorfer errichteten in dieser Zeit Messstiftungen. größere Jahrtagsstifungen gingen auf Wulfing von Sunneck (1344), die adeligen Schrampf (1501), den Kardinalbischof von Santa Sabina oder den Bischof Warunensis de Pruscia zurück. 1330 errichtete Patriarch Paganus für sich eine Jahrtagsstiftung in Eberndorf und gab dazu einen Weingarten bei Sittersdorf. 1362 erfolgte die Jahrtagsstiftung des Dechants Jacob von Eberndorf. Eine letzte Stiftung machte noch kurz vor der Reformation Martin Luthers der vermögende Propst Valentin Fabri 1508.&lt;br /&gt;
Durch die Munifizenz des Patriarchen Bertold (1218–1251) besaß Eberndorf schon früh auch eine Spitalstiftung. 1397 erlaubte der Patriarch der Propstei, die Stiftung von einem Kanoniker verwalten zu lassen. Sie überlebte nicht nur die Aufhebung des Stiftes, sondern auch die des Jesuitenordens und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformbestrebungen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte schon früher (1309) der Patriarch in das geistliche Leben der Kanonie Eberndorf eingegriffen, gab der Klerus in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nicht nur in der Diözese Aquileja, Anlass zu herber Kritik. Der Patriarch schickte Visitatoren auch nach Eberndorf. Diese fanden am 10. Oktober 1475 die dortigen Verhältnisse ziemlich liederlich. Unpassende Kleidung, intime Beziehungen zu Frauen und regelwidriges Leben waren die Hauptvorwürfe. Man schärfte Propst und Kapitel die schon früher ergangenen Reformvorschriften erneut ein. Bald danach wurde Leonhard von Keutschach zum Propst gewählt. Er hatte sich vordringlich um die Sicherheit der Propstei in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs III. mit den ins Land eingedrungenen Truppen des Ungarnkönigs Matthias Corvinus zu kümmern. Als Keutschach 1490 zum Dom Propst von Salzburg gewählt wurde, behielt er Eberndorf noch drei Jahre lang als Kommende bei. Schließlich wurde er Erzbischof von Salzburg, wo sein Andenken mit dem Ausbau der Festung Hohensalzburg verknüpft ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1497 kam ein Mann zur Propstwürde, der als typischer Vertreter des höher en Klerus am Vorabend der Reformation erscheint: [[Valentin Fabri]]. Er stammte aus Ponigl in der Untersteiermark, war als Säkularpriester 1478 schon Vikar, drei Jahre später ordentlicher Pfarrer von Gonobitz/Konjice. Im nächsten Jahr wurde er Statthalter des Patriarchats, dann Vizearchidiakon und 1486 Archidiakon von Saunien. &lt;br /&gt;
Im März resignierte Propst [[Andreas Erlpacher|Erlpacher]] und Fabri wurde von den Kanonikern dem Patriarchen als Propst präsentiert und auch bestätigt. 1498 nannte er sich Propst von Eberndorf, Archidiakon im Jaun- und Sanntal, ewiger Kommendator der Pfarren St. Georg in Gonobitz und St. Nikolaus in Saldenhofen/Vuzenica. 1487 bereiste der Bischof von Caorle im Auftrag des Patriarchen den Archidiakonatsdistrikt Saunien und traf mehrmals mit dem Archidiakon Fabri zusammen. Paolo Santonino beschreibt Fabri als an Körpermaß und Tugend wahrlich großen Mann, der in Gonobitz einen Haushalt mit 43 Personen (darunter neungeistliche) führte und acht Pferde unterhielt. Die Gastmähler, die Fabri der Reisegesellschaft gab, waren eines Kardinals würdig. Die Pfarre Gonobitz hatte 25 Filialkirchen, fetteste Einkünfte und warf ihrem Inhaber im Jahr 200 Dukaten ab. Kein Wunder, dass die Eberndorfer Chorherren Fabri als Propst wünschten, denn sie erhofften sich von ihm wirtschaftliche Vorteile für ihr Stift. Eine Ebendorfer Inschrift von 1506 nennt ihn ''prepositus et reformator'' des Klosters. Fabri residierte abwechselnd in Eberndorf und Gonobitz, wo er an der Beulenpest starb und eingrabmal erhielt. Dessen Inschrift lautete:&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;''Hoc sub signo requiescat in Pace Rev. Pater Valentinus Fabri honorandusque praepositus in Aberdorfiis et huius ecclesiae plebanus et reformator et archidiaconus Sauniae. Obiit bubonnibus anno Domini 1505''&amp;quot;. &amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seiner Todeskrankheit wegen wollte man Fabri nicht nach Ebendorf überführen, was aber Jahre später von Aquileja aus angeordnet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 16. Jahrhundert - das Völkermarkter Bistumsprojekt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hätte mehrere Pröpste wie Valentin Fabri bedurft, um Eberndorf durch die schweren Zeiten des 16. Jahrhunderts zu führen. 1529 musste das Stift ein Viertel seines Grundbesitzes König Ferdinand I. als Subsidium zum Türkenkrieg opfern. Einiges konnte das Stift in bar ablösen, trotzdem war der Verlust so vieler Güter und ihrer Einkünfte empfindlich und eigentlich der Anfang vom Ende des Klosters. Hausgemacht war die Misswirtschaft, die man Propstes [[Lucas Mayr]] von Seiten des Stiftes wie der Regierung vorwarf. Sie endete 1573 mit seiner Absetzung. Mayr hatte mit seiner Haushälterin einige Kinder gezeugt, denen er in Bleiburg Haus und Grund kaufte. Dar auf angesprochen antwortete er lapidar, er habe sich das Geld noch als Pfarrer von Sittersdorf verdient. Vom Regularleben hielten er und etliche Chorherren nichts mehr. Diese Zeit ist die&amp;quot; protestantische Phase&amp;quot; des Stiftes. 1569 forderte Erzherzog Karl den Propst auf, den von ihm verlangten Bericht über die Profanierung und Einziehung der Benefizien und geistlichen Güter, deren sich vor allem die evangelischen Ungnad als Schlossherrn von Sonnegg schuldig gemacht hatten, unverzüglich nach Graz einzuschicken.&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes [[Bartholomäus Kranich]] (1583) war die Administration der wirtschaftlichen und geistlichen Agenden Eberndorfs nicht mehr zu umgehen. Die ökonomischen Verhältnisse waren so desolat, dass ab 1588 der Bischof von Laibach (vertreten durch einen Stiftsökonomen) die Stiftswirtschaft sechs Jahre hindurchführte, ohne deren Gesundung zu erreichen. In dieser Zeit verfiel das Stift auch personell zunehmend. Die miserablen Zustände lenkt en die Aufmerksamkeit des Grazer Hofes auf die Propstei. Mitte Februar 1587 richtete Erzherzog Karl an den Papst ein Schreiben mit der Bitte, an der Kollegiat- und Pfarr Kirche Völkermarkt in Kärnten einen Bischofsitz zu errichten und dem Bistum alle Pfarren und Filialkirchen des Kollegiatstiftes von der Erzdiözese Salzburg sowie auch die dem Patriarchat Aquileja unterstehenden Kärntner Pfarren von ihren Bistümern abzutrennen und dem neuen Bistum zuzuweisen. Als Dotation der bischöflichen Mensa sollte das schlecht verwaltete Stift Eberndorf verwendet werden. Als Gründe für die Bistumserrichtung wurden gegenreformatorische Erwägungen genannt. Doch gab es 1588 im Ort Eberndorf selbst angeblich nur drei Lutheraner. Der Heilige Stuhl war diesem Plan nicht abgeneigt und ordnete einen Informationsprozess an, der im August 1588 begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Zeugen wurden der Propst von Völkermarkt und zwei Eberndorfer Chorherren einvernommen. Der eine von ihnen war der ehemalige Propst [[Matthäus Scharrer]], der andere der Chorherr und Pfarrer von Gutenstein. Beide bekannten, häufig bis öfter zu beichten und fast täglich bis häufig zu zelebrieren. Das Land habe in den vergangenen Jahren durch die Pest furchtbaren Schaden erlitten, der noch immer spürbar sei. Die Bevölkerung sei fast ganz lutherisch. Die Zahl der dem Stift inkorporierten Pfarren wurde (ohne die Stiftspfarre) mit zwölf angegeben, wozu noch zwei Benefizien kamen. Das Leben der Chorherren nannte der Expropst skandalös, sie seien eher Kaufleute als Religiosen, eine Reform daher dringend erforderlich. Im Jahr darauf (1589) wurde der Administrator in temporalibus Peter Crobat, 29 Jahre alt, zur wirtschaftlichen Lage befragt. Er wusste nicht, wer gerade Propst und Dechant in Eberndorf war, konnte aber detaillierte Angaben zu den Einkünften des Klosters machen. Nach seinen und des Expropstes Angaben waren sie beträchtlich, doch standen ihnen hohe Schuldengegenüber. Das günstige Gutachten der Kommission führte Ende Februar zum formellen Antrag des Grazer Hofes in Rom zur Errichtung des Bistums. Nur der im Juli eingetretener Tod des Erzherzogs verhinderte die Ausführung des Plans. Andernfalls wäre Eberndorf bereits damals untergegangen. Die Ruhe war aber nur von kurzer Dauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftlicher und personeller Niedergang===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der immer deutlicher zu Tage tretende Verfall in der Wirtschaft des Klosters und der Disziplin der Chorherren rief den Patriarchen auf den Plan. Er wollte dem Stift helfen und sandte den Bischof von Triest nach Eberndorf, um die Situation festzustellen (13. April 1590). Der unfähige Propst wurde zur Abdankung veranlasst und der Kapitular [[Zacharias Fladnitzer]] in Anwesenheit eines aquileischen Provikars gewählt, von der Regierung aber nicht bestätigt, weil die landesfürstlichen Kommissäre nicht zur Wahl beigezogen worden waren. Kanonisch war Fladnitzers Wahl rechtmäßig, trotzdem musste er sich zurückziehen. An die Stelle Fladnitzers trat auf Empfehlung der Erzherzogin Witwe Maria deren Sekretär und Rat [[Ursinus de Bertis|Ursinus (Orsino) de Bertis]] (4. Juli 1591). Weil aber auch diese Wahl „aus irgendwelchen gründen“ den Anschein der Illegitimität hatte, resignierte der gewählte, in zwischen Bischof von Triest geworden, die Würde. Erst die folgende Propstwahl brachte vorläufig Beruhigung. Da kam der Koadjutor des Patriarchen im Spätherbst 1593 auf einer Visitationsreise nach Eberndorf. Auch er musste die desolaten Zustände feststellen, ohne sie nachhaltig verbessern zu können. Zu allem Unglück wurde das Stift bald darauf auch noch Opfer frecher Räuber. Nicht nur Immobilien und Zehenterträge, sondern auch Bargeld, Kirchenkleinodien, Paramente, Dokumente und anderes verschwanden, ohne dass die Diebe bekannt geworden wären. Der Schaden war so hoch, dass sich der Propst an den Papst um Hilfe wandte. Dieser beauftragte mit der Ausforschung der Räuber und Hehler den Patriarchen von Aquileja, den Erzbischof von Salzburg und den Bischof von Lavant, damit dem Stift das Geraubte zurückgegeben werde, was wahrscheinlich nicht geschehen ist.&lt;br /&gt;
Die Administration Eberndorfs durch den Laibacher Bischof blieb auch unter Propst Bertis noch aufrecht, doch keiner von beiden vermochte das Stift finanziell zu sanieren. Zu einer Zeit, da es mit den meisten Stiften des Landes in jeder Beziehung wieder aufwärts ging, siechte Eberndorf nicht nur wirtschaftlich weiter dahin, sondern entbehrte geeigneten Nachwuchses, obwohl damals mehrere junge Männer aus dem Ort Eberndorf an der Grazer Jesuitenuniversität studierten und sich Kandidaten für den Eintritt in Eberndorf meldeten. Ende Jänner 1599 bestellte der Erzherzog [[Sebastian Kobl]], Pfarrer von Pettau/Ptuj, zum Administrator in temporalibus. Der Patriarch von Aquileja sprach den Wunsch aus, es möge ein neuer Propst bestellt werden, worauf der Erzherzog Anfang Mai erlaubte, Kobl zum Propst einzusetzen, der auch der Wunschkandidat des Patriarchen war. Das Kapitel hatte aber – in Ausübung seines freien Wahlrechts – den Gurker Kanoniker Matthias von Staudach zum Propst gewählt, denn Kobl gehörte nicht dem Orden an. Die Regierung verweigerte Staudach die Bestätigung, weshalb das Kapitel Kobl akzeptieren musste, der schließlich den Orden annahm. Mit Kobls Regierungsantritt ging auch die Zeit der wirtschaftlich en Administration zu Ende. 1601 erfolgte letztmalig die Bestätigung der Stiftsprivilegien durch den Landesfürsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kobl regierte ganz im Sinne der Gegenreformation, wie seine Bemühungen um die Wiedererrichtung des Schlossbenefiziums Sonnegg zeigen, das die evangelischen Freiherrn Ungnad hatten abkommen lassen. Das Stift hatte früher dem Besitzer von Sonnegg 8.000 Gulden geliehen, als Pfand aber zum Teilgüter der Schloss-Kaplanei, die ohnehin dem Stift inkorporiert war, angenommen. Insofern hatte das Stift das Geld für Untertanen verliehen, die es bereits besaß. Die Grazer Regierung legte dem Propst nahe, sich darüber mit den Ungnad'schen Erben vor Gericht auseinanderzusetzen. Kobl hat für die Restaurierung von Kirche und Kloster viel getan und sich um die Weiterexistenz der Kanonie gesorgt, auch wenn ihm die erforderlichen Neuaufnahmen von Chorherren aus unerfindlichen Gründen nicht gelangen. Selbst bei seinen wenigen noch vorhandenen Konventualen vermochte er die Ordensdisziplin nicht wiederherzustellen. Drei von ihnen, die dem Konkubinat verfallen waren, wollte er aus dem Stift in ein anderes überstellen, damit nicht auch die jungen Kleriker verführt würden. Über alle diese Probleme ist Kobl unvermutet am 10. Oktober 1602 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufhebung 1604 und Übergabe an den Jesuitenorden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der frühe Tod Propst Kohls hinterließ im Stift ein gefährliches Vakuum. Zwar wählten die Chorherren im darauffolgenden April neuerlich Matthias von Staudach zum Propst, und das in Anwesenheit des Abtes von Arnoldstein als Vertreter des Patriarchen, doch auch diesmal ohne Regierungskommissär. Wieder verweigerte die Grazer Regierung dem gewählten die Anerkennung und verbot ihm die Führung der Geschäfte. Die Kanoniker wandten sich an den Erzherzog und wiesen auf ihre Privilegien und die Zustimmung des Patriarchen bezüglich der vorgenommenen Wahl hin. Auch die Ernennung Staudachs zum Administrator Eberndorfs und Vikar durch den Patriarchen (14. November 1603) nützte nichts. Der Erzherzog hatte längst andere Pläne und hielt die Kanoniker hin.&lt;br /&gt;
Der Koadjutor des Patriarchen, Francesco Barbara, hatte bei seinen Visitationen in Kärnten 1593/94 die katastrophale Lage des Katholizismus in diesem Teil der Diözese kennengelernt und befürwortete die Errichtung eines Jesuitenkollegiums in Kärnten. Als er Patriarch geworden war, hegte er die Absicht, die Einkünfte von Eberndorf für ein zu errichten des Jesuitenkolleg in Görz und die Installierung eines Archidiakons des Patriarchen für Unterkärnten mit Sitz in Eberndorf zu verwenden. Für ein Kolleg im erzprotestantischen Villach war die personell schwache Abtei Arnoldstein in Aussichtgenommen, doch legte sich diesfalls der Bischof von Bamberg, dem dieses Stift unterstand, quer. Das Stift Millstatt hatte der Jesuitenorden bereits 1598 „okkupiert&amp;quot;, bevor es ihm 1600 vom Papst bestätigt wurde, und für ein Jesuitenkolleg in Laibach verwendete man die Kartause von Pletriach/Pleterje. Wollte der Erzherzog ein neues Kolleg gründen, konnte er dies – mangels eigenen Geldes – nur auf Kosten bestehender Stifte oder Klöster tun. Der erzherzogliche Plan, in Klagenfurt ein Jesuitenkolleg ein zurichten und dazu Eberndorf und seine inkorporierten Pfarren zu verwenden, stieß aber nun auf den Widerstand des sonst jesuitenfreundlichen Patriarchen. Denn dieser fürchtete um seine Jurisdiktion über die Eberndorfer Pfarren, sollten diese jesuitisch werden. Die Jesuiten, bereits auf Eberndorf aufmerksam gemacht, bemühten sich, die Bedenken Barbaras zu zerstreuen und fanden im Erzherzog einen konsequenten Förderer ihres Anliegens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lavanter Bischof Georg Stobäus von Palmburg (1584-1618) erwuchs der Propstei zuletzt ein Gegner, dem das personell schwache Kapitel nicht gewachsen war. Stobäus besaß das uneingeschränkte Vertrauen des Erzherzogs und war ein erklärter Feind der Protestanten, zu deren Zurückdrängung in Kärnten er das Kolleg in Klagenfurt ins Leben rief, wo 1602 die ersten Jesuiten eintrafen. Stobäus beredete den Erzherzog, die reiche Propstei Eberndorf den Klagenfurter Jesuiten zu schenken. Im Stiftgäbe es derzeit keinen Propst und nur sehr wenige Kanoniker, deren Lebenswandel wenig erbaulich sei.&lt;br /&gt;
Ohne die päpstliche Zustimmung zur Aufhebung abzuwarten ließ Erzherzog Ferdinand per Dekret vom 29. Juli 1603 die mobilen und immobilen Temporalia den Jesuiten für ein zu errichtendes Kolleg in Klagenfurt übergeben. Die Eberndorfer Kanoniker wandten sich an Kardinalstaatssekretär Aldobrandini um Hilfe gegen die Jesuiten, die sie als Usurpatoren bezeichneten. Sie wandten sich auch schriftlich an den Papst selbst, der dem Erzherzog durch den Nuntius in Graz mitteilen ließ, dass er sich des Verbrechens der unerlaubten Besitzergreifung von Kirchenvermögen schuldig gemacht habe. Der Erzherzog sah seinen Fehler ein und war bereit, die beiden Jesuiten aus Eberndorf abzuziehen und die Besitzergreifung zu widerrufen. Auch die Jesuiten schienen geneigt, Eberndorf aufzugeben. Nun appellierten die Kanoniker an den Patriarchen, ihnen zu sagen, was sie tun und wovon sie leben sollten. Er möge ihnen seinen Schutzgewähren und den früheren Zustand wiederherstellen. Aus dem Streit über die Gültigkeit der letzten Propstwahl war ein Tauziehen um den Fortbestand des Stiftes geworden, das eineinhalb Jahre dauerte. Der Patriarch stand mittlerweile ganz auf Seite des Kapitels, weil das Stift seit seiner ersten Gründung im Jahre 1146 (! - richtiges Datum oder irrig statt 1106?) zur Kirche von Aquileja gehöre. Da erkrankte der Papst und die Angelegenheit blieb in Rom vorerst unerledigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den ganzen Winter 1603/1604 gab es über diese Frage einen regen Briefwechsel zwischen Graz, Eberndorf, Aquileja und Rom. Letztendlich war nicht das Fehlen eines Propstes – der Gurker Domherr Matthias von Staudach wäre gerne bereit gewesen, dem Stift als Propst wieder aufzuhelfen –, der personell überalterte und geschrumpfte Konvent oder die schlechte Wirtschaftslage des Stiftes für seine Aufhebung ausschlaggebend.&lt;br /&gt;
Allein gegenreformatorische Gründe führten die Entscheidung herbei. Der katholische Erzherzog brauchte die Jesuiten, um mit ihrer Hilfe den Protestantismus aus seinen Erblanden zu verdrängen. Da er aber die zu errichtenden Kollegien nicht mit landesfürstlichem Kammergut dotieren wollte, griff er nach geistlichem Gut, das ohnehin seit jeher als Kammergut galt. Deshalb musste Eberndorf als Augustiner-Chorherrenstift unter-gehen. Das gegenreformatorische Argument und die persönliche Intervention Erzherzog Maximilians, eines Bruders Ferdinands, beim neuen Papst dürften diesen letztendlich umgestimmt haben. Aquilejas Position war zu schwach, um die Propstei vor dem Zugriff der Jesuiten zu bewahren. Denn der Erzherzog hatte gedroht, das Patriarchat militärisch anzugreifen, sollte der Patriarch als venezianischer Adeliger den venezianischen Gesandten am Heiligen Stuhl um Intervention beim Papst bitten.&lt;br /&gt;
Am 5. April 1604 erließ Clemens VIII. das Aufhebungsdekret bezüglich Eberndorf. Er berief sich darin auf ein schon früher erlassenes Dekret, wonach alle vakanten Propsteien und Konvente seiner Verleihung oder Verfügung vorbehalten seien. Dies sei nun bei Eberndorf der Fall und deshalb gebe er der Bitte des Erzherzogs, die Propstei zur besseren Dotierung eines Jesuitenkollegs verwenden zu dürfen, nach. Er hebe deshalb die Propstei auf, ordne aber die gerechte Versorgung der Chorherren für ihr auch fernerhin an die Klosterregel gebundenes Leben an. Der Patriarch stimmte der Aufhebung resigniert zu, da er sah, dass er den Ausgang der Sache nicht mehr verhindern konnte. Am 29. Juli fand in Beisein des päpstlichen Nuntius in Graz Gerolamo Porcia, des Sekkauer Bischofs Martin Brenner als Regierungskommissär, des Kärntner Landeshauptmanns, des Landesvizedoms und des Jesuitenprovinzials P. Alphons Carrillius die Übergabe der Kanonie an den habgierigen Orden statt. Im Kloster lebten noch fünf Chorherren, von denen vier angeblich so krank waren, dass sie nicht zelebrieren konnten. Ihre Versorgung übernahmen die Jesuiten. Der jeweilige Jesuitenrektor von Klagenfurt erhielt Titel und Rechte eines Propstes von Eberndorf und Archidiakons des Jauntales. Der Patriarch konnte die Aufhebung des Stiftes nie verschmerzen. Noch 1611 beklagte er die Unterdrückung der reichen Propstei Eberndof durch den Erzherzog, während die Seckauer Chorherren in ihrer Chronik den Untergang des Bruderstiftes mit den Worten kommentierten: „Devoraverunt hanc canoniam patres Jesuitae iam aliunde locupletes.“&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde Eberndorf staatliche Studienherrschaft. 1809 übernahmen die von St. Blasien gekommenen Benediktiner des wieder errichteten Stiftes St. Paul im Lavanttal die Herrschaft als Eigentümer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schule==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aachener Synode von 789 bestimmte, dass jedes Kloster oder Domstift eine Schule errichten sollte, in der neben (lateinischer) Grammatik, Rhetorik und Dialektik auch die artes reales Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik gelehrt werden sollten. Eine Klosterschule hatte sich überdies um den Nachwuchs für das Haus zu kümmern, also Kleriker heranzubilden. Dazu schrieb das 4. Laterankonzil (1215) allen Kapitelkirchen vor, einen „magister“ zu halten, der die Kleriker in Grammatik und anderen Wissenschaften unterrichten sollte. Dies betraf in Eberndorf das Lesen und Studium der Bibel ebenso wie der Schriften des Ordensvaters Augustinus und der anderen „Väter&amp;quot;. Dann aber auch das Erlernen des Chorgebetes und -gesanges und der Liturgie allgemein. Die Urkunde von 1236 September 20 Saldenhofen, mit der Cholo von Saldenhofen gegenüber dem Stift auf seine Betvogtei verzichtete, schrieb ein gewisser Johannes Scholaris, „sub diaconus Junensis“. Zur gleichen Zeit wird ein „magister Hailwardus“ genannt. Dies sind die frühesten Nachrichten, aus denen auf die Existenz einer Klosterschule geschlossen werden kann. 1298 wird ein Chuonrat, 1310 Johann der Jussel von Völkermarkt als Schulmeister in Eberndorf und 1362 ein „scolasticus“ (Erzieher) der Schüler urkundlich erwähnt. Der 1440 gestorbene Kantor Johannes schenkte dem Stift „solemnia gradualia“ für den Chor. Vor 1480 gab es einen Magister Nikolaus und seine Frau Krispa, die ins Eberndorfer Nekrolog eingetragen wurden. 1531 starb der Organist des Klosters. Einer seiner Nachfolger war der aus Meißen stammende Klosterorganist Sigmund Quas. Sollte er evangelisch gewesen sein und reformatorische Orgelwerke und Lieder gespielt haben? 1588 unterhielt das Stift sieben oder acht Schüler, andere frequentierten bloß die Schule. Noch zwei Jahre später gab es ein en Schulmeister und einen Organisten in Eberndorf. Das sind die eher spärlichen Hinweise auf eine Schule, die feierliche Liturgiegestaltung und die Existenz einer Orgel im alten Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Spital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon Patriarch Berthold von Aquileja (1218–1251) hatte – nach einer späteren Nachricht – dem Stift Zehente im Dorf Edling in der Pfarre St. Michael ob Bleiburg zwecks Errichtung eines Spitals für Arme geschenkt. Dieses soll um 1226 – noch zu Lebzeiten des Patriarchen – tatsächlich errichtet worden sein. Es war mit der dazugehörigen Kirche dem heiligen Antonius von Padua geweiht und stand nordwestlich des alten Ortes Eberndorf, unweit des Stiftsmeierhofes. Mit der Zeit erhielt das Spital weitere Güter übertragen. 1397 erlaubte der Patriarch dem Konvent, den Besitz des Spitals durch ein en Kanoniker verwalten zu lassen. Der erste könnte der 1419 gestorbene Chorherr Andreas de Sittersdorf, Provisor des Spitals, gewesen sein. Die Spitalstiftung überdauerte alle Wechselfälle der Zeit, war 1886 der Gemeinde Eberndorf zur Verwaltung übertragen und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit liegenden Gütern aus dem Erbegraf Chazelins und vom Patriarchen mit Pfarren und ihren Zehenten seit der Gründung gut dotiert, scheint die Propstei die ersten zwei Jahrhunderte ihres Bestehens – trotz einiger Anfangsschwierigkeiten mit ihren Vögten – gut gewirtschaftet zu haben. Zahlreiche Güterschenkungen und Ankäufe erhöhten die Einkünfte kontinuierlich. Dies zeigen die von der Propstei geleisteten Steuern. An den Grafen von Tirol hatte die Propstei 1292 zwei Goldgulden zu entrichten und das Aquilejer Zehentregister von 1296 weist hinsichtlich des von Papst Bonifaz VIII. auferlegte Zehents die Propstei für zwei Termine mit 25 solidos grossarum aus. Die 1323 veranstaltete Sammlung des päpstlichen Legaten im Archidiakonat Kärnten nennt die Propstei an erster Stelle mit einem Sammelergebnis von 15 Mark Agleier Pfennige. Zur selben Zeit befand sich das herzoglich kärntnerische Landgericht im Jauntal als Pfand in der Hand des Propstes und noch 1391 hatte das Stift 250 Mark Silber auf dem Landgericht sichergestellt liegen. Um diese Zeit beginnen weitere umfangreiche Güterankäufe in und um Eberndorf, aber auch in entfernteren Gegenden, wie z.B. Lembach/Limbuc bei Marburg/Maribor. Dort war das Stift schon früh zu Weingärten gekommen. Zwischen 1272 und 1277 erhielt das Stift das Fischrecht mit einem Netz am Klopeinersee, 1508 besaß es dort bereits das Recht auf drei Fischer. 1316 erwarb es einen Teil am Sablatniggsee (Zapottnicksee) in der Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf # St. Veit im Jauntal|St. Veit im Jauntal]]. Auch in der Drau und in dem in diese fließenden Vellachbach (südlich von Möchling) fischte das Kloster, hatte aber deshalb jahrelang Streit mit dem Stift St. Paul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Großen Besitzzuwachs erzielte das Stift durch Propst [[Georg („de Capella“, aus Eisenkappel)|Georg]] († 1421), der den Besitz des Stiftes auf beinahe 100 Huben vermehrte und Weingärten, Wiesen und anderes erwarb. In den dreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts veräußerte die Familie Kriegfelder zahlreiche ihrer Besitzungen an Eberndorf, ebenso die adeligen Rechberger. Letztere wollten aber dann den Verkauf nicht anerkennen. Sie griffen sogar das Kloster an, verwüsteten es mit Feuer und Schwert und raubten den Kaufbrief. Deshalb der kaiserlichen Ungnade verfallen, wurde ein Teil ihrer Güter vom Kaiser eingezogen und an andere vergeben, die der Propstei verkauften aber dieser bestätigt (1441).&lt;br /&gt;
In den Jahren 1473 und 1476 bedrohten die Türken das Land, gleichzeitig drangsalierten die Soldaten des Ungarnkönigs Matthias Corvinus Stift und Bevölkerung schwer. Wehrbauten mussten errichtet werden, um die Klostergebäude und Pfarrkirchen zu schützen, was viel Geld kostete. 1476 übergab ein Adeliger dem Stift 120 ungarische Goldgulden mit dem Auftrag, das Stift durch Mauern und Gräben vor den Türken und anderen Feinden zu schützen. Dafür sollte das Stift für ihn einen Jahrtag halten. In diesen Notzeiten suchte sich der damalige Propst [[Lorenz]] vermehrt der Gebete anderer Klöster zu versichern, mit denen sich Eberndorf zahlreich verbrüderte. 1483 richtete ein durch Blitzschlag entstandener Großbrand schwere Zerstörungen an Kirche und Kloster an.&lt;br /&gt;
Zwei Jahre später beauftragte der Patriarch seinen Generalvikar mit dem besonderen Schutz der Propstei, die durch Beraubung schweren Schaden erlitten habe. Darüber hinaus hatte die Propstei erhöhte und immer wieder aufs neue geforderte Landes- und außerordentliche Steuern aufzubringen, die die finanziellen Möglichkeiten des Klosters erschöpften. Propst [[Leonhard von Keutschach]] (1480-1490) bemühte sich deshalb um ein Darlehen, um das arme Gottshaus vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bewahren, erntete aber dafür beim Kapitel wenig Dank. Dass Kaiser Friedrich III. dem Stift und seinen Untertanen die ihm zu leistende Robot erließ, konnte sich da höchstens lindernd auswirken. Eine spürbare Hilfe bedeutete die Übernahme des landesfürstlichen Amtes Stein samt dem Landgericht im Jauntal auf Rechnung, die Propst Keutschach erreichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verkauf von Chorherrenpfründen durch das Stift, wie 1507 geschehen, ist besonders im 16. Jahrhundert in den meisten Stiften gang und gäbe gewesen. Die Chorherren besaßen Geld und mitunter beträchtlichen Eigenbesitz zur persönlichen Verfügung.1362 stiftete der Dechant Jakob mit einem Gut, das er gekaut hatte, einen Jahrtag in Eberndorf. 1460 leistete der Chorherr Martin Lempl von seinen Gütern dem Prokurator eines spanischen Ordens zum Loskauf von Gefangenen einen entsprechenden Beitrag und erhielt dafür Ablässe. Noch 1537 kaufte der Chorherr Jakob Pruethe von seiner Mutter ein Gut samt drei Äckern, weil er seinen Eltern seinerzeit Geld für den Kauf des Gutes dazugegeben hatte. Besonders vermögend war Propst Valentin Fabri, der aus eigenem Geld etliche Stiftungen errichtete.&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Johannes Wildensteiner]] (1509–1532) und seinem Nachfolger [[Andreas Lochner]], der gleichzeitig Propst von Völkermarkt und zuerst einige Jahre Koadjutor in Eberndorf war (1527/1532–1544), scheint sich die Propstei insgesamt erholt zu haben. Und dies trotz der vom Landesfürsten 1529/30 von Eberndorf – wie allen anderen Klöstern in den österreichischen Erblanden – verlangten „Quart&amp;quot;. Diese bedeutete, dass von allem geistlichen Grundbesitz der vierte Teil der Gülten (Steuereinheitswert des Grundbesitzes) zu veräußern und der Erlös König Ferdinand I. zur Fortführung des Türkenkrieges in bar zu übergeben war. Eberndorf besaß damals Gülten im Ausmaß von 648 Pfund, 7 Schilling und 22 Pfennigen, die einen Geldwert von 14.900 Pfund Pfennigen (=Gulden) hatten. Ein Viertel von beiden waren 3.725 Pfund 6 Pfennige Bargeld oder 162 Pfund zu verkaufende Gülten. Bei allen Verkäufen war das Rückkaufrecht vertraglich gesichert, wurde von den Käufern aber meistens ignoriert. Als Käufer der Gülten traten Hans Ungnad, Landeshauptmann in Steiermark, und sein Bruder Andrä, als Besitzer der Burg Sonnegg und Nachbarn des Stiftes, auf. Sie erwarben um 2.367 Pfund Pfennige (oder Gulden) etwas über 100 Pfundgülten, wovon das Schlossgut Wasserhofen bei Kühnsdorf 2.000 Pfund Pfennige wert war. 1530 jedoch übernahm das Stift diese Güter, ausgenommen sechs Stück, von den Käufern wieder als Pfand. 21 Pfundgülten kaufte zu freiem Eigen (!) Sigmund Freiherr von Dietrichstein, der damit seine Herrschaft Hollenburg in Südkärnten arrondierte. Es handelte sich um Huben, Güter und Zulehen bei Niederdorf, Gallizien,,,Kleinperg &amp;quot; und anderen Orten. Weitere 12 Pfund gingen an andere Interessenten. Der Propst selbst bezahlte 110 Pfund Pfennige bar und erbot sich, die noch unverkauften 29 Pfundgülten (im Wert von ca. 450 Gulden) ebenfalls selbst zu bezahlen. Damit erwies sich das Kloster nicht nur als wirtschaftlich um sichtig, sondern auch als liquid. Propst Wildensteiner tätigte darüber hinaus noch mehrere größere Ankäufe, darunter freieigene Güter im Jauntal und in Gonobitz/Konjice, aber auch eine Mühle und etliche Huben in Kappel, die landesfürstliche Lehen waren, konnte er für das Stift erwerben. Die meisten stiftischen Huben wurden von diesem zu Kaufrecht gegen Reichung des jährlichen Urbarzinses und des dritten Pfennigs beim Weiterverkauf durch den Besitzer vergeben. Außerdem hat Propst Wildensteiner das Kloster durch Zubauten erweitert und verschönert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreich sind die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angekauften Weingärten, mit denen das Stift seinen Weingartenbesitz bei Marburg/Maribor systematisch erweiterte. Da dieser aber von Eberndorf weit entfernt lag und sowohl Bewirtschaftung als auch Transport kostenintensiv waren, hielt sich der Gewinn für das Stift in Grenzen. Dabei hätte der überschüssige Wein bei günstigem Verkauf das Bargeld ins Hausgebracht. 1589 warfen die Weingärten des Stiftes 50 Fässer Wein ab, von denen aber nur 20 Fässer als Reinertrag übrigblieben, mehr als die Hälfte des Gewinns verschlangen die Kosten. Propst Valentin war ein großer Gönner seines Stiftes. Er besaß als elterliches Erbe mehrere Weingärten in Skalitz bei Gonobitz, Frauheim bei Marburg/Pram und Marburg und hatte 1505 sechs Huben zu Preurat bei Gonobitz und eine Hofstatt zu Gonobitz selbst, später noch mehrere andere Weingärten und Äcker bei Gonobitz gekauft. Er übergab sie seinem Kloster, indem er sie teils mit geistlichen Stiftungen zugunsten seiner Familie verband, teils zum Tisch des Pfarrers von St. Peter und Paul in Tainach bei Gonobitz widmete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Lucas Mayr (1560–1573) wird für den wirtschaftlichen und sittlichen Verfall des Stiftes verantwortlich gemacht. Beides ist eine Tatsache. Mayr dürfte aber ein bereits schwer verschuldetes Heimwesen übernommen haben. Schon Propst Andreas Lochner hatte das Amt im Lavanttal um 600 Gulden verpfänden müssen, um den vom König Ferdinand I. geforderten Kriegsbeitrag von 2.000 Gulden aufzubringen. 1563 soll Propst Mayr mit dem Abt von Viktring dem Kaiser 30.000 (?) Gulden geliehen haben. Im selben Jahr lieh er dem Hans Ungnad, Besitzer von Sonnegg, 8.000 Gulden, wofür das Stift Realitäten bei Sonnegg und Eberndorf als Pfand erhielt. Dass sich darunter auch Güter befanden, die zur gestifteten Kaplanei im Schloss gehörten, zeigt, was der evangelische Adel von geistlichen Benefizien hielt. Das Stift hatte nämlich Güter zum Pfanderhalten und angenommen, die ohnedies schon ihm gehörten. Sie wurden erst kurz vor der Stiftsaufhebung wieder der Kaplanei und deren Verwaltung dem Propst zugesprochen.&lt;br /&gt;
Die Regierung glaubte, mit der Absetzung Mayrs die Probleme gelöst zu haben. Die nachfolgenden Pröpste – zum Teil Kloster- und Ordensfremde – regierten jedoch viel zu kurz, um den wirtschaftlichen Aufschwung des Stiftes bewerkstelligen zu können. Sie waren mit ihrer Aufgabe wohl auch überfordert. Streitigkeiten des Kapitels mit dem Grazer Hof um das Recht zur Wahl neuer Pröpste und ihre landesfürstliche Bestätigung erschwerten zusätzlich die notwendige Konsolidierung der Propstei nach innen und außen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1577 sahen sich die Stifte Eberndorf und Viktring mit einer Klage der Erben des Leonhard von Siegersdorf auf Bezahlung von 6.000 Gulden samt Zinsen konfrontiert, die dem Erzherzog geliehen worden waren. Beide Stifte waren quasi ohne Vorstände und der Schaffer von Eberndorf bat den Erzherzog um Abwendung der Zahlung. Gleichzeitig informierte der Schaffer namens des Konvents den Landesfürsten, dass der abgesetzte Propst Lucas Mayr mit seinem verstorbenen Nachfolger Wolfgang von Neuhaus vereinbart habe, dass Mayr lebenslänglich und danach seinen Kindern und Verwandten ein Deputat vom Kloster gereicht werden solle. Außerdem seien ohne Wissen des Konvents vom Expropst Schulden gemacht und die Schuldbriefe dem Erzherzog zur Bestätigung eingereicht worden. Der Konvent könne diese Zahlungen nicht ohne Schaden für das Kloster leisten. Er bitte den Erzherzog, die Ratifikation für die Schuldverschreibungen abzulehnen und den abgesetzten Propst auf seine gewöhnliche Herrenpfründe zu verweisen.&lt;br /&gt;
Im selben Jahr (1577) konnte Propst [[Vitus Preysl]] eine Schuld an Christoph Reinwald zu Rojach über 1.200 Pfund Pfennige (= 1.200 Gulden) nicht bezahlen und wurde vor das Klagenfurter Landrecht zitiert. Ob und wie er das Geld aufgebracht hat, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
Vielleicht mit Hilfe des Propstes von Griffen, von dem er sich drei Jahre später mit landesfürstlicher Bewilligung 3.000 Gulden lieh. Bei dieser aussichtslosen Finanzlage mutet das Begehren Erzherzog Karls an die Prälaten von Eberndorf und Viktring um Bedeckung von 10.000 Gulden zur Abfertigung Moriz Christoph Khevenhüllers mehr als seltsam an. Der Erzherzog hatte Khevenhüller an die Stiftsvorstände gewiesen und Khevenhüller wollte nun das Geld von diesen einklagen. Der Erzherzog beruhigte 1583 die Prälaten, er habe die Klage abgewendet, sie sollten das Geld aber irgendwo auf ihren Kredit aufnehmen.&lt;br /&gt;
Aus diesen und vielen anderen Ursachen verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Propstei so sehr, dass ein Administrator in temporalibus bestellt werden musste. 1583 übernahm Propst Gregor Latonius von Völkermarkt die finanzielle Verantwortung für Eberndorf. Propst [[Matthäus Scharrer|Matthäus]] von Eberndorf führte die Misere seines Stiftes auf schlechte Hauswirtschaft seiner Vorgänger und darauf zurück, dass einige von ihnen mehr für ihre Verwandten, als für das Stift gesorgt hätten. Propst Lucas habe in Bleiburg ein Haus gebaut und zwei Huben gekauft, die nicht in das Eigentum des Stiftes gelangt seien. Auch sein Nachfolger Bartholomäus habe in der kurzen Zeit seiner Regierung mit Stiftsgeldern Grundstücke gekauft, die Kaufbriefe aber vordatiert, um den Anschein zu erwecken, er hätte die Ankäufe noch als Pfarrer von Sittersdorf getätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Bartholomäus 1583 in Windischgraz starb, sei dessen Nachlass samt den Kaufbriefen bei seinem dort lebenden Vater verblieben. Das Stift ersuchte den Erzherzog um Einantwortung der betreffenden Güter und um die Erlaubnis, sie zur Schuldentilgung verkaufen zu dürfen.&lt;br /&gt;
1588 setzte der Erzherzog den Laibacher Bischof Johann Tautscher zum Administrator in temporalibus ein, der die undankbare Aufgabe hatte, das schwer verschuldete Stift durch sparsames Wirtschaften zu sanieren. Dies rief den lebhaften Widerspruch des Kapitels her vor. Als Aquileja dem Propst Matthäus auch die geistliche Leitung entziehen wollte, wählten die Kanoniker gegen alles Herkommen und unter Ausschluss der Regierung einen neuen Propst. Sie beklagten sich über unzulängliche Kleidung und Kost, was der Administrator bestritt. Dieser berichtete dem Erzherzog, dass er den Konventualen immer fünf Speisen und drei Halbe Weingeben lasse. Trotzdem sei ihnen alles zu wenig und zu schlecht. Sie würden die Tage für den Empfang eines außerordentlichen Weines besser kennen, als die Tage der Heiligen im Brevier. Währender schon über 8.000 Gulden Schulden bezahlt habe, hätten sie heimlich neue gemacht. Eine persönliche Aussprache mit den Chorherren in seiner und des Bischofs von Triest Anwesenheit sei ergebnislos verlaufen. Die Antwort des Hofes, vom damaligen Hofsekretär und späteren Propst Ursinus Berthis unterschrieben, lautete dahingehend, die vom neuen Propst und den Kapitularen gemachten Schulden seien nicht zu bezahlen und dies solle auch künftig nicht geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bischof Tautscher hatte nicht nur den Vorteil des Stiftes, sondern auch seinen eigenen im Auge. 1593 schloss der Administrator mit der Pfarrgemeinde von Seeland (südwestlich von Kappel) einen Vertrag über die Einsetzung eines dort ständig residierenden Kaplans. Die Pfarrgemeinde hatte dafür dem Pfarrer von Kappel jährlich fünf Gulden, dem Administrator aber – nicht dem Stift – „zu freyer jährlicher Verehrung“ 15 Pfund Käse zugeben. Propst Ursinus de Berthis betrieb energisch die Eintreibung von Untertanenausständen, so Anfang 1592 die der stiftischen Holden zu Gonobitz. Aus der selben Zeit sind auch eine ganze Anzahl von Kaufrechtsbriefen an Eberndorfer Untertanen vorhanden, die Zehente und Bergrechte betreffen. Die Vergabe von Gütern zu Kaufrecht war für die Untertanen günstiger, weil damit das Erbrecht ihrer Nachkommen am Besitzgesichert bzw. auch der Verkauf des Gutes seitens der Untertanen möglich wurde. Dem Stift hingegen verschafften die beim Besitzerwechsel fälligen Gebühren das so dringend benötigte Bargeld. Eine noch größere Zahl von Anlait- (= Übernahmsgebühr) und Kaufrechtsbriefen hat dann Propst Sebastian Kobl ausgestellt. Dazu bedurfte er aber der Zustimmung des Landesfürsten, der bereits seine Hand auf den Stiftsbesitzgelegt hatte. Die landesfürstliche Verfügung vom Dezember 1601, der Propst möge künftig um solche Konsense bei der Grazer Hofkammer ansuchen, war nur ein weiterer Schritt in Richtung Enteignung der Stiftsgüter zugunsten Dritter.&lt;br /&gt;
Einige Jahre vor der Aufhebung des Stiftes wurde eine Übersicht über seine Wirtschaftslage erstellt. Nach ihr sollen 1588 die Schulden des Klosters 20.000 Gulden betragen haben, während die Einkünfte jährlich 4.000 Gulden ausmachten. Letztere setzten sich zusammen aus etwa 2.000 Star (ca. 160.000 Liter) Zinsgetreide, aus Zehenten, Ehrungen und Strafgeldern. Je 200 Joch Äcker und Wiesen Eigenwirtschaft mussten von den Bauern durch Robotdienst bearbeitet werden, wobei ihnen nur ein Frühstück zustand. An Getreide konnten durchschnittlich 1.000 Star (davon 250 Star Buchweizen) geerntet werden. Heu wurde für 60 Stück Großvieh eingebracht und die Klosterweingärten warfen 50 Fass (10.000 Liter) Wein ab, von denen nach Abzug aller Spesen nur 20 Fass übrigblieben, deren Wert 300 Gulden ausmachte. Für die Küche des Propstes und des Kapitels reichten diese Erträge hin länglich, wie der Expropst 1589 feststellte. Während der Administrator Tautscher durch sparsames Wirtschaften Schulden tilgte, ging Propst Bertis einen anderen Weg. Er nahm zur Verringerung der Schuldenlast neuerlich Kapitalien auf, erzielte aber damit nicht den erhofften Erfolg. Die permanente Finanzmisere brachte das Stift nicht nur an den Rand des wirtschaftlichen Ruins, sondern alarmierte auch den Grazer Hof. Dieser betrieb die Übergabe des Stiftes an den Jesuitenorden deshalb so energisch, weil er für ihn noch möglichst viel an Klostergütern retten wollte, bevor der Konkurs Eberndorf wertlos machen würde. Unter Erzherzog Karl musste das Stift auch das Urbar nach Graz einsenden, weshalb erst aus 1614 Urbare der Eberndorfer Besitzungen und Pfarrpfründen vorhanden sind, die von den Jesuiten angelegt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mittelalter ergaben sich Berührungen zwischen Landesfürst und Stift hauptsächlich wegen der Vogtei oder der Privilegienbestätigungen. Die Vogtei über Eberndorf übten, soweit dies zurückverfolgt werden kann, die Herren von Trixen aus, ohne dass bekannt wäre, wie das Vogtei recht in ihren Besitzgekommen ist. Die Trixener bedrückten das Stift in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts dermaßen, dass es angeblich sogar zu tätlichen Übergriffen gegen Propst Leo kam, der zwischen 1152 und 1154 von Kuno von Lonck im Streit um die Eberndorfer Kirche zweimal aus dem Stift vertrieben, darum sogar geblendet worden und in der Fremde gestorben sein soll. Vor 1194 gerieten die Brüder Cholo und Heinrich von Trixen mit Haward von Jau in Streit über die Vogtei. In diesem Jahr überließ Heinrich die Vogtei vertraglich an Hawards Sohn Cuno, der diese nach einem Jahr gegen eine hohe Entschädigung zugunsten Heinrichs in die Hände des Herzogs von Kärnten – als Lehensherr Cunos – resignierte. Der Patriarch bestätigte im selben Jahr die diesbezüglichen Vereinbarungen. Sie bestimmten, dass der Vogt vom Kloster und vom Dorf Eberndorf keine Abgaben fordern und dort auch keine Gerichtstage halten dürfe, außer er würde vom Propst dazu erbeten. Blutfälle sollten dem Vogt vorbehalten, Bußgelder bei Straffällen der niederen Gerichtsbarkeit zwischen Propst und Vogt im Verhältnis zwei zu eins geteilt werden. Alle Beamten konnten vom Propst ohne Mitsprache des Vogtes ein- oder abgesetzt werden. Dass 1220 Herzog Leopold VI. von Österreich und Steiermark als Vogteiherr über Eberndorf auftritt und damals urkundlich gelobte, die Vogtei nicht mehr zu vergeben, sondern selbst auszuüben und dies auch für sein Nachfolger versprach, wird mit zeitweiligen Ansprüchen des Babenbergers auf die Vogtei als Lehensherr der Trixener erklärt. Die Bestätigung des Vertrages von 1194 durch Herzog Ulrich III. von Kärnten erwähnt bezeichnenderweise die Urkunde von 1220 nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Aussterben der Herren von Jaun (Juneck) fiel deren Erbschaft an den Herzog von Kärnten, weil im Urbar des Schlosses Rechberg Herzog Ulrichs III. 1267/68 die Vogtei über Eberndorf ausdrücklich als Erbe nach Cuno von Junek bezeichnet wir d. Deshalb wurde das Blutgericht über Eberndorf zuerst von der Burg Sonnegg (wahrscheinlich früher Junek genannt) und spät er von Rechberg aus wahrgenommen. Erst als das Schloss Slein im Jauntal in den Besitz Kaiser Friedrichs III. kam, wurde Eberndorf 1454 bezüglich des Blutgerichts dem Landgericht Stein unterstellt, bei dem das Stift weiterhin verblieb. Damals wurden auch die Grenzen des Burgfrieds von Eberndorf (dieser schon seit 1194 festgelegt), die der Freiung Sittersdorf, die zum Landgericht im Jauntal gehören den Kirchtage etlicher Kirchen, die der Propst zu „behüten&amp;quot; hatte, so wie die Fischrechte im Vellachbach festgehalten. Die Vogtei lag also seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts beim Kärntner Landesfürsten. Ab 1394 zahlte das Kloster für die landesfürstliche Vogtei des Jauntals jährlich nur noch 10 Gulden, wobei Besitz und Untertanen der Propstei im herzoglichen Landgericht Jauntal denselben Status wie des Hezogs Leute daselbst hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle zeitlich später erwähnten Vogteirechte betrafen nur mehr einzelne, dem Stift geschenkte oder verkaufte Güter bzw. Kirchen, wie z. B. das Patronat und die Vogtei der Marienkirche in Globasnitz, welche der Herzog von Kärnten 1265 dem Propst Johann wegen dessen großer, aber nicht näher benannten Verdienste schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestätigungen von Privilegien ergingen von 1266 (Herzog Ulrich III. von Kärnten) bis 1601 (Erzherzog Ferdinand II.), während päpstliche Privilegien- und Besitzbestätigungen ohne Nennung der Rechte und Stücke in den Jahren 1341, 1448 (Kardialdiakon Johannes von St. Angeli, päpstlicher Legat) und 1450 erfolgte. Vor 1329 besaß der Propst das herzogliche Landgericht im Jautal als Pfand, verzichtete aber 1391 auf die Pfandsumme von 250 Mark Silber und erhielt dafür vom Landesfürst die Gleichstellung seiner im Landgericht befindlichen Untertane und Güter mit jenen der herzoglichen Dienstherren, Ritter, Untertanen und Güter. Das damals festgesetzte Vogteigeld von jährlich zehn Gulden erließ Friedrich III. 1481 dem Stift, weil es kurz zuvor schwere Schäden durch den Türkeneinfall und die Ungarn erlitten hatte. 1408 gestattete Herzog Ernst dem Stift, den Nachlass der verstorbenen Pfarrer der stiftischen Lehenspfarre Rechberg, Globasnitz, St. Kanzian, Gallizien, Schwabegg, Neuhaus und Leifling gegen Reichung eines Winterpelzes und zweier Filzschuhe an ihn – zur Erinnerung an seine Vogtei über diese Pfarren – einzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den schweren Verwüstungen, die dem Stift und seinen Gütern durch die Ritter von Rechberg zugefügt wurden, wobei auch Urkunden verloren gingen, ließ Kaiser Friedrich III. 1454 die stiftischen Privilegie neu erheben und festschreiben. Es handelte sich um das Gericht im Burgfried Eberndorf, desen Grenzen genau angegeben wurden, die fürstliche Freiung zu Sittersdorf und die Kirchtage, die zur Vogtei und zum Landgericht Stein im Jauntal gehörte, aber vom Propst zu beaufsichtigen waren. Schließlich wurde auch das Fischrecht des Propstes, das dieser gemeinsam mit dem Kloster St. Paul und dem Besitzer von Sonnegg ausübte, anerkannt. 1455 behielt sich der Papst die Besetzung von zehn Abteien und Propsteien, darunter Eberndorf, nach den Vorschlägen des Kaisers vor. Damit war die freie Wahl unterdrückt, der Landesfürst ernannte, der Papst bestätigte. Darauf lief die Praxis hinaus. Ob Eberndorf davon betroffen war, ist fraglich, da der damalige Propst noch mehr als zwanzig Jahre regierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1476 wird in Eberndorf erstmals ein Richter (später „Hofrichter&amp;quot;) erwähnt, der die Niederegerichtsbarkeit über die Stiftsuntertanen besorgte. Die zur selben Zeit genannten zwei Offiziale waren wohl Verwaltungsbeamte des Stiftes. nach 1481 befreite der Kaiser das Stift von jeder Gerichtsbarkeit, ausgenommen die dem Landgericht vorbehaltenen Blutfälle, und unterstellte es direkt dem kaiserlichen Gericht. Eine Verfügung von 1487 setzte die gerichtliche Zuständigkeit des Propstes auf dessen Lebenszeit für seine im Landgericht wohnenden Untertanen fest, ausgenommen wieder todeswürdige Verbrechen.&lt;br /&gt;
Da das Stift politisch zum Herzogtum Kärnten gehörte, hatte es bei den Landes- und sonstigen Steuern mitzuzahlen. Ende des 16. Jahrhunderts musste Eberndorf – ähnlich wie andere Stifte – für die zur Landesverteidigung von ihm aufzubietende waffenfähige Mannschaft einen Adeligen als Rüstmeister bestellen und besolden. Seit mindestens 1446 gehörte der Propst als Mitglied der geistlichen Landstände zu den „Landleuten&amp;quot; Kärntens. Denn anlässlich einer damals im Hause Habsburg begangenen Hochzeit betrug der Beitrag Eberndorfs 200 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem Regierungsantritt Ferdinands I. in den Erblandenahm der Landesfürst verstärkt Einfluss auf die internen Geschicke der Propstei, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. 1532 bevollmächtigte das Stift erstmals zwei Prokuratoren, um bei König Ferdinand I. die Bestätigung der Postulation des Propstes von Völkermarkt nach Eberndorf zu erwirken. 1573 zeigte Erzherzog Karl dem Stift an, dass die Grazer Regierung künftig neu gewählte Prälaten nur noch dann bestätigen werde, wenn diese mit ihrem Wahldekret vor ihm oder seinem Vertreter erscheinen und einen Revers unterschreiben. Damit wollte der Erzherzog verhindern, dass häretische oder unfähige Männer zu Stiftsvorstehern gewählt würden. Die Verfügung bedeutete jedoch einen gravierenden Eingriff in die Freiheit des Klosters, den Propst ohne Einflussnahme von außen wählen zu dürfen, und somit ein Präjudiz für künftige Wahlen. Dementsprechend wurde dieses Mandat vom Eberndorfer Kapitel bei der Propstwahl 1577 missachtet, was sofort eine Rüge durch den Erzherzog zur Folge hatte. Später verlangte die Grazer Regierung unnachgiebig die Beiziehung landesfürstlicher Kommissäre zu den Wahlen und verweigerte den gewählten Pröpsten die Bestätigung, wenn ihre Wahl in Abwesenheit landesfürstlicher Vertreter stattgefunden hatte. Deshalb kam es bei der Bestellung der letzten Pröpste zu erhebliche Spannungen zwischen dem Kapitel und dem Patriarchen einerseits und der Regierung in Graz andererseits. Letztere verzögerte nach dem Tod des Propstes Kobl eine Neuwahl. Das beschleunigte die Aufhebung Eberndorfs, die vom Erzherzog auch gegen den Widerstand des Patriarchen als kirchlichen Ordinarius durchgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Jesuitenzeit fungierten die Klagenfurter Rektoren als Pröpste von Eberndorf. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens wurde dem jeweiligen Pfarrer von Eberndorf und seinen. Nachfolgern durch Bestätigung Maria Theresias die Würde eines Propstes und Archidiakons des Jauntales zuerkannt, was das Gurker Ordiariat 1865 neuerlich bestätigt hat und noch 1938 galt. Der letzte Pfarrer, der noch den Titel Propst führte, aber nicht mehr infuliert war, starb vor einigen Jahren, der jetzige führt auch den Titel Propst nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eberndorf und das Patriarchat Aquileja===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung Eberndorfs zum Patriarchat blieb seit der Gründung des Stiftes durch alle Jahrhunderte aufrecht und traditionell gut. Zahlreiche Urkunden der Patriarchen dokumentiere nicht nur deren Sorge für das Stift, sondern auch für den Aufbau einer Organisation der Stiftspfarren. Die Marienkirche in Eberndorf ist wahrscheinlich eine Eigenkirchengründung Chazelins und scheint erst 1154 oder kurz davor zu einer Pfarre erhoben worden zu sein. 1106 wurden dem Kloster angeblich die vier plebes St. Michael in Rosegg (Ras), St. Kanzian, St. Michael ob Bleiburg und Windischgraz/Slovenjgradec (Graz) übergeben. Damit wären Eberndorf alle Taufkirchenpfarren von Villach abwärts bis zur heutigen Staats- und Landesgrenze zur seelsorglichen Betreuung anvertraut gewesen, ausgenommen die ehemalige Eigenkirche Kappel im Rosental, die in der Hand des Patriarchen blieb. Bestätigungen der „Gründungsurkunde&amp;quot; Eberndorfs von 1106 durch die Patriarchen erfolgten 1404 und 1452.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelsorge auf den Eberndorfer Pfarren übten sowohl Weltgeistliche wie Kanoniker aus. Letztere waren Anfang des 14. Jahrhunderts disziplinär bereits reformbedürftig, da der Patriarch ihnen 1304 diesbezüglich einen Brief schrieb. 1309 ermahnte der Patriarch Ottobono alle Prälaten und Kirchenvosteher seiner Diözese, darunter Propst Johannes von Eberndorf, sich innerhalb von sechs Monaten in ihre Residenzen zu verfügen und dort zu bleiben, andernfalls ihnen Kirchenstrafen drohten. Propst Eberhard fungierte 1328 offenbar als Sammler von Geldern, deren Zahlung der päpstliche Legat angeordnet hatte, denn der Propst bestätigte dem Abt von Rosazzo den Erlag von 18 Mark Agleier Pfennigen. Im darauffolgenden Jahr schrieb der Propst dem Patriarchen, er habe den Pfarrer Ulrich von [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Philippen bei Pfannsdorf im Jauntal|St. Philippen bei Pfannsdorf]], der ein skandalöses Leben führte, mit Kirchenstrafen belegt, weshalb er nun um sein Leben fürchten müsse. 1335 verlangte der Patriarch vom Propst unter Androhung der Exkommunikation, die Pfarre Gutenstein/Prevalje künftig keinem Säkularpriester mehr zu verleihen, sondern mit einem Kanoniker zu besetzen, wie dies alter Gewohnheit entspreche. Einige Jahre später bestätigte er dem Stift gegen den Anspruch ein es Säkularpriesters neuerlich den Besitz dieser Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erfolgte Wahl der Pröpste wurde vom Kapitel dem Patriarchen angezeigt und ihre Bestätigung erbeten. Sie wurde auch stets gegeben. Wahlurkunden des Kapitels existieren von 1583 und 1599. Noch Mitte November 1603 ernannte der Patriarch den Gurker Domherrn Matthias von Staudach zum Administrator und Vikar von Eberndorf, dem der Erzherzog jedoch die Anerkennung verweigerte. 1213 wird Propst Leonhard vom Patriarchen als capellanus noster angesprochen. Propst Johannes (III.) wird 1324 aquilejanischer vicearchidiaconus von Kärnten genannt und Propst Hermann von Freg wurde noch als Pfarrer von Rosegg vom Patriarchen zum Archidiakon von Kärnten bestellt (1362), was er als nachheriger Propst von Eberndorf wohl nicht mehr war. Ab 1469 fungierten alle Pröpste als Archidiakone Aquilejas im Jauntal. Valentin Fabri, der bei seiner Wahl zum Eberndorfer Propst den Orden annahm, war Archidiakon des Jaun- und Sanntals. 1571 nennt der Patriarch Propst Lucas, dessen Lebensführung sonst zu Kritik Anlass gab, seinen Archidiaconum Patriarchalem natum und bestellte ihn zu seinem bevollmächtigten Prokurator und Generalvertreter bei der Rekuperation etlicher von den Bischöfen von Laibach der Kirche von Aquileja entfremdeter Rechte und Güter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Pröpste waren vor ihrer Postulation Säkularpfarrer nicht stiftischer Pfarren (zuletzt Sebastian Kobl in Pettau), regierten gleichzeitig ein zweites Stift (Otto [II.] von Rottenbuch und Eberndorf) oder waren ordensfremd (z. B. Andreas Lochner, gleichzeitig Säkularpropst von St. Maria Magdalena in Völkermarkt). Sie alle fanden trotzdem die Bestätigung Aquilejas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als cumulus beneftciorum zu betrachten ist die Verleihung einer großen Pfarre an den Propst, wie dies mit der Pfarre St. Michael ob Bleiburg geschah, die von 1298 bis nach 1335 im Besitz Eberndorfer Pröpste erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Namensliste von Chorherren stammt aus dem Jahre 1236, in der neben dem Propst neun Kanoniker genannt werden, die alle Priester waren. Einer trug den Titel Magister, ein anderer fungierte als Kustos. Anlässlich der Verleihung der Pontifikalien und der Pelzmozzetta durch den Papst an den Propst 1449 wird das hohe Ansehen des Stiftes gerühmt, welches besonders Adelige zu Kanonikern aufnehme. Im Dezember 1493 unterschrieben acht Chorherren das Wahlinstrumet, mit dem sie ihren Mitbruder Andreas Erlpacher zum Propst gewählt hatten, 1497 wählten der Dechant und acht Priesterkanoniker den neuen Propst. Mehr als zehn Chorherren dürfte das Stift aber nur selten gezählt haben. Beim Regierungsantritt der Pröpste Matthäus Scharrer und Sebastian Kobl (November 1583 bzw. Anfang März 1599) bestand der Konvent außer dem Propst aus sieben bzw. acht Kanonikern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war die Disziplin im Konvent stark gesunken – mehrere Chorherren frönten dem Laster des Konkubinats, wie dem Patriarchen berichtet werden musste. Diese Zustände waren auch der Grazer Regierung seit langem bekannt und Wasser auf ihre Mühlen. Bei der Übernahme des Klosters durch die Jesuiten Ende Juli 1604 lebten außer dem Dechant noch vier Chorherren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die soziale Herkunft der ersten Pröpste ist fast nichts bekannt, da sie nur mit ihren Vornamen erwähnt werden. Eine Ausnahme ist Propst Otto II. (†1179). Er war als Graf von Falkenstein Angehöriger des bayrischen Hochadels und mit Patriarch Ulrich II. verschwägert, außer dem gleichzeitig Propst von Rottenbuch. Erst aus dem späten Mittelalter werden auch die Familiennamen der Pröpste überliefert. Propst Hermann von Freg (1378) stammt e aus einem Kärntner Rittergeschlecht, gesessen auf dem Turm Frög unter Rosegg im Drautal, ebenso ritterlicher Herkunft war Propst Ulrich von Christendorf († 1405). Propst Georg „de Capella&amp;quot; († 1421) stammte aus dem Markt Eisenkappel und dürfte bürgerlich gewesen sein. Von reichen Gonobitzer Bürgern stammte Propst Valentin Fabri (1497–1509). Adelig hingegen waren die Pröpste Leonhard von Keutschach, der 1490 Dom Propst in Salzburg wurde und Eberndorf noch drei Jahre als Administrator verwaltete, Johann Wildensteiner († 1532), Andreas Lochner zu Liebenfels († 1544) und Wolfgang von Neuhaus (1573–1577). Die nachfolgenden Pröpste gehörten bürgerlichen Familien an, ausgenommen Ursinus de Bertis, der aus einer Görzer Adelsfamilie stammte, Säkularpriester, Doktor beider Rechte und vor seiner Berufung nach Eberndorf Sekretär bei Erzherzogin Maria in Graz war. 1499 postulierte Erzbischof Leonhard von Salzburg den Eberndorfer Chorherrn Christoph Hofmann auf die Propstei St. Magdalena und St. Mauritzen in Friesach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Lucas Mayr und Bartholomäus Kranich amtierten vor ihrer Wahl als Pfarrer in Sittersdorf. Beim Regierungsatritt Mayrs befanden sich neun Chorherren im Stift, angeblich ohne jene, die auf den Pfarren wirkten. Doch haben sicher alle wahlberechtigten Herren den euen Propst gewählt, weshalb es kaum m ehr als zehn gewesen sein dürften. Propst Jakob Pruethe (1544–1559) war vorher Pfarrer zu Stein im Jauntal. Der letzte Propst Sebastian Kobl war Pfarrer in Pettau, wurde Ende Jänner 1599 Administrator in temporalibs und im Mai zum Propst gewählt, nachdem er sich gegenüber dem Kapitel bereit erklärt hatte, in den Orden zu treten. Seltsamer weise gibt es von den vielen Pröpsten, die Eberndorf hatte, in der dortigen Pfarrkirche und früheren Stiftskirche nur von einem einen Grabstein. Dieser gehört Propst Andreas Lochner, der sich seinen Grabstein zu Lebzeiten errichten ließ. Er trägt die Jahreszahl 1540, während der Propst erst 1544 starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Herkunft der Chorherren im 13. und 14. Jahrhundert ist kaum etwas festzustellen, außer dass der 1298 urkundlich erwähnte Kanoniker Johannes – vielleicht der spätere Propst Johannes II. – ein Schwager des Ritters Wulfing von Rechberg war. Anfangs dürfte sich der Konvent wohl mehrheitlich aus dem Adel der Umgebung Eberndorfs bzw. Unterkärntens rekrutiert haben. Ab dem späten 15. Jahrhundert traten verstärkt bürgerliche Kandidaten ins Stift. Für diese werden im Necrologium als Heimatorte Eberndorf, Gmünd und Straßburg (Kärnten), Cilli/Celje (Steiermark) und Eferding (Oberösterreich) genannt. Die Chorherren des 16. Jahrhunderts stammten nach den Angaben des Nekrologs aus Eberndorf, Bleiburg, Eisenkappel, Klagenfurt, Maria Saal und St. Leonhard im Lavanttal (Kärnten), Voitsberg (Steiermark) und Rudolfswerth (Krain). Adelig war kaum einer von ihnen. Der Konvent hatte immer einige Mitglieder windischer (sloweischer) Zunge, weil die Kenntnis dieser Sprache für die Seelsorge bei der windischen Bevölkerung in den Eberndorfer Pfarren Vorraussetzung war. Die Namen der meisten Chorherren, soweit im Nekrolog verzeichnet, verraten aber deutsche Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Skriptorium und Bibliothek==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1280 nennt sich Johannes dictus Shawer de Juna als scriptor aut compilator einer Urkunde Privater für das Kloster Arnoldstein. Ob es sich bei ihm um einen Eberndorfer Chorherrn gehandelt hat, und wenn ja, ob diese Erwähnung bereits als Nachweis eines mittelalterlichen Skriptoriums in Eberndorf ausreicht, ist mehr als fraglich. Denn später bediente sich das Stift für Beurkundungen eigener Notare, die die Urkunden aufsetzten und schrieben. Im Nekrolog von Eberndorf erscheint im 14. Jahrhundert Johannes Polierer von Prag als Notar des Klosters und noch 1469 stellte der Notar des Propstes ein Transsumpt einer Urkunde aus. Eindeutig belegt ist skriptorische Tätigkeit im Stift nur aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Denn vom Dechant Johannes de Everding, der wohl aus dem oberösterreichischen Eferding stammte und 1444 starb, heißt es, dass er schöne Gradualien, Antiphonarien und andere Bücher geschrieben, illuminiert und auch selbst gebunden habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn 1298 bereits ein Schulmeister in Eberndorf genannt wird, musste auch dieser, wie seine Nachfolger, Bücher besessen haben. Ob die nach Eberndorf postulierten Pröpste des Hoch- und Spätmittelalters sowie des 16. Jahrhunderts Handschriften und Bücher in das Stift mitgebracht oder gekauft haben, entzieht sich mangels Hinweisen der Kenntnis. Der 1476 verstorbene Priester Antonius von Bleiburg schenkte dem Stift außer Geld auch Bücher. Auch andere Priester, Pfarrer, Chorherren und Private haben im Laufe der Zeit dem Kloster Bücher geschenkt, wofür ihre Namen in den Nekrolog gesetzt wurden. Daher ist schon für das 15. Jahrhundert ein gewisser Bücherschatz in Eberndorf anzunehmen. 1588 allerdings befanden sich nach der Aussage des Dechanen in der Bibliothek nur antike, keine neueren Bücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menhardt vertrat die Meinung, Wolfgang Lazius habe 1549 bei seiner Kärntner Bibliotheksreise neben anderen Stiften auch Eberndorf besucht und Hadschriften für die kaiserliche Hofbibliothek in Wien requiriert. Daraus würde sich das gänzliche Fehlen von Handschriften aus manchen der aufgehobenen Klöster erklären. Dies mag hinsichtlich Eberndorfs seine Bestätigung darin finden, dass nach Aufhebung des Jesuitenordens nur sehr wenige und unbedeutende Handschriften aus Eberndorf nach Klagenfurt gekommen sind. In der dortigen Studienbibliothek konnten 1882 nur zwei Handschriften sicher als von Eberndorf stammend identifiziert werden, und zwar die Papiercodices Nr. 99 und 170, letzterer früher im Besitz der Jesuiten. Darüber hinaus wurde auch vermutet, dass einiges an Manuskripten nach der Aufhebung aus der Bibliothek der Jesuiten zerstreut, verschleppt oder beiseitegeschafft worden sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessat ist die Nachricht, in der Sakristei der ehemaligen Eberndorfer Filialkirche von Loibegg/Belovice habe sich noch 1938 ein Rituale aus dem 15. Jahrhundert befunden, desse Buchstaben auf das Pergament teils mit der Handgeschrieben, teils mitgotischen Lettern gedruckt waren. In die Grazer Universitätsbibliothek ist über die Jesuiten aus Eberndorfer Bestäden nichts gelangt. Im Stiftsarchiv St. Paul wird der Eberndorfer Rotulus aufbewahrt, der zwischen Juli 1528 und Juli 1529 die Eintragungen von rund 80 Stiften und Klöstern aus Kärnten, Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich und Wien aufweist. Aus dem Jahre 1604 stammt ein Archivregister von Eberndorf (''„Primus Index litterarum Archivii Oberndorfensis cum earum summis&amp;quot;''), das als Pergametumschlag ein Doppelblatt eines Orationale aus den 14. Jahrhundert (gotische Minuskel, rote und blaue Initialen) besitzt. Es ist heute die Geschichtsvereins-Handschrift 2/40 im Kärntner Landesarchiv. Im selben Archiv existiert als Geschichtsvereins-Handschrift 2/14 das von den Jesuiten angelegte Eberndorfer Kopialbuch („Liber variorum contractum&amp;quot;, 1106-1663).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung Eberndorfs existierte jedenfalls auch eine Bibliothek. Diese dürfte 1603 den Grundstock für die Bibliothek des Jesuitenkollegiums in Klagenfurt gebildet haben, denn sie wurde in diese aufgenommen. Nach Aufhebung des Ordens wurde sie in der Klagenfurter Lyceumsbibliothek aufgestellt, worauf die Bestände in die Klagenfurter bundesstaatliche Studienbibliothek kamen. Dort befanden sich im Jahre 1882 Bücher, deren Herkunft aus Eberndorf durch Vermerke (''Exlibris Eberndorfensis coenobii Col. Clagenf. Soc. Jesu Catalogo inscriptus'') erwiesen ist. Wie viele Werke davon aus dem alten Chorherrenstift stammten und von den Jesuiten nur übernommen worden waren, wurde damals nicht angegeben. Die Bestäde der ehemaligen Studiebibliothek befinden sich jetzt in der Klagenfurter Universitätsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baugeschichte==&lt;br /&gt;
===Kirche===&lt;br /&gt;
Die alte Kirche von Eberndorf reichte bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zurück. Es wurde vermutet, dass das Muttergottes-Patrozinium deshalb gewählt wurde, um eine früher am Ort verehrte weibliche Gottheit zu verdrägen. Von dieser vor 1106 nachgewiesenen Marienkirche ist nichts mehr vorhanden. Patriarch Ulrich ließ sie um 1106 erweitern und darin die sterblichen Überreste des Grafen Chazelin bestatten. Auch der östliche Teil des einstigen Presbyteriums, das um 2,20 m höher liegt als das Schiff und 11 m im Quadrat misst, samt der darunter liegenden ersten Krypta stammen von dieser Kirche. Das Chorquadrat hatte im Osten eine Halbkreisapsis, zwei Eingänge unter dem Priesterchor führten in die Krypta. Die Kirche hatte eine hölzerne Flachdecke, die 3 m niederer als die jetzige Decke war und auf in die Wände gemauerten Pfeilern ruhte.&lt;br /&gt;
Propst Ulrich Christendorfer (1387-1405) errichtete das jetzige, erhöhte Presbyterium. Es ist 13 m lang, hat ein Kreuzrippengewölbe und Strebepfeiler sowie einen 5/8 - Chorschluss, darunter eine gleichlange 3-schiffige Krypta als Verlängerung der bereits bestehenden. Die Weihe des neuen Hochaltares und der Krypta erfolgten 1391 durch den Bischof von Triest Heinrich von Wildenstin gemeinsam mit dem Generalvikar von Aquileja Johann Cado. Die Krypta ist die bedeutendste eben der von Gurk.&lt;br /&gt;
Die Ungnad, seit 1442 Herren auf Schloss Sonnegg, pflegten ihre Toten an der südlichen Außenseite der Kirche zu bestatten. Um die Grabstätte mit der Kirche zu verbinden, entfernten sie die Kirchenmauer und errichteten parallel zur früheren eine neue, wodurch das südliche Seitenschiff mit einer Länge von 20 m und einer Breite von 8 m entstand. Bis 1500 waren dort sieben (nicht 37!) Familienmitglieder begraben worden.&lt;br /&gt;
1483 fiel die Holzdecke der Kirche einem Brand zum Opfer, worauf die Wiederherstellung im Stil der Spätgotik begann. Propst Valentin Fabri vollendete aus Mitteln sei-nes Familienerbes die Einwölbung der Kirche, wobei der Dechant Lucas Fellpacher unter Feierlichkeiten und im Beisein des ganzen Konventes am 7. Oktober 1505 den Schlussstein setzte. Dieses Schlingrippengewölbe trägt die Jahreszahl „''1506''&amp;quot;. Da beim Altar aus dem 15. Jahrhundert, eine von einem Flügelaltar stammende Statue Mariä Verkündigung, die 1938 in der Sakristei stand, und eine Anna Selbdritt Halbrelief aus dem 16. Jahrhundert. Arbeiten der Spätgotik sind auch die Statuen des Florianialtars. Die übrige Kircheneinrichtung stammt aus der Jesuitenzeit und ist barock.&lt;br /&gt;
In der Kirche hängt noch ein Bild in Form eines Altaraufsatzes in der Größe von 3 x 4 m. Der letzte Propst ließ es 1601 ''ad sui suorumque memoriam'' malen. Das Mittelbild stellt das Allerheiligste in der Monstranz dar, die Attika zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. In der Predella knien vor einem Kruzifix der Propst und die sieben letzten Chorherren, alle mit Rosenkräzen in den Händen und ihren Namen bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Patriarch Peregrin I. erklärte 1154, er habe in Eberndorf nicht nur eine Kanonie regulierter Augustinermönche errichtet, sondern auch das Kloster für die vita regularis der Chorherren gebaut. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine Erweiterung der vorhandenen, noch eher bescheidenen Wohngebäude des Säkularkapitels.&lt;br /&gt;
Das jetzige Stiftsgebäude, mit runden Ecktürmen und Schießscharten versehen, stammt aus verschiedenen Epochen. Propst Laurentius (1445-1479) ließ anlässlich des Türkeneinfalls 1473 das Stift mit Wall und Graben befestigen, wozu ihm Georg Löschenpfeffer 120 ungarische Dukatengulden als Messstiftung beisteuerte. Am 14. Oktober 1476 griffen die Türken Eberndorf neuerlich an, wurden aber durch die Befestigungen und die Verteidigung der Klosterleute abgewehrt. Deshalb trieb Propst Leonhard von Keutschach (1480-1490), dessen Brüder in der Eberndorfer Kirche begraben waren, die Befestigungsarbeiten zum Schutz des Klosters voran und gab Anleitungen zur Errichtung von Wehrgalerien an den von den Türken bedrohten Kirchen. Dazu und zum Brand der Kirche von 1483 passt die Erwähnung der Jabrica, also einer Zeche (Bauhütte), aus 1489, ebenso einer fabrica ecclesiaeet monasterii im 16. Jahrhundert. Denn Propst Johannes Wildensteiner (1509-1532) vergrößerte und verschönerte das Kloster und baute Gebäude hinzu. Der im 17. Jahrhundert erwähnte „Dreikönigssaal &amp;quot; war vor der Jesuitenzeit wahrscheinlich eine Kapelle, die sich im Osttrakt der Stiftsgebäude befand, wo man vor dem Zweiten Weltkrieg an der Außenseite in nördlicher Richtung vom Presbyterium der Pfarrkirche vermauerte spitzbogige Fenster sah. 1588 waren die Dächer der Gebäude undicht, letztere deshalb schadhaft.&lt;br /&gt;
Als die Jesuiten Eberndorf übernahmen, unterzogen sie das Ganze Stift einem großzügigen Umbau, denn sie hatten das Geld dazu. Die nördlich der Kirche einen geschlossenen Hofbildenden Gebäude stammen mit Ausnahme der Trakte im Westen und norden vorwiegend aus dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts. Durch die teilweise Einbeziehung mittelalterlicher Gebäude und Mauern entstand der unregelmäßig viereckige Hof. Die Trakte weisen dreigeschossige Pfeilerarkaden unterschiedlicher Achsenzahl auf. 1634 wurden laut Inschrift das Eingangstor mit dem zweistöckigen Aufbau und ein Pfarrhof (,,Benefiziatenhaus&amp;quot;) errichtet. Der Erweiterungsumbau und die Fassadierung werden Peter Franz Carlone zugeschrieben.&lt;br /&gt;
Der weitläufige Bau diente den Jesuiten zuerst als Noviziat, wobei gewöhnlich nur vier Patres im ehemaligen Stift lebten. 1658 wurde das Noviziat aufgegeben und es blieben nur zwei bis drei Patres zurück, die die Seelsorge ausübten und die Wirtschaft betrieben. Um die Räumlichkeiten des Klosters doch zu nützen, führt en die Jesuiten Exerzitien für Priester -meist in der ersten Fastenwoche abgehalten - ein. 1690 richtete ein Erdbeben beträchtlichen Schaden an Gebäuden, Kaminen und Türmen des Stiftes an. 1723 vernichtete ein großer Brand Kloster und Kirche. Der Wiederaufbau dauerte mehrere Jahre und kostete 60.000 fl. 1751 wurde der jetzige Bau fertiggestellt. 1809 übergab Kaiser Franz I. den Benediktinern des ehemaligen Klosters St. Blasien im Schwarzwald das leerstehende Stift St. Paul i. L. und als Dotation u. a. Kloster und Herrschaft Eberndorf samt Gut und Schloss Wasserhofen. Die Stiftsgebäude gehören jetzt der Marktgemeinde Eberndorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Über das Archiv des Klosters im Mittelalter fehlen alle Nachrichten. Vor 1447 wurden dem Kloster angeblich viele Urkunden geraubt und gingen deshalb zugrunde, doch kann sich dies wohl nur auf jene Stücke bezogen haben, die die Güterverkäufe der Rechberger an das Stift betrafen. 1588 wurden die Schriften in einer hölzernen Truhe in der Sakristei aufbewahrt. Das Archiv des untergegangenen Stiftes verblieb größtenteils auch unter den Jesuiten in Eberndorf, einige wichtige Urkunden verwahrten sie allerdings in Klagenfurt. Davon kamen nach der Aufhebung dieses Ordens 36 Originalurkunden (von 1220 bis 1601) in die k. k. Hofbibliothek und liegen jetzt im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Die „älteste&amp;quot; Eberndorfer Urkunde von 1106 (Innovation 13. Jahrhundert) gelangte 1849 an den Kärntner Geschichtsverein und befindet sich im Kärntner Landesarchiv.&lt;br /&gt;
Der übrige Archivkörper verblieb weiter in Eberndorf, mit dem nun auch wieder die Eberndorf-Bestände im Klagenfurter Jesuitenkolleg vereinigt wurden. Alles zusammen ging dann 1809 in den Besitz des wieder errichteten Stiftes St. Paul über, wo sich die Archivalien nach wie vor befinden. Die wichtigsten darunter sind: l. Zahlreiche Originalurkunden. 2. Ein von den Jesuiten angelegtes Eberndorfer Kopialbuch aus dem ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. 3. Das Nekrolog der Propstei in Form eines Pergament-Codex. Dabei scheint es sich um ein erneuertes Nekrolog aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu handeln, dessen Vorläufer um die Mitte des 14. Jahrhunderts begonnen worden war. In der vorliegenden Fassung von zwei Händen geschrieben (A bis ca. 1480, B bis 1592 fortgesetzt) ist es jedoch unvollständig, weil etliche Blätter schon 1886 fehlten. Als letzte Eintragungen haben die Jesuiten die Sterbedaten einiger Exchorherren festgehalten. 4. Rotulae aus Eberndorf. 5. Urbare (erst von 1614). 6. Akten über Vorgänge aus den letzten Jahrzehnten der Propstei im Dekanatsarchiv Eberndorf. 7. Zahlreiche Faszikel „Herrschaft Eberndorf&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Diese Quellen hat B. Schroll entweder ediert oder für seine Publikationen benützt. Die meisten Eberndorfer Urkunden haben Eingang in die MDC und andere gedruckte Urkundenbücher gefunden. Laschitzer hat einige Urkunden des HHStA als Nachtrag zu Schroll ediert. Im Archivio della Curia Arcivesovile di Udine (ACAU) liegen zahlreiche Faszikel mit Akten über das Stift (Prepositura di Eberndorf), die die Beziehungen zwischen dem Patriarchat Aquileja und der Propstei, hauptsächlich im 16. Jahrhundert bis zur Aufhebung, dokumentieren. Diese Faszikel enthalten auch einige wenige Original-Urkunden des genannten Zeitraums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pläne und Ansichten==&lt;br /&gt;
Ein Grundrissplan der Stiftsanlage von der Hand F. X. Kohlas (?), Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden, ist im 1. Band der „Kärntner Burgenkunde&amp;quot;, wiedergegeben.&lt;br /&gt;
Die älteste überlieferte Ortsansicht von Eberndorf ist auf einer gemalten Grenzkarte der Landgerichte Sonnegg und Feuersberg von 1668 zu finden (Papier auf Lw., Tinte aquarelliert). Das in der Stiftskirche hängende Stifterbild (Öl/Lw.) darstellend COMES ACHAZIVS CAZELINVS FVNDATOR KVNIGVDA CON IVNX, das angeblich aus dem frühen 17. Jahrhundert stammen soll, zeigt eine Ansicht des Stiftes, wie es sich zur Zeit der Renaissance (2. Hälfte 16. Jahrhundert) präsentiert haben mag. Der größte Teil der Gebäude ist noch gotisch, ein Hof hat schon zweistöckige Renaissance-Arkaden. Die Abbildung erweckt den Eindruck von Zuverlässigkeit, zumindest scheint ihr die Absicht zugrunde zu liegen, den Zustand der Stiftsanlage vor dem Umbau durch Carlone festzuhalten.&lt;br /&gt;
Der prächtige Kupferstich des Stiftes von Peter Mungerstorf in J. W. Valvasors Topographia Archiducatus Carinthiae von 1688 stellt die Gebäude noch in einer Anordnung dar, die sehr an jene im Stifterbild erinnert. Doch sollte sie bereits die Erweiterung des Komplexes durch die Jesuiten zeigen. Beide Darstellungen weichen von der heutigen Wirklichkeit beträchtlich ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Siegel===&lt;br /&gt;
Das Kapitel in Eberndorf führte ein von 1335 bis 1471 nachweisbares spitzovales Siegel. Im Siegelfeld ist die Muttergottes mit dem unbekleideten Jesuskind dargestellt. Maria sitzt auf einem gepolsterten Thronsessel, der auf einem mit einer Lilie geschmückten Podest steht, und reicht dem Kind mit der Rechten eine Kugel, nach der dieses greift. Bekleidet ist sie mit einem langen Mantel und auf dem Haupt trägt sie einen Schleier.&lt;br /&gt;
Beide Figuren sind nimbiert sowie links von drei Sechsternen und rechts von einem begleitet. Zwischen zwei Perllinien ist eine mit einem Kreuzzeichen beginnende unziale Umschrift angeordnet:&lt;br /&gt;
+	S(igillum). S(an)C(t)E:  MARIE: IVN/ENSIS: ECCLESIE&lt;br /&gt;
Von diesem Stift konnte bisher kein nachfolgendes (Konvent-) Siegeltypar angetroffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wappen===&lt;br /&gt;
Nach heraldisch rechts in Blau über einem silbernen Bogenschildfuß (Berg) aufgerichtet ein goldenes Einhorn.&lt;br /&gt;
Das Wappenbild dürfte von den Stifterngraf Chazilo und seiner Gemahlin Kunigunde herkommen. In der Stiftskirche befindet sich ein barockes Gemälde von dem Paar. Unter ihnen sind zwei Wappentartschen zu sehen: nach links aufgerichtet ein goldenes Einhorn in Blau. Früher wurde es fälschlich, so von Megiser 1612 und ihm folgend von anderen Autoren, dem Kapitel von St. Andrä im Lavattal zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Johannes Fr. Bernardus Mariae de Rubeis: Monumenta ecclesiae Aquileiensis (…). Argentinae 1740.&lt;br /&gt;
*Josef Chmel: Materialien zur österreichischen Geschichte. Band 2. Wien 1838.&lt;br /&gt;
*Relazione della visita apostolica in Carniola. Stiria e Carinzia fatta da Francesco Barvaro. Patriarca eletto d´Aquileja l’anno1593 e presentata a papa Clemente VIII. Udine 1862.&lt;br /&gt;
*Beda Schroll: Rotulae des Augustiner-Chorherren-Stiftes zu Eberndorf. In: Archiv für. Klagenfurt 1870.&lt;br /&gt;
*Ders.: Ukrunden.Regesten des Augustiner-Chorherren-Stiftes Eberndorf im Jaunthale. Klagenfurt 1870.&lt;br /&gt;
*Simon Laschitzer: Nachträge zu den „Urkunden-Regesten des Augustiner-Chorherren-Stiftes Eberndorf im Jaunthale. Bearbeitet von Beda Schroll. In: Carinthia I, 72/1882. Klagenfurt 1870, S. 117 folgende.&lt;br /&gt;
*Beda Schroll: Necrologium des ehemaligen Augistiner-Chorherrenstiftes St. Maria in Juna oder Eberndorf in Kärnten. In: Archiv für österreichische Geschichte 68. 1886, S. 209 folgende.&lt;br /&gt;
*Giorlamo Conte de Renaldis: Memorie storiche dei tre ultimi secoli del Patriacarto d’Aquileia (1411–1751). Udine 1888.&lt;br /&gt;
*Guiseppe Vale: Itinerario di Paolo Santonino in Carintia, Stiria e Carniola negli anni 1485–1487 (studi e testi 103). Cittá del Caticano 1943.&lt;br /&gt;
*Monumenta historica ducatus Carithiae. Bände 1–4. Bearbeitet von Anton von Jaksch. Klagenfurt 1896–1906. Bände 5–11. Bearbeitet von Hermann Weißner. Klagenfurt 1956–1972.&lt;br /&gt;
*Oskar Veselsky: Die Konsekrationsberichte aus den Ordinations- und Konsekrationsprotokollen der Bischöfe von Lavant im 16. Jahrhundert. (Quellen zur Geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XI) 1997.&lt;br /&gt;
*Helmut Pechl/Wener Bergmann: Die Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts. In: Monumenta Germaniae historica. Die Briefe der deutschen Kaiserzeit VIII. Hannover 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
*Wilhelm Deuer: Eine abgekommene Filialkirche in Eberndort von 1668. In: Carinthia I. 191. 2001, S. 705 folgende.&lt;br /&gt;
*Francesco di Manzano: Annali del Friuli (…). Band IV. Udine 1862.&lt;br /&gt;
*Heinz Dopsch: Die Aribonen – Stifter des Klosters Seeon. In: Kloster Seeon. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur der ehemaligen Benediktinerabtei. Hg. vom Bezirk Oberbayerm durch Hans von Malottki. 1993.&lt;br /&gt;
*Heinz Dopsch/Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs Stadt und Land. Band I/2. Salzburg 1983.&lt;br /&gt;
*Bernhard Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im XVI: Jahrhundert. Band II 1. Teil. Freiburg im Breisgau 1913.&lt;br /&gt;
*Rudolf Egger: Die Reisetagebücher des Paolo Santonino 1485–1486. Aus dem Lateinischen übertragen von Rudolf Egger. Klagenfurt 1947.&lt;br /&gt;
*Walter Friesacher: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. 2. Abteilung: Die Kirchen- und Grafschaftskarte. 8. T. Kärnten 1. Kärnten südlich der Drau. Klagenfurt 1966.&lt;br /&gt;
*Reinhard Härtel: Le fonti diplomatiche e la fondazione dell‘ Abbazia di Moggio. In: Gian Carlo Menis (Hg.): Le origini dell’Abbazia di Moggio e i suoi rapport con l’Abbazia svizzera di S. Gallo (Publicationi della Deputazione di Storia partia per il Friuli 21). Udine 1994, S. 17–44. &lt;br /&gt;
*Reinhard Härtel: Tre secoli di diplomatica patriarcale (944–1251). In: Paolo Cammarosano (Hg.): Il patriarcato di Aquileia uno stato nell’ Europa medieval. Udine 1999, S. 229–262. &lt;br /&gt;
*Reinhard Härtel: Moggio. In: Germania Benedictina. Band III/2. Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol. Hg. von der Bayerischen benediktinerakademie München. München 200, S. 832–862. &lt;br /&gt;
*Alfred von Jaksch/Martin Wutte u.a.: Erläuterungen zum Historsichen Atlas der österreichischen Alpenländer 1. Abt. Die Landgerichtskarte, 4. Tl. Kärnten, Krain, Görz und Istrien, 1. Heft: Kärnten Görz und Gradisca. Wien 1914.&lt;br /&gt;
*Renate Jernej: Das Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 85. 2001.&lt;br /&gt;
*Ernst Klebel: Zur Geschichte der Pfarren und Kirchen Kärntens. B. Die kirchliche Organisation im Patriarchat Aquileja. In: Carinthia I, 116. 1926, S. 1–47.&lt;br /&gt;
*Ernst Klebel: Eigenklosterrechte und Vogteien in Bayern und Deutschösterreich. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 14. 1938, S. 175–214. &lt;br /&gt;
*Ernst Klebel: Zur Geschichte der Patriarchen von Aquileja. In: Festschrift R. Egger. Band 1. Klagenfurt 1992, S. 396–422.&lt;br /&gt;
*Irmtraud Koller-Neumann: Eine Statistik zum österreichischen Klosterwesen von 1593. In: Historische Blickpunkte. Festschrift Johann Rainer. Hg. von Sabine Weiss. Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft 25. Innsbruck 1988, S. 331–344. &lt;br /&gt;
*Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten I. und II. Teil (…). Archiv für vaterländische Geschichte. Klagenfurt 1956, 1958.&lt;br /&gt;
*Simon Laschitzer: Geschichte der Klosterbibliotheken und Archive Kärntens zur Zeit ihrer Aufhebung unter Kaiser Joseph II. In: Carinthia I, 73. 1883, S.  129–148.&lt;br /&gt;
*Giacomo Marcuzzi: Sinodi Aquileiesi. Udine 1910.&lt;br /&gt;
*Hermann Meinhardt: Handschriftenverzeichnis der Kärntner Bibliotheken. In: Handschriftenverzeichnisse österreichischer Bibliotheken, Kärnten, Band 1.&lt;br /&gt;
*Hermann Meinhardt: Die Kärntner Bibliotheksreise des Wolfgang Lazius 1549. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 24/25. 1936, S. 100 folgend.&lt;br /&gt;
*Gian Carlo Menis: Storia del friuli dlalle origini alla caduta dello stato patriarcale (1420). Udine 1978.&lt;br /&gt;
*Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch in der Kirchenreform des 11.–12. Jahrhunderts. In: Beiträge zur altbayrischen Kirchengeschichte, 3. Folge 19, 1953.&lt;br /&gt;
*Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch im Mittelalter. In: Rottenbuch. Das Augustinerchorherrenstift im Ammergau. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur. Hg. von Hans Pörnbacher. 1980, S. 9–25.&lt;br /&gt;
*Trudpert Neugart: Das Chorherrenstift Eberndorf. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 1. 1849, S. 97–114.&lt;br /&gt;
*Miroslav Ortravsky: Beiträge zur Kirchengeschichte im Patriarchate Aquileja (Kärntner Museumsschriften XXX) Klagenfurt 1965.&lt;br /&gt;
*Miroslav Ortravsky: Die Visitation des Patriarchen Franz Barbaro 1593/94 in Kärnten und seine Diözesan- und Provinzsynode im Patriarchat Aquileja. In: Carinthja 1, 62. 1972, S. 227 folgend.&lt;br /&gt;
*Pio Paschini: Bertoldo di Merania, patriarca d'Aquileia (1218–1251), in: Memorie storiche Forogiuliesi 15. 1919, S. 16.&lt;br /&gt;
*Hans Pirchegger: Der Besitz der Kärntner Klöster und Pfarren in der Steiermark. In: Carinthia I, 151. 1961, S. 514–519.&lt;br /&gt;
*Carl Plank: Rihni. Graf Otokar von Leoben und Erzbischof Odalbert von Salzburg. In: Siedlung, Macht und Wirtschaft. Festschrift Fritz Posch. Hg. von Gerhard Pferschy. Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives 12. 1981, S. 65–80.&lt;br /&gt;
*Helmut Plechl: Studien zur Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts III. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 12. 1956, S. 388 folgend, 13, 1957, S. 394–434.&lt;br /&gt;
*Johann Rainer: Das geplante Bistum Völkermarkt. In: Carinthia I, 150. 1960, S. 804-828.&lt;br /&gt;
*Johann Rainer: Die Jesuiten in Klagenfurt und Eberndorf. In: Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten. Hg. von Franz Nikolasch. Verein Stiftsmuseum Millstatt / Geschichtsverein für Kärnten). Millstatt 1994, S. 52–64.&lt;br /&gt;
*C. Scalon: Diplomati patriacali. I documenti dei patriarchi aquileiesi anteriori alla metá del XIII secolo nell’archivo capitolare di Udine (Quaderni e dispense dell’ Istituto di sroia dell’ Universitá degli Studi di Udine 8). Udine 1983.&lt;br /&gt;
*R. Schäffer: Die Ungnad 1450-1530. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 12 (XXVI). 1981, S. 166, Anm. 15.&lt;br /&gt;
*Michael Schmid: Das Augustinerchorherrenstift Eberndorf in Kärnten. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 2. 1955, S. 86ff. &lt;br /&gt;
*Heinrich Schmidinger: Patriarch und Landherr. Die weltliche Herrschaft der Patriarchen von Aquileia bis zum Ende der Stauffer. Publikationen des Österreichischen Kulturinstituts in Rom I, 1. Graz/Köln 1954.&lt;br /&gt;
*Heinrich Schmidinger: Die Besetzung des Patriarchenstuhls von Aquileja bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 60. 1952, S. 335–354.&lt;br /&gt;
*Monika Siedler: Marktgemeinde Eberndorf Einst und heute. Klagenfurt 1992.&lt;br /&gt;
*Stephan Singer: III. Band, Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales. Dekanat Eberndorf. Kappel 1938.&lt;br /&gt;
*Stephan Singer: IV. Band. Kultur. Und Kirchengeschichte des Jauntales. Dekanat Bleiburg. Klagenfurt 1983.&lt;br /&gt;
*Albert Starzer: Die Uebergabe des Chorherrenstiftes Eberndorf an die Jesuiten. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 6. 1901, S. 624–633.&lt;br /&gt;
*Guiseppe Trebbi: Francesco Barbaro. Patrizio veneto e patriarca di Aquileia. Storia della societá Friulana. Sezione studi e testi. Udine 1984.&lt;br /&gt;
*Adolf Trende: Die Stiftsbibliothek in St. Paul. In: Carinthia I, 142. 1952, S. 609–669.&lt;br /&gt;
*Peter Tropper: Von Missionsgebiet zum Landesbistum. Organisation und Administration der katholischen Kirche in Kärnten von Chorbischof Modestus bis zu Bischof Köstner. Klagenfurt 1996.&lt;br /&gt;
*Johann Weichard Freiherr Valvasor: Topographia Archiducatus Carinthiae. Nürnberg 1688.&lt;br /&gt;
*Evelyne Webernig: Geschichtliches über Eberndorf. Ausstellungskatalog des Kärntner Landesarchivs 6. Klagenfurt 2000.&lt;br /&gt;
*Erika Weinzierl-Fischer: Die Quart in Kärntens Stiften und Klöstern. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchiv 4. 1951, S. 138–166.&lt;br /&gt;
*Hermann Weissner/Gerhard Seebach: Burgen und Schlösser in Kärnten. Klagenfurt Feldkirchen Völkermarkt. Wien 1980.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Dürnstein</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (ab 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=''de Diernsteine'' (1158), ''in der stat zu Tirnstain'' (1311), ''unser frawn gotshaus ze Tyrnstain sand Augustin orden bzw. monasterium beate Marie virginis in Tirnstain ordinis sancti Augustini canonicorum regularium'' (1410), ''gottshaus und herrncloster Tiernstain'' (16. Jahrhundert), ''Stift zu Tirnstein'' (18. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
|Lage=Österreich [[Datei:Flag of Austria.svg|thumbnail|left|20px]]&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.39563, 15.51964&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die prächtig mit Miniaturen ausgestattete Stiftungsurkunde für das Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein wurde am 17. Februar 1410 ausgestellt. Der Errichtung der Kanonie liegt jedoch eine ältere Marienkapelle zugrunde, die Elisabeth von Kuenring, Witwe Eberhards von Wallsee zu Graz, und Heidenreich von Maissau stifteten und die 1373 erstmals genannt ist. Elisabeth gehörte zur letzten Generation der Dürnsteiner Linie ihrer Familie und ließ ihre Kapelle im Kuenringerhof erbauen, den sie von ihren Verwandten erworben hatte. Heidenreich von Maissau war ein angeheirateter Cousin Elisabeths und Pfandinhaber der landesfürstlichen Herrschaft Dürnstein. Gemeinsam erwarben sie verschiedene Gülten und Liegenschaften, um sie ihrer Kapelle &amp;quot;Unserer Frau&amp;quot; zu widmen. Spätmittelalterliche Kapellengründungen wie diese dienten dem liturgischen Totengedenken an die Stifterfamilie und verbanden eine tief empfundene Sorge um das jenseitige Seelenheil mit einem adeligen Anspruch auf Repräsentation und Memoria, einer formellen und rituellen Pflege der Erinnerung. &lt;br /&gt;
Im Stiftungsbrief vom 15. Juni 1378 wurde die Kapelle dem Kaplan Elisabeths, Johannes von Weitra, verliehen, der auch für den Unterhalt von zwei weiteren Priestern zu sorgen hatte. Als Elisabeth ein Jahr später verstarb, wurde aufgrund ihres Testaments eine Änderung der Dotation notwendig. Heidenreich von Maissau ließ darum am 1. Februar 1380 einen zweiten Stiftungsbrief ausstellen. Die Anzahl der Seelenmessen ließ er erweitern und verfügte auch eine Ausspeisung an drei Arme, die die Schule besuchten, welche hier erstmals genannt ist. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des ersten Kaplans 1387 verlieh Hans von Maissau, Heidenreichs Sohn, die Stiftung an [[Stephan von Haslach]], in dem die Tradition schon frühzeitig den fundator, den Gründer des späteren Chorherrenstiftes sah. Der Kaplan der Maissauer Stephan ist für die Jahre 1402 und 1403 mehrfach als herzoglicher Kammerschreiber nachzuweisen. Er führte in seinem Wappen – abgebildet auf seinem Grabstein in der Krypta sowie auf der Stiftungsurkunde von 1410 - den von zwei Kreuzen flankierten Blumenkorb, das Zeichen der heiligen Dorothea und spätere Wappen des Chorherrenstiftes. Der Altar dieser Heiligen, für die Leutold von Maissau 1399 eine Messstiftung errichtete, sollte im besonderen dem Totengedenken seiner Familie gewidmet sein und der Kaplan Stephan hatte die getreuliche Ausführung der Seelgeräte zu besorgen. Die Bedeutung des Dorotheaaltar es ist auch insofern eine besondere, als nämlich dafür eine eigene Kapelle im Kreuzgang errichtet wurde. &lt;br /&gt;
Mit dem dritten Stiftungsbrief vom 26. Jänner 1395 erhöhte [[Hans von Maissau]] die Anzahl der Kapläne auf vier, denen er neu erworbene Güter widmete, und erweiterte ihre Aufgaben im liturgischen Gedenken an die Stifter. Als der Frauenkapelle schließlich 1402 die Johanneskapelle auf der Burg inkorporiert wurde, kündigte sich bereits der Plan an, aus der Gemeinschaft der Kapläne ein Kollegiatstift zu machen. Vorgesehen war der Unterhalt von zwölf Priestern, zu dem auch die Dürnsteiner und die Grafenwörther Pfarrkirchen beitragen sollten, deren Patronatsrechte der Kapelle 1407 übertragen wurden. Bereits 1403 war mit dem Tod Leutolds von Maissau die Hauptlinie seiner Familie erloschen, die Führung des Hauses und damit das Patronat der Dürnsteiner Kapelle übernahm [[Otto von Maissau]], der hohe und einträgliche Funktionen am landesfürstlichen Hof bekleidete. Er gab die ursprüngliche Absicht, ein weltliches Kanonikat zu errichten, auf und stiftete am 17. Februar 1410 ein Augustiner–Chorherrenstift, dessen Ordensleben nach den Vorschriften der böhmischen Chorherren stifte Raudnitz und Wittingau ausgerichtet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stift [[Raudnitz]] (Roudnice) an der Elbe in Nordböhmen, gegründet 1333 als erstes Augustiner–Chorherrenstift Böhmens vom Bischof von Prag, Johannes von Drazic, ging eine Erneuerungsbewegung des Ordens aus. Unter den ersten Kanonien, die von Raudnitz besiedelt wurden, war auch [[Wittingau]] (Třeboň) in Südböhmen, errichtet 1367. Die Konvente der Raudnitzer Reform waren getragen vom Bestreben um eine verinnerlichte Spiritualität im Geiste der ''devotio moderna'', einer Frömmigkeitsbewegung, die durch die Betrachtung des Lebens und Leidens Christi den Weg zu einer apostolischen Nachfolge suchte und ihren Ausdruck auch in der Kunst, vor allem im gotischen Andachtsbild, fand. Die Chorherren strebten danach, die augustinische Einheit in Herz und Seele (''cor unum et anima una'') in einer sichtbaren Einigkeit im klösterlichen Zusammenleben erfahrbar zu machen: durch strengen Verzicht auf privates Eigentum, durch Tragen einheitlicher Ordenskleidung, sorgfältige Einhaltung der Gebetszeiten und Fastenvorschriften. Sie pflegten das Studium der Kirchenväter, besonders des heiliger Augustinus, als Inspiration zu einer wahren vita apostolica. Eine päpstliche Dispens gestattete es ihnen, zur Förderung ihrer Studien eigene Zellen anstelle des sonst üblichen gemeinsamen Schlafsaals zu bewohnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dürnstein war das erste Chorherrenstift im österreichischen Raum, das die Gewohnheiten von Raudnitz übernahm. Der erste Konvent setzte sich zusammen aus der Gemeinschaft der ehemaligen Kapläne und aus Professen aus Wittingau, sie wählten den ersten Propst namens [[Martin]]. Stephan von Haslach brachte das Vermögen seiner Kapelle in die junge Kanonie ein und wurde Pfarrer von Dürnstein. Er erlebte noch, als 1414, ein Jahr vor seinem Tod, Dürnsteiner Kanoniker nach Wien entsandt wurden, um die Umwandlung der landesfürstlichen Dorotheakapelle in ein Chorherrenstift mit Raudnitzer Statuten mitzutragen. &lt;br /&gt;
Damit eine klösterliche Erneuerungsbewegung nicht erstarrte, bedurft en die Konvente eines engen Austausches untereinander und der Festlegung konkreter Statuten, die die Augusstinusregel ergänzten. Die Stifte Dürnstein und St. Dorothea schlossen 1426 ein Bündnis, das der Einheit und Eintracht dienen sollte und mit dem man sich des gegenseitigen Beistandes im Fall von Zwistigkeiten in den Konventen versicherte. Es waren auch Professen aus diesen beiden Stiften, die neue Statuten ergänzend zu den bestehenden ausarbeiteten, die besonders die Liturgie und die Stundengebete betrafen. Später wurden diese ''statuta vetera et nova'' um Vorschriften für die einzelnen Stiftsämter ergänzt und in einem einzigen Kompendium, den sogenannten „Wiener Konstitutionen&amp;quot;, zusammengefasst und vom Bischof vom Passau und vom Legaten des Papstes bestätigt. Sie bildeten die gemeinsame Grundlage für einen Verband verschiedener Chorherrenstifte: Dem Bündnis von Dürnstein und St. Dorothea schlossen sich mit der Übernahme der Ordensvorschriften die von Kaiser Friedrich III. neu gegründeten Klöster in Wr. Neustadt (Niederösterreich) und Rottenmann (Steiermark) sowie die wieder errichtete Kanonie Glatz (Schlesien) an und bildeten ab 1460 eine vom Kaiser angeregte und geförderte Kongregation, welche allerdings durch den raschen Niedergang der Neugründungen schon im 16. Jahrhundert wieder ein Ende fand. &lt;br /&gt;
Eines der wichtigsten Instrumente zur Aufrechterhaltung eines regeltreuen Ordenslebens stellte die Visitation dar, also der Besuch des Klosters durch delegierte Visitatoren, oft Vorsteher anderer Konvente, welche sich vor Ort ein Bild über das klösterliche Leben zu machen hatten. Dabei erhielt der Konvent eine ''carta visitationis'', worin Vorschriften darüber verzeichnet sind, worauf in Bezug auf die Einhaltung der Ordensstatuten in Zukunft besonders zu achten sei. Obwohl die Ernennung von Visitatoren eigentlich ein Recht des zuständigen Diözesanbischofs war, stellte sich der österreichische Herzog Albrecht V. selbst an die Spitze der klösterlichen Reformbewegungen des ausgehenden Mittelalters und erlangte die päpstliche Machtbefugnis, mit von ihm ernannten Visitatoren über die Regeltreue in den Klöstern seines Landes zu wachen - waren diese doch nicht nur geistlicher und kultureller, sondern auch ein wichtiger ökonomischer Rückhalt seiner Landesherrschaft. 1418 ernannte der Herzog unter anderem den ersten Propst von Dürnstein, Martin, und den Propst von [[Wittingau]], [[Andreas]], zu Visitatoren für die Chorherrenstifte [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] und [[Stift St. Florian|St. Florian]]. &lt;br /&gt;
Zur Unterstützung der klösterlichen Erneuerung wurden Professen aus Reformklöstern in andere Konvente ausgesandt, so etwa 1433 auf Weisung des Erzbischofs von Salzburg Dürnsteiner Chorherren nach Stift Vorau (Steiermark). In Ranshofen (Oberösterreich) wurde ein Kanoniker aus Dürnstein, [[Wolfgang Strobl]], zum Propst postuliert und reformierte das Kapitel. Weitere Dürnsteiner Chorherren gehörten zum ersten Konvent der neuen Kanonie in [[Schrattenthal]] (Niederösterreich), die 1477 gegründet wurde. Immer wieder wurde der Propst von Dürnstein von anderen Prälaten gebeten, für einige Zeit einen Konventualen aufzunehmen, um ihn echte Klosterzucht zu lehren. &lt;br /&gt;
Vom päpstlichen Legaten und Bischof von Brixen, Nikolaus von Kues, wurden jene Visitatoren ernannt, die 1451 unter anderem auch Dürnstein besuchten. In ihrer noch erhaltenen Visitationsurkunde hinter ließen sie detaillierte Anweisungen zum Tagesablauf der Chorherren: über das Chorgebet, die tägliche Kapitelsitzung und die Erholungszeiten für Gespräch und Umtrunk. Sie verfügten über die Art der Tonsur ebenso wie über die Amtsbefugnisse des Propstes und die Ehrerbietung, die ihm die Kapitularen zu erweisen hatten. Ausführlich erörterten sie die Bedeutung einer strengen Observanz und wiesen den Prälaten an, dass er jene Brüder, die das Kloster verlassen und in ein freier es wechseln wollten, an einen noch härteren und strengeren Ort schicken sollte, nämlich in den Klosterkerker. Das Leben in Reformklöstern war von jeher ein hartes gewesen, doch bot die Spiritualität und gemeinsame Lebensführung ein hohes Maß an Zugehörigkeit, Orientierung und Sicherheit - Werte, die der Herbst des Mittelalters nicht für jeden bereithielt. &lt;br /&gt;
Dürnstein war stets ein kleines Kloster gewesen, auch in Hinblick auf seine wirtschaftliche Situation, und doch war es in den ersten Generationen seines Bestehens eine gefestigte, geistliche Institution mit einem stabilen Konvent. Auf jenen Urkunden, die von Notaren aufgezeichnet wurden und in denen die Konventualen die Rechtmäßigkeit einer Propstwahl bestätigten, haben bei sechs Wahlen zwischen 1431 und 1521 durchschnittlich immer an die 15 Professen unterschrieben. Für ihren Unterhalt sorgten auch die zahlreichen frommen Stiftungen, die dem Kloster zugewendet wurden: Gelddienste oder Liegenschaften, meist Weingärten, übertrugen die Bürger der Stadt und die Bauern des Umlandes, damit die Chorherren Totenmessen für sie sangen oder lasen. &lt;br /&gt;
Das Stiftungswesen war auch ein bedeutender ökonomischer Faktor und brachte umwälzende Veränderungen im Grund- und Rentenmarkt. In dem komplexen Wirtschaftsgefüge einer Gegend, die sich zudem schon lange auf den Weinbau und -handel spezialisiert hatte, konnte ein Einzelner leicht in Nöte geraten. Die erhaltenen Kaufurkunden belegen, dass manch einer seinen Weingarten an das Kloster verkaufen musste, um seine Schulden zu bezahlen. &lt;br /&gt;
Zudem er lebte im 15. Jahrhundert jede Generation der Dürnsteiner Bürgerschaft Kriegshandlungen: zuerst den Hussitensturm, dann die Kämpfe zwischen Friedrich III. und seinem Bruder Albrecht VI. und schließlich den Krieg gegen Ungarn; Verwüstungen und Engpässe im landwirtschaftlichen Ertrag waren die Folge. In manchen Seelgerätstiftungen dieser Zeit werden die Nöte der Bevölkerung spürbar: In der Fastenzeit des Jahres 1492 stiftete ein Dürnsteiner namens Simon Brücklmüllner der Kanonie 300 Pfund Pfennige, für die der Propst Grundstücke kaufen sollte, aus deren Ertrag Seelenmessen zu bezahlen wären, doch ''so aber in den kriegsleyffen tauglich und nutz grunt nit vail sein'', wurde die Stiftung aufgeschoben und über andere Abgaben zwischenfinanziert. Berührend an diesem Stiftungsbrief ist vor allem, dass der Stifter seine Schenkung entgegen dem sonst üblichen Brauch nicht nur seinem eigenem Seelenheil und dem seiner Familie zugedacht hat, sondern auch dem ''aller ellenden armen waisen, die nichts anders haben dann das heylig almuesen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reform und Reformation===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verlangen nach Erneuerung und Reform in der Kirche hatte am Ausgang des Mittelalters nicht nur die Klöster erfasst, es wurde in zunehmenden Maße ein existentielles Anliegen auch der Laien. In einer Zeit, in der bestehende kirchliche Strukturen oft nicht mehr als heilsam und beseligend wahrgenommen werden konnten, fanden die Menschen zu anderen Formen eines religiösen Miteinanders, zu einer neuen Frömmigkeit und Theologie. Der monastische Gedanke einer besonderen Gottesnähe und der Verrichtung einer Gebetsarbeit als „Sorge für die Seelen&amp;quot;, besonders für deren jenseitiges Schicksal , geriet in eine Krise. Auch in Dürnstein versiegten allmählich die frommen Stiftungen, der Nachwuchs im Konvent blieb aus, das reformatorische Gedankengut hingegen fand immer weitere Verbreitung. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Stiftes und die Last der Kriegssteuern führten außerdem noch zu Überschuldung. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1544 fanden die landesfürstlichen Visitatoren in Dürnstein nur mehr den Propst, einen Konventualen und zwei Weltpriester , die für das Messelesen angestellt und besoldet wurden. Noch im gleichen Jahr wurde nach dem Tod von Propst [[Urban Hanal]] – nicht ohne kaiserlichen Einfluss – [[Franz Abstemius]] zum Propst erhoben, ein ehemaliger Domherr von Stuhlweißenburg, der wegen der Osmanen nach Wien geflohen war und dort an der Universität als Lektor gewirkt hatte. 1553 präsentierte ihn der Kaiser als Bischof von Wiener Neustadt, als solcher war er an der Erhebung seines Nachfolgers in Dürnstein, [[Leopold Maurer]], beteiligt. &lt;br /&gt;
Propst Leopold bemühte sich, die wirtschaftliche Grundlage des Klosters zu stabilisieren und jene Grundstücke wiederzuerlangen, die unter Propst Urban ohne Zustimmung seines Kapitels veräußert bzw. dem Stift aufgrund einer mangelhaften Verwaltung entfremdet worden waren. Doch schon bei der nächsten Visitation 1566 wurde Propst [[Kaspar Pangel]] für seine hohen Ausgaben kritisiert, die mehr der Prachtentfaltung denn der Nützlichkeit dienen würden. &lt;br /&gt;
Die Situation der österreichischen Klöster veranlasste Kaiser Maximilian II., es nicht nur bei gelegentlichen Visitationen bewenden zu lassen, sondern einen ständigen Klosterrat damit zu beauftragen, vor allem über die wirtschaftlichen Belange der Konvente zu wachen. Das führte allerdings schon bald zu Kompetenzstreitigkeiten mit den bischöflichen Stellen, besonders mit dem Passauer Offizial und Generalvikar, der seinen Sitz in Wien hatte. In vorher nie gekanntem Ausmaß begannen die Aktenberge zu wachsen: mit Befehlen und Verordnungen des Landesfürsten und seiner Regierung, mit Relationen und Intimationen der Räte und Beamten, mit Anfragen und Ermahnungen des Offizialats, mit Suppliken und Beschwerdebriefen aus den Klöstern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als im Jänner 1571 Propst Kaspar starb, berichtete der Dechant der nahe gelegenen Stadt Krems, Christoph Lebitsch, an das Passauer Offizialat, dass das Kloster bis auf einen „Bärtigen&amp;quot;, das heißt einen Laienbruder, völlig verwaist sei. Er habe darum, wie nach dem Tod eines Klostervorstehers vorgeschrieben, die Sperre des Kirchenschatzes durchgeführt. Da nun an eine Wahl mangels Kapitel nicht zu denken war, musste ein neuer Propst postuliert, also eingesetzt werden. Der Kremser Dechant fügte seinem Schreiben einen kleinen Zettel bei, in dem er andeutete, dass er sich selbst gern um diesen Posten bewerben würde. Der übliche Weg in dieser Situation war jedoch, in anderen Klöstern desgleichen Ordens nach einem geeigneten Nachfolger zu suchen. Die kaiserlichen Klosterräte forderten den Passauer Generalvikar auf, in Frage kommende Kandidaten zu benennen. Im Offizialat begannen Empfehlungsschreiben von Prälaten für Mitbrüder einzugehen. Der Herzogenburger Propst benannte seinen Dechanten [[Jakob Reisser]]. Stellvertretend für ein Kapitel traten die Prälaten der Augustiner-Chorherren in Dürnstein zusammen und postulierten Reisser zum Propst. Er war der erste von acht Dürnsteiner Prälaten in Folge, die alle aus anderen Chorherrenstiften kamen. Von den Klosterräten wurde Reisser in die Verfügungsgewalt des weltlichen Besitzes - Klostergut galt ja als kaiserliches Kammergut – eingeführt, und von den Beauftragten des Bischofs von Passau mit seinem geistlichen Amt betraut. 1573 wurde jedoch gemeldet, dass der Propst des Stiftes [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] ''seiner gelübd vergessen und von angezaigtem gotzhaus entwichen'' sei und das Kapitel seinen ehemaligen Dechanten zum neuen Propst berufen habe. Damit war Dürnstein erneut vakant, dieses Mal wurde ein Konventuale des Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien namens Adam Faber zum Propst erhoben. &lt;br /&gt;
Aus seiner Amtszeit sind erstmals Auseinandersetzungen mit der evangelischen Konfession dokumentiert. Die von Kaiser Maximilian II. gewährte Religionskonzession, die es dem Adel erlaubte, auf seinen Herrschaften evangelische Prediger anzustellen, markierte die rasche Ausbreitung des protestantischen Bekenntnisses. Konkrete Konflikte zwischen dem katholischen Stift und den evangelischen Grundherren entzündeten sich häufig an der Frage der Pfarrrechte. Während die Schlossprediger auch die Sakramente spendeten und die Toten bestatteten, blieben die dem Stift inkorporierten Pfarrkirchen leer. Die Frage des Zugriffs auf die Kirchengüter der Pfarre Dürnstein und Erhebungen über die Konfession der Bürger waren Kern der Auseinandersetzungen zwischen Propst [[Adam Faber|Adam]] und dem protestantischen Grundherrn Reichard Streun von Schwarzenau. Dieser versicherte selbstbewusst, dass in ganz Dürnstein keiner zu finden sei, der der katholischen Konfession anhänge, und wollte man die Dürnsteiner dazu zwingen, würden sie die Stadt verlassen und der Weinbau läge darnieder. &lt;br /&gt;
Auch in der Pfarre Grafenwörth hatten vor der Regierungszeit des Propstes Adam evangelische Prediger gewirkt, oft mit Duldung des Stiftes als Patronatsherrn – sei es aus Mangel an anderen Seelsorgern, sei es im Bemühen um eine Erneuerung, bevor die Konfessionsgrenzen sich verhärtet hatten. Zu Beginn seiner Amtszeit suchte Propst Adam darum an, dass die Kirche von St. Johann bei Grafenwörth, eine Stiftung des 14. Jahrhunderts, die seit der Inkorporation ins neu gegründete Stift Dürnstein auch pfarrliche Rechte hatte, seiner Pfarre Grafenwörth einverleibt werde, da sie durch die häufigen Überschwemmungen der Donau in Verfall gekommen sei. Propst Adam ging es aber auch darum, die Kirche von St. Johann dem Einfluss des evangelischen Grundherrn zu entziehen. Er beklagte, dass der Pächter der Herrschaft das Getreide der Pfarräcker in den eigenen Meierhof bringen lasse und damit seinem Vikar in Grafenwörth den Unterhalt entziehe. Diesen hatte er selbst eingesetzt, nachdem er ''ainen sectischen pfarrer alda doch mit harter muehe austriben''. Schließlich sei es so weit gekommen, dass sich der Vikar selbst ''zu den rebellischen geschlagen'' hat und nun mehr seine Besoldung im Schloss erhielt und dort auch predigte. Die St. Johanner Kirche wurde dabei von der Grundobrigkeit als Stützpunkt der evangelischen Seelsorge betrachtet. Der Grundherr Hans Rueber, wegen seiner Funktion als Befehls haber eines ungarischen Reiterheeres häufig abwesend, gewährte seinem Feldkaplan, dem namhaften Flacianer Joachim Magdeburg, Aufenthalt in seinem Schloss zu Grafenwörth. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass der nächste Propst [[Matthias Schreckeisen]] zwischen der Herrschaft und dem Stift einen Vergleich erzielte, wonach nämlich St. Johann, eine Filialkirche von Grafenwörth bleiben sollte, jedoch die zugehörigen Kirchenlehen gegen eine jährliche Zahlung von 30 Talern der Herrschaft zur Nutzung überlassen werden, verhinderte nicht, dass das Stift auch weiterhin genug Anlass zur Klage über protestantische Prediger fand, welche die Dürnsteiner Vikare in Grafenwörth in ihren Rechten und in ihren Einkünften merklich beschnitten. &lt;br /&gt;
Matthias Schreckeisen war ein Konventuale aus St. Dorothea in Wien, ihm wurde nach dem Tod Adam Fabers 1589 die Verwaltung Dürnsteins übertragen, da das dortige Kapitel selbst keine Person namhaft machen konnte, die für diese Aufgabe qualifiziert gewesen wäre. Der Klosterrat drängte auf die Installation Schreckeisens als Propst, doch der Passauer Offizial und Generalvikar Melchior Khlesl verbat sich entschieden jede Einmischung seitens weltlicher Behörden und untersagte Schreckeisen unter Androhung kirchlicher Sanktionen, sich vom Klosterrat installieren zu lassen. Khlesl war eine zentrale Figur der Gegenreformation in Österreich und verfolgte mit großer Hartnäckigkeit und Konfrontationsbereitschaft seine Ziele. Als im März 1590 die Klosterräte den Verwalter Schreckeisen in die Temporalien, also seine weltlichen Amtsbefugnisse, einsetzten, worauf dieser sich in seinen Briefen nur mehr Propst nannte, ließ sich Khlesl nicht präjudizieren und verweigerte Schreckeisen, den er stets nur als Administrator titulierte, die Installation in die Spiritualien, die geistlichen Vollmachten. Jahrelang erbat sich der Dürnsteiner Vorsteher immer wieder diese Konfirmation seines Amtes. Im Jahr 1592 schlossen Passau und Wien einen Vertrag, worin das gemeinsame Vorgehen der Beauftragten des Bischofs und des Klosterrates reglementiert wurde, womit in Zukunft Vorkommnisse wie in Dürnstein vermieden werden sollten. Matthias Schreckeisen wurde im September 1594 offiziell zum Propst erhoben, nachdem der Bischof von Passau selbst seine Installation angeordnet hatte. Der neue Propst starb allerdings schon im folgenden Jahr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder musste Khlesl dem Landesfürsten berichten, dass in Dürnstein ''aus mengl der conventualen an disem ort khain election gehalten werden khünne.'' [[Balthasar Puchseer]] aus St. Dorothea fungierte als Administrator, die Klostersperre hatte der Kremser Dechant Andreas Hofman vorgenommen. Um liturgisches Gerät für die Osterfeiern 1596 entnehmen zu können, musste Puchseer den Dechanten um Öffnung der Sakristei bitten. Eine rasche Entscheidung über die Nachfolge war nötig, aber für den Passauer Offizial war das mehr als eine pragmatische Erwägung. Es war ihm sehr daran gelegen, nach Dürnstein auch den rechten Mann zu entsenden, denn das Kloster läge, wie er dem Kaiser berichtete, „rings herumb under den khezern“. Damit spielte er auf die starke protestantische Bürgerschaft von Krems und Stein an, die seinen eigenen gegenreformatorischen Maßnahmen heftig Widerstand geleistet hatte. Bereits Propst Adam Faber war vom Klosterrat verschiedentlich mit Untersuchungen der Kremser und Steiner Verhältnisse betraut worden. Khlesl wollte darum in Dürnstein vor allem einen guten Prediger haben, der die katholische Reform, die mit den zukunftsweisenden Entschließungen des Konzils von Trient Inhalt und Form bekommen hatte, glaubhaft vertreten konnte und die Bevölkerung wieder der katholischen Konfession zuführte. Er war überzeugt, diese Person in einem Klosterneuburger Chorherrn namens Nikolaus Arnold gefunden zu haben. Dieser war Administrator des ehemaligen Heiligen-Geist-Klosters Pulgarn (Oberösterreich) gewesen und hatte das Klostergebäude durch einen unvorsichtigen Schuss, der die Scheune entzündete, niedergebrannt. In den letzten Jahren habe er ihm, Khlesl, in Klosterneuburg und Korneuburg, als er dort ''die reformation für genomben, nützlich und trefflich beistandt gelaistet'', und jeder andere Kandidat schien ihm ''im predigen diesem Arnoldo nichts zu vergleichen.'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Bewerbung eines Dürnsteiner Konventualen namens [[Johann Hofmann]] um die vakante Propstei parierte Khlesl, indem er berichtete, dieser Hofmann hab e zu Zeiten von Propst Matthias „sich gegen seinen herrn offentlich vernemen lassen, er khöne on weibsbilder nit sein“,worauf er um Lösung seiner Bindung ans Kloster gebeten hätte, die ihm auch gewährt worden war. Nur sei er später zurückgekommen und habe nun als ältester Profess des Klosters seinen Anspruch auf die Propstwürde erhoben. Im September 1596 wurde schließlich [[Nikolaus Arnold]] zum Propst von Dürnstein installiert , starb jedoch nur sechs Wochen später. Balthasar Puchseer, der ehemalige Verwalter Dürnsteins, wurde sein Nachfolger. Melchior Khlesl berichtete über ihn an den Bischof von Passau, dass er sich zwar ''frumb, erbar, nüchtern, kheusch und züchtig, also sine quaerela gehalten'' habe, ''was aber das predigen belangdt, hatt er woll khain gnadt darzue.'' &lt;br /&gt;
Als Puchseer 1599 starb, war Khlesl bereits Bischof von Wien. Die Verwaltung des Stiftes wurde dem Konventualen Johannes Hofmann übergeben, eben jener, der schon einmal versucht hatte, die Leitung des Klosters zu übernehmen. Dass jedoch die Spiritualien dem St. Pöltner Chorherrn [[Georg Ursus]] zur Administration überantwortet wurden und dass das Offizialat beim Kaiser ansuchte, er möge auch die Temporalien übertragen bekommen, zeugen davon, dass man die Akte Hofmann nicht vergessen hatte. Hofmann wandte sich auch an die Bürgerschaft Dürnsteins, und diese unterstützte seine Bewerbung um die Prälatur bei der Grundobrigkeit, weil man sich kannte und auf gute Nachbarschaft hoffte, also wohl von seiner Seite keine gegenreformatorischen Maßnahmen in der protestantischen Stadt erwartete. Als Hofmanns Bemühungen keine Erfolge zeitigten, verschwand er - er war der letzte Konventuale in Dürnstein gewesen. Georg Ursus schaffte es kaum, ganz allein alle geistlichen Aufgaben wahrzunehmen und erhielt zudem kaum Unterhalt von den weltlichen Administratoren, die der Klosterrat eingesetzt hatte. An eine Propstwahl war wieder einmal nicht zu denken, doch selbst eine Postulation war schwierig, da die Situation auch in den anderen Klöstern des Ordens kaum besser war. Als neuer Prälat wurde schließlich der Propst von [[St. Andrä an der Traisen]] namens [[Melchior Kniepichler]], ehemals Chorherr des Stiftes St. Pölten, nach Dürnstein transferiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Melchior war schon bei seinen Zeitgenossen eine umstrittene Person. Man warf ihm vor, in seiner Wirtschaftsführung die Schuldenlast zu vergrößern und mit seinem eigenmächtigen Handeln die Rechte seiner Konventualen zu übergehen. Sein schroff es Auftreten polarisierte, besonders in seiner Auseinandersetzung mit den Gläubigen der evangelischen Konfession. Er vertrat einen durchaus kämpferischen, gegenreformatorischen Katholizismus,und letztlich wird gerade diese Beharrlichkeit dazu beigetragen haben, dass man ihn in mehreren Klöstern zum Propst postulierte. &lt;br /&gt;
Die Frage der Konfessionszugehörigkeit war zu jener Zeit unmittelbar auch eine Frage der politischen Macht und der gesellschaftlichen Ordnung. Das führte unweigerlich dazu, dass theologische Bestimmungen über sakramentale Gnadenwirkung, über Rechtfertigung des sündigen Menschen und die Rolle der Kleriker in der konkreten Situation von Pastoral und Herrschaft als Polemiken in handfesten Streitigkeiten instrumentalisiert wurden. Als sich der evangelische Schlossprediger des Georg Rueber in Grafenwörth „Pfarrer von St. Johann&amp;quot; nannte, war Propst Melchior Kniepichler entrüstet, schließlich sei er nur ''ein pur lauterer lay und seinem stanndt nach ainem jeden schneider und schuester gleich''. Für ihn waren solche Leute nichts als „sektische Seelenmörder,die zudem noch das Volk aufwiegelten&amp;quot;, denn es seien &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;dieses die frücht der lutherischen evangelii, das – wo solches eingerissen – daselbst allerley widerspennigkheit, truz, aufruehr, zertrennung des hailsambenfridens, verachtung des loblichen gesetz und obrigkheiten, unndtertrückhung der alten warheit und allerley Laster und gewaltthätigkheiten im schwang gehen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schwere Anschuldigungen erhob der Propst auch gegen die Bürger der Stadt Dürnstein, mit denen schon die Pröpste Adam und Balthasar Konflikte gehabt hatten. Kniepichler warf ihn en vor, die Kirchenrechnung nicht ordnungsgemäß zu legen - die Verwaltung der pfarrlichen Liegenschaften lag ja seit dem späteren Mittelalter in Händen einer Zeche, einer Korporation der Pfarrleute unter Vorsitz des Zechmeisters. Weiters beklagte er, dass die Bürger die Pfarrkirche überhaupt nicht mehr besuchten, sondern die Sakramente beim evangelischen Prediger im nahe gelegenen Weißenkirchen empfingen, wo sie ihm doch als ihrem Pfarrherrn Gehorsam schuldeten. Die Kinder würde man in einer eigenen Schule unterrichten, anstatt sie in die Pfarrschule zu schicken, und Bestattungen würden eigenmächtig auf einem eigenen Friedhof vorgenommen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den landesfürstlichen Behörden fanden diese Klagen Gehör: Unter Rudolf II. begannen auch in Niederösterreich die ersten Maßnahmen zur Rekatholisierung zu greifen. In Dürnstein stellte sich eine Abordnung von kaiserlichen Reformationskommissären bei Richter und Rat ein und wies einen landesfürstlichen Befehl vor, nachdem die vom Propst angezeigten Verfehlungen sofort einzustellen seien. Der Stadtrichter Marx Preuhauser berief sich in seiner Erwiderung auf die Zugehörigkeit zur Dürnsteiner Grundobrigkeit - und tatsächlich war dem evangelischen Adel die freie Religionsausübung noch nicht untersagt worden - und verlangte für die anderen Anklagepunkte ein ordentliches Verfahren vor dem landesfürstlichen Gericht. Denn was die Kirchengüter betreffe, so habe der Propst selbst die Ernte der Pfarre ins Stift bringen lassen und die Zechlade mit allen Urkunden, die die Besitzungen der Pfarrkirche belegten, unrechtmäßig an sich genommen. Für die Kinder werde keine Schule unterhalten, sondern der Stadtrichter unterweise die Kinder seiner Familie zu Hause ''im gebett, in gottsfurcht und lere sy das abc und buchstabiren.''&lt;br /&gt;
Von beiden Seiten wurde der Streit mit heftiger Polemik und scharf en Worten geführt: Propst Melchior beschrieb die Bürger als widerspenstige, respektlose Rebellen, die die katholische Konfession als „abgötterey“ verunglimpften, Mistgruben entlang der Klostermauer anlegten und ihn mit zahlreichen städtischen Steuerforderungen traktierten. Die Bürger wiederum stellten den Propst als üblen Despoten dar, der ihnen Bestattungen auf dem Friedhof der Pfarre verweigerte mit den Worten, „wir sollten unsere stinkhenden leichnamb gleichwoll in die Thonaw oder ander unsaubere örther werffen und verscharren. Die Dürnst einer Grundherrin Regina Streun intervenierte bei Erzherzog Matthias für ihre Bürger und erbat, dass sie ihrer Religion wegen nicht weiter belastet werden sollten, zu der sie sich stets „frey und offen bekhandt, auch darinnen erzogen worden“ seien. Verschiedentlich getroffene Vergleiche zwischen Stift und Stadt, die vor Schiedsgerichten ausverhandelt wurden und besonders die Kirchengüter, die Stolgebühren und die städtischen Abgabenforderungen betrafen, konnten den Konflikt nicht endgültig beilegen. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1622 erging schließlich auf entsprechendes Gesuch des Propstes Melchior hin an die Stadt der kaiserliche Befehl, an der Fronleichnamsprozession teilzunehmen, wo mit den Bürgern ein offenes Bekenntnis zum Katholizismus abverlangt wurde. Wer weiterhin seiner evangelischen Konfession treu bleiben wollte, war schon bald zum Auswandern gezwungen: auch etliche Dürnsteiner Familien lösten 1629 ihren Haushalt auf und verließen das Land. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1609 wurde Melchior Kniepichler als neuer Propst von Herzogenburg postuliert. Ein Chorherr des dortgen Kapitels, der ursprünglich selbst gewählt, aber von der Wahlkommission nicht bestätigt worden war, erhob beim Offizialat erfolglos Einspruch gegen Kniepichler, der nichts als Schulden in Dürnstein hinterlassen habe und außerdem streitsüchtig und dem Trunke und den Frauen ergeben sei. Nach Dürnstein wurde [[Thomas Parstorffer]], ein Konventuale aus [[Waldhausen]] postuliert, welches Kloster ihn 1612 als seinen neuen Propst zurückrief. Die weiteren Jahre stand Dürnstein unter der Administration von [[Stift Göttweig]]. Geeignete Kandidaten für die Nachfolge konnten nicht gefunden werden bzw. konnten sich staatliche und kirchliche Stellen auf keinen neuen Propst einigen. Mittlerweile war der Konflikt zwischen dem Herzogenburger Kapitel und seinem Propst Melchior Kniepichler eskaliert: Er war des Konkubinats angeklagt und seines Amtes enthoben worden. Als 1618 eine Neuwahl in Herzogenburg anstand, wehrte man sich gegen eine eventuelle Wiedereinsetzung Kniepichlers, der schließlich wieder nach Dürnstein berufen wurde und dort bis zu seinem Tod 1628 Propst blieb. &lt;br /&gt;
Als das Kapitel in diesem Jahr zur Neuwahl zusammentrat, erhielten zwei Kandidaten die gleiche Stimmenanzahl: [[Matthäus Khuen]], Profess und Senior aus Dürnstein und Vikar in Grafenwörth, und [[Nikolaus Hay]], Profess in Herzogenburg und Pfarrer von Haitzendorf. Hay, der aus Franken stammte, war bereits 1621 zum Herzogenburger Propst gewählt worden, hatte jedoch zugunsten eines vom Kaiser favorisierten Gegenkandidaten verzichtet. Nachdem die Wahlkommission Matthäus Khuen als für nicht tauglich zum Propstamt befunden hatte, wurde Nikolaus Hay zum Prälaten erhoben und verblieb fast 20Jahre in diesem Amt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
In dieser Zeit begann die Gegenreformation auch die letzten Reste evangelischer Religionsausübung aufzuspüren und zu beseitigen. Propst Nikolaus erhielt den kaiserlichen Auftrag, Nachforschungen über geheime Bündnisse „unkatholischer Bürger“ in Dürnstein und Weißenkirchen anzustellen und darüber zu berichten. Sein Nachfolger als Propst, Matthias Feldhorn, seit langem wieder der erste Dürnsteiner Konventuale in diesem Amt, wurde vom Kaiser zum Reformationskommissär im Viertel ober dem Manhartsberg für das Tal Wachau ernannt. Er ließ Berichte über die Konfessionsbekenntnisse der Untertanen erstellen, Privathäuser, in denen evangelische Gottesdienste gefeiert wurden, aufspüren, Pönalen für Widerspenstigkeit verhängen sowie verbotene Bücher konfiszieren. Selbst in dieser Zeit der Verfolgung findet sich in einem Verhörprotokoll die Beteuerung einer Untertanin, niemals durch Ablegung der Beichte und Empfang der Kommunion eine Konversion zum katholischen Glauben vollziehen zu wolle, und ''wenn man sie darzue wird bewzingen wollen, sie sich in die fluht begebe.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Barock und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Neuzeit hatte sich das Klosterleben durch innere und äußere Umstände sehr weit von seinen ursprünglichen Idealen entfernt gehabt. Die Restauration der Klöster im Zuge der katholischen Reform sollte ihren Ausdruck nicht nur in einer Entfaltung eines nach außen dargestellten neuen, barocken Glanzes finden, sondern auch eine innere Erneuerung einleiten. Mit dem Sieg des Katholizismus, dem sich das habsburgische Herrscherhaus eng verbunden hatte, und nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges begann eine sinnenfällige, dem Volksbrauch nahestehende Frömmigkeit Alltag und Festzeit im religiösen Leben zu prägen und die Berufungen zum Priesteramt wurden zahlreicher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Konvent von Dürnstein hatte sich wieder vergrößert und bedurfte einer Besinnung auf die alten Regeln und Statuten des Ordensleben, die gleichzeitig auch einer neuen Zeit Rechnung trugen. Bereits 1630 hatte eine Visitation durch den Propst von Klosterneuburg stattgefunden, der dem Dürnsteiner Konvent erneuerte Hausstatuten verordnete, die den Tageslauf im klösterlichen Zusammenleben ''morem vetustorum imitando'', dem alten Brauch nacheifernd, gestalten sollten. &lt;br /&gt;
Die von bischöflicher Seite 1665 durchgeführte Visitation legte folgende Richtlinien fest: Die Klausur, die man in den letzten Jahren vernachlässigt hatte, sollte wieder streng beachtet werden. Das Ordensgewand sollte ohne jeden Luxus sein und stets getragen werden, auch in der Öffentlichkeit. Privateigentum der Chorherren wurde untersagt, auch die Kirchengüter der Pfarren sollten die Vikare als Eigentum des Stiftes und nicht als ihr persönliches betrachten. Zu bestimmten Stunden sei auf das Schweigen im Kloster Bedacht zu nehmen, Erholungszeiten sollten den Konventualen ein- oder zweimal in der Woche gewährt werden. Dafür sollten sie Erlaubnis zum Spaziergang sowie einen eigenen Aufenthaltsraum und geeignete Spiele erhalten. Die Mahlzeiten sollten dem Stand eines Religiosen angemessen sein: sie hatten sättigend zu sein, aber nicht zu erlesen und zu süß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit dieser Visitation bekleidete [[Reinhard Faust]] das Amt des Propstes. Er stammte aus Mainz und hatte vorher dem Jesuitenorden angehört. Bei der Umsetzung der Klosterreform hatte er keine sehr glückliche Hand und zeigte wenig Geschick in der Leitung des Konvents. Die Chorherren opponierten gegen ihn und brachten eine seitenlange Klageschrift beim Passauer Offizialat ein. Sie beschrieben ihren Prälaten als ausgesprochen tyrannischen und herrschsüchtigen Menschen, der ständig ein Terzerol, also eine kleine Taschenpistole, bei sich trage und sie damit bedrohe. Jede Zusammenkunft der Brüder verhindere er und sie ''derffen diebus recreationis nit spazirn gehen noch mitain- ander offentlich dicurrirn, dieweil er ihm einbilt, man redet von ihm.'' Er führe die Wirtschaft schlecht und verschenke alle Pretiosen. Besonders ausführlich wurde er beschuldigt, ein Verhältnis zur Frau seines Hofmeisters zu unterhalten, die er mit Geschenken überhäufe, so dass sie, ''welche vorhero ein armes weib, sich zu Tirnstein alß ein vornems von adl geklaidet'', und überhaupt sich schon wie die Hausherrin im Kloster gebärde. Er beschimpfe seine Konventualen als ''bueben, pachanten, esel, idioten, adulteros'',sperre sie grundlos in den Klosterkerker und mache ihnen das Leben so schwer, dass ein Mitbruder am Sterbebett bekannt habe: ''der Faust ist schuldig an meinem unzeitigen todt''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Reinhard führte seinerseits gegen seine Konventualen Klage, dass sie ihm den Gehorsam verweigerten, eine Theateraufführung am Festtag des heiligen Augustinus zu einem Affront gegen seine Autorität gemacht und ihm schließlich angedroht hätten, seine Absetzung wegen schlechter Verwaltung der Klostergüter zu betreiben. Als Rädelsführer benannte er den Dechanten [[Franz Feldhorn]], einen Bruder seines Vorgängers als Propst, und den Professen [[Honorius Arthofer]]. Man fand schließlich mit Hilfe einer Schlichtungskommission in einigen konkreten Punkten zu einem Vergleich zwischen Propst und Kapitel: Dass der Dechant wieder Verfügung über das Konventsiegel bekommen und ein Inventar der Kirchen schätze angelegt werden sollte, konnte dem eigenmächtigen Wirtschaften des Propstes entgegenwirken. Die Konventualen wurden ermahnt, die Ordensstatuten zu befolgen, sie sollten auch nicht in den Gebäuden des Propstes, sondern im Kapitelhaus wohnen. Die engen Zellen sollte der Propst für sie ausbauen, dass sie genügend Licht und Luft empfingen. Der Appell, einander ansonsten in brüderlicher Liebe zu begegnen, fruchtete wenig. Der Versuch, die Lage durch Einsetzung eines neuen Dechanten zu entschärfen, brachte nur neuen Zwiespalt. Feldhorn war zwar bereit zu resignieren, wollte aber Arthofer als seinen Nachfolger sehen. Als schließlich wenig später im Jahr 1668 Propst Reinhard starb, wurde der von ihm so geschmähte &amp;quot;Rebell&amp;quot; Honorius Arthofer sogar zum neuen Prälaten erwählt. Unter seiner Regierung wurde das neu ausgebaute Kapitelgebäude fertig gestellt. &lt;br /&gt;
Sein Nachfolger war Karl Donrey, der allerdings schon nach wenigen Jahren bat, von der Bürde dieses Amtes, dem er sich weder gesundheitlich noch seelisch gewachsen fühlte , entbunden zu werden und eine Pension zu erhalten, die ihm ein standesgemäßes Leben ermöglichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von bischöflicher Seite erachtete man es für notwendig, einen neuen Propst von einem anderen Kloster nach Dürnstein zu berufen, da die Konventualen die Gutmütigkeit Donreys, der ''die einsambkheit mehr als das regiern liebet'',in einer Weise missbraucht hatten, dass sie ''ganz dissolut worden, allen respect und gehorsamb, auch die clösterliche disciplin genzlich vergessen undt so liderlich worden'', dass kein tauglicher Nachfolger unter ihnen zu finden sei. DieWahl per Stimmzettel brachte im Konvent das vom Offizialat gewünschte Ergebnis: Es wurde [[Gottfried von Haslingen]], ein Profess aus St. Dorothea, dem sein Propst ein gutes Zeugnis ausstellte, installiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Pröpsten der Barockzeit ist vor allem die Erinnerung an [[Hieronymus Übelbacher]] bis heute lebendig geblieben, war er es doch, der den Umbau seines Klosters im Stil seiner Zeit nicht nur leitete, sondern nachweislich selbst großen Anteil am Programm und der Ausgestaltung des barocken Bauwerks nahm. Übelbacher wurde 1674 in Hollabrunn als Sohn bürgerlicher Eltern geboren, mit 18 Jahren trat er in den Orden ein und legte seine Profess in Dürnstein unter Propst Gottfried ab, den er sehr schätzte. Er studierte Theologie in Olmütz und Wien und erhielt die Priesterweihe. Im Stift hatte er mehrere Stiftsämter inne, er war auch Verwalter des Dürnsteiner Hofes in Wien und damit für die äußeren Angelegenheiten des Kapitels zuständig. Nach dem Tod von Propst Gottfried im Jahr 1710 wählten ihn seine 20 Mitbrüder zum neuen Prälaten. Er bekleidete nicht, wie manche seiner Vorgänger, ein Amt in der Niederösterreichischen Landschaft und verkaufte darum das Dürnsteiner Haus in der Wiener Singerstraße. 1722 errichtete er für seine Kleriker eine Hauslehranstalt, an der er selbst philosophische und theologische Fächer vortrug. Seine Aufzeichnungen über seine Geldaufwendungen, die er in Schreibkalender eintrug und durch tagebuchähnlichen Notizen ergänzte, belegen, dass er sich mit allen Details des barocken Umbaus eingehend befasste, sodass die Klostergebäude heute nicht nur das Stilempfinden ihrer Zeit und die Eigenheiten ihrer berühmten Baumeister repräsentieren, sondern in hohem Maß auch die persönlichen Vorlieben des Propstes Hieronymus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur mehr zwei Pröpste sollten ihm nach seinem Tod 1740 nachfolgen, [[Maximilian Leeb]] und [[Dominik Ruemer]]. Danach wurde das Stift von Kaiser Joseph II. aufgehoben. Die Ursache dafür lag im gewandelten Verhältnis des aufgeklärten Absolutismus gegenüber den kirchlichen und vor allem klösterlichen Einrichtungen. Weder die rechtliche und wirtschaftliche Eigenständigkeit der Konvente noch ihre besondere Religiosität passten in die Vorstellungen von einem Untertanenstaat, in dem allen kirchlichen Amtsträgern eine dem Gemein- bzw. Staatswohl dienende Funktion zugedacht war. Da die österreichische spätbarocke Kirche zudem mehr als reichlichen Priesternachwuchs hervorgebracht hatte, erachtete man den Ordensklerus als verzichtbar gegenüber den Weltklerikern, die in der staatlich beförderten und intensivierten Pfarrseelsorge eingesetzt wurden. &lt;br /&gt;
Stift Dürnstein hatte überdies in josephinischer Zeit mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen: Der Personalstand betrug damals zwar 13 Chorherren, von diesen waren aber nur sechs zur Seelsorge in den Pfarren Dürnstein, Grafenwörth und Engabrunn (eine ehemalige Filiale von Grafenwörth) voll tauglich. Propst Dominik Ruemer, ein gebürtiger Dürnsteiner, war ein betagter Greis von über 80 Jahren. Der Stiftsdechant [[Franz Hoffmann]] ersuchte das Konsistorium des neu gegründeten Bischofssitzes in St. Pölten, die Stiftsadministration aus den Händen des senilen Propstes in die des Dechants zu übertragen, um weiterem Schaden vorzubeugen. Doch dies wäre als eine Angelegenheit der Temporalien eine Agenda der staatlichen Behörden gewesen, welche man aber nur ungern über die Dürnsteiner Situation in Kenntnis setzen wollte. &lt;br /&gt;
1787 starb Propst Dominik und eine Neuwahl wurde vorerst hinausgezögert. Mit Beschluss vom 19. Jänner 1788 wurde das Kloster schließlich aufgehoben, dem nahegelegenen Stift Herzogenburg einverleibt und die Stiftsherrschaft dem dortigen Prälaten zur Administration übergeben. Mit der Beauftragung von Propst [[Michael Teufel]] hatte man diese Aufgabe in umsichtige und bewährte Hände gelegt. Dass man ihn trotzdem schon nach einem Jahr zu einem Rechtfertigungsbericht über seine Verwaltertätigkeit aufforderte, lag an einer Denunziation eines ehemaligen Kanonikers aus Dürnstein, der damit spekulierte, eventuell selbst Administrator werden zu können. Propst Michael Teufel konterte seine Anschuldigungen mit Bravour und legte seinen Wirtschaftsplan vor, der von der Regierung genehmigt wurde: Im Klostergebäude wurden neben dem Pfarrer und seinen Kooperatoren auch die Schule und die Wohnung des Lehrers untergebracht. Mobilien und Liegenschaften wurden in Vorbereitung einer Versteigerung geschätzt: Der Erlös sollte dem Religionsfonds zugeführt werden, einer staatlichen Einrichtung, aus der Kirchenbau und Priesterbesoldung finanziert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1790 starb Joseph II. und sein Nachfolger Leopold II. erwog, die Aufhebung rückgängig zu machen. Die Hofkommission empfahl jedoch, den getroffenen Beschluss beizubehalten, da das kleine Kloster zur Aushilfe in der Seelsorge nicht benötigt würde. Von den Dürnsteiner Chorherren gingen vier in Pension, den Rest nahm Stift Herzogenburg bei sich auf. Der Großteil der Liegenschaften, vor allem der Weingartenbesitz in der Wachau, wurde in den näcsten Jahren veräußert, einiges verblieb bei Herzogenburg. Klostergebäude und Stiftskirche sind bis heute erhalten geblieben: Gotischer Baukern und barocke Schaufassade legen Zeugnis ab von der wechselhaften Geschichte eines kleinen, doch keineswegs unbedeutenden österreichischen Chorherrenstiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und soziale Entwicklung=== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stiftungsgut der neu gegründeten Kanonie kam zum Gutteil aus der Dotation der älteren Marienkapelle. Es bestand anfänglich aus Weingärten in Dürnstein und im benachbarten Loiben, aus Erträgen von Lehen in und um Zagging (ca. 15 km südlich von Dürnstein), welche Elisabeth von Kueming-Wallsee gehörten, und aus angekauften Gütern in der Nähe Zaggings in Merking, Rust und Hain. Die Zagginger Güter fielen nach Elisabeths Tod an ihre Familie, die Kapelle erhielt dafür die Güter der Feste Streitwiesen (Nähe Pöggstall) und den Hof Neidegg in Oberloiben. Aus der Dotation der Dorotheakapelle im Kreuzgang stammten die stiftlichen Besitzungen in Willendorf in der Wachau, Groisbach, Litzendorf, Thalham und Schlaubing (bei Maria Laach am Jauerling). Die Dörfer Reichau und Ostra (nördlich von Dürnstein) erlangte das Stift aus der Dotation der inkorporierten Johanneskapelle in der Burg Dürnstein. Auch etliche Geld- und Naturaliendienste von Häusern, Wein- und Obstgärten gehörten zur Ausstattung. Einen eigenen Meierhof hatte das Kloster nicht nur in Dürnstein selbst, sondern auch in der Pfarre Grafenwörth für die Erträge aus den Kirchengütern in Grafenwörth, Wagram, Gösing und Kamp. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etliche Stiftungen erweiterten in der Folge die ökonomische Grundlage des jungen Klosters. Zahlreich waren im 15. Jahrhundert die Seelgeräte, mit denen eine Familie einen jährlichen Gelddienst, der an einen Weingarten oder Acker gebunden war, dem Stift übertrug, wofür die Chorherren einen &amp;quot;ewigen Jahrtag&amp;quot; begingen, also jährich eine Seelemnesse zelebrierten. Eine größere Zuwendung, nämlich Erträge aus Weißenkirchen, Joching und Wösendorf, erhielt das Stift 1415 durch eine Schenkung von Berthold von Basel, dem Arzt von Herzog Albrecht V. Der Pfarrer von Ravelsbach, Ulrich Hippeldorfer, stiftete einige Jahre später mehrere Liegenschaften und Einkünfte zu Parisdorf (bei Ravelsbach). Hans Härtl, der Bürgermeister von Krems und Stein, widmete 1499 mehrere Weingärten und Äcker bei Dürnstein und Loiben sowie einige Pretiosen an die neue Hl.-Kreuz-Kapelle im Kreuzgang, später &amp;quot;Kremser Kapelle&amp;quot; genannt . Zu gewendete Gelder wurden von den Pröpsten in den Ankauf weiterer Liegenschaften investiert, denn Grundbesitz war die wichtigste Kapitalanlage der klösterlichen Wirtschaftsführung. So wurden etwa Weingärten in Rohrendorf (bei Krems) und Zöbing (bei Langenlois) erworben. &lt;br /&gt;
Mit landwirtschaftlichen Produkten wurde das Kloster unter anderem durch die Abgaben seiner Grundholden versorgt. Das waren Bauern, die den Grundbesitz des Klosters meist in Form einer Erbleihe oder auch zu Leibgeding erhielten und dafür Getreide, Hühner, Gänse, Eier, Käse sowie Pfennigdienste ablieferten. Zu den bedeutendsten Einnahmequellen des Stiftes gehörte jedoch von Anfang an der Weinverkauf. Das Recht, im Stiftskeller in Dürnstein eine Weinausschank zu betreiben, hatte bereits Stephan von Haslach für die Marienkapelle erworben. Die Schank war von der Zahlung des Ungelds, einer landesfürstlichen Alkoholsteuer, befreit, und zwar für Wein, den das Stift in Eigenbau erwirtschaftete, für eine Menge von 10 Dreiling Wein jährlich, also etwa 12.000 Liter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch andere landesfürstliche Privilegien unterstützten die Wirtschaftsführung: 1413 erteilte Herzog Albrecht V. das Recht, aus den landesfürstlichen Wäldern bei Dürnstein Brennholz zu entnehmen - ein Privileg, das das Stift gegenüber den verschiedenen Herrschaftsinhabern manchmal nur schwer durchsetzen konnte. 1415 gewährte der Herzog das Recht, Getreide zum eigenen Bedarf mautfrei ins Kloster zu führen. Weiters sollten die Chorherren vom landesfürstlichen Amtmann in Gmunden jährlich eine bestimmte Menge Salz beziehen. Diese Salzlieferung blieb bis 1784 aufrecht. &lt;br /&gt;
Die Besitzungen des Stiftes Dürnstein waren insgesamt nicht besonders groß, und im Prälatenstand rangierte der Propst weit hinter den wohlhabenderen Konventen . Dennoch reichten die Einkünfte im 15. Jahrhundert für den Unterhalt von durchschnittlich 15 Konventualen. Diese brachten zudem ihr privates Vermögen in das Stift ein, denn auch wenn der Adelsvorbehalt in den Klöstern der alten Orden im Spätmittelalter bereits gefallen war, so traten doch keine gänzlich Besitzlosen in ein Chorherrenstift ein. Über die Herkunft der Professen lassen sich jedoch aufgrund mangelnder Quellen nur vage Angaben treffen. Viele kamen aus der näheren oder weiteren Umgebung: aus Dürnstein, Loiben, Weißenkirchen, Weitra, Zwettl, Krems, Stein, Tulln, Laa an der Thaya, Waidhofen , Klosterneuburg, Wien, Wels, Steyregg oder Graz. In der frühen Neuzeit, als es an Nachwuchs und auch Ausbildungsmöglichkeiten in den österreichischen Klöstern fehlte, kamen die Prälaten bisweilen auch aus entfernter liegenden Orten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Budweis stammte Propst [[Urban Hanal]], der dem Stift 1521 bis 1544 vorstand. Zu dieser Zeit waren Grundherrschaften umwälzenden ökonomischen Veränderungen ausgesetzt. Das mittelalterliche System der Rentenwirtschaft, in dem die fixen Abgaben der Bauern nicht auf Preisschwankungen reagierten und daher in Krisenzeiten ein Sinken der herrschaftlichen Realeinkünfte zur Folge hatte, wich allmählich einer marktorientierten Produktion und der Erwirtschaftung von Mehrwert, der im traditionellen Feudalsystem nicht zu erzielen war. Ökonomische und soziale Gegensätze wurden zunehmend größer und innerhalb der ständisch gegliederten Gesellschaft, in der auch für ein Kloster Ausgaben für Repräsentation unerlässlich waren, stieg der Geldbedarf. Verschärft wurden die Geldnöte Dürnsteins noch durch die hohen Steuern, mit denen die Kriege gegen das Osmanische Reich finanziert wurden und mit denen besonders die geistlichen Grundherrschaften schwer belastet wurden. In einer Gülteinlage - einer Besitzaufstellung als Grundlage für die Steuerbemessung - weisen die Chorherren den stiftlichen Neideggerhof in Oberloiben und den Scheibenhof bei Dürnstein als öde aus, beklagen weiters, dass ihnen in Grafenwörth großer Schaden entstehe ''von dem wasser und guß der Tunaw und Champ, das dy vergangnn jarenn gar woll der drittaill vexung verdorben im stadl und auff dem veldt ist und dass in Dürnstein einige Weingärten der reiff pissen hat.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig blieben aufgrund veränderter Glaubensvorstellungen die Stiftungen aus und der Konvent schrumpfte ständig. Damit verlor auch die stiftliche Verwaltung an Effizienz, die Weingärten wurden nicht bewirtschaftet und die Einkünfte sanken. Propst Urban erwies in dieser schwierigen Lage wenig Geschick: Er deckte den Geldbedarf durch Verkauf von Grundbesitz und entzog damit dem Kloster seine wirtschaftliche Basis. Seine Nachfolger waren lange damit beschäftigt, diese Güter wiederzuerlangen. &lt;br /&gt;
Da der Weinbau der wichtigste und vielversprechendste Wirtschaftszweig Dürnsteins war, versuchte das Stift in diesem Bereich die Einnahmen zuerhöhen. Propst [[Jakob Reisser]] verpachtete die brachliegenden Weingärten an Dürnsteiner Bürger. Das Kloster stellte den Inhabern der Weingärten Geräte und Presse zur Verfügung und erhielt die Hälfte oder das Drittel des Ertrags. Dem nächsten Propst, Adam Faber, gelang 1573 eine Erweiterung der Besitzungen, indem er bei den landesfürstlichen Behörden erwirkte, dass das aufgelassene Klarissenkloster, das dem Stift direkt benachbart lag, mitsamt seinen Gütern seinem Kloster einverleibt wurde. &lt;br /&gt;
Wie andere Grundherrn versuchte in der Folge auch Stift Dürnstein seine Erträge zu steigern, indem es den Anteil der Eigenwirtschaft erhöhte und den Weinbau mit billigen Lohnarbeitern zu betreiben begann. Die Bürger Dürnsteins, die wegen der Konfessionsfrage ohnedies in heftigem Streit mit dem Kloster lagen, beschwerten sich bitter über Propst Melchior Kniepichler , dass er die klösterlichen Weingärten, die sie als Pächter in schlechtem Zustand übernommen und wieder kultiviert hätten, nun an „außwendigen, ja auch herrnlosen gesindl und ledigen hauern“ gegeben habe, die im alten Nonnenkloster hausten, der Stadt keine Steuern brächten und nur Unfug anstellten. &lt;br /&gt;
Eine wichtige Einnahmequelle für ein Kloster waren auch die spezifisch kirchlichen Einkünfte. Der Zehent, also das Zehntel des landwirtschaftlichen Ertrages, den die Pfarrleute an den Patronatsherrn ihrer Kirche abführen mussten, teilte sich Dürnstein für die Pfarre Grafenwörth mit dem Stift Herzogenburg im Verhältnis 2 : 1. Den Zehent der Pfarre Dürnstein erhielt das Stift erst ab 1573 durch die Übernahme des Klarissenklosters, das den Chorherren zwar das Patronat abgetreten, aber weiterhin über die Güter und Einnahmen der Pfarre verfügt hatte. Den halben Dürnsteiner Weinzehent musste das Stift aber der Pfarre Krems überlassen, deren Filialkirche die Pfarre Dürnstein früher gewesen war. Es waren nicht zuletzt die Einkünfte aus den Kirchengütern und den Stolgebühren, die für liturgische Handlungen zu entrichten waren, die Anlass zu langen Auseinandersetzungen mit den evangelischen Untertanen gaben. &lt;br /&gt;
Überhaupt konkretisierten sich Konflikte zwischen dem katholischen Stift und der protestantischen Bürgerschaft oft in strittigen Geldangelegenheiten. Die Stadtregierung lenkte im 16. Jahrhundert mit großem Selbstbewusstsein die Angelegenheiten des Gemeinwesens und die Bürger errichteten repräsentative Häuser, die dem Ort bis heute sein Gepräge geben . Die Steuerforderungen des Rates erschienen dem Stift unangemessen, während andererseits die Bürger die Erhöhung der Pachtgelder beklagten. Das Chorherrenstift besaß auch seit der Zeit seiner Gründung das „Urfahr&amp;quot;, also das Recht auf den Fährbetrieb auf der Donau. 1596 beschwerte sich Propst [[Balthasar]] bei Richter und Rat der Stadt, dass sie ohne sein Einverständnis die Urfahr-Ordnung geändert hätten, und dass sie jedem Bürger, der ans gegenüberliegende Rossatz zum ''sectischen predicanten'', also zum evangelischen Prediger, übersetzen wollte, nur einen statt der bisherigen zwei Pfennige abverlangten. Außerdem hätte der Pächter des Fährbetriebs so viele Ausnahmen gewährt, dass schon fast jeder Bürger sein eigenes Boot besäße. &lt;br /&gt;
Schwierigkeiten in der Verwaltung brachten imm er wieder dieilmerstiftlichen Pro- bleme Dürnsteins mit sich. Bestand der Konvent noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus fast 20 Chorherren, so sank der Konventualenstand während der Regierung von Propst Urban bis 1544 auf einen einzigen Chorherren herab. Die nächsten hundert Jahre änderte sich daran wenig, so dass die folgenden acht Pröpste aus anderen Stiften berufen werden mussten: aus St. Dorothea, aus Herzogenburg, [[St. Pölten]], Klosterneuburg und Waldhausen. Die Administration war dementsprechend schwierig. Propst Balthasar Puchseer begann 1597 einen langen Rechtsstreit mit dem Pächter der stiftlichen Weingärten in Zöbing, der dieselben unrechtmäßig an sich gezogen habe, obwohl sein Leibgedingvertrag aufgrund seiner schlechten Hauerarbeit gelöst worden war. Ausständige Pachtgelder versuchte noch Propst Melchior Kniepichler bei der Witwe des Pächters einzutreiben. Propst Melchior begann auch Listen anlegen zu lassen über jene Besitzungen, die dem Stift während der Reformationszeit von der evangelischen Grundobrigkeit bzw. den Bürgern in Dürnstein entzogen worden waren, und forderte ausständige Grunddienste aus den vergangenen Jahrzehnten ein. &lt;br /&gt;
Eine weitere Möglichkeit der Gewinnmaximierung war die Arrondierung des klösterlichen Streubesitzes, bei dem die Bewirtschaftung aufwändiger und die Gefahr einer Entfremdung größer war. Solchen Grundbesitz hatte Dürnstein mit dem Amt Ederding, das in der Nähe Herzogenburgs lag und aus dem Besitz des ehemaligen Klarissenklosters stammte. Propst Nikolaus Hay tauschte 1634 dieses Amt mit den dazugehörigen Liegenschaften und Untertanen in Ederding und Oberwinden gegen die dem Stift Herzogenburg inkorporierte Pfarre Haitzendorf, der Nachbarpfarre von Grafenwörth. Jedoch hielt der Kontrakt nicht lange, denn ab 1664 sind wieder Herzogenburger Chorherren in Haitzendorf tätig. Dürnstein bekam dafür auf 15 Jahre die landesfürstliche Pfarre Hadersdorf am Kamp verliehen, deren Einkünfte helfen sollten, die Stiftschulden abzutragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1663 erwarb Propst [[Matthias Feldhorn]] den nahe gelegenen Förthof (bei Stein) mit allen Untertanen und Weingärten. Dass er den Kaufpreis von fast 10.000 Gulden aufbringen konnte, beweist, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse des Stiftes sich allmählich konsolidiert hatten. Die Rechnungsbücher, die ab dieser Zeit überliefert sind, weisen bereits positive Bilanzen im Jahresbudget auf. Größere Ausgaben wurden durch Darlehen finanziert, wie die Zahlungen von Kreditzinsen belegen. &lt;br /&gt;
Auch die Größe des Konvents hatte wieder seinen früheren Stand erreicht, wenngleich die Gemeinschaft der Chorherren noch einige Zeit aufgerieben wurde im Spannungsverhältnis zwischen den strengen Ordensstatuten, der barocken Lebensführung des Klerikerstandes und des Adels, der abgerissenen Tradition klösterlicher Spiritualität und der Autorität mancher inkompetenter Pröpste. Doch fand man schließlich zu einem geregelten Klosterleben und achtete auch auf eine entsprechende Ausbildung der Chorherren, für die Propst Hieronymus Übelbacher 1722 eine Hauslehranstalt errichten ließ. &lt;br /&gt;
Gleichzeitig wurde auch die Verwaltung übersichtlicher und stiftsintern organisierter. Im ausgehenden 17. und im 18.Jahrhundert waren bereits alle Leistungen der Grundholden und Untertanen, die das Stift erhielt, in Geldabgaben umgewandelt. Auch die Robot, also die Arbeitsleistung, zu der die Bauern ihren Grundherren gegenüber verpflichtet waren, konnte in Geld beglichen werden, bis sie unter der Regierung Josephs II. vollkommen aufgehoben wurde. Ein Gutteil der regelmäßigen Einnahmen des Stiftes bestanden aus Herrschaftseinkünften aus obrigkeitlichen Rechten: von den Holden Dienste und Besitzveränderungsabgaben bzw. von Pächtern Pachtgeld, von Untertanen Gerichtstaxen für Heiratsbewilligungen, Verlassenschaftsverhandlungen oder ähnliches und Steuern . Das Stift hatte im 18. Jahrhundert etwa 230 Untertanen, vor allem in Grafenwörth, weiters in Willendorf in der Wachau, in der Kremser Gegend (Förthof, Rührsdorf), am Wagram (Großwiesendorf), bei Herzogenburg (Oberwinden, Ederding), bei Böheimkirchen (Dürnhag), bei Ravelsbach (in Meiseldorf), in Ostra und Harrau (Gerichtsbezirk Spitz), Henndorf (Gerichtsbezirk Scheibbs), Bernharts und Kamles (Gerichtsbezirk Ottenschlag), Kilb (Gerichtsbezirk Mank) und Dürnstein. Der Zehent war verpachtet und wurde ebenfalls in Geld eingenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast ebenso viel wie alle diese Einnahmen zusammen erbrachte im 18. Jahrhundert der Weinbau in den Wachauer Weinbergen: Der Wein wurde im Dürnsteiner Stiftskeller und im Förthof ausgeschenkt bzw. in größeren Mengen gehandelt, wobei das Stift auch Käufer in Oberösterreich, Salzburg und Bayern hatte. Später hatte auch der Verkauf von Branntwein und Obst einen gewissen Anteil am stiftlichen Einkommen. Bei den jährlichen Ausgaben waren die Steuern an das Land sowie die Baukosten die größten Einzelposten, weiters die Aufwendungen für den Weinbau und für den Stiftsbetrieb mit Küche, Meierhof und Handwerkern. &lt;br /&gt;
Wie sehr im Bewusstsein der Bevölkerung das Stift auch als Wirtschaftskörper sein Umfeld ökonomisch und sozial geprägt hatte, zeigt sich in einem Gesuch der Dürnsteiner Bürgerschaft aus dem Jahr 1789. Man erbat die Abtretung von einigen Joch Land aus dem Besitz des aufgehobenen Klosters, weil alle landwirtschaftliche Nutzungsfläche in der Stadt durch Stiftungen oder Kauf an das Kloster gekommen sei und jetzt kein Haus mehr genug Grund dabei hätte, um auch nur ein Pferd zu ernähren. Die Bürger hätten sich beim Stift als Hauerknechte verdingen müssen, und die Weingärten, die sie noch besäßen, seien die schlechten und gebirgigen. Durch die Aufhebung des Stiftes sei den Bürgern noch ein zusätzlicher Verdienst entgangen, da man früher Arbeit im Kloster gefunden hatte, vor allem, wenn der Propst Gäste hatte. Der Herzogenburger Propst Michael Teufel, der das aufgehobene Stift administrierte, sah in seinem Wirtschaftsplan vor, das Fährmannshaus und die Taverne des Stiftes an die Bürgerschaft abzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wird das Stiftsgebäude, in dem neben den Räumen der Pfarre auch eine Volksschule untergebracht ist, für verschiedene Veranstaltungen und Ausstellungen genützt, eine Präsentation von Geschichte und Spiritualität des Chorherrenordens wird ständig gezeigt. Das eindrucksvolle barocke Bauwerk zieht auch viele Besucher an, und der aufmerksame Betrachter kann entdecken, dass dem reichhaltigen, barocken Figurenprogramm nicht nur religiöse Inhalte zugrunde liegen, sondern dass auch die sehr irdischen und profanen Aspekte klösterlichen Lebens, seine Wirtschaft und Verwaltung, ihren künstlerischen Ausdruck gefunden haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otto von Maissau übernahm bei der Stiftung 1410 auch die Vogtei über die junge Kanonie, entband sie jedoch von allen Abgaben, die üblicherweise damit verbunden waren. Für den Fall seines kinderlosen Todes übertrug er das Vogteirecht 1412 Herzog Albrecht V. Dieser nahm das Stift 1413 in seinen Schutz und verfügte, dass keiner seiner Pfleger, Landrichter und Amtsleute die Stiftsuntertanen ''besweren noch anvallen'' dürfe, jedoch ausgenommen die dem Landgericht vorbehaltenen Fälle. Dies waren in der Regel die Straftaten, die mit dem Tod geahndet wurden, nämlich Mord, Raub und Vergewaltigung. &lt;br /&gt;
Kaiser Friedrich III. bestätigte 1459 dieses Recht der niederen Gerichtsbarkeit sowie die anderen Privilegien des Stiftes, die vor allem wirtschaftlich wichtig waren, nämlich das Urfahr, die Befreiung von Ungeld und Maut, die Salzlieferungen und das Recht der Brennholzentnahme aus den herrschaftlichen Wäldern. Als ''obrister erbvogt und petvogt'' über die Klöster seines Landes gestattete Friedrich III. die freie Wahl von Untervögten und verfügte, dass das Stift alle Rechte und Freiheiten innehaben sollte wie ''die andre gefürste clöster hie in dem land''. Damit war Dürnstein rechtlich den landesfürstlichen Klöstern gleichgestellt. Relevant wurde die Rechtsstellung Dürnsteins vor allem in der Reformationszeit, in der das Passauer Offizialat gegenüber dem Klosterrat stets betonte, dass das Stift unmittelbar dem Bischof von Passau unterstellt sei und der Kaiser und Landesfürst daher kein Recht habe, auf die Propsterhebung Einfluss zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Grundausstattung jedes Klosters gehört auch ein Bestand an Büchern. Für die Feiern der Gottesdienste benötigte man liturgische Bücher und Predigten, für das Chorgebet Breviere, für die Unterweisung der Novizen und Schüler Grammatiken und andere didaktische und theologische Schriften. Weiters sollten natürlich Abschriften der Regel des heiligen Augustinus und der Ordensvorschriften vorhanden sein. Aus der Dürnsteiner Bibliothek sind bis heute zwei Abschriften der überarbeiteten Raudnitzer Statuten erhalten geblieben, eine davon aus dem 15. Jahrhundert (Stiftsbibliothek Herzogenburg). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihrem Testament hinterließ Elisabeth von Kuenring, Witwe Eberhards von Wallsee, 1379 der von ihr gestifteten Marienkapelle in Dürnstein „alle meine puecher dawtschew und laetin“, die wohl die Grundlage für die Bibliothek des Chorherrenstiftes bildeten. Einzelne Buchschenkungen an die Chorherren sind auch im 15. Jahrhundert bezeugt, als das Stift als Reformkloster in gutem Ruf stand und das Studium von Büchern wichtiger Bestandteil des klösterlichen Lebens war. Man verfügte über die Schriften der Kirchenväter, über theologische Summen, Bibelexegesen, Dekretalensammlungen, Erzählungen über Tugend und Laster, Heiligenviten und dergleichen mehr. Frühdrucke des 15. Jahrhunderts wurden in Dürnstein selbst illuminiert und in kunstvoll verzierte Ledereinbände gebunden. Viele Dürnsteiner Inkunabeln au s dieser versierten Werkstatt sind in der Frühdruckesammlung der Östereichischen Nationalbibliothek überliefert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Neuzeit dürften die Bibliotheksbestände des kleinen Chorherrenstifts nicht allzu sehr angewachsen sein. Der älteste erhaltene, vollständige Katalog datiert erst aus dem Jahr 1710 und wurde auf Verlangen der bei den Propstwahlen anwesenden landesfürstlichen Kommission anlässlich der Erhebung von Hieronymus Übelbacher zum Prälaten angelegt. Er liegt dem Stiftsinventar in den Klosterakten der Niederösterreichischen Regierung bei, heute im Landesarchiv in St.Pölten. Er verzeichnet etwa 650 bis 700 Bände, wobei vermerkt ist, dass die Ankäufe des Vorgängers von Propst Hieronymus, Gottfried von Haslingen, in der Höhe von 600 Gulden noch nicht berücksichtigt sind. Die Bücher erscheinen in Sachgruppen zusammengefasst: Fast die Hälfte sind „pia opera“, fromme Werke, theologische Literatur und Gebetsbücher, weiters geschichtliche Werke, Grammatiken, Sammlungen von kirchlichen und weltlichen Gesetzestexten, philosophische und medizinische Abhandlungen. Propst Hieronymus hat selbst etliche Bücher angekauft, wie aus seinen Aufzeichnungen über die Rechnungen von Buchhändlern und Buchbindern ersichtlich ist. Er las regelmäßig mehrere Zeitungen und notierte sich daraus Anzeigen über neu erschienene Bücher, die er anzuschaffen gedachte. Bücher wurden zu dieser Zeit noch ungebunden erworben und erst danach von einem Buchbinder nach Wünschen des Besitzers mit einem Ledereinband versehen. Ein Messbuch für Pontifikalämter ließ Propst Hieronymus in rotem Samt binden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hieronymus Übelbacher, der den barocken Umbau des Stiftes geleitet hatte, 1740 starb, war ein Bibliotheksraum noch nicht vorhanden. Die Bücher waren jedoch bereits aus dem alten Bibliothekssaal, der nunmehr als Dechantenwohnung dienen sollte, ausgelagert worden und lagen noch in Kisten verwahrt. Doch auch später hat das Stift keinen repräsentativen Büchersaal mehr bekommen, wie man ihn sonst in den barocken Klöstern findet. Adalbert Blumenschein, der 1781 eine Beschreibung der niederösterreichischen Bibliotheken hinterlassen hat, berichtet über Dürnstein, dass es eine gar nicht viel bedeutende Bücherkammer besitze. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Stiftes wurden die Bücher in 24 eigens dafür angefertigte Kisten verpackt und 1789 an Paul Strattmann überstellt. Er war nicht nur Direktor der Wiener Universitätsbibliothek, sondern auch in der Hofbibliothek tätig. Bücher mit Dürnsteiner Besitzvermerken finden sich heute sowohl in der Universitäts- als auch in der Nationalbibliothek. Einige wenige Handschriften sind heute noch in der Herzogenburger Stiftsbibliothek vorhanden. Sie stammen möglicherweise aus Nachlässen von Dürnsteiner Chorherren, die in Herzogenburg aufgenommen worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die ersten Bauten in Spätmittelalter und Früher Neuzeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Grund des Kuenringerhofes, den Elisabeth von Kuenring-Wallsee nach dem Tod ihres Mannes (†1363) von ihren Verwandten erworben hatte, ließ sie eine Marienkapelle erbauen, in der 1373 schon Gottesdienste abgehalten wurden. Die Mauern dieser Kapelle stimmen wahrscheinlich teilweise mit den Mauern des Presbyteriums der heutigen Stiftskirche überein. Mit dem ersten Stiftungsbrief vom 15. Juni 1378 wurde der Unterhalt eines Kaplans und zwei weiterer Priester an der Kapelle gesichert. Die Jahreszahl 1378 wurde in Erinnerung an dieses Gründungsdatum beim barocken Umbau am Giebel über der Einfahrt des Klosters angebracht. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod Elisabeths († 1379) trat ihr Verwandter Heidenreich von Maissau in ihre Nachfolge. Nachdem in zwei weiteren Stiftungsbriefen die Ausstattung der Kapelle vergrößert und die Anzahl der Priester erhöht worden war, konnte der Kaplan Stephan von Haslach das Gotteshaus bis 1407 durch Krypta, Langhaus und Kreuzgang baulich so erweitern, dass es der Liturgie einer größeren Priestergemeinschaft entsprochen hat. Die gotischen Strebepfeiler an der Außenseite der Kirche, ein schwarz-weiß gemaltes gotisches Fries mit kleeblattförmigen Vierpassmotiven an der nördlichen Außenwand des Presbyteriums und ein Maßwerkfragment im Kreuzgang sind heute noch sichtbare Zeugen dieser Bauetappe. Stephan ließ auch die nötigen Gebäude für den Lebensraum dieser Kommunität errichten: Schlafsaal, Speiseraum (das alte Refektorium lag ebenerdig im heutigen Nordtrakt), Kapitelsaal und die dazugehörigen Wirtschaftsräume. Im Jahr 1407 gewährte der Bischof von Passau die Umwandlung der Kapelle in eine weltliche Kollegiatkirche. &lt;br /&gt;
Auf der Stiftungsurkunde von 1410 ist in eine r Miniatur zur Initiale Elisabeth von Kuenring zu sehen: In einer Kapelle, die auf der nördlichen Seite offen ist, kniet sie vor der Gottesmutter. Diese Kapelle, die möglicherweise Anklänge an das tatsächlich errichtete Gotteshaus hat, wird mit einem 5/8 - Abschluss und einschiffig dargestellt. Weiters ist ein vermutlich als sechseckig zu interpretierender Turm mit gotischem Abschluss zu sehen. Nach dem jüngsten Baubefund besaß die mittelalterliche Kirche ein Mittelschiff und südlich davon ein halb so breites Seitenschiff. Der teilweise noch aus dieser Zeit erhaltene Dachstuhl bestätigt dies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1440 wurden Gebäude westlich des damalig en Stiftsareals erworben. Propst [[Johannes von Waidhofen]] (1431-1469) bezog diese Bauten in den Klosterkomplex ein und errichtete für die Mitbrüder einen eigenen Konventtrakt. Das Refektorium wurde vom Nordtrakt in den Mitteltrakt verlegt. Im darunter Iiegenden Kellergeschoß ließ der Propst einen Weinkeller anle gen. Dieser Johanneskeller ist ein kreuzgratge wö lbter Raum, der von einer Mittelsäule gestützt wird. Für den Stiftsbau wurden ältere Bauteile im Westen und Teile des Kuenringerhofes im Osten mitverwendet. Davon zeugen nicht nur der - ebenerdig an der Nordostseite gelegene - spätgotische Wirtschaftsraum mit seinen bei- den achtseitigen Mittelpfeilern, sondern auch einige Grundmauern der Kirche und der Sakristei. Die Klosteranlage wurde auf dem zur Verfügung stehenden engen Areal zwischen Hauptstraße und Donau sukzessive erweitert. Das Stift hatte nun eine Größe erreicht, die es auch in Zukunft beibehalten sollte. &lt;br /&gt;
Von Umbauarbeit en unter Propst Franz Abstemius (1544 - 1553) zeugt eine auf einem Türsturz zum Konventtrakt eingemeißelte Bauinschrift, die das hier bereitete „aurelianische Haus&amp;quot; preist (1553), vermutlich eine Anspielung auf Aurelius Augustinus, nach dessen Ordensregel die Chorherren lebten. Zum Besitz des Stiftes gehörte ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert auch das benachbarte Klarissenkloster, das 1571 zu bestehen aufgehört hatte. Hierher wurden die meisten Wirtschaftsbetriebe (Viehhaltung, Körner- und vielleicht auch die Weinwirtschaft) ausgelagert. &lt;br /&gt;
Auf einem Stich von Matthäus Merian vom Jahre 1649 ist die Anlage des Stiftes vor dem barocken Umbau gut erkennbar. Im Westen war der Kapiteltrakt mit den Wohnungen der Priester und des Dechants. Unter den turmartigen Gebäuden im Süden (auf der Donauseite) erstreckte sich die Bibliothek und im Trakt zum Kirchturm zu die Prälatur. Die Kirche mit dem viereckigen Turm, den schmalen gotischen Fenstern sowie mit der Kapelle im Kreuzgang ist gut zu sehen. Im Nordtrakt waren Küche und Bäckereiuntergebracht. Im nord-südgerichteten Mitteltrakt war das Refektorium, der Speisesaal der Chorherren, eingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die barocke Stiftsanlage===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Barockisierung der Stiftsgebäude fand unter Propst Honorius Arthofer (1668 - 1678) statt. Unteranderem ließ er den Kapiteltrakt im Westen der Stiftsanlage mit neuen Wohnräumen für die Chorherren ausbauen. Den ersten Anstoß zu diesem Ausbau gab ein vor dem Passauer Offizialat getroffener Vergleich im Streit zwischen Propst Reinhard Faust und seinem Konvent (siehe oben). Der Trakt wurde durch den St. Pöltner Maurermeister Hanns Georg Probst 1676 neu- bzw. umgebaut. Dabei wurden gotische Bauelemente, wie Konsolen, Tür- und Fensterumrahmungen, die heute noch sichtbar sind, erhalten. Es wurden je fünf Zimmer im Erd- und Obergeschoß für die Chorherren errichtet. An der Stirnseite des Konventtraktes zur Donau hin war ehemals das Wappen mit der Inschrift „H.A.P.T. 1676&amp;quot; (&amp;quot;''Honorius Arthofer, Propst zu Tirnstein''&amp;quot;) angebracht. Heute befindet sich an dieser Stelle das Wappenpaar des Stiftes Dürnstein und des Propstes [[Maximilian Fürnsinn]] von Herzogenburg mit der Jahreszahl 1989, dem Abschlussjahr der Generalrestaurierung. &lt;br /&gt;
Die zweite Barockisierung nahm Propst [[Karl Donrey]] (1678-1692) vor . Dabei wurde die Kirche um ein Seitenschiff nach Norden vergrößert, das Langhaus um eine Achse erweitert und das Presbyterium um diese Einheit verkürzt. In einer baulichen Meisterleistung wurde der gotische Dachstuhl der Kirche erhalten. Der neue barocke Dachstuhl für das nördliche Seitenschiff wurde 1685 an den gotischen angefügt. &lt;br /&gt;
Der nachfolgende Propst Gottfried von Haslingen (1692-1710) versuchte die wirtschaftliche Grundlage des Klosters zu stärken und begann mit dem Umbau des Klarissenklosters als Wirtschaftsgebäude und dem Neubau des Kellers mit einem Kellerschlössl in den Weinbergen vor der Stadt. Beide Bauvorhaben sollte sein Nachfolger weiterführen und beenden. &lt;br /&gt;
In die Regierungszeit dieses Propstes, Hieronymus Übelbacher (1710-1740), fällt die zweifellos wichtigste barocke Bauphase des Stiftes. Sie lässt sich durch die detaillierten Eintragungen des Propstes in seine Schreibkalender besonders gut nachvollziehen. Diese enthalten nicht nur die Nennungen der berühmen Künstler und Handwerker, die er am Bau beschäftigte, sondern sie geben auch Einblick über seine direkten Eingriffe in das Figurenprogramm: Den Künstlern präsentierte er Stiche als Vorlagen. Ebenso notierte er seine alltäglichen Probleme auf der Baustelle. Über einen Handwerkergesellen vermerkte er etwa: „Den 13. september nicht gearbeitet und den 14. nachmittag wieder gesoffen, dasser die augen nicht aufmachen künnen.“&lt;br /&gt;
Für den Umbau der Anlage de s ehemaligen Klarissenklosters in Wirtschaftsgebäude holte Propst Hieronymus fachlichen Rat bei Jakob Prandtauer, den er in seinem Diarium von 1716 als ''fürnehmen baumeisterzu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich'' bezeichnet. Im nördlichen, gotischen Tor der ehemaligen Klarissenkirche lässt er eine barocke Torwölbung einziehen, sie trägt die Bauinschrift „17 HPZT 16&amp;quot; (,,Hieronymus, Propst zu Tiernstein, 1716&amp;quot;). &lt;br /&gt;
Auch an der Errichtung des neuen Weinkellers - dem Kellersehlössl - war Prandtauer maßgeblich beteiligt. Auf dem Giebel dieses Gebäudes ist ein Fresko einer fröhlichen Tischgesellschaft zu sehen, das von Wolfgang Ehrenreich Priefer von Miespach signiert wurde (1714). Wahrscheinlich sind links der Maler, weiters der Besitzer des Dürnsteiner Schlosses, Reichsgraf Konrad Sigmund Adam von Starhemberg, in der Mitte Propst Hieronymus und rechts Jakob Prandtauer dargestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1714/15 ließ Propst Hieronymus die Umbauarbeiten im Stiftshof beginnen. Prandtauer dürfte dazu einen ersten Entwurf geliefert haben, der im Zuge der Ausführung jedoch durch andere Künstler abgeändert wurde. Grundlegend war die weitgehende Beibehaltung alter Bausubstanz. So birgt etwa der gegenüber dem Eingang gelegene Westflügel des Stiftshofes nach wie vor das gotische, von einem Netzrippengewölbe überfangene Refektorium. Durch das Vorstellen von barocken Fassaden an der Nord- und Westseite und die Errichtung eines neuen zweigeschoßigen Ost- und Südtraktes entstand ein annähernd einheitlicher rechteckiger Hof. Auf diese Weise gelang es, den verwinkelten Komplex dem Symmetriebedürfnis barocken Stilwollens anzupassen. Dass dies nicht völlig gelingen konnte und der Hoftrapezförmig verzogen ist, schrieb Propst Hieronymus „dem schlechten platz“ zu, also der beengten Lage, die keine großzügigen Ausbaumaßnahmen erlaubte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ost-und Südtrakt wurde die Prälatur von Propst Hieronymus zum Teil neu erbaut. Während eines Aufenthaltes in Wien hatte der Propst im Stift St. Dorothea den Architekten Matthias Steinl kennen und schätzen gelernt. Dieser dürfte ihm Entwürfe für den Stiftsumbau geliefert haben. Joseph Munggenast war der ausführende Baumeister, der vermutlich im Auftrag Übelbachers einige Änderungen vornahm. Polier am Ort war Martin Schrittwieser. Da eine bauliche Erweiterung durch die topographische Lage des hart an der Donau gelegenen Stiftes nicht möglich war, konzentrierte sich die Barockisierung auf einen großen Formenreichtum architektonischer Akzente, die reich gegliedert und wohlüberlegt platziert wurden. Diese „Schmuckstücke&amp;quot;, für deren künstlerisches Programm Propst Übelbacher vielfach selbst Regie führte, stehen somit in einem reizvollen Kontrast zu der bewusst einfach gehaltenen Gliederung der einzelnen Trakte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Prälaturtrakt dominiert das große Stiftsportal, das nach einem Entwurf von Matthias Steinl vollendet wurde. Die Sandsteinfiguren (die beiden Atlanten, die Figuren Stärke und Wachsamkeit, sowie die Symbolgestalten von Glaube, Hoffnung und Liebe) wurden von den Bildhauern Joseph Päbel aus St. Pölten und Johann Schmidt, dem Vater des berühmten Malers Martin Johann Schmidt, sogenannter „Kremser Schmidt&amp;quot;, geliefert. Oberhalb der Wappen des Stiftes und des Propstes befindet sich eine lateinische Inschrift, deren Übersetzung lautet: ''Hieronymus seit dem Jahr der Gründung der Kanonie Dürnstein im Jahr 1378 der 30. Propst, 1718.''&lt;br /&gt;
In den Räumlichkeiten der Prälatur fällt besonders die Ausstattung des Kaminzimmers auf: Das Deckenfresko von Johann Gottlieb Starmayr, dem Lehrer des „Kremser Schmidt&amp;quot;, stellt ein Gastmahl des heiligen Augustinus dar. Vermutlich ist hier Propst Hieronymus Übelbacher mit einigen seiner Freunde dargestellt: ''Wer mein gast und fränd sein will, swaig evon fremden fählern still'', lautet die dazugehörige Inschrift. &lt;br /&gt;
Acht Seitenportale sind mit den Puttengruppen der vier Jahreszeiten, der vier Tageszeiten, der vier Elemente und der vier Erdteile bekrönt. Die Kartuschen mit 20 Imperatorenporträts fertigte der Kremser Stukkateur Johann Piazoll, der bei der Dekoration des Stiftskomplexes in die Nachfolge seines verstorben n Vaters Domenico getreten war. Die Einfahrt an der Ostseite schmückte er mit dem Löwenfell des Herkules. Diese kaiserlichen Symbole weisen vermutlich darauf hin, dass Kaiser Leopold I. 1683 in Dürnstein die Nachricht der Befreiung Wiens von den Türken erhielt. &lt;br /&gt;
Auch das Kirchenportal wurde wegen der besseren Wirkung in diesen Hof verlegt. Es zählt zu den Meisterwerken seiner Zeit. Von Matthias Steinl entworfen, wurde es 1725 von Joseph Munggenast ausgeführt. Unterstützt durch die Bildsprache soll das Tor von der irdischen Welt in die Sphäre des Sakralen führen. Die vier Sandsteinreliefs auf den Säulensockeln, darstellend die vier letzten Dinge (Tod und Gericht, Himmel und Hölle), die vier Kirchenväter mit dem auferstanden Christus in ihrer Mitte und das bekrönende Relief mit der erhöhten Schlange stammen von Johann Schmidt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kirche, Krypta und Kreuzgang===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um der Stiftskirche eine entsprechende Höhe zu verleihen und um den gotischen Dachstuhl beizubehalten, wurde von Joseph Munggenast und seinem Polier Martin Schrittwieser am 11. August 1717 mit der Tieferlegung der mittelalterlichen Gruft um 3 1⁄2 Schuh (ca. 1,10 Meter) begonnen. Das Bildprogramm der barockisierten Krypta zeigt an der Decke Illustrationen zur Apokalypse nach Stichvorlagen einer Bilderbibel, die der Kupferstecher Christoph Weigelerstmals1693 in Augsburg herausgegeben hatte. An den Wänden befinden sich Darstellungen, die sich auf den Tod und die letzten Dinge beziehen (Totengerippe als Papst, Bischof, Kaiser und König bekleidet). Der Hochaltar an der Ostseite der Krypta wurde als grottenartiger Kreuzigungsaltar nach einem Entwurf von Joseph Munggenast angefertigt. Im nördlich liegend en Stiegenabgang wurde der 1855 aufgefundene Grabstein von Stephan von Haslach (†1415) aufgestellt. In den direkt anschließenden Grufträumen befinden sich die Grabstätten mehrerer Dürnsteiner Pröpste und Konventualen des Stiftes. Über dieser Priestergruft wurde 1717 die Sakristei eingerichtet, deren Mauern wahrscheinlich noch vom ehemaligen Wohnturm des Kuenringerhof es stammen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am 25. April 1721 wurde der Grundstein zum Umbau der Kirche gelegt: Es enstand eine barocke Wandpfeilerkirche mit dreijochigem Langhaus. Der Innenraum der Kirche wurde einerseits durch die Tieferlegung des Kirchenniveaus und andererseits durch das Hineinragen des Deckengewölbes in den mittelalterlichen Dachstuhl auf 15 Meter erhöht. Der Entwurf stammt vermutlich von Matthias Steinl und Joseph Munggenast, welcher ausführender Bauleiter war. Das Innere der Kirche, dessen barocke Ausstattung vollständig erhalten ist, wurde außerordentlich dynamisch gestaltet.Besonders der Kontrast zwischen den Wandpfeilern, die je drei zum Langhaus hin geöffnete Seitenkapellen säumen, und den über diesen liegenden vor- und zurückschwingenden Emporen verleihen dem Raum Bewegung und Dramatik. Zusätzliche Plastizität und Formenreichtum erzielen die reichen Stuckarbeiten. Johann Piazoll stuckierte die Seitenkapellen, für das Kirchengewölbe verpflichtete Propst Übelbacher den Hofstukkateur Santino Bussi. Das theologische Programm der Stuckr eliefs, welches im Langhaus auf das Neue Testament und im Presbyterium auf die Eucharist ie Bezug nimmt, war diesem vom Prälaten und Bauherrn vorgegeben worden. Auch die beiden überlebensgroßen Figuren beiderseits des Hochaltarbildes - die hll. Augustinus und Possidius - sind seine Arbeiten. Bussis Vorschlag einer freiplastischen Gestaltung des gesamten Hochaltars kam allerdings nicht zur Ausführung. Stattdessen wurde ein Hochaltarbild „Maria Himmelfahrt&amp;quot; angebracht, das ebenso wie die Altarblätter der sechs Seitenkapellen von dem Wiener Maler und Architekten Carl Joseph Haringer gemalt wurde. Die beiden mittleren Altarblätter wurden allerdings 1767 durch die hervorragenden Bilder von Johann Martin Schmidt ersetzt: die hl. Monika vor Ambrosius und die Enthauptung der hl. Katharina. Unter diesen beiden Altarblättern wurden zwei Glassarkophage für die beiden, aus Rom importierten 11 Katakombenheiligen&amp;quot; Clemens und Faustinus errichtet. &lt;br /&gt;
Bei der Ausführung der weiteren Elemente der Innenausstattung wirkten neben Carl Haringer, der auch die Ölgemälde im Langhaus und die14 ovalen Apostelbilderanden Gewölbeansätzen malte, der Bildhauer Johann Schmidt, sowie der St. Pöltner Kunsttischler Hippolyt Nallenburg. Zu ihren Arbeiten gehören das reichgeschnitzte Chorgestühl, die Kanzel mit Reliefs, welche Johannes den Täufer, Christus und Paulus als Prediger zeigen, sowie -als Gegenstück zur Kanzel- eine Holzfigur des hl. Nepomuk, deren Podest drei Reliefs mit Szenen aus der Nepomuklegende schmücken. Besondere Beachtung verdient gleichfalls der vergoldete Tabernakel in der originellen Gestalt einer drehbaren Weltkugel, geziert mit 44 Reliefs aus dem Leben Jesu von Johann Schmidt. Vorbild für die meisten Darstellungen waren wiederum die Kupferstiche aus der Bibel von Christoph Weigel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Orgel mit 16 Registern von Johannes Christoph Panzner wurde 1724 auf dem Musikchoraufgestellt. Sie bekam ein von dem Melker Benediktinerpater und Maler Bonifaz Gallner entworfenes Gehäuse, das ein Stiftstischler ausführte. Die Bildhauerarbeiten - König David und musizierende Putti - lieferte wieder Johann Schmidt. Unter dem Musikchor befindet sich der Betchor, wo die Priestergemeinschaft ihr gemeinsames Gotteslob betete. &lt;br /&gt;
Am 9. Juli 1724 weihte der Fürstbischof von Passau, Joseph Dominik Graf von Lamberg, die Stiftskirche. Das wohldurchdachte theologische Programm der vollendeten Innenausstattung findet in einem auch für die Zeitgenossen eindrucksvollen Formenreichtum seinen Ausdruck, der im lichten Kirchenraum zu einem sümenfälligen Gesamteindruck verschmilzt. Die Predigt des Administrators von Maria Taferl, Johann Carl Geyer, anläßlich der Kanzel weihe verherrlicht darum den Bauherrn, Propst Hieronymus Übelbacher, mit den Worten: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann man jene salte, zerfallene, staubige, winkelhafte Werk und diesen nunmehr kostbar erneuten Kirchenhimmel [nämlich die Stiftskiche] gegeneinander haltet, mögt ihr wohl ohne Benambsung erraten, wem ich nach Gott das Lob sprechen könnte. Jener ists, der aus einem so finsteren Kerker, wie anvor zu sehen war, ein so prächtiges Gotteshaus hergestellet.&amp;quot; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu den Pretiosen der Kirche zählt unter anderem eine aus Silber getriebene und vergoldete Monstranz, die Propst Hieronymus nach einem Entwurf von Matthias Steinl in Wien anfertigen ließ. An die wahrscheinlich sehr qualitätvolle Ausstattung der Kirche im Mittelalter erinnert heute nur noch eine Muttergottesstatue auf der Mondsichel um 1500 in der linken Seitenkapelle. Aus dem 14. Jahrhundert ist auch noch eine Muttergottesstatue erhalten, die im St. Pöltner Diözesanmuseum aufbewahrt wird. &lt;br /&gt;
Zugleich mit dem Kirchenumbau wurde auch der mittelalterliche Kreuzgang ab 1722 durch Joseph Munggenast umgestaltet. Dort befindet sich auch ein Heiliges Grab in einem bühnenartigen Aufbau, den der Theateringenieur des Kaiserhofes in Wien Antonio Galli Bibiena entwarf. Um der Karwochenliturgie die nötige Stimmung zu verleihen, wurden die Kreuzgangfenster durch zwölf Ölbilder mit Passionsdarstellungen, gemalt 1734 von Starmayr, verdeckt. Weiters befinden sich im Kreuzgang die Johanneskapelle, die Dorotheakapelle und die Geburt-Christi-Kapelle. Letzere hat einen Altar, dessen Figuren 1729 von Johann Schmidt geschnitzt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kirchturm wurde in seiner mittelalterlichen Bausubstanz erhalten und in barocker Ausgestaltung nach Plänen von Matthias Steindl ummantelt. Der obere Teil dürfte 1729 von dem ausführenden Baumei ster Joseph Munggenast verändert worden sein. Am 8. Juli 1733 wurde das Turmkreuz aufgesetzt. Auch der Turm zeigt ein reiches Figurenprogramm: Die vier Evangelistenfiguren am Turmhelm, die Putti mit den Leidenswerkzeugen, die Figuren über den Toren des Turmes, Maria und Johannes Nepomuk und die beiden Figuren an den Volutenpfeilern, Augustinus und Nikolaus, stammen von Johann Schmidt. Er lieferte auch die sieben Sandsteinreliefs an den Turmseiten, die das Leiden Christi darstellen. Der Turm erhielt 1734 eine blaue Färbelung: Mit der Farbe des Himmels ausgestattet überragt der Kirchturm das in Brauntönen gehaltene und das Irdische symbolisierende Stiftsgebäude. Damit bietet das Ensemble auch in der Farbgebung ein eindrucksvolles spirituelles Programm. &lt;br /&gt;
An der Westseite des Turmes und an der Westseite des Kreuzganges ließ Propst Hieronymus Übelbacher eine Altane mit einer Steinbalustrade errichten. Einige der Putten von Johann Schmidt tragen ein Herz, das Zeichen, das auf die Gottesliebe des Ordensgründers Augustinus hinweist. Der Turm zeigt zur Donau hin seine schönste Seite. Propst Hieronymus wollte mit diesem Turm eine in Stein geformte Predigt den Menscen seiner Zeit geben. Das Konzept atmet die Spiritualität der ''devotio moderna'', der Nachfolge Christi. In der Betrachtung des Lebens und Sterbens Christi soll der Mensch zur Einsicht gelangen und sein Leben nach dem Evangelium gestalten. In der barocken Umsetzung dieser Ideen wird die Kunst zur kraftvollen Überzeugung: das Christentum ist Sieger in dieser Welt. Damit wird der mittelalterliche Reformgeist aus Raudnitz spürbar, aber auch die Lebensfreude und Weltbejahung des Propstes Hieronymus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Hieronymus Übelbacher starb im Alter von 65 Jahren am 13. Jänner 1740. Er ist sicher den großen Barockprälaten der Donaustifte gleichzustellen, wenngleich auch sein Haus nicht so große Ausmaße erreichte. Es war für ihn nicht immer leicht den Bau zu führen. Er schreibt 1723 in seinen Tagebüchern , er wünschte, „dass ich in den Bau nicht involvieret wäre“. &lt;br /&gt;
Der letzte Propst des Stiftes, Dominik Ruemer (1751-1787), ließ an der Westempore in der Kirche die Musikempore einziehen sowie den Betchor erhöhen und dort einen Ofen aufstellen, damit an kalten Tagen das Chorgebet bei halbwegs erträglichen Temperaturen verrichtet werden konnte. Der nächste bedeutende Umbau war die Vergrößerung des Festsaales und die Erneuerung der Nebenzimmer. Das Fresko im Festsaal wurde 1775 von Martin Johann Schmid gemalt und stellt das Gastmahl des Pharisäers Simon dar: Jesus werden von der Sünderin die Füße gesalbt. Zum Festsaal gehört ein kleines Salettl, da s schon 1721von Propst Hieronymus eingerichtet wurde. Aus der Zeit des Propstes Dominik stammt auch ein vergoldeter, mit Steinen besetzter Silberkelch. &lt;br /&gt;
Mit der Aufhebung des Stiftes Dürnstein als eigenständige Kommunität im Jahre 1788 wurden die baulichen Aufgaben dem Stift Herzogenburg übertragen. Im Jahr darauf wird mit dem Zurichten ''des hiesigen Pfarrers Wohnung und der Schul und Schullehrers Wohnung'' begonnen. Die Schule befindet sich heute im ersten Stock des Nordtraktes, wo früher die Gastzimmer gelegen waren. &lt;br /&gt;
Die letzte große Außenrenovierung des Stiftes und der Kirche fand 1985 bis 1995 unter Propst Maximilian Fürnsinn statt. Unter der Aufsicht des Bundesdenkmalamtes wurden die Dächer der Kirche und Teile des Stiftsgebäudes neu gedeckt, viele Teile durch Trockenlegung gründlich saniert, sämtlicher Figurenschmuck restauriert und alle Fassaden neu gefärbelt. Das Stift Dürnstein vermittelt in seiner künstlerischen Ausgestaltung einen Hauch von barocker Lebensfreude. Es kann der Intention seiner Bauherren auch heute noch treu bleiben: den Betrachter von der Weite und Schönheit des irdischen Lebens zu einer Ahnung des Himmlischen zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Stiftes verblieb da s Archiv vorerst in Dürnstein, denn die Dokumente wurden für die weitere Verwaltung der Stiftsherrschaft benötigt, die in Händen des Herzogenburger Propstes Michael Teufel lag. Nach der Aufhebung der Grundobrigkeit 1848 wurde das Verwaltungsamt für die ehemaligen Dürnsteiner Liegenschaften nach Herzogenburg übersiedelt und damit auch die Registratur und in weiterer Folge auch das historische Archiv. Alles, was für die Verwaltung nicht benötigt wurde, hatte man jedoch nach der Aufhebung des Stiftes nicht weiter aufbewahrt, so dass heute vor allem die Quellen über die Geschichte des Konvents wie die älteren Nekrologe, Professbücher und Personalakten von Chorherren fehlen. &lt;br /&gt;
Der ehemalige Pfarrer von Dürnstein, der Herzogenburger Chorherr [[Wilhelm Biélsky]], der sich als Haushistoriker einen Namen gemacht hatte, ordnete um 1860 die ver bliebenen Archivalien, vor allem die beiden Urkundenreihen: die Urkunden des Chorherrenstiftes und jene des ehemaligen Klarissenklosters mit 390 bzw. 330 Pergamenturkunden. Erhalten sind weiters Grund- und andere Geschäftsbücher sowie Verwaltungs- und Wirtschaftsakten. Dieses Dürnsteiner Archiv stellt heute einen Teil des Stiftsarchivs von Herzogenburg dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Bauplänen des Barock ist keiner erhalten. Die frühesten Planaufnahmen stammen aus der Zeit um 1900 und sind im Bundesdenkmalamt aufbewahrt und teilweise in der Österreichischen Kunsttopographie veröffentlicht. &lt;br /&gt;
Die älteste Ansicht von Dürnstein zeigt die obere Burg und findet sich in der sogenannten „Bärenhaut&amp;quot;, einer handschriftlichen Aufzeichnung der Gründung und Dotation des Stiftes Zwettl (um 1320). Ein Bilddokument für die ältesten Stiftsbauten ist - neben der Darstellung der Marienkapelle im Stiftungsbrief von 1410 - der Wappenbrief der Stadt Dürnstein von 1476. Dort ist neben der Burg und der über ihr liegenden Vorburg auch die Chorherrenkirche mit einigen Nebengebäuden abgebildet. &lt;br /&gt;
Auf dem bereits oben beschriebenen Stich von Matthäus Merian vom Jahre 1649 sind neben der vorbarocken Stiftsanlage auch das Klarissenkloster, der Turm der Pfarrkirche, einige Häuser, das neue Schloss (Neubau von 1630), die Stadtbefestigung und die von den Schweden gesprengte Burg dargestellt. Auf der Radierung von Georg Matthias Vischer von 1672 sind neben der Burgruine der Turm der alten Pfarrkirche und das neue Schloss abgebildet. Die östliche Stadtmauer dominiert die Stadtansicht und gibt den Blick auf eine Kirche, wahrscheinlich die Stiftskirche, frei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den zahlreichen Graphiken aus der Sammlung d es Propstes Hieronymus Übelbacher, mit denen die Räume des Kellerschlössls ausgestattet sind, befinden sich auch zwei lavierte Federzeichnungen mit Stiftsdarstellungen: In einer „Mariä Verkündigung&amp;quot; trägt der kniende Engel da s Modell des barocken Kirchenportals (um 1730), in einer Darstellung der Berufung des Zöllners Matthäus (um 1735), die vielleicht von Martin Johann Schmidt stammt, sind im Hintergrund ein Teil des barocken Stiftes und der Turmhelm zu sehen. &lt;br /&gt;
Ein großes Ölbild mit einer Ansicht der barocken Anlage, das sich im Stift befindet, malte Johann Gottlieb Starmayr 1733. Da der Turm noch nicht ganz vollendet ist, wurde er ungefärbelt, in einer neutralen grau-weißen Farbe gemalt. Die Topographische Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek verwahrt eine kolorierte Federzeichnnung von Johann Andreas Pfeffel der Ältere, aus der Zeit um 1745, die zwei Ansichten vom barock en Stift mit dem Prälatengarten zeigt. Auf einer Ansicht ist auch das Kellerschlössl zu sehen. &lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert häufen sic h durch die aufkommende Reiseliteratur , in der die Wachau beschrieben wird, und durch die historische Literatur, in der die Gefangennahme des englischen Königs Richard Löwenherz oder die Schlacht bei Loiben von 1805 behandelt wird, die Stiche und Lithographien, die als Abbildung den Text illustrieren . Die als malerisch empfundene Wachau wurde in den stark nachgefragten Veduten besonders häufig dargestellt, etwa in dem mehrfach aufgelegten Werk „Historisch-malerische Darstellungen von Österreich&amp;quot;, das der Wiener Maler und Radierer Anton Köpp, Edler von Felsenthal, gemeinsam mit seinem Bruder Christoph 1814 herausgab. Eine blühende Landschaftsmalerei fand ihr Sujet recht häufig in Dürnstein, so etwa in den Bildern von Franz Barbarini (1820), Johann Josef Schindler (1830) und Thomas Ender (1830).Von vielen bekannten Biedermeiermalern sind Dürnsteiner Ansichten erhalten, etwa von Jakob Alt (1833) und seinem Sohn Rudolf von Alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe des 19. Jahrhunderts war Dürnstein nicht nur Kulisse einer Genremalerei, sondern das zentrale Motiv für eine ganze Generation von Malern, etwa Wilhelm Bernatzik, Emil Strecker, Johann Nepomuk Geller, Wilhelm Gause und Josef Kienzel. Eduard von Lichtenfels, der einen bescheidenen Impressionismus österreichischer Prägung vertrat, hatte Dürnstein, wie schon vorher Thomas Ender, zum Standort seiner Schule auserwählt. Aus diesem Schülerkreis formte sich der Wachauer Künstlerbund, zu dem neben den bereits Genannten Robert Ruß, Eduard Zetsche, Heinrich Tomec, Ernst Graner, Max Suppantschitsch, Stephan Simony und Hans Ranzoni der Ältere gehörten. Viele ihrer Bilder befinden sich bei Dürnsteiner Familien, im Niederösterreichischen Landesmuseum und im Teisenhoferhof in Weißenkirchen. Als Vertreter der expressionistischen Richtung sei Anton Faistauer genannt (Ölbild im Niederösterreichischen Landesmuseum). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufkommen der Ansichtskarten seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt es neben den fotografischen Aufnahmen auch Wiedergaben von Ölbildern, Aquarellen und Radierungen bedeutender Künstler. Von fast allen oben genannten und etlichen weiteren Künstlern wurden Werke mit der Ansicht von Dürnstein auf Postkarten gedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
*Joseph Chmel: Kleinere Historische Mitteilungen (Teildruck eines Dürnsteiner Urbars von 1533). In: Sitzungsberichte der k.k. Akademie der Wissenschaften. Phil-.hist. Kl 2.1849, S. 148–174.&lt;br /&gt;
*Necrologium Canoniae in Duernstein. In: Monumenta Germaniae historica. Necr. Germ. 5. Hg. v. Adalbert F. Fuchs. Berlin 1913, S. 434–436.&lt;br /&gt;
*Adalbert Fuchs (Hg.): Die Traditionsbücher des Benediktinerstiftes Göttweig (=Fontes rerum Austriacarum II/69). Wien / Leipzig 1940, S. 489.&lt;br /&gt;
*Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Band 1: Niederösterreich. Bearbeitet von Theodor Gottlieb. Wien 1915, S. 416/266.&lt;br /&gt;
*Hope Mayo: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Library. Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville/Minnesota 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Joseph Chmel: Beiträge zur Adelsgeschichte. Die Herren von Wallsee im 14. Jahrhundert (Forts.). In: Notizenblatt. Beilage zum Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 4. 1854, S. 549–589.&lt;br /&gt;
*Ernö Déak: Dürnstein. In: Österreichisches Städtebuch. Band IV/1. Hg. v. Othmar Pickl. Wien 1988, S. 173–183.&lt;br /&gt;
*Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Agathe Deutschmann: Das Augustinr Chorherrenstift St. Dorothea in Wien. Diss. Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Dürnstein. Eine Burgstadt vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hg. von der Gesellschaft der Freunde Dürnsteins. Dürnstein 1976.&lt;br /&gt;
*Fritz Dworschak: Die Kalendernotizen des Propstes Hieonymus Übelbacher. Unveröffentlichtes Manuskript ca. 1960. Aufbewahrt im Verein für Landeskunde von Niederösterreich. St. Pölten.&lt;br /&gt;
*Heinrich Fasching: Die Chorherrenstifte von Wiener Neustadt – eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. (Veröffentlichungen des kirchenhistorischen Instituts der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien 2). Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Sieglinde Fuchs: Die in Niederösterreich unter Josef II. aufgehobenen Klöster im Hinblick auf ihre Weiterverwendung. Diss. Univ. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Rudolf Gnevkow-Blume: Dürnstein. Die Malerstadt an der Donau. Wien/Leipzig 1932.&lt;br /&gt;
*Lydia Gröbl: Das Klarissnkloster in Dürnstein an der Donau 1289–1571. Diss. Wien 1998.&lt;br /&gt;
*Gottfried Hofmann: Dürnstein. Kunst und Geschichte. Krems 1952.&lt;br /&gt;
*König Richard I. Löwenherz von England (1189–1199). Hg. von der Stadt Dürnstein/Wachau. Schriftleitung: Fritz Dworschak/Willi Schwengler. Dürnstein 1966.&lt;br /&gt;
*Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzöge (1365–1406). In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband 41. Wien/München 2002.&lt;br /&gt;
*Otto Mazal: Datierte gotische Einbände aus dem Augustiner Chorherrenstift Dürnstein an der Donau. In: Bibliothekswesen und Forschung. Festgabe für Otto Mazal. Graz 1982, S. 127–132.&lt;br /&gt;
*Österreichische Kunsttopographie. Band 1: Die Denkmale des politischen Bezirkes Krems. Bearbeitet von Hans Tietze u.a. Wien 1907.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Kirche und das Kollegiatsstift der ehemaligen regulierten Chorherren zu Dürnstein. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg 2. Wien 1910, S. 181–344.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Theol. Diplomarbeit. Linz 1987.&lt;br /&gt;
*Helga Penz: Am Schauplatz der Schrift. Gebrauch, Verwahrung und Überlieferung von spätmittelalterlichem Schriftgut am Beispiel des Archivs des ehemaligen Chorherrenstiftes Dürnstein in Niederösterreich. In: Walter Pohl/Paul Herold (Hg.): Vom Nutzen des Schreibens. Soziales Gedächtnis, Herrschaft und Besitz im Mittelalter. (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 5. Österreichische Akademie der Wissenschaften. Phil.hist. Kl., Denkschriften 306). Wien 2002, S. 355–373.&lt;br /&gt;
*Alois Plesser: Zur Kirschengeschichgte des Waldviertels vor 1627. In: Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesan-Blatt 12. St. Pölten 1939, S 84–119.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein und das „neue Kloster“ de Propstes Hieronymus Übelbacher. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 26. 1973, S. 96–198.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Stift Dürnstein (Kunstdenkmäler 6). Wien 1948.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig (Hg.): Die Stifte der Augustiner-Chorherren in Böhmen, Mähren und Ungarn. Klosterneuburg/Wien 1994.&lt;br /&gt;
*Eva Schmettan: Das Chorherrenstift Dürnstein. Diss. Wien 1948.&lt;br /&gt;
*Anneliese Schmitt: Ein Dürnsteiner Einband mit datierten Kopfstempeln. In: Gutenberg.Jahrbuch 70. 1995, S. 225–227.&lt;br /&gt;
*Franz Schönfellner: Krems zwischen Reformation und Gegenreformation. (Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich 24). Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Schuster: Altdeutsches Namenbuch. 5. Lieferung. Wien 1993, S. 296.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Schuster: Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen. 1 Teil. (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B. Hg. v. Verein für Landeskunde von Niederösterreich). Wien 1989, S. 456.&lt;br /&gt;
*Stift Dürnstein. Eine Restaurierung. Hg. v. Amt der NÖ Landesregierung. Abt. III/2. Kulturabteilung (Denkmalpflege in Niederösterreich 1). 1987.&lt;br /&gt;
*Topographie von Niederösterreich. Hg. v. Verein für Landeskunde von Niederösterreich. 1. Band. Wien 1885, S. 375–386.&lt;br /&gt;
*Georg Wacha: Die Stukkateure in den Kalendernotizen des Propstes Hieronymus Übelbacher von Dürnstein. 1716–1739. In: Unsere Heimat 50. 1979, S. 196–203.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weigl: Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich. 2. Band. Wien 1965, S. 94.&lt;br /&gt;
*Huberta Weigl: Die Klosteranlagen Jakob Prandtauers. Diss. Wien. 1.Band (Textband). 2002, S. 288–294.&lt;br /&gt;
*Jakob Werner: Der Stukkateur Santino Bussi und die Innenausstattung der ehemaligen Stiftskirche Dürnstein. In: Das Waldviertel 43. 1994, S. 256–267.&lt;br /&gt;
*Theodor Wiedemann: Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Lande unter der Enns. 3. Band: Die reformatorische Bewegung im Bisthume Passau. Prag 1882.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien/München 1967.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg. Neue Folge 4. 1964, S. 111–127.&lt;br /&gt;
*Hans Wolf: Erläuterungen zum historischen Atlas der Alpenländer. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, II. Abteilung. Kirchen- und Grafschaftskarte. 6 Tl. Niederösterreich. Wien 1955.&lt;br /&gt;
*Ignaz Zibermayr: Die Legation des Kardinals Nikolaus Cusanus und die Ordensreform in der Kirchenprovinz Salzburg (Reformationsgeschichtliche Studien und Texte 29). Münster 1914.&lt;br /&gt;
*Ignaz Zibermayr: Zur Geschichte der Raudnitzer Reform. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband 11. 1929, S. 323–353.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Dürnstein</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau (bis 1785)&lt;br /&gt;
Diözese St. Pölten (ab 1785)&lt;br /&gt;
|Frühere Bezeichnungen=''de Diernsteine'' (1158), ''in der stat zu Tirnstain'' (1311), ''unser frawn gotshaus ze Tyrnstain sand Augustin orden bzw. monasterium beate Marie virginis in Tirnstain ordinis sancti Augustini canonicorum regularium'' (1410), ''gottshaus und herrncloster Tiernstain'' (16. Jahrhundert), ''Stift zu Tirnstein'' (18. Jahrhundert)&lt;br /&gt;
|Lage=Österreich [[Datei:Flag of Austria.svg|thumbnail|left|20px]]&lt;br /&gt;
|Koordinaten=48.39563, 15.51964&lt;br /&gt;
|Patrozinium=Maria&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte und Spätmittelalter===&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die prächtig mit Miniaturen ausgestattete Stiftungsurkunde für das Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein wurde am 17. Februar 1410 ausgestellt. Der Errichtung der Kanonie liegt jedoch eine ältere Marienkapelle zugrunde, die Elisabeth von Kuenring, Witwe Eberhards von Wallsee zu Graz, und Heidenreich von Maissau stifteten und die 1373 erstmals genannt ist. Elisabeth gehörte zur letzten Generation der Dürnsteiner Linie ihrer Familie und ließ ihre Kapelle im Kuenringerhof erbauen, den sie von ihren Verwandten erworben hatte. Heidenreich von Maissau war ein angeheirateter Cousin Elisabeths und Pfandinhaber der landesfürstlichen Herrschaft Dürnstein. Gemeinsam erwarben sie verschiedene Gülten und Liegenschaften, um sie ihrer Kapelle &amp;quot;Unserer Frau&amp;quot; zu widmen. Spätmittelalterliche Kapellengründungen wie diese dienten dem liturgischen Totengedenken an die Stifterfamilie und verbanden eine tief empfundene Sorge um das jenseitige Seelenheil mit einem adeligen Anspruch auf Repräsentation und Memoria, einer formellen und rituellen Pflege der Erinnerung. &lt;br /&gt;
Im Stiftungsbrief vom 15. Juni 1378 wurde die Kapelle dem Kaplan Elisabeths, Johannes von Weitra, verliehen, der auch für den Unterhalt von zwei weiteren Priestern zu sorgen hatte. Als Elisabeth ein Jahr später verstarb, wurde aufgrund ihres Testaments eine Änderung der Dotation notwendig. Heidenreich von Maissau ließ darum am 1. Februar 1380 einen zweiten Stiftungsbrief ausstellen. Die Anzahl der Seelenmessen ließ er erweitern und verfügte auch eine Ausspeisung an drei Arme, die die Schule besuchten, welche hier erstmals genannt ist. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des ersten Kaplans 1387 verlieh Hans von Maissau, Heidenreichs Sohn, die Stiftung an [[Stephan von Haslach]], in dem die Tradition schon frühzeitig den fundator, den Gründer des späteren Chorherrenstiftes sah. Der Kaplan der Maissauer Stephan ist für die Jahre 1402 und 1403 mehrfach als herzoglicher Kammerschreiber nachzuweisen. Er führte in seinem Wappen – abgebildet auf seinem Grabstein in der Krypta sowie auf der Stiftungsurkunde von 1410 - den von zwei Kreuzen flankierten Blumenkorb, das Zeichen der heiligen Dorothea und spätere Wappen des Chorherrenstiftes. Der Altar dieser Heiligen, für die Leutold von Maissau 1399 eine Messstiftung errichtete, sollte im besonderen dem Totengedenken seiner Familie gewidmet sein und der Kaplan Stephan hatte die getreuliche Ausführung der Seelgeräte zu besorgen. Die Bedeutung des Dorotheaaltar es ist auch insofern eine besondere, als nämlich dafür eine eigene Kapelle im Kreuzgang errichtet wurde. &lt;br /&gt;
Mit dem dritten Stiftungsbrief vom 26. Jänner 1395 erhöhte [[Hans von Maissau]] die Anzahl der Kapläne auf vier, denen er neu erworbene Güter widmete, und erweiterte ihre Aufgaben im liturgischen Gedenken an die Stifter. Als der Frauenkapelle schließlich 1402 die Johanneskapelle auf der Burg inkorporiert wurde, kündigte sich bereits der Plan an, aus der Gemeinschaft der Kapläne ein Kollegiatstift zu machen. Vorgesehen war der Unterhalt von zwölf Priestern, zu dem auch die Dürnsteiner und die Grafenwörther Pfarrkirchen beitragen sollten, deren Patronatsrechte der Kapelle 1407 übertragen wurden. Bereits 1403 war mit dem Tod Leutolds von Maissau die Hauptlinie seiner Familie erloschen, die Führung des Hauses und damit das Patronat der Dürnsteiner Kapelle übernahm [[Otto von Maissau]], der hohe und einträgliche Funktionen am landesfürstlichen Hof bekleidete. Er gab die ursprüngliche Absicht, ein weltliches Kanonikat zu errichten, auf und stiftete am 17. Februar 1410 ein Augustiner–Chorherrenstift, dessen Ordensleben nach den Vorschriften der böhmischen Chorherren stifte Raudnitz und Wittingau ausgerichtet wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Stift [[Raudnitz]] (Roudnice) an der Elbe in Nordböhmen, gegründet 1333 als erstes Augustiner–Chorherrenstift Böhmens vom Bischof von Prag, Johannes von Drazic, ging eine Erneuerungsbewegung des Ordens aus. Unter den ersten Kanonien, die von Raudnitz besiedelt wurden, war auch [[Wittingau]] (Třeboň) in Südböhmen, errichtet 1367. Die Konvente der Raudnitzer Reform waren getragen vom Bestreben um eine verinnerlichte Spiritualität im Geiste der ''devotio moderna'', einer Frömmigkeitsbewegung, die durch die Betrachtung des Lebens und Leidens Christi den Weg zu einer apostolischen Nachfolge suchte und ihren Ausdruck auch in der Kunst, vor allem im gotischen Andachtsbild, fand. Die Chorherren strebten danach, die augustinische Einheit in Herz und Seele (''cor unum et anima una'') in einer sichtbaren Einigkeit im klösterlichen Zusammenleben erfahrbar zu machen: durch strengen Verzicht auf privates Eigentum, durch Tragen einheitlicher Ordenskleidung, sorgfältige Einhaltung der Gebetszeiten und Fastenvorschriften. Sie pflegten das Studium der Kirchenväter, besonders des heiliger Augustinus, als Inspiration zu einer wahren vita apostolica. Eine päpstliche Dispens gestattete es ihnen, zur Förderung ihrer Studien eigene Zellen anstelle des sonst üblichen gemeinsamen Schlafsaals zu bewohnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dürnstein war das erste Chorherrenstift im österreichischen Raum, das die Gewohnheiten von Raudnitz übernahm. Der erste Konvent setzte sich zusammen aus der Gemeinschaft der ehemaligen Kapläne und aus Professen aus Wittingau, sie wählten den ersten Propst namens [[Martin]]. Stephan von Haslach brachte das Vermögen seiner Kapelle in die junge Kanonie ein und wurde Pfarrer von Dürnstein. Er erlebte noch, als 1414, ein Jahr vor seinem Tod, Dürnsteiner Kanoniker nach Wien entsandt wurden, um die Umwandlung der landesfürstlichen Dorotheakapelle in ein Chorherrenstift mit Raudnitzer Statuten mitzutragen. &lt;br /&gt;
Damit eine klösterliche Erneuerungsbewegung nicht erstarrte, bedurft en die Konvente eines engen Austausches untereinander und der Festlegung konkreter Statuten, die die Augusstinusregel ergänzten. Die Stifte Dürnstein und St. Dorothea schlossen 1426 ein Bündnis, das der Einheit und Eintracht dienen sollte und mit dem man sich des gegenseitigen Beistandes im Fall von Zwistigkeiten in den Konventen versicherte. Es waren auch Professen aus diesen beiden Stiften, die neue Statuten ergänzend zu den bestehenden ausarbeiteten, die besonders die Liturgie und die Stundengebete betrafen. Später wurden diese ''statuta vetera et nova'' um Vorschriften für die einzelnen Stiftsämter ergänzt und in einem einzigen Kompendium, den sogenannten „Wiener Konstitutionen&amp;quot;, zusammengefasst und vom Bischof vom Passau und vom Legaten des Papstes bestätigt. Sie bildeten die gemeinsame Grundlage für einen Verband verschiedener Chorherrenstifte: Dem Bündnis von Dürnstein und St. Dorothea schlossen sich mit der Übernahme der Ordensvorschriften die von Kaiser Friedrich III. neu gegründeten Klöster in Wr. Neustadt (Niederösterreich) und Rottenmann (Steiermark) sowie die wieder errichtete Kanonie Glatz (Schlesien) an und bildeten ab 1460 eine vom Kaiser angeregte und geförderte Kongregation, welche allerdings durch den raschen Niedergang der Neugründungen schon im 16. Jahrhundert wieder ein Ende fand. &lt;br /&gt;
Eines der wichtigsten Instrumente zur Aufrechterhaltung eines regeltreuen Ordenslebens stellte die Visitation dar, also der Besuch des Klosters durch delegierte Visitatoren, oft Vorsteher anderer Konvente, welche sich vor Ort ein Bild über das klösterliche Leben zu machen hatten. Dabei erhielt der Konvent eine ''carta visitationis'', worin Vorschriften darüber verzeichnet sind, worauf in Bezug auf die Einhaltung der Ordensstatuten in Zukunft besonders zu achten sei. Obwohl die Ernennung von Visitatoren eigentlich ein Recht des zuständigen Diözesanbischofs war, stellte sich der österreichische Herzog Albrecht V. selbst an die Spitze der klösterlichen Reformbewegungen des ausgehenden Mittelalters und erlangte die päpstliche Machtbefugnis, mit von ihm ernannten Visitatoren über die Regeltreue in den Klöstern seines Landes zu wachen - waren diese doch nicht nur geistlicher und kultureller, sondern auch ein wichtiger ökonomischer Rückhalt seiner Landesherrschaft. 1418 ernannte der Herzog unter anderem den ersten Propst von Dürnstein, Martin, und den Propst von [[Wittingau]], [[Andreas]], zu Visitatoren für die Chorherrenstifte [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]], [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] und [[Stift St. Florian|St. Florian]]. &lt;br /&gt;
Zur Unterstützung der klösterlichen Erneuerung wurden Professen aus Reformklöstern in andere Konvente ausgesandt, so etwa 1433 auf Weisung des Erzbischofs von Salzburg Dürnsteiner Chorherren nach Stift Vorau (Steiermark). In Ranshofen (Oberösterreich) wurde ein Kanoniker aus Dürnstein, [[Wolfgang Strobl]], zum Propst postuliert und reformierte das Kapitel. Weitere Dürnsteiner Chorherren gehörten zum ersten Konvent der neuen Kanonie in [[Schrattenthal]] (Niederösterreich), die 1477 gegründet wurde. Immer wieder wurde der Propst von Dürnstein von anderen Prälaten gebeten, für einige Zeit einen Konventualen aufzunehmen, um ihn echte Klosterzucht zu lehren. &lt;br /&gt;
Vom päpstlichen Legaten und Bischof von Brixen, Nikolaus von Kues, wurden jene Visitatoren ernannt, die 1451 unter anderem auch Dürnstein besuchten. In ihrer noch erhaltenen Visitationsurkunde hinter ließen sie detaillierte Anweisungen zum Tagesablauf der Chorherren: über das Chorgebet, die tägliche Kapitelsitzung und die Erholungszeiten für Gespräch und Umtrunk. Sie verfügten über die Art der Tonsur ebenso wie über die Amtsbefugnisse des Propstes und die Ehrerbietung, die ihm die Kapitularen zu erweisen hatten. Ausführlich erörterten sie die Bedeutung einer strengen Observanz und wiesen den Prälaten an, dass er jene Brüder, die das Kloster verlassen und in ein freier es wechseln wollten, an einen noch härteren und strengeren Ort schicken sollte, nämlich in den Klosterkerker. Das Leben in Reformklöstern war von jeher ein hartes gewesen, doch bot die Spiritualität und gemeinsame Lebensführung ein hohes Maß an Zugehörigkeit, Orientierung und Sicherheit - Werte, die der Herbst des Mittelalters nicht für jeden bereithielt. &lt;br /&gt;
Dürnstein war stets ein kleines Kloster gewesen, auch in Hinblick auf seine wirtschaftliche Situation, und doch war es in den ersten Generationen seines Bestehens eine gefestigte, geistliche Institution mit einem stabilen Konvent. Auf jenen Urkunden, die von Notaren aufgezeichnet wurden und in denen die Konventualen die Rechtmäßigkeit einer Propstwahl bestätigten, haben bei sechs Wahlen zwischen 1431 und 1521 durchschnittlich immer an die 15 Professen unterschrieben. Für ihren Unterhalt sorgten auch die zahlreichen frommen Stiftungen, die dem Kloster zugewendet wurden: Gelddienste oder Liegenschaften, meist Weingärten, übertrugen die Bürger der Stadt und die Bauern des Umlandes, damit die Chorherren Totenmessen für sie sangen oder lasen. &lt;br /&gt;
Das Stiftungswesen war auch ein bedeutender ökonomischer Faktor und brachte umwälzende Veränderungen im Grund- und Rentenmarkt. In dem komplexen Wirtschaftsgefüge einer Gegend, die sich zudem schon lange auf den Weinbau und -handel spezialisiert hatte, konnte ein Einzelner leicht in Nöte geraten. Die erhaltenen Kaufurkunden belegen, dass manch einer seinen Weingarten an das Kloster verkaufen musste, um seine Schulden zu bezahlen. &lt;br /&gt;
Zudem er lebte im 15. Jahrhundert jede Generation der Dürnsteiner Bürgerschaft Kriegshandlungen: zuerst den Hussitensturm, dann die Kämpfe zwischen Friedrich III. und seinem Bruder Albrecht VI. und schließlich den Krieg gegen Ungarn; Verwüstungen und Engpässe im landwirtschaftlichen Ertrag waren die Folge. In manchen Seelgerätstiftungen dieser Zeit werden die Nöte der Bevölkerung spürbar: In der Fastenzeit des Jahres 1492 stiftete ein Dürnsteiner namens Simon Brücklmüllner der Kanonie 300 Pfund Pfennige, für die der Propst Grundstücke kaufen sollte, aus deren Ertrag Seelenmessen zu bezahlen wären, doch ''so aber in den kriegsleyffen tauglich und nutz grunt nit vail sein'', wurde die Stiftung aufgeschoben und über andere Abgaben zwischenfinanziert. Berührend an diesem Stiftungsbrief ist vor allem, dass der Stifter seine Schenkung entgegen dem sonst üblichen Brauch nicht nur seinem eigenem Seelenheil und dem seiner Familie zugedacht hat, sondern auch dem ''aller ellenden armen waisen, die nichts anders haben dann das heylig almuesen''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reform und Reformation===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verlangen nach Erneuerung und Reform in der Kirche hatte am Ausgang des Mittelalters nicht nur die Klöster erfasst, es wurde in zunehmenden Maße ein existentielles Anliegen auch der Laien. In einer Zeit, in der bestehende kirchliche Strukturen oft nicht mehr als heilsam und beseligend wahrgenommen werden konnten, fanden die Menschen zu anderen Formen eines religiösen Miteinanders, zu einer neuen Frömmigkeit und Theologie. Der monastische Gedanke einer besonderen Gottesnähe und der Verrichtung einer Gebetsarbeit als „Sorge für die Seelen&amp;quot;, besonders für deren jenseitiges Schicksal , geriet in eine Krise. Auch in Dürnstein versiegten allmählich die frommen Stiftungen, der Nachwuchs im Konvent blieb aus, das reformatorische Gedankengut hingegen fand immer weitere Verbreitung. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Stiftes und die Last der Kriegssteuern führten außerdem noch zu Überschuldung. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1544 fanden die landesfürstlichen Visitatoren in Dürnstein nur mehr den Propst, einen Konventualen und zwei Weltpriester , die für das Messelesen angestellt und besoldet wurden. Noch im gleichen Jahr wurde nach dem Tod von Propst [[Urban Hanal]] – nicht ohne kaiserlichen Einfluss – [[Franz Abstemius]] zum Propst erhoben, ein ehemaliger Domherr von Stuhlweißenburg, der wegen der Osmanen nach Wien geflohen war und dort an der Universität als Lektor gewirkt hatte. 1553 präsentierte ihn der Kaiser als Bischof von Wiener Neustadt, als solcher war er an der Erhebung seines Nachfolgers in Dürnstein, [[Leopold Maurer]], beteiligt. &lt;br /&gt;
Propst Leopold bemühte sich, die wirtschaftliche Grundlage des Klosters zu stabilisieren und jene Grundstücke wiederzuerlangen, die unter Propst Urban ohne Zustimmung seines Kapitels veräußert bzw. dem Stift aufgrund einer mangelhaften Verwaltung entfremdet worden waren. Doch schon bei der nächsten Visitation 1566 wurde Propst [[Kaspar Pangel]] für seine hohen Ausgaben kritisiert, die mehr der Prachtentfaltung denn der Nützlichkeit dienen würden. &lt;br /&gt;
Die Situation der österreichischen Klöster veranlasste Kaiser Maximilian II., es nicht nur bei gelegentlichen Visitationen bewenden zu lassen, sondern einen ständigen Klosterrat damit zu beauftragen, vor allem über die wirtschaftlichen Belange der Konvente zu wachen. Das führte allerdings schon bald zu Kompetenzstreitigkeiten mit den bischöflichen Stellen, besonders mit dem Passauer Offizial und Generalvikar, der seinen Sitz in Wien hatte. In vorher nie gekanntem Ausmaß begannen die Aktenberge zu wachsen: mit Befehlen und Verordnungen des Landesfürsten und seiner Regierung, mit Relationen und Intimationen der Räte und Beamten, mit Anfragen und Ermahnungen des Offizialats, mit Suppliken und Beschwerdebriefen aus den Klöstern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als im Jänner 1571 Propst Kaspar starb, berichtete der Dechant der nahe gelegenen Stadt Krems, Christoph Lebitsch, an das Passauer Offizialat, dass das Kloster bis auf einen „Bärtigen&amp;quot;, das heißt einen Laienbruder, völlig verwaist sei. Er habe darum, wie nach dem Tod eines Klostervorstehers vorgeschrieben, die Sperre des Kirchenschatzes durchgeführt. Da nun an eine Wahl mangels Kapitel nicht zu denken war, musste ein neuer Propst postuliert, also eingesetzt werden. Der Kremser Dechant fügte seinem Schreiben einen kleinen Zettel bei, in dem er andeutete, dass er sich selbst gern um diesen Posten bewerben würde. Der übliche Weg in dieser Situation war jedoch, in anderen Klöstern desgleichen Ordens nach einem geeigneten Nachfolger zu suchen. Die kaiserlichen Klosterräte forderten den Passauer Generalvikar auf, in Frage kommende Kandidaten zu benennen. Im Offizialat begannen Empfehlungsschreiben von Prälaten für Mitbrüder einzugehen. Der Herzogenburger Propst benannte seinen Dechanten [[Jakob Reisser]]. Stellvertretend für ein Kapitel traten die Prälaten der Augustiner-Chorherren in Dürnstein zusammen und postulierten Reisser zum Propst. Er war der erste von acht Dürnsteiner Prälaten in Folge, die alle aus anderen Chorherrenstiften kamen. Von den Klosterräten wurde Reisser in die Verfügungsgewalt des weltlichen Besitzes - Klostergut galt ja als kaiserliches Kammergut – eingeführt, und von den Beauftragten des Bischofs von Passau mit seinem geistlichen Amt betraut. 1573 wurde jedoch gemeldet, dass der Propst des Stiftes [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] ''seiner gelübd vergessen und von angezaigtem gotzhaus entwichen'' sei und das Kapitel seinen ehemaligen Dechanten zum neuen Propst berufen habe. Damit war Dürnstein erneut vakant, dieses Mal wurde ein Konventuale des Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien namens Adam Faber zum Propst erhoben. &lt;br /&gt;
Aus seiner Amtszeit sind erstmals Auseinandersetzungen mit der evangelischen Konfession dokumentiert. Die von Kaiser Maximilian II. gewährte Religionskonzession, die es dem Adel erlaubte, auf seinen Herrschaften evangelische Prediger anzustellen, markierte die rasche Ausbreitung des protestantischen Bekenntnisses. Konkrete Konflikte zwischen dem katholischen Stift und den evangelischen Grundherren entzündeten sich häufig an der Frage der Pfarrrechte. Während die Schlossprediger auch die Sakramente spendeten und die Toten bestatteten, blieben die dem Stift inkorporierten Pfarrkirchen leer. Die Frage des Zugriffs auf die Kirchengüter der Pfarre Dürnstein und Erhebungen über die Konfession der Bürger waren Kern der Auseinandersetzungen zwischen Propst [[Adam Faber|Adam]] und dem protestantischen Grundherrn Reichard Streun von Schwarzenau. Dieser versicherte selbstbewusst, dass in ganz Dürnstein keiner zu finden sei, der der katholischen Konfession anhänge, und wollte man die Dürnsteiner dazu zwingen, würden sie die Stadt verlassen und der Weinbau läge darnieder. &lt;br /&gt;
Auch in der Pfarre Grafenwörth hatten vor der Regierungszeit des Propstes Adam evangelische Prediger gewirkt, oft mit Duldung des Stiftes als Patronatsherrn – sei es aus Mangel an anderen Seelsorgern, sei es im Bemühen um eine Erneuerung, bevor die Konfessionsgrenzen sich verhärtet hatten. Zu Beginn seiner Amtszeit suchte Propst Adam darum an, dass die Kirche von St. Johann bei Grafenwörth, eine Stiftung des 14. Jahrhunderts, die seit der Inkorporation ins neu gegründete Stift Dürnstein auch pfarrliche Rechte hatte, seiner Pfarre Grafenwörth einverleibt werde, da sie durch die häufigen Überschwemmungen der Donau in Verfall gekommen sei. Propst Adam ging es aber auch darum, die Kirche von St. Johann dem Einfluss des evangelischen Grundherrn zu entziehen. Er beklagte, dass der Pächter der Herrschaft das Getreide der Pfarräcker in den eigenen Meierhof bringen lasse und damit seinem Vikar in Grafenwörth den Unterhalt entziehe. Diesen hatte er selbst eingesetzt, nachdem er ''ainen sectischen pfarrer alda doch mit harter muehe austriben''. Schließlich sei es so weit gekommen, dass sich der Vikar selbst ''zu den rebellischen geschlagen'' hat und nun mehr seine Besoldung im Schloss erhielt und dort auch predigte. Die St. Johanner Kirche wurde dabei von der Grundobrigkeit als Stützpunkt der evangelischen Seelsorge betrachtet. Der Grundherr Hans Rueber, wegen seiner Funktion als Befehls haber eines ungarischen Reiterheeres häufig abwesend, gewährte seinem Feldkaplan, dem namhaften Flacianer Joachim Magdeburg, Aufenthalt in seinem Schloss zu Grafenwörth. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass der nächste Propst [[Matthias Schreckeisen]] zwischen der Herrschaft und dem Stift einen Vergleich erzielte, wonach nämlich St. Johann, eine Filialkirche von Grafenwörth bleiben sollte, jedoch die zugehörigen Kirchenlehen gegen eine jährliche Zahlung von 30 Talern der Herrschaft zur Nutzung überlassen werden, verhinderte nicht, dass das Stift auch weiterhin genug Anlass zur Klage über protestantische Prediger fand, welche die Dürnsteiner Vikare in Grafenwörth in ihren Rechten und in ihren Einkünften merklich beschnitten. &lt;br /&gt;
Matthias Schreckeisen war ein Konventuale aus St. Dorothea in Wien, ihm wurde nach dem Tod Adam Fabers 1589 die Verwaltung Dürnsteins übertragen, da das dortige Kapitel selbst keine Person namhaft machen konnte, die für diese Aufgabe qualifiziert gewesen wäre. Der Klosterrat drängte auf die Installation Schreckeisens als Propst, doch der Passauer Offizial und Generalvikar Melchior Khlesl verbat sich entschieden jede Einmischung seitens weltlicher Behörden und untersagte Schreckeisen unter Androhung kirchlicher Sanktionen, sich vom Klosterrat installieren zu lassen. Khlesl war eine zentrale Figur der Gegenreformation in Österreich und verfolgte mit großer Hartnäckigkeit und Konfrontationsbereitschaft seine Ziele. Als im März 1590 die Klosterräte den Verwalter Schreckeisen in die Temporalien, also seine weltlichen Amtsbefugnisse, einsetzten, worauf dieser sich in seinen Briefen nur mehr Propst nannte, ließ sich Khlesl nicht präjudizieren und verweigerte Schreckeisen, den er stets nur als Administrator titulierte, die Installation in die Spiritualien, die geistlichen Vollmachten. Jahrelang erbat sich der Dürnsteiner Vorsteher immer wieder diese Konfirmation seines Amtes. Im Jahr 1592 schlossen Passau und Wien einen Vertrag, worin das gemeinsame Vorgehen der Beauftragten des Bischofs und des Klosterrates reglementiert wurde, womit in Zukunft Vorkommnisse wie in Dürnstein vermieden werden sollten. Matthias Schreckeisen wurde im September 1594 offiziell zum Propst erhoben, nachdem der Bischof von Passau selbst seine Installation angeordnet hatte. Der neue Propst starb allerdings schon im folgenden Jahr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder musste Khlesl dem Landesfürsten berichten, dass in Dürnstein ''aus mengl der conventualen an disem ort khain election gehalten werden khünne.'' [[Balthasar Puchseer]] aus St. Dorothea fungierte als Administrator, die Klostersperre hatte der Kremser Dechant Andreas Hofman vorgenommen. Um liturgisches Gerät für die Osterfeiern 1596 entnehmen zu können, musste Puchseer den Dechanten um Öffnung der Sakristei bitten. Eine rasche Entscheidung über die Nachfolge war nötig, aber für den Passauer Offizial war das mehr als eine pragmatische Erwägung. Es war ihm sehr daran gelegen, nach Dürnstein auch den rechten Mann zu entsenden, denn das Kloster läge, wie er dem Kaiser berichtete, „rings herumb under den khezern“. Damit spielte er auf die starke protestantische Bürgerschaft von Krems und Stein an, die seinen eigenen gegenreformatorischen Maßnahmen heftig Widerstand geleistet hatte. Bereits Propst Adam Faber war vom Klosterrat verschiedentlich mit Untersuchungen der Kremser und Steiner Verhältnisse betraut worden. Khlesl wollte darum in Dürnstein vor allem einen guten Prediger haben, der die katholische Reform, die mit den zukunftsweisenden Entschließungen des Konzils von Trient Inhalt und Form bekommen hatte, glaubhaft vertreten konnte und die Bevölkerung wieder der katholischen Konfession zuführte. Er war überzeugt, diese Person in einem Klosterneuburger Chorherrn namens Nikolaus Arnold gefunden zu haben. Dieser war Administrator des ehemaligen Heiligen-Geist-Klosters Pulgarn (Oberösterreich) gewesen und hatte das Klostergebäude durch einen unvorsichtigen Schuss, der die Scheune entzündete, niedergebrannt. In den letzten Jahren habe er ihm, Khlesl, in Klosterneuburg und Korneuburg, als er dort ''die reformation für genomben, nützlich und trefflich beistandt gelaistet'', und jeder andere Kandidat schien ihm ''im predigen diesem Arnoldo nichts zu vergleichen.'' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Bewerbung eines Dürnsteiner Konventualen namens [[Johann Hofmann]] um die vakante Propstei parierte Khlesl, indem er berichtete, dieser Hofmann hab e zu Zeiten von Propst Matthias „sich gegen seinen herrn offentlich vernemen lassen, er khöne on weibsbilder nit sein“,worauf er um Lösung seiner Bindung ans Kloster gebeten hätte, die ihm auch gewährt worden war. Nur sei er später zurückgekommen und habe nun als ältester Profess des Klosters seinen Anspruch auf die Propstwürde erhoben. Im September 1596 wurde schließlich [[Nikolaus Arnold]] zum Propst von Dürnstein installiert , starb jedoch nur sechs Wochen später. Balthasar Puchseer, der ehemalige Verwalter Dürnsteins, wurde sein Nachfolger. Melchior Khlesl berichtete über ihn an den Bischof von Passau, dass er sich zwar ''frumb, erbar, nüchtern, kheusch und züchtig, also sine quaerela gehalten'' habe, ''was aber das predigen belangdt, hatt er woll khain gnadt darzue.'' &lt;br /&gt;
Als Puchseer 1599 starb, war Khlesl bereits Bischof von Wien. Die Verwaltung des Stiftes wurde dem Konventualen Johannes Hofmann übergeben, eben jener, der schon einmal versucht hatte, die Leitung des Klosters zu übernehmen. Dass jedoch die Spiritualien dem St. Pöltner Chorherrn [[Georg Ursus]] zur Administration überantwortet wurden und dass das Offizialat beim Kaiser ansuchte, er möge auch die Temporalien übertragen bekommen, zeugen davon, dass man die Akte Hofmann nicht vergessen hatte. Hofmann wandte sich auch an die Bürgerschaft Dürnsteins, und diese unterstützte seine Bewerbung um die Prälatur bei der Grundobrigkeit, weil man sich kannte und auf gute Nachbarschaft hoffte, also wohl von seiner Seite keine gegenreformatorischen Maßnahmen in der protestantischen Stadt erwartete. Als Hofmanns Bemühungen keine Erfolge zeitigten, verschwand er - er war der letzte Konventuale in Dürnstein gewesen. Georg Ursus schaffte es kaum, ganz allein alle geistlichen Aufgaben wahrzunehmen und erhielt zudem kaum Unterhalt von den weltlichen Administratoren, die der Klosterrat eingesetzt hatte. An eine Propstwahl war wieder einmal nicht zu denken, doch selbst eine Postulation war schwierig, da die Situation auch in den anderen Klöstern des Ordens kaum besser war. Als neuer Prälat wurde schließlich der Propst von [[St. Andrä an der Traisen]] namens [[Melchior Kniepichler]], ehemals Chorherr des Stiftes St. Pölten, nach Dürnstein transferiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Melchior war schon bei seinen Zeitgenossen eine umstrittene Person. Man warf ihm vor, in seiner Wirtschaftsführung die Schuldenlast zu vergrößern und mit seinem eigenmächtigen Handeln die Rechte seiner Konventualen zu übergehen. Sein schroff es Auftreten polarisierte, besonders in seiner Auseinandersetzung mit den Gläubigen der evangelischen Konfession. Er vertrat einen durchaus kämpferischen, gegenreformatorischen Katholizismus,und letztlich wird gerade diese Beharrlichkeit dazu beigetragen haben, dass man ihn in mehreren Klöstern zum Propst postulierte. &lt;br /&gt;
Die Frage der Konfessionszugehörigkeit war zu jener Zeit unmittelbar auch eine Frage der politischen Macht und der gesellschaftlichen Ordnung. Das führte unweigerlich dazu, dass theologische Bestimmungen über sakramentale Gnadenwirkung, über Rechtfertigung des sündigen Menschen und die Rolle der Kleriker in der konkreten Situation von Pastoral und Herrschaft als Polemiken in handfesten Streitigkeiten instrumentalisiert wurden. Als sich der evangelische Schlossprediger des Georg Rueber in Grafenwörth „Pfarrer von St. Johann&amp;quot; nannte, war Propst Melchior Kniepichler entrüstet, schließlich sei er nur ''ein pur lauterer lay und seinem stanndt nach ainem jeden schneider und schuester gleich''. Für ihn waren solche Leute nichts als „sektische Seelenmörder,die zudem noch das Volk aufwiegelten&amp;quot;, denn es seien &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;dieses die frücht der lutherischen evangelii, das – wo solches eingerissen – daselbst allerley widerspennigkheit, truz, aufruehr, zertrennung des hailsambenfridens, verachtung des loblichen gesetz und obrigkheiten, unndtertrückhung der alten warheit und allerley Laster und gewaltthätigkheiten im schwang gehen.&amp;quot;&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schwere Anschuldigungen erhob der Propst auch gegen die Bürger der Stadt Dürnstein, mit denen schon die Pröpste Adam und Balthasar Konflikte gehabt hatten. Kniepichler warf ihn en vor, die Kirchenrechnung nicht ordnungsgemäß zu legen - die Verwaltung der pfarrlichen Liegenschaften lag ja seit dem späteren Mittelalter in Händen einer Zeche, einer Korporation der Pfarrleute unter Vorsitz des Zechmeisters. Weiters beklagte er, dass die Bürger die Pfarrkirche überhaupt nicht mehr besuchten, sondern die Sakramente beim evangelischen Prediger im nahe gelegenen Weißenkirchen empfingen, wo sie ihm doch als ihrem Pfarrherrn Gehorsam schuldeten. Die Kinder würde man in einer eigenen Schule unterrichten, anstatt sie in die Pfarrschule zu schicken, und Bestattungen würden eigenmächtig auf einem eigenen Friedhof vorgenommen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den landesfürstlichen Behörden fanden diese Klagen Gehör: Unter Rudolf II. begannen auch in Niederösterreich die ersten Maßnahmen zur Rekatholisierung zu greifen. In Dürnstein stellte sich eine Abordnung von kaiserlichen Reformationskommissären bei Richter und Rat ein und wies einen landesfürstlichen Befehl vor, nachdem die vom Propst angezeigten Verfehlungen sofort einzustellen seien. Der Stadtrichter Marx Preuhauser berief sich in seiner Erwiderung auf die Zugehörigkeit zur Dürnsteiner Grundobrigkeit - und tatsächlich war dem evangelischen Adel die freie Religionsausübung noch nicht untersagt worden - und verlangte für die anderen Anklagepunkte ein ordentliches Verfahren vor dem landesfürstlichen Gericht. Denn was die Kirchengüter betreffe, so habe der Propst selbst die Ernte der Pfarre ins Stift bringen lassen und die Zechlade mit allen Urkunden, die die Besitzungen der Pfarrkirche belegten, unrechtmäßig an sich genommen. Für die Kinder werde keine Schule unterhalten, sondern der Stadtrichter unterweise die Kinder seiner Familie zu Hause ''im gebett, in gottsfurcht und lere sy das abc und buchstabiren.''&lt;br /&gt;
Von beiden Seiten wurde der Streit mit heftiger Polemik und scharf en Worten geführt: Propst Melchior beschrieb die Bürger als widerspenstige, respektlose Rebellen, die die katholische Konfession als „abgötterey“ verunglimpften, Mistgruben entlang der Klostermauer anlegten und ihn mit zahlreichen städtischen Steuerforderungen traktierten. Die Bürger wiederum stellten den Propst als üblen Despoten dar, der ihnen Bestattungen auf dem Friedhof der Pfarre verweigerte mit den Worten, „wir sollten unsere stinkhenden leichnamb gleichwoll in die Thonaw oder ander unsaubere örther werffen und verscharren. Die Dürnst einer Grundherrin Regina Streun intervenierte bei Erzherzog Matthias für ihre Bürger und erbat, dass sie ihrer Religion wegen nicht weiter belastet werden sollten, zu der sie sich stets „frey und offen bekhandt, auch darinnen erzogen worden“ seien. Verschiedentlich getroffene Vergleiche zwischen Stift und Stadt, die vor Schiedsgerichten ausverhandelt wurden und besonders die Kirchengüter, die Stolgebühren und die städtischen Abgabenforderungen betrafen, konnten den Konflikt nicht endgültig beilegen. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1622 erging schließlich auf entsprechendes Gesuch des Propstes Melchior hin an die Stadt der kaiserliche Befehl, an der Fronleichnamsprozession teilzunehmen, wo mit den Bürgern ein offenes Bekenntnis zum Katholizismus abverlangt wurde. Wer weiterhin seiner evangelischen Konfession treu bleiben wollte, war schon bald zum Auswandern gezwungen: auch etliche Dürnsteiner Familien lösten 1629 ihren Haushalt auf und verließen das Land. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1609 wurde Melchior Kniepichler als neuer Propst von Herzogenburg postuliert. Ein Chorherr des dortgen Kapitels, der ursprünglich selbst gewählt, aber von der Wahlkommission nicht bestätigt worden war, erhob beim Offizialat erfolglos Einspruch gegen Kniepichler, der nichts als Schulden in Dürnstein hinterlassen habe und außerdem streitsüchtig und dem Trunke und den Frauen ergeben sei. Nach Dürnstein wurde [[Thomas Parstorffer]], ein Konventuale aus [[Waldhausen]] postuliert, welches Kloster ihn 1612 als seinen neuen Propst zurückrief. Die weiteren Jahre stand Dürnstein unter der Administration von [[Stift Göttweig]]. Geeignete Kandidaten für die Nachfolge konnten nicht gefunden werden bzw. konnten sich staatliche und kirchliche Stellen auf keinen neuen Propst einigen. Mittlerweile war der Konflikt zwischen dem Herzogenburger Kapitel und seinem Propst Melchior Kniepichler eskaliert: Er war des Konkubinats angeklagt und seines Amtes enthoben worden. Als 1618 eine Neuwahl in Herzogenburg anstand, wehrte man sich gegen eine eventuelle Wiedereinsetzung Kniepichlers, der schließlich wieder nach Dürnstein berufen wurde und dort bis zu seinem Tod 1628 Propst blieb. &lt;br /&gt;
Als das Kapitel in diesem Jahr zur Neuwahl zusammentrat, erhielten zwei Kandidaten die gleiche Stimmenanzahl: [[Matthäus Khuen]], Profess und Senior aus Dürnstein und Vikar in Grafenwörth, und [[Nikolaus Hay]], Profess in Herzogenburg und Pfarrer von Haitzendorf. Hay, der aus Franken stammte, war bereits 1621 zum Herzogenburger Propst gewählt worden, hatte jedoch zugunsten eines vom Kaiser favorisierten Gegenkandidaten verzichtet. Nachdem die Wahlkommission Matthäus Khuen als für nicht tauglich zum Propstamt befunden hatte, wurde Nikolaus Hay zum Prälaten erhoben und verblieb fast 20Jahre in diesem Amt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
In dieser Zeit begann die Gegenreformation auch die letzten Reste evangelischer Religionsausübung aufzuspüren und zu beseitigen. Propst Nikolaus erhielt den kaiserlichen Auftrag, Nachforschungen über geheime Bündnisse „unkatholischer Bürger“ in Dürnstein und Weißenkirchen anzustellen und darüber zu berichten. Sein Nachfolger als Propst, Matthias Feldhorn, seit langem wieder der erste Dürnsteiner Konventuale in diesem Amt, wurde vom Kaiser zum Reformationskommissär im Viertel ober dem Manhartsberg für das Tal Wachau ernannt. Er ließ Berichte über die Konfessionsbekenntnisse der Untertanen erstellen, Privathäuser, in denen evangelische Gottesdienste gefeiert wurden, aufspüren, Pönalen für Widerspenstigkeit verhängen sowie verbotene Bücher konfiszieren. Selbst in dieser Zeit der Verfolgung findet sich in einem Verhörprotokoll die Beteuerung einer Untertanin, niemals durch Ablegung der Beichte und Empfang der Kommunion eine Konversion zum katholischen Glauben vollziehen zu wolle, und ''wenn man sie darzue wird bewzingen wollen, sie sich in die fluht begebe.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Barock und Aufklärung=== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Neuzeit hatte sich das Klosterleben durch innere und äußere Umstände sehr weit von seinen ursprünglichen Idealen entfernt gehabt. Die Restauration der Klöster im Zuge der katholischen Reform sollte ihren Ausdruck nicht nur in einer Entfaltung eines nach außen dargestellten neuen, barocken Glanzes finden, sondern auch eine innere Erneuerung einleiten. Mit dem Sieg des Katholizismus, dem sich das habsburgische Herrscherhaus eng verbunden hatte, und nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges begann eine sinnenfällige, dem Volksbrauch nahestehende Frömmigkeit Alltag und Festzeit im religiösen Leben zu prägen und die Berufungen zum Priesteramt wurden zahlreicher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Konvent von Dürnstein hatte sich wieder vergrößert und bedurfte einer Besinnung auf die alten Regeln und Statuten des Ordensleben, die gleichzeitig auch einer neuen Zeit Rechnung trugen. Bereits 1630 hatte eine Visitation durch den Propst von Klosterneuburg stattgefunden, der dem Dürnsteiner Konvent erneuerte Hausstatuten verordnete, die den Tageslauf im klösterlichen Zusammenleben ''morem vetustorum imitando'', dem alten Brauch nacheifernd, gestalten sollten. &lt;br /&gt;
Die von bischöflicher Seite 1665 durchgeführte Visitation legte folgende Richtlinien fest: Die Klausur, die man in den letzten Jahren vernachlässigt hatte, sollte wieder streng beachtet werden. Das Ordensgewand sollte ohne jeden Luxus sein und stets getragen werden, auch in der Öffentlichkeit. Privateigentum der Chorherren wurde untersagt, auch die Kirchengüter der Pfarren sollten die Vikare als Eigentum des Stiftes und nicht als ihr persönliches betrachten. Zu bestimmten Stunden sei auf das Schweigen im Kloster Bedacht zu nehmen, Erholungszeiten sollten den Konventualen ein- oder zweimal in der Woche gewährt werden. Dafür sollten sie Erlaubnis zum Spaziergang sowie einen eigenen Aufenthaltsraum und geeignete Spiele erhalten. Die Mahlzeiten sollten dem Stand eines Religiosen angemessen sein: sie hatten sättigend zu sein, aber nicht zu erlesen und zu süß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit dieser Visitation bekleidete [[Reinhard Faust]] das Amt des Propstes. Er stammte aus Mainz und hatte vorher dem Jesuitenorden angehört. Bei der Umsetzung der Klosterreform hatte er keine sehr glückliche Hand und zeigte wenig Geschick in der Leitung des Konvents. Die Chorherren opponierten gegen ihn und brachten eine seitenlange Klageschrift beim Passauer Offizialat ein. Sie beschrieben ihren Prälaten als ausgesprochen tyrannischen und herrschsüchtigen Menschen, der ständig ein Terzerol, also eine kleine Taschenpistole, bei sich trage und sie damit bedrohe. Jede Zusammenkunft der Brüder verhindere er und sie ''derffen diebus recreationis nit spazirn gehen noch mitain- ander offentlich dicurrirn, dieweil er ihm einbilt, man redet von ihm.'' Er führe die Wirtschaft schlecht und verschenke alle Pretiosen. Besonders ausführlich wurde er beschuldigt, ein Verhältnis zur Frau seines Hofmeisters zu unterhalten, die er mit Geschenken überhäufe, so dass sie, ''welche vorhero ein armes weib, sich zu Tirnstein alß ein vornems von adl geklaidet'', und überhaupt sich schon wie die Hausherrin im Kloster gebärde. Er beschimpfe seine Konventualen als ''bueben, pachanten, esel, idioten, adulteros'',sperre sie grundlos in den Klosterkerker und mache ihnen das Leben so schwer, dass ein Mitbruder am Sterbebett bekannt habe: ''der Faust ist schuldig an meinem unzeitigen todt''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Reinhard führte seinerseits gegen seine Konventualen Klage, dass sie ihm den Gehorsam verweigerten, eine Theateraufführung am Festtag des heiligen Augustinus zu einem Affront gegen seine Autorität gemacht und ihm schließlich angedroht hätten, seine Absetzung wegen schlechter Verwaltung der Klostergüter zu betreiben. Als Rädelsführer benannte er den Dechanten [[Franz Feldhorn]], einen Bruder seines Vorgängers als Propst, und den Professen [[Honorius Arthofer]]. Man fand schließlich mit Hilfe einer Schlichtungskommission in einigen konkreten Punkten zu einem Vergleich zwischen Propst und Kapitel: Dass der Dechant wieder Verfügung über das Konventsiegel bekommen und ein Inventar der Kirchen schätze angelegt werden sollte, konnte dem eigenmächtigen Wirtschaften des Propstes entgegenwirken. Die Konventualen wurden ermahnt, die Ordensstatuten zu befolgen, sie sollten auch nicht in den Gebäuden des Propstes, sondern im Kapitelhaus wohnen. Die engen Zellen sollte der Propst für sie ausbauen, dass sie genügend Licht und Luft empfingen. Der Appell, einander ansonsten in brüderlicher Liebe zu begegnen, fruchtete wenig. Der Versuch, die Lage durch Einsetzung eines neuen Dechanten zu entschärfen, brachte nur neuen Zwiespalt. Feldhorn war zwar bereit zu resignieren, wollte aber Arthofer als seinen Nachfolger sehen. Als schließlich wenig später im Jahr 1668 Propst Reinhard starb, wurde der von ihm so geschmähte &amp;quot;Rebell&amp;quot; Honorius Arthofer sogar zum neuen Prälaten erwählt. Unter seiner Regierung wurde das neu ausgebaute Kapitelgebäude fertig gestellt. &lt;br /&gt;
Sein Nachfolger war Karl Donrey, der allerdings schon nach wenigen Jahren bat, von der Bürde dieses Amtes, dem er sich weder gesundheitlich noch seelisch gewachsen fühlte , entbunden zu werden und eine Pension zu erhalten, die ihm ein standesgemäßes Leben ermöglichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von bischöflicher Seite erachtete man es für notwendig, einen neuen Propst von einem anderen Kloster nach Dürnstein zu berufen, da die Konventualen die Gutmütigkeit Donreys, der ''die einsambkheit mehr als das regiern liebet'',in einer Weise missbraucht hatten, dass sie ''ganz dissolut worden, allen respect und gehorsamb, auch die clösterliche disciplin genzlich vergessen undt so liderlich worden'', dass kein tauglicher Nachfolger unter ihnen zu finden sei. DieWahl per Stimmzettel brachte im Konvent das vom Offizialat gewünschte Ergebnis: Es wurde [[Gottfried von Haslingen]], ein Profess aus St. Dorothea, dem sein Propst ein gutes Zeugnis ausstellte, installiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den Pröpsten der Barockzeit ist vor allem die Erinnerung an [[Hieronymus Übelbacher]] bis heute lebendig geblieben, war er es doch, der den Umbau seines Klosters im Stil seiner Zeit nicht nur leitete, sondern nachweislich selbst großen Anteil am Programm und der Ausgestaltung des barocken Bauwerks nahm. Übelbacher wurde 1674 in Hollabrunn als Sohn bürgerlicher Eltern geboren, mit 18 Jahren trat er in den Orden ein und legte seine Profess in Dürnstein unter Propst Gottfried ab, den er sehr schätzte. Er studierte Theologie in Olmütz und Wien und erhielt die Priesterweihe. Im Stift hatte er mehrere Stiftsämter inne, er war auch Verwalter des Dürnsteiner Hofes in Wien und damit für die äußeren Angelegenheiten des Kapitels zuständig. Nach dem Tod von Propst Gottfried im Jahr 1710 wählten ihn seine 20 Mitbrüder zum neuen Prälaten. Er bekleidete nicht, wie manche seiner Vorgänger, ein Amt in der Niederösterreichischen Landschaft und verkaufte darum das Dürnsteiner Haus in der Wiener Singerstraße. 1722 errichtete er für seine Kleriker eine Hauslehranstalt, an der er selbst philosophische und theologische Fächer vortrug. Seine Aufzeichnungen über seine Geldaufwendungen, die er in Schreibkalender eintrug und durch tagebuchähnlichen Notizen ergänzte, belegen, dass er sich mit allen Details des barocken Umbaus eingehend befasste, sodass die Klostergebäude heute nicht nur das Stilempfinden ihrer Zeit und die Eigenheiten ihrer berühmten Baumeister repräsentieren, sondern in hohem Maß auch die persönlichen Vorlieben des Propstes Hieronymus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur mehr zwei Pröpste sollten ihm nach seinem Tod 1740 nachfolgen, [[Maximilian Leeb]] und [[Dominik Ruemer]]. Danach wurde das Stift von Kaiser Joseph II. aufgehoben. Die Ursache dafür lag im gewandelten Verhältnis des aufgeklärten Absolutismus gegenüber den kirchlichen und vor allem klösterlichen Einrichtungen. Weder die rechtliche und wirtschaftliche Eigenständigkeit der Konvente noch ihre besondere Religiosität passten in die Vorstellungen von einem Untertanenstaat, in dem allen kirchlichen Amtsträgern eine dem Gemein- bzw. Staatswohl dienende Funktion zugedacht war. Da die österreichische spätbarocke Kirche zudem mehr als reichlichen Priesternachwuchs hervorgebracht hatte, erachtete man den Ordensklerus als verzichtbar gegenüber den Weltklerikern, die in der staatlich beförderten und intensivierten Pfarrseelsorge eingesetzt wurden. &lt;br /&gt;
Stift Dürnstein hatte überdies in josephinischer Zeit mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen: Der Personalstand betrug damals zwar 13 Chorherren, von diesen waren aber nur sechs zur Seelsorge in den Pfarren Dürnstein, Grafenwörth und Engabrunn (eine ehemalige Filiale von Grafenwörth) voll tauglich. Propst Dominik Ruemer, ein gebürtiger Dürnsteiner, war ein betagter Greis von über 80 Jahren. Der Stiftsdechant [[Franz Hoffmann]] ersuchte das Konsistorium des neu gegründeten Bischofssitzes in St. Pölten, die Stiftsadministration aus den Händen des senilen Propstes in die des Dechants zu übertragen, um weiterem Schaden vorzubeugen. Doch dies wäre als eine Angelegenheit der Temporalien eine Agenda der staatlichen Behörden gewesen, welche man aber nur ungern über die Dürnsteiner Situation in Kenntnis setzen wollte. &lt;br /&gt;
1787 starb Propst Dominik und eine Neuwahl wurde vorerst hinausgezögert. Mit Beschluss vom 19. Jänner 1788 wurde das Kloster schließlich aufgehoben, dem nahegelegenen Stift Herzogenburg einverleibt und die Stiftsherrschaft dem dortigen Prälaten zur Administration übergeben. Mit der Beauftragung von Propst [[Michael Teufel]] hatte man diese Aufgabe in umsichtige und bewährte Hände gelegt. Dass man ihn trotzdem schon nach einem Jahr zu einem Rechtfertigungsbericht über seine Verwaltertätigkeit aufforderte, lag an einer Denunziation eines ehemaligen Kanonikers aus Dürnstein, der damit spekulierte, eventuell selbst Administrator werden zu können. Propst Michael Teufel konterte seine Anschuldigungen mit Bravour und legte seinen Wirtschaftsplan vor, der von der Regierung genehmigt wurde: Im Klostergebäude wurden neben dem Pfarrer und seinen Kooperatoren auch die Schule und die Wohnung des Lehrers untergebracht. Mobilien und Liegenschaften wurden in Vorbereitung einer Versteigerung geschätzt: Der Erlös sollte dem Religionsfonds zugeführt werden, einer staatlichen Einrichtung, aus der Kirchenbau und Priesterbesoldung finanziert wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1790 starb Joseph II. und sein Nachfolger Leopold II. erwog, die Aufhebung rückgängig zu machen. Die Hofkommission empfahl jedoch, den getroffenen Beschluss beizubehalten, da das kleine Kloster zur Aushilfe in der Seelsorge nicht benötigt würde. Von den Dürnsteiner Chorherren gingen vier in Pension, den Rest nahm Stift Herzogenburg bei sich auf. Der Großteil der Liegenschaften, vor allem der Weingartenbesitz in der Wachau, wurde in den näcsten Jahren veräußert, einiges verblieb bei Herzogenburg. Klostergebäude und Stiftskirche sind bis heute erhalten geblieben: Gotischer Baukern und barocke Schaufassade legen Zeugnis ab von der wechselhaften Geschichte eines kleinen, doch keineswegs unbedeutenden österreichischen Chorherrenstiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche und soziale Entwicklung=== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stiftungsgut der neu gegründeten Kanonie kam zum Gutteil aus der Dotation der älteren Marienkapelle. Es bestand anfänglich aus Weingärten in Dürnstein und im benachbarten Loiben, aus Erträgen von Lehen in und um Zagging (ca. 15 km südlich von Dürnstein), welche Elisabeth von Kueming-Wallsee gehörten, und aus angekauften Gütern in der Nähe Zaggings in Merking, Rust und Hain. Die Zagginger Güter fielen nach Elisabeths Tod an ihre Familie, die Kapelle erhielt dafür die Güter der Feste Streitwiesen (Nähe Pöggstall) und den Hof Neidegg in Oberloiben. Aus der Dotation der Dorotheakapelle im Kreuzgang stammten die stiftlichen Besitzungen in Willendorf in der Wachau, Groisbach, Litzendorf, Thalham und Schlaubing (bei Maria Laach am Jauerling). Die Dörfer Reichau und Ostra (nördlich von Dürnstein) erlangte das Stift aus der Dotation der inkorporierten Johanneskapelle in der Burg Dürnstein. Auch etliche Geld- und Naturaliendienste von Häusern, Wein- und Obstgärten gehörten zur Ausstattung. Einen eigenen Meierhof hatte das Kloster nicht nur in Dürnstein selbst, sondern auch in der Pfarre Grafenwörth für die Erträge aus den Kirchengütern in Grafenwörth, Wagram, Gösing und Kamp. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etliche Stiftungen erweiterten in der Folge die ökonomische Grundlage des jungen Klosters. Zahlreich waren im 15. Jahrhundert die Seelgeräte, mit denen eine Familie einen jährlichen Gelddienst, der an einen Weingarten oder Acker gebunden war, dem Stift übertrug, wofür die Chorherren einen &amp;quot;ewigen Jahrtag&amp;quot; begingen, also jährich eine Seelemnesse zelebrierten. Eine größere Zuwendung, nämlich Erträge aus Weißenkirchen, Joching und Wösendorf, erhielt das Stift 1415 durch eine Schenkung von Berthold von Basel, dem Arzt von Herzog Albrecht V. Der Pfarrer von Ravelsbach, Ulrich Hippeldorfer, stiftete einige Jahre später mehrere Liegenschaften und Einkünfte zu Parisdorf (bei Ravelsbach). Hans Härtl, der Bürgermeister von Krems und Stein, widmete 1499 mehrere Weingärten und Äcker bei Dürnstein und Loiben sowie einige Pretiosen an die neue Hl.-Kreuz-Kapelle im Kreuzgang, später &amp;quot;Kremser Kapelle&amp;quot; genannt . Zu gewendete Gelder wurden von den Pröpsten in den Ankauf weiterer Liegenschaften investiert, denn Grundbesitz war die wichtigste Kapitalanlage der klösterlichen Wirtschaftsführung. So wurden etwa Weingärten in Rohrendorf (bei Krems) und Zöbing (bei Langenlois) erworben. &lt;br /&gt;
Mit landwirtschaftlichen Produkten wurde das Kloster unter anderem durch die Abgaben seiner Grundholden versorgt. Das waren Bauern, die den Grundbesitz des Klosters meist in Form einer Erbleihe oder auch zu Leibgeding erhielten und dafür Getreide, Hühner, Gänse, Eier, Käse sowie Pfennigdienste ablieferten. Zu den bedeutendsten Einnahmequellen des Stiftes gehörte jedoch von Anfang an der Weinverkauf. Das Recht, im Stiftskeller in Dürnstein eine Weinausschank zu betreiben, hatte bereits Stephan von Haslach für die Marienkapelle erworben. Die Schank war von der Zahlung des Ungelds, einer landesfürstlichen Alkoholsteuer, befreit, und zwar für Wein, den das Stift in Eigenbau erwirtschaftete, für eine Menge von 10 Dreiling Wein jährlich, also etwa 12.000 Liter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch andere landesfürstliche Privilegien unterstützten die Wirtschaftsführung: 1413 erteilte Herzog Albrecht V. das Recht, aus den landesfürstlichen Wäldern bei Dürnstein Brennholz zu entnehmen - ein Privileg, das das Stift gegenüber den verschiedenen Herrschaftsinhabern manchmal nur schwer durchsetzen konnte. 1415 gewährte der Herzog das Recht, Getreide zum eigenen Bedarf mautfrei ins Kloster zu führen. Weiters sollten die Chorherren vom landesfürstlichen Amtmann in Gmunden jährlich eine bestimmte Menge Salz beziehen. Diese Salzlieferung blieb bis 1784 aufrecht. &lt;br /&gt;
Die Besitzungen des Stiftes Dürnstein waren insgesamt nicht besonders groß, und im Prälatenstand rangierte der Propst weit hinter den wohlhabenderen Konventen . Dennoch reichten die Einkünfte im 15. Jahrhundert für den Unterhalt von durchschnittlich 15 Konventualen. Diese brachten zudem ihr privates Vermögen in das Stift ein, denn auch wenn der Adelsvorbehalt in den Klöstern der alten Orden im Spätmittelalter bereits gefallen war, so traten doch keine gänzlich Besitzlosen in ein Chorherrenstift ein. Über die Herkunft der Professen lassen sich jedoch aufgrund mangelnder Quellen nur vage Angaben treffen. Viele kamen aus der näheren oder weiteren Umgebung: aus Dürnstein, Loiben, Weißenkirchen, Weitra, Zwettl, Krems, Stein, Tulln, Laa an der Thaya, Waidhofen , Klosterneuburg, Wien, Wels, Steyregg oder Graz. In der frühen Neuzeit, als es an Nachwuchs und auch Ausbildungsmöglichkeiten in den österreichischen Klöstern fehlte, kamen die Prälaten bisweilen auch aus entfernter liegenden Orten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Budweis stammte Propst [[Urban Hanal]], der dem Stift 1521 bis 1544 vorstand. Zu dieser Zeit waren Grundherrschaften umwälzenden ökonomischen Veränderungen ausgesetzt. Das mittelalterliche System der Rentenwirtschaft, in dem die fixen Abgaben der Bauern nicht auf Preisschwankungen reagierten und daher in Krisenzeiten ein Sinken der herrschaftlichen Realeinkünfte zur Folge hatte, wich allmählich einer marktorientierten Produktion und der Erwirtschaftung von Mehrwert, der im traditionellen Feudalsystem nicht zu erzielen war. Ökonomische und soziale Gegensätze wurden zunehmend größer und innerhalb der ständisch gegliederten Gesellschaft, in der auch für ein Kloster Ausgaben für Repräsentation unerlässlich waren, stieg der Geldbedarf. Verschärft wurden die Geldnöte Dürnsteins noch durch die hohen Steuern, mit denen die Kriege gegen das Osmanische Reich finanziert wurden und mit denen besonders die geistlichen Grundherrschaften schwer belastet wurden. In einer Gülteinlage - einer Besitzaufstellung als Grundlage für die Steuerbemessung - weisen die Chorherren den stiftlichen Neideggerhof in Oberloiben und den Scheibenhof bei Dürnstein als öde aus, beklagen weiters, dass ihnen in Grafenwörth großer Schaden entstehe ''von dem wasser und guß der Tunaw und Champ, das dy vergangnn jarenn gar woll der drittaill vexung verdorben im stadl und auff dem veldt ist und dass in Dürnstein einige Weingärten der reiff pissen hat.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig blieben aufgrund veränderter Glaubensvorstellungen die Stiftungen aus und der Konvent schrumpfte ständig. Damit verlor auch die stiftliche Verwaltung an Effizienz, die Weingärten wurden nicht bewirtschaftet und die Einkünfte sanken. Propst Urban erwies in dieser schwierigen Lage wenig Geschick: Er deckte den Geldbedarf durch Verkauf von Grundbesitz und entzog damit dem Kloster seine wirtschaftliche Basis. Seine Nachfolger waren lange damit beschäftigt, diese Güter wiederzuerlangen. &lt;br /&gt;
Da der Weinbau der wichtigste und vielversprechendste Wirtschaftszweig Dürnsteins war, versuchte das Stift in diesem Bereich die Einnahmen zuerhöhen. Propst [[Jakob Reisser]] verpachtete die brachliegenden Weingärten an Dürnsteiner Bürger. Das Kloster stellte den Inhabern der Weingärten Geräte und Presse zur Verfügung und erhielt die Hälfte oder das Drittel des Ertrags. Dem nächsten Propst, Adam Faber, gelang 1573 eine Erweiterung der Besitzungen, indem er bei den landesfürstlichen Behörden erwirkte, dass das aufgelassene Klarissenkloster, das dem Stift direkt benachbart lag, mitsamt seinen Gütern seinem Kloster einverleibt wurde. &lt;br /&gt;
Wie andere Grundherrn versuchte in der Folge auch Stift Dürnstein seine Erträge zu steigern, indem es den Anteil der Eigenwirtschaft erhöhte und den Weinbau mit billigen Lohnarbeitern zu betreiben begann. Die Bürger Dürnsteins, die wegen der Konfessionsfrage ohnedies in heftigem Streit mit dem Kloster lagen, beschwerten sich bitter über Propst Melchior Kniepichler , dass er die klösterlichen Weingärten, die sie als Pächter in schlechtem Zustand übernommen und wieder kultiviert hätten, nun an „außwendigen, ja auch herrnlosen gesindl und ledigen hauern“ gegeben habe, die im alten Nonnenkloster hausten, der Stadt keine Steuern brächten und nur Unfug anstellten. &lt;br /&gt;
Eine wichtige Einnahmequelle für ein Kloster waren auch die spezifisch kirchlichen Einkünfte. Der Zehent, also das Zehntel des landwirtschaftlichen Ertrages, den die Pfarrleute an den Patronatsherrn ihrer Kirche abführen mussten, teilte sich Dürnstein für die Pfarre Grafenwörth mit dem Stift Herzogenburg im Verhältnis 2 : 1. Den Zehent der Pfarre Dürnstein erhielt das Stift erst ab 1573 durch die Übernahme des Klarissenklosters, das den Chorherren zwar das Patronat abgetreten, aber weiterhin über die Güter und Einnahmen der Pfarre verfügt hatte. Den halben Dürnsteiner Weinzehent musste das Stift aber der Pfarre Krems überlassen, deren Filialkirche die Pfarre Dürnstein früher gewesen war. Es waren nicht zuletzt die Einkünfte aus den Kirchengütern und den Stolgebühren, die für liturgische Handlungen zu entrichten waren, die Anlass zu langen Auseinandersetzungen mit den evangelischen Untertanen gaben. &lt;br /&gt;
Überhaupt konkretisierten sich Konflikte zwischen dem katholischen Stift und der protestantischen Bürgerschaft oft in strittigen Geldangelegenheiten. Die Stadtregierung lenkte im 16. Jahrhundert mit großem Selbstbewusstsein die Angelegenheiten des Gemeinwesens und die Bürger errichteten repräsentative Häuser, die dem Ort bis heute sein Gepräge geben . Die Steuerforderungen des Rates erschienen dem Stift unangemessen, während andererseits die Bürger die Erhöhung der Pachtgelder beklagten. Das Chorherrenstift besaß auch seit der Zeit seiner Gründung das „Urfahr&amp;quot;, also das Recht auf den Fährbetrieb auf der Donau. 1596 beschwerte sich Propst [[Balthasar]] bei Richter und Rat der Stadt, dass sie ohne sein Einverständnis die Urfahr-Ordnung geändert hätten, und dass sie jedem Bürger, der ans gegenüberliegende Rossatz zum ''sectischen predicanten'', also zum evangelischen Prediger, übersetzen wollte, nur einen statt der bisherigen zwei Pfennige abverlangten. Außerdem hätte der Pächter des Fährbetriebs so viele Ausnahmen gewährt, dass schon fast jeder Bürger sein eigenes Boot besäße. &lt;br /&gt;
Schwierigkeiten in der Verwaltung brachten imm er wieder dieilmerstiftlichen Pro- bleme Dürnsteins mit sich. Bestand der Konvent noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus fast 20 Chorherren, so sank der Konventualenstand während der Regierung von Propst Urban bis 1544 auf einen einzigen Chorherren herab. Die nächsten hundert Jahre änderte sich daran wenig, so dass die folgenden acht Pröpste aus anderen Stiften berufen werden mussten: aus St. Dorothea, aus Herzogenburg, [[St. Pölten]], Klosterneuburg und Waldhausen. Die Administration war dementsprechend schwierig. Propst Balthasar Puchseer begann 1597 einen langen Rechtsstreit mit dem Pächter der stiftlichen Weingärten in Zöbing, der dieselben unrechtmäßig an sich gezogen habe, obwohl sein Leibgedingvertrag aufgrund seiner schlechten Hauerarbeit gelöst worden war. Ausständige Pachtgelder versuchte noch Propst Melchior Kniepichler bei der Witwe des Pächters einzutreiben. Propst Melchior begann auch Listen anlegen zu lassen über jene Besitzungen, die dem Stift während der Reformationszeit von der evangelischen Grundobrigkeit bzw. den Bürgern in Dürnstein entzogen worden waren, und forderte ausständige Grunddienste aus den vergangenen Jahrzehnten ein. &lt;br /&gt;
Eine weitere Möglichkeit der Gewinnmaximierung war die Arrondierung des klösterlichen Streubesitzes, bei dem die Bewirtschaftung aufwändiger und die Gefahr einer Entfremdung größer war. Solchen Grundbesitz hatte Dürnstein mit dem Amt Ederding, das in der Nähe Herzogenburgs lag und aus dem Besitz des ehemaligen Klarissenklosters stammte. Propst Nikolaus Hay tauschte 1634 dieses Amt mit den dazugehörigen Liegenschaften und Untertanen in Ederding und Oberwinden gegen die dem Stift Herzogenburg inkorporierte Pfarre Haitzendorf, der Nachbarpfarre von Grafenwörth. Jedoch hielt der Kontrakt nicht lange, denn ab 1664 sind wieder Herzogenburger Chorherren in Haitzendorf tätig. Dürnstein bekam dafür auf 15 Jahre die landesfürstliche Pfarre Hadersdorf am Kamp verliehen, deren Einkünfte helfen sollten, die Stiftschulden abzutragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1663 erwarb Propst [[Matthias Feldhorn]] den nahe gelegenen Förthof (bei Stein) mit allen Untertanen und Weingärten. Dass er den Kaufpreis von fast 10.000 Gulden aufbringen konnte, beweist, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse des Stiftes sich allmählich konsolidiert hatten. Die Rechnungsbücher, die ab dieser Zeit überliefert sind, weisen bereits positive Bilanzen im Jahresbudget auf. Größere Ausgaben wurden durch Darlehen finanziert, wie die Zahlungen von Kreditzinsen belegen. &lt;br /&gt;
Auch die Größe des Konvents hatte wieder seinen früheren Stand erreicht, wenngleich die Gemeinschaft der Chorherren noch einige Zeit aufgerieben wurde im Spannungsverhältnis zwischen den strengen Ordensstatuten, der barocken Lebensführung des Klerikerstandes und des Adels, der abgerissenen Tradition klösterlicher Spiritualität und der Autorität mancher inkompetenter Pröpste. Doch fand man schließlich zu einem geregelten Klosterleben und achtete auch auf eine entsprechende Ausbildung der Chorherren, für die Propst Hieronymus Übelbacher 1722 eine Hauslehranstalt errichten ließ. &lt;br /&gt;
Gleichzeitig wurde auch die Verwaltung übersichtlicher und stiftsintern organisierter. Im ausgehenden 17. und im 18.Jahrhundert waren bereits alle Leistungen der Grundholden und Untertanen, die das Stift erhielt, in Geldabgaben umgewandelt. Auch die Robot, also die Arbeitsleistung, zu der die Bauern ihren Grundherren gegenüber verpflichtet waren, konnte in Geld beglichen werden, bis sie unter der Regierung Josephs II. vollkommen aufgehoben wurde. Ein Gutteil der regelmäßigen Einnahmen des Stiftes bestanden aus Herrschaftseinkünften aus obrigkeitlichen Rechten: von den Holden Dienste und Besitzveränderungsabgaben bzw. von Pächtern Pachtgeld, von Untertanen Gerichtstaxen für Heiratsbewilligungen, Verlassenschaftsverhandlungen oder ähnliches und Steuern . Das Stift hatte im 18. Jahrhundert etwa 230 Untertanen, vor allem in Grafenwörth, weiters in Willendorf in der Wachau, in der Kremser Gegend (Förthof, Rührsdorf), am Wagram (Großwiesendorf), bei Herzogenburg (Oberwinden, Ederding), bei Böheimkirchen (Dürnhag), bei Ravelsbach (in Meiseldorf), in Ostra und Harrau (Gerichtsbezirk Spitz), Henndorf (Gerichtsbezirk Scheibbs), Bernharts und Kamles (Gerichtsbezirk Ottenschlag), Kilb (Gerichtsbezirk Mank) und Dürnstein. Der Zehent war verpachtet und wurde ebenfalls in Geld eingenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast ebenso viel wie alle diese Einnahmen zusammen erbrachte im 18. Jahrhundert der Weinbau in den Wachauer Weinbergen: Der Wein wurde im Dürnsteiner Stiftskeller und im Förthof ausgeschenkt bzw. in größeren Mengen gehandelt, wobei das Stift auch Käufer in Oberösterreich, Salzburg und Bayern hatte. Später hatte auch der Verkauf von Branntwein und Obst einen gewissen Anteil am stiftlichen Einkommen. Bei den jährlichen Ausgaben waren die Steuern an das Land sowie die Baukosten die größten Einzelposten, weiters die Aufwendungen für den Weinbau und für den Stiftsbetrieb mit Küche, Meierhof und Handwerkern. &lt;br /&gt;
Wie sehr im Bewusstsein der Bevölkerung das Stift auch als Wirtschaftskörper sein Umfeld ökonomisch und sozial geprägt hatte, zeigt sich in einem Gesuch der Dürnsteiner Bürgerschaft aus dem Jahr 1789. Man erbat die Abtretung von einigen Joch Land aus dem Besitz des aufgehobenen Klosters, weil alle landwirtschaftliche Nutzungsfläche in der Stadt durch Stiftungen oder Kauf an das Kloster gekommen sei und jetzt kein Haus mehr genug Grund dabei hätte, um auch nur ein Pferd zu ernähren. Die Bürger hätten sich beim Stift als Hauerknechte verdingen müssen, und die Weingärten, die sie noch besäßen, seien die schlechten und gebirgigen. Durch die Aufhebung des Stiftes sei den Bürgern noch ein zusätzlicher Verdienst entgangen, da man früher Arbeit im Kloster gefunden hatte, vor allem, wenn der Propst Gäste hatte. Der Herzogenburger Propst Michael Teufel, der das aufgehobene Stift administrierte, sah in seinem Wirtschaftsplan vor, das Fährmannshaus und die Taverne des Stiftes an die Bürgerschaft abzutreten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute wird das Stiftsgebäude, in dem neben den Räumen der Pfarre auch eine Volksschule untergebracht ist, für verschiedene Veranstaltungen und Ausstellungen genützt, eine Präsentation von Geschichte und Spiritualität des Chorherrenordens wird ständig gezeigt. Das eindrucksvolle barocke Bauwerk zieht auch viele Besucher an, und der aufmerksame Betrachter kann entdecken, dass dem reichhaltigen, barocken Figurenprogramm nicht nur religiöse Inhalte zugrunde liegen, sondern dass auch die sehr irdischen und profanen Aspekte klösterlichen Lebens, seine Wirtschaft und Verwaltung, ihren künstlerischen Ausdruck gefunden haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otto von Maissau übernahm bei der Stiftung 1410 auch die Vogtei über die junge Kanonie, entband sie jedoch von allen Abgaben, die üblicherweise damit verbunden waren. Für den Fall seines kinderlosen Todes übertrug er das Vogteirecht 1412 Herzog Albrecht V. Dieser nahm das Stift 1413 in seinen Schutz und verfügte, dass keiner seiner Pfleger, Landrichter und Amtsleute die Stiftsuntertanen ''besweren noch anvallen'' dürfe, jedoch ausgenommen die dem Landgericht vorbehaltenen Fälle. Dies waren in der Regel die Straftaten, die mit dem Tod geahndet wurden, nämlich Mord, Raub und Vergewaltigung. &lt;br /&gt;
Kaiser Friedrich III. bestätigte 1459 dieses Recht der niederen Gerichtsbarkeit sowie die anderen Privilegien des Stiftes, die vor allem wirtschaftlich wichtig waren, nämlich das Urfahr, die Befreiung von Ungeld und Maut, die Salzlieferungen und das Recht der Brennholzentnahme aus den herrschaftlichen Wäldern. Als ''obrister erbvogt und petvogt'' über die Klöster seines Landes gestattete Friedrich III. die freie Wahl von Untervögten und verfügte, dass das Stift alle Rechte und Freiheiten innehaben sollte wie ''die andre gefürste clöster hie in dem land''. Damit war Dürnstein rechtlich den landesfürstlichen Klöstern gleichgestellt. Relevant wurde die Rechtsstellung Dürnsteins vor allem in der Reformationszeit, in der das Passauer Offizialat gegenüber dem Klosterrat stets betonte, dass das Stift unmittelbar dem Bischof von Passau unterstellt sei und der Kaiser und Landesfürst daher kein Recht habe, auf die Propsterhebung Einfluss zu nehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Grundausstattung jedes Klosters gehört auch ein Bestand an Büchern. Für die Feiern der Gottesdienste benötigte man liturgische Bücher und Predigten, für das Chorgebet Breviere, für die Unterweisung der Novizen und Schüler Grammatiken und andere didaktische und theologische Schriften. Weiters sollten natürlich Abschriften der Regel des heiligen Augustinus und der Ordensvorschriften vorhanden sein. Aus der Dürnsteiner Bibliothek sind bis heute zwei Abschriften der überarbeiteten Raudnitzer Statuten erhalten geblieben, eine davon aus dem 15. Jahrhundert (Stiftsbibliothek Herzogenburg). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihrem Testament hinterließ Elisabeth von Kuenring, Witwe Eberhards von Wallsee, 1379 der von ihr gestifteten Marienkapelle in Dürnstein „alle meine puecher dawtschew und laetin“, die wohl die Grundlage für die Bibliothek des Chorherrenstiftes bildeten. Einzelne Buchschenkungen an die Chorherren sind auch im 15. Jahrhundert bezeugt, als das Stift als Reformkloster in gutem Ruf stand und das Studium von Büchern wichtiger Bestandteil des klösterlichen Lebens war. Man verfügte über die Schriften der Kirchenväter, über theologische Summen, Bibelexegesen, Dekretalensammlungen, Erzählungen über Tugend und Laster, Heiligenviten und dergleichen mehr. Frühdrucke des 15. Jahrhunderts wurden in Dürnstein selbst illuminiert und in kunstvoll verzierte Ledereinbände gebunden. Viele Dürnsteiner Inkunabeln au s dieser versierten Werkstatt sind in der Frühdruckesammlung der Östereichischen Nationalbibliothek überliefert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Neuzeit dürften die Bibliotheksbestände des kleinen Chorherrenstifts nicht allzu sehr angewachsen sein. Der älteste erhaltene, vollständige Katalog datiert erst aus dem Jahr 1710 und wurde auf Verlangen der bei den Propstwahlen anwesenden landesfürstlichen Kommission anlässlich der Erhebung von Hieronymus Übelbacher zum Prälaten angelegt. Er liegt dem Stiftsinventar in den Klosterakten der Niederösterreichischen Regierung bei, heute im Landesarchiv in St.Pölten. Er verzeichnet etwa 650 bis 700 Bände, wobei vermerkt ist, dass die Ankäufe des Vorgängers von Propst Hieronymus, Gottfried von Haslingen, in der Höhe von 600 Gulden noch nicht berücksichtigt sind. Die Bücher erscheinen in Sachgruppen zusammengefasst: Fast die Hälfte sind „pia opera“, fromme Werke, theologische Literatur und Gebetsbücher, weiters geschichtliche Werke, Grammatiken, Sammlungen von kirchlichen und weltlichen Gesetzestexten, philosophische und medizinische Abhandlungen. Propst Hieronymus hat selbst etliche Bücher angekauft, wie aus seinen Aufzeichnungen über die Rechnungen von Buchhändlern und Buchbindern ersichtlich ist. Er las regelmäßig mehrere Zeitungen und notierte sich daraus Anzeigen über neu erschienene Bücher, die er anzuschaffen gedachte. Bücher wurden zu dieser Zeit noch ungebunden erworben und erst danach von einem Buchbinder nach Wünschen des Besitzers mit einem Ledereinband versehen. Ein Messbuch für Pontifikalämter ließ Propst Hieronymus in rotem Samt binden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hieronymus Übelbacher, der den barocken Umbau des Stiftes geleitet hatte, 1740 starb, war ein Bibliotheksraum noch nicht vorhanden. Die Bücher waren jedoch bereits aus dem alten Bibliothekssaal, der nunmehr als Dechantenwohnung dienen sollte, ausgelagert worden und lagen noch in Kisten verwahrt. Doch auch später hat das Stift keinen repräsentativen Büchersaal mehr bekommen, wie man ihn sonst in den barocken Klöstern findet. Adalbert Blumenschein, der 1781 eine Beschreibung der niederösterreichischen Bibliotheken hinterlassen hat, berichtet über Dürnstein, dass es eine gar nicht viel bedeutende Bücherkammer besitze. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Stiftes wurden die Bücher in 24 eigens dafür angefertigte Kisten verpackt und 1789 an Paul Strattmann überstellt. Er war nicht nur Direktor der Wiener Universitätsbibliothek, sondern auch in der Hofbibliothek tätig. Bücher mit Dürnsteiner Besitzvermerken finden sich heute sowohl in der Universitäts- als auch in der Nationalbibliothek. Einige wenige Handschriften sind heute noch in der Herzogenburger Stiftsbibliothek vorhanden. Sie stammen möglicherweise aus Nachlässen von Dürnsteiner Chorherren, die in Herzogenburg aufgenommen worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kunst- und Baugeschichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die ersten Bauten in Spätmittelalter und Früher Neuzeit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Grund des Kuenringerhofes, den Elisabeth von Kuenring-Wallsee nach dem Tod ihres Mannes (†1363) von ihren Verwandten erworben hatte, ließ sie eine Marienkapelle erbauen, in der 1373 schon Gottesdienste abgehalten wurden. Die Mauern dieser Kapelle stimmen wahrscheinlich teilweise mit den Mauern des Presbyteriums der heutigen Stiftskirche überein. Mit dem ersten Stiftungsbrief vom 15. Juni 1378 wurde der Unterhalt eines Kaplans und zwei weiterer Priester an der Kapelle gesichert. Die Jahreszahl 1378 wurde in Erinnerung an dieses Gründungsdatum beim barocken Umbau am Giebel über der Einfahrt des Klosters angebracht. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod Elisabeths († 1379) trat ihr Verwandter Heidenreich von Maissau in ihre Nachfolge. Nachdem in zwei weiteren Stiftungsbriefen die Ausstattung der Kapelle vergrößert und die Anzahl der Priester erhöht worden war, konnte der Kaplan Stephan von Haslach das Gotteshaus bis 1407 durch Krypta, Langhaus und Kreuzgang baulich so erweitern, dass es der Liturgie einer größeren Priestergemeinschaft entsprochen hat. Die gotischen Strebepfeiler an der Außenseite der Kirche, ein schwarz-weiß gemaltes gotisches Fries mit kleeblattförmigen Vierpassmotiven an der nördlichen Außenwand des Presbyteriums und ein Maßwerkfragment im Kreuzgang sind heute noch sichtbare Zeugen dieser Bauetappe. Stephan ließ auch die nötigen Gebäude für den Lebensraum dieser Kommunität errichten: Schlafsaal, Speiseraum (das alte Refektorium lag ebenerdig im heutigen Nordtrakt), Kapitelsaal und die dazugehörigen Wirtschaftsräume. Im Jahr 1407 gewährte der Bischof von Passau die Umwandlung der Kapelle in eine weltliche Kollegiatkirche. &lt;br /&gt;
Auf der Stiftungsurkunde von 1410 ist in eine r Miniatur zur Initiale Elisabeth von Kuenring zu sehen: In einer Kapelle, die auf der nördlichen Seite offen ist, kniet sie vor der Gottesmutter. Diese Kapelle, die möglicherweise Anklänge an das tatsächlich errichtete Gotteshaus hat, wird mit einem 5/8 - Abschluss und einschiffig dargestellt. Weiters ist ein vermutlich als sechseckig zu interpretierender Turm mit gotischem Abschluss zu sehen. Nach dem jüngsten Baubefund besaß die mittelalterliche Kirche ein Mittelschiff und südlich davon ein halb so breites Seitenschiff. Der teilweise noch aus dieser Zeit erhaltene Dachstuhl bestätigt dies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1440 wurden Gebäude westlich des damalig en Stiftsareals erworben. Propst [[Johannes von Waidhofen]] (1431-1469) bezog diese Bauten in den Klosterkomplex ein und errichtete für die Mitbrüder einen eigenen Konventtrakt. Das Refektorium wurde vom Nordtrakt in den Mitteltrakt verlegt. Im darunter Iiegenden Kellergeschoß ließ der Propst einen Weinkeller anle gen. Dieser Johanneskeller ist ein kreuzgratge wö lbter Raum, der von einer Mittelsäule gestützt wird. Für den Stiftsbau wurden ältere Bauteile im Westen und Teile des Kuenringerhofes im Osten mitverwendet. Davon zeugen nicht nur der - ebenerdig an der Nordostseite gelegene - spätgotische Wirtschaftsraum mit seinen bei- den achtseitigen Mittelpfeilern, sondern auch einige Grundmauern der Kirche und der Sakristei. Die Klosteranlage wurde auf dem zur Verfügung stehenden engen Areal zwischen Hauptstraße und Donau sukzessive erweitert. Das Stift hatte nun eine Größe erreicht, die es auch in Zukunft beibehalten sollte. &lt;br /&gt;
Von Umbauarbeit en unter Propst Franz Abstemius (1544 - 1553) zeugt eine auf einem Türsturz zum Konventtrakt eingemeißelte Bauinschrift, die das hier bereitete „aurelianische Haus&amp;quot; preist (1553), vermutlich eine Anspielung auf Aurelius Augustinus, nach dessen Ordensregel die Chorherren lebten. Zum Besitz des Stiftes gehörte ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert auch das benachbarte Klarissenkloster, das 1571 zu bestehen aufgehört hatte. Hierher wurden die meisten Wirtschaftsbetriebe (Viehhaltung, Körner- und vielleicht auch die Weinwirtschaft) ausgelagert. &lt;br /&gt;
Auf einem Stich von Matthäus Merian vom Jahre 1649 ist die Anlage des Stiftes vor dem barocken Umbau gut erkennbar. Im Westen war der Kapiteltrakt mit den Wohnungen der Priester und des Dechants. Unter den turmartigen Gebäuden im Süden (auf der Donauseite) erstreckte sich die Bibliothek und im Trakt zum Kirchturm zu die Prälatur. Die Kirche mit dem viereckigen Turm, den schmalen gotischen Fenstern sowie mit der Kapelle im Kreuzgang ist gut zu sehen. Im Nordtrakt waren Küche und Bäckereiuntergebracht. Im nord-südgerichteten Mitteltrakt war das Refektorium, der Speisesaal der Chorherren, eingerichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die barocke Stiftsanlage===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Barockisierung der Stiftsgebäude fand unter Propst Honorius Arthofer (1668 - 1678) statt. Unteranderem ließ er den Kapiteltrakt im Westen der Stiftsanlage mit neuen Wohnräumen für die Chorherren ausbauen. Den ersten Anstoß zu diesem Ausbau gab ein vor dem Passauer Offizialat getroffener Vergleich im Streit zwischen Propst Reinhard Faust und seinem Konvent (siehe oben). Der Trakt wurde durch den St. Pöltner Maurermeister Hanns Georg Probst 1676 neu- bzw. umgebaut. Dabei wurden gotische Bauelemente, wie Konsolen, Tür- und Fensterumrahmungen, die heute noch sichtbar sind, erhalten. Es wurden je fünf Zimmer im Erd- und Obergeschoß für die Chorherren errichtet. An der Stirnseite des Konventtraktes zur Donau hin war ehemals das Wappen mit der Inschrift „H.A.P.T. 1676&amp;quot; (&amp;quot;''Honorius Arthofer, Propst zu Tirnstein''&amp;quot;) angebracht. Heute befindet sich an dieser Stelle das Wappenpaar des Stiftes Dürnstein und des Propstes [[Maximilian Fürnsinn]] von Herzogenburg mit der Jahreszahl 1989, dem Abschlussjahr der Generalrestaurierung. &lt;br /&gt;
Die zweite Barockisierung nahm Propst [[Karl Donrey]] (1678-1692) vor . Dabei wurde die Kirche um ein Seitenschiff nach Norden vergrößert, das Langhaus um eine Achse erweitert und das Presbyterium um diese Einheit verkürzt. In einer baulichen Meisterleistung wurde der gotische Dachstuhl der Kirche erhalten. Der neue barocke Dachstuhl für das nördliche Seitenschiff wurde 1685 an den gotischen angefügt. &lt;br /&gt;
Der nachfolgende Propst Gottfried von Haslingen (1692-1710) versuchte die wirtschaftliche Grundlage des Klosters zu stärken und begann mit dem Umbau des Klarissenklosters als Wirtschaftsgebäude und dem Neubau des Kellers mit einem Kellerschlössl in den Weinbergen vor der Stadt. Beide Bauvorhaben sollte sein Nachfolger weiterführen und beenden. &lt;br /&gt;
In die Regierungszeit dieses Propstes, Hieronymus Übelbacher (1710-1740), fällt die zweifellos wichtigste barocke Bauphase des Stiftes. Sie lässt sich durch die detaillierten Eintragungen des Propstes in seine Schreibkalender besonders gut nachvollziehen. Diese enthalten nicht nur die Nennungen der berühmen Künstler und Handwerker, die er am Bau beschäftigte, sondern sie geben auch Einblick über seine direkten Eingriffe in das Figurenprogramm: Den Künstlern präsentierte er Stiche als Vorlagen. Ebenso notierte er seine alltäglichen Probleme auf der Baustelle. Über einen Handwerkergesellen vermerkte er etwa: „Den 13. september nicht gearbeitet und den 14. nachmittag wieder gesoffen, dasser die augen nicht aufmachen künnen.“&lt;br /&gt;
Für den Umbau der Anlage de s ehemaligen Klarissenklosters in Wirtschaftsgebäude holte Propst Hieronymus fachlichen Rat bei Jakob Prandtauer, den er in seinem Diarium von 1716 als ''fürnehmen baumeisterzu St. Pölten und vielleicht fürnehmsten in ganz Österreich'' bezeichnet. Im nördlichen, gotischen Tor der ehemaligen Klarissenkirche lässt er eine barocke Torwölbung einziehen, sie trägt die Bauinschrift „17 HPZT 16&amp;quot; (,,Hieronymus, Propst zu Tiernstein, 1716&amp;quot;). &lt;br /&gt;
Auch an der Errichtung des neuen Weinkellers - dem Kellersehlössl - war Prandtauer maßgeblich beteiligt. Auf dem Giebel dieses Gebäudes ist ein Fresko einer fröhlichen Tischgesellschaft zu sehen, das von Wolfgang Ehrenreich Priefer von Miespach signiert wurde (1714). Wahrscheinlich sind links der Maler, weiters der Besitzer des Dürnsteiner Schlosses, Reichsgraf Konrad Sigmund Adam von Starhemberg, in der Mitte Propst Hieronymus und rechts Jakob Prandtauer dargestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1714/15 ließ Propst Hieronymus die Umbauarbeiten im Stiftshof beginnen. Prandtauer dürfte dazu einen ersten Entwurf geliefert haben, der im Zuge der Ausführung jedoch durch andere Künstler abgeändert wurde. Grundlegend war die weitgehende Beibehaltung alter Bausubstanz. So birgt etwa der gegenüber dem Eingang gelegene Westflügel des Stiftshofes nach wie vor das gotische, von einem Netzrippengewölbe überfangene Refektorium. Durch das Vorstellen von barocken Fassaden an der Nord- und Westseite und die Errichtung eines neuen zweigeschoßigen Ost- und Südtraktes entstand ein annähernd einheitlicher rechteckiger Hof. Auf diese Weise gelang es, den verwinkelten Komplex dem Symmetriebedürfnis barocken Stilwollens anzupassen. Dass dies nicht völlig gelingen konnte und der Hoftrapezförmig verzogen ist, schrieb Propst Hieronymus „dem schlechten platz“ zu, also der beengten Lage, die keine großzügigen Ausbaumaßnahmen erlaubte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ost-und Südtrakt wurde die Prälatur von Propst Hieronymus zum Teil neu erbaut. Während eines Aufenthaltes in Wien hatte der Propst im Stift St. Dorothea den Architekten Matthias Steinl kennen und schätzen gelernt. Dieser dürfte ihm Entwürfe für den Stiftsumbau geliefert haben. Joseph Munggenast war der ausführende Baumeister, der vermutlich im Auftrag Übelbachers einige Änderungen vornahm. Polier am Ort war Martin Schrittwieser. Da eine bauliche Erweiterung durch die topographische Lage des hart an der Donau gelegenen Stiftes nicht möglich war, konzentrierte sich die Barockisierung auf einen großen Formenreichtum architektonischer Akzente, die reich gegliedert und wohlüberlegt platziert wurden. Diese „Schmuckstücke&amp;quot;, für deren künstlerisches Programm Propst Übelbacher vielfach selbst Regie führte, stehen somit in einem reizvollen Kontrast zu der bewusst einfach gehaltenen Gliederung der einzelnen Trakte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Prälaturtrakt dominiert das große Stiftsportal, das nach einem Entwurf von Matthias Steinl vollendet wurde. Die Sandsteinfiguren (die beiden Atlanten, die Figuren Stärke und Wachsamkeit, sowie die Symbolgestalten von Glaube, Hoffnung und Liebe) wurden von den Bildhauern Joseph Päbel aus St. Pölten und Johann Schmidt, dem Vater des berühmten Malers Martin Johann Schmidt, sogenannter „Kremser Schmidt&amp;quot;, geliefert. Oberhalb der Wappen des Stiftes und des Propstes befindet sich eine lateinische Inschrift, deren Übersetzung lautet: ''Hieronymus seit dem Jahr der Gründung der Kanonie Dürnstein im Jahr 1378 der 30. Propst, 1718.''&lt;br /&gt;
In den Räumlichkeiten der Prälatur fällt besonders die Ausstattung des Kaminzimmers auf: Das Deckenfresko von Johann Gottlieb Starmayr, dem Lehrer des „Kremser Schmidt&amp;quot;, stellt ein Gastmahl des heiligen Augustinus dar. Vermutlich ist hier Propst Hieronymus Übelbacher mit einigen seiner Freunde dargestellt: ''Wer mein gast und fränd sein will, swaig evon fremden fählern still'', lautet die dazugehörige Inschrift. &lt;br /&gt;
Acht Seitenportale sind mit den Puttengruppen der vier Jahreszeiten, der vier Tageszeiten, der vier Elemente und der vier Erdteile bekrönt. Die Kartuschen mit 20 Imperatorenporträts fertigte der Kremser Stukkateur Johann Piazoll, der bei der Dekoration des Stiftskomplexes in die Nachfolge seines verstorben n Vaters Domenico getreten war. Die Einfahrt an der Ostseite schmückte er mit dem Löwenfell des Herkules. Diese kaiserlichen Symbole weisen vermutlich darauf hin, dass Kaiser Leopold I. 1683 in Dürnstein die Nachricht der Befreiung Wiens von den Türken erhielt. &lt;br /&gt;
Auch das Kirchenportal wurde wegen der besseren Wirkung in diesen Hof verlegt. Es zählt zu den Meisterwerken seiner Zeit. Von Matthias Steinl entworfen, wurde es 1725 von Joseph Munggenast ausgeführt. Unterstützt durch die Bildsprache soll das Tor von der irdischen Welt in die Sphäre des Sakralen führen. Die vier Sandsteinreliefs auf den Säulensockeln, darstellend die vier letzten Dinge (Tod und Gericht, Himmel und Hölle), die vier Kirchenväter mit dem auferstanden Christus in ihrer Mitte und das bekrönende Relief mit der erhöhten Schlange stammen von Johann Schmidt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kirche, Krypta und Kreuzgang===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um der Stiftskirche eine entsprechende Höhe zu verleihen und um den gotischen Dachstuhl beizubehalten, wurde von Joseph Munggenast und seinem Polier Martin Schrittwieser am 11. August 1717 mit der Tieferlegung der mittelalterlichen Gruft um 3 1⁄2 Schuh (ca. 1,10 Meter) begonnen. Das Bildprogramm der barockisierten Krypta zeigt an der Decke Illustrationen zur Apokalypse nach Stichvorlagen einer Bilderbibel, die der Kupferstecher Christoph Weigelerstmals1693 in Augsburg herausgegeben hatte. An den Wänden befinden sich Darstellungen, die sich auf den Tod und die letzten Dinge beziehen (Totengerippe als Papst, Bischof, Kaiser und König bekleidet). Der Hochaltar an der Ostseite der Krypta wurde als grottenartiger Kreuzigungsaltar nach einem Entwurf von Joseph Munggenast angefertigt. Im nördlich liegend en Stiegenabgang wurde der 1855 aufgefundene Grabstein von Stephan von Haslach (†1415) aufgestellt. In den direkt anschließenden Grufträumen befinden sich die Grabstätten mehrerer Dürnsteiner Pröpste und Konventualen des Stiftes. Über dieser Priestergruft wurde 1717 die Sakristei eingerichtet, deren Mauern wahrscheinlich noch vom ehemaligen Wohnturm des Kuenringerhof es stammen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am 25. April 1721 wurde der Grundstein zum Umbau der Kirche gelegt: Es enstand eine barocke Wandpfeilerkirche mit dreijochigem Langhaus. Der Innenraum der Kirche wurde einerseits durch die Tieferlegung des Kirchenniveaus und andererseits durch das Hineinragen des Deckengewölbes in den mittelalterlichen Dachstuhl auf 15 Meter erhöht. Der Entwurf stammt vermutlich von Matthias Steinl und Joseph Munggenast, welcher ausführender Bauleiter war. Das Innere der Kirche, dessen barocke Ausstattung vollständig erhalten ist, wurde außerordentlich dynamisch gestaltet.Besonders der Kontrast zwischen den Wandpfeilern, die je drei zum Langhaus hin geöffnete Seitenkapellen säumen, und den über diesen liegenden vor- und zurückschwingenden Emporen verleihen dem Raum Bewegung und Dramatik. Zusätzliche Plastizität und Formenreichtum erzielen die reichen Stuckarbeiten. Johann Piazoll stuckierte die Seitenkapellen, für das Kirchengewölbe verpflichtete Propst Übelbacher den Hofstukkateur Santino Bussi. Das theologische Programm der Stuckr eliefs, welches im Langhaus auf das Neue Testament und im Presbyterium auf die Eucharist ie Bezug nimmt, war diesem vom Prälaten und Bauherrn vorgegeben worden. Auch die beiden überlebensgroßen Figuren beiderseits des Hochaltarbildes - die hll. Augustinus und Possidius - sind seine Arbeiten. Bussis Vorschlag einer freiplastischen Gestaltung des gesamten Hochaltars kam allerdings nicht zur Ausführung. Stattdessen wurde ein Hochaltarbild „Maria Himmelfahrt&amp;quot; angebracht, das ebenso wie die Altarblätter der sechs Seitenkapellen von dem Wiener Maler und Architekten Carl Joseph Haringer gemalt wurde. Die beiden mittleren Altarblätter wurden allerdings 1767 durch die hervorragenden Bilder von Johann Martin Schmidt ersetzt: die hl. Monika vor Ambrosius und die Enthauptung der hl. Katharina. Unter diesen beiden Altarblättern wurden zwei Glassarkophage für die beiden, aus Rom importierten 11 Katakombenheiligen&amp;quot; Clemens und Faustinus errichtet. &lt;br /&gt;
Bei der Ausführung der weiteren Elemente der Innenausstattung wirkten neben Carl Haringer, der auch die Ölgemälde im Langhaus und die14 ovalen Apostelbilderanden Gewölbeansätzen malte, der Bildhauer Johann Schmidt, sowie der St. Pöltner Kunsttischler Hippolyt Nallenburg. Zu ihren Arbeiten gehören das reichgeschnitzte Chorgestühl, die Kanzel mit Reliefs, welche Johannes den Täufer, Christus und Paulus als Prediger zeigen, sowie -als Gegenstück zur Kanzel- eine Holzfigur des hl. Nepomuk, deren Podest drei Reliefs mit Szenen aus der Nepomuklegende schmücken. Besondere Beachtung verdient gleichfalls der vergoldete Tabernakel in der originellen Gestalt einer drehbaren Weltkugel, geziert mit 44 Reliefs aus dem Leben Jesu von Johann Schmidt. Vorbild für die meisten Darstellungen waren wiederum die Kupferstiche aus der Bibel von Christoph Weigel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Orgel mit 16 Registern von Johannes Christoph Panzner wurde 1724 auf dem Musikchoraufgestellt. Sie bekam ein von dem Melker Benediktinerpater und Maler Bonifaz Gallner entworfenes Gehäuse, das ein Stiftstischler ausführte. Die Bildhauerarbeiten - König David und musizierende Putti - lieferte wieder Johann Schmidt. Unter dem Musikchor befindet sich der Betchor, wo die Priestergemeinschaft ihr gemeinsames Gotteslob betete. &lt;br /&gt;
Am 9. Juli 1724 weihte der Fürstbischof von Passau, Joseph Dominik Graf von Lamberg, die Stiftskirche. Das wohldurchdachte theologische Programm der vollendeten Innenausstattung findet in einem auch für die Zeitgenossen eindrucksvollen Formenreichtum seinen Ausdruck, der im lichten Kirchenraum zu einem sümenfälligen Gesamteindruck verschmilzt. Die Predigt des Administrators von Maria Taferl, Johann Carl Geyer, anläßlich der Kanzel weihe verherrlicht darum den Bauherrn, Propst Hieronymus Übelbacher, mit den Worten: &amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;Wann man jene salte, zerfallene, staubige, winkelhafte Werk und diesen nunmehr kostbar erneuten Kirchenhimmel [nämlich die Stiftskiche] gegeneinander haltet, mögt ihr wohl ohne Benambsung erraten, wem ich nach Gott das Lob sprechen könnte. Jener ists, der aus einem so finsteren Kerker, wie anvor zu sehen war, ein so prächtiges Gotteshaus hergestellet.&amp;quot; &amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zu den Pretiosen der Kirche zählt unter anderem eine aus Silber getriebene und vergoldete Monstranz, die Propst Hieronymus nach einem Entwurf von Matthias Steinl in Wien anfertigen ließ. An die wahrscheinlich sehr qualitätvolle Ausstattung der Kirche im Mittelalter erinnert heute nur noch eine Muttergottesstatue auf der Mondsichel um 1500 in der linken Seitenkapelle. Aus dem 14. Jahrhundert ist auch noch eine Muttergottesstatue erhalten, die im St. Pöltner Diözesanmuseum aufbewahrt wird. &lt;br /&gt;
Zugleich mit dem Kirchenumbau wurde auch der mittelalterliche Kreuzgang ab 1722 durch Joseph Munggenast umgestaltet. Dort befindet sich auch ein Heiliges Grab in einem bühnenartigen Aufbau, den der Theateringenieur des Kaiserhofes in Wien Antonio Galli Bibiena entwarf. Um der Karwochenliturgie die nötige Stimmung zu verleihen, wurden die Kreuzgangfenster durch zwölf Ölbilder mit Passionsdarstellungen, gemalt 1734 von Starmayr, verdeckt. Weiters befinden sich im Kreuzgang die Johanneskapelle, die Dorotheakapelle und die Geburt-Christi-Kapelle. Letzere hat einen Altar, dessen Figuren 1729 von Johann Schmidt geschnitzt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kirchturm wurde in seiner mittelalterlichen Bausubstanz erhalten und in barocker Ausgestaltung nach Plänen von Matthias Steindl ummantelt. Der obere Teil dürfte 1729 von dem ausführenden Baumei ster Joseph Munggenast verändert worden sein. Am 8. Juli 1733 wurde das Turmkreuz aufgesetzt. Auch der Turm zeigt ein reiches Figurenprogramm: Die vier Evangelistenfiguren am Turmhelm, die Putti mit den Leidenswerkzeugen, die Figuren über den Toren des Turmes, Maria und Johannes Nepomuk und die beiden Figuren an den Volutenpfeilern, Augustinus und Nikolaus, stammen von Johann Schmidt. Er lieferte auch die sieben Sandsteinreliefs an den Turmseiten, die das Leiden Christi darstellen. Der Turm erhielt 1734 eine blaue Färbelung: Mit der Farbe des Himmels ausgestattet überragt der Kirchturm das in Brauntönen gehaltene und das Irdische symbolisierende Stiftsgebäude. Damit bietet das Ensemble auch in der Farbgebung ein eindrucksvolles spirituelles Programm. &lt;br /&gt;
An der Westseite des Turmes und an der Westseite des Kreuzganges ließ Propst Hieronymus Übelbacher eine Altane mit einer Steinbalustrade errichten. Einige der Putten von Johann Schmidt tragen ein Herz, das Zeichen, das auf die Gottesliebe des Ordensgründers Augustinus hinweist. Der Turm zeigt zur Donau hin seine schönste Seite. Propst Hieronymus wollte mit diesem Turm eine in Stein geformte Predigt den Menscen seiner Zeit geben. Das Konzept atmet die Spiritualität der ''devotio moderna'', der Nachfolge Christi. In der Betrachtung des Lebens und Sterbens Christi soll der Mensch zur Einsicht gelangen und sein Leben nach dem Evangelium gestalten. In der barocken Umsetzung dieser Ideen wird die Kunst zur kraftvollen Überzeugung: das Christentum ist Sieger in dieser Welt. Damit wird der mittelalterliche Reformgeist aus Raudnitz spürbar, aber auch die Lebensfreude und Weltbejahung des Propstes Hieronymus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Hieronymus Übelbacher starb im Alter von 65 Jahren am 13. Jänner 1740. Er ist sicher den großen Barockprälaten der Donaustifte gleichzustellen, wenngleich auch sein Haus nicht so große Ausmaße erreichte. Es war für ihn nicht immer leicht den Bau zu führen. Er schreibt 1723 in seinen Tagebüchern , er wünschte, „dass ich in den Bau nicht involvieret wäre“. &lt;br /&gt;
Der letzte Propst des Stiftes, Dominik Ruemer (1751-1787), ließ an der Westempore in der Kirche die Musikempore einziehen sowie den Betchor erhöhen und dort einen Ofen aufstellen, damit an kalten Tagen das Chorgebet bei halbwegs erträglichen Temperaturen verrichtet werden konnte. Der nächste bedeutende Umbau war die Vergrößerung des Festsaales und die Erneuerung der Nebenzimmer. Das Fresko im Festsaal wurde 1775 von Martin Johann Schmid gemalt und stellt das Gastmahl des Pharisäers Simon dar: Jesus werden von der Sünderin die Füße gesalbt. Zum Festsaal gehört ein kleines Salettl, da s schon 1721von Propst Hieronymus eingerichtet wurde. Aus der Zeit des Propstes Dominik stammt auch ein vergoldeter, mit Steinen besetzter Silberkelch. &lt;br /&gt;
Mit der Aufhebung des Stiftes Dürnstein als eigenständige Kommunität im Jahre 1788 wurden die baulichen Aufgaben dem Stift Herzogenburg übertragen. Im Jahr darauf wird mit dem Zurichten ''des hiesigen Pfarrers Wohnung und der Schul und Schullehrers Wohnung'' begonnen. Die Schule befindet sich heute im ersten Stock des Nordtraktes, wo früher die Gastzimmer gelegen waren. &lt;br /&gt;
Die letzte große Außenrenovierung des Stiftes und der Kirche fand 1985 bis 1995 unter Propst Maximilian Fürnsinn statt. Unter der Aufsicht des Bundesdenkmalamtes wurden die Dächer der Kirche und Teile des Stiftsgebäudes neu gedeckt, viele Teile durch Trockenlegung gründlich saniert, sämtlicher Figurenschmuck restauriert und alle Fassaden neu gefärbelt. Das Stift Dürnstein vermittelt in seiner künstlerischen Ausgestaltung einen Hauch von barocker Lebensfreude. Es kann der Intention seiner Bauherren auch heute noch treu bleiben: den Betrachter von der Weite und Schönheit des irdischen Lebens zu einer Ahnung des Himmlischen zu führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archiv==&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Stiftes verblieb da s Archiv vorerst in Dürnstein, denn die Dokumente wurden für die weitere Verwaltung der Stiftsherrschaft benötigt, die in Händen des Herzogenburger Propstes Michael Teufel lag. Nach der Aufhebung der Grundobrigkeit 1848 wurde das Verwaltungsamt für die ehemaligen Dürnsteiner Liegenschaften nach Herzogenburg übersiedelt und damit auch die Registratur und in weiterer Folge auch das historische Archiv. Alles, was für die Verwaltung nicht benötigt wurde, hatte man jedoch nach der Aufhebung des Stiftes nicht weiter aufbewahrt, so dass heute vor allem die Quellen über die Geschichte des Konvents wie die älteren Nekrologe, Professbücher und Personalakten von Chorherren fehlen. &lt;br /&gt;
Der ehemalige Pfarrer von Dürnstein, der Herzogenburger Chorherr [[Wilhelm Biélsky]], der sich als Haushistoriker einen Namen gemacht hatte, ordnete um 1860 die ver bliebenen Archivalien, vor allem die beiden Urkundenreihen: die Urkunden des Chorherrenstiftes und jene des ehemaligen Klarissenklosters mit 390 bzw. 330 Pergamenturkunden. Erhalten sind weiters Grund- und andere Geschäftsbücher sowie Verwaltungs- und Wirtschaftsakten. Dieses Dürnsteiner Archiv stellt heute einen Teil des Stiftsarchivs von Herzogenburg dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Bauplänen des Barock ist keiner erhalten. Die frühesten Planaufnahmen stammen aus der Zeit um 1900 und sind im Bundesdenkmalamt aufbewahrt und teilweise in der Österreichischen Kunsttopographie veröffentlicht. &lt;br /&gt;
Die älteste Ansicht von Dürnstein zeigt die obere Burg und findet sich in der sogenannten „Bärenhaut&amp;quot;, einer handschriftlichen Aufzeichnung der Gründung und Dotation des Stiftes Zwettl (um 1320). Ein Bilddokument für die ältesten Stiftsbauten ist - neben der Darstellung der Marienkapelle im Stiftungsbrief von 1410 - der Wappenbrief der Stadt Dürnstein von 1476. Dort ist neben der Burg und der über ihr liegenden Vorburg auch die Chorherrenkirche mit einigen Nebengebäuden abgebildet. &lt;br /&gt;
Auf dem bereits oben beschriebenen Stich von Matthäus Merian vom Jahre 1649 sind neben der vorbarocken Stiftsanlage auch das Klarissenkloster, der Turm der Pfarrkirche, einige Häuser, das neue Schloss (Neubau von 1630), die Stadtbefestigung und die von den Schweden gesprengte Burg dargestellt. Auf der Radierung von Georg Matthias Vischer von 1672 sind neben der Burgruine der Turm der alten Pfarrkirche und das neue Schloss abgebildet. Die östliche Stadtmauer dominiert die Stadtansicht und gibt den Blick auf eine Kirche, wahrscheinlich die Stiftskirche, frei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter den zahlreichen Graphiken aus der Sammlung d es Propstes Hieronymus Übelbacher, mit denen die Räume des Kellerschlössls ausgestattet sind, befinden sich auch zwei lavierte Federzeichnungen mit Stiftsdarstellungen: In einer „Mariä Verkündigung&amp;quot; trägt der kniende Engel da s Modell des barocken Kirchenportals (um 1730), in einer Darstellung der Berufung des Zöllners Matthäus (um 1735), die vielleicht von Martin Johann Schmidt stammt, sind im Hintergrund ein Teil des barocken Stiftes und der Turmhelm zu sehen. &lt;br /&gt;
Ein großes Ölbild mit einer Ansicht der barocken Anlage, das sich im Stift befindet, malte Johann Gottlieb Starmayr 1733. Da der Turm noch nicht ganz vollendet ist, wurde er ungefärbelt, in einer neutralen grau-weißen Farbe gemalt. Die Topographische Sammlung der Niederösterreichischen Landesbibliothek verwahrt eine kolorierte Federzeichnnung von Johann Andreas Pfeffel der Ältere, aus der Zeit um 1745, die zwei Ansichten vom barock en Stift mit dem Prälatengarten zeigt. Auf einer Ansicht ist auch das Kellerschlössl zu sehen. &lt;br /&gt;
Im 19. Jahrhundert häufen sic h durch die aufkommende Reiseliteratur , in der die Wachau beschrieben wird, und durch die historische Literatur, in der die Gefangennahme des englischen Königs Richard Löwenherz oder die Schlacht bei Loiben von 1805 behandelt wird, die Stiche und Lithographien, die als Abbildung den Text illustrieren . Die als malerisch empfundene Wachau wurde in den stark nachgefragten Veduten besonders häufig dargestellt, etwa in dem mehrfach aufgelegten Werk „Historisch-malerische Darstellungen von Österreich&amp;quot;, das der Wiener Maler und Radierer Anton Köpp, Edler von Felsenthal, gemeinsam mit seinem Bruder Christoph 1814 herausgab. Eine blühende Landschaftsmalerei fand ihr Sujet recht häufig in Dürnstein, so etwa in den Bildern von Franz Barbarini (1820), Johann Josef Schindler (1830) und Thomas Ender (1830).Von vielen bekannten Biedermeiermalern sind Dürnsteiner Ansichten erhalten, etwa von Jakob Alt (1833) und seinem Sohn Rudolf von Alt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe des 19. Jahrhunderts war Dürnstein nicht nur Kulisse einer Genremalerei, sondern das zentrale Motiv für eine ganze Generation von Malern, etwa Wilhelm Bernatzik, Emil Strecker, Johann Nepomuk Geller, Wilhelm Gause und Josef Kienzel. Eduard von Lichtenfels, der einen bescheidenen Impressionismus österreichischer Prägung vertrat, hatte Dürnstein, wie schon vorher Thomas Ender, zum Standort seiner Schule auserwählt. Aus diesem Schülerkreis formte sich der Wachauer Künstlerbund, zu dem neben den bereits Genannten Robert Ruß, Eduard Zetsche, Heinrich Tomec, Ernst Graner, Max Suppantschitsch, Stephan Simony und Hans Ranzoni der Ältere gehörten. Viele ihrer Bilder befinden sich bei Dürnsteiner Familien, im Niederösterreichischen Landesmuseum und im Teisenhoferhof in Weißenkirchen. Als Vertreter der expressionistischen Richtung sei Anton Faistauer genannt (Ölbild im Niederösterreichischen Landesmuseum). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das Aufkommen der Ansichtskarten seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt es neben den fotografischen Aufnahmen auch Wiedergaben von Ölbildern, Aquarellen und Radierungen bedeutender Künstler. Von fast allen oben genannten und etlichen weiteren Künstlern wurden Werke mit der Ansicht von Dürnstein auf Postkarten gedruckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
*Joseph Chmel: Kleinere Historische Mitteilungen (Teildruck eines Dürnsteiner Urbars von 1533). In: Sitzungsberichte der k.k. Akademie der Wissenschaften. Phil-.hist. Kl 2.1849, S. 148–174.&lt;br /&gt;
*Necrologium Canoniae in Duernstein. In: Monumenta Germaniae historica. Necr. Germ. 5. Hg. v. Adalbert F. Fuchs. Berlin 1913, S. 434–436.&lt;br /&gt;
*Adalbert Fuchs (Hg.): Die Traditionsbücher des Benediktinerstiftes Göttweig (=Fontes rerum Austriacarum II/69). Wien / Leipzig 1940, S. 489.&lt;br /&gt;
*Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Band 1: Niederösterreich. Bearbeitet von Theodor Gottlieb. Wien 1915, S. 416/266.&lt;br /&gt;
*Hope Mayo: Descriptive Inventories of Manuscripts Microfilmed for the Hill Monastic Library. Austrian Libraries. Volume III: Herzogenburg. Collegeville/Minnesota 1985.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Joseph Chmel: Beiträge zur Adelsgeschichte. Die Herren von Wallsee im 14. Jahrhundert (Forts.). In: Notizenblatt. Beilage zum Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 4. 1854, S. 549–589.&lt;br /&gt;
*Ernö Déak: Dürnstein. In: Österreichisches Städtebuch. Band IV/1. Hg. v. Othmar Pickl. Wien 1988, S. 173–183.&lt;br /&gt;
*Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich nördlich der Donau. Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Agathe Deutschmann: Das Augustinr Chorherrenstift St. Dorothea in Wien. Diss. Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Dürnstein. Eine Burgstadt vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hg. von der Gesellschaft der Freunde Dürnsteins. Dürnstein 1976.&lt;br /&gt;
*Fritz Dworschak: Die Kalendernotizen des Propstes Hieonymus Übelbacher. Unveröffentlichtes Manuskript ca. 1960. Aufbewahrt im Verein für Landeskunde von Niederösterreich. St. Pölten.&lt;br /&gt;
*Heinrich Fasching: Die Chorherrenstifte von Wiener Neustadt – eine rechtsgeschichtliche Untersuchung. (Veröffentlichungen des kirchenhistorischen Instituts der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien 2). Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Sieglinde Fuchs: Die in Niederösterreich unter Josef II. aufgehobenen Klöster im Hinblick auf ihre Weiterverwendung. Diss. Univ. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Rudolf Gnevkow-Blume: Dürnstein. Die Malerstadt an der Donau. Wien/Leipzig 1932.&lt;br /&gt;
*Lydia Gröbl: Das Klarissnkloster in Dürnstein an der Donau 1289–1571. Diss. Wien 1998.&lt;br /&gt;
*Gottfried Hofmann: Dürnstein. Kunst und Geschichte. Krems 1952.&lt;br /&gt;
*König Richard I. Löwenherz von England (1189–1199). Hg. von der Stadt Dürnstein/Wachau. Schriftleitung: Fritz Dworschak/Willi Schwengler. Dürnstein 1966.&lt;br /&gt;
*Christian Lackner: Hof und Herrschaft. Rat, Kanzlei und Regierung der österreichischen Herzöge (1365–1406). In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband 41. Wien/München 2002.&lt;br /&gt;
*Otto Mazal: Datierte gotische Einbände aus dem Augustiner Chorherrenstift Dürnstein an der Donau. In: Bibliothekswesen und Forschung. Festgabe für Otto Mazal. Graz 1982, S. 127–132.&lt;br /&gt;
*Österreichische Kunsttopographie. Band 1: Die Denkmale des politischen Bezirkes Krems. Bearbeitet von Hans Tietze u.a. Wien 1907.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Kirche und das Kollegiatsstift der ehemaligen regulierten Chorherren zu Dürnstein. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg 2. Wien 1910, S. 181–344.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Payrich: Das Stift Herzogenburg. Theol. Diplomarbeit. Linz 1987.&lt;br /&gt;
*Helga Penz: Am Schauplatz der Schrift. Gebrauch, Verwahrung und Überlieferung von spätmittelalterlichem Schriftgut am Beispiel des Archivs des ehemaligen Chorherrenstiftes Dürnstein in Niederösterreich. In: Walter Pohl/Paul Herold (Hg.): Vom Nutzen des Schreibens. Soziales Gedächtnis, Herrschaft und Besitz im Mittelalter. (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 5. Österreichische Akademie der Wissenschaften. Phil.hist. Kl., Denkschriften 306). Wien 2002, S. 355–373.&lt;br /&gt;
*Alois Plesser: Zur Kirschengeschichgte des Waldviertels vor 1627. In: Geschichtliche Beilagen zum St. Pöltner Diözesan-Blatt 12. St. Pölten 1939, S 84–119.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Die Baugeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Dürnstein und das „neue Kloster“ de Propstes Hieronymus Übelbacher. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 26. 1973, S. 96–198.&lt;br /&gt;
*Leonore Pührunger-Zwanowetz: Stift Dürnstein (Kunstdenkmäler 6). Wien 1948.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig (Hg.): Die Stifte der Augustiner-Chorherren in Böhmen, Mähren und Ungarn. Klosterneuburg/Wien 1994.&lt;br /&gt;
*Eva Schmettan: Das Chorherrenstift Dürnstein. Diss. Wien 1948.&lt;br /&gt;
*Anneliese Schmitt: Ein Dürnsteiner Einband mit datierten Kopfstempeln. In: Gutenberg.Jahrbuch 70. 1995, S. 225–227.&lt;br /&gt;
*Franz Schönfellner: Krems zwischen Reformation und Gegenreformation. (Forschungen zur Landeskunde von Niederösterreich 24). Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Schuster: Altdeutsches Namenbuch. 5. Lieferung. Wien 1993, S. 296.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Schuster: Die Etymologie der niederösterreichischen Ortsnamen. 1 Tl. (Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich, Reihe B. Hg. v. Verein für Landeskunde von Niederösterreich). Wien 1989, S. 456.&lt;br /&gt;
*Stift Dürnstein. Eine Restaurierung. Hg. v. Amt der NÖ Landesregierung. Abt. III/2. Kulturabteilung (Denkmalpflege in Niederösterreich 1). 1987.&lt;br /&gt;
*Topographie von Niederösterreich. Hg. v. Verein für Landeskunde von Niederösterreich. 1. Band. Wien 1885, S. 375–386.&lt;br /&gt;
*Georg Wacha: Die Stukkateure in den Kalendernotizen des Propstes Hieronymus Übelbacher von Dürnstein. 1716–1739. In: Unsere Heimat 50. 1979, S. 196–203.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weigl: Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich. 2. Band. Wien 1965, S. 94.&lt;br /&gt;
*Huberta Weigl: Die Klosteranlagen Jakob Prandtauers. Diss. Wien. 1.Band (Textband). 2002, S. 288–294.&lt;br /&gt;
*Jakob Werner: Der Stukkateur Santino Bussi und die Innenausstattung der ehemaligen Stiftskirche Dürnstein. In: Das Waldviertel 43. 1994, S. 256–267.&lt;br /&gt;
*Theodor Wiedemann: Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Lande unter der Enns. 3. Band: Die reformatorische Bewegung im Bisthume Passau. Prag 1882.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien/München 1967.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg. Neue Folge 4. 1964, S. 111–127.&lt;br /&gt;
*Hans Wolf: Erläuterungen zum historischen Atlas der Alpenländer. Hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, II. Abteilung. Kirchen- und Grafschaftskarte. 6 Tl. Niederösterreich. Wien 1955.&lt;br /&gt;
*Ignaz Zibermayr: Die Legation des Kardinals Nikolaus Cusanus und die Ordensreform in der Kirchenprovinz Salzburg (Reformationsgeschichtliche Studien und Texte 29). Münster 1914.&lt;br /&gt;
*Ignaz Zibermayr: Zur Geschichte der Raudnitzer Reform. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband 11. 1929, S. 323–353.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei km donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]]. &lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatte seit 976 das Geschlecht der &amp;quot;Babenberger&amp;quot; das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. &lt;br /&gt;
Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes , der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. &lt;br /&gt;
Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat. &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen. &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. &lt;br /&gt;
Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war. &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes. &lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz. &lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen. &lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte. &lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern. &lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung. &lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran. &lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk. &lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden. &lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert. &lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden. &lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte. &lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert.&lt;br /&gt;
Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt. &lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen. &lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen. &lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften. &lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden. &lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters. &lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470. &lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär. &lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. &lt;br /&gt;
Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel. &lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs. &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten. &lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch. &lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. &lt;br /&gt;
Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold. &lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert. &lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren. &lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau. &lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute. &lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein. &lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt. &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung. &lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten. &lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest. &lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband. &lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes. &lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran. &lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen. &lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. &lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt. &lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''„summa cum consolationeet complacentia“'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende. &lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft. &lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte. &lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen. &lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt.&lt;br /&gt;
Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand. &lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet. &lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus &lt;br /&gt;
dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. &lt;br /&gt;
Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich. &lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste. &lt;br /&gt;
Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. &lt;br /&gt;
Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus. &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an. &lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn. &lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. &lt;br /&gt;
Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. &lt;br /&gt;
Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus. &lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. &lt;br /&gt;
In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. &lt;br /&gt;
Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an. &lt;br /&gt;
Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet. &lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. &lt;br /&gt;
Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall.&lt;br /&gt;
Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet.&lt;br /&gt;
Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor. &lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht. &lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark. &lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. &lt;br /&gt;
Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein). &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte. &lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien. &lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente. &lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut. &lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von Wolfgang Pauker ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes. &lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. &lt;br /&gt;
1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war. &lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. &lt;br /&gt;
Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle. &lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge. &lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen. &lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben. &lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. &lt;br /&gt;
In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell. &lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg, statistische und geschichtliche Daten. Wien 1958.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Das Stift Klosterneuburg und seine Pfarren. Wien 1914.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Karl Drexler: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S.  218ff.&lt;br /&gt;
*Maximilian Fischer: Merkwürdigere Schicksale des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1815.&lt;br /&gt;
*Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg. Erste Folge 1908–1919. 9 Bände. Neue Folge seit 1961. Bisher 15 Bände.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/ Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 115ff.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Jöchlinger: Andreas Weißenstein, erwählter Propst zu Klosterneuburg, und sein Kampf gegen das Staatskirchentum. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 110ff.&lt;br /&gt;
*Ubald Kostersitz: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Viktor Ludwig: Klosterneuburg – ein Heimatbüchlein für Schule und Haus. Wien 1924.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Stift und Stadt Klosterneuburg in den Ereignissen des Jahres 1848. Aus Maximilian Fischers zeitgenössischen Aufzeichnungen. In: Die Kultur 15. 1914, S. 315ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg in Niederösterreich. 3 Hefte (Österreichische Kunstbücher Band 11–13). Wien o.J.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Pfarrkirche von Hietzing. Wien 1899.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41.1990, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: IUC 1985. Heft 3/4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg (Wiener Geschichtsbücher Band 11). Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeinde Klosterneuburg. Band 1: Die Stadt. 1992. Band 2: Die Katastralgemeinden. 1993.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Kapelle von Hietzung – ein kirchliches Streitobjekt. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 34. 1978, S. 122ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Wien-Klosterneuburg 1994.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Von Afra zu Nikolaus. Eine Patroziniumsänderung als Zeichen der Kirchenreform? In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Graz 1988, S. 423f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig (Hg.): Der Albrechtsaltar und sein Meister. Wien 1981.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Leo Schabes: Alte liturgische Gebräuche und Zeremonien an der Stiftskirche zu Klosterneuburg. Klosterneuburg 1930.&lt;br /&gt;
*Gerrtraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Albert Starzer: Geschichte der landesfürstlichen Stadt Klosterneuburg. Klosterneuburg 1900.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Klosterneuburg. In: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeine Klosterneuburg. Klosterneuburg 1992. S. 39–96.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Lapidarium. Klosterneuburg 1991.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF .1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei km donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]]. &lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatte seit 976 das Geschlecht der &amp;quot;Babenberger&amp;quot; das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. &lt;br /&gt;
Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes , der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. &lt;br /&gt;
Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat. &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen. &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. &lt;br /&gt;
Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war. &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes. &lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz. &lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen. &lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte. &lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern. &lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung. &lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran. &lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk. &lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden. &lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert. &lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden. &lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte. &lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert.&lt;br /&gt;
Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt. &lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen. &lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen. &lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften. &lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden. &lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters. &lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470. &lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär. &lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. &lt;br /&gt;
Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel. &lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs. &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten. &lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch. &lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. &lt;br /&gt;
Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold. &lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert. &lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren. &lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau. &lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute. &lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein. &lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt. &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung. &lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten. &lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest. &lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband. &lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes. &lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran. &lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen. &lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. &lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt. &lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''„summa cum consolationeet complacentia“'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende. &lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft. &lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte. &lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen. &lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt.&lt;br /&gt;
Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand. &lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet. &lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus &lt;br /&gt;
dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. &lt;br /&gt;
Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich. &lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste. &lt;br /&gt;
Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. &lt;br /&gt;
Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus. &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an. &lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn. &lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. &lt;br /&gt;
Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. &lt;br /&gt;
Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus. &lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. &lt;br /&gt;
In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. &lt;br /&gt;
Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an. &lt;br /&gt;
Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet. &lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. &lt;br /&gt;
Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall.&lt;br /&gt;
Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet.&lt;br /&gt;
Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor. &lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht. &lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark. &lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. &lt;br /&gt;
Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein). &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte. &lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien. &lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente. &lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut. &lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von Wolfgang Pauker ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes. &lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. &lt;br /&gt;
1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war. &lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. &lt;br /&gt;
Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle. &lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge. &lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen. &lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben. &lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. &lt;br /&gt;
In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell. &lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literatur===&lt;br /&gt;
Literatur Klosterneuburg&lt;br /&gt;
*Michael Alram/Roswitha Denk/Wolfgang Szaivert: Die Münzsammlung des Augustiner Chorherrenstiftes Klosterneuburg. Wien 1989.&lt;br /&gt;
*Ludwig von Baldaß: Conrad Laib und die beiden Rueland Frueauf. Wien 1946.&lt;br /&gt;
*Dana Bennett Durand: The Vienna Klosterneuburg Map Corpus. Leiden 1952.&lt;br /&gt;
*Peter Bloch: Der siebenarmige Leuchter in Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 163ff.&lt;br /&gt;
*Helmut Buschhausen: Der Verduner Altar. Wien 1980.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg, statistische und geschichtliche Daten. Wien 1958.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Die Anfänge des Humanismus im Chorherrenstift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Das Schrift- und Buchwesen im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg 5. 1913.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Die Schriftsteller der noch bestehenden Augustiner-Chorherrenstifte Österreichs von 1600 bis auf den heutigen Tag. Wien 1905.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Tagebücher des Stiftes Klosterneuburg über die Invasion der Franzosen in Österreich in den Jahren 1805 und 1809. In: Jahrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 155ff.&lt;br /&gt;
*Berthold Cernik: Das Stift Klosterneuburg und seine Pfarren. Wien 1914.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Agnes. Herzogin, Markgräfin, Ehefrau und Mutter. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Heide Dienst: Die materiellen Grundlagen der Leopoldstiftung Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 187ff.&lt;br /&gt;
*Karl Drexler: Das Stift Klosterneuburg. Wien 1894.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Magister Petrus in Wien. In: Beiträge zur Mediävistik 1. Wien 1975, S.  218ff.&lt;br /&gt;
*Maximilian Fischer: Merkwürdigere Schicksale des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1815.&lt;br /&gt;
*Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg. Erste Folge 1908–1919. 9 Bände. Neue Folge seit 1961. Bisher 15 Bände.&lt;br /&gt;
*Karl Hilscher: Geschichte der Pfarre und Kirche St. Johann v. Nepumuk in Wien XII. Wien 1917.&lt;br /&gt;
*Anton Hofer: Ein Leben für künstlerisches Gestalten. Bozen 1978.&lt;br /&gt;
*Karl Holubar: Das Grundbuch der Stiftsherrschaft Klosterneuburg zwischen 1620 und 1800. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 14. 1991, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Gerald Höller: Das Rechnungswesen der Stiftsherrschaft Klosterneuburg. Zur Funktion des grundherrlichen Rentamts im 18. u. 19. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 15. 1994, S. 149ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Jakob: Die Fest-Orgel in der Stiftskirche Klosterneuburg, Wien 1990.&lt;br /&gt;
*Walter Jaksch/ Edith Fischer/Franz Kroller: Österreichischer Bibliotheksbau. 1 Band: Von der Gotik bis zur Moderne. Graz 1992, S. 215ff.&lt;br /&gt;
*Friedrich Fritz: Die Kriegsrüstungen des Stiftes Klosterneuburg im 16. Jahrhundert. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 115ff.&lt;br /&gt;
*Gabriela Fritzsche: Die Entwicklung des „neuen Realismus“ in der Wiener Malerei 1331 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Wien 1983.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Gotische Glasmalereien aus dem Kreuzgang in Klosterneuburg. Klosterneuburg 1963.&lt;br /&gt;
*Eva Frodl-Kraft: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 1. Teil. Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Jöchlinger: Andreas Weißenstein, erwählter Propst zu Klosterneuburg, und sein Kampf gegen das Staatskirchentum. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: Der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1993: „…höchst frapant und pittoresk…“ – Biedermeier in Klosterneuburg.&lt;br /&gt;
*Katalog Ausstellung Klosterneuburg1994: Von Rebstock und Riesenfaß.&lt;br /&gt;
*Johannes Keeß: Trifaria domus Astriacae gloria …. Wien 1714.&lt;br /&gt;
*Gerda Koller: Kolomann Knapp – Ein Leben im Schatten des Konzils. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 110ff.&lt;br /&gt;
*Ubald Kostersitz: Das Chorherrenstift Klosterneuburg. Würzburg 1882.&lt;br /&gt;
*Berthold Koy: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Floridus Leeb (1782–1799). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Martin Krexner: Hirte an der Zeitenwende. Kardinal Friedrich Gustav Piffl und seine Zeit. Wien 1988.&lt;br /&gt;
*Johann Martin Lerch: Warhaffter Bericht, Was sich Zeit wehrend Türckischer Belägerung … in Closterneuburg … Merckwürdiges zugetragen. Wien 1684.&lt;br /&gt;
*Walter Lipphardt: Studien zur Musikpflege in den mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstiften. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 7. 1971, S. 7ff.&lt;br /&gt;
*Viktor Ludwig: Klosterneuburg – ein Heimatbüchlein für Schule und Haus. Wien 1924.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Stadt und Stift. Klosterneuburg 1928.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig (Hg.): Klosterneuburg. Kulturgeschichte eines österreichischen Stiftes. Wien 1951.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Propst Thomas Rueff. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Popst Georg Hausmanstetter. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1912, S. 213ff.&lt;br /&gt;
*Vinzenz Oskar Ludwig: Stift und Stadt Klosterneuburg in den Ereignissen des Jahres 1848. Aus Maximilian Fischers zeitgenössischen Aufzeichnungen. In: Die Kultur 15. 1914, S. 315ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Mahl: Donato Felice d‘Allio und die Planungsgeschichte des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 5. 1965, S. 167ff.&lt;br /&gt;
*Franz Matsche: Die Kunst im Dienst der Staatsidee Kaiser Karls VI. 2 Bände. Berlin 1981.&lt;br /&gt;
*Anton Mayer: Der österreichische Erzherzogshut. In: Berichte und Mitteilungen des Altertumsvereins zu Wien 42. 1909, S. 3ff.&lt;br /&gt;
*Elisabeth Ollinger: Humanistische Ideen in Klosterneuburg. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1992: Sehnsucht nach der Antike, S. 14ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg in Niederösterreich. 3 Hefte (Österreichische Kunstbücher Band 11–13). Wien o.J.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Geschichte des stiftlichen Museums in Klosterneuburg. In: Katalog der stiftlichen Kunstsammlungen Band 1. Klosterneuburg 1937, S. 5ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Baugeschichte des im Jahre 1730 begonnen neuen Kaiser- und Stiftsgebäudes von Klosterneuburg. Wien-Leipzig 1908.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Die Pfarrkirche von Hietzing. Wien 1899.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker/Ernst Kris: Der österreichische Erzherzogshut in Klosterneuburg. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien NF 7. 1933, S. 229ff.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Donato Felice d’Allio und seine Tätigkeit im Stifte Klosterneuburg. 2 Bände. Wien 1907/08.&lt;br /&gt;
*Wolfgang Pauker: Der Bildhauer und Ingenieur Matthias Steinl. In: Jahrrbuch Klosterneuburg 2. 1909, S. 308ff.&lt;br /&gt;
*Peter Payer: Die Kirche St. Johann von Nepomuk in Meidling. Wien 1993.&lt;br /&gt;
*Richard Perger: Der Aufruhr im Stift Klosterneuburg und seine Folgen. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 41.1990, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Hermann Pfeiffer: Klosterneuburger Osterfeier und Osterspiel. In: Jahrbuch Klosterneuburg 1. 1908.&lt;br /&gt;
*Leonore Pühringer-Zwanowetz: Matthias Steinl. Wien 1966.&lt;br /&gt;
*Robert Rill: Geschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg 1938 bis 1945. Wien-Salzburg 1985.&lt;br /&gt;
*Gerhard Rill: Die Pröpste des Stiftes Klosterneuburg von der Gründung bis zum Ende des 14. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 11ff.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Georg Rizzi: Donato Felice d’Allio, der Architekt der Pfarrkirche in Groß-Siegharts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 87ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das Leopoldskreuz für Verdienste um das Stift Klosterneuburg. In: IUC 1985. Heft 3/4. S. 75f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg (Wiener Geschichtsbücher Band 11). Wien 1972.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg in alten Ansichten. Klosterneuburg 1973.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeinde Klosterneuburg. Band 1: Die Stadt. 1992. Band 2: Die Katastralgemeinden. 1993.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Kapelle von Hietzung – ein kirchliches Streitobjekt. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 34. 1978, S. 122ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Klosterneuburg. Das Stift und seine Kunstschätze. Wien-Klosterneuburg 1994.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Von Afra zu Nikolaus. Eine Patroziniumsänderung als Zeichen der Kirchenreform? In: Forschungen zur Landes- und Kirchengeschichte. Graz 1988, S. 423f.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Leopold III. der Heilige. Wien 1985.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Babenberger-Stammbaum. Wien 1977.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die Bruder Gerhochs in Klosterneuburg. In: Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg. Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Der Verduner Altar. Klosterneuburg 1995.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Zur Herkunft der Klosterneuburger Madonna. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 46/47. 1993/94, S. 595ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Die angebliche Plünderung des Stiftes Klosterneuburg im Jahre 1519. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF36. 1964, S. 280ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: St. Leopolds Jagdhunde. In: Jahrbuch für Landeskunde Niederösterreich NF 37. 1976, S. 184ff.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig (Hg.): Der Albrechtsaltar und sein Meister. Wien 1981.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Propst Gebhard Koberger – Von Klosterneuburg zur Weltkirche. Klosterneuburg 1989.&lt;br /&gt;
*Floridus Röhrig: Das kunstgeschichtliche Material aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern des 14. und 15. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 6. 1966, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Leo Schabes: Alte liturgische Gebräuche und Zeremonien an der Stiftskirche zu Klosterneuburg. Klosterneuburg 1930.&lt;br /&gt;
*Gerrtraut Schikola: Jakob Prandtauers Entwurf für das Stift Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 1. 1961, S. 175ff.&lt;br /&gt;
*Ferdinand Schönsteiner: Die kirchlichen Freiheitsbriefe des Stiftes Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg 7/2. 1916.&lt;br /&gt;
*Walter Simek: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Gaudenz Dunkler (1800–1829). In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 2. 1962, S. 101ff.&lt;br /&gt;
*Albert Starzer: Geschichte der landesfürstlichen Stadt Klosterneuburg. Klosterneuburg 1900.&lt;br /&gt;
*Leopold Streit: Das Stift Klosterneuburg unter dem Propste Jakob Ruttenstock. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 8. 1973, S. 57ff.&lt;br /&gt;
*Anselm Sparber: Leben und Wirken des sel. Hartmann, Bischofs v. Brixen. Klosterneuburg 1957.&lt;br /&gt;
*Edith Specht: Die Leopoldspfennige. In: Katalog Ausstellung Klosterneuburg 1985: der heilige Leopold – Landesfürst und Staatssymbol. S. 112ff, Katalog Nummer 344–424.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Klosterneuburg. In: Klosterneuburg. Geschichte und Kultur. Hg. von der Stadtgemeine Klosterneuburg. Klosterneuburg 1992. S. 39–96.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Neues zum römischen und babenbergischen Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 11. 1979, S. 99–126.&lt;br /&gt;
*Hannsjörg Ubl: Das römische Lapidarium. Klosterneuburg 1991.&lt;br /&gt;
*Renate Wagner-Rieger: Zur Baugeschichte der Stiftskirche von Klosterneuburg. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF 3. 1963, S. 137ff.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien. Wien 1967.&lt;br /&gt;
*Gerhard Winner: Die niederösterreichischen Prälaten zwischen Reformation und Josephinismus. In: Jahrbuch Klosterneuburg NF .1964, S. 111ff.&lt;br /&gt;
*Stefan Weinfurter: Salzburger Bistumsreform und Bistumspolitik im 12. Jh. Köln-Wien 1975.&lt;br /&gt;
*Heinrich Weisweiler: Rüdiger von Klosterneuburg an der Seite seiner Brüder Gerhoch und Arno von Reichersberg. In: Scholastik 14. 1939, S. 41ff.&lt;br /&gt;
*Erich von Winkenau: Die Miniaturenmalerei im Stifte Klosterneuburg während des 15. Jh. In: Jahrbuch Klosterneuburg 6. 1914, S. 161ff.&lt;br /&gt;
*Herwig Wolfram: Des herren Corneli unzimblich begeren. In: Jahrbuch Klosterneuburg 4. 1964, S. 77ff.&lt;br /&gt;
*Hartmann Zeibig: Die Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. In: AÖG 5. 1950, S. 261ff.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<updated>2022-01-04T13:08:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: MIÖG 67 (1959), S. 249 f.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304 f.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: MIÖG 52 (1938), 1 f.&lt;br /&gt;
*Roman Foisner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931). 315 f.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385 f., 567 f.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882). 28 f.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden-Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4).&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: IUC 3/4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: IUC 3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur-. Dipl.-Arb. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Sphragistik und Heraldik */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
Literatur&lt;br /&gt;
*Bernhard Appel: Geschichte des regulirten lateranensischen Chorherrenstiftes des heiligen Augustin zu Reichersberg in Oberösterreich. Linz 1857.&lt;br /&gt;
*Dietmar Assmann: Die Doblkapelle zu Reichersberg. In: Oberösterreichische Heimatblätter (1973), 81–88. &lt;br /&gt;
*Franz Berger/Gerhoch Weiß: Konrad Meindl, der Geschichtsforscher des Innviertels. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Manfred Brandl: Gedenktage der Diözese Linz. Linz 1986.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Zur Geschichte der Frühscholastik in Österreich und Bayern. In: MIÖG 67 (1959), S. 249 f.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg und die Regularkanoniker in Bayern und Österreich. In: Atti della Settimana di Studio su „La vita comune del clero nei secoli XI e XII&amp;quot;, I. Milano 1960, S. 304 f.&lt;br /&gt;
*Peter Classen: Gerhoch von Reichersberg. Eine Biographie. Wiesbaden 1960.&lt;br /&gt;
*Dokumentation anläßlich der Markterhebung von Reichersberg im Jahre 1983. Hg. vom Marktgemeindeamt Reichersberg 1983.&lt;br /&gt;
*Festschrift 900 Jahre Augustiner Chorherrenstift Reichersberg (Redaktion Helga Litschel). Linz 1983.&lt;br /&gt;
*Heinrich von Fichtenau: Studien zu Gerhoch von Reichersberg. In: MIÖG 52 (1938), 1 f.&lt;br /&gt;
*Roman Foisner: 10 Jahre Bildungszentrum Reichersberg. Festschrift. Reichersberg 1979.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Die Orgel in der Stiftspfarrkirche zu Reichersberg. In: Orgelzeitung Heft 1, Reichersberg 1980.&lt;br /&gt;
*Roman Foissner: Musisches Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Hans Heimar Jacobs: Studien über Gerhoch von Reichersberg. Zur Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 50 (1931). 315 f.&lt;br /&gt;
*Sabine John: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn in Gegenreformation, Barock und Aufklärung, Dipl.-Arb. Univ. München, Teil I. München 1979.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1974: Die Bildhauerfamilie Schwanthaler, Linz 1974.&lt;br /&gt;
*Katalog Landesausstellung Oberösterreich 1984: 900 Jahre Stift Reichersberg, Augustiner Chorherren zwischen Passau und Salzburg, Linz 1984.&lt;br /&gt;
*Günther Kleinhanns: Die Stiftsbauten von Ranshofen, Reichersberg und Suben. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 172–200.&lt;br /&gt;
*Michael Mayr: Cardinal Commendones Kloster- und Kirchen-Visitation von 1569 in den Diöcesen Passau und Salzburg. Nebst den Original-Protokollen. In: Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 14 (1893), S. 385 f., 567 f.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Schicksale des Stiftes Reichersberg von 1770 bis 1822. Passau 1873.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Vereinigung des Innviertels mit Österreich in Folge des Friedensschlusses zu Teschen am 13. Mai 1779. Linz 1879.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Bartholomaei Hoyer dicti Schirmer, cellerarii 1462-1469, registrum procurationis rei domesticae pro familia Reicherspergensi (Archiv für österreichische Geschichte 61), 1880.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Die Grabmonumente des Chorherrnstiftes Reichersberg am Inn. In: Berichte und Mittheilungen des Althertums-Vereines zu Wien 21 (1882). 28 f.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Catalogus omnium canonicorum regularium Reichersbergensium a prima fundatione usque ad annum jubilaei 1884 e documentis fide dignis conscriptus. Linz 1884.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: Kurze Geschichte des Regulierten Chorherren-Stiftes Reichersberg am Inn. München 1902.&lt;br /&gt;
*Konrad Meindl: 100 jährige Wiederkehr der Wiedererrichtung des Stiftes Reichersberg. In: Beilage zur Oberösterreichischen Volkszeitung 48, 1. und 7. Dezember 1916.&lt;br /&gt;
*Erich Meuthen: Kirche und Heilsgeschichte bei Gerhoch von Reichersberg. Leiden-Köln 1959 (Studien und Texte zur Geistesgeschichte des Mittelalters, 4).&lt;br /&gt;
*Ludwig Miretinsky: Wirtschaftsgeschichte des regulierten Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn (1084/1860). Diss. Univ. Wien. Wien 1925.&lt;br /&gt;
*Bernhard Franz Mitter: Die Reichersberger Chorherren in der Pittener Waldmark. Wien 1950.&lt;br /&gt;
*Gabriela Neu: Der spätbarocke Bibliothekssaal des Augustiner-Chorherrenstiftes Reichersberg am Inn. Mag.-Arb. Freiburg. Freiburg im Breisgau 1987.&lt;br /&gt;
*Josef Pillhofer: Das Stift Reichersberg und seine Patronatspfarren. Dipl.-Arb. Salzburg. Salzburg 1968.&lt;br /&gt;
*Julian Plante: The Library of Stift Reichersberg. Diss. Fordham University. New York 1972.&lt;br /&gt;
*Wolfram Prihoda: Das Stift Reichersberg im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Raudnitzer Reform und einer Lokalisierung der abgabepflichtigen Güter um 1500. Diss. Univ. Wien. Wien 1984.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Das Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn unter der Regierung des Propstes Odulf Danecker. volkskundl. Seminararbeit. Salzburg 1980.&lt;br /&gt;
*Johannes Putzinger: Die päpstlichen Visitationen des Jahres 1451 unter Kardinal Nikolaus Cusanus und 1569 unter Kardinal Giovanni Francesco Commendone im Stift Reichersberg unter besonderer Berücksichtigung der allgemeinen kirchlichen Reformbestrebungen dieser Zeit. In: IUC 3/4 (1984), S. 1–72.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Chorherrenstift Reichersberg in der Zeit des Nationalsozialismus. In: IUC 3 (1975), S. 48–111.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Das Stift Reichersberg vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Diss. Univ. Graz. Graz 1978.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: 15 Jahre Stiftsmuseum Reichersberg. In: 25 Jahre Reichersberger Sommer 1956–1981. Hg. vom Bildungszentrum Stift Reichersberg. Reichersberg 1981.&lt;br /&gt;
*Wilhelm Gregor Schauber: Klosterleben im 12. Jahrhundert. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 106–114. &lt;br /&gt;
*Aldemar Schiffkorn: Stift Reichersberg heute. In: Oberösterreichische Heimatblätter 2 (1984), S. 91–102. &lt;br /&gt;
*Christian Schleicher: Oberösterreichs Stifte in ihrer Bedeutung für Wirtschaft und Kultur-. Dipl.-Arb. Wien. Wien 1978.&lt;br /&gt;
*Rudolf Wolfgang Schmidt: Studien zur Musikgeschichte von Reichersberg. In: 18. Jahresbericht des Bundesgymnasiums Braunau. Braunau 1978.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Das Chorherrenstift Reichersberg am Inn 1084–1934. Ried im Innkreis 1934.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Hundert Jahre Tobelkapelle. Ried im Innkreis 1946.&lt;br /&gt;
*Gerhoch Weiß: Katalog der reg. lat. Chorherren des Stiftes Reichersberg am Inn, 1884–1946. Ried im Innkreis 1947.&lt;br /&gt;
*Rudolf Zinnhobler: Die kirchliche Gliederung im Innviertel von 1643 bis 1850. In: Historische Dokumentation zur Eingliederung des Innviertels im Jahre 1779 (Katalog zur Sonderausstellung in Ried im Innkreis). Linz 1979.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<updated>2022-01-04T13:07:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Bau und Kunstgeschichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen''(Prälaturrechnung April 1625).&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: &amp;lt;blockquote&amp;gt;''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anlässlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Reichersberg</title>
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		<updated>2022-01-04T13:04:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Das niederösterreichische Lehen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
== Historische Namensformen ==&lt;br /&gt;
Der Name Reichersberg besagt, dass es sich um einen Berg handelt, der einmal Eigentum eines gewissen „Reicher“ oder „Richer“ und von ihm bewohnt war. Oft hängen Berg Ortsnamen auch mit einer Burg oder sonstigen alten Befestigungen zusammen. Die älteste Quelle, das „Chronicon Reicherspergense“ aus dem 12. Jahrhundert spricht von einer Burg Richersperg. Seit dem 13. Jahrhundert findet sich auch die Schreibweise Reichersperg. In den alten Urkunden scheinen geringfügige Abwandlungen dieser Namensformen auch: Richerisperg, Richeresperg, Richinperg, Rychersperg, Richersberg. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Politische und kirchliche Topographie ==&lt;br /&gt;
Mit dem Friedensvertrag zu Teschen 1779 zwischen Maria Theresia und Friedrich II. von Preußen kam das Innviertel zu Österreich und wurde danach nur vorübergehend unter Napoleon von 1810 bis 1816 an Bayern zurückerstattet. Infolge des Revolutionsjahres 1848 wurde die grundherrschaftliche Obrigkeit aufgelöst und 1850 die Gemeinde Reichersberg gegründet. Dank der historischen und kulturellen Bedeutung der alten Klostersiedlung erhielt Reichersberg im Jahre 1983 von der oberösterreichischen Landesregierung die Ernennung zur Marktgemeinde. &lt;br /&gt;
Heutige topographische Lage: Republik Österreich, Bundesland Oberösterreich, Bezirkshauptmannschaft Ried im Innkreis, Bezirksgericht Obernberg, Marktgemeinde Reichersberg. &lt;br /&gt;
Kirchlicherseits gehörte das Innviertel ehemals größtenteils zur 739 gegründeten Diözese Passau. Mit dem Wechsel der Landeshoheit kam es zum 1783/85 gegründeten Bistum Linz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Patrozinien == &lt;br /&gt;
Die alte Burg des Werner besaß eine Kapelle zum heiligen Sixtus, in der die Stifterfamilie auch ihre letzte Ruhestätte fand. Nach dem Bau der neuen Klosterkirche erhielt sie bei der Weihe durch Erzbischof Konrad von Salzburg im Jahre 1126 den heiligen Erzengel Michael zum Patron. Ihm hatte schon Werner seine Stiftung ausdrücklich anvertraut. Seit der Übertragung der Reliquien des heiligen Märtyrer Claudius in die Stiftskirche am 21. Juli 1709 wurde dieser auch als zweiter Kirchenpatron verehrt, doch ist sein Kult nach dem Zweiten Weltkrieg erloschen. &lt;br /&gt;
Die im Jahre 1138 für das Chorfrauenkloster errichtete Kirche war der heiligen Jungfrau Maria geweiht. Die Frauenkirche wurde 1786 gesperrt und 1820 abgebrochen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Gründung ===&lt;br /&gt;
Die Gründung des Stiftes Reichersberg fällt in die Zeit des Investiturstreits. Die einzige Quelle, die uns über die Anfänge des Stiftes und über die Motive, die zu seiner Gründung führten, Aufschlüsse gibt, sind die „Annales Reichserpergenses“ aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Eine Stiftungsurkunde ist nicht vorhanden, vielleicht hat sie auch nie existiert. &lt;br /&gt;
Die verschiedenen Fassungen der Annalen nennen sowohl 1080 als auch 1084 als Gründungsjahr. Der Chronist Gerhoch berichtet dazu: &lt;br /&gt;
''Um diese Zeit war in der Burg Reichersberg Werenher Herr dieser Burg, ein sehr edler und reicher Mann, der sich vermählt hatte mit Dietbirga, einer Schwester des Erzbischofs Gebhard von Salzburg. Da er nach dem Tode seines Sohnes Gebhard, der im Jünglingsalter gestorben war, und dem Dietbirgas, seiner Gemahlin, keinen Erben hatte und zwischen seinen weiteren und engeren Verwandten heftiger Streit wegen seines Erbes entstand, entschloss er sich umso mehr, Gott und den heiligen Michael zum Erben zu wählen''.&lt;br /&gt;
Während Dietbirga als Schwester des Erzbischofs Gebhard aus dem Geschlecht der Graden Helfenstein in Schwaben stammt, lässt sich die Herkunft des Werner schwer fassen. Bei der Gründung des Klosters Admont 1074 scheinen Werner und sein Sohn Gebhard als Zeugen auf, in der Reihenfolge allerdings erst nach den Grafen unter den Edlen. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das Erbe erfahren wir auch von einem Bruder Werners namens Aribo und dessen Sohn Albwin. Die Sippe hatte jedenfalls auch Besitzungen in Kärnten, die unter den beiden Brüdern Aribo und Werner aufgeteilt waren. Aribos Sohn Albwin war mit der Gründung seines Onkels nicht einverstanden und entwand in der Folgezeit dem Stift die Kärntner Besitzungen. &lt;br /&gt;
Forschungen Ludmil Hauptmanns führten zu der Annahme, Werner sei Sohn des Grafen Askwin gewesen, dessen Sippe in Kärnten eine enorme Machtfülle ausgeübt hat. Über Askwin führen auch Beziehungen zu den Grafen von Plain, mit denen Werner seit dem 15. Jahrhundert in Beziehung gebracht wurde. So nennt die Umschrift des Stiftergrabsteines in der Stiftskirche Werner einen Grafen von Plain, auch das zur selben Zeit (etwa 1465) entstandene Gedicht über die Anfänge des Klosters Reichersberg greift diese Aussage auf:&lt;br /&gt;
''Anno Christi geburd tausend jar und vierundachzig, das ist war, / zu derselbigen frist hueb sich an ein stifft / zue Reichersperg, als ich las, das hie ein fest geschloss was. / Darauf sassen gemein grafen und freyl`ne von Playn…''(Liber procurationis, 76; AR 134)&lt;br /&gt;
Diese Zuordnung ist nach den heutigen Erkenntnissen zwar nicht zu halten, doch steht dahinter vielleicht doch eine Ahnung der spätmittelalterlichen Chorherren vom Verwandtschaftskreis ihres Stifters. &lt;br /&gt;
Der verdienstvolle Haushistoriker des Stiftes [[Konrad Meindl|Konrad Meindl]] hält Werner für einen begüterten Reichministerialen, einen Reichsfreiherrn. Jedenfalls wandelte Werner nach dem frühen Tod seines einzigen Sohnes und dem seiner Gattin seine Burg in ein Kloster für Chorherren um. Es fällt auf, dass der zuständige Diözesanbischof Altmann von Passau, ein großer Freund der Chorherren, mit keinem Wort erwähnt wird. Der Stifter übergab seine Gründung vielmehr seinem Schwager, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg und seinen Nachfolgern. Somit erklärt sich die eigenartige Tatsache, dass Reichersberg zwar in der Diözese Passau lag, aber als Eigenkloster des Erzbistums Salzburg mehr dorthin tendierte. Werner trat selbst in die Ordensgemeinschaft ein, spätestens im Jahr 1086 starb er. Sein Todestag wird seit jeher am 5. Oktober gefeiert. Als Begräbnisstätte der Stifter diente wahrscheinlich zuerst die alte Schlosskapelle zum heiligen Sixtus, später ruhten die Gebeine vor dem Kreuzaltar der 1126 geweihten Stiftskirche zum heiligen Erzengel Michael. Der römische Kardinal Commendone, der am 4. März 1569 das Stift visitierte, erwähnt das mit einer prachtvollen Deckplatte geschmückte Hochgrab der Stifter. Nach dem Brand von 1624 kam die Platte in der neuen Kirche an die linke Wand. Ob die Überreste der Stifter an der früheren Stelle unter dem Kirchenpflaster oder etwa vor der Grabplatte beigesetzt wurden, lässt sich nicht mehr feststellen. Bald nach dem Tod des Stifters kamen unheilvolle Zeiten. Der bereits erwähnt Neffe Werners, Albwin, fiel mit deinem Anhang über das wehrlose Kloster her, vertrieb die Chorherren und riss die Besitzungen an sich. Zwar führte Erzbischof Gebhard die Chorherren wieder zurück, doch hatte das Stift nach dessen Tod 1088 unter dem Gegenbischof Berthold von Moosburg schwer zu leiden. Dieser verlehnte das Stift an Laien, wohl an Verwandte Werners. Zum zweiten Mal erlosch das klösterliche Leben. &lt;br /&gt;
Erst unter Erzbischof Konrad I. kamen für das Haus wieder bessere Zeiten. Im Jahre 1110 berief er Chorherren aus Sachsen und setzte einen Propst namens [[Berwin|Berwin]] ein. Konrad fiel aber beim Kaiser in Ungnade und musste viele Jahre in der Verbannung zubringen. Die Lage im papsttreuen Chorherrenstift wurde zusehends kritischer, sodass es Propst Berwin vorzog, mit dem Großteil der Ordensleute in seine Heimat Sachsen zurückzukehren. &lt;br /&gt;
Nach der Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser durch das Wormser Konkordat im Jahre 1122 setzte Erzbischof Konrad I. den Priester Gottschalk als zweiten Propst ein und weihte 1126 die neue Klosterkirche zu Ehren des heiligen Erzengels Michael ein. Aber auch unter Propst [[Gottschalk (Stift Reichersberg)|Gottschalk]] konnte sich das Stift nicht recht entfalten. &lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst, [[Gerhoch I.|Gerhoch]] (1132 – 1169), begann eine echte Blütezeit. Dieser war 1093 in Polling in Oberbayern geboren, wurde nach Studien in Freising, Moosburg und Hildesheim Domherr in Augsburg, schloss sich später den Chorherren von Rottenbuch an, konnte aber weder dort noch in der Pfarre Cham im Bayerischen Wald seine Reformideen verwirklichen. Erst in Reichersberg eröffnete sich ihm ein zwar kleiner, aber doch selbstständiger Wirkungsbereich. &lt;br /&gt;
Im ersten Jahrzehnt widmete er sich dem Ausbau der desolaten Gebäude und der inneren Festigung des Konvents. Chorgebet und feierlicher Gottesdienst, Pflege der Wissenschaften, Studium und Abschreiben von Büchern füllten das Tagewerk der Chorherren aus. Für die Arbeiten im Haus, in den Wirtschaftsbetrieben und auch auf auswärtigen Besitzungen nahm Gerhoch Laienbrüder auf. Einige hundert Meter vom Stift entfernt entstand ein Nonnenkloster, dessen Kirche 1138 durch Bischof Roman von Gurz in Anwesenheit des Erzbischofs Konrad die Weihe erhielt. &lt;br /&gt;
Nach den Annalen wurde in Reichersberg von Anfang an die Regel des heiligen Augustinus beobachtet. Die Gründung erfolgte in ''usum clericorum Deo sanctisque eius ibidem sub regula sancti Augustini in perpetuum servituris''. Es wird allerdings nicht berichte, woher die ersten Chorherren kamen, vielleicht auch aus dem nahen St. Nikola bei Passau, wo sie 1078 vertrieben worden waren. Es wäre aber auch denkbar, dass Werner einfach einen Kreis von Klerikern um sich sammelte und mit ihnen – nach dem Vorbild des heiligen Augustinus – in gemeinsames Leben begann. Unter Erzbischof Konrad I. finden wir sächsische und auch rheinische Kanoniker in Reichersberg, Gerhoch stellte schließlich eine Verbindung zu Rottebuch her, wo er 1124 eingetreten war. &lt;br /&gt;
Von seinen fünf Brüdern, die ebenfalls den geistlichen Stand wählten, folgte ihm [[Arno|Arno]] nach Reichersberg, wo er als Stiftsdechant und nach Gerhochs Tod als Propst wirkte. Neben anderen theologischen Werken verfasste er die Schrift „Scutum canonicorum“, die uns wertvolle Einblicke in das Klosterleben dieser Zeit gibt. &lt;br /&gt;
Arno hält grundsätzlich am ''ordo monasterii'' fest, ohne ihn aber als buchstäblich gültiges Gesetz anzusehen- Die Handarbeit gibt ihm wie Gerhoch als eigentliche Aufgabe der Mönche und Konversen, aber auch für die Kanoniker sieht er Arbeit vor, vor allem im Kloster, in Notfällen auch außerhalb des Klosters; besonders die Kräftigeren und Jüngeren sollen sich auch knechtischer und bäuerlicher Arbeit nicht entziehen. Doch die pietas steht nach Paulus über dem exercitium corporis; die Handarbeit ist kein unentbehrlicher Bestandteil des apostolischen Lebens. Das Wesen des Regularkanonikertums besteht im gemeinsamen Leben ohne Eigentum, der gemeinsamen Liturgie, bei der der ''lectio'' mindestens zwei Stunden täglich eine zentrale Rolle zufällt, dem Lehr- und Seelsorgeamt, das dem Kanoniker die gegenüber dem Mönch höhere Würde verleiht. Um zu predigen, Kranke zu besuchen, Tote zu bestatten, zu katechisieren und zu taufen, verlassen die Kanoniker ihr Kloster, Gerhoch sah in den Regularkanonikern keinen Orden, sondern einfach den gemeinschaftlich lebenden Klerus, dessen erste Aufgabe es ist, die Seelsorge auszuüben- Er wollte die ''vita communis'' zur Lebensform des gesamten Klerus machen, wobei er sich in seinen Reformschriften an die Päpste, Kardinäle und Bischöfe wandte, gleichsam um von oben zu reformieren, nicht aber von unten zu revolutionieren. In seinen Ideen fand sich Gerhoch bestätigt durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg, der, nachdem er das Domkapitel reguliert hatte, die Regularkanoniker in seiner Diözese nachhaltig förderte und sie in sein Seelsorgskonzept einbaute.&lt;br /&gt;
In den ersten Jahrzehnten hatte die Seelsorge in Reichersberg praktisch keine Rolle gespielt. Das Stift lag im Pfarrgebiet von Münsteuer, einer uralten Mutterpfarre. Seit 1078 war Münsteuer im Besitz des Hochstiftes Bamberg. Der Stiftsbereich genoss zwar schon seit der Gründung eine gewisse Unabhängigkeit, doch war der Seelsorgbezirk sehr klein, es handelte sich praktisch um eine Personalpfarre für die Dienstleute des Stiftes. &lt;br /&gt;
Nachdem Gerhoch, um den Stiftsbesitz abzurunden, ein weit entferntes Gut gegen Münsteuer eingetauscht hatte, vertraute der Bischof von Passau den Chroherren auch die Seelsorge um Münsteuer an. Zum ersten Mal erhielt Gerhoch somit ein Geschenk aus der Hand seines Diözesanbischofs, die erste Pfarrei überhaupt, die dem Stift einverleibt wurde.&lt;br /&gt;
Mit der Übernahme der Seelsorge in der Pfarre Bromberg in dem weithin noch nicht kanonisierten Gebiet an der damaligen ungarischen Grenze im Jahre 1160 konnte Gerhoch auch eine seiner Lieblingsideen verwirklichen: das gemeinschaftliche Leben des Klerus an einer Pfarrkirche. Fortan lebten mehrere Priester und auch Laienbrüder in Bromberg, das sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer wichtigen Mutterpfarre entwickelte. &lt;br /&gt;
Die Aktivitäten des Reichersberger Propstes waren damit aber noch lange nicht erschöpft. Wichtige Dienste leitete er der römischen Kurie. Achtmal weilte er in der Ewigen Stadt, um die Sache des Stiftes zu vertreten oder an der Reform der Kirche mitzuwirken. Wie eine unerschütterliche Säule stand er immer auf Seiten des rechtmäßigen Papstes. Fruchtlos tadelte er aber auch Missstände und Fehler auf kirchlicher Seite. Zweimal begleitete er päpstliche Gesandte auf ihren Visitationsreisen. &lt;br /&gt;
Gerhoch starb am 27. Juni 1169 im Alter von 76 Jahren und wurde in der alten Stiftkirche beigesetzt. Der Stein, der einst sein Grab bedeckte, liegt nun, auf sechs Säulen erhöht, im Kreuzgang des Stiftes. Um die glatte, bildlose Platte aus rötlichem Salzburger Marmor läuft eine Umschrift, die frühestens 150 Jahre nach seinem Tod eingehauen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„ANNO MCXXXII VENERANDUS PATER MAGISTER GERHOHUS SUSCEPIT PRELATURAM HUIUS LOCI. OBIIT VERO V KAL. IULII MCLXIX FELICITER AMEN.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischen Blüte und Reform ===&lt;br /&gt;
Die Blütezeit, die das Stift unter Propst Gerhoch erlebt hatte, konnte von dessen unmittelbaren Nachfolgern Arno und [[Philipp|Philipp]] nur kurz aufrechterhalten werden. Bereits in den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts verschlechterte sich die Situation des Stiftes. So kam es zwischen 1181 und 1209 zehnmal, darunter siebenmal durch Resignation des Propstes, zu einem Wechsel in der Leitung des Hauses. &lt;br /&gt;
Die Ursachen dieses offensichtlichen Niederganges an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dürften ein Verfall der Ordensdisziplin, aber auch kriegerische Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern gewesen sein. Zusätzlich litt Reichersberg noch unter der Bedrückung durch seine Vögte. Die Pröpste sahen sich diesen Belastungen nicht gewachsen, bis 1267 kam es in rascher Folge zu Resignationen. &lt;br /&gt;
Erst Propst [[Walter|Walter]] (1286 – 1281), vorher Propst zu Rohr, konnte das geistliche und wirtschaftliche Niveau des Stiftes heben, sodass ihn die Chronik als zweiten Gründer des Hauses rühmt. &lt;br /&gt;
Nach seinem Tod ging es jedoch wieder schneller bergab, 1283 musste Propst [[Seifried|Seifried]] abdanken, die Chorherren wurden mit Ausnahme von vier entlassen, der Propst von Ranshofen übernahm die Administration des Stiftes. &lt;br /&gt;
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse infolge der durch den deutschen Thronstreit zwischen dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern und dem Habsburger Friedrich dem Schönen ausgelösten Kriegshandlungen. Um dem drohenden Verfall entgegenzusteuern, inkorporierte Bischof Albert von Passau die Pfarre Traiskirchen. &lt;br /&gt;
In diesen schweren Zeiten erwuchs dem Stift ein Retter in der Person des [[Ortolf II. von Teuffenbach|Ortolf von Teufenbach]]. Er war Pfarrer in Obernberg, Domherr zu Passau, Archidiakon von Mattsee und herzoglicher Kanzler, also kein Mitglied des Konvents. Auf inständiges Bitten der Chorherren übernahm er 1326 bis 1329 und nochmals 1335 bis 1346 die Leitung des Stiftes. Er verlangte zwar, dass er nach eigenen Vorstellungen handeln könne – so reduzierte er den Personalstand auf acht Kanoniker – ging aber mit großem Engagement an diese Aufgabe und setzte auch sein eigenes Vermögen selbstlos dafür ein. Sein Nachfolger [[Dietmar von Bergheim|Dietmar von Bergheim]] (1346 – 1386) regierte 40 Jahre lang. Er schlichtete zahllose Streitigkeiten in Österreich und Bayern, erbaute 1355 einen neuen Kirchturm und vermehrte den Bücherstand der Bibliothek. Als er aber die Präbenden der Chorherren reduzierte, kam es zu argen Missstimmigkeiten mit dem Konvent. &lt;br /&gt;
Eine Lockerung des augustinischen Grundsatzes der strengen Gütergemeinschaft lässt sich seit dem 13. Jahrhundert bei vielen Stiften feststellen. Die ursprünglich individuelle Zuteilung dessen, was jeder brauchte, wich einer gleichmäßigen Verteilung der Einkünfte, unabhängig davon, ob der einzelne diese tatsächlich brauchte oder nicht. Daraus entwickelte sich eine Art Gewohnheitsrecht, dem auch reformwillige Obere oder Visitatioren nicht beikommen konnten. &lt;br /&gt;
Die Präbenden der Reichersberger Chorherren umfassten bis dahin am Sonntag, Dienstag und Donnerstag zu Mittag: ein Gericht von Schweinefleisch und ein zweites Rind-, Kalb- oder anderem Fleisch mit Zugemüse und Gerste in der Milch; am Montag, Mittwoch und Samstag zu Mittag: Gemüse mit Käse und Gerste in der Milch; abends für jeden Herren frei Eier und ein Viertung Käse; an Fasttagen zu Mittag: Kraut und Gerste mit Öl, Hafermus oder ein Gericht von einer anderen Hülsenfrucht und ein Gericht von Fischen, wenn solche zu haben sind. &lt;br /&gt;
In der Fastenzeit wurde zum Kraut ein Hering hinzugegeben. An Getränken und Brot gebührten jedem Herrn täglich zwei Seidl Wein, wie weiße und ein ordinäres Brot. An den Jahrtagen und mittleren Gesten wurde mittags und abends dem Dekan für sich allein, den übrigen Herren aber für je zwei ein Gericht, an den hohen Festen aber jedes Mal noch ein zweites hinzugefügt. Ferner wurden jedem Herrn jährlich 30 Ellen Leinwand oder statt derselben sechs Schillinge gegeben, ein Paar Sommerstiefel oder 30 Pfennige, jedes zweite Jahr eine Kappa oder sechs Schillinge, ein Pellicium oder sechs Schillinge, ein Paar Winterstiefel und alljährlich im November, Jänner und Mai jedem Priester für die kleinen Ausgaben jedes Mal 30 Pfennige.&lt;br /&gt;
Um ihre Rechte gegenüber dem sparsamen Propst zu wahren, griffen die Chorherren zu einem ungewöhnlichen Mittel – zum Streik Nach dem Bericht [[Bartholomäus I. Hoyer|Bartholomäus Hoyers]] fand in der Stiftskirche zwei Jahre lang kein Gottesdienst statt, so dass schließlich der Bischof von Passau einschreiten musste, um das Einverständnis zwischen Propst und Konvent wiederherzustellen.&lt;br /&gt;
Dem Beispiel der Brüder schlossen sich die Schwestern des Frauenklosters an und wehrten sich heftig gegen eine Beschneidung ihrer Einkünfte. Hier gelang dem Dompropst von Passau eine Einigung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der nächste Propst, [[Griffo (Greif) von Ottenberg|Griffo (Greif) von Ottenberg]] (1368-1412), trat ganz in die Fußstapfen seines Vorgängers. Auch er war ein strenger Oberer, der keine Vergehen duldete. ''Gravis fuit dominisacerime eos corrioiendo pro excessibus'', sagt der Chronist. Langdauernde Streitigkeiten mit dem Ritter Hans von Messenböck zu Ort nötigen den Propst sogar zu einer Intervention beim Heiligen Stuhl. Aus der Reihe der Pröpste des 15. Jahrhunderts ragt [[Paul Tellenpeck|Paul Tellenpeck]] hervor (1415 – 1468). Er verbesserte die Präbenden der Chorherren, schickte mehrere Kleriker zum Studium an die Wiener Universität und vermehrte den Besitzstand durch Kauf und Schenkung. Erzbischof Sigismund von Salzburg inkorporierte im Jahre 1456 die Pfarre Pitten. Das schon lange dahinsiechende Frauenkloster ging um 1440 aber endgültig ein. Die Kirche diente später als Pfarrkirche, von den Gebäuden hat sich das Mindeste erhalten. &lt;br /&gt;
Während der innere Stand zu dieser Zeit also nicht schlecht war, erwuchsen dem Konvent gewaltige Bedrängnisse von außen, nämlich durch die Reformversuche des Kardinals Nikolaus von Cusa. Dieser war von Papst Nikolaus V. als Legat für die deutschen Lande bestimmt worden, mit der Aufgabe, die Reform der Kirche und speziell der Klöster voranzutreiben. Nikolaus von Cusa nahm diese Aufgabe sehr ernst. Bei der am 3. Februar 1451 eröffneten Provinzialsynode in Salzburg verlangte er ganz energisch von allen Religiosen die Rückkehr zu ihrer Regel und deren genaue Einhaltung. Als Visitatoren für die Augustiner-Chorherren ernannte der Kardinal Propst Nikolaus von St. Dorothea, Propst Petrus von Rohr und Stiftsdechant Wolfgang Kerspeck von St. Florian.&lt;br /&gt;
Die Kommission weilte Anfang Dezember 1451 in Richersberg. Sie bemängelte eine Fülle von Kleinigkeiten, etwa das Essen außerhalb der festgesetzten Zeit, das Verlassen des Schlafsaales ohne Erlaubnis, die Missachtung von Fastenvorschriften, unsaubere Altargeräte, Schlampigkeit beim Chorgebet.  Die Visitatoren wollten derartige Unsitten ein für alle mal abstellen und verordneten die Übernahme der strengen Raudnitzer Statuten. Das war nun nicht mehr im Sinne der Reicherberger. Kaum war die Reformkommission außer Haus, wurde Propst Paul bei Kaiser Friedrich III. vorstellig und bat, dieser möge sich beim Papst dafür verwenden, dass der Konvent die seit 300 Jahren üblichen Salzburger Statuten weiterverwendet dürfe. Papst Nikolaus gewährte die erbetene Dispens. &lt;br /&gt;
Diese Erlaubnis sollte den Chorherren einige Jahre später beinah zum Verhängnis werden. Eine 1466 von Herzog Ludwig XI. eingesetzte Kommission stellte fest, dass die bereits 1451 erfolgten Anordnungen hier überhaupt keine Beachtung gefunden hatten und drohte dem Propst wie auch dem Dechant mit der Absetzung. Erneut erging die Aufforderung zur Übernahme der Raudnitzer Statuten, und zwar sollten die Chorherren aus Indersdorf hierher berufen werden und dem Konvent bei der Einführung behilflich sein. &lt;br /&gt;
Wer von den hiesigen Chorherren die neuen Statuten nicht halten könne oder wolle, solle das Stift verlassen. Weiters verlangten die Visitatoren auch, dem Stift die Pfarreien zu entziehen und drängten auf die Resignation des hochbetagten Propstes, wogegen sich dieser aber heftig sträubte. Wieder wandte er sich an Kaiser Friedrich III. um Bestätigung der alten Privilegien. Diesmal ging es aber nicht mehr so einfach. Immerhin konnte die Reform durch die Indersdorfer Chorherren abgewehrt werden, auch die Pfarreien blieben erhalten – mit Ausnahme von Traiskirchen, dass der Bischof von Passau dem Stift entzog. Schließlich gab Propst Paul doch im Jahre 1468 seine Zustimmung zur Resignation. &lt;br /&gt;
Unter seinen Nachfolgern Bartholomäus Hoyer (1469 – 1482), [[Johannes I. von Lenberg|Johannes von Lenberg]] (1482 – 1493) und [[Hieronymus I. Stettner|Hieronymus Stettner]] (1493 – 1495) besserten sich die äußeren und inneren Verhältnisse stetig und erreichten unter Propst [[Matthäus Purkner|Matthäus Purkner]] (1495 – 1527) seinen letzten Höhepunkt vor dem religiösen Grabenbruch der Reformation in den dreißiger Jahren. &lt;br /&gt;
Die Amtszeit dieses Propstes ist noch getragen vom erlöschenden Glanz spätgotischer Frömmigkeit. So wurden die Pfarrkirchen in Bromberg, Edlitz und Ort errichtet, die Innenausstattung der beiden Reichersberger Kirchen im Stil der Zeit erneuert. Der regen Bautätigkeit hielten Stiftungen von Messen und Jahrtagen die Waage, die Dechant Petrus Trenkler getreulich aufgezeichnet hat. Mit einer Reihe anderer Klöster ging Reichersberg damals noch Gebtsverbrüderungen ein, in den Pfarreien gab es noch ein blühendes Bruderschaftswesen. &lt;br /&gt;
Der Tradition seiner Vorgänger folgend, schickte auch Propst Matthäus weiterhin begabte Junioren an die Wiener Universität. Viele Zukunftshoffnungen zerschlugen sich, als die 1521 in Wien grassierende Pest alle fünft damals dort studierenden Diakone aus Reichersberg dahinraffte. Nach Aussage der freilich recht spärlichen Quellen erscheint der Konvent zu dieser Zeit noch in ich gefestigt. In den niederösterreichischen Pfarreien kündigten sich bereits aber Zeichen es Verfalls an. In einem Brief vom 7. September 1520 klagte der Propst:&lt;br /&gt;
''Es missfalle ihm aus äußerste dass halbwahnsinnige Betragen der Brüder, die nur kriegen, schlagen und Ärgernis geben und von denen einer im Auftrag des Dechants seine Dirne entfernen musste''. &lt;br /&gt;
Die gemaßregelten Pfarrer mussten ins Stift zurückkehren, was dem geistlichen Niveau des Hauses wiederum nicht förderlich gewesen sein dürfte. Der Tod des Propstes Matthäus Purkner 1527 bedeutete in der Stiftgeschichte eine tiefe Zäsur. Nur knapp einen Monat später musste am 16. August 1527 der Pfarrvikar Leonhard Käser aus Waizenbirchen in Schärding wegen seiner lutherischen Überzeugung den Scheiterhaufen besteigen. In den nächsten Jahrzehnten drangen unaufhaltsam reformatorische Ideen ein, sie trübten das katholische Glaubensbewusstsein, führten aber nur ganz selten zu einer wirklich überzeugten Annahme des evangelischen Bekenntnisses. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Reformationszeit ===&lt;br /&gt;
Etwas Licht brachte eine 1558 auf Betreiben Herzog Albrechts V. angesetzte Visitation in das Wirrwarr der theologischen Meinungen. Das Hauptübel war eine erschreckende Unwissenheit beim Klerus wie beim Volk. Kein einziger Chorherr hatte eine Universität besucht, der Schulmeister und ebenso der Novizenmeister vermittelten den Schülern und Jungherren deutlich lutherisch gefärbte Ansichten. Bedenklich stimmt auch, dass von den befragten Chorherren die meisten von ihren Angehörigen und nur ein einziger auf eigenen Wunsch ins ''Closter promoviert'' worden war. &lt;br /&gt;
Der seit einem halben Jahr im Amt befindliche Propst [[Wolfgang I. Gaßner|Wolfgang Gassner]] (1558-1573) konnte für die unter seinen Vorgängern eingerissenen Missstände nicht verantwortlich gemacht werden. Er beantwortete die Fragen der Visitatoren durchaus zufriedenstellend und genoss auch das Vertrauen des Konvents. Die an die Substanz gehenden Wissensmängel in Glaubenslehre und Sakramentenspendung konnten beim besten Willen nicht von heute auf morgen behoben werden, auch wenn die Chorherren versprachen ''vleissig nachzulesen''. &lt;br /&gt;
Jedenfalls hatten sich die Dinge nicht gebessert, als Kardinal Commendone bei der Reise zur Salzburger Provinzialsynode am 4. März 1569 das Stift visitierte. Die Mitgliederzahl war seit 1558 von 23 auf 14 gesunken, im Stift selbst lebten außer dem Propst noch vier Priester und drei Diakone, sechs Priester waren auf den Pfarreien exponiert. Die Zahl der Präbediensteten an der Stiftsschule war mit 30 gleich geblieben. &lt;br /&gt;
Der Kardinal beanstandete die unsauberen Kirchengeräte und die dürftigen Messgewänder. Bezüglich der Sakramente herrschte die alte Unwissenheit und Nachlässigkeit. Die Krankenölung wurde nicht gespendet und der Dechant sprach die Absolutionsformel falsch, die Messe wurde so leise gelesen, dass man kaum etwas hörte und der Ministrant gab keine Antworten - Offensichtlich gab es in den Befragungen auch Verständigungsschwierigkeiten, da die Lateinkenntnisse der Kanoniker sehr gering waren. Für die Chorherren selbst mag es eine Erleichterung bedeutet haben, dass Kardinal Commendone noch am gleichen Tag weiterreiste – sichtbare Erfolge zeigte die Visitation jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;
Propst Wolfgang Gassner hinterließ bei seinem Tod das Stift in wirtschaftlicher Hinsicht in geordneten Verhältnissen. Nun tat ein starker Mann not, von dem man auch erwarten konnte, dass er die gesunkene Ordensdisziplin wieder heben würde. Die Kapitulare einigten sich auf den relativ jungen, aber selbstbewussten Cellerar [[Wolfgang II. Tallinger|Wolfgang Tallinger]] (1573 – 1578).&lt;br /&gt;
Leider erfüllte er die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht. Bald häuften sich Klagen über ihn. Er regierte eigenmächtig, gab dem Konvent keinerlei Einblick in die Wirtschaftsführung, kümmerte sich nicht um die niederösterreichischen Besitzungen, übersah fällige Steuertermine, nahm Darlehen für private Jagd- und Tischgesellschaften auf und lebte im Konkubinat. In den wenigen Jahren seiner Regierung brachte er das Haus rasch an den Rand des Abgrundes. Schließlich erhob der Konvent Klage in München und beim Ordinariat in Passau. Eine Visitation verfügte die Absetzung des Propstes und seine Inhaftierung auf der Feste Oberhaus. Er durfte nach einiger Zeit zwar wieder in das Stift zurückkehren, musste aber vom Konvent getrennt leben, bis zu seinem Tod 1582. &lt;br /&gt;
Die beiden nächsten Prälaten [[Johannes II. Radlmayr|Johann]] und [[Thomas Radlmyr|Thomas Radlmayr]] – sie waren Vettern – regierten nur kurze Zeit. Der 1588 durch einen Kompromiss gewählte bisherige Stiftsdechant [Magnus Keller|Magnus Keller]] (1588 – 1612) trat ein schweres Erbe an. Ihm fiel die Aufgabe zu, die von seinen Vorgängern übernommene Schuldenlast abzutragen. Missernten, Naturkatastrophen und Teuerungen verhinderten die rasche Sanierung der Finanzen. Dazu befand sich die Stiftskirche in einem desolaten Zustand; die Werkleute schlugen vor, sie gänzlich abzureißen und neu zu bauen. Daraus wurde zwar nichts, aber von 1593 an weisen die Prälaturrechnungen laufend Zahlungen für Reparaturen und Innenausstattung aus. Propst Magnus sorgte für die Aufstellung neuer Altäre, eines Chorgestühls, einer Orgel, der großen Glocke, für die Restaurierung des Kreuzganges, des Dormitoriums und des Kapitelsaales. Er schickte auch wieder Kleriker an höhere Schulen, vornehmlich nach Ingolstadt, Dillingen und Salzburg, sodass sich allmählich auch eine neue Geistes- und Frömmigkeitshaltung bemerkbar machte. Auf eine grundlegende Besserung des alten Klerus war ohnedies nicht mehr zu hoffen, obwohl es der Propst nicht an scharfen Verweisen fehlen ließ. Während sich das Stift mehr schlecht als recht, aber doch tapfer durch die Reformationszeit kämpfte, sah es in den niederösterreichischen Pfarren wesentlich schlimmer aus. Die Pittener Waldmark lag das ganze 16. Jahrhundert in Angriffsfeld der beginnenden Türkenkriege und der ungarischen Vorstöße. Zu den Verwüstungen durch die Feinde gesellten sich die hohen Abgaben der „Türkensteuer“. Der protestantische Ritter- und Herrenstand nütze diese Bedrängnisse durch das Verlangen nach Religionsfreiheit aus. Die Habsburger konnten nicht wie die Wittelsbacher dem Protestantismus mit aller Schärfe gegenübertreten.&lt;br /&gt;
Kirchlich gehörte die Waldmark damals zum Dekanat Wiener Neustadt, das mit 1782 eine eigene, sehr bewährte Synodalverfassung hatte und zu den bestverwalteten Gebieten Niederösterreichs zählte. Leider fielen gerade die Reichersberger Pfarren unangenehm auf. 1571 wurde auf einer Synode Beschwerde geführt, ''daß allermeist die Pfarrer unordentlich und ungehorsam leben, welche dem Prälaten zu Reichersberg gehörig sein, denn sie vermeinen, einem Salzburger Decan exemt und allein ihrem Prälaten unterworden zu sein, welcher aber diesem District also weit entlegen, als daß er seiner Pfarrer Unbotmäßigkeit weisen und wenden könnte''. &lt;br /&gt;
Unter „Reichersberger Pfarren“ verstand man nicht nur die drei mit Chorherren besetzten, sondern auch die Patronatspfarren, die von den Weltpriestern betreut wurden. Deren Vergehen wurden aber samt und sonders den Reichersbergern angelastet. &lt;br /&gt;
In der zitierten Beschwerde wird bereits eine Ursache angesprochen: die weite Entfernung vom Stift, die das rechtzeitige Eingreifen des Propstes erschwerte. Ein weiterer Faktor waren die mächtigen protestantischen Adelsgeschlechter dieser Gegend, deren Druck sich die Seelsorger nicht zu entziehen vermochten. Die dürftige Ausbildung machte sie darüber hinaus unfähig, in den Unterscheidungslehren klare Positionen zu beziehen. So fielen sie war nicht offiziell vom katholischen Glauben ab, passten sich in ihrer Lebensweise aber doch mehr den Zeitströmungen an. Die Rekatholisierung der Buckligen Welt konnte erst gelingen, als das im 17. Jahrhundert wieder innerlich erstarkende Stift gut ausgebildete Priester in die Pfarreien entsandte und die Habsburger einen streng gegenreformatorischen Kurs gegenüber dem protestantischen Adel einschlugen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Äußere und innere Erneuerung ===&lt;br /&gt;
Das größte Unglück seit Jahrhunderten ereignete sich Anfang Mai 1624: Ein Großbrand vernichtete die gesamte Klosteranlage. Über die Ursache gibt es verschiedene Nachrichten: Nach der einen entstand das Feuer während der Nacht durch ein vom Koch nicht gelöschtes Herdfeuer, die andere Aufzeichnung verlegt den Brand in die Nachmittagsstunden, als die Chorherren jenseits des Inn in den Auen spazieren gingen. Ein starker Wind erschwerte die Löscharbeiten, so dass nur wenig vor den Flammen gerettet werden konnte, immerhin einige alte Codices und die wichtigsten Urkunden. &lt;br /&gt;
Aus der Not der Zeit heraus war es nicht möglich einen repräsentativen Neubau zu schaffen, zuallererst brauchte die Gemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Am 29. Juni 1526 konnte der Grundstein gelegt werden, ein Quadrat um den Kreuzgarten. Im Herbst 1628 konnten die Chorherren das neue Kloster beziehen. &lt;br /&gt;
Der Bauernaufstand in Oberösterreich 1626 brachte zusätzliche Sorgen. Um ein Übergreifen auf bayerisches Gebiet zu verhindern, musste die Grenze befestigt werden. Das Stift musste Arbeiter, Reiter und Pferde bereitstellen und hohe Abgaben leisten.&lt;br /&gt;
Die Aufregungen beim Brand, die steten Sorgen beim Neubau und diese zusätzlichen Belastungen brachten Propst [[Johannes IV. Zörer|Johannes Zörer]] (1621 – 1627) früh ins Grab. Der bisherige Stiftsdechant [[Melchior Hinterberger|Melchior Hinterberger]] (1627 – 1637) folgte ihm im Amt nach. Er begann 1629 mit dem Neubau der Klosterkirche. Als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden näher rückten, verteilte er die Chorherren nach Salzburg und Niederösterreich. Die drückenden Kriegsabgaben verzögerten den Kirchenbau. Erst der nächste Propst [[Jakob Christian|Jakob Christian]] (1637 – 1649) konnte ihn vollenden. Am 31. Juli 1644 weihte Weihbischof Bartholomäus Kobalt aus Passau die neue Kirche. In den 20 Jahren seit dem Brand waren alle Gottesdienste in der Frauenkirche gehalten worden. &lt;br /&gt;
Der Dreißigjährige Krieg ging dem Ende zu. Die Schweden kamen zwar nie über den Inn, dafür aber unzählige Flüchtlinge. 1646 forderte der Landrichter von Schärding die Pfarrer auf, ''daß sye die Pfarrkhinder oder Gmein zu Christl. Mitleiden sowoll zur Raichung des Allmussens als Notwendigen Underkhommens willen beweglich ermahnen.''&lt;br /&gt;
1648 entstand eine furchtbare Hungersnot. Die armen Leute ernährten sich vom Fleisch verendeter Tiere, von Kleien, Eicheln und Baumrinden. Zu allem Unglück trat noch die Pest auf und raffte Tausende hinweg. Im Stift starben zwei Chorherren, von den übrigen zehn sandte der besorgte Propst die Hälfte nach Niederösterreich und reiste 1649 selbst nach. Der Tod, dem er entrinnen wollte, holte ihn in Wiener Neustadt ein, sein Leichnam wurde in Pitten begraben. &lt;br /&gt;
[[Adam Pichler|Adam Pichler]] (1650 – 1675) trat sein Amt unmittelbar nach Erlöschen der Pest an. Diesseits des Inn waren weite Strecken entvölkert, jenseits des Flusses viele Ortschaften und Gehöfte von den Schweden zerstört.&lt;br /&gt;
Propst Adam sorgte dafür, dass die ruinierten Güter wieder besiedelt wurden. Allein in den Faschingstagen des Jahres 1650 traten in Münsteuer 50 Brautpaare an den Altar. &lt;br /&gt;
Nach zwanzigjähriger Pause entstand der Nordtrakt des äußeren Hofes, die nächsten Prälaten [Anton I. Ernst|Anton Ernst]] (1675 – 1685) und [[Theobald Antißner|Theobald Antissner]] (1685 – 1704) erbauten die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und den Südtrakt, sodass die gesamte Anlage nach 70 Jahren endlich zum Abschluss gebracht werden konnte. In das neue Haus zog auch ein neuer Geistlicher ein. Schon Propst Johannes Zörer hatte aus dem damals blühenden Stift Dießen drei Priester und einen Laienbruder geholt. Einer von ihnen, Ubald Luzenberger, übernahm hier das Amt des Stiftsdechanten und Novizenmeisters. Sämtliche Prälaten des 17. Jahrhunderts richteten ihr Augenmerk auf Einhaltung der klösterlichen Ordnung und wissenschaftliches Streben. Die Jungherren erhielten ihre Ausbildung an den Universitäten von Graz und Ingolstadt, die Hälfte der Chorherren war akademisch graduiert. Die Stifte Suben und St. Nikola erbaten sich Reichersberger Chorherren zur Reform ihrer Konvente. Damals bürgerte sich auch der Brauch ein, den Chorherren bei der Profess einen Ordensnamen zugeben, eine Zeit lang wurden die Priester auch mit „Pater“, die Kleriker und Brüder mit „Frater“ angesprochen. Der letzte Laienbruder Nikolaus Lang starb 1682, seither wurde kein solcher mehr aufgenommen. &lt;br /&gt;
Große Aufmerksamkeit richteten die Prälaten der Barockzeit auf die Ausgestaltung der Stiftskirche und auf einen prunkvollen Gottesdienst. Das Stift brachte eine Reihe tüchtiger Prediger hervor. Das Predigtamt bedeutete auch große körperliche Anstrengungen, man legte noch viel Wert auf Gestik und Stimme. Von Stiftsdechant Ubald Sebald († 1698) hören wir, dass er sich infolge der Beschwerden des Predigens 16 schwere Krankheiten zugezogen hatte. Ein Reichersberger Chorherr, Elias Hölzl, wirkte von 1665 bis zu seinem Tod 1673 als Prediger im Stift Nikola. &lt;br /&gt;
Im Jahr 1654 gewährte Papst Innozenz X. dem jeweiligen Propst von Reichersberg das Recht der Pontifikalen. Die alten Prälaten hatten zum Zeichen ihrer Würde nur einen Ring am Finger getragen. Die Pontifikalgottesdienste erforderten eine entsprechende Anzahl von Sängern und Instrumentalisten. Für die Jahre 1641 bis 1800 führt Konrad Meindl 37 Chorherren an, die sehr musikalisch waren. Für die Sopran- und Altstimmen sorgte eine kleine Schar an Sängerknaben.&lt;br /&gt;
Aber auch die weltliche Musik fand ihre Pflege. Als 1779 eine Wandertruppe nach Reichersberg kam, fand sie eine schöne Liebhaberbühne vor und ein gutes Orchester, bestehend aus Stiftsherren, Prälatendiener und Hofrichter. Bei der Übertragung der Gebeine des heiligen Claudius berichtet die Chronik von Pauken- und Trompetenspiel, das abwechselnd mit Gesängen die Prozession begleitet habe. &lt;br /&gt;
Rückschläge für die wirtschaftliche Entwicklung brachten die immer wieder aufflammenden Kriege. 1703 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus. Die österreichischen Heere zogen gegen Ried und Schärding, unterlagen aber der bayerischen Übermacht. 1704 zog Max Emmanuel über Reichersberg nach Schärding und eroberte Passau. Dann wandte er sich ostwärts bis Eferding, musste aber, um nicht abgeschnitten zu werden, den Rückzug antreten. &lt;br /&gt;
Kaiserliche Truppen folgten nach und überraschten am 26. Juni das Stift. Sie verlangten 12.000 Gulden als Brandschatzung; das Innviertel kam unter kaiserliche Verwaltung. Dagegen erhoben sich die Bauern, jetzt musste das Stift den Aufständischen Geld, Pferde und Lebensmittel bereitstellen. Schließlich behielten die kaiserlichen Truppen die Oberhand. &lt;br /&gt;
Die folgende Friedenszeit nützte Propst [[Herkulan Kalchgruber|Herkulan Kalchgruber]] (1707-1734) zur Innenausstattung der Stiftskirche und zu umfangreichen Neubauten in den Pfarreien. [[Matthias Führer|Matthias Führer]] (1735 – 1752) erbaute an der Nordseite der Kirche die heutige Sakristei. &lt;br /&gt;
Manche seiner Pläne machte der Österreichische Erbfolgekrieg zunichte. 1734/44 schlugen 30.000 Mann auf den Stiftsfeldern ihre Zelte auf. Die Ruhr raffte unzählige Menschen hinweg, der gesamte Rindviehbestand des Meierhofes fiel der Seuche zum Opfer. Die hohen Kriegsauslagen konnten nur durch die Aufnahme von Schulden bestritten werden. Doch gelang es bereits dem nächsten Propst [[Karl Stephan|Karl Stephan]] (1752 – 1770), die Schulden abzutragen. Er errichtete die Seitenaltäre aus Gipsmarmor, die beiden Marmorportale im Presbyterium und die schönen Kirchenstühle. Bei seinem Tod hinterließ er 54.000 Golden, die nach seinem Willen zur Aufstellung eines marmornen Hochaltares verwendet werden sollten. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Kreuzmayr|Ambros Kreuzmayr]] (1770 – 1810) hatte eine vierzigjährige Regierungszeit. Das erste Jahrzehnt verlief in ruhigen Bahnen. Nach dem Einsturz des Kirchturmes 1774 baute er einen neuen Turm und ließ Kirche, Bibliothek und Bayerischen Saal mit Fresken schmücken. &lt;br /&gt;
1779 kam das Inviertel durch den Frieden von Teschen an Österreich. Dies brachte für das bislang bayerische Kloster eine Reihe einschneidender Maßnahmen. Dabei konnte man noch von Glück reden, dass das Stift nicht so wie viele andere zur Zeit Kaiser Franz Josephs II. überhaupt aufgehoben wurde. Vielleicht hatte es der Kaiser deshalb als „nützlich“ eingestuft, weil es als ausländisches Kloster seit Jahrhunderten in Österreich Seelsorge betrieben hatte. Freilich mussten auf Befehl der Regierung fünf neue Pfarren errichtet werden, wobei die Baukosten der Pfarrhöfe und Schulen vom Stift zu tragen waren. „Nutzlose“ Filialkirchen, darunter auch die Frauenkirche in Reichersberg, traf das Los der Schließung und des Abbruchs. Durch Verbot der Novizenaufnahme sollte der Personalstand der Chorherren auf 16 reduziert werden. Auch die alte weiße Ordenstracht erregte das Missfallen des Kaisers. Ein Regierungsdekret verlangte die in Österreich ''bey den Canonicis regularibus eingeführte schwarze Kleidertracht und weiße schmale Roketen oder sogenannte Sarrökeln'' wie sie in den Pfarren schon längere Zeit üblich waren. &lt;br /&gt;
Wieder tobte die Kriegsfurie. Während der Franzosenkriege (1800 – 1809) erlebte Reichersberg drei feindliche Einfälle: Plünderungen, Bereitstellung von Quartieren und Naturallieferungen nahmen kein Ende. Im Stiftsgebäude mussten ein österreichisches und später ein französisches Militärspital untergebracht werden. Hunderte Soldaten erlagen hier ihren Verwundungen und Seuchen und fanden auf den Tobelfeldern ein namenloses Grab. Eine Inschrift über dem Eingang zum Konvent erinnert an jene schreckliche Zeit: ''Tausend kranker Krieger bleiche Schatten/Hier im Haus ihr Totenlager hatten/Himmlischer Patron schütz uns hienieden/Erfleh fürder uns Segen und Frieden''.&lt;br /&gt;
Mit dem Tod des Propstes Ambros schien auch das Ende des Stiftes gekommen zu sein. Die französisch-bayerische Landesregierung ordnete die Administration des Stiftes an. Den Stiftsherren wurde eine Pension ausbezahlt, das Vermögen des Stiftes eingezogen. Gewissenlose Kommissäre begannen mit der öffentlichen Versteigerung der Einrichtungsgegenstände, der Pretiosen und Paramente, ebenso auch des Viehbestandes und der Naturalien des Meierhofes. Die Grundstücke und Gewerbebetriebe wurden verpachtet. &lt;br /&gt;
Ein Rettungsanker für das Stift waren in dieser Zeit die in Niederösterreich liegenden Pfarren. Dort standen einige äußerst tüchtige und energische Chorherren in der Seelsorge. Sie unternahmen nun alles in ihrer Macht stehende, um eine gänzliche Aufhebung des Stiftes zu verhindern. &lt;br /&gt;
Die Pfarrer Georg Christ von Edlitz, [[Petrus Schmid|Petrus Schmid von Thernberg]] und Gelas Gruber von Ort reisten 1812 nach München und erreichten eine Audienz bei König Max Joseph. Dieser empfing sie huldvoll, verwies sie aber an den mächtigen Minister Montgelas. Von ihm erhielten sie die Zusicherung, dass in Kürze über das weitere Schicksal des Stiftes entschieden würde. Es vergingen Wochen, Monate und Jahre, ohne dass sich am Schwebezustand des Stiftes etwas änderte. Endlich fielen di Würfel auf den Schachfeldern. Nach der endgültigen Niederwerfung Napoleons musste Bayern am 30. April 1816 das Innviertel an Österreich zurückgeben. &lt;br /&gt;
Bereits am 20. Mai richtete der Konvent an Kaiser Franz I. ein Gesuch um Weiterbestehen des Stiftes – die Chorherren von Ranshofen hingegen baten um Bestätigung der 1811 erfolgten Aufhebung und die Auszahlung der ihnen von der bayerischen Regierung versprochenen Pensionen. Die kaiserliche Antwort löste Jubel aus: ''Seine Majestät haben vermöge hohen Hofkanzleidekret vom 19. September 1816 gnädigst zu beschließen geruht, dass das Stift Reichersberg fortzudauern habe und sich einen eigenen Prälaten wählen könne…''&lt;br /&gt;
Nun begannen sich alle Hände zu regen. Die Gebäude boten einen trostlosen Anblick: Die Zimmer standen durchwegs leer, Fenster und Öfen waren zerbrochen, die Fußböden mit Blut und Arzneien bedeckt, die Sakristei ausgeräumt. Im Meierhof stand eine einige Kuh, vom früheren Personal war nur mehr eine alte Hühnermagd übriggeblieben. Bei der Beschaffung des nötigsten Hausrates boten die Stifte Lambach und Kremsmünster ihre Hilfe an. Mit 1. Dezember 1816 begann wieder das Reguläre leben, die Wahl eines neuen Propstes erfolgte aber erst am 17. Februar 1817. An diesem bedeutsamen Tag erschienen die 13 noch lebenden Chorherren zum ersten Mal mit violetten Mozetten. Die Stimmenmehrheit vereinigte sich auf den Pfarrer von Thernberg Petrus Schmid (1817 – 1822). Ihm fiel nun die mühevolle Aufbauarbeit zu. Seine Hauptsorge galt der Hebung des gesunkenen Personalstandes. Er konnte einige tüchtige Weltpriester zum Eintritt bewegen, die nach dem Novitiaz gleich in die Seelsorge entsandt werden konnten. Freilich hat diese junge Generation viele der durch die Administrationszeit unterbrochenen alten Haustraditionen nicht mehr aufgenommen, zudem wirkte die josephinische Kirchengesetzgebung noch lange nach. Nur fünf Jahre waren Propst Petrus noch beschieden, er starb bereits im 46. Lebensjahr. &lt;br /&gt;
Erst nach mehreren Wahlgängen einigten ich die Kapitulare auf [[Anton II. Straub|Anton Straub]] (1823-1860). Obwohl er aus ärmsten Verhältnissen stammte, war ihm das Studium ermöglicht worden, 1803 trat er in Reichersberg ein. Dank seiner Französischkenntnisse machte er sich in den Jahren der französischen Besatzung sehr nützlich, als eifriger Seelsorger stand er hunderten Soldaten, die hier der Seuche erlagen, in ihrer Todesstunde bei. Später setzte er ihnen durch den Bau der Tobelkapelle ein bescheidenes Denkmal. Als junger Priester begann er mit einer Lateinvorbereitungsschule, um talentierten Buben den Zugang zum Studium zu erleichtern. Er hatte zeitweilig zwischen 30 und 40 Schüler. Viele von ihnen ergriffen später den geistlichen Beruf. Seit 1812 betrete er die Pfarre Lambrechten. Als Propst bemühte er sich um die Aufstockung des Fundus und die weitere Ausstattung des Stiftes. Er ließ auch zahlreiche Um- und Neubauten an Kirchen, Pfarrhöfen und Schulen durchführen. &lt;br /&gt;
Einen schweren Schlag erfuhr das wirtschaftliche Gleichgewicht im Jahre 1848. Die Grundentlastung und die Ablösung der Zehente verminderten das Einkommen des Stiftes fast um ein Drittel. Allerdings hatte die Sache auch einen Vorteil: Es gab nun mit den Untertanen, die nur widerwillig ihre Grunddienste leisteten, keinen Verdruss und mit den Beamten der Herrschaftsgerichte keine langwierigen Prozesse mehr.&lt;br /&gt;
Eine 1855 unter Leitung des Linzer Bischofs Franz Joseph Rudigier durchgeführt Visitation fand das Stift in guter Ordnung. Zu seinem goldenen Priesterjubiläum 1857 verlieh Kaiser Franz Joseph dem hochbetagten Prälaten das Ritterkreuz des Leopoldordens. &lt;br /&gt;
Nach Propst Antons Tod wählte das Kapitel den bisherigen Pfarrer von Bromberg [[Bartholomäus II. Pflanzl|Bartholomäus Pflanzl]] (1861 – 1875) zum Propst. Er zählte damals schon 67 Jahre, konnte aber doch noch 14 Jahre den Hirtenstab führen. In seine Zeit fallen der Bau des 1866 abgebrannten Pfarrhofes zu Ort, der Ankauf des Gutes Hochwolkersdorf, die Anschaffung von sechs neuen Glocken für die Stiftskirche sowie die Restaurierung der Altäre.&lt;br /&gt;
Die Chronik berichtet uns leider großteils nur äußere Ereignisse – selten gewährt sie Einblick in den Alltag der Chorherren, in den Geist, der die Gemeinschaft beseelte, in die Motive, aus denen heraus die einzelnen hier eintraten und lebten. Auch Konrad Meindl hat in seinem „Catalogus omnium canonicorum regularium“ meist äußere Daten festgehalten, nur die Prälaten erfreuen sich einer eingehenderen Würdigung. Am Beispiel des Propstes [Bernhard II. Appel|Bernhard Appel]] (1876 – 1899) sehen wir aber doch sehr anschaulich, mit welcher Hingabe und welchem Eifer die Chorherren jener Zeit ihre Berufung lebten. Bernhard Appels Heimat war Böhmen. Er trat 1836 in das Stift ein und wirkte nach seiner Priesterweihe 1841 20 Jahre lang als Bibliothekar, Novizenmeister und Stiftsdechant. In dieser Zeit konnte er 15 Novizen ins Ordensleben einführen und begann mit ihnen wieder das vollständige Offizium zu beten – seit der Zeit Josephs II. hatte der Konvent nur mehr die kleinen Horen und die Vesper gemeinsam verrichtet. Zusammen mit den Novizen brachte er die Bibliothek in Ordnung und legte für die noch vorhandenen Bestände einen Katalog an. 1857 veröffentlichte er seine „Geschichte des regulirten Chorherrenstiftes des heiligenn Augustiin zu Reichersberg“, die noch heute eine unentbehrliche Fundgrube für den Haushistoriker darstellt. &lt;br /&gt;
Schon als junger Priester hatte er das Gelübde gemacht, alle Ersparnisse zu Ehren Gottes, für die Kirche und für die Armen zu verwenden. So verdankt ihm die Sakristei einige Ornate und einen mit Edelsteinen besetzten Kelch. Eine aufopfernde Tätigkeit entfaltete er im Beichtstuhl. Da es zu dieser Zeit im ganzen Innviertel kein anderes Kloster gab, war der Andrang sehr groß Ein Höhepunkt seiner Regierungszeit waren die Jubiläumsfeiern zum 800jährigen Bestehen des Stiftes im Jahr 1884 verbunden mit einer Volksmission, der ersten, die es hier gab. 1891 feierte der greise Propst sein goldenes Priesterjubiläum. Kaiser Franz Joseph verlieh ihm aus diesem Anlass das Ritterkreuz des Leopoldordens.&lt;br /&gt;
Auch die Heiligsprechung des Chorherrn Petrus Fourier fand hier eine begeisterte Resonanz in einem Triduum vom 27. bis 29. September 1897. Dabei feierte der für die Bevölkerung im Land- und Reichstag rastlos tätige Stiftsrentmeister Gregor Doblhamer das goldene Priesterjubiläum. &lt;br /&gt;
Propst Bernhard entschlief am 7. September 1899 und fand seine letzte Ruhestätte in der Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das 20. Jahrhundert ===&lt;br /&gt;
Der bisherige Stiftsdechant [[Konrad III. Meindl|Konrad Meindl]] hatte sich längst das Vertrauen der Mitbrüder erworben. Der langjährige Bibliothekar und Archivar des Stiftes ganz nicht nur als eifriger Historiker und Heimatforscher, er stand auch im Ruf eines vorbildlichen Ordensmannes. &lt;br /&gt;
Nach seiner Wahl zum Propst am 29. Mai 1900 bemühte er sich besonders um die Hebung des geistlichen Niveaus in der Gemeinschaft. Er bezog auch den Kreuzgang mit den ebenerdigen Räumen in die Klausur ein, verrichtete mit den Chorherren das vollständige Chorgebet und ließ den Sommersaal zur Chorkapelle umgestalten. Er nahm auch regen Anteil am Zustandekommen der Österreichischen Chorherrenkongregation 1907 und achtete gewissenhaft auf die Einhaltung der neuen Statuten. &lt;br /&gt;
Ende 1901 brannte der Meierhof ab, der Neubau konnte jedoch bis zur Ernte 1902 fertiggestellt werden. Propst Konrad verwaltete das Rentmeisteramt selbst und führte nach einem genau festgelegten Plan, ohne jemals die Finanzen des Stiftes zu überziehen, viele notwendige Restaurierungsarbeiten in Kirche und Stift durch. Bei seinem Tod 1915 hinterließ er ein geordnetes Hauswesen und eine vom Ordensgeist durchdrungene Gemeinschaft. &lt;br /&gt;
Unterdessen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Wenn auch die eigenetlichen Kriegsschauplätze in weiter Ferne lagen, so prägte der Krieg doch das gesamte Leben in Stadt und Land. In der Landwirtschaft fehlten die zu den Waffen gerufenen Arbeitskräfte, sie konnten ab 1916 durch russische Kriegsgefangene ersetzt werden. Schwerer als die Zwangsablieferung von Getreide und Naturalien wogen die Metalllieferungen, denen auch die Kirchenglocken zum Opfer fielen – von den sieben Glocken durften nur die größte und die kleinste am Turm verbleiben. Von 1915 bis zum Ende des Krieges beherbergte das Stift 20 italienische Priester, die aus politischen Gründen hier interniert waren. Im Dorf mussten Italiener und Juden, die aus den Kriegsgebieten evakuiert worden waren, aufgenommen werden. &lt;br /&gt;
Der nächste Propst [[Roman Wögerbauer|Roman Wögerbauer]] (1915 – 1935) begann trotz der schwierigen Lage mit dem Bau eines Elektrizitätswerks. Die in den Nachkriegsjahren einsetzende Inflation entwertete den gesamten Kapitalbesitz. &lt;br /&gt;
Propst [[Gerhoch II. Weiß|Gerhoch Weiß]] (1935 – 1946) übernahm ein hochverschuldetes Haus und eine resignierende Gemeinschaft. Zwar bemühte sich der von Rom bestellte Visitator Hilarin Felder, die rasante finanzielle Talfahrt zu stoppen, die 1938 erfolgte Annexion Österreichs durch Hitlerdeutschland durchkreuzte aber seine Anordnungen. &lt;br /&gt;
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann eine ungemein kritische Epoche. Das hochverschuldete Haus war für die neuen Machthaber sicherlich nicht attraktiv, es blieb auch von der Enteignung verschont. Als aber die Fliegerschule Wels mit der Anlage eines Flugplatzes im Raum Münsteuer-Reichersbrg begann, wurde das Stiftsgebäude zur Unterbringung der Soldaten gefordert. Die Deutsche Luftwaffe schloss mit dem Konvent einen Mietvertrag, was einen doppelten Vorteil mit sich brachte. Zum einen hatte das Stift für die Vermieteten Räume fixe Einnahmen, zum anderen konnte das Haus nicht mehr für andere Zwecke angefordert werden. 1940 bezogen die ersten Soldaten ihre Quartiere im Stift. Es klingt fast unglaublich, aber die finanzielle Situation besserte sich in der NS-Zeit, freilich unter großen Opfern. So mussten für den Flugplatz Gründe verkauft und die Gewerbebetriebe unter Druck der Behörden verpachtet werden. &lt;br /&gt;
Abgesehen von den üblichen Schikanen – Hausdurchsuchung, Verhöre, Vorladungen durch die Gestapo, Verhaftung eines Klerikers, mannigfache Behinderung der Seelsorge – konnte die Gemeinschaft das klösterliche Leben fortsetzen. Die Leiter der Fliegerschule pflogen durchwegs ein gutes Verhältnis zu den Stiftsherren. Auch der Bürgermeister und der Ortsgruppenleiter waren dem Stift durchaus wohlgesinnt. Propst Gerhoch stand bei allen Kreisen der Bevölkerung in hohem Ansehen. Unermüdlich mahnte er die Mitbrüder zur Zurückhaltung in politischen Fragen. Er selbst blieb auch als Propst Pfarrer von Reichersberg. &lt;br /&gt;
Mit fortschreitender Dauer des Krieges verlegte die Fliegerschule Wels immer mehr Soldaten nach Reichersberg, schließlich barst das Haus geradezu aus allen Nähten. Das Stift war eine große Kaserne geworden, in der – wie zufällig – auch einige Priester wohnten. Das Kriegsende brachte ein furchtbares Bombardement des Flugplatzes durch amerikanische Tiefflieger, Stift und Ort kamen aber wie durch ein Wunder heil davon. &lt;br /&gt;
Wesentlich schlimmer erging es den niederösterreichischen Pfarren, die alle Schrecken des russischen Einmarsches zu spüren bekamen. Infolge der Demarkationslinie – Reichersberg lag in der amerikanischen, die niederösterreichischen Pfarren lagen in der russischen Zone. war auch die Verbindung zwischen Stift und Pfarren unterbrochen bzw. sehr lange Zeit erschwert. In Oberösterreich verloren in diesen Tagen zwei Chorherren ihr Leben: Rupert Haginger wurde noch am 2. Mai 1945 von SS-Männern erschossen, Magnus Huber starb an Fleckfieber, das er sich bei der Betreuung von Gefangenen zugezogen hatte. In Niederösterreich waren alle Mitbrüder am Leben geblieben, nur der schöne Pfarrhof in Bromberg war abgebrannt. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes Gerhoch berief Stiftsdechant Norbert Hofbauer das Kapitel zur Neuwahl nach Pitten ein. Bei den schwierigen Verkehrsverhältnissen jener Zeit schien es günstiger, dass sich der kleine Teil der Kapitulare – nur vier aus Oberösterreich – auf die Reise machte. Auch der Generalabt konnte von Klosterneuburg leichter nach Pitten als nach Reichersberg gelangen. &lt;br /&gt;
Aus der Wahl ging der dortige Pfarrvikar [[Floridus Buttinger|Floridus Buttinger]] als Propst hervor. Neuer Stiftsdechant wurde der Kaplan von Pitten [[Odulf Danecker|Odulf Danecker]]. Zum Stiftspfarrer ernannte Propst Floridus seinen Neffen Augustin Gadringer, zum Hofmeister den Kaplan von Bromberg Lambert Weißl. Mit diesen vier Chorherren zog die neue Gemeinschaf in Reichersberg ein. Der bisherige Dechant Norbert Hofbauer und der Pfarrvikar Ambros Handlechner, die das Stift geschickt durch die NS-Zeit manövriert hatten, übernahmen die Pfarren Lambrechten und Pitten. Somit markiert das Jahr 1945 auch personell einen Schlussstrich unter die vergangenen Jahre. &lt;br /&gt;
Die größte Sorge blieb weiterhin die defizitäre Wirtschaftslage, vor allem kam der Meierhof nicht aus den roten Zahlen. Die auf den Pfarren stationierten Seelsorger erhielten zwar ihre Gehälter von den Diözesen, doch zog der Propst ein Viertel davon für das Stift ab. Das führte zu Differenzen mit den Mitbrüdern, die in den geplünderten Pfarrhöfen nicht einmal das Nötigste zum Leben hatten. &lt;br /&gt;
Um eine bessere Verbindung mit dem Stift zu gewährleisten, schlossen sich die niederösterreichischen Pfarren zum Priorat Pitten zusammen. Der Prior übernahm in etwa die Aufgaben, die früher dem Lehensverwalter zugekommen waren, er fungiert praktisch als Verbindungsmann zwischen Stift und Pfarrseelsorgern. Die Chorherren des Priorates wählten 1955 als ersten Prior den Pfarrer von Edlitz Bernhard Mitter. &lt;br /&gt;
Ab 1960 machte sich bei Propst Floridus eine Arterienverkalkung bemerkbar, durch die er seine Amtsgeschäfte nicht mehr ausüben konnte. Da er von sich aus nicht resignierte, wollte ihm das Kapitel diese Kränkung ersparen, in dazu zwingen. Der Generalabt erreichte 1962 von der Religiosenkongregation in Rom eine Verfügung, durch die Stiftsdechant Odulf Danecker zum Administrator bestellt wurde, ohne dass die Stellung des Propstes nach außen hin verletzt worden wäre.&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod 1963 fiel die Wahl erwartungsgemäß auf Odulf Danecker (1963 – 1980). Unter seiner Leitung erlebte das Stift eine wahre Renaissance. Nach vierzigjährigen, zum teil verzweifelten Bemühungen wurde das Haus nun endlich schuldenfrei. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Aufgabe der defizitären Betriebe. &lt;br /&gt;
Bereits 1956 begann der Rentmeister und Regens chori Roman Foisser, im Augustinisaal musikalische Veranstaltungen anzubieten. Deren Zahl und Qualität nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Der „Reichersberger Kultursommer“ lockt seither alljährlich ein zahlreiches Publikum zu den Aufführungen. Die große Landesausstellung 1974 „Die Bildhauerfamilie Schwanthaler 1633 – 1848“ brachte dem Stift neben umfangreichen Restaurierungsarbeiten aus Landesmitteln auch einen Bekanntheitsgrad wie nie zuvor: die fast 200.000 Besucher waren nicht einmal von den größten Optimisten erwartet worden. &lt;br /&gt;
Die Ergebnisse und Auswirkungen des II. Vaticanums, die vielerorts zu persönlich du unmittelbar in die Praxis umgesetzt wurden und daher auch in Klostergemeinschaften Verwirrung und Spannungen hervorriefen, fanden hier eher bedächtige Aufnahme. Propst Odulf stand den Neuerungen zwar nicht ablehnend, aber doch zurückhaltend gegenüber, er scheute Experimente in Liturgie und Seelsorge und führte die ihm Anvertrauten eher behutsam in die nachkonziliare Zeit. Die größte Sorge in dieser sonst so erfolgreichen Periode bereitete der mangelnde Ordensnachwuchs. Viel zu früh und unerwartet erlag Propst Odulf am 4. Mai 1980 einem Herzinfarkt. Seine letzte Ruhestätte erhielt er in der ehemaligen Ahamergruft in der Kirche, die er 1976 als Begräbnisstätte für die Prälaten hatte umbauen lassen.&lt;br /&gt;
Sein Nachfolger, Propst [[Eberhard Vollnhofer|Eberhard Vollnhofer]], stammte aus der alten Stiftspfarre Bromberg. Unter seiner Regierungszeit besserte sich die personelle Situation zusehends. Von 1984 bis 1994 füllten zehn Neupriester den Personalstand wieder auf. Die Restaurierungsarbeiten konnten weitergeführt werden und gelangten im Jubiläumsjahr 1984 weitegehend zum Abschluss. Die Landesausstellung „900 Jahre Stift Reichersberg – Augustiner-Chorherren zwischen Passau und Salzburg“ zog zwischen Mai und Oktober 1984 230.000 Besucher an. &lt;br /&gt;
Auch in den Pfarreien präsentierten sich die Kirchen und Pfarrhöfe als Schmuckstücke im jeweiligen Ortsbild. Es konnten sogar zwei Filialkirchen neu gebaut werden: Grimmenstein (Edlitz) 1960 und Klingfurt (Walpersbach) 1988. Lambrechten erhielt 1974 einen neuen Pfarrhof. &lt;br /&gt;
2005 resignierte Eberhard Vollnhofer († 26. April 2019), ihm folgte [[Werner Thanecker|Werner Thanecker]] nach, der 2011 resignierte und am 6. August 2014 verstarb. [[Gerhard Eichinger|Gerhard Eichinger]] war von 2011 bis 2016 Propst von Reichersberg, seit 2016 bekleidet der 1980 geborene [[Markus Grasl|Markus Grasl]] dieses Amt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wirtschaftliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gründungsausstattung übergab Werner dem Kloster seine Burg mit dem dazugehörigen Grund und Boden, etwa zwölf Mansen umfassend; nördliche Grenze war die Flussmitte. Dazu kamen noch verstreute Besitzungen in der Umgebung: St. Martin, Traiskirchen, Raab, Schardenberg und zwei Weingärten in Aschach. Ein weit entferntes Gut, Kraut am Millstättersee, wurde bald nach der Gründung des Klosters von Verwandten Werners, die Erbansprüche geltend machten, beschlagnahmt. Es gelang erst unter Erzbischof Konrad I. von Salzburg, nach langwierigen Verhandlungen diesen Besitz für das Stift zu retten. &lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Gerhoch wuchs der Stiftsbesitz stetig durch zahlreiche Schenkungen. Zum überwiegenden Teil handelt es sich um Liegenschaften geringen Umfanges beiderseits des unteren Inn, die die beiden dort ansässigen Familien dem heiligen Michael von Reichersberg übertrugen. Außer Grundbesitz wurden Zinsleute geschenkt, nicht selten ergaben ich Bauern freiwillig in den Schutz und Zinsdienst der Kanoniker. Den Verkehr zwischen Stift und seinen Besitzungen erleichterten Häfen und Schifffahrtsrechte auf dem Inn. &lt;br /&gt;
Von Anfang an beschränkte sich das Stiftsgut aber nicht auf das Inngebiet. Neben dem schon erwähnten Gut zu Kraut in Kärnten und den Weingärten in Aschach an der Donau erwarb Gerhoch auch Weingärten in der Wachau, eine Salzpfanne in Reichenhall, Höfe zu Unken im Land Salzburg; selbst in Regensburg erhielt Reichersberg Grundbesitz. Doch ging das Bestreben Gerhochs dahin, die entfernten Besitzungen durch solche im näheren Bereich einzutauschen. So gelang es in einer großangelegten Tauschaktion, die sich von 1153 bis 1176 hinzog, das benachbarte Dorf Münsteuer zu erwerben. Schon 1144 hatte Konrad von Salzburg durch die Schenkung des Zehents in den weit entfernten Pfarren Pitten und Bromberg an der ungarischen Grenze dem Stift eine neue Einkommensquelle erschlossen. Da dieser Besitz in der Folgezeit aber eine relativ eigenständige Entwicklung nahm, soll er auch gesondert behandelt werden. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Basis des Stiftes war schon im 12. Jahrhundert grundgelegt und sollte sich in späteren Zeiten nur mehr geringfügig ändern. Haupteinnahme waren die Erträgnisse des von Laienbrüdern und Knechten bewirtschafteten Meierhofes in Reichersberg, ferner die Abgaben der untertänigen Bauerngüter, die in Naturalien oder in Geld geleistet wurden und schließlich der Zehent aus den Pfarren der niederösterreichischen Waldmark.&lt;br /&gt;
Zu den Weingärten in Aschach und Krems erwarb das Stift im 13. Jahrhundert noch weitere, nämlich den Weinzierlhof bei Krems und das Gut Oberhrub an der mährischen Grenze. 1242 kamen einige Höfe zu Abtenau im Land Salzburg durch Tausch in den Besitz des Stiftes. &lt;br /&gt;
Im 13. und 14. Jahrhundert stagnierte die wirtschaftliche Situation. Die Schenkungen und Stiftungen gingen merklich zurück, der rasche Wechsel der Pröpste und Administratoren vereitelte langfristige Planungen. Erst die Pröpste Dietmar von Bergheim (1346 – 1386) und Griffo von Ottenberg (1386-1412) erreichten einen wirtschaftlichen Aufschwung, der bis in die 53 Jahre dauernde Regierungszeit des Propstes Paul Tellenpeck (1415 – 1468) anhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Zeit legte der Schaffer Bartholomäus Hoyer ein „Registrum“ an, dass uns wertvolle Einblicke in die gesamte Hausverwaltung der geistlichen Kommunität gibt. Die Aufzählung sämtlicher Ämter des Kapitels und der Bediensteten nebst ihren Verpflichtungen, der Präbenden der Chorherren und der Löhne der Angestellten, die Gebräuche in Küche, Keller und Ökonomie stellt die gesamte Organisation des klösterlichen Hauswesens als ein wechselseitiges Spiel von Leistung und Gegenleistung dar. &lt;br /&gt;
Neben dem Amt des Propstes und des Dechants war wohl das des Schaffers das wichtigste, aber auch das mühevollste. Er sorgte für dir Küche und den Speiseplan wir für die Beschaffung der Lebensmittel, ihm oblagen die Sorge für den Keller und die Weine, die Obhut über den Kornspeicher, die Beaufsichtigung der Stampfmühle, aber auch die Kontrolle des Stalles samt seinen Mobilien, Reitsätteln, Zügel, etc., die Versorgung der Pferde. Er war verantwortlich für die Instandhaltung der Gebäude, der Schule, des Kammerhauses, der Wohnung des Pförtners, des Meierhofes, des Wirtshauses, des Grenzhauses… Nicht zuletzt musste er sich um das Badhaus, das Haus des Überführers und um die Boote sowie die Fischteiche kümmern. Der Apparat der geistlichen Amtsträger bestand nur aus acht Kanonikern. Neben den drei schon erwähnten werden noch die Pfarrer von Münsteuer und Reichersberg aufgezählt, der Custos ecclesiae (Sakristan), der Novizenmeister und der „Obleyer“ (er hatte die Gelder von Messstiftungen etc. zu verwalten und auszuteilen). Die Kommunität vervollständigten eventuell einige Senioren sowie die Jungherren. Laienbrüder scheinen zu dieser Zeit nicht auf, vereinzelt finden sich später solche bis ins 17. Jahrhundert. Die gesamten Arbeiten wurden von weltlichem Personal verrichtet. Im Register sind Aufgaben und Entlohnung (in Geld und Naturalien) aller Bediensteten aufgeführt. Es sind dies 39 Personen: Richter, Kanster, Kämmerer, Prälatenkoch, Herrenkoch, Kuchlknecht, Lehrbub, Bäcklermeister, zwei Bäckerknechte, Obermarstaller, Untermarstaller, Hausknecht, Refentknecht, Fleischhacker, Hofmeier, zwei Meierhofdirnden, Stadler, Sauknecht, Kühknecht, Hofmeister. Schulmeister, Türhüter des Konvents, Refektoriknecht, Mesner, Torwart, Baumgärtner, Bader, Baddirne, Hofwirt, Hofschmied, Schuster, Binder, Zimmermeister, Hofwäscherin, Schneider, Fischer, Organist. &lt;br /&gt;
Als Beispiel für die genau festgelegten Aufgaben und die Entlohnung der Bediensteten sei der Hofmeister angeführt: Er musste die Eier für die Stiftskirche einkaufen, er hatte die Gerste umzuschaufeln, zu dörren, in die Pfisterei zu bringen, in die Stampf zu fahren, zu enthülsen wieder umzuschaufeln und in den Kasten zu tragen. Er musste Sorge tragen, dass bis Ostern Kohl und Salat gebaut wurden und musste selbst den Garten betreuen. Er brachte täglich das Gemüse in die Küche Zu Ostern und zu Pfingsten übernahm er die jungen Hühner gegen Verrechnung und lieferte sie in der Küche ab. Als Hühnerfutter hielt er die schlechte, von Mäusen angefressene Gerster. Er half beim Saustechen und ging dem Fleischhacker zur Hand. Er und sein Weib sollten mit den Meierhofdirnen die Milch im Schnitt einsammeln… an Geld bezog der Hofmeister jährlich 12 Schilling Lohn, die ihm in drei Raten zu Sonnenwende, Michaeli und Lichtmess ausbezahlt wurden. An Naturalien erhielt er wöchentlich 22 Speisbrote und zwei Herrenbrote, ein Kandl Wein, zu Weihnachten ein Rauchkäs, zu Ostern ein Weichkäs und 18 Eier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die saisonbedingten Arbeiten unterlagen einer genauen Regelung. So waren etwa die Häusler von Pfaffing verpflichtet, gegen einen bestimmten Geldbetrag die Wiesen zu mähen, zur Heuernte wurden Taglöhner aufgenommen, die Männer bekamen vier Pfennig, die Frauen drei Pfennig pro Tag. Die Dorfleute von Reichersberg mussten verschiedene Arbeiten als Robot verrichten, sie erhielten dafür Brot und Käse. &lt;br /&gt;
1640 brannte der alte Meierhof ab. Propst Jakob Christian ließ den Neubau nicht mehr an der alten Stelle, sondern am Ortsrand bei den Weihern aufführen. Durch Einbeziehung der Gründe des Gutes zu Asperl und des 1686 erworbenen Tobelgutes vergrößerte sich die bewirtschaftete Fläche, man brauchte mehr Arbeiter im Meierhof. Sie lassen sich an den alten Hausnamen leicht erkennen. Es sind alle Namen, die mit dem Grundwort „Mann“ zusammengesetzt sind (Hermann, Kuchlmann, Lenzmann, Liendlmann…). Diese Meierhof-„Männer“ waren verheiratete Häusler, die zuhause eine kleine Wirtschaft hatten, die sie nicht genügend beschäftigte und auf Arbeit und Pacht von Seiten des Stiftes anwies. &lt;br /&gt;
Das Stift war für seine Untertanen fast ausschließlicher Arbeitgeber. O wehrten sich mit dem Hinweis auf den Verdienstverlust die robot- und scharwerkleistenden Reichersberger gegen die Ablösung ihrer Verpflichtungen 1783, wie sie staatlicherseits verlangt wurde, denn sie fürchteten dass ''die Aelteren von ihnen, die Weiber und Kinder ihres Erwerbes beraubt, in der Folge sogar, wenn mit der Stiftsökonomie entweder Verpachtung oder Vererbrechtung eine Aenderung geschehe, selbst die Tüchtigsten von ihnen keine Arbeit mehr fänden, 90 Familien in das äusserste Elend versetzt würden, geschweige denn, dass sie noch im Stande wären, eine Steuer zu entrichten '' (22. Februar 1785).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Waldbesitz des Stiftes war gering. Zum Stiftungsgut zählten nur die Innauen und das Aspetwäldchen, aus der Zeit Gerhochs (1132-1169) stammte der Wald in Hart, 1373 erhielt das Stift von den Edlen von Maasbach den Wald am Aichberg, 1383 ergab sich die Gelegenheit zum Kauf des sogenannten Hochschachens (Lambrechten), 1442 wird zum ersten Mal der Wald Vorhau als Besitz des Stiftes erwähnt. &lt;br /&gt;
Neben den zur Gründungsausstattung zählenden Weinbergen in Aschach an der Donau werden bereits zur Zeit Gerhochs Weingärten in der Wachau erwähnt. Schon Herzog Leopold IV. hatte Güter bei Krems geschenkt, 1156bestätigte Erzbischof Konrad die Zehentfreiheit der Kremser Weingüter, doch stieß sie Gerhoch wieder ab. &lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten erfahren wir aus Urkunden immer wieder von Käufen, Verkäufen, Schenkungen und Tauschaktionen in der Kremser Gegend, 1120 besaß das Stift bereits ein Haus in Krems. Mittelpunkt des stiftlichen Sitzes bildete der Weinzierlhof. Da Recht der freien Weinausfuhr erneuerte Erzherzog Albrecht von Österreich 1463. Für den Transport des Weines erhielt das Stift wiederholt von den Herzögen von Österreich und Bayern, den Bischöfen von Passau und den Grafen von Schaunberg die Mautfreiheit auf Donau und Inn verliehen. Zur Weinlese fuhr alljährlich ein Schiff von Reichersberg nach Krems mit Arbeitskräften, Gerätschaften und Verpflegung. &lt;br /&gt;
1645 fielen die Schweden von Mähren aus in der Wachau ein, wobei sie den Weinzierlhof zerstörten. Kaum war er wieder aufgebaut, fiel er 1647 einer Feuersbrunst zum Opfer. Die Erträgnisse standen jedenfalls zu den großen Investitionen und ständigen Auslagen in einem argen Missverhältnis, so dass sich Propst Hieronymus Schwegler 1706 entschloss, den ganzen Besitz an die Jesuiten zu verkaufen. Über die Qualität des Kremser Weines schrieb der Propst an den Bischof von Passau, ''er sei der Gesundheit schädlich, daß viel Religiosen an Händt und Füßen verkrumpern und mithin in besten Jahren zu auch bedürftigen Verrichtungen unbrauchbar gemacht werden…''&lt;br /&gt;
Einen weiteren Besitz mit etlichen Weingärten erwarb das Stift allmählich in der Gegend um Grub an der mährischen Grenze. Den Grundstock bildete ein Kauf unter Propst Ulrich im Jahre 1233. Wegen der vielfältigen Schwierigkeiten, die die Verwaltung des so weit entfernten Besitzes mit sich brachte, verkaufte Propst Anton Straub die Herrschaft Obergrub und erwarb dafür im Jahr 1839 das dem Stift nahe gelegene Gut Hackledt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1686 kaufte Propst Theobald Antissner den von den Türken niedergebrannten Freihof Guntramsdorf bei Mödling der fortan von einem Chorherrn als Verwalter beaufsichtigt wurde. An der dortigen Kapelle konnte er auch in beschränktem Maße seelsorglich wirken. Die geplante Inkorporation der Pfarre Guntramsdorf schlug allerdings 1706 fehl. Auch sonst hatte das Stift mit dem Hof wenig Glück, er wurde daher 1764 wegen schlechter Erträge wieder abgestoßen. &lt;br /&gt;
Propst Theobald erwarb 1686 auch das abgebrannte Gut zu Tobel (Reichersberg) und vereinigte es mit den Meierhofgründen- Die Größe des in Eigenregie bearbeiteten Besitzes in seinem Gutachten des Jahres 1816 zu entnehmen, als es um das Fortbestehen des Stiftes ging. Damals gehörten zum Maierhof: 230 Joch Äcker, 173 Joch Wiesen, 243 Joch Waldungen, zusammen 646 österreichische Joch. Zur geschlossenen Gemarkung Pfaffing mit über 100 Holden und der Hofmark Reichersberg erwarb das Stift am 1. Februar 1710 Schloss und Hofmark Ort. &lt;br /&gt;
Im Landgericht Schärding besaß das Stift 66 Güter, im Landgericht Ried 49, auch einige verstreute Holden im Landgericht Mauerkirchen. Jenseits des Inn gehörte zu Reichersberg der Sitz Samberg, und in den Gerichten Eggenfelden, Biburg und Griesbach zinsten einschichtige Untertanen. Die Griesbacher Holden saßen im benachbarten Dorf Würding, das mit Reichersberg durch eine Fähre verbunden war. Weitere Güter lagen verstreut in den oberösterreichischen Gerichten Peuerbach, Weizenkirchen, Schaunberg und Wels, dazu kamen Untertanen im salzburgischen um Abtenau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles in allem gehörten zu Grundherrschaft des Stiftes Reichersberg etwa 1.400 bäuerliche Anwesen. Entsprechend der weiten Streuung und der Größe der Güter waren die Abgaben der hörigen Bauern sehr unterschiedlich. In den Stiftsbüchern. Die von 1556 an vorliegen, sind die Stifttage (Laurentius, Bartholomäus, Ägidius. Georg, Martin, Maria Geburt, Gallus und Michael) mit den Erträgnissen aus den verschiedenen Höfen genau verzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte verschoben sich die Abgaben immer mehr von Naturalien zum Geld. &lt;br /&gt;
Nach Eingliederung des Innviertels verlangte die österreichische Regierung ein genaues Vermögensverzeichnis. Es ergab sich ein jährlicher Überschuss von 3.534 Gulden aus der gesamten Geldgebarung. Davon mussten 2.000 Gulden als Religionsfondssteuer abgeliefert werden, ebenso alles entbehrliche Kirchen- und Tafelsbilder im Wert von 5.318 Gulden. Außerdem hatte das Stift neue Lasten zu tragen. Zu den Baukosten für die neu errichteten Pfarrhöfe und Schulen kam nun auch das Jahresgehalt von vier exponierten Priestern in der Höhe von 1.600 Gulden, das Einkommen des niederösterreichischen Lehens sank infolge der vielen Bauten auf 1.500 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1810 verfügte die provisorische französische Landesregierung des Inn- und Hausruckviertels die Schließung der Stiftsrechnungen. Ein Regierungskommissar übernahm die Verwaltung. Die Stiftsherren erhielten ihre jährliche Pension von 600 Gulden, die Pfarrer von 800 Gulden ausbezahlt. Die Finanzdirektion Passau schlug dem Verwalter vor, den Meierhofs und die ganze Ökonomie rundweg zu verkaufen, doch wurde darauf glücklicherweise nichts. Dafür gelangten Vieh, Getreide, Naturalien, Geräte, Werkzeug, Silber, Pretiosen, Wein und Möbel zur Versteigerung, ebenso alle schlagbaren Bäume in den Stiftswäldern. Mit einem Mal ist somit das durch mehrhundertjährigen Fleiß mühevoll Gesammelte zertrümmert und zerstreut worden. &lt;br /&gt;
Die Summe von etwas 22.000 Gulden sowie der jährliche Pachtertrag für die langwirtschaftlichen Gründe von 4.277 Gulden flossen in die Kreiskasse nach Passau und wurden auf königlichen Befehl dem Religionsfonds zugeführt. Der Gesamtschaden, den das Stift während französisch-bayerischen Administration erlitt, beläuft sich auf 80.000 Gulden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Kaiser Franz I. 1816 die Erlaubnis zum Fortbestand des Stiftes gegeben hatte, verlangte die k. k. Finanzdirektion eine ausführliche Darstellung der Vermögenslage. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich nach einem fünfjährigen Durchschnitt auf 29.000 Gulden, die Ausgabe auf 18.500 Gulden. Somit verblieb ein Reingewinn von 10.500 Gulden. Propst Petrus Schmid übernahm ein vollständig ausgeplündertes Haus. Allein die Glaserrechnungen betrugen damals 10.000 Gulden, und es dauerte viele Jahre bis das Haus halbwegs eingerichtet war. Die verpachtete Ökonomie wurde erst 1835 wieder zur Gänze in Eigenregie übernommen. &lt;br /&gt;
Bereits nach einigen Jahrzehnten erhielt das mühsam erlangte wirtschaftliche Gleichgewicht einen neuen Stoß. Als der Kremsierer Reichstag am 7. September 1848 die Aufhebung der Grunduntertänigkeit aussprach, versiegte mit einem Schlag die Haupteinnahmequelle des Stiftes, die seit Jahrhunderten aus den Abgaben, Zehenten du Diensten der Untertanen bestand. Die untertänigen Bauern waren schon seit dem Frühjahr 1848 in Aufregung, niemand gab mehr im Sommer den Getreidezehent, nur einzelne leisteten noch den Naturaldient. Zum ersten Mal brauchten die Bauern die Ernte vollständig in ihre Scheuern. Erst nach vier Jahren wurden die Grundentlastungskapitalien von der Landeskommission zuerkannt, bis dahin mussten die Herrschaften mit geringen Vorschüssen aus dem Landesfonds das Auslangen finden. Die Entschädigungsrente verminderte das Einkommen um ein Drittel. &lt;br /&gt;
Da diesem verminderten Einkommen aber gleichbleibende Verpflichtungen gegenüberstanden, konnte seither nur mehr äußerste Sparsamkeit den Ausgleich des Haushaltes gewährleisten. Nach wie vor blieb aber auch die Rente aus dem Grundentlastungskapital von jährlich 21.000 Gulden ein wichtiger Pfeiler der stiftlichen Finanzen. Die Ökonomie und die gewerblichen Betriebe hätten niemals ausgereicht alle Auslagen zu decken. Propst Konrad Meindl erreichte immerhin eine spürbare Entlastung der finanziellen Situation, als ihm auf sein Ansuchen die Kongruaergänzung von Pfarreien bewilligt wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nach dem ersten Weltkrieg einsetzende Inflation entwertete innerhalb weniger Jahre den gesamten Kapitalbesitz. Mit der Abwertung der Papierkrone um Jahr 1925 im Verhältnis 1:10.000 hatte sich das einstige Vermögen in nichts aufgelöst. Von dieser Zeit an schlossen die stiftlichen Bilanzen regelmäßig mit Abgängen. Man war gezwungen, hochverzinsliche Darlehen aufzunehmen, der Schuldenstand stieg von Jahr zu Jahr an. Ende 1923 betrug dieser 11.694 Schilling und kletterte bis zum Jahr 1931 auf die schwindelnde Höhe von 350.150 Schilling. Das Stift war nicht einmal mehr in der Lage, die fälligen Zinsen aufzubringen. Verschiedentliche Sanierungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. Propst Gerhoch Weiß übernahm 1935 einen Schuldenstand von über 500.000 Schilling, der Konkurs schien unvermeidlich. &lt;br /&gt;
Eine Wende in der finanziellen Talfahrt brachte die Apostolische Visitation der österreichischen Chorherrenstifte im Jahr 1937. Der Visitator Hilarin Felder aus dem Kapuzinerorden beauftragte nämlich das Stift Klosterneuburg, dem Stift Reichersberg ein Darlegen von 505.000 Schilling bei drei Prozent Zinsen zur Verfügung zu stellen. Damit sollten vorerst die bei den Banken aufgenommenen Darlehen mit sieben bi zehn Prozent Zinsen abgestoßen werden. Bis zu seiner Aufhebung im Jahr 1941 überwies Klosterneuburg etwa ein Drittel dieser Summe. Dann mussten die fälligen Raten wieder vom Stift selbst getragen werden. Es gelang Propst Gerhoch aber, von der Erzdiözese Wien einen billigen Kredit zu erhalten.&lt;br /&gt;
Die Religioenkongregation gab ein apostolisches Indult, wodurch Reichersberg und alle österreichischen Chorherrenstifte samt den Pfarren für die „Pro-Populo-Messen“ zugunsten des in großer Not befindlichen Stiftes Stipendien annehmen durften. Seit der Einhebung der Kirchenbeträge wurde das Gehalt für die Seelsorgepriester regelmäßig von den Diözesen überwiesen, wovon der Propst 25 Prozent für das Stift behielt. Darüber hinaus stellten die Mitbrüder in beispielhafter Einmütigkeit ihre Ersparnisse zur Verfügung. Der Verkauf von ca. 30 Hektar Grund für den Flugplatz, die Ablöse für Brauerei und Weinkeller und die regelmäßige Miete der Fliegerschule ermöglichten es, den Schuldenberg des Stiftes langsam abzubauen. Er betrug bei Kriegsende nur mehr ein Drittel des Standes von 1937. &lt;br /&gt;
In den Nachkriegsjahren wollte lange kein rechter Aufschwung gelingen. Erst Propst Odulf Danecker (1963 – 1980) entschloss sich, gedrängt von seinem Rentmeister Roman Foissner, zu einer grundlegenden Umstrukturierung der stiftlichen Wirtschaft. Aufgelassen wurden die Bäckerei und das E-Werk, zur Verpachtung kamen die Landwirtschaft und später auch die Gärtnerei. Die Kellerei übersiedelte 1968 in den Südtrakt. Umfangreiche Investitionen waren notwendig, um den Weihandel, den das Stift seit 1864 betrieb, als wichtiges Standbein der stiftlichen Wirtschaft zu erhalten. Seit etwa 1985 ging der Umsatz jedoch stetig zurück, sso dass eine Weiterführung in der alten Form nicht mehr ratsam schien. Von 1990 bis 1993 pachtete das Stift Klosterneuburg die großen Kellergewölbe als Auslieferungslager für seine Kellerei. Seither konnte kein dauerhafter Verwendungszeck gefunden werden. &lt;br /&gt;
Durch die Verpachtung der Landwirtschaft stehen auch die meisten Räume des Meierhofes leer. Der 1974 anlässlich der Schwanthalerausstellung zu erwartende Ansturm von Gästen ließ einen Plan Gestalt annehmen, den großen Rinderstall mit seinen schönen Gewölben zu einem Restaurant auszubauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon nach wenigen Jahren zeigte sich aber, dass das Lokal bei normalem Betrieb – ohne Sonderausstellung – nicht auszulasten war. Im Ausstellungsjahr 1984 war der Umsatz zufriedenstellend, die anschließende Abwärtsentwicklung dann nicht mehr aufzuhalten. &lt;br /&gt;
Mit Jahresende 1987 kam das endgültige Aus. Eine günstigere Entwicklung nahm das Bräustüberl neben dem Stiftstor. Von 1976 an führte es das Stift in Eigenregie mit einem Geschäftsführer. Wegen Personalproblemen entschloss sich das Kapitel 1995 wieder zur Verpachtung. &lt;br /&gt;
Seit in den sechziger Jahren die Volksschule, der Kindergarten und das Postamt Neubauten im Dorf bezogen hatten, fand sich lange keine passende Verwendung für die äußeren &lt;br /&gt;
Stiftsgebäude. Ein im Jahr 1969 hier veranstaltetes internationales Fotoseminar ließ den Gedanken an ein Bildungszentrum aufkommen. Frau Dr. Katharina Dobler vom oberösterreichischen Volksbildungswerk nahm sich mit großem Engagement der Sache an. Gab es anfangs besonders handwerkliche und kunsthandwerkliche Kurse, so kamen später Seminare zur Pflege der Musik und Volkskultur, aber auch Exerzitien, Besinnungstage und Ehevorbereitungskurse dazu. Für die Unterbringung der Kursteilnehmer wurden seit 1970 laufend Gästezimmer ausgebaut; heute verfügt das Bildungshaus über 20 Einbett- und 15 Zweibettzimmer. &lt;br /&gt;
Der Klosterladen bietet seit der Umgestaltung neben den Weinen aus der Stiftskellerei Klosterneuburg oder Likören aus dem Trappistenkloster Engelszell vor allem Souvenirs und Geschenkartikel. Ein weiterer Anziehungspunkt konnte mit der Vinothek geschaffen werden, die sich im ehemaligen Obstkeller unter dem Nordtrakt befindet. &lt;br /&gt;
Um den Substanzverlust durch die Abgabe von Gründen für Siedlungszwecke oder für die Ortsumfahrung etc. wettzumachen, wurde der Erlös zur Aufstockung des Waldbesitzes verwendet; er beträgt rund 200 Hektar, allerdings in ausgesprochener Streulage mit 20 Parzellen. Seit 1980 war es sogar möglich, in Deutschkreuz im Burgenland einige Weingärten zu erwerben, die nun bereits das Ausmaß von 17 Hektar erreicht haben – sie sind aber verpachtet.&lt;br /&gt;
Bereits 1980 hatte eine Bohrung unterhalb des Stiftes in der Au heißes schwefelhaltiges Wasser erbracht. Seither gibt es unterschiedliche Pläne diese Thermalquelle zu nutzen. Die oberösterreichische Landesregierung gab 1988 die grundsätzliche Bewilligung zur Errichtung eines Sonderkrankenhauses (Rehabilitationsanstalt). &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Das niederösterreichische Lehen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die ungenügenden Einkünfte des Stiftes aufzubessern, aber auch, um dem Bestreben des Klosters Formbach entgegenzuwirken, das Zehentrecht in der Waldmark an sich zu ziehen, verlieh Erzbischof Konrad I. von Salzburg am 23. Oktober 1144 dem Propst Gerhoch den Zehent in den Pfarren Pitten und Bromberg. Ausgenommen war nur der den dortigen Pfarrern gebührende Anteil. &lt;br /&gt;
In der Urkunde wird betont, dass die Pfarre Bromberg von der Püttenau bis zur Ungarngrenze und bis zum Hartberg ausgedehnt werden könnte. Tatsächlich wollte ich das Kloster Formbach mit den dadurch geschaffenen Besitzverhältnissen nicht so ohne weiteres abfinden, doch gelang im Jahre 1146 eine gütliche Einigung.&lt;br /&gt;
An den Pfarren Bromberg und Pitten waren damals noch Weltpriester angestellt. Daher ließ Propst Gerhoch zur Verwaltung und Einhebung des Zehents in Pitten eine Niederlassung für die Chorherren erbauen. Die Kapelle wurde im Herbst 1149 von Erzbischof Eberhard I. persönlich geweiht. &lt;br /&gt;
Die Zehentablieferung an ein bayerisches, also im Ausland gelegenes Kloster, das dafür auch keine Gegenleistung erbrachte, war sicher nicht unproblematisch. Daher inkorporierte Erzbischof Eberhard I. im Jahr 1160 die Pfarre Bromberg dem Stift und betraute die Chorherren mit der Seelsorge in diesem ungeheuer ausgedehnten Sprengel. Damit erübrigte sich die Niederlassung der Chorherren in Pitten, und in den folgenden Jahrhunderten fungierten die Pfarrer von Bromberg auch als Lehensverwalter, das heißt als Vertreter des Propstes in der Waldmark. Von hier aus wurden die Pfarrer präsentiert, der Zehent vergeben, Pachtverträge geordnet, Streitigkeiten geschlichtet und gelegentlich auch Stiftungen entgegengenommen. Propst Griffo von Ottenberg (1386 – 1412) weilte fast jedes zweite Jahr in Bromberg, wo sich dann alle Zehentpächter einfanden. &lt;br /&gt;
Eine direkte Zehenteinhebung wäre mit ungeheuren Kosten und Schwierigkeiten verbunden gewesen, deshalb wählte man eine Form, die auf einfache und leicht durchführbare Art den Zehentnutzgenuss gewährleistete: den Zehentpachtvertrag. Adelige Herren, Burggrafen, Ritter und auch Pfarrer erhielten den Zehent für gewisse Zeitabschnitte, meist nur einige Jahre. Sie waren gezwungen, ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachzukommen, falls sie nicht Gefahr laufen wollten, den Vertrag für die kommenden Zeiten zu verlieren. &lt;br /&gt;
Der Lehensverwalter des Stiftes war dennoch nicht zu beneiden. Der Zehent blieb eine Quelle ständiger Streitigkeiten. Besonders in der Zeit der Reformation, als die meisten Adeligen die neue Lehre annahmen, versuchten viele, sich den Zehent anzueignen. Der Lehensverwalter musste häufig Prozesse führen, um die alten Rechte des Stiftes zu verteidigen. Die große Steuerlast infolge der Türkenkriege, der gelübdewidrige Haushalt mancher Pfarrer und gewaltige Naturkatastrophen vermehrten die wirtschaftlichen Sorgen. Der Geldentwertung wollte das Stift dadurch entgegenwirken, dass es versuchte, die verpachteten. Zehente wieder in Eigenverwaltung zurückzunehmen, was zu erneuten Streitigkeiten führte und letztlich keinen Erfolg zeitigte. Um eine Übersicht über die teilweise sehr komplizierten Zehentverhältnisse zu bekommen, wurden 1685 Abschriften aus dem Grundurbarium angefertigt. Seit etwa 1700 begannen die Lehensverwalter, mit ihren Zehentholden sogenannte Bestandsverträge abzuschließen. Die Holden schlossen sich gewöhnlich zu einer Zehentgemeinde zusammen und lieferten den Pachtvertrag in Geld unter Ausschaltung eines Zwischenpächters direkt an den Zehentherrn. Diese Form wurde durch eine Verordnung Kaiser Franz' I. seit 1797 bei Neuverpachtungen verpflichtend. Unterdessen hatten die Reformen Josephs II. eine Lawine finanzieller Belastungen ins Rollen gebracht. Der Bau der Schulen und Pfarrhöfe in den neugegründeten Pfarren sowie die Kongruaergänzungen für deren Pfarrer überstiegen die Einnahmen der Lehenskasse und zwangen zu Anleihen. Als das Stift 1810 von der französisch-bayerischen Landesregierung in Administration gesetzt wurde, forderte die niederösterreichische Landesregierung vom Lehensverwalter einen genauen Bericht über die Besitzverhältnisse des Stiftes in der Waldmark.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er meldete unverzüglich, &amp;lt;blockquote&amp;gt;''daß 1. das Stift hier drei alte Pfarren besitze, die in bezug auf ihre Realitäten, Zehente und Untertanen vom Stift ganz unabhängig seien, eigene Pfarrgrundbücher besitzen und dem landschaftlichen Kataster unter eigenem Namen und Nummer als kleine Grundherrschaften einverleibt seien; 2. die Pfarrer der neuen Pfarren Hollenthon, Thernberg, Scheiblingkirchen und Walpersbach den Unterhalt von jährlich 800 fl von der Lehensverwaltung beziehen, da sie wenig oder gar keine Realitäten besitzen; 3. in den Patronatspfarren das Stift das Zehenirechi besitze mit Ausnahme des dem Pfarrer zustehenden Anteiles; diese Zehente jedoch wegen der beschwerlichen Zufuhr in dieser Gebirgsgegend an die benachbarten Herrschaften und teilweise an die zehentbaren Gemeinden selbst mittels Pachtverträge um Geld vergeben seien''.&amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die relativ große Eigenständigkeit des niederösterreichischen Lehens hatte für das Stift damals auch Vorteile. Die französisch-bayerische Lokalkommission versuchte zwar, diese niederösterreichischen Besitzungen zu erfassen, doch gab es dafür im Stift keinerlei Unterlagen. Daher scheute Bayern auch vor einer gänzlichen Aufhebung zurück, weil zu befürchten war, dass dann die österreichische Regierung die niederösterreichischen Besitzungen ebenso einziehen würde. Obwohl die Lehensverwaltung bei der Bemessung der Pachtverträge immer schonend vorging, bei Unglücksfällen Zehentnachlass gewährte und den Robot milde handhabte, wuchs bei den Untertanen die Abneigung gegen Robot wie Zehent, sodass Robotverweigerungen, Zehenthinterziehungen und die Rückstände an Pachtzahlungen immer häufiger vorkamen. Für eine geistliche Herrschaft, die zugleich die Seelsorge ausübte, war die gewaltsame Eintreibung der Forderungen besonders belastend. Deshalb ernannte Propst Anton Straub im Jahre 1830 einen Laien zum Lehensverwalter. 1848 fand die Lehensherrschaft des Stiftes Reichersberg in der Waldmark nach siebenhundertjährigem Bestand ihr Ende. Fast drei Jahre musste der Lehensverwalter auf die ihm durch die Grundentlastung zuerkannte Entschädigungsrente warten. Diese war natürlich bedeutend niedriger als die früheren Einnahmen und reichte kaum für die Erhaltung und Instandsetzung der Kirchen und Gebäude der sieben inkorporierten und elf Patronatspfarren. Bis nach dem Ersten Weltkrieg kam dazu noch die Kongruaergänzung für die Pfarrer, deren Einkommen nicht ausreichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1868 kaufte Propst Bartholomäus Pflanzl das Gut Hochwolkersdorf mit einem ansehnlichen Waldbesitz. Allerdings war damit das Patronat über die dortige Pfarre verbunden, was zusätzliche finanzielle Verpflichtungen mit sich brachte. Als mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg auch die Renten versiegten, blieben der Patronatskasse nur mehr die Einnahmen aus dem Besitz in Hochwolkersdorf. Abgesehen von der dortigen Pfarre standen dessen Erträgnisse mit den Patronatsverpflichtungen aber in keinem Zusammenhang. &lt;br /&gt;
Seit Beginn unseres Jahrhunderts hat sich die Zehentschenkung des Erzbischofs Konrad I., die ja den Zweck hatte, die ungenügende Dotierung des Stiftes zu verbessern, ins Gegenteil gekehrt. Die Einnahmen waren praktisch weggefallen, die Auslagen aber waren nach der geltenden Rechtslage geblieben. Der Patron hatte die Material- und Professionistenkosten - also die Hauptlast - zu tragen, die Pfarren mussten Hand- und Zugrobot leisten. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wirkten sich die Forderungen der 18 niederösterreichischen Pfarren an das Stift, das ohnedies am Rand des finanziellen Ruins stand, verheerend aus.&lt;br /&gt;
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Stift nur mehr symbolische Beiträge an die Pfarren überweisen. Endlich übernahm die Erzdiözese Wien im Jahre 1977 die ehemaligen Patronatspfarren und zwar ohne die sonst übliche Ablöse. Geblieben sind die acht inkorporierten Pfarren und damit auch die Verpflichtung zur Beitragsleistung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtliche Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
Da Kleriker und Mönche seit der frühchristlichen Zeit keine Waffen tragen durften, konnten sie den militärischen Schutz der Klöster und deren Besitzungen sowie auch die Rechtsprechung über die Klosteruntertanen nicht selbst wahrnehmen. Üblicherweise betrauten sie damit einen Laien, häufig ein Mitglied der Gründerfamilie, den man nach dem lateinischen advocatus als Vogt bezeichnete.&lt;br /&gt;
Reichersberg war schon bei seiner Gründung dem Schutz des Erzbischofs von Salzburg anvertraut worden (''iuri et ditioni et defensioni Salisburgensi episcopi''), mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass die Vogtei nur vom Hauptvogt der Salzburger Kirche ausgeübt und dass kein Untervogt bestellt werden dürfe. So berichten es uns in nahezu gleichen Worten die Annalen, eine Reihe von Urkunden der Erzbischöfe von Salzburg, etliche Diplome staufischer Herrscher, ja sogar päpstliche Privilegien.&lt;br /&gt;
Der Sinn dieser Bestimmung war, ungebührlichen laikalen Einfluss von allem Anfang an auszuschalten. Es gab ja genügend Beispiele dafür, dass sich Vögte von Beschützern eines Klosters zu Bedrückern entwickelten. Häufig gingen die Hauptvögte, die durchwegs dem Hochadel angehörten, dazu über, die praktische Ausübung der Vogtei an einen ihrer Dienstmannen als Untervogt zu übertragen. Diese Untervögte, die selbst nur wenig begütert waren, versuchten dann aus ihrer Stellung möglichst viel Gewinn zu ziehen. Damit wurde gerade die Untervogtei zu einer besonders drückenden Last für das ,,beschirmte&amp;quot; Kloster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Reichersberg sollte also nach dem Willen des Gründers kein Untervogt bestellt werden dürfen. Diese Bestimmung kam freilich in den Wirren des Investiturstreites nicht zum Tragen. Zudem zeigten die Grafen von Peilstein, die Hauptvögte Salzburgs, an der Vogtei über Reichersberg wenig Interesse: Zum einen erschwerte die relativ weite Entfernung ein wirksames Eingreifen, zum andern waren aus dem geringen Stiftsbesitz für den Vogt auch keine großen Erträgnisse, zum Beispiel aus den Gerichtsgefällen, zu erwarten.&lt;br /&gt;
So scheint bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts ein Reginger von Ried, offenbar ein Verwandter der Gründerfamilie, als Untervogt auf: Reingerus de Riede, advocatus Reicherspergensis cenobii (UBLOE I, 321 Nr. 81). Anscheinend besaß er das Vertrauen des Konvents. Als aber nach dessen Tod sein Sohn Ulrich Erbansprüche auf die Vogtei geltend machte, wandte sich Propst Ger hoch mit einer Beschwerde an Erzbischof Eberhard I. Dieser bekräftigte die überlieferte Rechtslage, dass für Reichersberg nur der Hauptvogt von Salzburg zuständig sei, sollte er aber einen Vertreter bestellen, dann nur im Einverständnis mit dem Propst und dem Kapitel. Als Entschädigung für seine Mühen erhielt der Vogt ein Drittel der Gerichtsgefälle (AR 15). Diese Verfügung ließ sich Gerhoch auch von Kaiser Friedrich I. bestätigen. Damit hatte er ein Privileg, das ihm bei Vogteimissbrauch eine starke Hand bot. Nach Erwerb des Dorfes Münsteuer bat er Herzog Heinrich, die Vogtei über diesen Besitz zu übernehmen. So stellte diese Sondervogtei des bayerischen Herzogs ein starkes Gegengewicht zum Salzburger Hauptvogt dar. Die Vogtei Salzburgs erstreckte sich ja nur über den ursprünglichen Stiftungsbesitz, während sich verschiedene andere Adelsgeschlechter die Vogtei über ihre dem Stift gemachten Schenkungen vorbehielten. Dadurch hatte man es tatsächlich immer mit mehreren Vögten zu tun, was in der Folgezeit oft zu Übergriffen führte.&lt;br /&gt;
Nach dem Aussterben der Grafen von Peilstein im Jahre 1218 bestellte Erzbischof Eberhard II. für das Hochstift Salzburg keine Vögte mehr, sondern zog deren Befugnisse an sich. Von dieser Maßnahme war auch Reichersberg betroffen. Einige Adelige der Umgebung wollten diese Verfügung nicht anerkennen, beriefen sich auf alte Privilegien und Abmachungen und bedrückten das Stift. Sie beschlagnahmten Schiffsladungen, überfielen Untertanen und plünderten sie aus. In dieser Bedrängnis legte Propst Heinrich vor dem Altar der Stiftskirche ein großes Kreuz nieder und sang täglich mit den Brüdern die Antiphon „Aspice Domine&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Besonders gewalttätig zeigten sich die Herren von Hagenau. Obwohl Erzbischof Eberhard schon 1220 ausdrücklich erklärt hatte, dass er ihnen niemals Vogteirechte über Reichersberg zugestanden habe, gaben sie ihre Ansprüche nicht auf. Um den langdauernden Streit zu beenden, zog es der Erzbischof vor, ihnen die angeblichen Vogteirechte in Geld abzulösen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Stift ebenfalls sehr lästige Nachbarn, die Herren von Waldeck, ließen sich Mitte des 13. Jahrhunders zu einem Vergleich herbei. Sie verzichteten auf verschiedene Güter, wurden aber dafür vom Stift als Gerichtsvögte bestellt.&lt;br /&gt;
Der unmittelbare Stiftsbereich am Klosterberg genoss die Immunität. Auf Verlangen des Vogtes musste aber ein des Raubes, Diebstahls oder anderen todeswürdigen Verbrechens Überführter ausgeliefert werden, während ein solcher, der außerhalb dieses Bereiches angetroffen wurde, vom Vogt ergriffen und abgeurteilt werden konnte, jedoch durfte der Vogt dessen Besitz nicht einziehen. Wurde ein Stiftsuntertan, der außerhalb des immunen Stiftsbereiches wohnte, eines todeswürdigen Verbrechens überführt, so hatten sich die Waldecker hinsichtlich seines Besitzes an das gemeine Landrecht zu halten. Im Jahre 1436 brach unter den bayerischen Herzögen Krieg aus. Erzbischof Johann von Reisperg schickte zum Schutz des Stiftes eine Truppe Soldaten unter Führung Johann Hoyers hierher.&lt;br /&gt;
Auch für die Pfarren in der Waldmark galt die Regelung Erzbischof Eberhards II. Die Vogtei über Pitten, Bromberg und Edlitz stand nur dem Hauptvogt von Salzburg zu. Daneben hatten auch einige Adelsgeschlechter Vogteirechte, was auch hier immer wieder zu Streitigkeiten führte. Propst Paul Tellenpeck bat 1459 Kaiser Friedrich als Landesfürsten, die österreichischen Pfarren samt den Holden, Gütern und Zehenten in seinen Schirm zu nehmen. Auch seine Nachfolger bestätigten das niederösterreichische Lehen als landesfürstliche Vogtei.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Soziale Verhältnisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genaue Angaben über die Stärke und soziale Zusammensetzung des Reichersberger Konvents sind bis zur Barockzeit nicht möglich, da sämtliche Unterlagen beim Brand von 1624 zugrunde gingen. Die erste vollständige Aufzählung der hiesigen Chorherren liegt erst von 1675 vor, die nächste von 1728.&lt;br /&gt;
1884 hat Konrad Meindl in mühevoller Kleinarbeit ein Verzeichnis der Chorherren erstellt, deren Namen er aus den verschiedensten Quellen zusammentrug. In der Weiterführung bis zum Jahre 1988 scheinen darin 693 Mitglieder auf.&lt;br /&gt;
Diese Zahl entspricht sicherlich nicht der Realität, weil besonders für die ersten Jahrhunderte die urkundlichen Nachrichten sehr spärlich sind. Wir gehen aber wohl nicht fehl in der Annahme, dass es in den ersten Jahrzehnten nur eine kleine Schar von Klerikern war, die in dem alten Burgkloster ein mehr kontemplativ ausgerichtetes Leben führte. Weder die ungeeigneten Gebäude noch die karge Dotation hätten einen größeren Konvent erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst mit dem dritten Propst Gerhoch (1132-1169) begann eine über dreißig Jahre dauernde Blütezeit. Die Chronik berichtet zwar von Laienbrüdern in nicht geringer Zahl, in einer Urkunde aus Gerhochs späterer Zeit unterschreiben neben Propst und Dechant aber nur zwei Priester, fünf Diakone und zwei Subdiakone. Das wird die Mehrzahl der im Stift selbst dienenden Kanoniker gewesen sein. Auch die Tatsache, dass an den acht großen Bänden des Psalmenkommentars nur drei Schreiber tätig waren, lässt auf einen kleinen Konvent schließen. Nur in einzelnen Fällen lassen sich Stand und Familie der Konventsmitglieder ermitteln. Sie zeigen Reichersberg als ein Stift der kleinen freien und ministerialischen Familien des Inntals. Nur äußerst selten begehrten Söhne des hohen Adels hier Aufnahme, und das wurde dann beinahe als Sensation empfunden. Eine Urkunde aus dem Jahre 1227 ist von 16 Chorherren unterzeichnet. Beim Tod des Propstes Walter 1281 lebten 20 Chorherren im Stift, sechs auf Pfarreien.&lt;br /&gt;
Der Administrator Ortolf von Teuffenbach verringerte die Zahl der Herrenpfründen auf acht. Eine Urkunde vom Jahre 1335 spricht von einer pusillus grex canonicorum Reycherspergensis ecclesie. Wahrscheinlich lebten auch einige Konversen im Stift. Auch das Wahlinstrument des Propstes Griffo von Ottenberg vom 2. Juli 1386 ist nur von acht Chorherren unterzeichnet. Ihnen sind aber noch die in Niederösterreich stationierten Kapitulare zuzuzählen, die an der Wahl nicht teilnahmen, und wohl auch einige Jungherren, die noch nicht stimmberechtigt waren. Der Gesamtpersonalstand wird die Zahl 20 kaum überschritten haben. &lt;br /&gt;
In der Reformationszeit sank die Zahl der Mitglieder von 23 im Jahre 1558 auf 14 im Jahre 1569. Im Zuge der inneren Reform füllte sich der Konvent aber wieder auf. Die Novizenaufnahme wurde der Zahl der Todesfälle angepasst, so dass die Gemeinschaft immer etwa 25 Mitglieder zählte.&lt;br /&gt;
Zwischen 1633 und 1779 traten 150 Chorherren in Reichersberg ein, zwei Drittel stammten aus Bayern. Adelige und Bauern waren nur mit je vier Prozent vertreten, meist waren es Söhne von Beamten, Handwerkern und Gewerbetreibenden. &lt;br /&gt;
Joseph II. verfügte für das Stift einen Numerus fixus von 16 Mann. Demzufolge und auch mangels geeigneter Bewerber gab es von 1777 bis 1789 keinen Eintritt. Nach der sechs Jahre dauernden Administration in der Franzosenzeit erschienen am 17. Februar 1817 sämtliche noch lebende Kapitulare - es waren nur mehr 13 - zur Wahl eines neuen Propstes. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Zahl der Mitglieder wieder langsam an und erreichte im Jubeljahr 1884 die Zahl von 24 Priestern und drei Junioren. Dieselbe Zahl entnehmen wir dem Personalschematimus von 1921.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der nationalsozialistischen Ära gab es keinen einzigen Eintritt. Todesfälle und Austritte von Klerikern dezimierten die Gemeinschaft von 27 im Jahre 1938 auf 17 im Jahre 1945. In den Nachkriegsjahren zeigt sich ein langsamer Aufwärtstrend, der jedoch in der nachkonziliaren Zeit zum Stillstand kam. Nach einer Unterbrechung von elf Jahren traten erst wieder 1978 drei Kandidaten ein. Im Jahre 1995 zählt das Stift 25 Mitglieder: 22 Priester und drei Junioren; das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre. Von ihnen stammen nur ein Drittel aus Familien von Selbständigen (Gewerbetreibende und Bauern), den größeren Teil stellen Söhne von Arbeitern, Nebenerwerbsbauern und Beamten. Es fällt aus, dass kein einziger Chorherr aus einer Akademikerfamilie kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliothek ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der alte Bibliotheksbestand ist dem Brand von 1624 zum Opfer gefallen. Es ist daher nicht möglich, vom alten Buchwesen und der im Kloster gepflegten Buchkunst eine ausreichende Darstellung zu geben.&lt;br /&gt;
Einem glücklichen Umstand ist es allerdings zu verdanken, dass wir wenigstens den Umfang und die Zusammensetzung des alten Bestandes kennen. Im Auftrag des Kurfürsten Maximilian mussten 1595 und 1610 zwei Bibliothekskataloge nach München gesandt werden, die in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhalten sind (Codex Bavaricus, Cat. 2, fol. 394 f.; Abschr. AR 204).&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1595 nennt insgesamt 172 Handschriften, wobei das Schwergewicht bei der Theologie lag, sie zählte 141 Nummern. 13 waren Juridica, sieben Historica, acht Philosophica, zwei waren medizinischen und eine astronomischen Inhalts.&lt;br /&gt;
Der Katalog von 1610 verzeichnet hingegen 250 Nummern. Die 78 in der Handschrift von 1595 nicht erwähnten Kodizes mögen nicht alle Neuzugänge gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, dass das Verzeichnis von 1595 nur die tatsächlich in der Bibliothek vorhandenen Bücher aufnahm, nicht aber solche, die sich gerade in Kirche, Refektorium oder in privatem Gebrauch befanden. Beide Kataloge sind von derselben Hand geschrieben.&lt;br /&gt;
Der Schreiber nennt sich selbst Ludwig Schlachius - er war Schulmeister des Stiftes. Unter den theologischen Schriftstellern hält Augustinus mit 39 Werken die Spitze. Von dieser ''bibliotheca codicibus instructissima'' (Monumenta Boica, Vorw. zu Bd. 3) haben nur einige wenige Handschriften den Brand von 1624 überlebt - sie bilden heute die kostbarsten Schätze des Archivs.&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 17. Jahrhunderts mussten ihre Hauptsorge dem Neubau der Stiftsgebäude zuwenden, aber schon von Propst Anton Ernst (1675-1685) wird berichtet; dass er den inzwischen wieder vorhandenen Bücherstand der Bibliothek vermehrte. Die allmählich anwachsende Sammlung war in einem Raum des Konventes untergebracht, nach Fertigstellung des Südtraktes bezog sie den heutigen Carlonesaal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prälaten des 18. Jahrhunderts verwendeten je nach der Finanzlage des Stiftes bedeutende Summen zur Anschaffung besonders theologischer Werke. So kam es, dass der beschränkte Raum der bisherigen Bibliothek nicht mehr ausreichte. Propst Ambras Kreuzmayr (1770-1810) verlegte die Bibliothek an die Südseite des Kreuzganges. Durch Entfernung der Zwischenwände des Krankentraktes und der Marienkapelle entstand ein langgestreckter Saal, den der Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf mit Fresken schmückte.&lt;br /&gt;
Die Deckengemälde zeigen den heiligen Augustinus als Bekämpfer der Irrlehren, die Gründung des Stiftes durch Werner und Dietburga von Reichersberg und die Schenkung des Zehents in den niederösterreichischen Pfarren Pitten und Bromberg durch Erzbischof Konrad von Salzburg. Die westliche Schmalseite schmückt ein Bild des großen Propstes Gerhoch, die östliche das des bekannten Thomas von Kempen, beide in der alten Tracht der Augustiner-Chorherren. Während die Fensterleibungen mit Phantasieporträts berühmter antiker Philosophen und Schriftsteller dekoriert sind, füllen die Räume zwischen den großen Fresken Bildnisse bedeutender Kirchenlehrer und Theologen.&lt;br /&gt;
Die 26 Schränke gehören stilistisch noch dem Rokoko an und sind Arbeiten des Grazer Bildhauers Josef Stöger, der sich im benachbarten Obernberg niederließ. Das kräftige, reich gegliederte Marmorportal in spätem Barock ist mit 1771 datiert und trägt im Aufsatz das Wappen des Stiftes (zwei Reiherflügel) und das des Propstes Ambras Kreuzmayr (Kreuz und Bienenkorb). Es ist ein Werk des Salzburger Meisters Jakob Mösl. Nur knapp drei Jahrzehnte konnten sich die Chorherren ihrer neuen Bibliothek erfreuen. Im Verlauf der Franzosenkriege diente das Haus zuerst als österreichisches Militärspital. Im Jahre 1801 beklagt der Hofrichter Weinmann in einem Schreiben an die Behörden, '' man habe die Kranken ohne Not in die Bibliothek verlegt, welche hiedurch außerordentlich gelitten habe; denn es sei nicht allein ein beträchtlicher Teil der Bücher entwendet worden, sondern manche kostbare Werke wären jetzt mank!''&lt;br /&gt;
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr der Bibliothek zur Zeit des französischen Militärspitals 1809/1810. Nach dem Abzug der Franzosen im April 1810 herrschte im ganzen Haus eine unbeschreibliche Verwüstung. Personal- und Geldmangel ließen die Bibliothek auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Im Jahre 1841 übernahm der Chorherr Bernhard Appel das Amt des Bibliothekars. Er ordnete die vorhandenen Bestände und legte auch einen Katalog an. Die größten Verdienste aber erwarb sich sein Nachfolger Konrad Meindl (Bibliothekar seit 1868). Die beiden heute noch in Gebrauch befindlichen Kataloge (Zettel- und systematischer Katalog) tragen großteils seine Handschrift, ebenso geht die heutige Anordnung der Bestände auf ihn zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I Theologie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a Bibelwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b Kirchenschriftsteller, Konzilien&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
c Dogmatik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
d Moral&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
e Aszetik und Mystik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
f Pastoral und Liturgie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
g Homiletik und Katechetik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II Rechtswissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III Geschichte, Geographie, Statistik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV Philosophie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V Mathematik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI Naturwissenschaft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII Medizin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIII Philologische und klassische Literatur&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IX Journale und Belletristik&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Konrad Meindl noch laufend Bücher anschaffen konnte, freilich nicht soviel wie er es wünschte, konnte sein Nachfolger als Bibliothekar Gerhoch Weiß (seit 1905) nur mehr das bereits Vorhandene bewahren. Die katastrophale Finanzlage des Stiftes zwischen den beiden Weltkriegen zwang zu äußerster Sparsamkeit. Von 1940 bis 1945 war im Stift eine Fliegerschule einquartiert. In den letzten Kriegsjahren wurden immer mehr Räume beansprucht, zuletzt auch die Klausur. Die Bibliothek dürfte aber nicht sonderlich gelitten haben, es finden sich keinerlei Hinweise, dass der Raum zweckentfremdet gewesen wäre. In den Nachkriegsjahren musste man sich darauf beschränken, die alte Ordnung wiederherzustellen. In die große Schwanthaler-Ausstellung des Jahres 1974 war auch die Bibliothek einbezogen. Die schadhaften Fresken wurden restauriert, und an die Stelle der ganz ungenügenden Beleuchtung traten zwei Kristalluster. Bei den Arbeiten zur Sicherung der Bibliothekskästen wurde die alte Ordnung empfindlich gestört und konnte nur zum Teil wiederhergestellt werden.&lt;br /&gt;
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war die Bibliothek praktisch nur mehr ein Schauraum. Da im Budget des Stiftes keinerlei Mittel dafür zur Verfügung standen, ergänzte sie sich nur aus den Nachlässen der Chorherren und gelegentlichen Zukäufen. Ein weiteres Problem bildete der Raummangel. In den meisten Regalen waren die Bücher in zwei Reihen hintereinander aufgestellt. Schon gegen Ende des 20. Jahrhunderts ließ Konrad Meindl einen Türbogen in einen kleinen Raum an der Nordostecke ausbrechen, seither kamen dort noch zwei angrenzende Räume hinzu. Deren Raum reichte aber kaum aus und man hatte dort immer wieder mit Feuchtigkeit zu kämpfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bau und Kunstgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Stift präsentiert sich heute als rein barocke Anlage, es sind keinerlei mittelalterliche Bauteile mehr vorhanden. Leider existiert auch kein einziges Bild des alten Klosters, sodass wir beim Versuch einer Rekonstruktion auf die spärlichen Angaben der Chronik angewiesen sind. Am Anfang diente die Burg Werners mit der Kapelle zum heiligen Sixtus den Kanonikern als Unterkunft. Als erste bauliche Veränderung wird berichtet, dass Werner die Befestigungsanlagen der Burg niederlegen ließ. Im Jahre 1126 weihte Erzbischof Konrad I. von Salzburg die neuerbaute Klosterkirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael ein. Propst Gerhoch (1132-1169) fand bei seinem Amtsantritt ein ziemlich desolates Kloster vor, dessen Bauten großteils aus Holz waren. Das ist durchaus verständlich, denn bis zur Fertigstellung einer steinernen Klosteranlage, deren Errichtung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, gab es kaum eine andere Wahl, als den Konvent in provisorischen Gebäuden unterzubringen. Noch dazu verzögerten die zeitbedingten politischen und kriegerischen Auseinandersetzungen den Ausbau des Klosters. Gerhochs Kloster besaß neben der Kirche vermutlich einen Kreuzgang mit Brunnenhaus, einen Aufenthalts- und Arbeitsraum mit Ofen und Kamin, einen Küchenbau mit Feuerstelle, ein gemeinsames Dormitorium, Vorratsräume, Wirtschaftsräume, eine Abortanlage. Auch ein Hospital gehörte neben der Stiftsschule und einer Gaststube zu diesem Gebäudeensemble. Übrigens war das Terrain der alten Klosteranlage wesentlich kleiner als heute. Dort, wo sich im äußeren Stiftshof der Michaelsbrunnen erhebt, lief bereits ein tiefer Graben, der das Kloster vom Dorf trennte. Die einzige Verbindung bildete die Zugbrücke, über die man durch den Torturm in den mit einer Mauer umgebenen Klosterbezirk gelangte. Die Konventgebäude bildeten mit der Kirche ein Quadrat, dem bis zum Torturm einige Nebengebäude vorgelagert waren. Von den alten Bauten könnten sich einige Grundmauern im Bereich des Kreuzgartens erhalten haben. Benno Ulm vermutet auch, dass die massive Südwand der heutigen Kirche die Brandkatastrophe von 1624 überdauert hat. Einzige sichtbare Zeugen aus der Frühzeit sind eine achtkantige Säule und ein Stein mit einem Männerkopf, die sich heute im Stiftsmuseum befinden. Erhalten sind weiters noch eine ganze Reihe mittelalterlicher Grabsteine, darunter der des Propstes Gerhoch (aus dem 13. Jahrhundert). Um das Jahr 1338 scheint der Kirchturm eingestürzt zu sein, denn Propst Ortolf erwirkte damals einen Ablass für die Gläubigen, die zum Wiederaufbau des Turmes ein Almosen gaben. Er konnte aber erst 1355 fertiggestellt werden. Die alte Klosterkirche war wesentlich kleiner als die heutige. Außer dem Hochaltar und dem Kreuzaltar in der Mitte standen nur zwei Seitenaltäre, das Sakramentshäuschen, der Taufstein und wenige Chorstühle darin. Vor dem Kreuzaltar befand sich das Hochgrab der Stifter, das um 1470 eine prachtvolle Deckplatte erhielt. Sie befindet sich heute an der Wand neben der ersten Seitenkapelle. Unter drei kräftigen Kielbögen mit fleischigen Krabben und Fialen stehen die Stifter, in der Mitte Werner und seine Gattin Dietburga, die das Kirchenmodell tragen, links von ihnen, gerüstet mit Schild und Rennfähnchen, ihr früh verstorbener Sohn Gebhard. Die drei Figuren stehen wie die Gestalten im Schrein eines Flügelaltares auf Konsolen, zwischen ihnen die Wappen der Plainer und der Helfensteiner, die Reiherflügel und die Rauten des Geschlechtes der Dietburga. Über die stilistische Herkunft der Platte aus Straubing oder Salzburg besteht noch keine Übereinkunft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Zeit des Propstes Magnus Keller (1588-1612) war die Kirche schon recht baufällig. Man hielt es damals für die beste Lösung, sie gänzlich abzubrechen und einen Neubau aufzuführen. Dieser Plan kam aber dann doch nicht zur Ausführung. Immerhin ließ Propst Magnus das bis dahin flach gedeckte Schiff einwölben und schaffte neue Altäre, Chorstühle, eine Orgel und eine große Glocke an. Eine kleine Glocke im Kreuzgang, die sich früher in der Frauenkirche befand, trägt die Inschrift: ,,Her Magnus Propst zu Richersperg 1602&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Anfang Mai 1624 vernichtete ein Großbrand die gesamte Klosteranlage. Nach dem Wegräumen des Schuttes und der Sicherung der noch standfesten Mauern erhielten die noch verwendbaren Bauteile eiligst provisorische Dächer. Dann ging man an die ''Abbrechung der alten Meyer, als dess alten gewesten Convents und ganzen Schlaihauss, darbey auch die Dechantey, halber Creitzgang und unsser Frauen Cappellen ''(Prälaturrechnung April 1625).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau erfolgte am Peter-und-Pauls-Tag 1625. Ein norditalienischer Baumeister, Niklas Zillier, übernahm die Bauleitung. Zu ihm gesellten sich noch Anthoni und Cassian (Caspar) Ragathon. Diese sind identisch mit den Righettoni aus Castaneda im Misoxtal in Graubünden. Bis Herbst 1625 wurden der Konventbau mit Sommer- und Winterkonvent, Dormitorium und Abort fertiggestellt. Über den Winter zogen die welschen Baumeister heim nach Graubünden und kehrten erst im Frühjahr wieder. Bis 1628 wurden drei Flügel um den Kreuzhof aufgeführt. An der Kirchenseite wurde über dem Kreuzgang ein winziges Oratorium eingebaut. Im Ostflügel des Konventbaues öffnet sich der Kreuzgang nicht zum Hof hin, sondern ist in der Mitte durch den „Stock&amp;quot; geführt. Den Auftrag für den Neubau der Stiftskirche erhielt ein Rieder Baumeister, Christoph Weiß. 1629 lieferte ein Schmied aus Braunau Gitter für die Kirchenfenster, die Zimmermannsarbeiten für Kirche und Konventgebäude übernahm Wolf Tobler aus Schärding. Im November 1630 wurde das Chortürmchen aufgesetzt. Unter dem bereits gedeckten Dach konnten Maurer und Tischler ungehindert vom Wetter an den Gewölben und der Innenausstattung arbeiten. Beim Einfall der Schweden in Bayern 1632 kamen die Arbeiten zum Erliegen, denn auch der Polier Wilhelm Starzer ist ''mit seinen Consorten wegen besorgender Kriegsleiff heimbgereisi'' (Prälaturakten 21. Mai 1632). Bis zur Kirchweihe am 31. Juli 1644 lässt sich der Baufortgang nur andeutungsweise aus den lückenhaften Rechnungen verfolgen.&lt;br /&gt;
Ab 1637 entstand der Nordtrakt mit den sogenannten Fürstenzimmern und dem Bayerischen Saal. Über 17 kräftigen Pfeilerarkaden öffnet sich im Obergeschoß ein Laubengang mit 34 Arkaden. 1664 wurde mit dem Baumeister Thomas Prünner aus Ried bereits die Schlussabrechnung gemacht. Den Weiterbau des Nordtraktes übernahm Carlo Antonio Carlone. In den folgenden Jahren wurden die ebenerdigen Wirtschaftsgebäude, die den westlichen Teil des Stiftshofes begrenzen, samt dem gedrungenen Torturm aufgeführt.&lt;br /&gt;
Nach der Fertigstellung der Bäckerei 1679 und des Brauhauses 1685 schloss Carlo Antonio Carlone den äußeren Stiftshof mit dem zweigeschossigen Südtrakt ab. Im Gelenk zwischen dem Konventtrakt und dem Neubau fügte er das Sommerrefektorium mit dem achteckigen Brunnenhaus ein. Als Stukkateure arbeiteten neben Giovanni Battista Carlone noch Paolo d'Allio und Piero Camuzzi an den üppig-schweren Girlanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den optischen Mittelpunkt des Stiftshofes bildet der Michaelsbrunnen, den Propst Theobald Antissner 1697 aufstellen ließ. Die Steinmetzarbeiten schuf der Salzburger Gregor Götzinger, die Ornamente und Delphine der Salzburger Bildhauer Bernhard Mändl, das Röhrenwerk der Münchener Brunnenmeister Adam Bartl. Die bekrönende Figur des heiligen Erzengels Michael ist eine Treibarbeit aus feuervergoldetem Kupferblech. Sie ist eine Meisterarbeit des Thomas Schwanthaler. Von ihm sind auch noch einige Plastiken und Epitaphe erhalten.&lt;br /&gt;
Als Höhepunkte der künstlerischen Ausstattung der Klostergebäude sind die malerischen Leistungen zu werten. Es handelt sich mit Ausnahme weniger bedeutender Ölbilder um die großen Freskenzyklen in der Kirche und den drei profanen Prunk- und Repräsentationsräumen. Zeitlich umgreifen diese Arbeiten fast ein Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Den Auftrag zur Ausschmückung des Festsaales im Südtrakt erhielten zwei Münchener Maler, Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht. Das Thema des langgestreckten Deckenfreskos ist das Wirken der göttlichen Vorsehung. In der Scheinarchitektur stehen zwischen den Säulen die Allegorien der damals bekannten vier Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika. Zwischen den Fenstern stehen überlebensgroße Imperatorengestalten, die in ockerfarbener Grisailletechnik mit Coldhöhungen gemalt sind. Die beiden Ölbilder an den Stirnseiten „Mose schlägt Wasser aus dem Felsen&amp;quot; und „Der Mannaregen in der Wüste&amp;quot; stammen von Kendlbacher. Die Prälaturrechnungen vom 9. September 1695 vermerken: ''Denen Mallern wögen des Neuen in Fresco ganz verförtigten Saals über die vorhin schon empfangen 580 Gulden völlig zalt und conientiert mit 400 Gulden''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bibliothek erhielt ihren Freskenschmuck 1770/71 vom Münchener Maler Johann Nepomuk Schöpf. Das Programm umfasst die Geschichte der Kirche, des Ordens und des Stiftes, Vertreter der Theologie und der Wissenschaften. Das Programm des Bayerischen Saales ist zur Gänze der griechischen Mythologie entnommen. Das Mittelbild der flachen Decke zeigt Phöbus Apollo mit dem vierspännigen Sonnenwagen, der täglich aus dem Ozean auffährt. Weitere mythologische Szenen sind an den Wänden dargestellt. Der Bayerische Saal diente früher als „Tafelzimmer&amp;quot; für vornehme Gäste. Propst Ambros Kreuzmayr notiert 1771: ''Dem Hern Schöpf, Mahl er von München, hab ich für die Ausmahlung des Tafelzimmers und der Bibliothek am baaren Geld behändigt 800 Gulden.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das letzte große Unternehmen vor dem Klostersturm des Josephinismus und der Säkularisation war die Freskierung der gewaltigen Deckenfläche der Stiftskirche. Vorausgegangen war der Einsturz des Kirchturmes 1774. Dieser stammte noch von der alten Kirche, dürfte beim Brand nur geringfügigen Schaden genommen haben und erhielt später eine barocke Haube aus Weißblech. Nun wollte man eine neue Kupferkuppel aufsetzen. Dieser Last waren aber die alten Mauern nicht mehr gewachsen. Am 17. Februar 1774 stürzte der fast vollendete Turm ein, zerschlug das Kirchengewölbe, die Empore mit der Orgel und die anliegenden Räume des Nordtraktes. Propst Ambros ließ unverzüglich einen Plan für den Neubau erstellen, der aber nur in abgeänderter Form zur Ausführung gelangte. Der diesbezügliche Erlass der kurfürstlichen Regierungsstelle in Burghausen lautet: ''Von Gottes Gnaden Maximilian Joseph ... Wir befehlen euch gnädigst, dass der bey eurer Stiftskirche neu zu erbauende Thurm nicht höher aufgeführt werde, als wie selber in dem wieder zurückfolgenden Riss mit Tinte angezeichnet worden. Wo wir im übrigen den Bau ratificiren ... ''&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist auf dem Plan die schlanke Zwiebelhaube etwa in der Mitte durchgestrichen: ''Hier soll das Kreuz aufgericht werden! '' Der neue Turm, um einige Klafter weiter westlich errichtet, gestattete die Verlängerung des Kirchenraumes und kann in seiner relativ bescheidenen Form als erstes Anzeichen des aufkommenden Klassizismus gelten.&lt;br /&gt;
Für die Freskierung der Kirche gewann der Propst einen der fähigsten Freskanten seiner Zeit, Christian Wink aus München. In seinem Werk überwiegen profane Aufträge, erst in zweiter Linie diente der Hofmaler der Kirche. Seine Fresken in der Stiftskirche sind hell und frisch, die Bewegung und Komposition ist noch durchaus spätbarock, in den Nebenbildern ist bereits der Klassizismus spürbar.&lt;br /&gt;
Die kuppelige Rundung über dem Presbyterium zeigt die Anbetung des Gottesnamen Jahwe durch die Chöre der Engel und Heiligen. Den großen mittleren Deckenspiegel nimmt die Legende von der Erscheinung des Erzengels Michael auf dem Berge Gargano in Apulien 493 ein. Das westliche Deckenfresko stellt die Übergabe der Ordensregel durch den heiligen Augustinus an die Chorherren dar. Interessant ist die Darstellung der Chorherren in ihrer Tracht, die den Wandel der Ordenskleidung anschaulich macht. Ganz links hat sich Christian Wink selbst abgebildet, neben ihm steht der Auftraggeber Propst Ambros Kreuzmayr. Von Wink stammen auch noch das Fresko in der Vorhalle „Mose vor dem brennenden Dornbusch&amp;quot; und im Prälatenoratorium „Ein Pilger auf dem steinigen Weg zum Himmel&amp;quot; sowie die kleinen Medaillonfresken in der Hauskapelle. Die Deckenfresken verleihen der sonst sehr schlicht wirkenden Kirche eine frohe, festliche Stimmung, die im Sommer besonders gegen Abend voll zur Wirkung kommt. Der Raum ist 43 m lang, 15 m hoch und ebenso breit (ohne Seitenkapellen). Hochaltar, Chorgestühl und Kanzel stammen aus der Zeit des Propstes Herkulan Kalchgruber (1707-1734). Leider sind die Prälaturrechnungen dieses kunstsinnigen Prälaten verlorengegangen. Die mächtige, vergoldete Kanzel wird dem Passauer Matthias Götz zugeschrieben. Die Kanzelbrüstung tragen zwei der Evangelistensymbole, der Löwe für Markus und der Stier für Lukas. Die beiden anderen Symbole finden sich auf dem überschweren Schalldeckel: zwischen den Voluten und Putten sitzt der Johannesadler auf dem Buch der Apokalypse, die Bekrönung bildet ein posaunenblasender Engel für Matthäus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Nordseite der Kirche sind vier Seitenkapellen angebaut. Für sie schuf Johann Baptist Modler aus Kößlarn 1762 bemerkenswerte Stuckaltäre. Der letzte fiel allerdings dem Einsturz des Kirchturmes zum Opfer und wurde 1775 durch einen Marmoraltar in klassizistischen Formen ersetzt. Da das bereits angesparte Geld dann für den Turm verwendet werden musste, kam die geplante Aufstellung eines Hochaltares und zweier Seitenaltäre in Marmor nicht mehr zustande. Der heutige Hochaltar stammt aus dem Jahre 1713, im Aufsatz trägt er eine frühbarocke Madonna, wahrscheinlich aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Hans Degler. Das Altarblatt- der Engelsturz - ist eine Kopie nach Rubens vom Wiener Karl Rahl 1834. Der Tabernakel wird 1750 datiert. Trotz dieser Uneinheitlichkeit fügt sich der Altar in seiner unaufdringlichen Art gut in die Apsisrundung ein. Eine besondere Zierde der Kirche bildet die hohe, elegante Orgelempore mit dem eindrucksvollen Orgelgehäuse des Grazers Josef Stöger 1776. Anläßlich des 900jährigen Jubiläums ließen Stift und Pfarre im Jahre 1981 von der Firma Metzler in Zürich in das alte Gehäuse eine neue Orgel einbauen. Im Presbyterium hat seit 1994 ein kleines Orgelpositiv von Vladimir Slajch aus Borovany (Tschechien) Aufstellung gefunden. Ein Juwel ist die Sakristei, die vom Linzer Meister Franz Josef Holzinger 1737 mit figuralen Flachreliefs geschmückt wurde. Die Mittelfigur stellt Papst Gregor I. dar, den Reformer von Liturgie und Choralgesang, wie er einen vor ihm knieenden Chorherrn auf den Ordensvater Augustinus weist. Nicht bekannt ist der Schöpfer der schönen eingelegten Wandschränke. An Kunstschätzen ist das Stift relativ arm. 1951 ließ Propst Floridus Buttinger im ehemaligen Sommersaal ein kleines Museum einrichten. Den Grundstock bildeten Porträts von Chorherren und Bilder der Stiftspfarreien. Ein schlichter Barockaltar, einige Figuren und Hausrat runden die Sammlung ab. So konnte man gelegentlichen Besuchern des Stiftes einiges zeigen: Kirche, Sakristei, Augustinisaal und „Museum&amp;quot;. Die Bibliothek lag ja in der Klausur und war somit nicht allgemein zugänglich. Als 1965 die Innbrücke Obernberg-Bad Füssing gebaut wurde, änderte sich die Situation schlagartig. Ein nie gekannter Besucherstrom ergoss sich in den sonst so verträumten Stiftshof. Das ließ einen Plan zur Verwirklichung gelangen, die wenigen, aber doch sehenswerten Kunstschätze des Hauses im Kreuzgang und den anstoßenden Räumen aufzustellen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bereits 1966 konnte das neue Stiftsmuseum eröffnet werden. Aus der Zeit der Gotik hat sich naturgemäß nicht mehr viel erhalten. In der Gruftkapelle sind Reste eines gotischen Glasfensters mit der Darstellung der Anbetung der Könige zu sehen. Von sechs noch vorhandenen Tafelbildern sind vier Kopien nach Dürers ,,Marienleben&amp;quot;. Eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz, die sich früher im Dorffriedhof befand, wirkt auf den ersten Blick noch gotisch, wird aber von Fachleuten mit etwa 1600 datiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Barock ist mit Werken Hans Deglers aus Weilheim sowie der berühmten Schwanthaler vertreten. Meister Thomas ist ein eigener Raum gewidmet. Hier dominiert ein prachtvoll geschnitzter vergoldeter Akanthusrahmen (200 x 170 cm), der seit 1770 als Umrahmung einer Altöttinger Madonna am Altar des Seitenschiffes der Kirche zu Münsteuer diente. Die mit Libellenflügeln versehenen Putten legen aber den Schluss nahe, dass der Rahmen ursprünglich für Privaträume und nicht für eine Kirche bestimmt war. Ein anatomisch vorzüglicher Elfenbeinchristus (Corpus 39 cm) auf einem schwarzpolierten Eichenkreuz gehört zu den kostbarsten Stücken der Sammlung. Zwei korrespondierende Plastiken, Maria vom Siege und Erzengel Michael, sind bereits auf einigen Ausstellungen gezeigt worden. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. werden zwei Weihnachtskrippen in geschnitzten Rokokoschreinen zugeschrieben, eine heilige Anna und ein Erzengel Michael, eine Replik in Kleinstformat der von seinem Großvater Thomas geschaffenen Brunnenfigur. Eine bisher Johann Peter d. J. zugeschriebene Verkündigungsgruppe aus Lambrechten dürfte nach neuesten Erkenntnissen ein Werk seines&lt;br /&gt;
Bruders Franz Jakob um 1780 sein. Eine Monstranz und ein Ziborium, beide Silber, vergoldet, tragen Augsburger Beschauzeichen um 1650. Aus dem 18. Jahrhundert ist nur ein einziger Messkelch mit Emaillemedaillons und reichem Steinbesatz erhalten. Auch an Paramenten hat das Stift nicht viel zu bieten. Der älteste Ornat ist in den Prälaturrechnungen des Jahres 1766 als Werk der Englischen Fräulein in München ausgewiesen. Der Erfolg der von den Chorherren selbst gehaltenen Führungen beweist, dass die Einrichtung des Stiftsmuseums keine nutzlose Investition war. Seit 1977 liegt die jährliche Besucherzahl ziemlich konstant zwischen 22.000 und 25.000. Der Großteil der Gäste kommt aus dem benachbarten Bäderdreieck Bad Füssing-Birnbach-Griesbach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv befand sich von 1876 bis 1993 in den Räumen der ehemaligen Stiftskanzlei (seither wieder als solche adaptiert). Früher waren die Urkunden und Akten auf verschiedene Räume verteilt. Die wichtigsten Urkunden wurden seit alters her in der Prälatur aufbewahrt, wo sie in einem kleinen gewölbten Nebenraum in einem Kasten mit 18 Laden nach Sachgebieten geordnet waren. Jodok Stülz, der in den Jahren 1838 bis 1841 diesen Bestand bearbeitete, änderte die alte Ordnung ab und reihte die Urkunden und Akten rein chronologisch. Weitere Archivalien befanden sich in der sogenannten alten Registratur, darunter sehr alte Pergamenturkunden über untertänige Bauerngüter; ihre Signatur richtete sich nach den Grundbuchsnummern. Zuletzt fanden sich Urkunden und Akten in der Stiftskanzlei. Konrad Meindl vereinigte alle diese Bestände in den neuen Räumen (Registratur- und Archivraum).&lt;br /&gt;
Im Zuge des Umbaues des Bildungshauses 1993 war es notwendig, die Archivräume zu verlegen, um für die Verwaltung zentral gelegene Räume zu gewinnen. Das Archiv erhielt im Nordtrakt, links von der Mittelstiege, zwei große Zimmer, die bis 1947 der Volksschule als Klassenraum gedient hatten und zuletzt als Sprechzimmer und Büro in Verwendung waren. Der erste Raum wurde als Arbeitszimmer eingerichtet, in ihm haben auch die schönen alten Archivschränke wieder Aufstellung gefunden. Sämtliche Archivalien, auch das Pfarrarchiv und das Musikarchiv, befinden sich nun im zweiten Raum und zwar in neuen, platzsparenden, auf Schienen laufenden Metallschränken. Die Schränke sind nach der Ordnung der Bestände beschriftet: 1. Urkunden, 2. Akten, 3. Prälaturrechnungen, 4. Altbestand, 5. Grundherrschaft, 6. Nachlässe, 7. Pfarrarchiv, 8. Musikalien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urkunden liegen mit einfachen zusammengefalteten Papierumschlägen versehen in Blechschachteln. Auf den Umschlägen ist das Datum, ein kurzes Regest, die alte Archivnummer nach dem Meindlkatalog sowie die heutige Archivnummmer eingetragen. Letztere geht auf Dr. Franz Linninger zurück, der in den Jahren 1939 bis 1941 die alten Bestände neu geordnet hat. Die Sammlung umfasst 2.121 alte Urkunden. Ab 1578 (Propst Johannes Radlmayr) sind die Urkunden, Akten und Handschriften nach der Regierungszeit der jeweiligen Pröpste in Faszikeln zusammengefasst.Als wertvollste Stücke des Archivs gelten der Psalmenkommentar des Propstes Gerhoch - die „Gerhoch Codices&amp;quot; - aus dem 12. Jahrhundert (9 Bde.; Bd. 3 in der Bayerischen Staatsbibliothek München Clm. 16012, Bd. 5 verschollen), der „Codex traditionum&amp;quot;, der unter Propst Gerhoch angelegt und bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts weitergeführt wurde, ferner das Promptuarium monasticum&amp;quot; (1420-1467), und der „Liber procurationis&amp;quot; des Schaffers Bartholomäus Hoyer aus der Zeit um 1465.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Hilfsmittel stehen zur Verfügung: Archivverzeichnis 1968 von Michael Hammer;&lt;br /&gt;
Urkundenkatalog 1940 (Regesten) von Franz Linninger; Archivbeschreibung 1939 durch das Linzer Landesarchiv mit einer Aufzählung aller Urkunden, die nicht im UBLOE aufscheinen (Jodok Stülz lagen nur die Urkunden des Prälaturarchivs vor);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der Prälaturakten 1994 (masch.schr.); &lt;br /&gt;
Archivalien zur Kunsttopographie des Stiftes Reichersberg 1958 von Benno Ulm (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis der noch vorhandenen gebundenen Schriften des ehemaligen Stiftsgerichtes o. J. (masch.schr.);&lt;br /&gt;
Verzeichnis des Archivs der niederösterreichischen Lehensverwaltung in Pitten 1965 von Rudolf Steuer;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ansichten und Pläne ==&lt;br /&gt;
Vom mittelalterlichen Kloster Reichersberg existiert keine einzige Abbildung. Zwar ließ Propst Johannes Zörer bald nach dem Brand des Jahres 1624 vom ,,Jungen Maller von Riedt&amp;quot; (Prälaturrechnung 6. August 1624) ein Bild der alten Anlage malen, doch ist dieses, wie so viele andere Gemälde, wahrscheinlich in der Zeit der französisch-bayerischen Administration (1810 bis 1816) vom Stift weggekommen.&lt;br /&gt;
1984 versuchten Günther Kleinhanns und Gregor Schauber eine hypothetische Rekonstruktion der alten Stiftsanlage, die sich auf spärliche Angaben alter Quellen und Abbildungen auf zwei alten Landkarten stützt. Von der barocken Anlage sind keinerlei alte Baupläne und Skizzen erhalten. Eine Ausnahme bildet nur der Entwurf für den (in dieser Form nicht ausgeführten) Kirchturm. 1972 hat die Technische Hochschule Wien (Institut für Baukunst und Bauaufnahmen) die gesamte Anlage vermessen und neue Pläne erstellt.&lt;br /&gt;
An Handzeichnungen existieren drei aquarellierte Federzeichnungen, wahrscheinlich von I. B. Carl aus Passau, 1799 (z. Zt. im Sommerrefektorium). Ferner zwei Aquarelle von Josef Michael Kurzwernhart, 1818. Sie zeigen das Stift von Nordwesten mit einem Schiffszug am Inn und eine Ansicht von Nordosten gegen Obernberg. Das einzige nennenswerte Ölgemälde befindet sich im Pfarrhof zu Pitten (140 x 210 cm) und ist 1734 datiert. Es lehnt sich in der Darstellung bis ins Detail an einen Kupferstich von Ulrich Kraus 1688 an, nur sind hier Bild und Wappen des Propstes Herkulan Kalchgruber eingefügt. Aus etwa derselben Zeit stammt ein Ölbild im Kreuzgang (138 x 107 cm). Es zeigt den Stifter Werner in der alten Chorherrentracht, wie er mit der rechten Hand auf die barocke Anlage weist. Der Kupferstich von Ulrich Kraus von 1688 (46 x 65 cm) ist die früheste Wiedergabe der barocken Klosteranlage. Er zeigt aus der Vogelschau die beiden Höfe; die Kirche hat noch den alten Turm, links oben der Erzengel Michael flankiert von Augustinus sowie Gerhoch und Arnoldus Pius; rechts oben das Bild des Propstes Theobald Antissner (Kupferplatte im Stiftsarchiv).&lt;br /&gt;
Der bekannte Stich von Michael Wening, München 1721, unterscheidet sich von obigem vor allem durch die Darstellung einer von Carlo Carlone entworfenen, aber nicht zur Ausführung gelangten prunkvollen Prälaturfassade (Historico-Topographica Descriptio, Rentamt Burghausen, Blatt 47). Auch der Kupferstich von I. B. Carl, Passau um 1800, lehnt sich im Motiv an die beiden vorigen Stiche an, nur zeigt er bereits den heutigen, 1774 erbauten Kirchturm. Links vorne ist noch die 1820 abgebrochene Frauenkirche zu sehen, rechts der Meierhof mit dem mittleren Stadel und das Salettl auf der Teichinsel.&lt;br /&gt;
Zwei Kupferstiche von Beda Weinmann um 1845 zeigen den Stiftshof gegen die Kirche und eine Ansicht mit der alten Säge unterhalb der Stiftskirche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sphragistik und Heraldik ==&lt;br /&gt;
Das älteste Siegel des Stiftes stammt nach Konrad Meindl aus dem Jahre 1229. Es ist ein Rundsiegel und zeigt den Erzengel Michael, wie er mit der linken Hand den Teufel niederstößt. Eine Übereinkunft vom 11. Dezember 1227 lässt auf getrennte Siegel von Propst und Konvent schließen. Im Gegensatz dazu scheint sich die Siegelankündigung auf einer Urkunde des Propstes Gerold vom 23. April 1262 auf ein gemeinsames Siegel von Propst und Konvent zu beziehen.&lt;br /&gt;
Die älteste im Stiftsarchiv original überlieferte Urkunde mit je einem erhaltenen Siegel des Propstes und des Konventes trägt das Datum vom 19. März 1290; es handelt sich um eine Leibgedingsurkunde für Ulrich von Sautern von Propst Konrad 1. von Radeck. Beide Siegel haben eine spitzovale Form, das Konventsiegel zeigt wieder den Klosterpatron St. Michael mit der Umschrift: SIGILLUM CONVENTUS IN REICHERSPERG.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Jahrhunderten fand ein noch an vielen Urkunden vorhandenes Konventsiegel Verwendung. Es ist ein Rundsiegel (Durchmesser 60 mm) und zeigt den Erzengel Michael in halb kniender Stellung, der mit der Rechten den Teufel niederstößt. Die Umschrift lautet: S' MICHAHEL ARCHANGELI COVET IN RICHERSPERG. Das Siegel ist zum ersten Mal auf einer Urkunde aus dem Jahre 1332 vorhanden, zugleich mit dem einzigen Siegel des Frauenklosters (spitzovales Siegel mit Darstellung der sitzenden Muttergottes mit Kind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses alte Konventsiegel wurde erst in der Barockzeit durch ein kleineres Rundsiegel mit dem Michaelsmotiv (Durchmesser 35 mm) abgelöst, während nun das Siegel des Propstes, offenbar seit der Infulierung 1654, einen größeren Durchmesser erhielt (45 mm). Die Pröpstesiegel haben von Propst Ulrich III. (1297-1301) bis Paul Tellenpeck (1415-1468) eine spitzovale Form mit dem Bild des Erzengels Michael und darunter in einem Schildchen das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Seit Bartholomäus Hoyer (1469-1482) besitzt das Siegel der Pröpste eine runde Form. Unterhalb des Erzengels Michael befinden sich nun zwei Schilde: das linke zeigt das Wappen der Plainer, die beiden Reiherflügel, das rechte jeweils das persönliche Wappen.&lt;br /&gt;
Nach der Infulierung des Propstes Adam Pichler 1654 ändert sich das Siegel. Es zeigt zwei ovale Schilde (Reiherflügel und persönliches Wappen), die von einem Engelskopf mit Mitra und beigefügtem Stab bekrönt werden. Diese Darstellung wurde seither beibehalten und ist auch heute noch auf der Stampiglie des Propstes zu finden.&lt;br /&gt;
Seit dem 15. Jahrhundert führt das Stift Reichersberg ein Klosterwappen: von Blau und Rot gespalten, belegt mit einem goldenen Flug (zwei Adlerflügel, fälschlich oft Reiherflügel genannt). Dieses Wappenbild wurde meist auf den Schild der Grafen von Plain zurückgeführt, die ein gleiches Wappen führten, aber mit Reichersberg nichts zu tun hatten. In Wirklichkeit ist der „Flug&amp;quot; das heraldische Symbol für den Erzengel Michael, den Patron des Klosters. Daher führen dieses Zeichen auch andere Klöster, die dem heiligen Michael geweiht sind, wie Michaelbeuern (Salzburg) und Weihenstephan (Bayern).&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Eberndorf</title>
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		<updated>2022-01-03T15:21:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gründungsgeschichte===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das spätmittelalterliche Nekrologium des Stiftes Eberndorf nennt zum 16. Mai „''Achacius comesfundator huius monasterii, Chunigundis vxor sua''“, wobei über dem Namen Achacius von anderer (späterer) Hand „''Gatzelinus''&amp;quot; geschrieben wurde. An diesem Tag beging man im Stift den Jahrtag dieses und aller anderen Stifter mit einergetreidespende an die Armen, eines „Schinkens&amp;quot; und einer Urne Wein.&lt;br /&gt;
Bei „''Achacius''&amp;quot; handelte es sich um den in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Friaul begüterten Graf Chazil, in der Literatur als Graf in Friaul, von Eberndorf und von Moggio bezeichnet. Chazil bzw. Kazelin ist die Kurzform von Kadalhoch, eines Namens, der in der Nachkommenschaft desgrafen Otakar (von Leoben, in Karantanien, 904) üblich war. Als Patriarch Sighard von Aquileja 1072 die Abtei Michaelbeuern bei Salzburg erneuerte, befand sich in seinem Gefolge auch sein Vasall Chazilide Mvosiza (= Moggio in Friaul). Der Patriarch und Kazelin waren miteinander entfernt verwandt. Kazelin war ein Urenkel Aribos und seiner Frau Adala (Adula), der Stifter von Göss, der Patriarch aber nach Heinrich Dopsch (1991) ein Enkel Adulas aus ihrer zweiten Ehe (diese von Plank 1981 bestritten). Diese Verwandtschaft und das Vasallenverhältnis Chazelins zu Aqileja bedingten enge Beziehungen zum Patriarchat. Aus ihnen erflossen nach Kazelins Tod zwei Klostergründungen.&lt;br /&gt;
Da Kazelin kinderlos war - seine Gemahlin Kunigunde wird nur im Eberndorfer Nekrolog aus dem späten 15. Jahrhundert genannt - und auch der Letzte seiner Linie, übergab er um 1085 dem Patriarchen Friedrich II. von Aquileja (1084-1086) Eigengüter in Friaul, vor allem um Moggio an der Fella, zur Stiftung eines Klosters. Diese Dotation verwendete Patriarch Ulrich I. (1086 - 1121) zur Errichtung der Benediktinerabtei Moggio, deren Kirche 1119 geweiht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kazelin hatte aber vor seinem Tod auch seinen in Unterkärnten gelegenen Allodbesitz der Kirche von Aquileja mit der Bedingung überantwortet, ''dass durch die an dem Ort, wo er begraben würde, lebenden Brüder immerfort mit gebeten gott gedient werde.'' Kazelin starb im oder bald nach dem Jahr 1090 und wurde zuerst in Gösseling (nicht Gösselsdorf bei Eberndorf), unmittelbar bei St. Georgen am Längsee in Kärnten, wo 1002 - 1018 Adalas Schwester Wichburg ein Nonnenklostergestiftet hatte, begraben.	&lt;br /&gt;
Weil Gösseling im Bereich der Erzdiözese Salzburg lag, ordnete Patriarch Ulrich die Überführung des Leichnams Kazelins in die Kirche „''sanctae Mariae Jun in Dobrendorf''“&lt;br /&gt;
(= Eberndorf), die im Diözesansprengel des Patriarchats und auf Kazelins Eigengut lag, an und veranlasste deren Erweiterung. Die angebliche Anwesenheit von drei Suffraganbischöfen Aquilejas (Erhard von Pola, Riwin von Concorda, Hartwig von Triest) bei der Überführung und endgültigen Grablegung Kazelins fällt auf. Kurz vor 1106 soll Bischof Riwin von Concordia im Auftrag des Patriarchen die neue Kirche in Eberndorf geweiht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1106 kam Patriarch Ulrich I. persönlich nach Eberndorf und stellte dort eine Urkunde aus, durch die er dem Gotteshaus und den bereits am Ort lebenden Kanonikern zu ihrem Unterhalt folgende Güter, Einkünfte und Kirchen übertrug : die Dörfergösseling (Goztelich), Eberndorf (Dobrendorf) und was Graf Kazelin in Köcking (Coken), Pribelsdorf (Prilep),gablern (Gablarn, alle drei bei Eberndorf) und anderen Dörfern besaß, die Hügel Kolm (Chulm), Krugl (Chrugel), auf dem das Stift liegt, und Unarach (Vnistiz) bei Eberndorf. Die Wälder mit Jagd- und Fischrechten zwischen dem Jaunberg (Jvnberch, jetzt Hemmaberg bei Jaunstein) und Zelach (Seelach bei St. Kanzian oder Sielach bei Sittersdorf?) und die Zehente zu Windischgraz/Slov.gradec (Graz) und Eberndorf (Ivn) samt den vier Pfarren (plebibus) und ihren Zehenten in Rosegg (im Rosental, Ras), St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Windischgraz (Graz, eigentlich [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Pankraz in Altenmarkt bei Windischgraz|St. Pankraz in Altenmarkt]]).&lt;br /&gt;
Diese „Stiftungsurkunde&amp;quot; von 1106 Eberndorf (eine genauere Datumsangabe fehlt) ist nur als „Innovation&amp;quot; vom Jahre 1226 erhalten. An ihr hängt aber ein Siegel Patriarch Ulrichs I. (1086-1121), das an der Originalurkunde, nach der Sitte der Zeit, aufgedrückt gewesen wäre. Dieses Siegel ist übrigens das älteste authentische eines Patriarchen von Aquileja. Reinhard Härtel (dem ich hier für vielfache Hinweise aufrichtig danke)gab zu bedenken, dass es heute von Patriarch Ulrich I. keine einzige authentische Urkunde gibt.&lt;br /&gt;
1154 bestätigte der Patriarch Pellegrino I. nach Errichtung des Augustiner-Chorherrenstiftes bei der Pfarre Eberndorf den dem Kloster zugewiesenen Besitz. Als solcher wird genannt: Die Pfarre Eberndorf samt Zehenten und sechs Kapellen, die Pfarre Leifling mit zwei Kapellen, ein Teil Zehent in der Pfarre Skalis bei Schönstein in der Untersteiermark und die Kapelle St. Georgen am Georgiberg bei Eberndorf. Die angeblich schon 1106 inkorporierten großen Pfarren St. Michael in Rosegg, St. Kanzian, St. Michael in Bleiburg und Graz werden 1154 nicht erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Urkunde von 1106 angeblich in Eberndorf ausgestellt wurde, nennt sie als Zeugen der Rechtshandlung weder einen höheren oder niederen Geistlichen in der Begleitung des Patriarchen, noch den ersten Propst - nach Marian hätte es der von ihm zu 1111 genannte Hartwig (im Nekrolog von Eberndorf zum 3. August eingetragen) sein können - oder einen der Kanoniker. Auch die weltliche Zeugenreihe beinhaltet nur Vornamen, was R. Härtel jedoch als Kriterium der Echtheit der Urkunde ansieht. Auch die zum Schluss der Urkunde ausgesprochene ''Commina cio spiritualis'' ist damals nicht unüblich gewesen und findet sich auch in anderen Urkunden dieser Zeit. In der päpstlichen Bestätigung für den Patriarchen Pellegrino I. von 1132 fehlt Eberndorf richtigerweise unter den zum Patriarchat gehörigen Klöstern, weil es einerseits immer im Herzogtum Kärnten lag, andererseits noch nicht als reguliertes Stift existiert hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach 1106 hört man fast fünfzig Jahre überhaupt nichts von Eberndorf. Erst 1149, 1151 und 1152 erscheint in „''Leoprepositus Iunensis''“ der erste auch durch Urkunden nachweisbare Vorsteher einer Priesterkommunität in Eberndorf. Dies hat W. Fresacher, J. Rainer, E. Webernig und andere bewogen, die Errichtung des Augustiner-Chorherren Klosters zwischen 1149 und 1154 anzusetzen. 1154, unter Leos Nachfolger Roman, war sie durch die Einführung der Augustinerregel für die Kanoniker seitens des Patriarchen Pellegrino I. bereits vollzogen und 1177 wird Eberndorf erstmals als Kloster aquilejischer Jurisdiktion bezeichnet.&lt;br /&gt;
Auffallend ist, dass Patriarch Ulrich I. die Gründung Eberndorfs als Säkularstift schon 1106 ins Werk setzte, während er sich bei Moggio länger Zeit ließ, dessen Gründung erst 1119 zum Abschluss kam. R. Härtel hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Ulrich I. der letzte seines Hauses (Eppenstein) war. Deshalb und seines zuletzt hohen Alters wegen könnte sein Interesse an der weiteren Verfügung über die Güter Kazelins erlahmt sein. Andererseits konnte er auch ohne größere Bedenken aus Eigenem für Klostergründungengeben. Wegen der Übergabe der Güter Kazelins und der Inkorporation der vier Pfarren wurde Ulrich im Ebendorfer Nekrolog als „Stifter&amp;quot; eingetragen. Ein besonderer Freund der regulierten Chorherren scheint er aber nicht gewesen zu sein, hat er doch das nach der Augustinerregel lebende Kloster Rosazzo im Patriarchat Aquileja um 1090 in ein Benediktinerkloster umgewandelt, das der Hirsauer Reformbewegung nahestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die besondere Stellung Ulrichs I. (Alter, Letzter seines Hauses) könnte - nach Meinung Härtels - auch dafür verantwortlich sein, dass für beide Klöster aus ihrer Gründungszeit heute so wenig schriftliches Material vorhanden ist, vielmehr erst Patriarch Pellegrino I. die Verhältnisse sowohl in Moggio als auch in Eberndorf stabilisiert bzw. geordnet hat. Es herrscht die Meinung vor, Eberndorf sei die letzte Stiftsgründung in Kärnten gewesen, die in einen unmittelbaren Zusammenhang mit der von Salzburg getragenen Reformbewegung in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gebracht werden könne.&lt;br /&gt;
Denn die Chorherren waren, zum Unterschied von den Mönchen, auch in der Seelsorge tätig. Und um diese ist es Patriarch Pellegrino I. wohlgegangen. Erzbischof Konrad I. von Salzburg (1106-1147) führte die Augustinerregel in den Dom stiften Salzburg und Gurk ein und errichtete eine stattliche Zahl von Chorherrenstiften in seiner Diözese. Eberndorf wird mit den Stiften [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (Oberösterreich) und [[Stift Klosterneuburg|Klosterneuburg]] (Niederösterreich) als zur Salzburger Observanz gehörig bezeichnet.&lt;br /&gt;
Die Frage nach der Herkunft der Chorherren des Jahres 1154 ist momentan nicht zu beantworten. Im Falle einer „Umwandlung&amp;quot; des Säkularstiftes in ein reguliertes, erübrigt sich die Frage weitgehend. Die Meinung, es könnten (auch) Kanoniker aus dem oberbayrischen Kloster Rottenbuch nach Eberndorf gekommen sein, wurde widerlegt und statt diesem der eben erwähnte Salzburger Reformkreis in Vorschlag gebracht. Trotzdem gab es schon um 1170 enge Beziehungen zwischen Eberndorf und Rottenbuch, weil damals ein und derselbe Propst beiden Klöstern vorstand.&lt;br /&gt;
Vogtei und Blutgericht über Eberndorf lagen ursprünglich bei den Herren von Trixen, dann wurde die Blutgerichtsbarkeit von den Herrschaften Sonnegg bzw. Rechberg als Sitze des Landgerichts Jauntal, seit 1454 aber vom herzoglichen Landgericht Stein im Jauntal ausgeübt. Die Niederegerichtsbarkeit über die Bewohner im Burgfried Eberndorf und über die stiftischen Untertanen hatte der Propst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Kapitel von Eberndorf hatte das Recht, seine Pröpste aus seiner Mitte zu wählen, dem Patriarchat blieb als Ordinarius das Bestätigungsrecht. Unter dem bedeutendsten Propst des frühen Mittelalters Otto (II.) erreichten die Beziehungen zu Aguileja geradezu familiären Charakter. Otto, Propst des Reformklosters [[Stift Rottenbuch|Rottenbuch]] am Ammersee (dort 1144 zur Regierung gekommen), war eingeborener Graf von Falkenstein, Bruder des Abtes Rupert von Tegernsee (1156–1186) und hatte einen dritten Bruder Gebhard von Sanegg, der die Schwester des Patriarchen Ulrich II. Graf von Treffen (1161–1182) geheiratet hatte. Wohl deshalb wurde Propst [[Otto (Stift Eberndorf)|Otto]] 1173 (oder kurz davor) auch Propst von Eberndorf, dessen zusätzliche Einkünfte Otto für seine vom Patriarchen gewünschte Mitarbeit beweglicher machen und das Kloster Rottenbuch finanziell entlasten sollten. Aus den Jahren 1177 bis 1179 existiert ein Briefwechsel zwischen Otto, seinem Bruder Abt Rupert, dem Patriarchen und anderen Prälaten. Dieser zeigt Otto im aufreibenden Dienst beim Patriarchen, mit dem er sich in Venedig beim Friedensschluss zwischen Papst und Kaiser (1177) aufhielt. Er gehörte in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs I. Barbarossa mit Papst Alexander III. der päpstlichen Partei, das heißt der streng kirchlichen Richtung an und hatte deshalb manche Verfolgung von Seiten Welfs von Bayern zu ertragen. Aber selbst die Mittel aus zwei Propsteien scheinen für Otto nicht ausgereicht zu haben, um den Aufträgen des Patriarchen nachkommen. Der Propst beklagte sich beim Archidiakon von Villach darüber, dass er sich nicht einmal neue Kleider leisten könne, denn er musste häufig zwischen Rottenbuch, Eberndorf und Aguileja pendeln.&lt;br /&gt;
Eine Familienaffäre brachte Propst Otto sogar in Gegensatz zum Patriarchen. Herrand von Wildon, der schon mit Graf Wilhelm von Heunburg zwei Töchter Leutolds von Gutenberg-Waldstein entführt hatte, um für sich und seinen Freund zu reichen Bräuten zu kommen, entführte – diesmal nicht für sich – die minderjährige Tochter des inzwischen verstorbenen Gebhard von Sanegg. Die Mutter des Mädchens war damit einverstanden, denn sie wollte ihre beiden Kinder, die Tochter und deren Bruder, an nicht standesgemäße Partner verheiraten, um ihnen nicht das ganze elterliche Erbe als Mitgiftgeben zu müssen. Den größten Teil des Erbes gedachte sie dem Patriarchat Aquileia zuhanden ihres Bruders, des Patriarchen, zuzuwenden. Propst Otto gelang es, mit Unterstützung seines äbtlichen Bruders, den Knaben unter seine Obhut zu bringen und ihm nach langen Verhandlungen sein reiches väterliches Erbe gegen die Absichten der Mutter und des Patriarchen zu sichern. Der Knabe wurde dadurch der Stammvater der späteren Grafen von Cilli.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang des 13. Jahrhunderts bestanden auch Beziehungen zwischen Eberndorf und der Kanonie Reichersberg am Inn. Dort resignierte 1206 Propst [[Leonhard I.|Leonhard]]. Er verließ in diesem Jahr sein Kloster, nachdem er den dortigen Kanonikern noch einige Wohltaten erwiesen hatte, und wandte sich nach Eberndorf, wo er sofort zum Propst gewählt wurde. Auch hier wirkte er für seine neuen Mitbrüder segensreich. Auf ihn ging die Widmung der Einkünfte von 20 Huben zur Kleiderkammer der Chorherren zurück.&lt;br /&gt;
Das 14. und 15. Jahrhundert war auch für Eberndorf die große Zeit der Jahrtagsstiftungen. Die Schenkungen aus diesem Titel bedeuteten für die Propstei einen respektablen Besitzzuwachs. 1312 errichtete der Burgherr von Sonnegg im Jauntal eine große Stiftung, die von zwölf Priestern bedient werden sollte und gab dafür sechs Huben. Ob das Stift damals so viele Priesterkanoniker hatte ist unbekannt. Die zwölf Messen dürften wohl auch von den Säkularpriestern, die zum Jahrtag ins Stiftgeholt wurden, gelesen worden sein. Die Sonnegg–Stiftung wurde in der Folge noch erweitert, doch kam Ebendorf nicht sofort in den Besitz der Liegenschaften, denn diese wurden von späteren Burgbesitzern widerrechtlich zurückbehalten und erst 1394 den Stift eingeantwortet. 1313 verlieh Graf Heinrich von Görz-Tirol dem Stift Lehenhuben in Grabelsdorf bei Ebendorf, damit der Konvent für ihn und seine Vorfahren bete. Auch mehrere Mitglieder der im Jauntal ansässigen ritterlichen Familie der Christendorfer errichteten in dieser Zeit Messstiftungen. größere Jahrtagsstifungen gingen auf Wulfing von Sunneck (1344), die adeligen Schrampf (1501), den Kardinalbischof von Santa Sabina oder den Bischof Warunensis de Pruscia zurück. 1330 errichtete Patriarch Paganus für sich eine Jahrtagsstiftung in Eberndorf und gab dazu einen Weingarten bei Sittersdorf. 1362 erfolgte die Jahrtagsstiftung des Dechants Jacob von Eberndorf. Eine letzte Stiftung machte noch kurz vor der Reformation Martin Luthers der vermögende Propst Valentin Fabri 1508.&lt;br /&gt;
Durch die Munifizenz des Patriarchen Bertold (1218–1251) besaß Eberndorf schon früh auch eine Spitalstiftung. 1397 erlaubte der Patriarch der Propstei, die Stiftung von einem Kanoniker verwalten zu lassen. Sie überlebte nicht nur die Aufhebung des Stiftes, sondern auch die des Jesuitenordens und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Reformbestrebungen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hatte schon früher (1309) der Patriarch in das geistliche Leben der Kanonie Eberndorf eingegriffen, gab der Klerus in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nicht nur in der Diözese Aquileja, Anlass zu herber Kritik. Der Patriarch schickte Visitatoren auch nach Eberndorf. Diese fanden am 10. Oktober 1475 die dortigen Verhältnisse ziemlich liederlich. Unpassende Kleidung, intime Beziehungen zu Frauen und regelwidriges Leben waren die Hauptvorwürfe. Man schärfte Propst und Kapitel die schon früher ergangenen Reformvorschriften erneut ein. Bald danach wurde Leonhard von Keutschach zum Propst gewählt. Er hatte sich vordringlich um die Sicherheit der Propstei in den Auseinandersetzungen Kaiser Friedrichs III. mit den ins Land eingedrungenen Truppen des Ungarnkönigs Matthias Corvinus zu kümmern. Als Keutschach 1490 zum Dom Propst von Salzburg gewählt wurde, behielt er Eberndorf noch drei Jahre lang als Kommende bei. Schließlich wurde er Erzbischof von Salzburg, wo sein Andenken mit dem Ausbau der Festung Hohensalzburg verknüpft ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1497 kam ein Mann zur Propstwürde, der als typischer Vertreter des höher en Klerus am Vorabend der Reformation erscheint: [[Valentin Fabri]]. Er stammte aus Ponigl in der Untersteiermark, war als Säkularpriester 1478 schon Vikar, drei Jahre später ordentlicher Pfarrer von Gonobitz/Konjice. Im nächsten Jahr wurde er Statthalter des Patriarchats, dann Vizearchidiakon und 1486 Archidiakon von Saunien. &lt;br /&gt;
Im März resignierte Propst [[Andreas Erlpacher|Erlpacher]] und Fabri wurde von den Kanonikern dem Patriarchen als Propst präsentiert und auch bestätigt. 1498 nannte er sich Propst von Eberndorf, Archidiakon im Jaun- und Sanntal, ewiger Kommendator der Pfarren St. Georg in Gonobitz und St. Nikolaus in Saldenhofen/Vuzenica. 1487 bereiste der Bischof von Caorle im Auftrag des Patriarchen den Archidiakonatsdistrikt Saunien und traf mehrmals mit dem Archidiakon Fabri zusammen. Paolo Santonino beschreibt Fabri als an Körpermaß und Tugend wahrlich großen Mann, der in Gonobitz einen Haushalt mit 43 Personen (darunter neungeistliche) führte und acht Pferde unterhielt. Die Gastmähler, die Fabri der Reisegesellschaft gab, waren eines Kardinals würdig. Die Pfarre Gonobitz hatte 25 Filialkirchen, fetteste Einkünfte und warf ihrem Inhaber im Jahr 200 Dukaten ab. Kein Wunder, dass die Eberndorfer Chorherren Fabri als Propst wünschten, denn sie erhofften sich von ihm wirtschaftliche Vorteile für ihr Stift. Eine Ebendorfer Inschrift von 1506 nennt ihn ''prepositus et reformator'' des Klosters. Fabri residierte abwechselnd in Eberndorf und Gonobitz, wo er an der Beulenpest starb und eingrabmal erhielt. Dessen Inschrift lautete:&lt;br /&gt;
&amp;lt;blockquote&amp;gt;&amp;quot;''Hoc sub signo requiescat in Pace Rev. Pater Valentinus Fabri honorandusque praepositus in Aberdorfiis et huius ecclesiae plebanus et reformator et archidiaconus Sauniae. Obiit bubonnibus anno Domini 1505''&amp;quot;. &amp;lt;/blockquote&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seiner Todeskrankheit wegen wollte man Fabri nicht nach Ebendorf überführen, was aber Jahre später von Aquileja aus angeordnet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im 16. Jahrhundert - das Völkermarkter Bistumsprojekt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hätte mehrere Pröpste wie Valentin Fabri bedurft, um Eberndorf durch die schweren Zeiten des 16. Jahrhunderts zu führen. 1529 musste das Stift ein Viertel seines Grundbesitzes König Ferdinand I. als Subsidium zum Türkenkrieg opfern. Einiges konnte das Stift in bar ablösen, trotzdem war der Verlust so vieler Güter und ihrer Einkünfte empfindlich und eigentlich der Anfang vom Ende des Klosters. Hausgemacht war die Misswirtschaft, die man Propstes [[Lucas Mayr]] von Seiten des Stiftes wie der Regierung vorwarf. Sie endete 1573 mit seiner Absetzung. Mayr hatte mit seiner Haushälterin einige Kinder gezeugt, denen er in Bleiburg Haus und Grund kaufte. Dar auf angesprochen antwortete er lapidar, er habe sich das Geld noch als Pfarrer von Sittersdorf verdient. Vom Regularleben hielten er und etliche Chorherren nichts mehr. Diese Zeit ist die&amp;quot; protestantische Phase&amp;quot; des Stiftes. 1569 forderte Erzherzog Karl den Propst auf, den von ihm verlangten Bericht über die Profanierung und Einziehung der Benefizien und geistlichen Güter, deren sich vor allem die evangelischen Ungnad als Schlossherrn von Sonnegg schuldig gemacht hatten, unverzüglich nach Graz einzuschicken.&lt;br /&gt;
Nach dem Tod des Propstes [[Bartholomäus Kranich]] (1583) war die Administration der wirtschaftlichen und geistlichen Agenden Eberndorfs nicht mehr zu umgehen. Die ökonomischen Verhältnisse waren so desolat, dass ab 1588 der Bischof von Laibach (vertreten durch einen Stiftsökonomen) die Stiftswirtschaft sechs Jahre hindurchführte, ohne deren Gesundung zu erreichen. In dieser Zeit verfiel das Stift auch personell zunehmend. Die miserablen Zustände lenkt en die Aufmerksamkeit des Grazer Hofes auf die Propstei. Mitte Februar 1587 richtete Erzherzog Karl an den Papst ein Schreiben mit der Bitte, an der Kollegiat- und Pfarr Kirche Völkermarkt in Kärnten einen Bischofsitz zu errichten und dem Bistum alle Pfarren und Filialkirchen des Kollegiatstiftes von der Erzdiözese Salzburg sowie auch die dem Patriarchat Aquileja unterstehenden Kärntner Pfarren von ihren Bistümern abzutrennen und dem neuen Bistum zuzuweisen. Als Dotation der bischöflichen Mensa sollte das schlecht verwaltete Stift Eberndorf verwendet werden. Als Gründe für die Bistumserrichtung wurden gegenreformatorische Erwägungen genannt. Doch gab es 1588 im Ort Eberndorf selbst angeblich nur drei Lutheraner. Der Heilige Stuhl war diesem Plan nicht abgeneigt und ordnete einen Informationsprozess an, der im August 1588 begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Zeugen wurden der Propst von Völkermarkt und zwei Eberndorfer Chorherren einvernommen. Der eine von ihnen war der ehemalige Propst [[Matthäus Scharrer]], der andere der Chorherr und Pfarrer von Gutenstein. Beide bekannten, häufig bis öfter zu beichten und fast täglich bis häufig zu zelebrieren. Das Land habe in den vergangenen Jahren durch die Pest furchtbaren Schaden erlitten, der noch immer spürbar sei. Die Bevölkerung sei fast ganz lutherisch. Die Zahl der dem Stift inkorporierten Pfarren wurde (ohne die Stiftspfarre) mit zwölf angegeben, wozu noch zwei Benefizien kamen. Das Leben der Chorherren nannte der Expropst skandalös, sie seien eher Kaufleute als Religiosen, eine Reform daher dringend erforderlich. Im Jahr darauf (1589) wurde der Administrator in temporalibus Peter Crobat, 29 Jahre alt, zur wirtschaftlichen Lage befragt. Er wusste nicht, wer gerade Propst und Dechant in Eberndorf war, konnte aber detaillierte Angaben zu den Einkünften des Klosters machen. Nach seinen und des Expropstes Angaben waren sie beträchtlich, doch standen ihnen hohe Schuldengegenüber. Das günstige Gutachten der Kommission führte Ende Februar zum formellen Antrag des Grazer Hofes in Rom zur Errichtung des Bistums. Nur der im Juli eingetretener Tod des Erzherzogs verhinderte die Ausführung des Plans. Andernfalls wäre Eberndorf bereits damals untergegangen. Die Ruhe war aber nur von kurzer Dauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftlicher und personeller Niedergang===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der immer deutlicher zu Tage tretende Verfall in der Wirtschaft des Klosters und der Disziplin der Chorherren rief den Patriarchen auf den Plan. Er wollte dem Stift helfen und sandte den Bischof von Triest nach Eberndorf, um die Situation festzustellen (13. April 1590). Der unfähige Propst wurde zur Abdankung veranlasst und der Kapitular [[Zacharias Fladnitzer]] in Anwesenheit eines aquileischen Provikars gewählt, von der Regierung aber nicht bestätigt, weil die landesfürstlichen Kommissäre nicht zur Wahl beigezogen worden waren. Kanonisch war Fladnitzers Wahl rechtmäßig, trotzdem musste er sich zurückziehen. An die Stelle Fladnitzers trat auf Empfehlung der Erzherzogin Witwe Maria deren Sekretär und Rat [[Ursinus de Bertis|Ursinus (Orsino) de Bertis]] (4. Juli 1591). Weil aber auch diese Wahl „aus irgendwelchen gründen“ den Anschein der Illegitimität hatte, resignierte der gewählte, in zwischen Bischof von Triest geworden, die Würde. Erst die folgende Propstwahl brachte vorläufig Beruhigung. Da kam der Koadjutor des Patriarchen im Spätherbst 1593 auf einer Visitationsreise nach Eberndorf. Auch er musste die desolaten Zustände feststellen, ohne sie nachhaltig verbessern zu können. Zu allem Unglück wurde das Stift bald darauf auch noch Opfer frecher Räuber. Nicht nur Immobilien und Zehenterträge, sondern auch Bargeld, Kirchenkleinodien, Paramente, Dokumente und anderes verschwanden, ohne dass die Diebe bekannt geworden wären. Der Schaden war so hoch, dass sich der Propst an den Papst um Hilfe wandte. Dieser beauftragte mit der Ausforschung der Räuber und Hehler den Patriarchen von Aquileja, den Erzbischof von Salzburg und den Bischof von Lavant, damit dem Stift das Geraubte zurückgegeben werde, was wahrscheinlich nicht geschehen ist.&lt;br /&gt;
Die Administration Eberndorfs durch den Laibacher Bischof blieb auch unter Propst Bertis noch aufrecht, doch keiner von beiden vermochte das Stift finanziell zu sanieren. Zu einer Zeit, da es mit den meisten Stiften des Landes in jeder Beziehung wieder aufwärts ging, siechte Eberndorf nicht nur wirtschaftlich weiter dahin, sondern entbehrte geeigneten Nachwuchses, obwohl damals mehrere junge Männer aus dem Ort Eberndorf an der Grazer Jesuitenuniversität studierten und sich Kandidaten für den Eintritt in Eberndorf meldeten. Ende Jänner 1599 bestellte der Erzherzog [[Sebastian Kobl]], Pfarrer von Pettau/Ptuj, zum Administrator in temporalibus. Der Patriarch von Aquileja sprach den Wunsch aus, es möge ein neuer Propst bestellt werden, worauf der Erzherzog Anfang Mai erlaubte, Kobl zum Propst einzusetzen, der auch der Wunschkandidat des Patriarchen war. Das Kapitel hatte aber – in Ausübung seines freien Wahlrechts – den Gurker Kanoniker Matthias von Staudach zum Propst gewählt, denn Kobl gehörte nicht dem Orden an. Die Regierung verweigerte Staudach die Bestätigung, weshalb das Kapitel Kobl akzeptieren musste, der schließlich den Orden annahm. Mit Kobls Regierungsantritt ging auch die Zeit der wirtschaftlich en Administration zu Ende. 1601 erfolgte letztmalig die Bestätigung der Stiftsprivilegien durch den Landesfürsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kobl regierte ganz im Sinne der Gegenreformation, wie seine Bemühungen um die Wiedererrichtung des Schlossbenefiziums Sonnegg zeigen, das die evangelischen Freiherrn Ungnad hatten abkommen lassen. Das Stift hatte früher dem Besitzer von Sonnegg 8.000 Gulden geliehen, als Pfand aber zum Teilgüter der Schloss-Kaplanei, die ohnehin dem Stift inkorporiert war, angenommen. Insofern hatte das Stift das Geld für Untertanen verliehen, die es bereits besaß. Die Grazer Regierung legte dem Propst nahe, sich darüber mit den Ungnad'schen Erben vor Gericht auseinanderzusetzen. Kobl hat für die Restaurierung von Kirche und Kloster viel getan und sich um die Weiterexistenz der Kanonie gesorgt, auch wenn ihm die erforderlichen Neuaufnahmen von Chorherren aus unerfindlichen Gründen nicht gelangen. Selbst bei seinen wenigen noch vorhandenen Konventualen vermochte er die Ordensdisziplin nicht wiederherzustellen. Drei von ihnen, die dem Konkubinat verfallen waren, wollte er aus dem Stift in ein anderes überstellen, damit nicht auch die jungen Kleriker verführt würden. Über alle diese Probleme ist Kobl unvermutet am 10. Oktober 1602 gestorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Aufhebung 1604 und Übergabe an den Jesuitenorden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der frühe Tod Propst Kohls hinterließ im Stift ein gefährliches Vakuum. Zwar wählten die Chorherren im darauffolgenden April neuerlich Matthias von Staudach zum Propst, und das in Anwesenheit des Abtes von Arnoldstein als Vertreter des Patriarchen, doch auch diesmal ohne Regierungskommissär. Wieder verweigerte die Grazer Regierung dem gewählten die Anerkennung und verbot ihm die Führung der Geschäfte. Die Kanoniker wandten sich an den Erzherzog und wiesen auf ihre Privilegien und die Zustimmung des Patriarchen bezüglich der vorgenommenen Wahl hin. Auch die Ernennung Staudachs zum Administrator Eberndorfs und Vikar durch den Patriarchen (14. November 1603) nützte nichts. Der Erzherzog hatte längst andere Pläne und hielt die Kanoniker hin.&lt;br /&gt;
Der Koadjutor des Patriarchen, Francesco Barbara, hatte bei seinen Visitationen in Kärnten 1593/94 die katastrophale Lage des Katholizismus in diesem Teil der Diözese kennengelernt und befürwortete die Errichtung eines Jesuitenkollegiums in Kärnten. Als er Patriarch geworden war, hegte er die Absicht, die Einkünfte von Eberndorf für ein zu errichten des Jesuitenkolleg in Görz und die Installierung eines Archidiakons des Patriarchen für Unterkärnten mit Sitz in Eberndorf zu verwenden. Für ein Kolleg im erzprotestantischen Villach war die personell schwache Abtei Arnoldstein in Aussichtgenommen, doch legte sich diesfalls der Bischof von Bamberg, dem dieses Stift unterstand, quer. Das Stift Millstatt hatte der Jesuitenorden bereits 1598 „okkupiert&amp;quot;, bevor es ihm 1600 vom Papst bestätigt wurde, und für ein Jesuitenkolleg in Laibach verwendete man die Kartause von Pletriach/Pleterje. Wollte der Erzherzog ein neues Kolleg gründen, konnte er dies – mangels eigenen Geldes – nur auf Kosten bestehender Stifte oder Klöster tun. Der erzherzogliche Plan, in Klagenfurt ein Jesuitenkolleg ein zurichten und dazu Eberndorf und seine inkorporierten Pfarren zu verwenden, stieß aber nun auf den Widerstand des sonst jesuitenfreundlichen Patriarchen. Denn dieser fürchtete um seine Jurisdiktion über die Eberndorfer Pfarren, sollten diese jesuitisch werden. Die Jesuiten, bereits auf Eberndorf aufmerksam gemacht, bemühten sich, die Bedenken Barbaras zu zerstreuen und fanden im Erzherzog einen konsequenten Förderer ihres Anliegens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lavanter Bischof Georg Stobäus von Palmburg (1584-1618) erwuchs der Propstei zuletzt ein Gegner, dem das personell schwache Kapitel nicht gewachsen war. Stobäus besaß das uneingeschränkte Vertrauen des Erzherzogs und war ein erklärter Feind der Protestanten, zu deren Zurückdrängung in Kärnten er das Kolleg in Klagenfurt ins Leben rief, wo 1602 die ersten Jesuiten eintrafen. Stobäus beredete den Erzherzog, die reiche Propstei Eberndorf den Klagenfurter Jesuiten zu schenken. Im Stiftgäbe es derzeit keinen Propst und nur sehr wenige Kanoniker, deren Lebenswandel wenig erbaulich sei.&lt;br /&gt;
Ohne die päpstliche Zustimmung zur Aufhebung abzuwarten ließ Erzherzog Ferdinand per Dekret vom 29. Juli 1603 die mobilen und immobilen Temporalia den Jesuiten für ein zu errichtendes Kolleg in Klagenfurt übergeben. Die Eberndorfer Kanoniker wandten sich an Kardinalstaatssekretär Aldobrandini um Hilfe gegen die Jesuiten, die sie als Usurpatoren bezeichneten. Sie wandten sich auch schriftlich an den Papst selbst, der dem Erzherzog durch den Nuntius in Graz mitteilen ließ, dass er sich des Verbrechens der unerlaubten Besitzergreifung von Kirchenvermögen schuldig gemacht habe. Der Erzherzog sah seinen Fehler ein und war bereit, die beiden Jesuiten aus Eberndorf abzuziehen und die Besitzergreifung zu widerrufen. Auch die Jesuiten schienen geneigt, Eberndorf aufzugeben. Nun appellierten die Kanoniker an den Patriarchen, ihnen zu sagen, was sie tun und wovon sie leben sollten. Er möge ihnen seinen Schutzgewähren und den früheren Zustand wiederherstellen. Aus dem Streit über die Gültigkeit der letzten Propstwahl war ein Tauziehen um den Fortbestand des Stiftes geworden, das eineinhalb Jahre dauerte. Der Patriarch stand mittlerweile ganz auf Seite des Kapitels, weil das Stift seit seiner ersten Gründung im Jahre 1146 (! - richtiges Datum oder irrig statt 1106?) zur Kirche von Aquileja gehöre. Da erkrankte der Papst und die Angelegenheit blieb in Rom vorerst unerledigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den ganzen Winter 1603/1604 gab es über diese Frage einen regen Briefwechsel zwischen Graz, Eberndorf, Aquileja und Rom. Letztendlich war nicht das Fehlen eines Propstes – der Gurker Domherr Matthias von Staudach wäre gerne bereit gewesen, dem Stift als Propst wieder aufzuhelfen –, der personell überalterte und geschrumpfte Konvent oder die schlechte Wirtschaftslage des Stiftes für seine Aufhebung ausschlaggebend.&lt;br /&gt;
Allein gegenreformatorische Gründe führten die Entscheidung herbei. Der katholische Erzherzog brauchte die Jesuiten, um mit ihrer Hilfe den Protestantismus aus seinen Erblanden zu verdrängen. Da er aber die zu errichtenden Kollegien nicht mit landesfürstlichem Kammergut dotieren wollte, griff er nach geistlichem Gut, das ohnehin seit jeher als Kammergut galt. Deshalb musste Eberndorf als Augustiner-Chorherrenstift unter-gehen. Das gegenreformatorische Argument und die persönliche Intervention Erzherzog Maximilians, eines Bruders Ferdinands, beim neuen Papst dürften diesen letztendlich umgestimmt haben. Aquilejas Position war zu schwach, um die Propstei vor dem Zugriff der Jesuiten zu bewahren. Denn der Erzherzog hatte gedroht, das Patriarchat militärisch anzugreifen, sollte der Patriarch als venezianischer Adeliger den venezianischen Gesandten am Heiligen Stuhl um Intervention beim Papst bitten.&lt;br /&gt;
Am 5. April 1604 erließ Clemens VIII. das Aufhebungsdekret bezüglich Eberndorf. Er berief sich darin auf ein schon früher erlassenes Dekret, wonach alle vakanten Propsteien und Konvente seiner Verleihung oder Verfügung vorbehalten seien. Dies sei nun bei Eberndorf der Fall und deshalb gebe er der Bitte des Erzherzogs, die Propstei zur besseren Dotierung eines Jesuitenkollegs verwenden zu dürfen, nach. Er hebe deshalb die Propstei auf, ordne aber die gerechte Versorgung der Chorherren für ihr auch fernerhin an die Klosterregel gebundenes Leben an. Der Patriarch stimmte der Aufhebung resigniert zu, da er sah, dass er den Ausgang der Sache nicht mehr verhindern konnte. Am 29. Juli fand in Beisein des päpstlichen Nuntius in Graz Gerolamo Porcia, des Sekkauer Bischofs Martin Brenner als Regierungskommissär, des Kärntner Landeshauptmanns, des Landesvizedoms und des Jesuitenprovinzials P. Alphons Carrillius die Übergabe der Kanonie an den habgierigen Orden statt. Im Kloster lebten noch fünf Chorherren, von denen vier angeblich so krank waren, dass sie nicht zelebrieren konnten. Ihre Versorgung übernahmen die Jesuiten. Der jeweilige Jesuitenrektor von Klagenfurt erhielt Titel und Rechte eines Propstes von Eberndorf und Archidiakons des Jauntales. Der Patriarch konnte die Aufhebung des Stiftes nie verschmerzen. Noch 1611 beklagte er die Unterdrückung der reichen Propstei Eberndof durch den Erzherzog, während die Seckauer Chorherren in ihrer Chronik den Untergang des Bruderstiftes mit den Worten kommentierten: „Devoraverunt hanc canoniam patres Jesuitae iam aliunde locupletes.“&lt;br /&gt;
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde Eberndorf staatliche Studienherrschaft. 1809 übernahmen die von St. Blasien gekommenen Benediktiner des wieder errichteten Stiftes St. Paul im Lavanttal die Herrschaft als Eigentümer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schule==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aachener Synode von 789 bestimmte, dass jedes Kloster oder Domstift eine Schule errichten sollte, in der neben (lateinischer) Grammatik, Rhetorik und Dialektik auch die artes reales Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik gelehrt werden sollten. Eine Klosterschule hatte sich überdies um den Nachwuchs für das Haus zu kümmern, also Kleriker heranzubilden. Dazu schrieb das 4. Laterankonzil (1215) allen Kapitelkirchen vor, einen „magister“ zu halten, der die Kleriker in Grammatik und anderen Wissenschaften unterrichten sollte. Dies betraf in Eberndorf das Lesen und Studium der Bibel ebenso wie der Schriften des Ordensvaters Augustinus und der anderen „Väter&amp;quot;. Dann aber auch das Erlernen des Chorgebetes und -gesanges und der Liturgie allgemein. Die Urkunde von 1236 September 20 Saldenhofen, mit der Cholo von Saldenhofen gegenüber dem Stift auf seine Betvogtei verzichtete, schrieb ein gewisser Johannes Scholaris, „sub diaconus Junensis“. Zur gleichen Zeit wird ein „magister Hailwardus“ genannt. Dies sind die frühesten Nachrichten, aus denen auf die Existenz einer Klosterschule geschlossen werden kann. 1298 wird ein Chuonrat, 1310 Johann der Jussel von Völkermarkt als Schulmeister in Eberndorf und 1362 ein „scolasticus“ (Erzieher) der Schüler urkundlich erwähnt. Der 1440 gestorbene Kantor Johannes schenkte dem Stift „solemnia gradualia“ für den Chor. Vor 1480 gab es einen Magister Nikolaus und seine Frau Krispa, die ins Eberndorfer Nekrolog eingetragen wurden. 1531 starb der Organist des Klosters. Einer seiner Nachfolger war der aus Meißen stammende Klosterorganist Sigmund Quas. Sollte er evangelisch gewesen sein und reformatorische Orgelwerke und Lieder gespielt haben? 1588 unterhielt das Stift sieben oder acht Schüler, andere frequentierten bloß die Schule. Noch zwei Jahre später gab es ein en Schulmeister und einen Organisten in Eberndorf. Das sind die eher spärlichen Hinweise auf eine Schule, die feierliche Liturgiegestaltung und die Existenz einer Orgel im alten Stift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Spital==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon Patriarch Berthold von Aquileja (1218–1251) hatte – nach einer späteren Nachricht – dem Stift Zehente im Dorf Edling in der Pfarre St. Michael ob Bleiburg zwecks Errichtung eines Spitals für Arme geschenkt. Dieses soll um 1226 – noch zu Lebzeiten des Patriarchen – tatsächlich errichtet worden sein. Es war mit der dazugehörigen Kirche dem heiligen Antonius von Padua geweiht und stand nordwestlich des alten Ortes Eberndorf, unweit des Stiftsmeierhofes. Mit der Zeit erhielt das Spital weitere Güter übertragen. 1397 erlaubte der Patriarch dem Konvent, den Besitz des Spitals durch ein en Kanoniker verwalten zu lassen. Der erste könnte der 1419 gestorbene Chorherr Andreas de Sittersdorf, Provisor des Spitals, gewesen sein. Die Spitalstiftung überdauerte alle Wechselfälle der Zeit, war 1886 der Gemeinde Eberndorf zur Verwaltung übertragen und existierte noch im 20. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit liegenden Gütern aus dem Erbegraf Chazelins und vom Patriarchen mit Pfarren und ihren Zehenten seit der Gründung gut dotiert, scheint die Propstei die ersten zwei Jahrhunderte ihres Bestehens – trotz einiger Anfangsschwierigkeiten mit ihren Vögten – gut gewirtschaftet zu haben. Zahlreiche Güterschenkungen und Ankäufe erhöhten die Einkünfte kontinuierlich. Dies zeigen die von der Propstei geleisteten Steuern. An den Grafen von Tirol hatte die Propstei 1292 zwei Goldgulden zu entrichten und das Aquilejer Zehentregister von 1296 weist hinsichtlich des von Papst Bonifaz VIII. auferlegte Zehents die Propstei für zwei Termine mit 25 solidos grossarum aus. Die 1323 veranstaltete Sammlung des päpstlichen Legaten im Archidiakonat Kärnten nennt die Propstei an erster Stelle mit einem Sammelergebnis von 15 Mark Agleier Pfennige. Zur selben Zeit befand sich das herzoglich kärntnerische Landgericht im Jauntal als Pfand in der Hand des Propstes und noch 1391 hatte das Stift 250 Mark Silber auf dem Landgericht sichergestellt liegen. Um diese Zeit beginnen weitere umfangreiche Güterankäufe in und um Eberndorf, aber auch in entfernteren Gegenden, wie z.B. Lembach/Limbuc bei Marburg/Maribor. Dort war das Stift schon früh zu Weingärten gekommen. Zwischen 1272 und 1277 erhielt das Stift das Fischrecht mit einem Netz am Klopeinersee, 1508 besaß es dort bereits das Recht auf drei Fischer. 1316 erwarb es einen Teil am Sablatniggsee (Zapottnicksee) in der Pfarre [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf # St. Veit im Jauntal|St. Veit im Jauntal]]. Auch in der Drau und in dem in diese fließenden Vellachbach (südlich von Möchling) fischte das Kloster, hatte aber deshalb jahrelang Streit mit dem Stift St. Paul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Großen Besitzzuwachs erzielte das Stift durch Propst [[Georg („de Capella“, aus Eisenkappel)|Georg]] († 1421), der den Besitz des Stiftes auf beinahe 100 Huben vermehrte und Weingärten, Wiesen und anderes erwarb. In den dreißiger Jahren des 15. Jahrhunderts veräußerte die Familie Kriegfelder zahlreiche ihrer Besitzungen an Eberndorf, ebenso die adeligen Rechberger. Letztere wollten aber dann den Verkauf nicht anerkennen. Sie griffen sogar das Kloster an, verwüsteten es mit Feuer und Schwert und raubten den Kaufbrief. Deshalb der kaiserlichen Ungnade verfallen, wurde ein Teil ihrer Güter vom Kaiser eingezogen und an andere vergeben, die der Propstei verkauften aber dieser bestätigt (1441).&lt;br /&gt;
In den Jahren 1473 und 1476 bedrohten die Türken das Land, gleichzeitig drangsalierten die Soldaten des Ungarnkönigs Matthias Corvinus Stift und Bevölkerung schwer. Wehrbauten mussten errichtet werden, um die Klostergebäude und Pfarrkirchen zu schützen, was viel Geld kostete. 1476 übergab ein Adeliger dem Stift 120 ungarische Goldgulden mit dem Auftrag, das Stift durch Mauern und Gräben vor den Türken und anderen Feinden zu schützen. Dafür sollte das Stift für ihn einen Jahrtag halten. In diesen Notzeiten suchte sich der damalige Propst [[Lorenz]] vermehrt der Gebete anderer Klöster zu versichern, mit denen sich Eberndorf zahlreich verbrüderte. 1483 richtete ein durch Blitzschlag entstandener Großbrand schwere Zerstörungen an Kirche und Kloster an.&lt;br /&gt;
Zwei Jahre später beauftragte der Patriarch seinen Generalvikar mit dem besonderen Schutz der Propstei, die durch Beraubung schweren Schaden erlitten habe. Darüber hinaus hatte die Propstei erhöhte und immer wieder aufs neue geforderte Landes- und außerordentliche Steuern aufzubringen, die die finanziellen Möglichkeiten des Klosters erschöpften. Propst [[Leonhard von Keutschach]] (1480-1490) bemühte sich deshalb um ein Darlehen, um das arme Gottshaus vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bewahren, erntete aber dafür beim Kapitel wenig Dank. Dass Kaiser Friedrich III. dem Stift und seinen Untertanen die ihm zu leistende Robot erließ, konnte sich da höchstens lindernd auswirken. Eine spürbare Hilfe bedeutete die Übernahme des landesfürstlichen Amtes Stein samt dem Landgericht im Jauntal auf Rechnung, die Propst Keutschach erreichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verkauf von Chorherrenpfründen durch das Stift, wie 1507 geschehen, ist besonders im 16. Jahrhundert in den meisten Stiften gang und gäbe gewesen. Die Chorherren besaßen Geld und mitunter beträchtlichen Eigenbesitz zur persönlichen Verfügung.1362 stiftete der Dechant Jakob mit einem Gut, das er gekaut hatte, einen Jahrtag in Eberndorf. 1460 leistete der Chorherr Martin Lempl von seinen Gütern dem Prokurator eines spanischen Ordens zum Loskauf von Gefangenen einen entsprechenden Beitrag und erhielt dafür Ablässe. Noch 1537 kaufte der Chorherr Jakob Pruethe von seiner Mutter ein Gut samt drei Äckern, weil er seinen Eltern seinerzeit Geld für den Kauf des Gutes dazugegeben hatte. Besonders vermögend war Propst Valentin Fabri, der aus eigenem Geld etliche Stiftungen errichtete.&lt;br /&gt;
Unter Propst [[Johannes Wildensteiner]] (1509–1532) und seinem Nachfolger [[Andreas Lochner]], der gleichzeitig Propst von Völkermarkt und zuerst einige Jahre Koadjutor in Eberndorf war (1527/1532–1544), scheint sich die Propstei insgesamt erholt zu haben. Und dies trotz der vom Landesfürsten 1529/30 von Eberndorf – wie allen anderen Klöstern in den österreichischen Erblanden – verlangten „Quart&amp;quot;. Diese bedeutete, dass von allem geistlichen Grundbesitz der vierte Teil der Gülten (Steuereinheitswert des Grundbesitzes) zu veräußern und der Erlös König Ferdinand I. zur Fortführung des Türkenkrieges in bar zu übergeben war. Eberndorf besaß damals Gülten im Ausmaß von 648 Pfund, 7 Schilling und 22 Pfennigen, die einen Geldwert von 14.900 Pfund Pfennigen (=Gulden) hatten. Ein Viertel von beiden waren 3.725 Pfund 6 Pfennige Bargeld oder 162 Pfund zu verkaufende Gülten. Bei allen Verkäufen war das Rückkaufrecht vertraglich gesichert, wurde von den Käufern aber meistens ignoriert. Als Käufer der Gülten traten Hans Ungnad, Landeshauptmann in Steiermark, und sein Bruder Andrä, als Besitzer der Burg Sonnegg und Nachbarn des Stiftes, auf. Sie erwarben um 2.367 Pfund Pfennige (oder Gulden) etwas über 100 Pfundgülten, wovon das Schlossgut Wasserhofen bei Kühnsdorf 2.000 Pfund Pfennige wert war. 1530 jedoch übernahm das Stift diese Güter, ausgenommen sechs Stück, von den Käufern wieder als Pfand. 21 Pfundgülten kaufte zu freiem Eigen (!) Sigmund Freiherr von Dietrichstein, der damit seine Herrschaft Hollenburg in Südkärnten arrondierte. Es handelte sich um Huben, Güter und Zulehen bei Niederdorf, Gallizien,,,Kleinperg &amp;quot; und anderen Orten. Weitere 12 Pfund gingen an andere Interessenten. Der Propst selbst bezahlte 110 Pfund Pfennige bar und erbot sich, die noch unverkauften 29 Pfundgülten (im Wert von ca. 450 Gulden) ebenfalls selbst zu bezahlen. Damit erwies sich das Kloster nicht nur als wirtschaftlich um sichtig, sondern auch als liquid. Propst Wildensteiner tätigte darüber hinaus noch mehrere größere Ankäufe, darunter freieigene Güter im Jauntal und in Gonobitz/Konjice, aber auch eine Mühle und etliche Huben in Kappel, die landesfürstliche Lehen waren, konnte er für das Stift erwerben. Die meisten stiftischen Huben wurden von diesem zu Kaufrecht gegen Reichung des jährlichen Urbarzinses und des dritten Pfennigs beim Weiterverkauf durch den Besitzer vergeben. Außerdem hat Propst Wildensteiner das Kloster durch Zubauten erweitert und verschönert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreich sind die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angekauften Weingärten, mit denen das Stift seinen Weingartenbesitz bei Marburg/Maribor systematisch erweiterte. Da dieser aber von Eberndorf weit entfernt lag und sowohl Bewirtschaftung als auch Transport kostenintensiv waren, hielt sich der Gewinn für das Stift in Grenzen. Dabei hätte der überschüssige Wein bei günstigem Verkauf das Bargeld ins Hausgebracht. 1589 warfen die Weingärten des Stiftes 50 Fässer Wein ab, von denen aber nur 20 Fässer als Reinertrag übrigblieben, mehr als die Hälfte des Gewinns verschlangen die Kosten. Propst Valentin war ein großer Gönner seines Stiftes. Er besaß als elterliches Erbe mehrere Weingärten in Skalitz bei Gonobitz, Frauheim bei Marburg/Pram und Marburg und hatte 1505 sechs Huben zu Preurat bei Gonobitz und eine Hofstatt zu Gonobitz selbst, später noch mehrere andere Weingärten und Äcker bei Gonobitz gekauft. Er übergab sie seinem Kloster, indem er sie teils mit geistlichen Stiftungen zugunsten seiner Familie verband, teils zum Tisch des Pfarrers von St. Peter und Paul in Tainach bei Gonobitz widmete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Propst Lucas Mayr (1560–1573) wird für den wirtschaftlichen und sittlichen Verfall des Stiftes verantwortlich gemacht. Beides ist eine Tatsache. Mayr dürfte aber ein bereits schwer verschuldetes Heimwesen übernommen haben. Schon Propst Andreas Lochner hatte das Amt im Lavanttal um 600 Gulden verpfänden müssen, um den vom König Ferdinand I. geforderten Kriegsbeitrag von 2.000 Gulden aufzubringen. 1563 soll Propst Mayr mit dem Abt von Viktring dem Kaiser 30.000 (?) Gulden geliehen haben. Im selben Jahr lieh er dem Hans Ungnad, Besitzer von Sonnegg, 8.000 Gulden, wofür das Stift Realitäten bei Sonnegg und Eberndorf als Pfand erhielt. Dass sich darunter auch Güter befanden, die zur gestifteten Kaplanei im Schloss gehörten, zeigt, was der evangelische Adel von geistlichen Benefizien hielt. Das Stift hatte nämlich Güter zum Pfanderhalten und angenommen, die ohnedies schon ihm gehörten. Sie wurden erst kurz vor der Stiftsaufhebung wieder der Kaplanei und deren Verwaltung dem Propst zugesprochen.&lt;br /&gt;
Die Regierung glaubte, mit der Absetzung Mayrs die Probleme gelöst zu haben. Die nachfolgenden Pröpste – zum Teil Kloster- und Ordensfremde – regierten jedoch viel zu kurz, um den wirtschaftlichen Aufschwung des Stiftes bewerkstelligen zu können. Sie waren mit ihrer Aufgabe wohl auch überfordert. Streitigkeiten des Kapitels mit dem Grazer Hof um das Recht zur Wahl neuer Pröpste und ihre landesfürstliche Bestätigung erschwerten zusätzlich die notwendige Konsolidierung der Propstei nach innen und außen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1577 sahen sich die Stifte Eberndorf und Viktring mit einer Klage der Erben des Leonhard von Siegersdorf auf Bezahlung von 6.000 Gulden samt Zinsen konfrontiert, die dem Erzherzog geliehen worden waren. Beide Stifte waren quasi ohne Vorstände und der Schaffer von Eberndorf bat den Erzherzog um Abwendung der Zahlung. Gleichzeitig informierte der Schaffer namens des Konvents den Landesfürsten, dass der abgesetzte Propst Lucas Mayr mit seinem verstorbenen Nachfolger Wolfgang von Neuhaus vereinbart habe, dass Mayr lebenslänglich und danach seinen Kindern und Verwandten ein Deputat vom Kloster gereicht werden solle. Außerdem seien ohne Wissen des Konvents vom Expropst Schulden gemacht und die Schuldbriefe dem Erzherzog zur Bestätigung eingereicht worden. Der Konvent könne diese Zahlungen nicht ohne Schaden für das Kloster leisten. Er bitte den Erzherzog, die Ratifikation für die Schuldverschreibungen abzulehnen und den abgesetzten Propst auf seine gewöhnliche Herrenpfründe zu verweisen.&lt;br /&gt;
Im selben Jahr (1577) konnte Propst [[Vitus Preysl]] eine Schuld an Christoph Reinwald zu Rojach über 1.200 Pfund Pfennige (= 1.200 Gulden) nicht bezahlen und wurde vor das Klagenfurter Landrecht zitiert. Ob und wie er das Geld aufgebracht hat, ist nicht bekannt.&lt;br /&gt;
Vielleicht mit Hilfe des Propstes von Griffen, von dem er sich drei Jahre später mit landesfürstlicher Bewilligung 3.000 Gulden lieh. Bei dieser aussichtslosen Finanzlage mutet das Begehren Erzherzog Karls an die Prälaten von Eberndorf und Viktring um Bedeckung von 10.000 Gulden zur Abfertigung Moriz Christoph Khevenhüllers mehr als seltsam an. Der Erzherzog hatte Khevenhüller an die Stiftsvorstände gewiesen und Khevenhüller wollte nun das Geld von diesen einklagen. Der Erzherzog beruhigte 1583 die Prälaten, er habe die Klage abgewendet, sie sollten das Geld aber irgendwo auf ihren Kredit aufnehmen.&lt;br /&gt;
Aus diesen und vielen anderen Ursachen verschlechterten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Propstei so sehr, dass ein Administrator in temporalibus bestellt werden musste. 1583 übernahm Propst Gregor Latonius von Völkermarkt die finanzielle Verantwortung für Eberndorf. Propst [[Matthäus Scharrer|Matthäus]] von Eberndorf führte die Misere seines Stiftes auf schlechte Hauswirtschaft seiner Vorgänger und darauf zurück, dass einige von ihnen mehr für ihre Verwandten, als für das Stift gesorgt hätten. Propst Lucas habe in Bleiburg ein Haus gebaut und zwei Huben gekauft, die nicht in das Eigentum des Stiftes gelangt seien. Auch sein Nachfolger Bartholomäus habe in der kurzen Zeit seiner Regierung mit Stiftsgeldern Grundstücke gekauft, die Kaufbriefe aber vordatiert, um den Anschein zu erwecken, er hätte die Ankäufe noch als Pfarrer von Sittersdorf getätigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Propst Bartholomäus 1583 in Windischgraz starb, sei dessen Nachlass samt den Kaufbriefen bei seinem dort lebenden Vater verblieben. Das Stift ersuchte den Erzherzog um Einantwortung der betreffenden Güter und um die Erlaubnis, sie zur Schuldentilgung verkaufen zu dürfen.&lt;br /&gt;
1588 setzte der Erzherzog den Laibacher Bischof Johann Tautscher zum Administrator in temporalibus ein, der die undankbare Aufgabe hatte, das schwer verschuldete Stift durch sparsames Wirtschaften zu sanieren. Dies rief den lebhaften Widerspruch des Kapitels her vor. Als Aquileja dem Propst Matthäus auch die geistliche Leitung entziehen wollte, wählten die Kanoniker gegen alles Herkommen und unter Ausschluss der Regierung einen neuen Propst. Sie beklagten sich über unzulängliche Kleidung und Kost, was der Administrator bestritt. Dieser berichtete dem Erzherzog, dass er den Konventualen immer fünf Speisen und drei Halbe Weingeben lasse. Trotzdem sei ihnen alles zu wenig und zu schlecht. Sie würden die Tage für den Empfang eines außerordentlichen Weines besser kennen, als die Tage der Heiligen im Brevier. Währender schon über 8.000 Gulden Schulden bezahlt habe, hätten sie heimlich neue gemacht. Eine persönliche Aussprache mit den Chorherren in seiner und des Bischofs von Triest Anwesenheit sei ergebnislos verlaufen. Die Antwort des Hofes, vom damaligen Hofsekretär und späteren Propst Ursinus Berthis unterschrieben, lautete dahingehend, die vom neuen Propst und den Kapitularen gemachten Schulden seien nicht zu bezahlen und dies solle auch künftig nicht geschehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bischof Tautscher hatte nicht nur den Vorteil des Stiftes, sondern auch seinen eigenen im Auge. 1593 schloss der Administrator mit der Pfarrgemeinde von Seeland (südwestlich von Kappel) einen Vertrag über die Einsetzung eines dort ständig residierenden Kaplans. Die Pfarrgemeinde hatte dafür dem Pfarrer von Kappel jährlich fünf Gulden, dem Administrator aber – nicht dem Stift – „zu freyer jährlicher Verehrung“ 15 Pfund Käse zugeben. Propst Ursinus de Berthis betrieb energisch die Eintreibung von Untertanenausständen, so Anfang 1592 die der stiftischen Holden zu Gonobitz. Aus der selben Zeit sind auch eine ganze Anzahl von Kaufrechtsbriefen an Eberndorfer Untertanen vorhanden, die Zehente und Bergrechte betreffen. Die Vergabe von Gütern zu Kaufrecht war für die Untertanen günstiger, weil damit das Erbrecht ihrer Nachkommen am Besitzgesichert bzw. auch der Verkauf des Gutes seitens der Untertanen möglich wurde. Dem Stift hingegen verschafften die beim Besitzerwechsel fälligen Gebühren das so dringend benötigte Bargeld. Eine noch größere Zahl von Anlait- (= Übernahmsgebühr) und Kaufrechtsbriefen hat dann Propst Sebastian Kobl ausgestellt. Dazu bedurfte er aber der Zustimmung des Landesfürsten, der bereits seine Hand auf den Stiftsbesitzgelegt hatte. Die landesfürstliche Verfügung vom Dezember 1601, der Propst möge künftig um solche Konsense bei der Grazer Hofkammer ansuchen, war nur ein weiterer Schritt in Richtung Enteignung der Stiftsgüter zugunsten Dritter.&lt;br /&gt;
Einige Jahre vor der Aufhebung des Stiftes wurde eine Übersicht über seine Wirtschaftslage erstellt. Nach ihr sollen 1588 die Schulden des Klosters 20.000 Gulden betragen haben, während die Einkünfte jährlich 4.000 Gulden ausmachten. Letztere setzten sich zusammen aus etwa 2.000 Star (ca. 160.000 Liter) Zinsgetreide, aus Zehenten, Ehrungen und Strafgeldern. Je 200 Joch Äcker und Wiesen Eigenwirtschaft mussten von den Bauern durch Robotdienst bearbeitet werden, wobei ihnen nur ein Frühstück zustand. An Getreide konnten durchschnittlich 1.000 Star (davon 250 Star Buchweizen) geerntet werden. Heu wurde für 60 Stück Großvieh eingebracht und die Klosterweingärten warfen 50 Fass (10.000 Liter) Wein ab, von denen nach Abzug aller Spesen nur 20 Fass übrigblieben, deren Wert 300 Gulden ausmachte. Für die Küche des Propstes und des Kapitels reichten diese Erträge hin länglich, wie der Expropst 1589 feststellte. Während der Administrator Tautscher durch sparsames Wirtschaften Schulden tilgte, ging Propst Bertis einen anderen Weg. Er nahm zur Verringerung der Schuldenlast neuerlich Kapitalien auf, erzielte aber damit nicht den erhofften Erfolg. Die permanente Finanzmisere brachte das Stift nicht nur an den Rand des wirtschaftlichen Ruins, sondern alarmierte auch den Grazer Hof. Dieser betrieb die Übergabe des Stiftes an den Jesuitenorden deshalb so energisch, weil er für ihn noch möglichst viel an Klostergütern retten wollte, bevor der Konkurs Eberndorf wertlos machen würde. Unter Erzherzog Karl musste das Stift auch das Urbar nach Graz einsenden, weshalb erst aus 1614 Urbare der Eberndorfer Besitzungen und Pfarrpfründen vorhanden sind, die von den Jesuiten angelegt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mittelalter ergaben sich Berührungen zwischen Landesfürst und Stift hauptsächlich wegen der Vogtei oder der Privilegienbestätigungen. Die Vogtei über Eberndorf übten, soweit dies zurückverfolgt werden kann, die Herren von Trixen aus, ohne dass bekannt wäre, wie das Vogtei recht in ihren Besitzgekommen ist. Die Trixener bedrückten das Stift in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts dermaßen, dass es angeblich sogar zu tätlichen Übergriffen gegen Propst Leo kam, der zwischen 1152 und 1154 von Kuno von Lonck im Streit um die Eberndorfer Kirche zweimal aus dem Stift vertrieben, darum sogar geblendet worden und in der Fremde gestorben sein soll. Vor 1194 gerieten die Brüder Cholo und Heinrich von Trixen mit Haward von Jau in Streit über die Vogtei. In diesem Jahr überließ Heinrich die Vogtei vertraglich an Hawards Sohn Cuno, der diese nach einem Jahr gegen eine hohe Entschädigung zugunsten Heinrichs in die Hände des Herzogs von Kärnten – als Lehensherr Cunos – resignierte. Der Patriarch bestätigte im selben Jahr die diesbezüglichen Vereinbarungen. Sie bestimmten, dass der Vogt vom Kloster und vom Dorf Eberndorf keine Abgaben fordern und dort auch keine Gerichtstage halten dürfe, außer er würde vom Propst dazu erbeten. Blutfälle sollten dem Vogt vorbehalten, Bußgelder bei Straffällen der niederen Gerichtsbarkeit zwischen Propst und Vogt im Verhältnis zwei zu eins geteilt werden. Alle Beamten konnten vom Propst ohne Mitsprache des Vogtes ein- oder abgesetzt werden. Dass 1220 Herzog Leopold VI. von Österreich und Steiermark als Vogteiherr über Eberndorf auftritt und damals urkundlich gelobte, die Vogtei nicht mehr zu vergeben, sondern selbst auszuüben und dies auch für sein Nachfolger versprach, wird mit zeitweiligen Ansprüchen des Babenbergers auf die Vogtei als Lehensherr der Trixener erklärt. Die Bestätigung des Vertrages von 1194 durch Herzog Ulrich III. von Kärnten erwähnt bezeichnenderweise die Urkunde von 1220 nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Aussterben der Herren von Jaun (Juneck) fiel deren Erbschaft an den Herzog von Kärnten, weil im Urbar des Schlosses Rechberg Herzog Ulrichs III. 1267/68 die Vogtei über Eberndorf ausdrücklich als Erbe nach Cuno von Junek bezeichnet wir d. Deshalb wurde das Blutgericht über Eberndorf zuerst von der Burg Sonnegg (wahrscheinlich früher Junek genannt) und spät er von Rechberg aus wahrgenommen. Erst als das Schloss Slein im Jauntal in den Besitz Kaiser Friedrichs III. kam, wurde Eberndorf 1454 bezüglich des Blutgerichts dem Landgericht Stein unterstellt, bei dem das Stift weiterhin verblieb. Damals wurden auch die Grenzen des Burgfrieds von Eberndorf (dieser schon seit 1194 festgelegt), die der Freiung Sittersdorf, die zum Landgericht im Jauntal gehören den Kirchtage etlicher Kirchen, die der Propst zu „behüten&amp;quot; hatte, so wie die Fischrechte im Vellachbach festgehalten. Die Vogtei lag also seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts beim Kärntner Landesfürsten. Ab 1394 zahlte das Kloster für die landesfürstliche Vogtei des Jauntals jährlich nur noch 10 Gulden, wobei Besitz und Untertanen der Propstei im herzoglichen Landgericht Jauntal denselben Status wie des Hezogs Leute daselbst hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle zeitlich später erwähnten Vogteirechte betrafen nur mehr einzelne, dem Stift geschenkte oder verkaufte Güter bzw. Kirchen, wie z. B. das Patronat und die Vogtei der Marienkirche in Globasnitz, welche der Herzog von Kärnten 1265 dem Propst Johann wegen dessen großer, aber nicht näher benannten Verdienste schenkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestätigungen von Privilegien ergingen von 1266 (Herzog Ulrich III. von Kärnten) bis 1601 (Erzherzog Ferdinand II.), während päpstliche Privilegien- und Besitzbestätigungen ohne Nennung der Rechte und Stücke in den Jahren 1341, 1448 (Kardialdiakon Johannes von St. Angeli, päpstlicher Legat) und 1450 erfolgte. Vor 1329 besaß der Propst das herzogliche Landgericht im Jautal als Pfand, verzichtete aber 1391 auf die Pfandsumme von 250 Mark Silber und erhielt dafür vom Landesfürst die Gleichstellung seiner im Landgericht befindlichen Untertane und Güter mit jenen der herzoglichen Dienstherren, Ritter, Untertanen und Güter. Das damals festgesetzte Vogteigeld von jährlich zehn Gulden erließ Friedrich III. 1481 dem Stift, weil es kurz zuvor schwere Schäden durch den Türkeneinfall und die Ungarn erlitten hatte. 1408 gestattete Herzog Ernst dem Stift, den Nachlass der verstorbenen Pfarrer der stiftischen Lehenspfarre Rechberg, Globasnitz, St. Kanzian, Gallizien, Schwabegg, Neuhaus und Leifling gegen Reichung eines Winterpelzes und zweier Filzschuhe an ihn – zur Erinnerung an seine Vogtei über diese Pfarren – einzuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den schweren Verwüstungen, die dem Stift und seinen Gütern durch die Ritter von Rechberg zugefügt wurden, wobei auch Urkunden verloren gingen, ließ Kaiser Friedrich III. 1454 die stiftischen Privilegie neu erheben und festschreiben. Es handelte sich um das Gericht im Burgfried Eberndorf, desen Grenzen genau angegeben wurden, die fürstliche Freiung zu Sittersdorf und die Kirchtage, die zur Vogtei und zum Landgericht Stein im Jauntal gehörte, aber vom Propst zu beaufsichtigen waren. Schließlich wurde auch das Fischrecht des Propstes, das dieser gemeinsam mit dem Kloster St. Paul und dem Besitzer von Sonnegg ausübte, anerkannt. 1455 behielt sich der Papst die Besetzung von zehn Abteien und Propsteien, darunter Eberndorf, nach den Vorschlägen des Kaisers vor. Damit war die freie Wahl unterdrückt, der Landesfürst ernannte, der Papst bestätigte. Darauf lief die Praxis hinaus. Ob Eberndorf davon betroffen war, ist fraglich, da der damalige Propst noch mehr als zwanzig Jahre regierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1476 wird in Eberndorf erstmals ein Richter (später „Hofrichter&amp;quot;) erwähnt, der die Niederegerichtsbarkeit über die Stiftsuntertanen besorgte. Die zur selben Zeit genannten zwei Offiziale waren wohl Verwaltungsbeamte des Stiftes. nach 1481 befreite der Kaiser das Stift von jeder Gerichtsbarkeit, ausgenommen die dem Landgericht vorbehaltenen Blutfälle, und unterstellte es direkt dem kaiserlichen Gericht. Eine Verfügung von 1487 setzte die gerichtliche Zuständigkeit des Propstes auf dessen Lebenszeit für seine im Landgericht wohnenden Untertanen fest, ausgenommen wieder todeswürdige Verbrechen.&lt;br /&gt;
Da das Stift politisch zum Herzogtum Kärnten gehörte, hatte es bei den Landes- und sonstigen Steuern mitzuzahlen. Ende des 16. Jahrhunderts musste Eberndorf – ähnlich wie andere Stifte – für die zur Landesverteidigung von ihm aufzubietende waffenfähige Mannschaft einen Adeligen als Rüstmeister bestellen und besolden. Seit mindestens 1446 gehörte der Propst als Mitglied der geistlichen Landstände zu den „Landleuten&amp;quot; Kärntens. Denn anlässlich einer damals im Hause Habsburg begangenen Hochzeit betrug der Beitrag Eberndorfs 200 Gulden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem Regierungsantritt Ferdinands I. in den Erblandenahm der Landesfürst verstärkt Einfluss auf die internen Geschicke der Propstei, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. 1532 bevollmächtigte das Stift erstmals zwei Prokuratoren, um bei König Ferdinand I. die Bestätigung der Postulation des Propstes von Völkermarkt nach Eberndorf zu erwirken. 1573 zeigte Erzherzog Karl dem Stift an, dass die Grazer Regierung künftig neu gewählte Prälaten nur noch dann bestätigen werde, wenn diese mit ihrem Wahldekret vor ihm oder seinem Vertreter erscheinen und einen Revers unterschreiben. Damit wollte der Erzherzog verhindern, dass häretische oder unfähige Männer zu Stiftsvorstehern gewählt würden. Die Verfügung bedeutete jedoch einen gravierenden Eingriff in die Freiheit des Klosters, den Propst ohne Einflussnahme von außen wählen zu dürfen, und somit ein Präjudiz für künftige Wahlen. Dementsprechend wurde dieses Mandat vom Eberndorfer Kapitel bei der Propstwahl 1577 missachtet, was sofort eine Rüge durch den Erzherzog zur Folge hatte. Später verlangte die Grazer Regierung unnachgiebig die Beiziehung landesfürstlicher Kommissäre zu den Wahlen und verweigerte den gewählten Pröpsten die Bestätigung, wenn ihre Wahl in Abwesenheit landesfürstlicher Vertreter stattgefunden hatte. Deshalb kam es bei der Bestellung der letzten Pröpste zu erhebliche Spannungen zwischen dem Kapitel und dem Patriarchen einerseits und der Regierung in Graz andererseits. Letztere verzögerte nach dem Tod des Propstes Kobl eine Neuwahl. Das beschleunigte die Aufhebung Eberndorfs, die vom Erzherzog auch gegen den Widerstand des Patriarchen als kirchlichen Ordinarius durchgedrückt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Jesuitenzeit fungierten die Klagenfurter Rektoren als Pröpste von Eberndorf. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens wurde dem jeweiligen Pfarrer von Eberndorf und seinen. Nachfolgern durch Bestätigung Maria Theresias die Würde eines Propstes und Archidiakons des Jauntales zuerkannt, was das Gurker Ordiariat 1865 neuerlich bestätigt hat und noch 1938 galt. Der letzte Pfarrer, der noch den Titel Propst führte, aber nicht mehr infuliert war, starb vor einigen Jahren, der jetzige führt auch den Titel Propst nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eberndorf und das Patriarchat Aquileja===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verbindung Eberndorfs zum Patriarchat blieb seit der Gründung des Stiftes durch alle Jahrhunderte aufrecht und traditionell gut. Zahlreiche Urkunden der Patriarchen dokumentiere nicht nur deren Sorge für das Stift, sondern auch für den Aufbau einer Organisation der Stiftspfarren. Die Marienkirche in Eberndorf ist wahrscheinlich eine Eigenkirchengründung Chazelins und scheint erst 1154 oder kurz davor zu einer Pfarre erhoben worden zu sein. 1106 wurden dem Kloster angeblich die vier plebes St. Michael in Rosegg (Ras), St. Kanzian, St. Michael ob Bleiburg und Windischgraz/Slovenjgradec (Graz) übergeben. Damit wären Eberndorf alle Taufkirchenpfarren von Villach abwärts bis zur heutigen Staats- und Landesgrenze zur seelsorglichen Betreuung anvertraut gewesen, ausgenommen die ehemalige Eigenkirche Kappel im Rosental, die in der Hand des Patriarchen blieb. Bestätigungen der „Gründungsurkunde&amp;quot; Eberndorfs von 1106 durch die Patriarchen erfolgten 1404 und 1452.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelsorge auf den Eberndorfer Pfarren übten sowohl Weltgeistliche wie Kanoniker aus. Letztere waren Anfang des 14. Jahrhunderts disziplinär bereits reformbedürftig, da der Patriarch ihnen 1304 diesbezüglich einen Brief schrieb. 1309 ermahnte der Patriarch Ottobono alle Prälaten und Kirchenvosteher seiner Diözese, darunter Propst Johannes von Eberndorf, sich innerhalb von sechs Monaten in ihre Residenzen zu verfügen und dort zu bleiben, andernfalls ihnen Kirchenstrafen drohten. Propst Eberhard fungierte 1328 offenbar als Sammler von Geldern, deren Zahlung der päpstliche Legat angeordnet hatte, denn der Propst bestätigte dem Abt von Rosazzo den Erlag von 18 Mark Agleier Pfennigen. Im darauffolgenden Jahr schrieb der Propst dem Patriarchen, er habe den Pfarrer Ulrich von [[Liste der Pfarren des Stiftes Eberndorf #St.Philippen bei Pfannsdorf im Jauntal|St. Philippen bei Pfannsdorf]], der ein skandalöses Leben führte, mit Kirchenstrafen belegt, weshalb er nun um sein Leben fürchten müsse. 1335 verlangte der Patriarch vom Propst unter Androhung der Exkommunikation, die Pfarre Gutenstein/Prevalje künftig keinem Säkularpriester mehr zu verleihen, sondern mit einem Kanoniker zu besetzen, wie dies alter Gewohnheit entspreche. Einige Jahre später bestätigte er dem Stift gegen den Anspruch ein es Säkularpriesters neuerlich den Besitz dieser Pfarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erfolgte Wahl der Pröpste wurde vom Kapitel dem Patriarchen angezeigt und ihre Bestätigung erbeten. Sie wurde auch stets gegeben. Wahlurkunden des Kapitels existieren von 1583 und 1599. Noch Mitte November 1603 ernannte der Patriarch den Gurker Domherrn Matthias von Staudach zum Administrator und Vikar von Eberndorf, dem der Erzherzog jedoch die Anerkennung verweigerte. 1213 wird Propst Leonhard vom Patriarchen als capellanus noster angesprochen. Propst Johannes (III.) wird 1324 aquilejanischer vicearchidiaconus von Kärnten genannt und Propst Hermann von Freg wurde noch als Pfarrer von Rosegg vom Patriarchen zum Archidiakon von Kärnten bestellt (1362), was er als nachheriger Propst von Eberndorf wohl nicht mehr war. Ab 1469 fungierten alle Pröpste als Archidiakone Aquilejas im Jauntal. Valentin Fabri, der bei seiner Wahl zum Eberndorfer Propst den Orden annahm, war Archidiakon des Jaun- und Sanntals. 1571 nennt der Patriarch Propst Lucas, dessen Lebensführung sonst zu Kritik Anlass gab, seinen Archidiaconum Patriarchalem natum und bestellte ihn zu seinem bevollmächtigten Prokurator und Generalvertreter bei der Rekuperation etlicher von den Bischöfen von Laibach der Kirche von Aquileja entfremdeter Rechte und Güter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Pröpste waren vor ihrer Postulation Säkularpfarrer nicht stiftischer Pfarren (zuletzt Sebastian Kobl in Pettau), regierten gleichzeitig ein zweites Stift (Otto [II.] von Rottenbuch und Eberndorf) oder waren ordensfremd (z. B. Andreas Lochner, gleichzeitig Säkularpropst von St. Maria Magdalena in Völkermarkt). Sie alle fanden trotzdem die Bestätigung Aquilejas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als cumulus beneftciorum zu betrachten ist die Verleihung einer großen Pfarre an den Propst, wie dies mit der Pfarre St. Michael ob Bleiburg geschah, die von 1298 bis nach 1335 im Besitz Eberndorfer Pröpste erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Namensliste von Chorherren stammt aus dem Jahre 1236, in der neben dem Propst neun Kanoniker genannt werden, die alle Priester waren. Einer trug den Titel Magister, ein anderer fungierte als Kustos. Anlässlich der Verleihung der Pontifikalien und der Pelzmozzetta durch den Papst an den Propst 1449 wird das hohe Ansehen des Stiftes gerühmt, welches besonders Adelige zu Kanonikern aufnehme. Im Dezember 1493 unterschrieben acht Chorherren das Wahlinstrumet, mit dem sie ihren Mitbruder Andreas Erlpacher zum Propst gewählt hatten, 1497 wählten der Dechant und acht Priesterkanoniker den neuen Propst. Mehr als zehn Chorherren dürfte das Stift aber nur selten gezählt haben. Beim Regierungsantritt der Pröpste Matthäus Scharrer und Sebastian Kobl (November 1583 bzw. Anfang März 1599) bestand der Konvent außer dem Propst aus sieben bzw. acht Kanonikern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesem Zeitpunkt war die Disziplin im Konvent stark gesunken – mehrere Chorherren frönten dem Laster des Konkubinats, wie dem Patriarchen berichtet werden musste. Diese Zustände waren auch der Grazer Regierung seit langem bekannt und Wasser auf ihre Mühlen. Bei der Übernahme des Klosters durch die Jesuiten Ende Juli 1604 lebten außer dem Dechant noch vier Chorherren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die soziale Herkunft der ersten Pröpste ist fast nichts bekannt, da sie nur mit ihren Vornamen erwähnt werden. Eine Ausnahme ist Propst Otto II. (†1179). Er war als Graf von Falkenstein Angehöriger des bayrischen Hochadels und mit Patriarch Ulrich II. verschwägert, außer dem gleichzeitig Propst von Rottenbuch. Erst aus dem späten Mittelalter werden auch die Familiennamen der Pröpste überliefert. Propst Hermann von Freg (1378) stammt e aus einem Kärntner Rittergeschlecht, gesessen auf dem Turm Frög unter Rosegg im Drautal, ebenso ritterlicher Herkunft war Propst Ulrich von Christendorf († 1405). Propst Georg „de Capella&amp;quot; († 1421) stammte aus dem Markt Eisenkappel und dürfte bürgerlich gewesen sein. Von reichen Gonobitzer Bürgern stammte Propst Valentin Fabri (1497–1509). Adelig hingegen waren die Pröpste Leonhard von Keutschach, der 1490 Dom Propst in Salzburg wurde und Eberndorf noch drei Jahre als Administrator verwaltete, Johann Wildensteiner († 1532), Andreas Lochner zu Liebenfels († 1544) und Wolfgang von Neuhaus (1573–1577). Die nachfolgenden Pröpste gehörten bürgerlichen Familien an, ausgenommen Ursinus de Bertis, der aus einer Görzer Adelsfamilie stammte, Säkularpriester, Doktor beider Rechte und vor seiner Berufung nach Eberndorf Sekretär bei Erzherzogin Maria in Graz war. 1499 postulierte Erzbischof Leonhard von Salzburg den Eberndorfer Chorherrn Christoph Hofmann auf die Propstei St. Magdalena und St. Mauritzen in Friesach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pröpste Lucas Mayr und Bartholomäus Kranich amtierten vor ihrer Wahl als Pfarrer in Sittersdorf. Beim Regierungsatritt Mayrs befanden sich neun Chorherren im Stift, angeblich ohne jene, die auf den Pfarren wirkten. Doch haben sicher alle wahlberechtigten Herren den euen Propst gewählt, weshalb es kaum m ehr als zehn gewesen sein dürften. Propst Jakob Pruethe (1544–1559) war vorher Pfarrer zu Stein im Jauntal. Der letzte Propst Sebastian Kobl war Pfarrer in Pettau, wurde Ende Jänner 1599 Administrator in temporalibs und im Mai zum Propst gewählt, nachdem er sich gegenüber dem Kapitel bereit erklärt hatte, in den Orden zu treten. Seltsamer weise gibt es von den vielen Pröpsten, die Eberndorf hatte, in der dortigen Pfarrkirche und früheren Stiftskirche nur von einem einen Grabstein. Dieser gehört Propst Andreas Lochner, der sich seinen Grabstein zu Lebzeiten errichten ließ. Er trägt die Jahreszahl 1540, während der Propst erst 1544 starb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Herkunft der Chorherren im 13. und 14. Jahrhundert ist kaum etwas festzustellen, außer dass der 1298 urkundlich erwähnte Kanoniker Johannes – vielleicht der spätere Propst Johannes II. – ein Schwager des Ritters Wulfing von Rechberg war. Anfangs dürfte sich der Konvent wohl mehrheitlich aus dem Adel der Umgebung Eberndorfs bzw. Unterkärntens rekrutiert haben. Ab dem späten 15. Jahrhundert traten verstärkt bürgerliche Kandidaten ins Stift. Für diese werden im Necrologium als Heimatorte Eberndorf, Gmünd und Straßburg (Kärnten), Cilli/Celje (Steiermark) und Eferding (Oberösterreich) genannt. Die Chorherren des 16. Jahrhunderts stammten nach den Angaben des Nekrologs aus Eberndorf, Bleiburg, Eisenkappel, Klagenfurt, Maria Saal und St. Leonhard im Lavanttal (Kärnten), Voitsberg (Steiermark) und Rudolfswerth (Krain). Adelig war kaum einer von ihnen. Der Konvent hatte immer einige Mitglieder windischer (sloweischer) Zunge, weil die Kenntnis dieser Sprache für die Seelsorge bei der windischen Bevölkerung in den Eberndorfer Pfarren Vorraussetzung war. Die Namen der meisten Chorherren, soweit im Nekrolog verzeichnet, verraten aber deutsche Herkunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Skriptorium und Bibliothek==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1280 nennt sich Johannes dictus Shawer de Juna als scriptor aut compilator einer Urkunde Privater für das Kloster Arnoldstein. Ob es sich bei ihm um einen Eberndorfer Chorherrn gehandelt hat, und wenn ja, ob diese Erwähnung bereits als Nachweis eines mittelalterlichen Skriptoriums in Eberndorf ausreicht, ist mehr als fraglich. Denn später bediente sich das Stift für Beurkundungen eigener Notare, die die Urkunden aufsetzten und schrieben. Im Nekrolog von Eberndorf erscheint im 14. Jahrhundert Johannes Polierer von Prag als Notar des Klosters und noch 1469 stellte der Notar des Propstes ein Transsumpt einer Urkunde aus. Eindeutig belegt ist skriptorische Tätigkeit im Stift nur aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Denn vom Dechant Johannes de Everding, der wohl aus dem oberösterreichischen Eferding stammte und 1444 starb, heißt es, dass er schöne Gradualien, Antiphonarien und andere Bücher geschrieben, illuminiert und auch selbst gebunden habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn 1298 bereits ein Schulmeister in Eberndorf genannt wird, musste auch dieser, wie seine Nachfolger, Bücher besessen haben. Ob die nach Eberndorf postulierten Pröpste des Hoch- und Spätmittelalters sowie des 16. Jahrhunderts Handschriften und Bücher in das Stift mitgebracht oder gekauft haben, entzieht sich mangels Hinweisen der Kenntnis. Der 1476 verstorbene Priester Antonius von Bleiburg schenkte dem Stift außer Geld auch Bücher. Auch andere Priester, Pfarrer, Chorherren und Private haben im Laufe der Zeit dem Kloster Bücher geschenkt, wofür ihre Namen in den Nekrolog gesetzt wurden. Daher ist schon für das 15. Jahrhundert ein gewisser Bücherschatz in Eberndorf anzunehmen. 1588 allerdings befanden sich nach der Aussage des Dechanen in der Bibliothek nur antike, keine neueren Bücher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menhardt vertrat die Meinung, Wolfgang Lazius habe 1549 bei seiner Kärntner Bibliotheksreise neben anderen Stiften auch Eberndorf besucht und Hadschriften für die kaiserliche Hofbibliothek in Wien requiriert. Daraus würde sich das gänzliche Fehlen von Handschriften aus manchen der aufgehobenen Klöster erklären. Dies mag hinsichtlich Eberndorfs seine Bestätigung darin finden, dass nach Aufhebung des Jesuitenordens nur sehr wenige und unbedeutende Handschriften aus Eberndorf nach Klagenfurt gekommen sind. In der dortigen Studienbibliothek konnten 1882 nur zwei Handschriften sicher als von Eberndorf stammend identifiziert werden, und zwar die Papiercodices Nr. 99 und 170, letzterer früher im Besitz der Jesuiten. Darüber hinaus wurde auch vermutet, dass einiges an Manuskripten nach der Aufhebung aus der Bibliothek der Jesuiten zerstreut, verschleppt oder beiseitegeschafft worden sein könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessat ist die Nachricht, in der Sakristei der ehemaligen Eberndorfer Filialkirche von Loibegg/Belovice habe sich noch 1938 ein Rituale aus dem 15. Jahrhundert befunden, desse Buchstaben auf das Pergament teils mit der Handgeschrieben, teils mitgotischen Lettern gedruckt waren. In die Grazer Universitätsbibliothek ist über die Jesuiten aus Eberndorfer Bestäden nichts gelangt. Im Stiftsarchiv St. Paul wird der Eberndorfer Rotulus aufbewahrt, der zwischen Juli 1528 und Juli 1529 die Eintragungen von rund 80 Stiften und Klöstern aus Kärnten, Salzburg, Tirol, Ober- und Niederösterreich und Wien aufweist. Aus dem Jahre 1604 stammt ein Archivregister von Eberndorf (''„Primus Index litterarum Archivii Oberndorfensis cum earum summis&amp;quot;''), das als Pergametumschlag ein Doppelblatt eines Orationale aus den 14. Jahrhundert (gotische Minuskel, rote und blaue Initialen) besitzt. Es ist heute die Geschichtsvereins-Handschrift 2/40 im Kärntner Landesarchiv. Im selben Archiv existiert als Geschichtsvereins-Handschrift 2/14 das von den Jesuiten angelegte Eberndorfer Kopialbuch („Liber variorum contractum&amp;quot;, 1106-1663).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Aufhebung Eberndorfs existierte jedenfalls auch eine Bibliothek. Diese dürfte 1603 den Grundstock für die Bibliothek des Jesuitenkollegiums in Klagenfurt gebildet haben, denn sie wurde in diese aufgenommen. Nach Aufhebung des Ordens wurde sie in der Klagenfurter Lyceumsbibliothek aufgestellt, worauf die Bestände in die Klagenfurter bundesstaatliche Studienbibliothek kamen. Dort befanden sich im Jahre 1882 Bücher, deren Herkunft aus Eberndorf durch Vermerke (''Exlibris Eberndorfensis coenobii Col. Clagenf. Soc. Jesu Catalogo inscriptus'') erwiesen ist. Wie viele Werke davon aus dem alten Chorherrenstift stammten und von den Jesuiten nur übernommen worden waren, wurde damals nicht angegeben. Die Bestäde der ehemaligen Studiebibliothek befinden sich jetzt in der Klagenfurter Universitätsbibliothek.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Baugeschichte==&lt;br /&gt;
===Kirche===&lt;br /&gt;
Die alte Kirche von Eberndorf reichte bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zurück. Es wurde vermutet, dass das Muttergottes-Patrozinium deshalb gewählt wurde, um eine früher am Ort verehrte weibliche Gottheit zu verdrägen. Von dieser vor 1106 nachgewiesenen Marienkirche ist nichts mehr vorhanden. Patriarch Ulrich ließ sie um 1106 erweitern und darin die sterblichen Überreste des Grafen Chazelin bestatten. Auch der östliche Teil des einstigen Presbyteriums, das um 2,20 m höher liegt als das Schiff und 11 m im Quadrat misst, samt der darunter liegenden ersten Krypta stammen von dieser Kirche. Das Chorquadrat hatte im Osten eine Halbkreisapsis, zwei Eingänge unter dem Priesterchor führten in die Krypta. Die Kirche hatte eine hölzerne Flachdecke, die 3 m niederer als die jetzige Decke war und auf in die Wände gemauerten Pfeilern ruhte.&lt;br /&gt;
Propst Ulrich Christendorfer (1387-1405) errichtete das jetzige, erhöhte Presbyterium. Es ist 13 m lang, hat ein Kreuzrippengewölbe und Strebepfeiler sowie einen 5/8 - Chorschluss, darunter eine gleichlange 3-schiffige Krypta als Verlängerung der bereits bestehenden. Die Weihe des neuen Hochaltares und der Krypta erfolgten 1391 durch den Bischof von Triest Heinrich von Wildenstin gemeinsam mit dem Generalvikar von Aquileja Johann Cado. Die Krypta ist die bedeutendste eben der von Gurk.&lt;br /&gt;
Die Ungnad, seit 1442 Herren auf Schloss Sonnegg, pflegten ihre Toten an der südlichen Außenseite der Kirche zu bestatten. Um die Grabstätte mit der Kirche zu verbinden, entfernten sie die Kirchenmauer und errichteten parallel zur früheren eine neue, wodurch das südliche Seitenschiff mit einer Länge von 20 m und einer Breite von 8 m entstand. Bis 1500 waren dort sieben (nicht 37!) Familienmitglieder begraben worden.&lt;br /&gt;
1483 fiel die Holzdecke der Kirche einem Brand zum Opfer, worauf die Wiederherstellung im Stil der Spätgotik begann. Propst Valentin Fabri vollendete aus Mitteln sei-nes Familienerbes die Einwölbung der Kirche, wobei der Dechant Lucas Fellpacher unter Feierlichkeiten und im Beisein des ganzen Konventes am 7. Oktober 1505 den Schlussstein setzte. Dieses Schlingrippengewölbe trägt die Jahreszahl „''1506''&amp;quot;. Da beim Altar aus dem 15. Jahrhundert, eine von einem Flügelaltar stammende Statue Mariä Verkündigung, die 1938 in der Sakristei stand, und eine Anna Selbdritt Halbrelief aus dem 16. Jahrhundert. Arbeiten der Spätgotik sind auch die Statuen des Florianialtars. Die übrige Kircheneinrichtung stammt aus der Jesuitenzeit und ist barock.&lt;br /&gt;
In der Kirche hängt noch ein Bild in Form eines Altaraufsatzes in der Größe von 3 x 4 m. Der letzte Propst ließ es 1601 ''ad sui suorumque memoriam'' malen. Das Mittelbild stellt das Allerheiligste in der Monstranz dar, die Attika zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. In der Predella knien vor einem Kruzifix der Propst und die sieben letzten Chorherren, alle mit Rosenkräzen in den Händen und ihren Namen bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsgebäude===&lt;br /&gt;
Patriarch Peregrin I. erklärte 1154, er habe in Eberndorf nicht nur eine Kanonie regulierter Augustinermönche errichtet, sondern auch das Kloster für die vita regularis der Chorherren gebaut. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine Erweiterung der vorhandenen, noch eher bescheidenen Wohngebäude des Säkularkapitels.&lt;br /&gt;
Das jetzige Stiftsgebäude, mit runden Ecktürmen und Schießscharten versehen, stammt aus verschiedenen Epochen. Propst Laurentius (1445-1479) ließ anlässlich des Türkeneinfalls 1473 das Stift mit Wall und Graben befestigen, wozu ihm Georg Löschenpfeffer 120 ungarische Dukatengulden als Messstiftung beisteuerte. Am 14. Oktober 1476 griffen die Türken Eberndorf neuerlich an, wurden aber durch die Befestigungen und die Verteidigung der Klosterleute abgewehrt. Deshalb trieb Propst Leonhard von Keutschach (1480-1490), dessen Brüder in der Eberndorfer Kirche begraben waren, die Befestigungsarbeiten zum Schutz des Klosters voran und gab Anleitungen zur Errichtung von Wehrgalerien an den von den Türken bedrohten Kirchen. Dazu und zum Brand der Kirche von 1483 passt die Erwähnung der Jabrica, also einer Zeche (Bauhütte), aus 1489, ebenso einer fabrica ecclesiaeet monasterii im 16. Jahrhundert. Denn Propst Johannes Wildensteiner (1509-1532) vergrößerte und verschönerte das Kloster und baute Gebäude hinzu. Der im 17. Jahrhundert erwähnte „Dreikönigssaal &amp;quot; war vor der Jesuitenzeit wahrscheinlich eine Kapelle, die sich im Osttrakt der Stiftsgebäude befand, wo man vor dem Zweiten Weltkrieg an der Außenseite in nördlicher Richtung vom Presbyterium der Pfarrkirche vermauerte spitzbogige Fenster sah. 1588 waren die Dächer der Gebäude undicht, letztere deshalb schadhaft.&lt;br /&gt;
Als die Jesuiten Eberndorf übernahmen, unterzogen sie das Ganze Stift einem großzügigen Umbau, denn sie hatten das Geld dazu. Die nördlich der Kirche einen geschlossenen Hofbildenden Gebäude stammen mit Ausnahme der Trakte im Westen und norden vorwiegend aus dem zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts. Durch die teilweise Einbeziehung mittelalterlicher Gebäude und Mauern entstand der unregelmäßig viereckige Hof. Die Trakte weisen dreigeschossige Pfeilerarkaden unterschiedlicher Achsenzahl auf. 1634 wurden laut Inschrift das Eingangstor mit dem zweistöckigen Aufbau und ein Pfarrhof (,,Benefiziatenhaus&amp;quot;) errichtet. Der Erweiterungsumbau und die Fassadierung werden Peter Franz Carlone zugeschrieben.&lt;br /&gt;
Der weitläufige Bau diente den Jesuiten zuerst als Noviziat, wobei gewöhnlich nur vier Patres im ehemaligen Stift lebten. 1658 wurde das Noviziat aufgegeben und es blieben nur zwei bis drei Patres zurück, die die Seelsorge ausübten und die Wirtschaft betrieben. Um die Räumlichkeiten des Klosters doch zu nützen, führt en die Jesuiten Exerzitien für Priester -meist in der ersten Fastenwoche abgehalten - ein. 1690 richtete ein Erdbeben beträchtlichen Schaden an Gebäuden, Kaminen und Türmen des Stiftes an. 1723 vernichtete ein großer Brand Kloster und Kirche. Der Wiederaufbau dauerte mehrere Jahre und kostete 60.000 fl. 1751 wurde der jetzige Bau fertiggestellt. 1809 übergab Kaiser Franz I. den Benediktinern des ehemaligen Klosters St. Blasien im Schwarzwald das leerstehende Stift St. Paul i. L. und als Dotation u. a. Kloster und Herrschaft Eberndorf samt Gut und Schloss Wasserhofen. Die Stiftsgebäude gehören jetzt der Marktgemeinde Eberndorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Über das Archiv des Klosters im Mittelalter fehlen alle Nachrichten. Vor 1447 wurden dem Kloster angeblich viele Urkunden geraubt und gingen deshalb zugrunde, doch kann sich dies wohl nur auf jene Stücke bezogen haben, die die Güterverkäufe der Rechberger an das Stift betrafen. 1588 wurden die Schriften in einer hölzernen Truhe in der Sakristei aufbewahrt. Das Archiv des untergegangenen Stiftes verblieb größtenteils auch unter den Jesuiten in Eberndorf, einige wichtige Urkunden verwahrten sie allerdings in Klagenfurt. Davon kamen nach der Aufhebung dieses Ordens 36 Originalurkunden (von 1220 bis 1601) in die k. k. Hofbibliothek und liegen jetzt im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Die „älteste&amp;quot; Eberndorfer Urkunde von 1106 (Innovation 13. Jahrhundert) gelangte 1849 an den Kärntner Geschichtsverein und befindet sich im Kärntner Landesarchiv.&lt;br /&gt;
Der übrige Archivkörper verblieb weiter in Eberndorf, mit dem nun auch wieder die Eberndorf-Bestände im Klagenfurter Jesuitenkolleg vereinigt wurden. Alles zusammen ging dann 1809 in den Besitz des wieder errichteten Stiftes St. Paul über, wo sich die Archivalien nach wie vor befinden. Die wichtigsten darunter sind: l. Zahlreiche Originalurkunden. 2. Ein von den Jesuiten angelegtes Eberndorfer Kopialbuch aus dem ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts. 3. Das Nekrolog der Propstei in Form eines Pergament-Codex. Dabei scheint es sich um ein erneuertes Nekrolog aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu handeln, dessen Vorläufer um die Mitte des 14. Jahrhunderts begonnen worden war. In der vorliegenden Fassung von zwei Händen geschrieben (A bis ca. 1480, B bis 1592 fortgesetzt) ist es jedoch unvollständig, weil etliche Blätter schon 1886 fehlten. Als letzte Eintragungen haben die Jesuiten die Sterbedaten einiger Exchorherren festgehalten. 4. Rotulae aus Eberndorf. 5. Urbare (erst von 1614). 6. Akten über Vorgänge aus den letzten Jahrzehnten der Propstei im Dekanatsarchiv Eberndorf. 7. Zahlreiche Faszikel „Herrschaft Eberndorf&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Diese Quellen hat B. Schroll entweder ediert oder für seine Publikationen benützt. Die meisten Eberndorfer Urkunden haben Eingang in die MDC und andere gedruckte Urkundenbücher gefunden. Laschitzer hat einige Urkunden des HHStA als Nachtrag zu Schroll ediert. Im Archivio della Curia Arcivesovile di Udine (ACAU) liegen zahlreiche Faszikel mit Akten über das Stift (Prepositura di Eberndorf), die die Beziehungen zwischen dem Patriarchat Aquileja und der Propstei, hauptsächlich im 16. Jahrhundert bis zur Aufhebung, dokumentieren. Diese Faszikel enthalten auch einige wenige Original-Urkunden des genannten Zeitraums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Pläne und Ansichten==&lt;br /&gt;
Ein Grundrissplan der Stiftsanlage von der Hand F. X. Kohlas (?), Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden, ist im 1. Band der „Kärntner Burgenkunde&amp;quot;, wiedergegeben.&lt;br /&gt;
Die älteste überlieferte Ortsansicht von Eberndorf ist auf einer gemalten Grenzkarte der Landgerichte Sonnegg und Feuersberg von 1668 zu finden (Papier auf Lw., Tinte aquarelliert). Das in der Stiftskirche hängende Stifterbild (Öl/Lw.) darstellend COMES ACHAZIVS CAZELINVS FVNDATOR KVNIGVDA CON IVNX, das angeblich aus dem frühen 17. Jahrhundert stammen soll, zeigt eine Ansicht des Stiftes, wie es sich zur Zeit der Renaissance (2. Hälfte 16. Jahrhundert) präsentiert haben mag. Der größte Teil der Gebäude ist noch gotisch, ein Hof hat schon zweistöckige Renaissance-Arkaden. Die Abbildung erweckt den Eindruck von Zuverlässigkeit, zumindest scheint ihr die Absicht zugrunde zu liegen, den Zustand der Stiftsanlage vor dem Umbau durch Carlone festzuhalten.&lt;br /&gt;
Der prächtige Kupferstich des Stiftes von Peter Mungerstorf in J. W. Valvasors Topographia Archiducatus Carinthiae von 1688 stellt die Gebäude noch in einer Anordnung dar, die sehr an jene im Stifterbild erinnert. Doch sollte sie bereits die Erweiterung des Komplexes durch die Jesuiten zeigen. Beide Darstellungen weichen von der heutigen Wirklichkeit beträchtlich ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Siegel===&lt;br /&gt;
Das Kapitel in Eberndorf führte ein von 1335 bis 1471 nachweisbares spitzovales Siegel. Im Siegelfeld ist die Muttergottes mit dem unbekleideten Jesuskind dargestellt. Maria sitzt auf einem gepolsterten Thronsessel, der auf einem mit einer Lilie geschmückten Podest steht, und reicht dem Kind mit der Rechten eine Kugel, nach der dieses greift. Bekleidet ist sie mit einem langen Mantel und auf dem Haupt trägt sie einen Schleier.&lt;br /&gt;
Beide Figuren sind nimbiert sowie links von drei Sechsternen und rechts von einem begleitet. Zwischen zwei Perllinien ist eine mit einem Kreuzzeichen beginnende unziale Umschrift angeordnet:&lt;br /&gt;
+	S(igillum). S(an)C(t)E:  MARIE: IVN/ENSIS: ECCLESIE&lt;br /&gt;
Von diesem Stift konnte bisher kein nachfolgendes (Konvent-) Siegeltypar angetroffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wappen===&lt;br /&gt;
Nach heraldisch rechts in Blau über einem silbernen Bogenschildfuß (Berg) aufgerichtet ein goldenes Einhorn.&lt;br /&gt;
Das Wappenbild dürfte von den Stifterngraf Chazilo und seiner Gemahlin Kunigunde herkommen. In der Stiftskirche befindet sich ein barockes Gemälde von dem Paar. Unter ihnen sind zwei Wappentartschen zu sehen: nach links aufgerichtet ein goldenes Einhorn in Blau. Früher wurde es fälschlich, so von Megiser 1612 und ihm folgend von anderen Autoren, dem Kapitel von St. Andrä im Lavattal zugeschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedruckte Quellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Johannes Fr. Bernardus Mariae de Rubeis: Monumenta ecclesiae Aquileiensis (…). Argentinae 1740.&lt;br /&gt;
*Josef Chmel: Materialien zur österreichischen Geschichte. Band 2. Wien 1838.&lt;br /&gt;
*Relazione della visita apostolica in Carniola. Stiria e Carinzia fatta da Francesco Barvaro. Patriarca eletto d´Aquileja l’anno1593 e presentata a papa Clemente VIII. Udine 1862.&lt;br /&gt;
*Beda Schroll: Rotulae des Augustiner-Chorherren-Stiftes zu Eberndorf. In: Archiv für. Klagenfurt 1870.&lt;br /&gt;
*Ders.: Ukrunden.Regesten des Augustiner-Chorherren-Stiftes Eberndorf im Jaunthale. Klagenfurt 1870.&lt;br /&gt;
*Simon Laschitzer: Nachträge zu den „Urkunden-Regesten des Augustiner-Chorherren-Stiftes Eberndorf im Jaunthale. Bearbeitet von Beda Schroll. In: Carinthia I, 72/1882. Klagenfurt 1870, S. 117 folgende.&lt;br /&gt;
*Beda Schroll: Necrologium des ehemaligen Augistiner-Chorherrenstiftes St. Maria in Juna oder Eberndorf in Kärnten. In: Archiv für österreichische Geschichte 68. 1886, S. 209 folgende.&lt;br /&gt;
*Giorlamo Conte de Renaldis: Memorie storiche dei tre ultimi secoli del Patriacarto d’Aquileia (1411–1751). Udine 1888.&lt;br /&gt;
*Guiseppe Vale: Itinerario di Paolo Santonino in Carintia, Stiria e Carniola negli anni 1485–1487 (studi e testi 103). Cittá del Caticano 1943.&lt;br /&gt;
*Monumenta historica ducatus Carithiae. Bände 1–4. Bearbeitet von Anton von Jaksch. Klagenfurt 1896–1906. Bände 5–11. Bearbeitet von Hermann Weißner. Klagenfurt 1956–1972.&lt;br /&gt;
*Oskar Veselsky: Die Konsekrationsberichte aus den Ordinations- und Konsekrationsprotokollen der Bischöfe von Lavant im 16. Jahrhundert. (Quellen zur Geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XI) 1997.&lt;br /&gt;
*Helmut Pechl/Wener Bergmann: Die Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts. In: Monumenta Germaniae historica. Die Briefe der deutschen Kaiserzeit VIII. Hannover 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
*Wilhelm Deuer: Eine abgekommene Filialkirche in Eberndort von 1668. In: Carinthia I. 191. 2001, S. 705 folgende.&lt;br /&gt;
*Francesco di Manzano: Annali del Friuli (…). Band IV. Udine 1862.&lt;br /&gt;
*Heinz Dopsch: Die Aribonen – Stifter des Klosters Seeon. In: Kloster Seeon. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur der ehemaligen Benediktinerabtei. Hg. vom Bezirk Oberbayerm durch Hans von Malottki. 1993.&lt;br /&gt;
*Heinz Dopsch/Hans Spatzenegger: Geschichte Salzburgs Stadt und Land. Band I/2. Salzburg 1983.&lt;br /&gt;
*Bernhard Duhr: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge im XVI: Jahrhundert. Band II 1. Teil. Freiburg im Breisgau 1913.&lt;br /&gt;
*Rudolf Egger: Die Reisetagebücher des Paolo Santonino 1485–1486. Aus dem Lateinischen übertragen von Rudolf Egger. Klagenfurt 1947.&lt;br /&gt;
*Walter Friesacher: Erläuterungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer. 2. Abteilung: Die Kirchen- und Grafschaftskarte. 8. T. Kärnten 1. Kärnten südlich der Drau. Klagenfurt 1966.&lt;br /&gt;
*Reinhard Härtel: Le fonti diplomatiche e la fondazione dell‘ Abbazia di Moggio. In: Gian Carlo Menis (Hg.): Le origini dell’Abbazia di Moggio e i suoi rapport con l’Abbazia svizzera di S. Gallo (Publicationi della Deputazione di Storia partia per il Friuli 21). Udine 1994, S. 17 folgend. &lt;br /&gt;
*Reinhard Härtel: Tre secoli di diplomatica patriarcale (944–1251). In: Paolo Cammarosano (Hg.): Il patriarcato di Aquileia uno stato nell’ Europa medieval. Udine 1999, S. 229 folgend. &lt;br /&gt;
*Reinhard Härtel: Moggio. In: Germania Benedictina. Band III/2. Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol. Hg. von der Bayerischen benediktinerakademie München. München 200, S. 832 folgend. &lt;br /&gt;
*Alfred von Jaksch/Martin Wutte u.a.: Erläuterungen zum Historsichen Atlas der österreichischen Alpenländer 1. Abt. Die Landgerichtskarte, 4. Tl. Kärnten, Krain, Görz und Istrien, 1. Heft: Kärnten Görz und Gradisca. Wien 1914.&lt;br /&gt;
*Renate Jernej: Das Kollegiatstift St. Bartholomäus in Friesach. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 85. 2001.&lt;br /&gt;
*Ernst Klebel: Zur Geschichte der Pfarren und Kirchen Kärntens. B. Die kirchliche Organisation im Patriarchat Aquileja. In: Carinthia I, 116. 1926, S. 1 folgend.&lt;br /&gt;
*Ernst Klebel: Eigenklosterrechte und Vogteien in Bayern und Deutschösterreich. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 14. 1938, S. 175 folgend. &lt;br /&gt;
*Ernst Klebel: Zur Geschichte der Patriarchen von Aquileja. In: Festschrift R. Egger. Band 1. Klagenfurt 1992, S. 396 folgend.&lt;br /&gt;
*Irmtraud Koller-Neumann: Eine Statistik zum österreichischen Klosterwesen von 1593. In: Historische Blickpunkte. Festschrift Johann Rainer. Hg. von Sabine Weiss. Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft 25. Innsbruck 1988, S. 331 folgend. &lt;br /&gt;
*Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten I. und II. Teil (…). Archiv für vaterländische Geschichte. Klagenfurt 1956, 1958.&lt;br /&gt;
*Anton Kreuzer: Das Augustiner-Chorherrenstift Eberndorf. In: Ders. Die Stifte und Klöster Kärntens. Klagenfurt 1986, S. 88 folgend.&lt;br /&gt;
*Simon Laschitzer: Die Archive und Bibliotheken des Jesuitencollegiums in Klagenfurt und der Stifte Eberndorf und Millstatt. In: Carinthia I, 72. 1992, S. 1 folgend, 77 folgend, 113 folgend.&lt;br /&gt;
*Simon Laschitzer: Geschichte der Klosterbibliotheken und Archive Kärntens zur Zeit ihrer Aufhebung unter Kaiser Joseph II. In: Carinthia I, 73. 1883, S.  141 folgend.&lt;br /&gt;
*Giacomo Marcuzzi: Sinodi Aquileiesi. Udine 1910.&lt;br /&gt;
*Hermann Meinhardt: Handschriftenverzeichnis der Kärntner Bibliotheken. In: Handschriftenverzeichnisse österreichischer Bibliotheken, Kärnten, Band 1.&lt;br /&gt;
*Hermann Meinhardt: Die Kärntner Bibliotheksreise des Wolfgang Lazius 1549. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 24/25. 1936, S. 100 folgend.&lt;br /&gt;
*Gian Carlo Menis: Storia del friuli dlalle origini alla caduta dello stato patriarcale (1420). Udine 1978.&lt;br /&gt;
*Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch in der Kirchenreform des 11.–12. Jahrhunderts. In: Beiträge zur altbayrischen Kirchengeschichte, 3. Folge 19, 1953.&lt;br /&gt;
*Jacob Mois: Das Stift Rottenbuch im Mittelalter. In: Rottenbuch. Das Augustinerchorherrenstift im Ammergau. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur. Hg. von Hans Pörnbacher.1980,S. 9 folgend.&lt;br /&gt;
*Trudpert Neugart: Das Chorherrenstift Eberndorf. In: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 1. 1849, S. 97 folgend.&lt;br /&gt;
*Miroslav Ortravsky: Beiträge zur Kirchengeschichte im Patriarchate Aquileja (Kärntner Museumsschriften XXX) Klagenfurt 1965.&lt;br /&gt;
*Miroslav Ortravsky: Die Visitati on des Patriarchen Franz Barbaro 1593/94 in Kärnten und seine Diözesan- und Provinzsynode im Patriarchat Aquileja. In: Carinthja 1, 62. 1972, S. 227 folgend.&lt;br /&gt;
*Pio Paschini: Bertoldo di Merania, patriarca d'Aquileia (1218–1251), in: Memorie storiche Forogiuliesi 15. 1919, S. 16.&lt;br /&gt;
*Hans Pirchegger:Der Besitz der Kärntner Klöster und Pfarren in der Steiermark.  In: Carinthia I, 151. 1961, S. 514 fologend.&lt;br /&gt;
*Carl Plank: Rihni. Graf Otokar von Leoben und Erzbischof Odalbert von Salzburg. In: Siedlung, Macht und Wirtschaft. Festschrift Fritz Posch. Hg. von Gerhard Pferschy. Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives 12. 1981, S. 65 folgen.&lt;br /&gt;
*Helmut Plechl: Studien zur Tegernseer Briefsammlung des 12. Jahrhunderts III. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 12. 1956, S. 388 folgend, 13, 1957, S. 394 folgend.&lt;br /&gt;
*Johann Rainer: Das geplante Bistum Völkermarkt. In:Carinthia I, 150. 1960, S. 804 folgend.&lt;br /&gt;
*Johann Rainer: Die Jesuiten in Klagenfurt und Eberndorf. In: Symposium zur Geschichte von Millstatt und Kärnten. Hg. von Franz Nikolasch. Verein Stiftsmuseum Millstatt / Geschichtsverein für Kärnten). Millstatt 1994, S. 52 folgend.&lt;br /&gt;
*C. Scalon: Diplomati patriacali. I documenti dei patriarchi aquileiesi anteriori alla metá del XIII secolo nell’archivo capitolare di Udine (Quaderni e dispense dell’ Istituto di sroia dell’ Universitá degli Studi di Udine 8). Udine 1983.&lt;br /&gt;
*R. Schäffer: Die Ungnad 1450-1530. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik 12 (XXVI). 1981, S. 166, Anm. 15.&lt;br /&gt;
*Michael Schmid: Das Augustinerchorherrenstift Eberndorf in Kärnten. In: In Unum Congregati. Mitteilungen der österreichischen Chorherrenkongregation 2. 1955, S. 86 folgend. &lt;br /&gt;
*Heinrich Schmidinger: Patriarch und Landherr. Die weltliche Herrschaft der Patriarchen von Aquileia bis zum Ende der Stauffer. Publikationen des Österreichischen Kulturinstituts in Rom I, 1. Graz/Köln 1954.&lt;br /&gt;
*Heinrich Schmidinger: Die Besetzung des Patriarchenstuhls von Aquileja bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 60. 1952, S. 335 folgend.&lt;br /&gt;
*Monika Siedler: Marktgemeinde Eberndorf Einst und heute. Klagenfurt 1992.&lt;br /&gt;
*Stephan Singer: III. Band, Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales. Dekanat Eberndorf. Kappel 1938.&lt;br /&gt;
*Stephan Singer: IV. Band. Kultur. Und Kirchengeschichte des Jauntales. Dekanat Bleiburg. Klagenfurt 1983.&lt;br /&gt;
*Albert Starzer: Die Uebergabe des Chorherrenstiftes Eberndorf an die Jesuiten. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 6. 1901, S. 624 folgend.&lt;br /&gt;
*Guiseppe Trebbi: Francesco Barbaro. Patrizio veneto e patriarca di Aquileia. Storia della societá Friulana. Sezione studi e testi. Udine 1984.&lt;br /&gt;
*Adolf Trende: Die Stiftsbibliothel in St. Paul. In: Carinthia I, 142. 1952, S. 609 folgend.&lt;br /&gt;
*Peter Tropper: Von Missionsgebiet zum Landesbistum. Organisation und Administration der katholischen Kirche in Kärnten von Chorbischof Modestus bis zu Bischof Köstner. Klagenfurt 1996.&lt;br /&gt;
*Johann Weichard Freiherr Valvasor: Topographia Archiducatus Carinthiae. Nürnberg 1688.&lt;br /&gt;
*Evelyne Webernig: Geschichtliches über Eberndorf. Ausstellungskatalog des Kärntner Landesarchivs 6. Klagenfurt 2000.&lt;br /&gt;
*Erika Weinzierl-Fischer: Die Quart in Kärntens Stiften und Klöstern. In: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchiv 4. 1951, S. 138 folgend.&lt;br /&gt;
*Hermann Weissner/Gerhard Seebach: Burgen und Schlösser in Kärnten. Klagenfurt Feldkirchen Völkermarkt. Wien 1980.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Wirtschaftliche Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei km donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]]. &lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatte seit 976 das Geschlecht der &amp;quot;Babenberger&amp;quot; das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. &lt;br /&gt;
Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes , der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. &lt;br /&gt;
Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat. &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen. &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. &lt;br /&gt;
Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war. &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes. &lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz. &lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen. &lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte. &lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern. &lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung. &lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran. &lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk. &lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden. &lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert. &lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden. &lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte. &lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert.&lt;br /&gt;
Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt. &lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen. &lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen. &lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften. &lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden. &lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters. &lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470. &lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär. &lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. &lt;br /&gt;
Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel. &lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs. &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten. &lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch. &lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. &lt;br /&gt;
Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold. &lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert. &lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren. &lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau. &lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute. &lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein. &lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt. &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung. &lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten. &lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest. &lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband. &lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes. &lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran. &lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen. &lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. &lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt. &lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''„summa cum consolationeet complacentia“'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende. &lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft. &lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte. &lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen. &lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt.&lt;br /&gt;
Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand. &lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet. &lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus &lt;br /&gt;
dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. &lt;br /&gt;
Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich. &lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste. &lt;br /&gt;
Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. &lt;br /&gt;
Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus. &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an. &lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn. &lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. &lt;br /&gt;
Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. &lt;br /&gt;
Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus. &lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. &lt;br /&gt;
In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. &lt;br /&gt;
Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an. &lt;br /&gt;
Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet. &lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. &lt;br /&gt;
Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall.&lt;br /&gt;
Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet.&lt;br /&gt;
Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor. &lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht. &lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark. &lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. &lt;br /&gt;
Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein). &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte. &lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien. &lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente. &lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Reinprechtspölla|Reinprechtspölla]], 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut. &lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von Wolfgang Pauker ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes. &lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. &lt;br /&gt;
1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war. &lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. &lt;br /&gt;
Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle. &lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge. &lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen. &lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben. &lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. &lt;br /&gt;
In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell. &lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Rechtliche Verhältnisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei km donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]]. &lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatte seit 976 das Geschlecht der &amp;quot;Babenberger&amp;quot; das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. &lt;br /&gt;
Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes , der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. &lt;br /&gt;
Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat. &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen. &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. &lt;br /&gt;
Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war. &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes. &lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz. &lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen. &lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte. &lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern. &lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung. &lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran. &lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk. &lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden. &lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert. &lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden. &lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte. &lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert.&lt;br /&gt;
Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt. &lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen. &lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen. &lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften. &lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden. &lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters. &lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470. &lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär. &lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. &lt;br /&gt;
Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel. &lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs. &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten. &lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch. &lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. &lt;br /&gt;
Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold. &lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert. &lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren. &lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau. &lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute. &lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein. &lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt. &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung. &lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten. &lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest. &lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband. &lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes. &lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran. &lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen. &lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. &lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt. &lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''„summa cum consolationeet complacentia“'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende. &lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft. &lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte. &lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen. &lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt.&lt;br /&gt;
Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand. &lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet. &lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus &lt;br /&gt;
dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. &lt;br /&gt;
Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich. &lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste. &lt;br /&gt;
Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. &lt;br /&gt;
Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus. &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an. &lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn. &lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. &lt;br /&gt;
Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. &lt;br /&gt;
Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus. &lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. &lt;br /&gt;
In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. &lt;br /&gt;
Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an. &lt;br /&gt;
Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet. &lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. &lt;br /&gt;
Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall.&lt;br /&gt;
Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet.&lt;br /&gt;
Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor. &lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht. &lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark. &lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. &lt;br /&gt;
Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein). &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte. &lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien. &lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente. &lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste Reinprechtspölla, 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut. &lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von Wolfgang Pauker ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes. &lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. &lt;br /&gt;
1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war. &lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. &lt;br /&gt;
Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle. &lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge. &lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen. &lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben. &lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. &lt;br /&gt;
In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell. &lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgarden (1320), Domkapitel Passau (1321), [[Stift St. Florian|St. Florian]] (1372), [[Stift Seckau|Seckau]](1372), [[Kloster Neustift|Neustift]] (1373), [[Stift Waldhausen|Waldhausen]] (1375), [[Stift Vorau|Vorau]] (1376), [[Stift St. Pölten|St. Pölten]] (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), [[Stift Göttweig|Göttweig]] (1390), Mauerbach (1392), [[Stift Au-Gries|Gries]] (1392), [[Stift St. Michael an der Etsch|St. Michael an der Etsch]] (1394), [[Stift Herzogenburg|Herzogenburg]] (1395), [[Stift Wittingau|Wittingau]] (1397), [[Stift St. Andrä an der Traisen|St. Andrä an der Traisen]] (1404), Heiligenkreuz (1410), [[Stift Dürnstein|Dürnstein]] (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428), [[Stift St. Dorothea in Wien|St. Dorothea in Wien]] (1436), [[Stift Reichersberg|Reichersberg]] (1436), [[Stift Gurk|Gurk]] (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), [[Stift Seitenstetten|Seitenstetten]] (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, [[Stift St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä im Lavanttal]], Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, [[Stift Pöllau|Pöllau]], St. Peter in Salzburg, Prüll, [[Stift Rottenmann|Rottenmann]], [[Stift Ranshofen|Ranshofen]], Rein, [[Stift Suben|Suben]], Domkapitel Salzburg, [[Stift Stainz|Stainz]], Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Heiligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* 19. und 20 . Jahrhundert */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei km donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]]. &lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatte seit 976 das Geschlecht der &amp;quot;Babenberger&amp;quot; das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. &lt;br /&gt;
Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes , der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. &lt;br /&gt;
Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat. &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen. &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. &lt;br /&gt;
Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war. &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes. &lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz. &lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen. &lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte. &lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern. &lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung. &lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran. &lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk. &lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden. &lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert. &lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden. &lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte. &lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert.&lt;br /&gt;
Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt. &lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen. &lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen. &lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften. &lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden. &lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters. &lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470. &lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär. &lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. &lt;br /&gt;
Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel. &lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs. &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten. &lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch. &lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. &lt;br /&gt;
Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold. &lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert. &lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren. &lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau. &lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute. &lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein. &lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt. &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung. &lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten. &lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest. &lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband. &lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes. &lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran. &lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen. &lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. &lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt. &lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''„summa cum consolationeet complacentia“'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende. &lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft. &lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte. &lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen. &lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt.&lt;br /&gt;
Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand. &lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet. &lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus &lt;br /&gt;
dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. &lt;br /&gt;
Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich. &lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste. &lt;br /&gt;
Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. &lt;br /&gt;
Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus. &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien, Meidling|Meidling]] eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an. &lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn. &lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. &lt;br /&gt;
Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. &lt;br /&gt;
Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus. &lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. &lt;br /&gt;
In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. &lt;br /&gt;
Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an. &lt;br /&gt;
Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet. &lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. &lt;br /&gt;
Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall.&lt;br /&gt;
Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet.&lt;br /&gt;
Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor. &lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht. &lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark. &lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. &lt;br /&gt;
Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein). &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte. &lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien. &lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente. &lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste Reinprechtspölla, 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut. &lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von Wolfgang Pauker ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes. &lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. &lt;br /&gt;
1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war. &lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. &lt;br /&gt;
Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle. &lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge. &lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen. &lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben. &lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. &lt;br /&gt;
In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell. &lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgaden (1320), Domkapitel Passau (1321), St. Florian (1372), Seckau (1372), Neustift (1373), Waldhausen (1375), Vorau (1376), St. Pölten (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), Göttweig (1390), Mauerbach (1392), Gries (1392), St. Michael an der Etsch (1394), Herzogenburg (1395), Wittingau (1397), St. Andrä an der Traisen (1404), Heiligenkreuz (1410), Dürnstein (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428),St. Dorothea in Wien (1436), Reichersberg (1436), Gurk (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), Seitenstetten (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), Forbes (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, St. Andrä im Lavanttal, Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, Pöllau, St. Peter in Salzburg, Prüll, Rottenmann, Ranshofen, Rein, Suben, Domkapitel Salzburg, Stainz, Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Hei- ligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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		<title>Stift Klosterneuburg</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Katharina Hofer: /* Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II. */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Organisation&lt;br /&gt;
|Datum von=1114&lt;br /&gt;
|Kirchliche Topographie=Diözese Passau&lt;br /&gt;
|Organisationstyp=Kloster&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
==Geschichtlicher Überblick==&lt;br /&gt;
===Die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes=== &lt;br /&gt;
Um das Jahr 50 n. Chr. errichteten die Römer an der Stelle des heutigen Stiftes ein Kastell, das an diesem strategisch wichtigen Punkt den Übergang über die Donau sichern sollte. Es war der westlichste militärische Stützpunkt in der Provinz Oberpannonien, doch leider konnte bis heute sein Name nicht eindeutig geklärt werden. Ursprünglich waren die Gebäude aus Holz. Wie in anderen Grenzkastellen wurden die hölzernen Bauten am Anfang des 2. Jahrhunderts durch Steinbauten ersetzt. Während des 5. Jahrhunderts wurde das Kastell wie die ganze Provinz von den römischen Truppen geräumt. Erst im 11. Jahrhundert setzte wieder eine kontinuierliche Besiedlung ein, die &amp;quot;Neuburg&amp;quot; genannt wurde, im Gegensatz zur &amp;quot;Alten Burg&amp;quot;, den Ruinen des Römerkastells (Burg und Stadt sind in dieser Zeit als Synonyme anzusehen). Etwa zwei km donauaufwärts bestand schon seit dem frühen 9. Jahrhundert eine Ufersiedlung um die Kirche [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Klosterneuburg, St. Martin (Untere Stadt)|St. Martin]]. &lt;br /&gt;
In der Mark Österreich hatte seit 976 das Geschlecht der &amp;quot;Babenberger&amp;quot; das Amt der Markgrafen inne. Ihre Aufgabe war, die Grenze nach dem Sieg über die Magyaren (955) nicht nur zu sichern, sondern auch weiter nach Osten vorzuschieben. Dementsprechend verlegten die Markgrafen ihren Sitz von Pöchlarn, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum, weiter nach Melk, dann Gars am Kamp (gegen die Slawen), Tulln, und schließlich ließ sich Markgraf Leopold III. in Neuburg nieder. &lt;br /&gt;
Leopold III. war durch die Heirat mit Agnes , der Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Schwester Heinrichs V., in die Reihe der vornehmsten Reichsfürsten aufgestiegen. Da Agnes in erster Ehe mit Herzog Friedrich von Schwaben, dem ersten Staufer, verheiratet gewesen war, kam noch die Versippung mit diesem zukunftsträchtigen Geschlecht hinzu. Agnes brachte aber nicht nur hohes Ansehen, sondern auch reiche materielle Mittel mit in die Mark, so dass ihr Gatte in der Lage war, seine neu gewonnene Stellung sichtbar zu dokumentieren. Dazu sollte nicht nur ein neues, prächtiges Wohngebäude, sondern auch ein Stift für weltliche Kanoniker dienen. &lt;br /&gt;
Über die Gründung dieses Stiftes berichtet eine bekannte Legende. Demnach habe Leopold an der Stelle, an der er auf der Jagd den verlorenen Schleier seiner Gattin nach neun Jahren wiedergefunden habe, das Stift Neuburg errichtet. Das entspricht nicht der historischen Wirklichkeit, wenngleich die Legende für den mittelalterlichen Menschen schon einen Aussagewert hatte, der hier nicht zur Diskussion steht. &lt;br /&gt;
Jedenfalls fand Leopold hier schon mindestens zwei Kirchen im Bereich des ehemaligen römischen Kastells vor: die bereits 1108 urkundlich überlieferte Marienkirche und die St. Afra-Kapelle, dazu noch die ziemlich bescheidene Burg des Stadtherrn (als solcher ist ein Graf Walther von Chling bezeugt). An der Stelle dieses &amp;quot;festen Hauses&amp;quot; baute nun Leopold, als er seinen Sitz in Neuburg aufschlug, ein prächtiges Gebäude, dass in Größe und Anlage dem Palas der Wartburg, der Burg von Meißen und anderer fürstlicher Residenzen entsprach. Heute ist in dem mehrfach umgebauten Trakt das Stiftsarchiv untergebracht.&lt;br /&gt;
Um das Jahr 1113 zog Leopold III. nach Neuburg, und ein Jahr später gründete er das zur Residenz gehörige Kollegiatstift Am 12. Juni 1114 wurde der Grundstein zur neuen Stiftskirche gelegt, die die größte Kirche des Landes werden sollte. Auch die Gründung des weltlichen Kollegiatstiftes war ein Prestigeprojekt. Ein geistliches Kollegium gehörte zur Hofhaltung eines mächtigen Fürsten. Übrigens existierte auch in Lorch an der Rems, wo Leopolds Gattin als Herzogin von Schwaben residiert hatte, ein Kollegiatstift für zwölf Kanoniker und einen Propst. Es entsprach also den Gepflogenheiten der Zeit, ein solches Stift zu errichten, und auch in Neuburg lebten ein Propst und zwölf Kanoniker. Nach dem Tode des ersten Propstes [[Otto I.|Otto]] um das Jahr 1126 – er war zugleich Pfarrer von Falkenstein – setzte der Markgraf seinen begabtesten Sohn Otto zum Nachfolger ein und sandte ihn mit großem adeligen Gefolge (vermutlich jenen 15 Jünglingen, die später mit ihm ins Kloster Marimond eintraten) zum Studium der Theologie nach Paris. Das war für den Propst eines Kollegiatstiftes damals ein ungewöhnlicher Aufwand und lässt vermuten, dass der Markgraf seinen Sohn zum Bischofsamt ausersehen hatte und Neuburg zum Bischofssitz machen wollte. Darauf deutet auch die reiche Besitzausstattung des Stiftes hin und die Monumentalität der Stiftskirche, die durchaus das Format einer Bischofskathedrale hat. &lt;br /&gt;
Auf Grund des Eigenkirchenrechts hätte Markgraf Leopold wohl die Möglichkeit gehabt, ein solches Landesbistum an seinem Regierungssitz zu errichten, und für das kirchliche Leben im Lande wäre es auch sehr förderlich gewesen, denn der Diözesanbischof (Passau) und der Metropolit (Salzburg) saßen weit in der Ferne. Aber diese Bischöfe sahen die kirchenpolitischen Pläne des Markgrafen mit tiefem Misstrauen. Als daher der junge, in Frankreich studierende Prinz Otto 1132 überraschend samt seinen 15 Gefährten in das strenge Zisterzienserkloster Marimond eintrat und damit die Pläne seines Vaters durchkreuzte, sahen die Bischöfe ihre Stunde gekommen. Erzbischof Konrad von Salzburg, Bischof Reginmar von Passau und Bischof Roman von Gurk hielten gemeinsam mit anderen Klerikern in Neuburg eine kleine Synode. Und es gelang ihnen – sicherlich mit massiver Unterstützung des nunmehrigen Zisterziensermönches Otto – den Markgrafen zur Aufgabe seiner kirchenpolitischen Pläne zu bewegen. Leopold entließ die weltlichen Kanoniker samt ihrem Propst Opold, der schon während der Abwesenheit des jungen Otto als dessen Vikar fungiert hatte, und stattete sie mit anderen Pfründen aus. Neuburg sollte ein Kloster von Augustiner-Chorherren werden. Damit verzichtete er auf seine Eigenkirchenrechte, denn die Regularkanoniker unterstanden grundsätzlich immer dem Diözesanbischof. In der Lebensbeschreibung Leopolds, dem &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, heißt es, dass der Markgraf die weltlichen Kanoniker entlassen habe, weil sie ihm den Gottesdienst unachtsam und allzu nachlässig zu versehen schienen. Das ist kaum wörtlich zu verstehen, sondern ist ein Topos oder Gemeinplatz, wie man ihn häufig in mittelalterlichen Texten zur Begründung einer Regeländerung oder Reform lesen kann. Übrigens hat Otto seinen Vater im selben Jahr dazu veranlasst, in Heiligenkreuz auch ein Kloster seines eigenen, des Zisterzienserordens, zu gründen. &lt;br /&gt;
Eine zweite Ursache dürfte auch eine gewisse Rolle spielen. Wir wissen, dass die in Augsburg ansässigen Grafen von Cham und Vohburg, deren letzter Spross Bischof Hermann von Augsburg (1096–1133) war, gewisse Rechte in Neuburg besaßen. Darauf deutet die schon länger bestehende Afrakapelle hin (die heilige Afra war Patronin von Augsburg). Als Bischof Hermann 1108 im Gefolge Heinrichs V. durch Neuburg zog, fand er hier ihm untertänige Zinsleute vor, die er der hiesigen Marienkirche übereignete. Bischof Hermann, der lange von den Anhängern der Kirchenreform bekämpft worden war, starb am 11. März 1133. Das könnte dazu beigetragen haben, dass in Neuburg der Weg für die Reform frei wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Einzug der Augustiner-Chorherren===&lt;br /&gt;
Die Einführung der Regularkanoniker entsprach dem Reformprogramm des Salzburger Erzbischofs Konrad. Die Augustiner-Chorherren sollten geistliche Stützpunkte im Land aufbauen, um die Seelsorge im Geist der Kirchenreform zu betreiben und zugleich Bollwerke der rechtmäßigen Kirche zu bilden. Angesichts der im Hochmittelalter häufigen Spaltungen war das ein wichtiger Aspekt. &lt;br /&gt;
Die Bischöfe schlugen dem Markgrafen auch gleich den Mann vor, der das reformierte Kloster leiten sollte: [[Hartmann]], den bisherigen Propst von Chiemsee. Dieser war ein hervorragender Exponent des Salzburger Reformkreises und hatte schon Erfahrung im Reformieren von Konventen. Er hatte 1122 im Salzburger Domkapitel als Dekan die Augustinusregel eingeführt und leitete seit 1129 das Chorherrenstift Chiemsee. Er zog mit einer ausgewählten Mannschaft in Neuburg ein, die aus verschiedenen Konventen stammte. Man nennt St. Nikola, Chiemsee, Rottenbuch und das Salzburger Domkapitel. Als eigentliches Mutterkloster betrachtete man in Neuburg immer das Stift St. Nikola bei Passau, das 1067 von Bischof Altmann von Passau gegründet worden war. &lt;br /&gt;
Es war, wie gesagt, eine ausgesuchte Mannschaft, unter der sich bedeutende Persönlichkeiten befanden. Zwei Brüder des berühmten Propstes [[Gerhoch I.|Gerhoch von Reichersberg]] waren dabei, [[Marquard I.|Marquard]] und [[Rudiger I.|Rudiger]], beide versierte, in Paris geschulte Theologen, und beide wurden später nacheinander Propst. Mit dem Einzug der Regularkanoniker wurde Neuburg schlagartig zu einem theologischen Zentrum von hohem Niveau, wovon mehrere literarische Arbeiten der Konventualen zeugen. Außerdem war das Stift tatsächlich durch Jahrhunderte ein unerschütterlicher Stützpunkt streng kirchlichen Geistes und in allen Spaltungen ein treuer Parteigänger des römischen Papstes. &lt;br /&gt;
Markgraf Leopold, der offenbar noch immer kirchenpolitische Ambitionen hatte, trug Hartmann seine Eigenpfarren zur Inkorporation an. Das war an sich im Sinne der Kirchenreform, denn die Kanoniker sollten ja in der Pfarrseelsorge tätig sein und dem Eigenkirchenwesen entgegenwirken. Mit den 13 landesfürstlichen Pfarren hatte es aber eine eigene Bewandtnis, denn sie scheinen auf kirchenrechtlich nicht ganz einwandfreie Weise in den Besitz des Markgrafen bzw. dessen Vaters Leopold II. gekommen zu sein. Daher verweigerte Propst Hartmann die Annahme dieser Pfarren und übernahm nur die Pfarre Klosterneuburg für sein Stift. Im Greifensteiner Zehentvertrag vom September 1135 übertrug Markgraf Leopold dem Bischof von Passau den Zehent der übrigen zwölf Pfarren, und für Klosterneuburg entschädigte er ihn durch anderweitigen Besitz. &lt;br /&gt;
Das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot; berichtet, dass Propst Hartmann dem Kloster eigene Statuten gegeben habe, die mit folgenden Worten beginnen: ''Sub testimonio Christi et ecclesiae''. Diese Statuten sind leider nicht erhalten, was darauf schließen lässt, dass sie nicht allzu lange gültig waren. Später galten in Klosterneuburg wie in fast allen süddeutschen Chorherrenstiften die Statuten des Stiftes Marbach im Elsass. Durch eine Bulle vom 30. März 1134 verlieh Innozenz II. dem Stift den päpstlichen Schutz. &lt;br /&gt;
Am 29. September 1136 wurde die Stiftskirche geweiht, nachdem ihr Innenraum fertiggestellt worden war (das gewaltig geplante Westwerk konnte nur zum Teil ausgeführt werden). Dieselben Bischöfe, die drei Jahre zuvor die Reform des Stiftes durchgesetzt hatten, nahmen nun die feierliche Weihe vor: Konrad von Salzburg, Reginmar von Passau und Roman von Gurk. Markgraf Leopold konnte sich nicht lange an dem prächtigen Kirchenraum freuen, denn er starb schon wenige Wochen später am 15. November 1136. Er wurde im Kapitelsaal in einer Gruft beigesetzt, und die Grabstätte des &amp;quot;milden Markgrafen&amp;quot;, wie er schon zu Lebzeiten genannt wurde, erfreute sich bald eines regen Zustroms von Wallfahrern, die ihn als Heiligen verehrten. Bis zur offiziellen Heiligsprechung sollten aber noch Jahrhunderte vergehen. &lt;br /&gt;
Mit dem Tod Leopolds III. erlosch Klosterneuburgs Funktion als Herrschersitz. Die Witwe Agnes wohnte zwar weiterhin hier bis zu ihrem Tod am 24. September 1143 und wurde an der Seite ihres Gatten bestattet. Aber Leopolds Söhne schlugen ihre Residenzen anderswo auf: Leopold IV. zog als Herzog von Bayern nach Regensburg, und Heinrich II., der erste Herzog von Österreich, machte Wien zur Hauptstadt des Landes, was sein Vater schon vorbereitet hatte. &lt;br /&gt;
Das Kloster hatte nun seinen mächtigen Beschützer verloren, was zu gewissen Sorgen Anlass gab. Papst Innozenz II., der schon am 8. Januar 1137 der Witwe Agnes in einem ausführlichen Schreiben Trost über den Tod ihres Gatten gespendet hatte, schrieb neuerlich am 11. April desselben Jahres an die Markgräfin und empfahl das Stift Neuburg und dessen Propst Hartmann ihrer besonderen Fürsorge. Am 30. November 1137 nahm er das Stift in einer feierlichen Urkunde neuerlich unter päpstlichen Schutz. Auch Bischof Reginmar von Passau erneuerte im selben Jahr alle Privilegien des Stiftes. Man scheint also wirklich mit dem Tod des Stifters Befürchtungen für die Zukunft verbunden zu haben und wollte sich absichern. &lt;br /&gt;
Die Persönlichkeit des angesehenen Propstes Hartmann bot überdies eine gewisse Sicherheit. Als aber Hartmann Ende 1140 zum Bischof von Brixen ernannt wurde, sorgte sich das Stift neuerlich um seine Zukunft und um das Recht der freien Propstwahl. Deshalb wurde Anfang 1141 eine Stiftungsurkunde Leopolds III. hergestellt, die zwar inhaltlich zweifellos richtig, formal aber eine Fälschung war. Hier werden die Rechte des Stiftes und des nach der Regel des heiligen Augustinus lebenden Konvents besonders hervorgehoben. Ob diese Urkunde die Ursache war oder ob sich der schon gefestigte Konvent aus eigenen Kräften behaupten konnte, ist nicht wesentlich. Er nahm auf jeden Fall eine sehr positive Entwicklung. &lt;br /&gt;
Wie gefestigt der ursprünglich zusammengewürfelte Neuburger Konvent bereits war, geht schon daraus hervor, dass Bischof Hartmann das von ihm 1142 in der Nähe seiner Bischofsstadt Brixen gegründete Kloster [[Kloster Neustift|Neustift]] mit Chorherren aus Klosterneuburg besetzen konnte. Hartmann starb am 23. Dezember 1164 in Brixen im Ruf der Heiligkeit. Da er in Brixen begraben wurde, hat sich in Klosterneuburg kein Kult für ihn entwickelt. Hier wurde einzig der Stifter Leopold III. als Heiliger verehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Stift im Mittelalter=== &lt;br /&gt;
Wie fast alle Regularkanonikerstifte im Hochmittelalter war auch Neuburg ein Doppelkloster. So errichtete Propst Hartmann neben dem Herrenstift ein Kloster für Augustiner-Chorfrauen, dessen Kirche der heiligen Maria Magdalena geweiht war. Das Stiftungsgut soll aus dem Vermögen der Markgräfin Agnes gestammt haben. Darauf deutet hin, dass im Frauenstift ihr Todestag, der 24. September, jedes Jahr feierlich begangen wurde. Die Chorfrauen lebten in strenger Klausur, verrichteten das Chorgebet und beschäftigten sich mit Handarbeiten, insbesondere mit der Herstellung und Instandsetzung liturgischer Gewänder und kirchlicher Textilien. Sie unterstanden einer gewählten Meisterin, für ihre geistliche Betreuung war ein Chorherr als &amp;quot;''custos dominarum''&amp;quot; zuständig. Die wirtschaftliche Verwaltung besorgte das Herrenstift.&lt;br /&gt;
Nach dem Fortgang des ersten Regularpropstes Hartmann ins Bistum Brixen 1140/41 trafen die Befürchtungen der Kanoniker nicht ein. Der Konvent durfte den neuen Propst frei wählen, und aus dieser ersten Wahl ging der bisherige Stiftsdekan Marquard hervor, ein Bruder des berühmten Kirchenreformers Propst Gerhoch von Reichersberg. Propst Marquard, der in Paris studiert hatte, führte das Stift durch eine sehr glückliche Periode. Er begann wahrscheinlich mit der Anlage des Traditionsbuches, in dem alle (auch die früheren) Schenkungen an das Stift verzeichnet wurden. Marquard konnte den Besitz des Klosters beträchtlich erweitern, von König Konrad III. die Befreiung von der Abgabe des &amp;quot;Marchfutters&amp;quot; erreichen und von päpstlichen Legaten Urkunden über weitreichende Privilegien entgegennehmen. Das bedeutendste darunter ist die Verleihung des Hirtenstabes (die undatierte Urkunde des Kardinallegaten Petrus ist zwischen 1147 und 1152 ausgestellt), eine ungewöhnlich frühe Auszeichnung für einen Klostervorsteher. Sie galt allerdings nur für ihn persönlich. Eine zweite Urkunde desselben Legaten räumte aber den Chorherren für die Zukunft das Recht ein, jede ihnen angebotene Kirche zur Verwaltung anzunehmen, und davon machte das Stift reichlichen Gebrauch. &lt;br /&gt;
Für das Jahr 1158 ist ein Brand im Stift chronikalisch überliefert, doch erfahren wir nicht, welchen Schaden er anrichtete. Da weiter nichts darüber berichtet wird, kann man annehmen, dass die Schäden bald behoben waren. Ein wichtiger Erfolg des Propstes war, dass ihm 1162 Herzog Heinrich II. das Recht erteilte, die Untervögte des Stiftes abzusetzen. Damit war der entscheidende Schritt zur Entvogtung getan, denn vom Hauptvogt, dem Landesfürsten, hatte das Stift kaum willkürliche Eingriffe zu erwarten. Propst Marquard war sehr viel in kirchlichem Auftrag unterwegs, meist im Gefolge des Salzburger Erzbischofs.&lt;br /&gt;
Für das geistige Niveau des Stiftes war es von großer Bedeutung, dass Marquard drei seiner jüngeren Brüder zum Eintritt in Klosterneuburg bewegen konnte. Der erste, [[Friedrich]], starb bald nach seiner Ankunft. Rudiger und [[Heimo]] aber waren beide glühende Anhänger ihres ältesten Bruders, des Propstes Gerhoch von Reichersberg, der nicht nur als Reformator des Klerus unermüdlich hervortrat, sondern auch ein fleißiger theologischer Schriftsteller war. Er vertrat eine traditionelle, an Bibel und Kirchenvätern orientierte Theologie und war ein Feind der aufkommenden Scholastik, an der er die allzu theoretische und abstrakte Methode ablehnte. Die Klosterneuburger Brüder standen ihm dabei wacker zur Seite und wurden in eine heftige Kontroverse mit Magister Petrus von Wien verwickelt, einem der prominentesten Vorkämpfer der neuen Theologie. Der Streit ging unentschieden aus: War Magister Petrus ein scharfer Logiker und beherrschte die dialektische Methode, so war ihm Rudiger in der historisch-kritischen Methode überlegen (wenn man diesen modernen Ausdruck gebrauchen darf) und trat an seine Quellen mit wissenschaftlich-kritischem Geist heran. &lt;br /&gt;
Es scheint nun, dass Rudiger seiner theologischen Weltsicht ein sichtbares künstlerisches Denkmal setzen wollte und einen thematischen Entwurf für ein gewaltiges Kunstwerk erarbeitete. Dies dürfte allerdings erst geschehen sein, nachdem er 1167 die Nachfolge seines verstorbenen Bruders Marquard als Propst angetreten hatte. Es wurde überzeugend nachgewiesen, dass einige Werke Rudigers große Ähnlichkeit mit den Inschriften des Klosterneuburger Ambos auf weisen, des später sogenannten &amp;quot;Verduner Altars&amp;quot;. Sein früher Tod im Jahre 1168 hinderte den Propst daran, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Erst sein Nachfolger [[Wernher|Wernher]] konnte das Werk bei dem berühmten Goldschmied Meister Nikolaus von Verdun in Auftrag geben und damit eine der großartigsten Leistungen der mittelalterlichen Kunst anregen. Er nahm allerdings eine Änderung im Programm vor, indem er sechs Szenen aus der Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen, einfügen ließ. Dies war damals durch die Schriften Ottos von Freising sehr aktuell. Im Jahre 1181 war das Werk des Meisters Nikolaus vollendet. Es wird an anderer Stelle ausführlich gewürdigt.&lt;br /&gt;
Im Schisma von 1159 bis 1180 stand das Kapitel von Neuburg treu zum römischen Papst. Da der zuständige Bischof von Passau ein Anhänger des Gegenpapstes war, ließen sich die Chorherren nicht von ihm die Weihen erteilen. Deshalb zogen im März 1167 ungefähr 30 Kleriker des Stiftes nach Friesach, wohin der von den Anhängern des Gegenpapstes vertriebene Erzbischof Konrad II. von Salzburg, ein Sohn des Markgrafen Leopold, geflüchtet war, und ließen sich von ihm die Priesterweihe erteilen. Propst Wernher wurde 1194 Bischof von Gurk. &lt;br /&gt;
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts setzt in Klosterneuburg die Annalenschreibung ein. Ihre Zusammenhänge mit der übrigen Österreichischen Annalistik sind bis heute nicht restlos geklärt. Die bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet ist das &amp;quot;''Chronicon pii marchionis''&amp;quot;, die Lebensbeschreibung des Markgrafen Leopold. Ihr Verfasser war einer jener Chorherren, die in Friesach zum Priester geweiht wurden. &lt;br /&gt;
Eine Besonderheit der Augustiner-Chorherren war ihre Liturgie, die sie sehr feierlich und zugleich volksverbunden gestalteten. Sie pflegten das geistliche Schauspiel in der Kirche ebenso wie den Volksgesang. Das Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 niedergeschrieben, ist eines der berühmtesten Beispiele dafür. Hier finden wir auch schon ein deutsches Kirchenlied, &amp;quot;Christ ist erstanden&amp;quot;, schriftlich überliefert. &lt;br /&gt;
Das hohe geistige und wirtschaftliche Niveau, das in Neuburg im Jahrhundert der Gründung geherrscht hatte, ließ sich mit dem beginnenden 13. Jahrhundert nicht mehr ganz halten. Nun legten die Pröpste größeres Gewicht auf die Ausbildung eines Pfarrverbandes. Durch Schenkungen oder Tausch kamen mehrere Kirchen an das Stift. In dieser Zeit begann die Verehrung des Klosterstifters Leopold III., die schon bald nach seinem Tode eingesetzt hatte, zu einem regelrechten Wallfahrtsbetrieb zu werden. &lt;br /&gt;
Das Österreichische Interregnum nach dem Aussterben des Herzogshauses der Babenberger (1246) brachte für das ganze Land schwierige Zeiten, und so auch für das Stift Klosterneuburg. Propst [[Konrad Colstan|Konrad Coltstan]] (1226–1257) gelang trotzdem die wirtschaftliche Konsolidierung des Stiftes, aber das geistige und geistliche Leben trat eher in den Hintergrund. Hier schuf erst Propst [[Nikolaus I.|Nikolaus I.]] (1257–1279) einen Wandel. Er gründete 1261 das Chorfrauenstift St. Jakob (das zweite in Klosterneuburg), ließ das erste Urbar des Stiftes anlegen und erreichte die kirchliche und weltliche Anerkennung verschiedener Besitztitel des Stiftes. Papst Alexander IV. gestattete ihm 1260 den Gebrauch der Pontifikalien.&lt;br /&gt;
Gegen Ende des Jahrhunderts verschlechterte sich infolge der Verarmung des Volkes auch die wirtschaftliche Lage des Stiftes. Dass auch die Klosterdisziplin zurück ging, lässt ein Statut aus dem Jahre 1289 vermuten, welches das Würfelspiel unter den Chorherren verbot. Eine vom Passauer Bischof gesandte Visitationskommission setzte 1301 den Propst [[Hadmar Asinus|Hadmar]] aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden ab. Gleichzeitig wurden dem Stift Statuten verordnet, die die Kompetenz des Propstes und des Konvents in wirtschaftlichen Fragen wesentlich einschränkten. Aber der abgesetzte Propst nützte die Abwesenheit Herzog Rudolfs III. aus, um mit Hilfe seiner leiblichen Brüder das Stift mit Waffengewalt zu erobern, was jedoch durch das energische Eingreifen der Herzogin Blanche verhindert werden konnte. &lt;br /&gt;
Dem 1306 gewählten Propst [Berthold I.|[Berthold]] gelang es, das Stift aus seiner Krise herauszuführen und wirtschaftlich und spirituell zu konsolidieren. Zeuge dafür ist der Passauer Bischof Wernhard von Prambach, der nicht nur die einengenden Visitationsstatuten von 1301 wieder aufhob, sondern auch in einem Schreiben an Papst Clemens V. im Jahre 1312 das Stift Klosterneuburg unter allen Klöstern des Ordens des hl. Augustinus in meiner Diözese das beste in der Ordensdisziplin und in jeder Hinsicht das würdigste nennt, und außerdem die große Gastfreundschaft, die ausgedehnte Seelsorge und die Feierlichkeit der Liturgie hervorhebt.&lt;br /&gt;
Propst Bertholds Nachfolger [[Stephan von Sierndorf|Stephan von Sierndorf]] (1317-1335) hatte zunächst einen schweren Konflikt mit dem Stiftskapitel zu bestehen – einige seiner Widersacher wählten 1323 sogar einen Gegenpropst –, wurde aber sowohl vom Papst wie vom Landesfürsten rehabilitiert.&lt;br /&gt;
Am 13. September 1330 brach in der Stadt Klosterneuburg eine große Feuersbrunst aus, die auf das Stift übergriff und es zu einem guten Teil zerstörte. Der Wiederaufbau, den der Propst zügig vorantrieb, gab Stephan von Sierndorf Anlass zu künstlerischen Aufträgen großen Stils, so dass man ihn gelegentlich einen &amp;quot;zweiten Gründer&amp;quot; nannte. Das Mäzenatentum Stephans, der sich selbst sehr gerne abbilden ließ, wird in einem anderen Abschnitt gewürdigt. &lt;br /&gt;
Die günstige wirtschaftliche und spirituelle Situation des Stiftes dauerte während des 14. Jahrhunderts weiter an. Dies wurde von höchster Stelle anerkannt, denn Papst Innozenz VI. verlieh die Pontifikalien, die bisher nur einzelnen Pröpsten gewährt worden waren, am 18. Januar 1359 dem Propst [[Ortolf von Wolkersdorf|Ortolf von Wolkersdorf]] und allen seinen Nachfolgern. Dieses Privileg war damals noch selten. 1382 kam dann noch der Gebrauch der Sandalien dazu, so dass die Pröpste sich seither aller bischöflichen Insignien bedienen dürfen. &lt;br /&gt;
Auch das wissenschaftliche Leben blühte im Stifte, und der Kult des Markgrafen Leopold wurde immer populärer. Bereits 1326 wurde in Avignon von 13 Bischöfen eine prächtige Urkunde ausgestellt, die den Wallfahrern zum Grab des Markgrafen an bestimmten Tagen einen Ablass gewährte. Herzog Rudolf IV. wandte sich 1358 an den Papst mit der Bitte, den Heiligsprechungsprozess für den Klostergründer einzuleiten. Papst Innozenz VI. setzte tatsächlich eine Kommission zur Untersuchung ein, doch verlief die Angelegenheit wegen der unruhigen Zeitläufte im Sande. Erst 1466 sollte der Heiligsprechungsprozess wieder aufgenommen werden. Im Stift legte man schon 1323 ein Verzeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Markgrafen an und suchte auch die historischen Nachrichten über sein Leben gesammelt festzuhalten. Eine Handschrift aus dem Jahre 1371, geschrieben im Auftrag des Propstes [[Koloman von Laa|Kolomann von Laa]] (1371–1394), enthält das Ergebnis dieser Sammlung.&lt;br /&gt;
Der Anfang des 15. Jahrhunderts war durch verschiedene Ordensreformen gekennzeichnet. Bei den Benediktinern ging die Reform vom Stift Melk aus. Für die Augustiner-Chorherren gab das Stift Raudnitz in Böhmen (gegründet 1333) den Anstoß zu einer Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensideale. Das Konzil von Konstanz (1414-1418), zu dessen Programm die innere Reform der Kirche gehörte, machte sich die Ideen beider Richtungen zu eigen. Im Sinne des Konzils verordnete Herzog Albrecht V. eine Visitation aller Österreichischen Klöster. 1418 kamen die Visitatoren ins Stift Klosterneuburg und veranlassten den Propst [[Albert Stöck|Albert Steckh]], der erst kürzlich auf dem Konzil die Bestätigung aller Rechte des Stiftes erlangt hatte, zum Rücktritt. Sie führten neue, strenge Statuten im Sinne der Raudnitzer Reform ein und ernannten mit Zustimmung des Stiftskapitels den bisherigen Stiftsdechant [[Georg I. Muestinger|Georg Müestinger]] zum neuen Propst. Damit begann neuerlich eine Blütezeit des Stiftes, denn unter Propst Georg wurde nicht nur die Klosterzucht entscheidend gebessert, sondern dem Stift gelangen auch gewaltige kulturelle Leistungen. &lt;br /&gt;
Die Stiftsbibliothek, von der an anderer Stelle ausführlich berichtet wird, erfuhr eine zielbewusste Erweiterung. Der Chorherr [[Johannes von Perchtoldsdorf]] erhielt beträchtliche Mittel, um in Padua Handschriften kanonistischen Inhalts zu kaufen oder kopieren zu lassen. Ebenso erwarb der Chorherr [[Koloman Knapp]], der als Vertreter der Chorherrenstifte am Konzil von Basel teilnahm, dort Handschriften im Auftrag des Propstes. Aber auch in Klosterneuburg selbst wurden große Summen in die Bibliothek investiert. Die Künstler der Wiener Herzogswerkstatt, deren Namen wir nur aus den Klosterneuburger Rechnungsbüchern kennen, illuminierten hier in den Jahren 1420 bis 1428 zahlreiche kostbare Handschriften. &lt;br /&gt;
Propst Georg Müestinger, der große Förderer von Wissenschaft und Kunst, war auch selbst als Forscher tätig. Als Schüler des berühmten Astronomen Johannes Schindel von Gmunden befasste er sich mit astronomischen und kartographischen Arbeiten und richtete sogar im Stift eine Werkstätte für diese Wissenschaften ein. Hier arbeitete Bruder [[Friedrich Amann]] aus der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg. Er stellte im Auftrag des Propstes in den Jahren 1421 bis 1423 die damals beste Landkarte von Europa her. Sie wird nach ihm &amp;quot;Fridericus-Karte&amp;quot; genannt, doch geht die Anregung zweifellos auf Propst Georg zurück. Der Nullmeridian (richtiger: Azimutstrahl) dieser Karte geht durch Klosterneuburg. Auch Petronell, der Geburtsort des Propstes, ist neben den großen Städten darauf eingezeichnet. Verschiedene Angaben auf dieser Karte lassen darauf schließen, dass sie durch Messungen an einem Globus gewonnen sein müssen. Sollte dies zutreffen, dann würde es bedeuten, dass in Klosterneuburg die ersten Globen der Welt konstruiert wurden. &lt;br /&gt;
Um die Mitte des Jahrhunderts, also erstaunlich früh für unsere Gegend, fand auch der Humanismus ins Stift Klosterneuburg Eingang. Die Chorherren [[Wolfgang Winthager]] und [[Johannes Swarcz]], die beide an der Wiener Universität lehrten, traten schon 1452 für das Studium der antiken Klassiker und die Errichtung eigener Lehrkanzeln für die humanistischen Studien ein. Unter anderem verfasste Winthager einen Kommentar zu den Lustspielen des Terenz.&lt;br /&gt;
Das 1261 von Propst Nikolaus I. gegründete Chorfrauenstift St. Jakob in der Unteren Stadt hatte sich niemals richtig entfalten können und stand seit dem Jahre 1432 leer. Als nun der wortgewaltige Prediger gegen die Türkengefahr, der Franziskaner Johannes von Capestrano (auch Capistran genannt), in Klosterneuburg predigte, schenkte ihm Propst [[Simon II. Heindl|Simon Heindl]] 1451 das leere Kloster. Johannes, der später heiliggesprochen wurde, siedelte hier einen Konvent seines strengen Ordenszweiges der Franziskaner-Observanten an, der fortan erfolgreich in Klosterneuburg wirkte. Da den Observanten Ankauf und Verwaltung von Gütern untersagt war, sorgte eine Gemeinschaft von Bürgern, die &amp;quot;weltliche Bruderschaft von St. Jakob&amp;quot;, für Unterhalt und Ausstattung des Klosters. &lt;br /&gt;
Nach einer Pause von über 100 Jahren lebte der Heiligsprechungsprozess für Markgraf Leopold III. wieder auf. Den Anstoß dazu gab der Landtag des Jahres 1465, als die in Korneuburg versammelten Stände ein diesbezügliches Ansuchen an den Papst richteten. &lt;br /&gt;
Obwohl damals wirre Zustände in der Österreichischen Politik herrschten und die Stände mit dem Landesfürsten Kaiser Friedrich III. in dauerndem Konflikt lebten, bestand in dieser Frage Einigkeit und der sonst so unentschlossene Friedrich setzte sich an der Kurie für die Kanonisation seines Vorgängers ein. Dies gereichte allerdings der Sache fast zum Schaden, denn dadurch kam in Rom der Verdacht auf, es handle sich nur um ein politisches Manöver. Erst als sich das Stift Klosterneuburg selbst mit Gesandtschaften und beträchtlichen Geldmitten einschaltete, machte der Prozess echte Fortschritte. Die vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission stellte im Winter 1468/69 eingehende Nachforschungen an, weitere Zeugeneinvernahmen folgten im Mai 1469 und im Februar 1470. &lt;br /&gt;
Der 1471 neu gewählte Papst Sixtus IV. verwarf den ganzen Prozess wegen formaler Mängel und ordnete neue Untersuchungen an, die in Klosterneuburg 1472/73 stattfanden. Die lange Dauer des Prozesses verschlang große Geldsummen, so dass das Verfahren schließlich aus materiellen Gründen zu scheitern drohte. Dazu kam noch eine neuerliche Verzögerung durch den Tod des Papstes 1484. Inzwischen sorgte der Krieg zwischen Kaiser Friedrich III. und König Matthias Corvinus von Ungarn für weitere Schwierigkeiten. Die ungarischen Truppen hatten am 9. April 1483 Klosterneuburg erobert und damit einen großen Teil Niederösterreichs unter ihre Kontrolle gebracht. Für den Heiligsprechungsprozess war das allerdings kein Nachteil, denn König Matthias schenkte dem Stift zur Deckung der Prozesskosten die große Summe von 2.200 Goldgulden. Vermutlich wollte er sich damit die Gunst des Volkes erkaufen, denn die Heiligsprechung des Markgrafen Leopold war in Österreich überaus populär. &lt;br /&gt;
Der neue Papst Innozenz VIII. brachte nun den Prozessrasch zu einem günstigen Abschluss und vollzog die Kanonisation des Österreichischen Markgrafen in feierlicher Form am 6. Januar 1485. Eine kaiserliche Gesandtschaft, bestehend aus dem Ritter Marquard von Breisach und dem Klosterneuburger Stiftsdechant [[Thomas List]], nahm in Rom daran teil. &lt;br /&gt;
Der letzte Akt einer Heiligsprechung ist die Translation, die feierliche Erhebung der Reliquien des neuen Heiligen. Daran war in Klosterneuburg zunächst nicht zu denken, denn das Land stand unter ungarischer Herrschaft, und der Kaiser, dem die Heiligsprechung so am Herzen gelegen war, wollte selbst daran teilnehmen. Im Stift jedoch rüstete man für die Feierlichkeiten. Der Wiener Domherr und Humanist Ladislaus Sunthaym erhielt den Auftrag, eine Geschichte der Babenberger zu verfassen. Er tat dies schon in durchaus moderner Weise, indem er alle Orte persönlich aufsuchte und sich auch mit den Quellen kritisch auseinandersetzte. Sein Text, in deutscher Sprache verfasst, wurde 1491 auf acht große Pergamentblätter geschrieben, reich illuminiert und am Grab des heiligen Leopold aufgehängt, um den zahlreich herbeiströmenden Wallfahrern historische Informationen über den neuen Heiligen und seine Familie zu geben. Im selben Jahr 1491 ließ das Stift diesen Text in Basel drucken. Er stellt somit die älteste gedruckte Landesgeschichte Österreichs dar. Dieser Text diente als Vorlage für das gewaltige Triptychon des Babenberger-Stammbaums, eines in seiner Art und Größe einzigartigen Werkes. Nach Art einer Ausstellung wollte man dem Volk in dem riesigen Werk den neuen Landesheiligen samt seiner Familie im Bild vorführen und sorgte auch gleich für den erklärenden Text dazu: Volksbildung im besten Sinn unter Einsatz der damals wirksamen Mittel. &lt;br /&gt;
Während im Stift alles für den Schluss- und Höhepunkt der Heiligsprechung, die Translation, vorbereitet wurde, ließ diese noch lange auf sich warten. Zwar war nach dem Tod des Matthias Corvinus 1490 die ungarische Herrschaft sehr rasch abgeschüttelt worden, aber Kaiser Friedrich starb auch schon 1493, und sein Sohn Maximilian wollte persönlich an der Translationsfeier teilnehmen. Da der junge König zunächst durch verschiedene Kriegshändel ferngehalten war und nicht nach Österreich kommen konnte, musste man die Feier der Reliquienübertragung bis 1506 verschieben. Für diesen Anlass malte der Passauer Maler Rueland Frueauf der Jüngere den berühmten Zyklus von vier Tafelbildern mit der Gründungslegende des Stiftes. &lt;br /&gt;
Am 15. Februar 1506 fand dann die glanzvolle Feier der Reliquienerhebung statt. König Maximilian trug dem heiligen Vorgänger zu Ehren die Insignien eines Erzherzogs von Österreich. Er hatte das Silber zu dem kostbaren Schrein beigesteuert, den der Wiener Goldschmied Johannes Herczog anfertigte. In Erinnerung an die Synode von 1133 fungierte der Erzbischof von Salzburg als Leiter des Festaktes, assistiert von den Bischöfen von Passau und Gurk. Eine gewaltige Volksmenge war zusammengeströmt, und auch in den nächsten Jahren war Klosterneuburg das Ziel zahlreicher Pilger. Für sie ließ das Stift schon seit 1489 Abzeichen aus Blei oder Silber prägen, die sich die Wallfahrer ans Gewand (meist an den Hut) hefteten.&lt;br /&gt;
Es ist sehr bezeichnend für den historischen Zug, der dem Leopoldskult von Anfang an innewohnte, dass Maximilian aus Anlass der Translation auch eine Art von Historikerkongress mit seinen Hausgenealogen im Stift Klosterneuburg abhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Protestantismus und Gegenreformation===&lt;br /&gt;
Die Heiligsprechung Leopolds III. und die damit verbundenen Festlichkeiten ließen noch einmal die typisch mittelalterliche Verflechtung von Religion und Politik, von Frömmigkeit und Öffentlichkeit glanzvoll in Erscheinung treten. Aber bald sollte sich zeigen, dass die Zeit anders geworden war. Am Anfang des 16. Jahrhunderts erhoben sich an vielen Orten Wirren und Unruhen. &lt;br /&gt;
Im Stift Klosterneuburg wurde 1509 [[Georg II. Hausmanstetter|Georg Hausmanstetter]] aus einem niederösterreichischen Adelsgeschlecht zum Propst gewählt, ein Mann von großen Fähigkeiten. Diese wurden auch gleich im Dienst der Öffentlichkeit eingesetzt. Die niederösterreichischen Stände nominierten ihn zu ihrem Delegierten, und Kaiser Maximilian I. berief ihn sogar in die niederösterreichische Regierung, das &amp;quot;Regiment&amp;quot;. Wegen dieser Verpflichtungen war er häufig vom Stift abwesend, was ihn dem Konvent entfremdete, zumal die finanzielle Lage des Hauses nicht gerade rosig war, denn die Kosten der Heiligsprechung des Markgrafen und hohe Steuerforderungen hatten zu einer zunehmenden Verschuldung des Stiftes geführt. Die Chorherren waren unzufrieden mit ihrem Propst, dem seine öffentlichen Funktionen wichtiger schienen als das Wohlergehen des Stiftes. &lt;br /&gt;
So kam es 1513 zu einem offenen Aufruhr der Chorherren gegen Propst Hausmanstetter, sodass dieser sich genötigt sah, die Stiftsuntertanen aus Langenzersdorf zur Bewachung des Klosters herbeizubeordern. Man warf dem Propst vor, dass er schlecht wirtschafte und es an &amp;quot;Väterlichkeit&amp;quot; gegenüber dem Konvent mangeln ließe. Es war allerdings nicht der ganze Konvent, der sich empörte, sondern nur eine Mehrheit, die erwiesenermaßen von Bürgern aus Klosterneuburg und Wien aufgehetzt war. Ein wichtiges Motiv dabei war der Hass gegen die Regierung, der Propst Georg angehörte. Schließlich musste der Propst flüchten, und die Regierung ordnete zu Pfingsten 1513 die Rückeroberung des Stiftes mit Waffengewalt an. Es scheint, dass man sogar an eine Konfiskation des Reliquienschreins St. Leopolds dachte. Durch falsche Interpretation von Quellen wollte man daraus auf einen Überfall auf das Stift im Jahre 1519 schließen, doch entspricht dies nicht den Tatsachen. Jedenfalls scheint Propst Georg gewaltlos ins Stift zurückgekehrt zu sein. Drei Chorherren wurden als Rädelsführer des Aufstandes verhaftet und weggebracht. Eine Überprüfung der Wirtschaftsgebarung des Stiftes durch den Statthalter Markgraf Ernst von Baden rehabilitierte den Propst. Als Kaiser Maximilian anordnete, durch kaiserliche Amtspersonen die Gebarung des Stiftes ständig überwachen zu lassen, führte dies rasch zu einer Einigung der Streitparteien, denn so etwas wollte weder der Propst noch der Konvent. Hinfort herrschte Friede in der langen Regierungszeit Propst Georgs. &lt;br /&gt;
Als nach dem Tod Maximilians I. 1519 eine offene Revolte der Stände gegen die vom Kaiser eingesetzte Regierung ausbrach, war Propst Georg, der ja selbst einst dieser Regierung angehört hatte, einer der wenigen, die ihr die Treue hielten. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass im Jahre 1520 zwei Landtage im Stift Klosterneuburg abgehalten wurden. Ihre Sitzungen fanden im Refektorium statt, so dass die Chorherren fast vier Monate hindurch in einem anderen Raum essen mussten. &lt;br /&gt;
Der neue Landesfürst Ferdinand I. war gesonnen, ein strenges Exempel zu statuieren, und ließ im &amp;quot;Blutgericht&amp;quot; von Wiener Neustadt am 23. Juli 1523 mehrere Anführer der Rebellion zum Tode verurteilen. Diese harte Maßnahme entfremdete die Stände dem Landesfürsten noch mehr als bisher. Propst Georg hatte zwar nicht an der Gerichtsverhandlung teilgenommen, ja sich sogar in einem mutigen Schreiben an Erzherzog Ferdinand von den Todesurteilen distanziert, aber er galt doch als Anhänger der alten Regierung und hatte sogar als einziger der Stiftsprälaten während des Aufstandes von 1519 zu ihr gehalten. Seinen guten Beziehungen zum Landesfürsten verdankte der Propst, dass ein gefährlicher Unfug verhindert werden konnte: 1527 wollten gewisse Kreise einen unehelichen Sohn Kaiser Maximilians I. namens Cornelius dem Stift Klosterneuburg als weltlichen Abt-Koadjutor aufzwingen, was aber nicht gelang.&lt;br /&gt;
Die Lehre Martin Luthers drang früh in Österreich ein. Ihre Träger waren vor allem die Adeligen, die sich schon aus Opposition zum katholischen Landesfürsten der neuen Lehre anschlossen. Im Jahre 1528 war das Luthertum bereits so weit verbreitet, dass der Kaiser eine große Visitation aller Klöster anordnen musste. Sie brachte ein erstaunliches Ergebnis: unter den vielen Klöstern Niederösterreichs stand als einziges Klosterneuburg noch voll zum katholischen Glauben. Der Grund dafür war sicherlich die Persönlichkeit des Propstes Georg Hausmanstetter, der als Parteigänger des Landesfürsten schon seit Jahren in scharfem politischen Gegensatz zu den mehrheitlich protestantischen Landständen stand. So lang Propst Georg regierte, blieb das Stift daher katholisch. &lt;br /&gt;
Die religiösen Auseinandersetzungen jener Jahre waren überschattet von der Türkengefahr. Als diese Gefahr nach der Niederlage des ungarischen Heeres bei Mohács 1526 akut wurde, musste das Stift große finanzielle Opfer für die Kriegsrüstung bringen, während die Stände eher passive Resistenz leisteten. Die militärische Gefahr bot ihnen eine gute Gelegenheit, vom bedrängten Landesfürsten Zugeständnisse religiöser Art zu erpressen. &lt;br /&gt;
Um die hohen Kosten für die Verteidigung des Landes aufzubringen, musste das Stift Klosterneuburg auf Grund eines Dekrets Ferdinands I. wie andere geistliche Häuser seine gesamte Barschaft und den Kirchenschatz nach Wien abliefern. Am 23. August 1526 fand die Inventarisierung der Kleinodien statt, am 9. September wurden sie abgeliefert. Damals wurden fast alle mittelalterlichen Goldschmiedewerke eingeschmolzen, darunter auch der Reliquienschrein des hl. Leopold. &lt;br /&gt;
Die Gefahr rückte immer näher. In den nächsten Jahren wurde die Rüstkammer des Stiftes, die Propst Georg seit seinem Regierungsantritt sehr gut ausgestattet hatte, in höchster Eile instand gesetzt. Als die Türken 1529 schon bedrohlich nahe waren, entschloss sich Propst Georg, mit seinem Konvent nach Passau zu fliehen. Im Stift blieben nur der Stiftshofmeister [[Hans Stolbrokh]] und der königliche Regimentsrat [[Melchior von Lamberg]] zurück. Diese beiden warben in aller Eile 120 Söldner an und nahmen die Verteidigung in die Hand. Die Bevölkerung flüchtete in die Obere Stadt bzw. in das Stift. &lt;br /&gt;
Am 27. September 1529 standen die Türken vor Klosterneuburg. Sie besetzten die Untere Stadt, die geräumt worden war, plünderten die Häuser und steckten sie in Brand, wobei auch die Pfarrkirche St. Martin und die Franziskanerkirche St. Jakob in Flammen aufgingen. Alle Angriffe auf die Obere Stadt konnten jedoch abgewehrt werden. Am 16. Oktober gaben schließlich die Türken die Belagerung auf und zogen von Klosterneuburg ab, ebenso von Wien. Als aber die Chorherren anfang November ins Stift zurückkehren wollten, verweigerte ihnen Melchior von Lamberg den Einlass. Er hatte nämlich kein Geld, um die Söldner zu entlohnen, und wollte auf diese Art das Stift zur Zahlung zwingen. König Ferdinand musste Lamberg befehlen, die Chorherren und Chorfrauen wieder in ihre Klöster einzulassen. Er befahl aber auch dem Propst, Lamberg die aufgelaufenen Kosten zu ersetzen. Nach längerem Hin und Her zahlte der Propst 2.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Die Schäden, die die Bevölkerung an Leib und Gut erlitten hatte, waren groß. Im Wienerwald irrten viele verlassene Kinder herum. König Ferdinand befahl am 5. Januar 1530, dass das Stift sich dieser Kinder annehmen und möglichst viele bei sich unterbringen sollte. Unter der Bevölkerung hatte es aber auch Kollaborateure gegeben, die es mit den Türken gehalten hatten. Sie wurden nach Abzug des Feindes festgenommen, im Stift eingesperrt und schließlich nach Wien gebracht. Mit dem Abzug der Türken war aber die Bedrohung nicht vorbei. Der Landesfürst brauchte dringend Geld zur weiteren Rüstung. Schließlich einigte sich die Regierung mit den niederösterreichischen Landständen auf eine Summe von 36.000 Gulden. Nun gab es wieder einen Konflikt mit dem Prälatenstand, denn das Stift Klosterneuburg wollte die bereits ausgelegten 2.000 Gulden auf seinen Betrag aufgerechnet haben. Solche Opfer waren tatsächlich nötig, denn die türkischen Oberfälle und Raubzüge dauerten fort, wenn auch zunächst keine große Invasion erfolgte. Der Propst von Klosterneuburg musste allein mehr Pferde für die Kriegsrüstungen stellen als alle anderen Prälaten des Viertels unter dem Wienerwald zusammen.&lt;br /&gt;
Bis zum Tode Propst Georg Hausmanstetters am 3. Dezember 1541 war das Stift Klosterneuburg treu bei der katholischen Religion geblieben. Aber bald drang auch hier protestantisches Gedankengut ein. Am 19. Februar 1548 verkündete der Chorherr [[Johannes Weiß]] „zum Ärger seiner Mitbrüder“ die neue Lehre. Er predigte gegen die geistliche Kleidung, gegen Chorgebet, Fasten und Reliquienverehrung. 1554 wurde Propst [[Christoph I. Starl|Christoph Starl]] (1551-1558) wegen verdächtiger Äußerungen in seinen Predigten von Ferdinand I. zur Rechenschaft gezogen. Vor allem warf ihm der König zu große Duldsamkeit gegen protestantische Lehren vor. Dass diese Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren, sollte sich nach Starls Tod zeigen. Die Chorherren wählten 1558 [[Peter II. Hübner|Peter Hübner]] zu seinem Nachfolger. Der neue Propst bekannte sich offen zum Luthertum und förderte die neue Lehre in der Stadt. Er ließ die jungen Kleriker und Novizen in protestantischem Geist ausbilden, predigte selbst nach der protestantischen Postille des Johann Spangenberg und hielt sich im Stiftsspital eine Konkubine. Er förderte auch das Studium junger Klosterneuburger in Wittenberg. Als er schließlich mit seiner Konkubine Anna in der Stiftskirche öffentlich Hochzeit hielt, wurde er von einer kaiserlichen Kommission im September 1562 seines Amtes enthoben und am 8. Januar 1563 durch ein offizielles kirchliches Urteil abgesetzt und exkommuniziert. &lt;br /&gt;
Unter seinem Nachfolger [[Leopold Hintermayr|Leopold Hintermayr]] wurde es nicht viel besser. Eine Visitation des Jahres 1563 stellte im Stift folgenden Personalstand fest: sieben Chorherren, sieben Konkubinen, drei Eheweiber, 14 Kinder. Die Wirtschaftslage des Stiftes war katastrophal. Propst Leopold gelang es aber, binnen kurzem die Schulden abzutragen, und daher ließ ihn die Regierung sein Leben lang ungeschoren. &lt;br /&gt;
Die Stadt Klosterneuburg war fast ganz zum Protestantismus übergegangen. Katholischer Gottesdienst wurde nur mehr im Franziskanerkloster gefeiert. Die Franziskaner hielten meist auch die lateinischen Hochämter in der Stiftskirche, während die Chorherren mehr oder weniger protestantische Riten vollzogen. Die Pfarre St. Martin war rein lutherisch und hatte verheiratete Seelsorger. Das Chorfrauenstift [[St. Magdalena]] ging gänzlich ein. Im Jahre 1568 starb die letzte Chorfrau. &lt;br /&gt;
Als Propst Leopold Hintermayr 1577 plötzlich starb, erlaubte der Kaiser angesichts dieser Zustände keine freie Wahl eines Nachfolgers. Nach heftigen Auseinandersetzungen und Kämpfen zwang Kaiser Rudolf II. dem sich erbittert sträubenden Konvent den Kandidaten seiner Wahl auf, den Wiener Domdechanten [[Kaspar Christian|Kaspar Christiani]], einen norddeutschen Weltpriester. Seine Strenge und sein Glaubenseifer ließen erwarten, dass er das Stift wieder katholisch machen werde. Und so geschah es auch. Nachdem ihn der Papst vom Noviziat dispensiert und er die Ordensgelübde abgelegt hatte, entfernte er die lutherischen Chorherren aus dem Kloster, darunter den Stiftspfarrer [[Franz Kammerling]], und suchte den verbliebenen Rest zu einem strengen Katholizismus zurückzuführen. Er entließ die protestantischen Stiftsbediensteten und bemühte sich vor allem, taugliche Persönlichkeiten zum Eintritt ins Stift zu bewegen. Das waren zum Teil bereits angesehene Leute, wie der Grazer Domherr [[Balthasar Polzmann|Balthasar Polzmann]] und der Priester Sebastian Küeller aus Görz. Binnen kurzem konnte man den Klosterneuburger Konvent wieder als katholisch bezeichnen. In der Stadt stieß der Propst aber auf heftigen Widerstand. Die vielfältigen Schwierigkeiten und sein zorniges Temperament setzten Propst Kaspar derart zu, dass er schon nach sechs Jahren seiner Amtsführung im Alter von 43 Jahren starb.&lt;br /&gt;
Der neue Propst Balthasar Polzmann (1584–1596) hatte es viel leichter als sein Vorgänger, zumal der Protestantismus in Österreich seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte, woran nicht zuletzt die Uneinigkeit im eigenen Lager die Schuld trug. Der Stiftskonvent war voll katholisch und so zahlreich, dass mehrere Chorherren als Prälaten die Leitung fremder Klöster übernehmen konnten. Auch die Stadt Klosterneuburg kehrte langsam zur katholischen Religion zurück. Besonderen Eifer für die Bekehrung der Protestanten entwickelte seit 1594 der Stiftspfarrer Dr. [[Andreas Weißenstein]], ein ehemaliger Protestant. Dieser gelehrte Mann (er war Professor der Philosophie an der Wiener Universität) führte durch seine vorzüglichen Predigten und feierlich gestalteten Gottesdienste den Großteil der Bevölkerung in die katholische Kirche zurück. Am Anfang des 17. Jahrhunderts galt Klosterneuburg wieder als katholische Stadt. Im Stift drückte sich der Sieg der Gegenreformation auch künstlerisch aus, indem einige Bauten in &amp;quot;gotischem&amp;quot; Stil errichtet wurden, um die Rückkehr zum alten Glauben zu dokumentieren. Die Gegenreformation brachte auch einen neuen Aufschwung des Leopoldskultes. Propst Balthasar Polzmann verfasste die erste wissenschaftliche Lebensbeschreibung des Klostergründers, die 1591 im Druck erschien. Vor allem aber begann er 1584 mit der Prägung der Leopoldspfennige und brachte damit wirkungsvoll einen katholischen Heiligen unter die Leute. &lt;br /&gt;
Ob die Einführung der Ordensnamen im Stift Klosterneuburg ursächlich mit der katholischen Restauration zusammenhängt, ist nicht sicher. Die älteste Nachricht über die Annahme eines neuen Namens bei der Einkleidung ist für den 31. Mai 1599 überliefert. Der nächste Fall wird aus dem Jahr 1610 berichtet, und binnen kurzem bürgerten sich die Ordensnamen ein. &lt;br /&gt;
Die Gegenreformation, wie man den Kampf gegen den Protestantismus zu nennen pflegt, hatte für die Klöster Österreichs schwerwiegende Folgen. Im Jahre 1568 wurde der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; als staatliche Aufsichtsbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten geschaffen. Zunächst wirkte sich diese Behörde recht segensreich aus, da sie für die Abschaffung verschiedener Missstände sorgte. Aber bald wurde sie zu einem bürokratischen Hemmnis für die kirchliche Entwicklung. Gereichte die Einsetzung des Propstes Kaspar Christiani 1578 immerhin dem Stift und der katholischen Religion zum Nutzen, so sollte sich das Staatskirchentum schon bald im gegenteiligen Sinn auswirken. Als die Chorherren nach dem Tode des Propstes Balthasar Polzmann im Jahre 1596 den Stiftspfarrer Dr. Andreas Weißenstein zu seinem Nachfolger wählten, verweigerte auf Antrag des Klosterrates Kaiser Rudolf II. ihm die Bestätigung. Der Grund dafür war, dass Weißenstein für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung eintrat. Vier Jahre währten die Kämpfe des Stiftskapitels mit den landesfürstlichen Behörden, bis die Chorherren resignierten und auf Weißensteins Antrag den Wiener Domherrn Thomas Rueff zum Propst postulierten. Auch im Jahre 1614 wurde ein gewählter Propst, der Chorherr [[Chrysostomus Sarioth]], vom Kaiser nicht bestätigt. &lt;br /&gt;
Auf Grund kaiserlicher Anordnung war das Stift, wie andere Klöster auch, dazu verpflichtet, für die kaiserlichen Hofjagden Hunde zu unterhalten, die jeweils zur Verfügung gestellt werden mussten, wenn der Kaiserhof in der Nähe jagte. Diese Hunde sind in Klosterneuburg seit 1564 nachweisbar. 1571 wurde für sie ein Stall im Bereich des Stiftsspitals bei der Gertrudskirche gebaut, wo sie ein eigener Rüdenknecht betreute. Später wollte man in diesen kaiserlichen Jagdhunden die Nachkommen jener Hunde sehen, die angeblich den Schleier der Gattin St. Leopolds gefunden und damit den Anstoß zur Gründung des Stiftes gegeben hätten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Neuzeit bis zu Kaiser Joseph II.===&lt;br /&gt;
Das Stift Klosterneuburg samt der Stadt war wieder katholisch, und unter dem Propst [[Thomas Rueff|Thomas Rueff]] begann wieder eine rege künstlerische Tätigkeit. Propst Thomas war auch politisch tätig und seit Georg Hausmanstetter (1509–1541) der erste Klosterneuburger Propst, der als Verordneter des niederösterreichischen Prälatenstandes fungierte. Am 1. Februar 1602 wurde er von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben, 1608 war er Rektor der Wiener Universität.&lt;br /&gt;
Trotz der allgemein anerkannten Leistungen dieses Propstes geriet das Stift nach seinem Tod 1612 in neuerliche Schwierigkeiten. Der gewählte Nachfolger [[Joachim Eichler]] starb, bevor er die Bestätigung erlangte. Darauf wurde der Chorherr [[Balthasar Prätorius]] zum Propst gewählt, doch diesen raffte die Pest am 2. Dezember 1613 hinweg, ehe er bestätigt werden konnte. Am 14. Mai 1614 wurde der bisherige Administrator [[Johannes Chrysostomus Sarioth]], ein gebürtiger Klosterneuburger, zum Propst gewählt. Diesem versagte aber die Regierung die Bestätigung. &lt;br /&gt;
Nun vermutete das Stiftskapitel, dass die Postulation eines Auswärtigen eher Aussicht auf Erfolg hätte (wie schon bei Thomas Rueff) und postulierte den Passauer Offizial [[Johann Brenner]] zum Propst. Diese Postulation wurde aber auf Verlangen des Kaisers von Papst Paul V. verworfen. Das Kapitel trug daher dem Wiener Bischof [[Melchior Khlesl]] das Amt des Propstes an, aber dieser lehnte die Wahl ab. Erst die sechste Wahl am 29. April 1616 beendete die vierjährige Vakanz. Gewählt wurde der ehemalige Klosterneuburger Stiftsdechant [[Andreas Mosmiller|Andreas Mosmiller]], der seit 1610 Propst des Stiftes St. Dorothea in Wien war. Diese Wahl wurde nun endlich vom Kaiserhof bestätigt, aber Propst Andreas musste noch bis 1618 das Stift St. Dorothea nebenbei leiten. &lt;br /&gt;
Diese inneren Turbulenzen dürften aber die äußere Wirksamkeit des Stiftes nicht stark beeinträchtigt haben. Noch im selben Jahr 1616 trug sich ein Ereignis zu, das Klosterneuburg in besonders engen Kontakt mit dem Lande und dem Herrscherhaus brachte. Erzherzog Maximilian III., Hochmeister des Deutschen Ritterordens und Regent von Tirol, hatte sich schon früher als großer Verehrer des heiligen Leopold und als Wohltäter des Stiftes erwiesen. Er stiftete nun am 15. November 1616 zwei kostbare Weihegaben nach Klosterneuburg: ein silbernes Büstenreliquiar des heiligen Leopold und den Österreichischen Erzherzogshut, der hinfort die Krone des Erzherzogtums Österreichs sein sollte. Warum diese Krone gerade nach Klosterneuburg gestiftet wurde, darüber hat man oft gerätselt und es mit der größeren Sicherheit im Stift zu erklären versucht. Das stimmt gewiss nicht, denn die Krone musste oft genug aus Sicherheitsgründen weggebracht werden. Man braucht aber nur den Text der Stiftungsurkunde aufmerksam zu interpretieren, um zu verstehen, dass Maximilian mit dieser Krone ein &amp;quot;Heiltum&amp;quot; schaffen wollte. So wie Ungarn mit der Stephanskrone und Böhmen mit der Wenzelskrone, sollte Österreich mit dieser &amp;quot;Leopoldskrone&amp;quot; eine heilige Landeskrone erhalten. Deshalb die komplizierten Bestimmungen: nur zur Belehnung eines neuen Landesfürsten und zu dessen Erbhuldigung durfte das Kleinod von Klosterneuburg weggebracht werden, und auch das nur für die Dauer von höchstens 30 Tagen. Auf Bitten Maximilians bestätigte Papst Paul V. diese Stiftung und bedrohte in seiner Bulle jeden Zuwiderhandelnden mit der Exkommunikation. Das alles deutet darauf hin, dass hier ein Heiligtum geschaffen werden sollte, und tatsächlich wurde die Krone als solches behandelt. Es mag verwunderlich erscheinen, dass ein so spät entstandenes Kleinod so rasch zum Heiligtum avancieren konnte, aber das geschah eben durch die Verbindung mit dem heiligen Leopold, bei dessen Grabstätte die Krone verwahrt wurde. Die Zeremonie der Erbhuldigung markierte den Beginn der Regierungszeit eines neuen Landesfürsten (zwischen 1620 und 1835 fand sie insgesamt zehnmal statt) und wurde mit entsprechendem Pomp begangen. Die Einholung des Erzherzoghutes gestaltete sich in Klosterneuburg jedes Mal zu einem Volksfest. &lt;br /&gt;
Ähnlich große Anteilnahme des Volkes erregten auch die Hofwallfahrten nach Klosterneuburg. Schon seit dem 14. Jahrhundert waren Mitglieder der landesfürstlichen Familie an das Grab des heiligen Leopold gepilgert, aber im 17. Jahrhundert wird die Hofwallfahrt zur Institution. Die Landesfürsten kamen immer häufiger nach Klosterneuburg und seit Kaiser Leopold I. 1663 den heiligen Leopold zum offiziellen Schutzpatron von Östereich proklamiert hatte, fand nahezu jedes Jahr am 15. November mit großem Prunk die über mehrere Tage währende Hofwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Obgleich das 17. Jahrhundert von kriegerischen Ereignissen überschattet war, bedeutete es doch für Klosterneuburg in künstlerischer Hinsicht eine sehr fruchtbare Zeit. 1609 wurde das Prälaturgebäude großzügig umgestaltet, 1618 bis 1620 ein ganz neuer Fürstentrakt errichtet, 1627 bis 1633 das alte Dormitorium in prächtiger Weise umgebaut. 1634 begann unter der Leitung von Giovanni Battista Carlone die barocke Neugestaltung der Stiftskirche, wobei der Architekt im Äußeren mittelalterlichen Charakter des Baues wahrte, aber im Inneren einen imposanten, frühbarocken Hallenraum gestaltete. Der Passauer Orgelbauer Johann Freundt schuf 1636 bis 1642 die berühmte große Orgel, und 1648 goss Leonhard Löw von Löwenburg in Wien die große Glocke für den neuen Turm, die fast 6.000 kg wiegt. Ihre Inschrift drückt Sehnsucht nach dem Frieden aus (es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges), aber die Türkenköpfe in ihrer Krone sind ein Symbol für die Bedrohung des Abendlandes, die mit dem Westfälischen Frieden nicht gebannt wurde, sondern für Klosterneuburg noch schlimme Tage bringen sollte.&lt;br /&gt;
Der Umbau der Stiftskirche war noch nicht abgeschlossen, als 1677 bis 1680 ein neues, großes Projekt verwirklicht wurde. Die Grabstätte des heiligen Leopold, der ehemalige Kapitelsaaal des Stiftes, wurde zusammen mit der anschließenden Nikolauskapelle zu einer großzügigen &amp;quot;Schatzkammer&amp;quot; ausgebaut, die die Zeugnisse der Geschichte mit dem aktuellen Wallfahrtskult des Landespatrons verband. &lt;br /&gt;
Trotz der ungünstigen Zeitumstände erlebte das Stift damals eine echte Blüte. Sie zeigte sich in den geschilderten Bauunternehmungen, in der Erwerbung von Besitz, vor allem aber in einer sehr guten Ordensdisziplin. Kaiser Ferdinand III. übertrug 1630 dem Propst [[Bernhard Waitz]] die Administration der beiden böhmischen Chorherrenstifte [[Stift Wittingau/Třeboň|Wittingau]] (Třebon) und [[Stift Forbes/Borovany|Forbes]] (Borovany). Sie waren fast leer und dem Untergang nahe. Propst Bernhard gelang es, durch Entsendung geeigneter Ordensleute aus Klosterneuburg (sieben nach Wittingau, drei nach Forbes), die beiden Klöster wieder zu beleben und auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Ab 1663 konnten beide Häuser wieder selbständig existieren unter der Leitung Klosterneuburger Professen: [[Norbert Heermann]] in Wittingau und [[Georg Jaudt]] in Forbes. &lt;br /&gt;
Eine Pestepidemie im Jahre 1679 forderte eine Reihe von Todesopfern unter den Mitgliedern des Stiftes. Die größere Katastrophe für das Land sollte aber die türkische Invasion werden. Man hatte gelernt, mit der Türkengefahr zu leben, und hoffte immer noch, mit dem Erbfeind zu einer friedlichen Einigung zu kommen. Aber seit Ende 1682 verdichtete sich die Gefahr. Eine Inspektion der sicheren Orte, die der Bevölkerung als Fluchtpunkte dienen konnten, ergab ein trauriges Ergebnis. Klosterneuburg war einer der wenigen Orte, die einigermaßen den Ansprüchen genügten.&lt;br /&gt;
Die niederösterreichischen Stände zeigten aber keine besondere Eile, für entsprechende Verteidigungsmaßnahmen zu sorgen. &lt;br /&gt;
Als schon im ganzen Lande die Türkenglocken läuteten, nahm man die Gefahr noch immer nicht ernst. Erst als tatarische Streifscharen seit dem 7. Juli 1683 Angst und Schrecken verbreiteten und die kaiserlichen Truppen bei Regelsbrunn eine Niederlage erlitten, brach Kaiser Leopold mit seiner Familie fluchtartig nach Westen auf, und wer die Möglichkeit hatte, folgte seinem Beispiel. Bischof Sinelli von Wien empfahl allen Ordensleuten die Flucht, denn gegen sie richteten sich die Grausamkeiten der Muslims ganz besonders. Am 8. Juli, einen Tag nach der Flucht des Wiener Hofes, verließ Propst [[Sebastian Mayr]] mit dem Stiftsschatz und einigen Chorherren Klosterneuburg und fuhr auf der Donau nach Passau. Am 13. Juli flüchtete der Stiftsdechant [[Christoph Matthäi]] mit dem Rest des Stiftskapitels in das Chorherrenstift [[Ranshofen]]. Nur zwei Chorherren blieben im Stift zurück: der junge Priester [[Wilhelm Lebsafft]], der sich schon in der Pestepidemie 1679 rühmlich bewährt hatte, übernahm die geistliche Betreuung der Bewohner, und der Laienbruder [[Marzellin Orthner]] fungierte als militärischer Befehlshaber. Ihm kommt der Hauptverdienst daran zu, dass die Bewohner Klosterneuburgs gegen eine gewaltige Obermacht standhielten und aus diesem Grund militärische Hilfe vom kaiserlichen Heer bekamen, wodurch schließlich ihr Überleben gesichert war.&lt;br /&gt;
Über den Verlauf der Belagerung sind wir genau unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht von [[Johann Martin Lerch]], der 1684 im Druck erschien. Vom 16. Juli 1683 an musste sich die Obere Stadt mit dem Stift gegen zahlenmäßig weit überlegene türkische Truppen verteidigen. Angesichts dieser guten Kampfmoral legte Herzog Karl von Lothringen eine kleine militärische Besatzung in die Stadt. Gemeinsam mit den Bürgern boten die kaiserlichen Soldaten den zahlenmäßig weit überlegenen Belagerern so tapferen Widerstand und fügten ihnen durch Ausfälle so starke Verluste zu, dass die Türken bereits am 8. September von Klosterneuburg abzogen. Dadurch war für das Entsatzheer der Weg nach Wien frei. Nun zeigte sich, wie wichtig es gewesen war, dass Klosterneuburg gehalten werden konnte, denn die Stadt bildete den Flankenschutz für das Entsatzheer. Die Stadt Wien und damit Österreich – und nach damaliger Meinung, die wohl richtig ist, das christliche Abendland – war im Augenblick höchster Gefahr gerettet, und Klosterneuburg hatte nicht geringen Anteil daran. &lt;br /&gt;
Trotz der ungeheuren Schäden, die Stadt und Stift erlitten hatten, war die Erleichterung groß. Die ganze Untere Stadt und die Vorstadt Neusiedei mit dem Stiftsspitallagen in Schutt und Asche, aber der Wiederaufbau ging rasch voran. Auch die Umgestaltung der Stiftskirche wurde fortgesetzt. Der Maler Johann Georg Greiner konnte in einem Deckenfresko die Befreiung Klosterneuburgs von den Türken als triumphales Ereignis darstellen.&lt;br /&gt;
Da die Bedrohung durch die Türken vorbei war, wurde das ganze Land von einer ungeheuren Baulust erfasst. Allenthalben wurden Kirchen und Klöster neu erbaut, prächtige Paläste errichtet. In Klosterneuburg ließ man sich damit zunächst Zeit. 1704 ließ Propst [[Christoph II. Matthäi|Christoph Matthäi]] das berühmte Tausend-Eimer-Fass bauen, an dem noch heute der beliebte Volksbrauch des &amp;quot;Fasselrutschens&amp;quot; stattfindet. Erst das 600-Jahr-Jubiläum der Stiftsgründung im Jahre 1714 gab Anlass zu größerer künstlerischer Betätigung. Vom berühmten Ingenieur Matthias Steinl wurde vor dem alten Hochaltar eine große hölzerne Attrappe errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und die glücklicherweise im Bild erhalten sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Klosterneuburg 1722.jpg|center|750px]]&amp;lt;div class=&amp;quot;center&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#B7B7B7&amp;quot;&amp;gt;''Vogelschau der Stadt Klosterneuburg von Sebastian Linck (1722),&amp;lt;br /&amp;gt; Pinselzeichnung auf Papier (45 x 117cm), Stiftsarchiv Klosterneuburg''&amp;lt;/span&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Jubiläum muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. Von den Stiftsplänen sind nur zwei Grundrisse erhalten. Aus ihnen lässt sich erkennen, dass zwar die gewaltige Anlage des Escorial als Vorbild diente, aber doch möglichst viel vom alten Bestand (Stiftskirche, Kreuzgang, Leopoldskapelle, Capella speciosa usw.) integriert werden sollte. Warum dieser Plan nicht verwirklicht wurde, ist unbekannt. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein. Die Neugestaltung des Presbyteriums wurde unter der Leitung von Matthias Steinl begonnen. Nach dessen Tod brachte Abt Berthold Dietmayr von Melk 1729 den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. Trotz dieses Wechsels wirkt das Presbyterium wie aus einem Guss. Es verkörpert ein religiös-politisches Programm in höchst eindrucksvoller Weise. Dieses Programm sollte im Neubau des Stiftes seine Krönung finden. Als Kaiser Karl VI. am Leopolditag des Jahres 1730 in Klosterneuburg weilte, wurden ihm die ursprünglichen Pläne des Donato Felice d'Allio vorgelegt. Diese waren bedeutend schlichter und klösterlicher als das, was daraus werden sollte. Der Kaiser beschloss nämlich, hier in Klosterneuburg seine Residenz errichten zu lassen. Was in der Neugestaltung der Kirche ideell schon vorbereitet war, sollte Realität werden: die Verschmelzung von religiöser und staatlicher Symbolik zu einem architektonischen Denkmal. Faszinierend daran ist, dass damit unbewusst ein Gedanke des Klosterstifters wieder lebendig wurde. Man glaubte seit Jahrhunderten, dass der heilige Leopold seine Burg auf dem Kahlenberg bzw. Leopoldsberg gehabt habe. In Wirklichkeit hatte er in Neuburg eine &amp;quot;Klosterresidenz&amp;quot; errichtet. In gigantischen Maßstäben sollte das nun wiederholt werden. Die Pläne wurden geändert, 1730 begann der Bau. Befohlen wurde er vom Kaiser, aber die Kosten musste das Stift tragen. &lt;br /&gt;
Diesem Escorial-Projekt liegt eine tiefe staatspolitische Idee zugrunde. Man muss das Projekt Karls VI. mit dem Repräsentationsbau seines Bruders Joseph I., dem Schloss Schönbrunn, in Beziehung setzen. Schönbrunn ist eine Nachahmung des Schlosses Versailles, das als Inbegriff des absolutistischen Herrscherturns gelten kann, als Symbol für ein weitgehend säkularisiertes, autonomes Königtum. Karl VI. wollte gewiss nicht weniger als sein Bruder absolutistisch herrschen, aber er speiste seine Ideen aus anderen Quellen, ganz abgesehen davon, dass ihm alles Französische zuwider war. Sein Ideal war nicht der verweltlichte, allmächtige Sonnenkönig, sondern der fromme Fürst, der sich bemüht, Gottes Auftrag zu erfüllen. Schönbrunn schenkte er 1712 der Witwe seines Bruders, und als diese sich 1728 in das von ihr gestiftete Salesianerinnenkloster zurückzog, stand das Schloss leer. &lt;br /&gt;
Karl VI. hatte anderes im Sinn. Klosterneuburg sollte eine Manifestation der alten Kaiseridee darstellen, wie sie die mittelalterliche Partnerschaft von Imperium und Sacerdotium repräsentiert hatte. Demgemäß sollte die Anlage eine deutliche Teilung in zwei architektonisch gleichberechtigte Baukörper zeigen: Die eine Hälfte sollte Kloster, die andere Kaiserresidenz sein. Die Mittelpunkte sollten einerseits die Stiftskirche, andererseits der Marmorsaal bilden. Es war wohl nicht nur der vom Kaiser niemals verwundene Verlust Spaniens der Anlass für diese Neuerfindung des Escorial, sondern mindestens ebenso die alte Kaiseridee und der ''genius loci'' Klosterneuburgs, der sich sowohl in der Geschichte des Hauses als auch in der Ausstattung der Stiftskirche ausdrückt. &lt;br /&gt;
Der Bau des zunächst in Angriff genommenen Traktes (nordöstlicher Hof) ging erstaunlich rasch voran. Bereits 1733 wurde der Dachstuhl aufgesetzt, 1735 wurden die Kuppeln eingedeckt, 1737 bis 1739 erhielten die Kaiserzimmer ihre prächtige Ausstattung. Kaiser Karl VI. bewohnte sie am 15. November 1739 zum ersten und letzten Mal ''„summa cum consolationeet complacentia“'', wie der Chronist des Stiftes betonte. Am 20. Oktober des folgenden Jahres starb der Kaiser unerwartet, und damit war das grandiose Projekt abgebrochen. Seine Tochter Maria Theresia setzte zwar die Tradition der Hofwallfahrten nach Klosterneuburg fort, aber vom staatskirchlichen Konzept Karls VI. distanzierte sie sich. Sie ließ sich das vom Vater vernachlässigte Schönbrunn ausbauen und demonstrierte damit wiederum die Orientierung nach Frankreich. Wenn sie nach Klosterneuburg kam, bewohnte sie nach der Überlieferung den alten, 1618 bis 1620 erbauten Fürstentrakt, um äußerlich den Abstand zu den Ideen des Vaters zu betonen. &lt;br /&gt;
Während im Stift eines der aufwendigsten Bauprojekte der Barockzeit verwirklicht werden sollte, ging das Klosterleben seinen gewohnten Gang weiter. Es klingt wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der Propst [[Ernest Johannes Perger|Ernest Perger]] (1707–1748), der gegen seinen Willen diesen Bau unternehmen musste, im Ruf eines strengen Ordensmannes stand. Er führte 1714 an Stelle der bisher üblichen weißen die schwarzen Talare ein. Nur die Novizen blieben bis 1772 weiß gekleidet. 1739 starb der letzte Laienbruder des Stiftes. Seither besteht der Konvent nur mehr aus Priestern bzw. Priesterkandidaten. Im selben Jahr schloss das Stift die Gebetsverbrüderung mit der Lateranensischen Chorherrenkongregation (die anderen Österreichischen Stifte waren darin schon vorausgegangen), womit verschiedene Privilegien verbunden waren. Damit wäre kirchenrechtlich schon die Exemtion von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs vollzogen worden, doch kam das nicht zur Wirkung. Der Chorherr [[Paul Bernhard]] wirkte von 1741 bis 1747 als Administrator des schwer verschuldeten Chorherrenstiftes St. Pölten. Auf Ersuchen der Kaiserin Maria Theresia sandte das Stift 1753 den Chorherren [[Wilhelm Sebastian Hätzl]] nach Kärnten, um die dort noch zahlreich vorhandenen Protestanten zur katholischen Kirche zu bekehren. Er hatte in mehreren Orten viel Erfolg bis zu seinem Tod im Jahr 1760. &lt;br /&gt;
Die Kleriker des Stiftes waren bisher an der Wiener Universität bzw. im Konvikt der dort lehrenden Jesuiten ausgebildet worden. Im Jahre 1768 rief Propst [[Gottfried Johannes von Rolemann|Gottfried von Roleman]] eine theologische Hauslehranstalt ins Leben, an der die Chorherren des Stiftes ihre jungen Mitbrüder in der Theologie unterrichten sollten. Sie war zunächst sehr einfach organisiert und konnte sich auch nicht lange halten, denn Kaiser Joseph bereitete ihr wie allen Ordenshochschulen 1783 ein rasches Ende. &lt;br /&gt;
Die schwierige wirtschaftliche Lage des Stiftes führte zu mancherlei Einschränkungen. 1765 verzichtete der Kaiser auf die Hoftafel zum Leopoldifest, die dem Stift stets große Kosten verursachte. 1766 wird die jährliche Prägung der Leopoldipfennige eingestellt (sie werden fortan nur zu besonderen Anlässen geprägt), 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde aufgelassen, 1776 die Hofwallfahrt nach Klosterneuburg ganz abgeschafft. &lt;br /&gt;
Diesen Einschränkungen steht aber ein geistiger Aufschwung gegenüber. Die Errichtung der Hauslehranstalt wurde schon erwähnt. 1773 erhielt die Stiftsbibliothek neue, größere Räume. Als Lessing am 7. April 1775 das Stift Klosterneuburg besuchte, spendete er der Bibliothek hohes Lob. 1778 gestaltete das Stift seine niedere Lateinschule zu einer modernen Hauptschule um, die bald zur Musterschule (Übungsschule) wurde. &lt;br /&gt;
Propst [[Ambros Ignaz Lorenz|Ambros Lorenz]] richtete seit etwa 1773 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein. Sie umfasste im Sinne der Aufklärung naturwissenschaftliche Objekte (Mineralien, Konchylien, zoologische Präparate) zusammen mit Münzen und Kunstwerken. Das Erstaunliche daran ist, dass bei letzteren der Propst das Hauptgewicht auf die mittelalterliche Kunst legte, die damals überhaupt nicht geschätzt wurde. Seinem Kunstverständnis verdankt das Stiftsmuseum den einzigartigen Schatz an gotischen Tafelbildern, der unter anderen Umständen wahrscheinlich zugrunde gegangen wäre. Er sammelte gotische Tafeln auch von auswärts. Propst Ambras verschaffte dem Stiftsmuseum eines seiner kostbarsten Kunstwerke. Als der Jesuitenorden aufgehoben wurde, ließ er im Jahre 1774 aus dem Wiener Professhaus der Jesuiten die Tafeln des sogenannten Albrechtsaltars nach Klosterneuburg bringen, die ehedem den Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof gebildet hatten. Ohne diese Maßnahme wäre das bedeutendste Werk des gotischen Realismus in Österreich verlorengegangen.&lt;br /&gt;
Es zeigt sich hier wie auf anderen Gebieten, dass man im Stift wohl gerne die positiven Seiten der Aufklärung annahm – den Sinn für die Wissenschaft und deren Systematik, für Pädagogik und Quellenstudium –, sich von deren negativen Auswirkungen aber weitgehend freihalten konnte. Rationalismus, Oberflächlichkeit und reines Nützlichkeitsdenken, die so typisch für jene Zeit waren, fanden in Klosterneuburg bei weitem nicht so bereitwillig Eingang wie in anderen geistlichen Häusern. Eine Reihe von Gelehrten wirkte damals im Stift. Ambras Conrad, ein namhafter Numismatiker, verfasste einen Katalog der Stiftssammlungen. Mit historischen Studien beschäftigten sich [[Benedikt Prill|Benedikt Prill]] und [[Willibald Ignaz Leyrer|Willibald Leyrer]], der das Stiftsarchiv neu ordnete und katalogisierte. Bedeutende Theologen waren [[Ferdinand Karl Ristl|Ferdinand Ristl]] und [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], ein hervorragender Mathematiker war [[Florian Ulbrich|Florian Ulbrich]].&lt;br /&gt;
Unter der Regierung Kaiser Josephs II. (1780–1790) wurde die Aufklärung zum Staatsprinzip erhoben. Diese Österreichische Variante der Aufklärung, Josephinismus genannt, war zwar nicht prinzipiell religionsfeindlich, griff aber doch sehr tief in das Schicksal der Kirche und namentlich der Klöster ein. Alle Klöster, die sich nicht einer &amp;quot;nützlichen&amp;quot; Beschäftigung wie Unterricht, Krankenpflege oder Pfarrseelsorge widmeten, sollten aufgehoben werden. Um den Kaiser von diesen und noch weitergehenden Absichten abzubringen, reiste Papst Pius VI. 1782 nach Wien. Am 20. April kam er auch nach Klosterneuburg. Er besichtigte das Stift und regte die Weiterführung des unvollendeten Prunkbaues an. Von einem Fenster des ersten Stockwerks segnete der Papst mehr als 6.000 Menschen, die sich im damals offenen Hof angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
Papst Pius VI. erreichte sein Ziel nicht, der Kaiser ließ sich von seinen kirchenpolitischen Plänen nicht abbringen. 1781 wurde durch ein Hofdekret bestimmt, dass bei schwersten Strafen kein Kloster einen Kandidaten aufnehmen dürfe, bis ihm von der Regierung ein „numerus fixus“ vorgeschrieben werde. Diese Vorschreibung erfolgte am 20. Juli 1783: &amp;lt;blockquote&amp;gt;„''Das Chorherrenstift Klosterneuburg soll nicht aufgehoben werden, die Geistlichen aber von 37 auf 18 Individuen herabgesetzt, und bis nicht diese Zahl erreicht ist, kein Novitz aufgenommen werden.''“&amp;lt;/blockquote&amp;gt;  Damit war zwar die Gefahr der Aufhebung abgewandt, aber es begann eine schlimme Durststrecke, da bis zum Jahre 1790 13 Chorherren starben, ohne dass eine Einkleidung stattfinden konnte. &lt;br /&gt;
Unter diesen Einschränkungen litt das klösterliche Leben schwer, zumal die Regierung auch das Chorgebet, insbesondere den Choralgesang, wegen Gesundheilsschädlichkeit abzuschaffen trachtete. 1786 musste der Propst der Regierung eine wenigstens einmal wöchentlich abzuhaltende lateinische Choralvesper förmlich abtrotzen. &lt;br /&gt;
Das Klosterleben wurde auch durch eine andere Maßnahme erschwert. Im Rahmen der josephinischen Pfarrregulierung musste das Stift nicht weniger als zehn Pfarreien bzw. Lokalkaplaneien neu errichten und besetzen. Dies verursachte nicht nur große finanzielle Lasten durch die Kirchen- und Pfarrhofbauten – obwohl diese betont schlicht gestaltet wurden –, sondern entvölkerte auch den Konvent, da ja nun die meisten Chorherren auf die Pfarren übersiedeln mussten. Das kam der Regierung nur gelegen. Im Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde nach dem Tod des Propstes [[Ignaz Müller]] im Jahre 1782 eine Neuwahl von der Regierung untersagt und das Stift der Administration des Propstes [[Floridus Johannes Nepomuk Leeb|Floridus Leeb]] von Klosterneuburg unterstellt. Obwohl dieser sich um die Erhaltung des Dorotheerklosters bemühte, wurde es 1786 gänzlich aufgehoben. Die meisten Chorherren von St. Dorothea traten in den Weltpriesterstand, nur zwei übersiedelten in das strengere Klosterneuburg. Die reichen Besitzungen des Dorotheerstiftes wurden zum größten Teil eingezogen, der verbliebene Rest jedoch 1802 dem Stift Klosterneuburg gegen eine beträchtliche Abfindungssumme einverleibt.&lt;br /&gt;
Einige Kunstgegenstände und das ganze Archiv von St. Dorothea kamen nach Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Nicht nur die Zahl der Klöster wurde von Kaiser Joseph drastisch verringert. Auch alle &amp;quot;überflüssigen&amp;quot; Kirchen und Kapellen mussten verschwinden. So kam Klosterneuburg um zwei unersetzliche Bauwerke, die prächtige, marmorne &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; (geweiht 1222) und die gotische Sebastianikapelle (geweiht 1421) auf dem Stiftsplatz. Die erstere wurde 1799 gänzlich abgetragen, ihre Bauglieder fanden zum Teil beim Bau der romantischen Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg Verwendung. Aus der Sebastianikapelle wurde das reichgeschnitzte spätgotische Chorgestühl der Stiftskirche, das seit der Barockisierung dort aufgestellt war, gleichfalls nach Laxenburg gebracht. Die Sebastianikapelle wurde auf ein Drittel ihrer Höhe abgetragen und in einen Schuppen verwandelt, ungeachtet der erst kürzlich darunter angelegten Chorherrengruft. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph verfügte 1783, dass alle künftigen Theologen nur in staatlichen Generalseminaren ausgebildet werden dürften. Daher wurde, wie schon erwähnt, die theologische Lehranstalt des Stiftes aufgehoben. Dem josephinischen Zentralismus entsprach es auch, dass der Erzherzogshut wie alle Landeskronen 1784 an die kaiserliche Schatzkammer nach Wien abgeliefert werden musste, was man in Klosterneuburg besonders schmerzlich empfand. &lt;br /&gt;
Der Josephinismus hat Kunst und Kultur wenig gefördert, dafür aber unwiederbringliche Kulturwerte zerstört. Glücklicher war er in seinen Sozialmaßnahmen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem begünstigte die Kleinbauern und Siedler, brachte aber für die Grundherrschaft finanzielle Nachteile. Über die daraus folgenden Maßnahmen des Stiftes wird an anderer Stelle berichtet. Dass das Stift aber auch aus Eigenem soziale Initiativen setzte, beweist eine zukunftsträchtige Ortsgründung. 1786 stellte das Stift jenseits der Donau bei Jedlersdorf &amp;quot;am Spitz&amp;quot; armen Siedlern Baugründe und Darlehen zur Verfügung. Nach einer Hochwasserkatastrophe erließ ihnen Propst Floridus Leeb (1782–1799) noch dazu alle Schulden. Aus Dankbarkeit gegenüber dem Propst nannten sie den neuen Ort [[Liste der Pfarren des Stiftes Klosterneuburg #Wien,Floridsdorf|Floridsdorf]]. Er sollte sich binnen kurzem dank seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer großen Gemeinde entwickeln. &lt;br /&gt;
Kaiser Joseph II. starb am 20. Februar 1790. Der auf ihn folgende, jüngere Bruder Leopold II. (1790-1792) sah sich gezwungen, viele der unpopulären Maßnahmen Josephs zurückzunehmen. Eine seiner ersten Entscheidungen war, dass er den Erzherzogshut schon am 7. April 1790 nach Klosterneuburg zurückbringen ließ. Das erweckte ungeheure Freude und war Anlass für ein großes Volksfest. Im Stift allein wurden an diesem Tag über 350 Personen bewirtet. &lt;br /&gt;
1791 übertrug Kaiser Leopold Il. die Würde des Oberst-Erbland-Hofkaplans von Niederösterreich, die seit 1460 dem Propst des Chorherrenstiftes St. Pölten zugestanden hatte, nach dem Tod des letzten Propstes dieses Stiftes auf den Propst von Klosterneuburg. Der Kaiser gestattete auch die Wiedererrichtung der theologischen Hauslehranstalt, so dass sie 1796 ihre Pforten öffnen und systematisch aufgebaut werden konnte. Alles schien auf eine glückliche Zukunft hinzudeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===19. und 20 . Jahrhundert===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Jahrhundert brachte statt des erhofften Aufschwungs schwere Belastungen durch die Napoleonischen Kriege. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlassten das Stift, 1802 bis 1803 die Schlösser Hagenbrunn und Hasendorf auf Abbruch zu verkaufen. Aus &lt;br /&gt;
dem Vermögen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea mussten auf Anordnung der Regierung 1803 zwei große, moderne Zinshäuser in Wien erbaut werden. &lt;br /&gt;
Nach der Kapitulation des Österreichischen Heeres in Ulm besetzten französische Truppen am 11. November 1805 die Stadt Klosterneuburg, zwei Tage vor der Besetzung Wiens. Der kommandierende General Sebastiani forderte von Stift und Stadt riesige Summen als Brandschatzung, die nur zum Teil aufgebracht werden konnten. Auch die zahlreichen Einquartierungen und Requirierungen waren sehr drückend. Um die vom Feind ausgeschriebene Kontribution von 16.000 Gulden in Bargeld erlegen zu können, musste das Stift seine wertvolle Medaillensammlung verkaufen. Im Stift verhielten sich die Truppen verhältnismäßig friedlich, aber die Chorherren in den umliegenden Pfarren hatten unter Plünderungen und Misshandlungen zu leiden. Am 20. Dezember 1805 kam Kaiser Napoleon überraschend zu einem kurzen Besuch nach Klosterneuburg und besichtigte das Stift. Nach dem Friedensschluss von Pressburg zogen am 13. Januar 1806 die letzten französischen Soldaten ab. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1809 kam es neuerlich zum Krieg, und am 10. Mai dieses Jahres rückten die Franzosen wiederum in Klosterneuburg ein. Da ein unbedachter Schuss aus einem Fenster einen französischen Sergeanten tötete, schwebte die Stadt in höchster Gefahr. Nur mit Mühe konnte der sprachenkundige Stiftsdechant [[Augustin Herrmann]], der sich jetzt, wie schon 1805, als eigentlicher Retter der Stadt erwies, die Feinde beruhigen. Diesmal war die Besatzung weit drückender als vier Jahre zuvor. Im Stift wurde viel zerstört und beschädigt, sämtliche Weinvorräte wurden weggeschafft, dazu noch hohe Geldsummen erpresst. Noch schlimmer ging es den Pfarren der Umgebung. Die meisten Kirchen wurden geplündert und verwüstet. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn verließen die letzten Besatzungssoldaten am 29. November 1809 Klosterneuburg. &lt;br /&gt;
Die wirtschaftliche Lage Österreichs war katastrophal. Um nach dem Staatsbankrott die Finanzen des Landes einigermaßen zu sanieren, forderte gleich nach dem Abmarsch der Franzosen ein kaiserliches Dekret von den Kirchen und Klöstern die Ablieferung aller Gegenstände aus Silber und Gold. In zwei Etappen wurde im Jahre 1810 eine große Zahl von Kostbarkeiten abgeliefert, darunter solche Schätze wie der große Schrein des heiligen Leopold aus dem Jahre 1553 und die von Maximilian III. gestiftete Reliquienbüste des Heiligen. Einige Gegenstände von besonderem künstlerischen oder historischen Wert konnte man zum Materialpreis freikaufen, aber das war natürlich nur bei wenigen Stücken möglich. &lt;br /&gt;
Nur langsam vermochte sich das Stift von den schweren Schäden zu erholen. Man musste alle Kräfte einsetzen, um der schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr zu werden. Nun bestand schon seit langer Zeit - wie lange, ist nicht feststellbar - die missbräuchliche Gewohnheit, dass nur die zwölf ältesten Chorherren Sitz und Stimme im Kapitel hatten. Auf eine energische Intervention der Chorherren wurde schließlich in einer Kapitelsitzung am 25. Januar 1810 sämtlichen Professpriestern das Kapitelrecht gewährt.&lt;br /&gt;
Nur höchst ungern führte Propst [[Gaudenz Andreas Dunkler|Gaudenz Dunkler]] diesen Beschluss durch, und die zum Teil sehr vernünftigen Vorschläge aus den Reihen der Chorherren zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Verwaltung wurden nicht verwirklicht. Dazu kam eine Reihe von Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Missernten und Feuersbrünste. &lt;br /&gt;
Da überdies die Verwaltung des Stiftes schlecht funktionierte und häufig Unterschlagungen vorkamen, mussten mehrmals staatliche Kommissionen eingreifen, um die Wirtschaft in geordnete Bahnen zu lenken. 1821 fand auch eine geistliche Visitation durch den Wiener Weihbischof statt, die verschiedene Missstände im Kloster abstellte. &lt;br /&gt;
Es wirkt wie ein Wunder, dass trotz all dieser Misshelligkeiten die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts für das Stift Klosterneuburg eine geistige Blütezeit war. Kaum je zuvor hatten so viele illustre Gelehrte zugleich im Stift gewirkt. Die meisten hatten Lehrstühle an der Wiener Universität inne. Genannt seien der Dogmatiker [[Daniel Tobenz|Daniel Tobenz]], die Orientalisten [[Petrus Fourerius Ackermann|Petrus Fourerius Ackermann]] und [[Andreas Mock|Andreas Mock]], der Kirchenhistoriker [[Jakob Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], die Landeshistoriker [[Maximilian Fischer|Maximilian Fischer]], [[Alois Schützenberger|Alois Schützenberger]] und [[Hartmann Zeibig|Hartmann Zeibig]], der Kanonist [[Vinzenz Seback|Vinzenz Seback]]. [[Wilhelm Ludwig Sedlaczek|Wilhelm Sedlaczek]] war Hofprediger, Daniel Tobenz, [[Gregor Hummel]] und [[Franz Xaver Schwoy|Franz Xaver Schwoy]] wirkten als Erzieher und Lehrer im Kaiserhaus. &lt;br /&gt;
Allen Schwierigkeiten zum Trotz ließ das Stift auf eigene Kosten zwei bedeutende wissenschaftliche Werke drucken: die damals modernste hebräische Bibelausgabe von Johannes Jahn in vier Bänden (Wien 1806) und die erste gedruckte Geschichte Klosterneuburgs von Maximilian Fischer in zwei Bänden (Wien 1815). Dieser wissenschaftlichen Blüte entsprach auch ein hohes spirituelles Niveau. Die Chorherren des Stiftes, die niemals voll mit der Aufklärung sympathisiert hatten, standen der Romantik nahe und unterhielten enge Beziehungen zum heiligen Clemens Maria Hofbauer und zu seinem Kreis. Die Begräbnismesse für Hofbauer hielt der schon genannte Prof. Ackermann. Seine soziale Verpflichtung vergaß das Stift auch in dieser schweren Zeit nicht. Seit 1812 entstand in der Nähe von Meidling eine neue Siedlung. Das Stift schenkte den Siedlern einen großen Grundkomplex und gestattete die Errichtung einer Gemeinde. Aus Dankbarkeit nannten die Einwohner diesen Ort nach dem Propst Gaudenz Dunkler 1819 &amp;quot;Gaudenzdorf&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Nach dem Tod dieses Propstes wurde 1830 [[Jakob III. Ruttenstock|Jakob Ruttenstock]], Professor für Kirchengeschichte an der Wiener Universität, zum Nachfolger gewählt. Man kannte den Mann - er war übrigens mit Joseph von Sonnenfels verschwägert - als tüchtigen Gelehrten und beliebten Prediger, aber er zeigte sich nun auch als vorzüglicher Wirtschafter. Es gelang ihm, binnen weniger Jahre die zerrütteten Finanzen des Stiftes so weit zu sanieren, dass man endlich daran denken konnte, den unfertigen Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel fertigzustellen. Dieses größte Bauunternehmen seit der Barockzeit führte der Architekt Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842 durch. Damit wurden auch für die Stiftsbibliothek geeignete, repräsentative Räume geschaffen. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1838 bis 1840 gestaltete der berühmte Kunstgärtner Konrad Rosenthal, der Schöpfer vieler herrschaftlicher Parks, den Stiftsgarten neu. Er legte ihn als englischen Garten mit verschiedenen seltenen Gewächsen an. &lt;br /&gt;
Die Revolution des Jahres 1848 schlug in Klosterneuburg keine hohen Wellen, doch hatte sie schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Wie alle Gemeinden stellte auch &lt;br /&gt;
Klosterneuburg eine Nationalgarde auf, die jedoch nicht wie sonst üblich ein Instrument der Revolution war. In Klosterneuburg war ihre Hauptaufgabe, die immer wieder aus Wien heranmarschierenden Nationalgardisten und andere Revolutionäre zu bewachen und wieder zurück nach Wien zu eskortieren. Solche revolutionären Trupps wurden vom Stift regelmäßig in den Stiftskeller geladen, wo sie Propst Wilhelm Sedlaczek empfing und reichlich mit Speis und Trank versorgen ließ. Befriedigt und gesättigt zogen sie jedes Mal heim nach Wien, bis an die Stadtgrenze von der Klosterneuburger Nationalgarde geleitet. All das kostete das Stift große Summen. Der Chronist Maximilian Fischer beziffert den Gesamtschaden des Jahres 1848 mit rund 70.000 Gulden. &lt;br /&gt;
Darin waren aber noch nicht die weit höheren Einbußen enthalten, die das Stift durch Abschaffung von Robot und Zehent und durch die Aufhebung der Grundherrschaften erlitt. Zum Ausgleich wurde aus den spärlichen Ablösesummen eigener Grundbesitz erworben: 1852 das Gut St. Bernhard bei Horn, ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, und 1855 drei Güter in Ungarn. &lt;br /&gt;
Im Gefolge des Konkordates von 1855 wurde eine Visitation sämtlicher Klöster und Ordenshäuser in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie angeordnet. Vom 14. bis 18. Oktober 1855 waren Bischof Franz Joseph Rudigier und Dechant [[Jodok II. Stülz|Jodok Stülz]] von St. Florian als Visitatoren im Stift Klosterneuburg. Sie ordneten verschiedene Neuerungen und Verbesserungen an, doch ihren Hauptzweck, die Bildung einer Österreichischen Chorherrenkongregation, konnte die Visitation nicht erreichen, denn die Bischöfe waren nicht bereit, auf ihre Jurisdiktion über die Chorherrenstifte zu verzichten. &lt;br /&gt;
Auf Anregung der k. k. Landwirtschaftsgesellschaft errichtete Propst [[Adam II. Schreck|Adam Schreck]] 1860 eine Obst- und Weinbauschule. Sie war die erste landwirtschaftliche Schule Österreichs und das zweite Institut dieser Art in Europa. Die Schule nahm einen solchen Aufschwung, dass sie sehr bald über den geplanten Rahmen hinauswuchs. 1874 wurde sie vom Staat übernommen und übersiedelte 1877 in das neue, große Schulgebäude, für welches wiederum das Stift den Baugrund geschenkt hatte. Die soziale Verantwortung des Stiftes ist auch daraus zu ersehen, dass es 1875, 1898 und 1908 je ein großes Wohnhaus für seine Bediensteten errichtete, mit Dienstwohnungen, die für damalige Verhältnisse sehr komfortabel waren. &lt;br /&gt;
Die größten Summen wurden aber für die Kunst ausgegeben. 1865 begann man mit Restaurierungsarbeiten an der Kirche und ihren Nebenräumen, die sich bis zum Jahre 1900 hinzogen, selbstverständlich im Stil des damals üblichen Historismus. &lt;br /&gt;
Die Mittel für all diese kostspieligen Vorhaben konnte das Stift dadurch aufbringen, dass viele Grundstücke für die Donauregulierung verkauft wurden. Auch das Wachstum der Stadt Wien wirkte sich günstig aus, denn bisher schlecht nutzbares Land wurde plötzlich zu wertvollem Baugrund. Die Versuchung war groß, bloß von den Zinsen des Kapitals zu leben. Glücklicherweise waren die Verantwortlichen einsichtig genug, die traditionellen Wirtschaftszweige weiter zu betreiben, auch wenn das gelegentlich wie ein sentimentaler Luxus aussah. Aber in der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich, dass nur die Landwirtschaft das wirtschaftliche Überleben des Stiftes garantierte. &lt;br /&gt;
Innere Schwierigkeiten im Konvent führten zu einer Apostolischen Visitation in den Jahren 1904 bis 1906, doch brachte diese das positive Ergebnis, dass sich die Österreichischen Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen und damit endlich die Exemtion erlangten. Im Jahre 1907 wurde [[Friedrich Gustav Pfiffl|Friedrich Piffl]] zum Propst des Stiftes gewählt. Er hatte sich als Kaplan in Wien intensiv für die sozialen Anliegen der Bevölkerung eingesetzt, zugleich aber auch als tüchtiger Professor der Moraltheologie und vorzüglicher Leiter der Stiftswirtschaft bewährt. Seine kurze Regierungszeit zählt zu den fruchtbarsten der Stiftsgeschichte. Als Propst förderte er die Wissenschaft in jeder Weise. Die theologische Hauslehranstalt reformierte er dahingehend, dass sie wirklich Hochschulniveau erreichte. Er begründete das &amp;quot;Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg&amp;quot; und unterstützte alle wissenschaftlichen Studien seiner Mitbrüder. 1910 stellte das Stift der neu gegründeten Abteilung für Kirchenmusik an der k. u. k. Akademie für Musik und Darstellende Kunst die erforderlichen Räume im Altstift zur Verfügung und sorgte unentgeltlich für deren Wartung und Heizung. Die Akademie machte Klosterneuburg in der ganzen musikalischen Welt bekannt. Ihr Leiter war der Stiftsorganist [[Vinzenz Goller]], dessen kirchenmusikalische Reformversuche starken Widerhall fanden. Propst Friedrich Piffl förderte auch die moderne Kirchenkunst, so ließ er zum Beispiel 1911 den berühmten Ornat im Jugendstil herstellen. Im selben Jahr wurde die ehemalige Chorfrauenkirche im Schiefergarten, die seit 1722 als Getreidespeicher gedient hatte, zum &amp;quot;Vereinshaus&amp;quot; umgebaut, in dem die katholischen Vereine verschiedene Räume für ihre Tätigkeit und einen großen Theatersaal erhielten. &lt;br /&gt;
In diese Zeit fällt auch das soziale Engagement des Chorherrn [[Rudolf Eichhorn|Rudolf Eichhorn]], der sich als Reichsratsabgeordneter unermüdlich für die Rechte der Arbeiter einsetzte. In ähnlicher Weise engagierten sich [[Engelbert Fischer|Engelbert Fischer]] für die gute Jugendliteratur, [[Roman Himmelbauer|Roman Himmelbauer]] und [[Petrus Rumler|Petrus Rumler]] für die Erwachsenenbildung. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1904 führte Pater [[Heinrich Abel S.J.]] die erste Männerwallfahrt nach Klosterneuburg, die zu einer feststehenden Einrichtung wurde und alljährlich den Charakter einer kirchenpolitischen Demonstration hatte. Sie findet noch heute statt, gewöhnlich von einem Bischof angeführt, mit dem Höhepunkt einer programmatischen Predigt. Daneben gab es noch viele Wallfahrten um das Fest des heiligen Leopold. &lt;br /&gt;
Namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Kinder-, Jugend- und Frauenwallfahrten statt. Auch einzelne Pfarren veranstalteten große Wallfahrten zum heiligen Leopold. Heute findet neben der traditionellen Männerwallfahrt alljährlich noch die Ministrantenwallfahrt statt. &lt;br /&gt;
Für das Stift Klosterneuburg war es ein Unglück, dass Propst Friedrich Piffl 1913 zum Erzbischof von Wien ernannt wurde, denn dieser fähige Mann hätte die großen Schwierigkeiten, die der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit für das Stift brachten, wahrscheinlich besser meistern können als sein Nachfolger. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Stift mit 95 Konventualen den höchsten Personalstand seiner Geschichte. Die Pause der Kriegsjahre führte zu einer Verringerung dieser Zahl. &lt;br /&gt;
Das Stift musste im Krieg zwei Lazarette einrichten und unterhalten. Durch die Inflation der Nachkriegszeit gingen alle Kapitalien verloren, und infolge der schlechten Wirtschaftslage war auch der Ertrag der Stiftsbetriebe gering. Deshalb sah sich das Stift 1921 gezwungen, seine uralte Schule aufzulassen. Sie wurde vom Land als öffentliche Schule weitergeführt. Ebenso musste das Stift seine Apotheke aufgeben, aus der die Stiftsangestellten seit dem 16. Jahrhundert kostenlos Heilmittel bezogen hatten, und die Zuwendungen an die Kirchenmusikakademie einstellen. Sie übersiedelte 1924 nach Wien. Die Stiftsbibliothek musste einige kostbare Inkunabeln verkaufen, um dringend nötige Geldmittel zu beschaffen. Nur langsam erholte sich das Stift von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten. &lt;br /&gt;
In einer Hinsicht aber hatte der Krieg für Klosterneuburg segensreiche Folgen. Der Chorherr und Theologieprofessor Dr. [[Pius Parsch|Pius Parsch]] (1884-1954) lernte als Feldkurat an der Front die Menschen aus nächster Nähe kennen und erfuhr, wie wenig sie vom Wesen des katholischen Glaubens, von der Liturgie und von der Bibel wussten. Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg versuchte er dies zu ändern. Er begann Bibelstunden zu halten - bisher in der katholischen Kirche unerhört - und das Volk in die Feier der Liturgie einzuführen. Seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt, die &amp;quot;Klosterneuburger Messtexte&amp;quot; erreichten Millionenauflagen, die &amp;quot;Klosterneuburger Betsingmesse&amp;quot; wurde in der ganzen katholischen Welt zum Begriff. Die liturgische Erneuerung der Gegenwart wäre ohne die Pionierarbeit von Pius Parsch nicht denkbar. Seine volksliturgischen Gottesdienste feierte er in der alten Spitalkirche St. Gertrud, die stilvoll erneuert und bald Ziel der Liturgiefreunde aus aller Welt wurde. In dieser Kirche hat Pius Parsch, der wohl der berühmteste Chorherr in der Geschichte des Stiftes Klosterneuburg war, seine letzte Ruhestätte gefunden. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1936 - 800. Wiederkehr des Todestages St. Leopolds - erweckte viele Impulse. Für die ständestaatliche Regierung war es ein Anlass, den Österreichischen Staatsgedanken zu propagieren. Die großen Feierlichkeiten zeigten, obwohl sie religiös motiviert waren, deutlich die Abwehr gegen den Nationalsozialismus. Aus diesem Anlass wurde der neue Silberschrein des heiligen Leopold geschaffen. &lt;br /&gt;
Alle Bemühungen des Ständestaates waren umsonst, Hitlers Truppen marschierten ein, und Österreich wurde dem Deutschen Reich eingegliedert. Für das Stift Klosterneuburg hatte das üble Folgen. Bereits 1938 musste das seit über 300 Jahren bestehende Sängerknabenkonvikt aufgelöst werden, 1939 verlor die theologische Lehranstalt des Stiftes das Öffentlichkeitsrecht. Die von Pius Parsch eingerichtete Druckerei wurde eingestellt, ihre Maschinen beschlagnahmt. Das Stift wurde unter öffentliche Verwaltung gestellt und musste einen großen Teil seiner Besitzungen abtreten. Schließlich wurde das Stift am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben und enteignet. Die Chorherren mussten das Haus verlassen, wurden zunächst im Wiener Piaristenkloster interniert und später auf die verschiedenen Stiftspfarren verteilt. Im Stift durfte zur Aufrechterhaltung der Seelsorge nur der Pfarrer mit drei Kaplänen in einem streng abgesonderten Trakt wohnen. Glücklicherweise übernahm das Kunsthistorische Museum die Verwaltung des Hauses. Daher blieb der gesamte Kunstbesitz nicht nur erhalten, sondern wurde auch fachgemäß gepflegt und zum Teil restauriert. In den Kellern des Stiftes wurde ein großer Teil der Bestände des Kunsthistorischen Museums und der Wiener Schatzkammer geborgen. &lt;br /&gt;
War also für die Kunst ausreichend gesorgt, so erlitten die Wirtschaftsbetriebe durch die Aufhebung sehr schwere Schäden. Es ist übrigens interessant, dass die ungarische Regierung die Aufhebung des Stiftes nicht anerkannte. Die ungarischen Güter wurden auch nach der Aufhebung weiter von einem Chorherren verwaltet. Erst 1944 wurden sie von der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Regierung enteignet. Dem schloss sich das kommunistische Regime an. &lt;br /&gt;
Der Krieg kostete einer ganzen Reihe junger Chorherren das Leben. Auch einen patriotischen Blutzoll musste das Stift den nationalsozialistischen Machthabern leisten. Der Chorherr [[Roman Scholz|Roman Scholz]], ein begabter Dichter und begeisternder Jugendseelsorger, war ursprünglich vom Gedankengut des Nationalsozialismus angezogen gewesen, erkannte aber bald die Gefährlichkeit dieser Bewegung. Schon im Herbst 1938 rief er eine Widerstandsgruppe ins Leben, der viele seiner Schüler und Freunde angehörten. Die Gruppe verfolgte nur geistige Ziele. Sie wollte das Volk über das wahre Wesen des Nationalsozialismus aufklären, lehnte aber Gewaltanwendung ab. Ein eingeschleuster Spitzel ließ die Gruppe auffliegen. Die Mitglieder erhielten harte Strafen. Roman Scholz wurde am 10. Mai 1944 hingerichtet. &lt;br /&gt;
Das Stift überlebte nicht nur die nationalsozialistische Besetzung unbeschädigt. Auch der russische Einmarsch 1945, so schmerzlich er für die Klosterneuburger Bevölkerung war, hat das Stift verschont. Der damalige Stiftspfarrer [[Oswald Rod]], der schon den nationalsozialistischen Machthabern mutig entgegengetreten war, trat gegen die Besatzungsmacht ebenso unerschrocken auf und konnte damit großes Unheil von Stift und Stadt abwehren. In Tattendorf allerdings wurde der Chorherr [[Alois Kremar|Alois Kremar]], als er in seinem Pfarrhof Frauen schützen wollte, von eindringenden Russen am 3. April 1945 erschossen. &lt;br /&gt;
Offiziell konnten die Chorherren am 30. April 1945, auf den Tag genau nach vier Jahren, in ihr Stift zurückkehren. Das beschlagnahmte Eigentum erhielten sie nach und nach zurück. Diese Jahre waren zweifellos die schwierigsten in der Geschichte des Stiftes. Als [[Alipius Josef Linda|Alipius Linda]] 1937 zum Propst des Stiftes gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was ihm bevorstand. Er führte aber sein Stift mit großer Klugheit und viel Mut trotz gesundheitlicher Behinderung durch diese schweren Jahre. Als er 1953 starb, war das Schlimmste überwunden. Sein engster Mitarbeiter [[Gebhard Ferdinand Koberger|Gebhard Koberger]], der nun zum Propst gewählt wurde, konnte an das Werk des Wiederaufbaus schreiten. Er wurde übrigens &lt;br /&gt;
als erster Österreicher 1969 zum Abt-Primas des gesamten Augustiner-Chorherrenordens gewählt. &lt;br /&gt;
Der Wiederaufbau der Wirtschaft wird an anderer Stelle gewürdigt. Für das Kloster war der geistige Wiederaufbau wichtiger. Er geschah im Zeichen von Pius Parsch. War dieser zuvor ein Einzelgänger gewesen, dessen Ideen wohl der uralten Tradition des Ordens und des Stiftes entsprachen, der aber doch nur wenige Verbündete unter den Mitbrüdern besaß, so änderte sich das nach dem Krieg. Nun machte sich das Stift offiziell seine Ideen zu eigen, Pius Parsch wurde zum Lehrmeister der Ordensjugend. Freilich war Klosterneuburg nun nicht mehr im selben Maß wie früher das Zentrum der &amp;quot;Volksliturgischen Bewegung&amp;quot;, denn diese war inzwischen Allgemeingut geworden. Sein Erbe wird weitergeführt durch das Österreichische Katholische Bibelwerk, das im Stift seinen Sitz hat, geleitet vom Chorherrn Dr. [[Norbert Wolfgang Höslinger|Norbert Höslinger]], einem Schüler von Pius Parsch. &lt;br /&gt;
Einige von Bomben zerstörte Kirchen und Pfarrhöfe musste das Stift wiederaufbauen. Darüber hinaus förderte und finanzierte das Stift in seinen Pfarren verschiedene Heime und Jugendzentren. 1961 bis 1964 wurde ein neues Juvenatsgebäude zur Heranbildung der Ordensjugend erbaut, das leider nach drei Jahrzehnten wegen Mangels an Nachwuchs geschlossen werden musste. Ebenso erging es dem 1954 wiedererrichteten Sängerknabeninternat. Als soziale Leistung wurde 1975 bis 1979 eine große Wohnhausanlagefür die Stiftsbediensteten errichtet. Sie soll zugleich ein Denkmal für das II. Vatikanische Konzil sein, an dem Propst Gebhard Koberger als Generalabt der Österreichischen Chorherren teilnahm. &lt;br /&gt;
Besonders viel hat das Stift in den letzten Jahrzehnten für die Erhaltung und Pflege seines kulturellen Erbes aufgewendet. Das Stiftsmuseum, 1958 neu eröffnet, hält all- jährlich Sonderausstellungen ab und wird systematisch ausgebaut. Die Stiftsbibliothek, in den letzten Jahren neu adaptiert, ist die größte Österreichs. Das große Stiftsarchiv, 1971 im ehemaligen Fürstentrakt untergebracht, ist eine stark frequentierte Forschungsstätte. Das Jahrbuch des Stiftes Klosterneuburg, das 1919 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten sein Erscheinen einstellen musste, wurde 1961 wiederbelebt und genießt hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen. Durch seine Finanzierung leistet das Stift einen bedeutenden Beitrag zur heimischen Geschichts- und Kunstforschung. &lt;br /&gt;
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Heiligsprechung St. Leopolds wurde das Stift einer Gesamtrestaurierung unterzogen. Sie begann 1975 und ist bis heute nicht vollendet. Vor allem die Innenrenovierung der Kirche steht noch aus. Aber was bisher geschehen ist, hat nicht nur zur Verschönerung des Stiftes beigetragen, sondern auch eine Fülle neuer Erkenntnisse und Entdeckungen gebracht. Ihre Auswertung und Präsentation ist weiterhin Aufgabe des Stiftsmuseums und seiner Mitarbeiter. Im Jahre 1985 wurde zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung St. Leopolds im Stift die niederösterreichische Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold- Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot; vom 30. März bis 3. November veranstaltet. Von den 629 Objekten waren 368, also mehr als die Hälfte, aus dem Besitz des Stiftes. Mit fast 350.000 Besuchern war die Ausstellung ein schöner Erfolg und fand viel Beifall.&lt;br /&gt;
Im Jubiläumsjahr erhielt die Stiftskirche drei neue Glocken, wodurch endlich das seit 1942 unkomplette Geläute wieder vervollkommnet wurde. Weiters wurde im Jubiläumsjahr das &amp;quot;Leopoldskreuz für die Verdienste um das Stift Klosterneuburg&amp;quot; in drei Klassen gestiftet.&lt;br /&gt;
Ein festlicher Anlass war auch das Goldene Priesterjubiläum des Propstes [[Gebhard Koberger]] am 27. Juni 1985. Aus diesem Anlass wurde das Propst-Gebhard-Koberger-Institut für die Erforschung der Geschichte der Augustiner-Chorherren gegründet. Seine erste Aufgabe ist die Herausgabe des &amp;quot;Österreichischen Chorherrenbuches&amp;quot;. Von den geplanten drei Bänden liegen mit dem vorliegenden Buch bereits zwei vor. &lt;br /&gt;
In der Regierungszeit Gebhard Kobergers ist sehr viel geschehen. Neue Initiativen wurden ergriffen, unter denen einige allerdings nicht von Dauer waren, die Wirtschaft des Stiftes wurde neu geordnet, viele kulturelle Initiativen ins Leben gerufen, das Stift wurde restauriert, eine Reihe von Bauten (Sebastianikapelle, Konzils-Gedächtnisbau, Pfortenhof u. a.) wurden neu errichtet. Am 24. Dezember 1994 konnte der Propst bei der Vollendung seines 85. Lebensjahres auf große Leistungen zurückblicken. Nachdem er im Herbst 1995 die längste Regierungszeit unter allen Pröpsten der Geschichte erreicht hatte, legte er aus Gesundheitsgründen am 18. November 1995 sein Amt zurück. &lt;br /&gt;
Am 14. Dezember 1995 wählten die Mitbrüder den bisherigen Stiftsdechant [[Bernhard Backovsky]] zum 66. Propst des Stiftes. Er erhielt am 14. Januar 1996 von Erzbischof Christoph Schönborn unter großer Beteiligung des Volkes in der Stiftskirche die Abtbenediktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wirtschaftliche, rechtliche und soziale Verhältnisse==&lt;br /&gt;
===Wirtschaftliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Gründungsausstattung des weltlichen Kanonikerstiftes war sehr reich. Die materiellen Grundlagen für das Leben der Gemeinschaft beruhten zunächst auf dem Eigenbesitz der Kanoniker, zu dem deren Familien noch Stiftungen hinzufügten. Entscheidend war die markgräfliche Dotation. Sie bestand zunächst aus drei aufeinanderfolgenden Güterübertragungen: 1. Eigenbesitz in Rückersdorf; 2. Eigenbesitz in Moosbierbaum, Klosterneuburg, Baden usw.; 3. Besitz in Pyhra, Harmannsdorf und Jedenspeigen. Die drei Übertragungen fanden vor dem 24. September 1113 statt, jedoch nicht gleichzeitig. Ein Teil dieses Besitzes wurde bald mit dem Stift Melk gegen andere Einkünfte (Ravelsbach) eingetauscht. &lt;br /&gt;
In der als Stiftsbrief geltenden, gefälschten Urkunde von angeblich 1136 (in Wirklichkeit 1141), deren rechtlicher Inhalt jedenfalls authentisch ist, wird das Dotationsgut nicht angegeben. Es lässt sich nur aus den Notizen im Traditionskodex rekonstruieren. Erst die Bestätigung Papst Eugens III. vom 27. Dezember 1146 ermöglicht einen Überblick über den aktuellen Besitzstand des nunmehrigen Klosters. Zu den markgräflichen Dotationen kamen demnach noch zahlreiche Zehenteinnahmen, vor allem nördlich der Donau, hinzu. Zahlreich waren auch die Stiftungen weiterer Adeliger. Sie betrafen aber alle nur Besitz in der babenbergischen Mark. &lt;br /&gt;
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erstreckte sich der klösterliche Grundbesitz hauptsächlich in der näheren Umgebung Klosterneuburgs, ebenso im Weinviertel, an den Abhängen des Wienerwaldes und im Wiener Becken. Er bestand größtenteils aus Eigenbesitz (''predium'', das heißt Gesamtbesitz des Stiftes an einem Ort) und Weingärten. &lt;br /&gt;
Das älteste Urbar des Stiftes wurde 1258 angelegt und weist 26 Ämter (Zentren der Grundherrschaft) mit weit über 150 Ortschaften aus. Die Abgaben der Untertanen bestanden zum Teil aus Geld, zum Teil aus Naturalien (Getreide, Eier, Kühe, Hühner, Schweine, Felle und Wein). &lt;br /&gt;
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Stiftes, unter anderem auf Grund der allgemein schlechten Wirtschaftslage, die zum Rückgang der Stiftungen und Schenkungen führte. Die Sorge um den materiellen Bestand des Stiftes drängte wissenschaftliche und spirituelle Aktivitäten zurück. Das Stift musste Darlehen aufnehmen und Güter verpachten. Aber am Beginn des 14. Jahrhunderts erfuhr die stiftliche Wirtschaft einen derartigen Aufschwung, dass Propst Stephan von Sierndorf (1317-1335) ein zu jener Zeit in Österreich einzig dastehendes kulturelles Mäzenatentum entfalten konnte. Propst Ortolf von Walkersdorf (1349-1371) suchte, den Besitz des Stiftes durch zahlreiche Ankäufe zu vermehren, wobei er allerdings mitunter die Belastungsfähigkeit des Stiftes überschätzte. &lt;br /&gt;
Von Anfang an bildete der Weinbau das Rückgrat der stiftlichen Wirtschaft. Zum ältesten Besitz gehören Weingärten, die zum Teil noch heute im Besitz des Stiftes sind. Aber neben dem Eigenbau spielte schon seit dem 12. Jahrhundert der Weinhandel eine große Rolle. Da der Wein hauptsächlich donauaufwärts nach Oberösterreich und Bayern verschifft wurde, wo es viele Maut- und Zollstellen gab, waren Privilegien der Mautfreiheit besonders wichtig, wie sie das Stift seit Herzog Leopold V. besaß. Das Stift war auch der einzige Weinproduzent neben den bürgerlichen Weinhauern, der das Recht hatte, in der Stadt seinen eigenen Wein auszuschenken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Propst Peter Lenhofer (1394-1399) nicht nur den Südturm der Stiftskirche errichten lassen, sondern auch beträchtlichen Besitz erwerben. Er kaufte den ganzen Besitz des Stiftes Formbach innerhalb des Klosterneuburger Gerichtsbezirkes auf und erwarb Grundstücke in Döbling, Salmannsdorf und Sievering. &lt;br /&gt;
Die Hussitenkriege fügten dem Stift beträchtliche wirtschaftliche Schäden zu. Nicht nur die von Herzog Albrecht V. verordneten, hohen Steuern legten dem Haus schwere Lasten auf. Da von den Hussiten viele dem Stift untertänige Ortschaften verwüstet wurden, erlitt es auch einen großen Ausfall an Einkünften. 1463 stiftete Herzog Albrecht VI. dem Stift zur Wiedergutmachung der Schäden, die das Stift durch seine Kämpfe mit dem Bruder Friedrich III. erlitten hatte, ein großes Deputat von 200 Fudern Salz jährlich. Durch die Vereinigung des Stiftes St. Dorothea mit Klosterneuburg erhöhte sich dieses Salzdeputat noch beträchtlich, wurde aber 1920 von der Republik Österreich gestrichen. Auch die Eroberung durch die ungarischen Truppen des Königs Matthias Corvinus im Jahre 1477 verursachte große Schäden, vor allem im Klosterneuburger Stiftshof vor dem Schottentor in Wien. &lt;br /&gt;
1501 war das Stift schon wieder so finanzkräftig, dass es die Feste Stoitzendorf samt allen Zugehörigkeiten kaufen konnte. Die Türkenbelagerung von 1529 brachte wiederum große Einbußen, da der Stiftshof vor dem Schottentor ganz zerstört und auch die Untere Stadt in Klosterneuburg geplündert und verbrannt wurde. Der Wiener Stiftshof wurde 1581 durch ein Haus am Minoritenfriedhof ersetzt, das aber den Anforderungen nicht genügte. 1604 erwarb das Stift das Haus in der Renngasse, das bis ins 20. Jahrhundert als Stiftshof diente. &lt;br /&gt;
Der 1548 im Stift erstmals auftretende Protestantismus führte nicht nur zum Niedergang des klösterlichen Lebens, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Abstieg. Nicht zuletzt die schwere Verschuldung des Stiftes war es, die zur Absetzung des protestantischen Propstes Peter Hübner im Jahre 1563 führte. Da sein Nachfolger Leopold Hintermayr besser wirtschaftete, blieb er ungeschoren, obwohl auch er dem Luthertum anhing. Erst nach seinem Tod 1577 griff die Regierung energisch ein und zwang dem Stift den katholischen Wiener Domdechant Kaspar Christiani als Propst auf, der nicht nur den Konvent wieder katholisch machte, sondern auch die Wirtschaft umfassend zu sanieren begann, was sein Nachfolger Balthasar Polzmann erfolgreich fortsetzte. In der Folge konnten neue Güter angekauft werden, wie 1629 das Schloss und die Herrschaft Hagenbrunn, im selben Jahr Untertanen in Großengersdorf, 1630 die Feste Reinprechtspölla, 1637 das Dorf Kagran, 1650 Untertanen in Kagran und Hirschstetten. Der Meierhof in Tuttendorf, der zu den ältesten Besitzungen des Stiftes gehört, wurde 1665 neu erbaut. &lt;br /&gt;
Man bemühte sich aber auch, die Wirtschaft rationeller zu gestalten und entlegene oder unrentable Besitzungen abzustoßen. So wurde 1679 das Gut Eitenthal verkauft und 1686 der Lesehof in Krems, der dem Stift schon 1264 geschenkt worden war. Im Zuge dieser Rationalisierungsmaßnahmen wurde 1670 der neue, große Schüttkasten erbaut, der heute den Stiftskeller beherbergt. &lt;br /&gt;
Die Türkenbelagerung von 1683 brachte schwere Schäden für das Stift und die Stadt Klosterneuburg, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Untere Stadt und das Neusiedel mit dem Stiftsspital wurden zerstört, viele Untertanen verloren Hab und Gut und schieden damit als Steuerzahler aus. Aber die Wirtschaft erholte sich nach dem Sieg überraschend schnell, die zerstörten Gebäude konnten bald wieder aufgebaut werden. 1691 erwarb das Stift Schloss und Gut Hasendorf, und 1703 ermöglichte es die Gründung des Wiener Vorortes Neulerchenfeld. Das gigantische Projekt des &amp;quot;Österreichischen Escorial&amp;quot;, das schon besprochen wurde, kostete das Stift ungeheure Summen. Sie sind durch die erhaltenen Baurechnungen genau belegt und wurden von Wolfgang Pauker ediert. &lt;br /&gt;
In den Jahren 1749 bis 1760 ließ das Stift den Wiener Stiftshof durch den Architekten Matthias Gerl neu erbauen. Dieses schöne Gebäude fiel am 12. März 1945 den Bomben zum Opfer. Das benachbarte Palais Windischgraetz, 1702/03 von Christian Alexander Oettl erbaut, konnte schon 1936 vom Stift erworben werden und erfüllt heute die Aufgaben des Stiftshofes. &lt;br /&gt;
1751 konnte das Gut Prinzendorf erworben werden, 1756 die Niederwallseeische Grundherrschaft zu Kritzendorf und 1773 der Freihof zu Kagran. 1786 kaufte das Stift vom Staat den Leopoldsberg samt Kirche. Dieser war bereits im 13. Jahrhundert durch ein Legat der Herzogin Theodora an das Stift Klosterneuburg übergegangen, dem Stift aber immer vorenthalten worden. &lt;br /&gt;
Die josephinischen Reformen brachten für die Wirtschaft des Stiftes große Änderungen. Das 1786 eingeführte Erbpachtsystem benachteiligte die Grundherrschaften dermaßen, dass es das Stift für vorteilhafter erachtete, den Pächtern die Grundstücke gegen eine geringe Entschädigung ins Eigentum zu übertragen. Damit ist das Ende für die meisten &amp;quot;Ämter&amp;quot; des Stifts gekommen. Auch die Arbeitsleistungen der Untertanen (Hand- und Zugrobot) werden durch eine einmalige Zahlung (Robot-Abolition) abgelöst. Bisher waren die Besitzungen in der altertümlichen Form von verschiedenen Kanzleien verwaltet worden, die Kompetenzen zwischen Rentkammer und Oberkammer waren nicht klar abgegrenzt. Daher wurde im Jahre 1786 die gesamte Verwaltung in einer Hauptkanzlei konzentriert. Der oberste Ökonom des Stiftes, der bisher &amp;quot;Oberkellerer&amp;quot; genannt wurde, nahm nun den Titel &amp;quot;Kanzleidirektor&amp;quot; an. Die Kompetenzen der Beamten wurden genau geregelt, was sich in den kommenden, schwierigen Jahren als sehr nützlich erweisen sollte. &lt;br /&gt;
1787 wurde der Betrieb der Stiftsbäckerei eingestellt, nachdem schon 1765 die alljährliche Hoftafel und 1769 die Haltung der kaiserlichen Jagdhunde abgeschafft worden war. &lt;br /&gt;
Wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, wurde 1802 das Vermögen des aufgehobenen Chorherrenstiftes St. Dorothea in Wien dem Stift Klosterneuburg übertragen, das dafür allerdings eine sehr hohe Religionsfonds-Steuer entrichten musste. Über die großen Schäden, die die Wirtschaft des Stiftes durch die französischen Besatzungen 1805 und 1809 sowie durch die Ablieferungen des Jahres 1810 erlitt, wurde schon an anderer Stelle berichtet. In der Folge verkaufte das Stift 1816 auch die Herrschaft Pirawarth, die durch Jahrhunderte für die Pröpste und Chorherren des Stiftes ein geschätzter Kurort gewesen war. &lt;br /&gt;
Die Erholung der Wirtschaft unter Propst Jakob Ruttenstock zeigte sich auch darin, dass nun wieder Neuerwerbungen möglich waren. 1832 kaufte das Stift die Herrschaft Jedlersdorf, 1840 die Herrschaften Strebersdorf und Jedlesee. 1834 bis 1842 konnte der unvollendete Kaisertrakt wenigstens zu einem Viertel abgeschlossen werden. &lt;br /&gt;
Die Revolution von 1848 führte eine Umwälzung der wirtschaftlichen Verhältnisse herbei. Die Grundherrschaften wurden aufgelöst, das Untertänigkeitsverhältnis beendet. Gewisse bisherige Leistungen wurden gegen eine geringe Entschädigung aufgehoben, alle übrigen ohne Entgelt. Schon zuvor hatte das Stift, um Unruhen zu vermeiden, auf die Einhebung des Bergrechts (Steuern für Weinbau) verzichtet und bestehende Schulden nachgelassen. Aber Wiener Bürger, keineswegs arme Leute, holzten in seltsamer Auffassung der neuen Freiheit einen großen Teil der stiftliehen Wälder rings um Wien ab, was einen großen Schaden bedeutete. &lt;br /&gt;
Da dem Stift durch die Aufhebung der Grundherrschaften viele Einkünfte verloren gingen, trachtete man, durch Erwerb neuer Grundstücke die Substanz des Hauses zu erhalten. 1852 wurde das Gut St. Bernhard bei Horn gekauft, 1855 drei Güter in Ungarn. In den Jahren 1862 bis 1864 wurde der ehemalige Schüttkasten, 1670/71 errichtet, zu einem modernen Gastlokal unter dem Titel &amp;quot;Stiftskeller&amp;quot; ausgebaut und erfreute sich regen Zuspruchs, vor allem von Seiten der katholischen Vereine und Verbindungen. &lt;br /&gt;
Die Donauregulierung brachte eine völlig neue Wirtschaftslage. Seit 1872 wurden dem Stift bisher wenig ertragreiche Auwälder und Uferwiesen abgekauft. Durch den Bau der Franz-Josephs-Bahn wurde Klosterneuburg zwar an das Eisenbahnnetz angebunden, dafür aber völlig von der nun regulierten, um 2 km nach Osten verschobenen Donau getrennt. Seither besitzt Klosterneuburg nicht einmal mehr eine Schiffsanlegestelle. &lt;br /&gt;
Sehr günstig wirkte sich die Stadterweiterung von Wien aus, da bisher wenig ertragreiche Wiesen und Äcker im Gebiet der Vororte von Wien plötzlich wertvoller Baugrund wurden. Das Stift war sich allerdings auch in dieser Zeit seiner sozialen Verantwortung bewusst. Es erbaute nicht nur solide Häuser für die eigenen Angestellten, wie schon erwähnt, sondern trat auch wertvollen Besitz für soziale Zwecke zu einem billigen Preis ab (z. B. das Schloss und die Herrschaft Strebersdorf an die Schulbrüder). &lt;br /&gt;
Um das neu gewonnene Kapital zukunftsträchtig anzulegen, erbaute das Stift seit 1905 mehrere Häuser in Wien Floridsdorf. Ebenso geschah es auch 1929 bis 1931. Die beabsichtigte Rentabilität stellte sich allerdings infolge der Mietengesetzgebung nach dem Krieg nicht ein. 1935 verkaufte das Stift das &amp;quot;Bretteldorf&amp;quot; an der Donau an die Gemeinde Wien und erwarb dafür das Waldrevier Pax (so genannt nach einem früheren Besitzer) bei Schwarzau im Gebirge. &lt;br /&gt;
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wirkte sich verheerend auf das Stift aus. Schon 1938 wurde ein Teil des Stiftsbesitzes enteignet, was stufenweise weitergeführt wurde, bis schließlich am 30. April 1941 das Stift gänzlich aufgehoben wurde. Während der Kunstbesitz des Stiftes, der vom Kunsthistorischen Museum in Wien bzw. von der Nationalbibliothek und dem Wiener Stadtarchiv verwaltet und sogar fachgemäß betreut wurde, die Zeit der Aufhebung gut überstand, erlitt die Wirtschaft schwere Schäden. Die Grundstücke waren zum Teil aufgeteilt worden, die Weingärten und andere landwirtschaftlich genutzte Flächen lagen brach. Nach der Rückkehr der Chorherren am 30. April 1945 wurde das beschlagnahmte Eigentum allmählich dem Stift wieder zurückgegeben. Was die Russen besetzt gehabt hatten, war größtenteils in desolatem Zustand. In der Folge bemühte sich das Stift, seine Wirtschaft den modernen Gegebenheiten anzupassen. &lt;br /&gt;
1952 wurde jenseits der Donau auf den Tuttenhofer Gründen eine moderne Obstplantage von 25 Hektar angelegt (die größte im deutschen Sprachgebiet), 1953 in Weidlingbach in einem stiftliehen Gebäude die neue Taverne eröffnet. 1958 bis 1960 wird das von der russischen Besatzungstruppe verwüstete Stiftskellerlokal im ehemaligen Schüttkasten völlig neu gestaltet. Die stiftliche Kellerwirtschaft erlebt seit 1957 große Veränderungen. Die Weinproduktion wird gewaltig ausgeweitet, neue Weinbauflächen werden hinzugekauft und schließlich wird auch das Schlossweingut des Deutschen Ordens in Gumpoldskirchen erworben. &lt;br /&gt;
Nach dem Krieg bemühte sich das Stift, in verschiedenen Wirtschaftszweigen Fuß zu fassen. Die von Pius Parsch gegründete, von den Nationalsozialisten abtransportierte Druckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg reaktiviert. Sie wurde nicht mehr im Stift eingerichtet, wo sie vorher war, sondern in einer neuen Betriebsstätte in Floridsdorf und ist heute wieder an einem anderen Platz im 22. Bezirk ein ganz neuer, leistungsfähiger Betrieb. Der Druckerei ist der Verlag Mayer &amp;amp; Comp. angeschlossen. Der gleichfalls von Pius Parsch gegründete Buchhandel, der ursprünglich zwei Geschäfte umfasste, ist heute nur mehr in Klosterneuburg aktiv, mit einem sehr attraktiven Kunsthandwerk-Geschäft vereinigt. &lt;br /&gt;
In Mariazell übernahm das Stift das angesehene Hotel Feichtegger, das allerdings die Erwartungen nicht erfüllte, obwohl sehr viel in dieses Haus investiert wurde. Nicht einmal die Einrichtung einer Kuranstalt brachte den gewünschten Erfolg, denn heute kommen fast nur mehr Tagesgäste nach Mariazell. &lt;br /&gt;
Seit Jahrhunderten war der Weinbau die Haupteinnahmequelle des Stiftes gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Exportnetz ausgebaut, dessen wichtigste Abnehmer Großbritannien und Japan waren. Der Glykolskandal von 1984 war für die stiftliehe Weinwirtschaft eine Katastrophe. 70% des Exports gingen verloren, obwohl das Stift in keiner Weise in den Skandal verwickelt war. Nur mühsam konnte der Weinexport wieder aufgebaut werden.&lt;br /&gt;
Das Stift hat sich bemüht, seinen Waldbesitz in dem Maß zu vergrößern, in dem Baugrund veräußert werden musste. So konnte nach dem Zweiten Weltkrieg das Waldrevier Matzen im Weinviertel und später das Revier Schöttl in der Weststeiermark erworben werden. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist jedoch der Forstbesitz keine sichere Einnahmequelle mehr. Seine Erträge bleiben weit unter den Zahlen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt das Stift fast ausschließlich von seinen Pachtgründen. Das ist zwar ein solides Fundament, aber man muss hoffen, dass in der Zukunft auch andere Wirtschaftszweige des Stiftes jenen Ertrag abwerfen, der zur Aufrechterhaltung der Stiftung St. Leopolds nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Rechtliche Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Das weltliche Kollegiatstift war eine Eigenkirche des Markgrafen Leopold III. Dementsprechend setzte er seinen erst 14 jährigen Sohn Otto zum Nachfolger des ersten Propstes ein. Und als Otto aus Paris Reliquien nach Neuburg brachte, nahm sie sein Vater als Eigenkirchenherr entgegen. &lt;br /&gt;
Die Einführung der Augustinusregel im Jahre 1133 bedeutete den Verzicht auf das Eigenkirchenrecht, denn die Regularkanoniker unterstanden prinzipiell dem Diözesanbischof. Nun wurde der Landesfürstautomatisch zum Vogt des Stiftes, obgleich er diese Gewalt sogleich dadurch einschränkte, dass er das Stift dem päpstlichen Schutz unterstellte. Der Schutzbrief vom 30. März 1135 war eine erste Stufe zur Exemtion und garantierte dem Kloster das Recht der freien Propstwahl. Das ergab eine Doppelstellung zwischen bischöflicher und päpstlicher Gewalt, wobei die Päpste die letztere durch Verleihung verschiedener Privilegien (z. B. öftere Verleihung der Pontifikalien) zu stärken suchten. Daneben bestand die weltliche Vogtei der Landesfürsten, zunächst der Babenberger, dann der Habsburger, bei der allerdings - wie bei den meisten babenbergischen Gründungen - die Gerichtsbarkeit des Vogtes wegfiel. Daher konnte der Propst das Niedergericht ausüben.&lt;br /&gt;
Neben der landesfürstlichen Erbvogtei bestand noch eine Untervogtei. Die Untervögte (''subadvocati, advocati secundi'') spielten aber keine große Rolle. Schon 1162 erhielt der Propst das Privileg, Untervögte nach freiem Ermessen abzusetzen, und seit 1182 darf er Untervögte frei ernennen. Seit Herzog Leopold VI. (1198-1230) wurden keine Untervögte mehr eingesetzt. Die Schirmvogtei lag weiterhin in der Hand des Landesfürsten und wurde in dessen Vertretung auch vom Landmarschall ausgeübt. &lt;br /&gt;
Seit Ferdinand I. änderte sich die Art der landesfürstlichen Oberhoheit, denn schon 1523 werden Klöster als ''kaiserliches Kammergut'' bezeichnet. Dementsprechend griff die Regierung massiv in die Geschicke des Stiftes ein, vor allem in den Wirren der Reformationszeit Der &amp;quot;Klosterrat&amp;quot; wurde 1568 gegründet, um die Existenz der Klöster zu schützen, wuchs sich aber bald zu einem Instrument der staatlichen Bevormundung aus, was in Klosterneuburg besonders deutlich hervortrat. Im Niederösterreichischen Landtag nahm der Propst von Klosterneuburg auf der Prälatenbank den zweiten Platz nach dem Abt von Melk ein. &lt;br /&gt;
Die schon erwähnte Wiederbesiedlung der böhmischen Chorherrenstifte Wittingau und Forbes brachte insofern neue Verhältnisse, als 1630 Kaiser Ferdinand III. dem Propst Bernhard Waitz die Administration dieser beiden Stifte übertrug. Als es 1663 so weit war, dass diese Klöster selbständig existieren konnten, wurden sie wieder von Klosterneuburg getrennt. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1739 schloss sich das Stift Klosterneuburg der Lateranensischen Chorherrenkongregation an. Die Aggregationsurkunde legt dem Stift nur zwei Verpflichtungen auf: 1. jede Neuwahl eines Stiftspropstes ist dem Generalabt der Lateranensischen Kongregation anzuzeigen; 2. jedes dritte Jahr ist am 15. August ein feierliches Hochamt für die Lateranensische Kongregation zu feiern. Im Grunde bedeutete dieser lockere Anschluss bereits die Exemtion von der bischöflichen Gewalt (die Lateranenser besaßen diese schon seit 1476), doch kam das praktisch nicht zur Geltung. &lt;br /&gt;
Es wäre ohnedies damit bald zu Ende gewesen, denn die Regierung Kaiser Josephs II. schuf völlig neue Rechtsverhältnisse. Da diese nicht nur Klosterneuburg allein betrafen, brauchen sie hier nicht eigens erwähnt zu werden. Einerseits wurde die Handlungsfreiheit des Stiftes stark eingeschränkt, andererseits erhielt es durch die Errichtung von zehn Seelsorgestellen eine Fülle neuer Aufgaben. Das Chorherrenstift St. Dorothea in Wien wurde 1782 der Verwaltung des Propstes von Klosterneuburg unterstellt und 1786 gänzlich aufgehoben. Der verbliebene Teil des Vermögens wurde 1802 dem Stift Klosterneuburg einverleibt. &lt;br /&gt;
Mit dem Konkordat von 1855 erhielten die Orden und Klöster in Österreich ihre Freiheit wieder. Alle anderen Orden bildeten nun Kongregationen oder ähnliche Zusammenschlüsse, nur bei den Augustiner-Chorherren verhinderten dies die Bischöfe. Erst 1905 gelang die Gründung der Österreichischen Chorherrenkongregation, über die im einleitenden Beitrag berichtet wird. &lt;br /&gt;
Eine einschneidende Veränderung seines Rechtsstatus erlitt das Stift seit dem Anschluss Österreichs an das Großdeutsche Reich. Schrittweise wurde dem Stift die Verfügungsgewalt über seinen Besitz entzogen, bis es am 30. April 1941 gänzlich aufgehoben wurde. Dabei blieb der Status der Stiftspfarren völlig ungeklärt. Da der Rechtsträger enteignet war, konnten eigentlich auch die inkorporierten Pfarren nicht mehr als Stiftseigentum angesehen werden. Trotzdem wurden die aus dem Stift vertriebenen Chorherren auf die einzelnen Pfarren verteilt und halfen dort in der Seelsorge aus, wobei Propst Alipius Linda, der im Hietzinger Pfarrhof wohnte, die Verbindung unter den Chorherren aufrecht erhielt, in die auch jene Mitbrüder einbezogen waren, die Militärdienst leisten mussten. Zweifellos wäre dieser unsichere Zustand radikal beseitigt worden, wäre der Krieg anders ausgegangen. &lt;br /&gt;
Die ungarische Regierung erkannte die Enteignung des Stiftes nicht an. Die in Ungarn gelegenen Güter wurden weiter von einem Chorherrn verwaltet, bis auch dort 1944 eine nationalsozialistische Regierung ans Ruder kam, die den Verwalter vertrieb und die Güter enteignete. Sie blieben dem Stift verloren. In Österreich wurde sogleich nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft der vorige Rechtszustand wiederhergestellt. &lt;br /&gt;
Zu den rechtlichen Angelegenheiten im strengen Sinn gehören die Gebetsverbrüderungen (Confoederationen) des Stiftes zwar nicht, aber da sie durch einen Rechtsakt mit Urkunde abgeschlossen wurden, sollen sie hier aufgezählt werden. Die Gebetsverbrüderungen Klosterneuburgs waren überaus zahlreich und sind es heute noch. &lt;br /&gt;
Konföderationsurkunden existieren mit folgenden Stiften bzw. Orden:&lt;br /&gt;
Orden der Augustiner-Eremiten (1318), Deutscher Orden (1319), Berchtesgaden (1320), Domkapitel Passau (1321), St. Florian (1372), Seckau (1372), Neustift (1373), Waldhausen (1375), Vorau (1376), St. Pölten (1377), Kartäuserorden (1380), Karmeliterorden (1385), Göttweig (1390), Mauerbach (1392), Gries (1392), St. Michael an der Etsch (1394), Herzogenburg (1395), Wittingau (1397), St. Andrä an der Traisen (1404), Heiligenkreuz (1410), Dürnstein (1413), Indersdorf (1420), St. Nikola in Passau (1424), Augustiner-Eremiten in Wien (1428),St. Dorothea in Wien (1436), Reichersberg (1436), Gurk (1436), Franziskanerorden (1451), Melk (1451), Rohr (1452), Zwettl (1453), Kremsmünster (1454), Lambach (1457), Schottenstift Wien (1458), St. Mang in Regensburg (1473), Schlägl (1486), Seitenstetten (1490), St. Jakob in Wien (1508), Langenzenn (1512), Beyharting (1513), Vornbach (1513), Ossiach (1515), Niedera Haich (1521), Forbes (1696), Göss (1730), St. Walburg in Eichstätt (1745), Goldenstein bei Salzburg (1934), Piaristen österr. Provinz (1941). &lt;br /&gt;
In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1625 erscheinen außerdem folgende konföderierte Häuser:&lt;br /&gt;
Aldersbach, Admont, Altenburg, St. Andrä im Lavanttal, Aggsbach, Baumburg, Baumgartenberg, St. Emmeram in Regensburg, Garsten, Gleink, Gaming, Herrenchiemsee, Himmelpforte in Wien, St. Laurenz in Wien, St. Lambrecht, Lilienfeld, Metten, Michaelbeuern, Minoritenkonvent Wien, Neuberg an der Mürz, Oberaltaich, Pöllau, St. Peter in Salzburg, Prüll, Rottenmann, Ranshofen, Rein, Suben, Domkapitel Salzburg, Stainz, Stams, Wilhering, St. Zeno in Reichenhall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus sind in dem von 1780 bis 1972 geführten Nekrologium folgende Häuser verzeichnet:&lt;br /&gt;
Andechs, Au am Inn, Altenhohenau, Allerheiligen in Graz, Asbach, Attel, Beuerberg, Dietramszell, Dießen, Engelszell, Ettal, St. Elisabeth in Brixen, Frauenchiemsee, St. Georg in Augsburg, Höglwörth, Heiligenkreuz in Augsburg, Heiligkreuz in Regensburg, Hei- ligenkreuz in Donauwörth, Karmeliterinnen in Wien, Kaisheim, Kühbach, Königinkloster in Wien, Mondsee, St. Magdalena in Regensburg, Niederschönenfeld, Niedemburg in Passau, Neustift bei Freising, St. Nikola in Wien, Nonnberg in Salzburg, Prüfening, St. Paul in Kärnten, Polling, Rottenbuch, Raitenhaslach, Rebdorf, Rott am Inn, Säusenstein, Seligenthal, Seeon, Scheyern, Schäftlarn, Schlierbach, Schlehdorf, Steingaden, Tegernsee, Thierhaupten, St. Ulrich u. Afra in Augsburg, Viktring, St. Veit an der Rott, Windberg, Weltenburg, Weyarn, Wiener Neustadt-Neukloster, Wilten, Weihenstephan, Wessobrunn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute bestehen Gebetsverbrüderungen mit folgenden Häusern: &lt;br /&gt;
St. Florian, Neustift bei Brixen, Reichersberg, Herzogenburg, Vorau, Göttweig, Heiligenkreuz, Melk, Zwettl, Kremsmünster, Lambach, Schottenstift Wien, Schlägl, Seitenstetten, Admont, Altenburg, Lilienfeld, Michaelbeuern, St. Peter in Salzburg, Rein, Wilhering, St. Walburg in Eichstätt, Heiligkreuz in Regensburg, Nonnberg in Salzburg, St. Elisabeth in Brixen, Goldenstein, Piaristen österr. Provinz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Soziale Verhältnisse===&lt;br /&gt;
Die Kanoniker des weltlichen Stiftes entstammten sicherlich den Kreisen des Adels. Darauf deutet schon hin, dass der Stifter Leopold III., der durch seine Heirat zu den vornehmsten Fürsten des Reiches zählte, seinen Sohn zum Propst dieses Stiftes machte. &lt;br /&gt;
Die Augustiner-Chorherren, die 1133 einzogen, waren eine aus verschiedenen Klöstern ausgesuchte Mannschaft. Sie standen sozial nicht so hoch wie die weltlichen Kanoniker, waren aber, so weit es bekannt ist, gewöhnlich gemeinfreien Standes. Mehrere Pröpste und daher auch viele Kanoniker entstammten Ministerialenfamilien. Einige scheinen mit bekannten Adelsgeschlechtern verwandt gewesen zu sein. Der erste Propst, der bürgerlicher Abkunft gewesen sein dürfte, war Konrad Galtstein (1226-1257). Einige Pröpste gehörten später dem landsässigen Adel an, wie [[Hadmar Asinus|Hadmar aus dem Geschlecht der Esel von Gaaden]] (1291-1301), Stephan von Sierndorf (1317-1335), Ortolf von Wolkersdorf (1349-1371) und mehrere andere. Aber es kommen immer wieder Chorherren bürgerlicher Abkunft vor. Propst [[Peter I. Lenhofer|Peter Lenhofer]] (1394-1399) entstammte möglicherweise einer Bauernfamilie. Das ganze Mittelalter hindurch wies der Konvent die soziale Struktur auf. Mitglieder des Hochadels traten niemals ins Stift Klosterneuburg ein, zumindest nicht seit der Einführung der Augustinusregel. &lt;br /&gt;
Einige Chorherren hatten große wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen, wie die Brüder Gerhochs von Reichersberg (Rudiger und Heimo), [[Koloman Knapp]], [[Johann Stadel von Rußbach]], Propst Georg Müestinger. &lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert ändert sich das Bild. Nun kommen die Konventualen, die sehr bald durch den Protestantismus stark dezimiert wurden, fast alle aus bürgerlichen oder bäuerlichen Familien. In der einsetzenden Gegenreformation trachtete man, bereits angesehene Priester von höherer Bildung zum Eintritt ins Stift zu bewegen, doch waren nur selten Adelige darunter. Daran änderte sich auch später nichts. &lt;br /&gt;
Interessant ist die Herkunft der Konventualen. Während des ganzen Mittelalters kommen sie fast ausschließlich aus Österreich, nur selten aus angrenzenden Ländern wie etwa der Steiermark. In der Epoche der Gegenreformation sind die Österreicher in der Minderzahl, nun treten hauptsächlich Deutsche aus Bayern, Franken und Westfalen ins Stift ein. Im 18. Jahrhundert besteht der Konvent größtenteils aus Österreichern. Seit der Zeit Kaiser Josephs II. macht sich ein verstärkter Zuzug aus den böhmischen Ländern bemerkbar. Da Kaiser Joseph die meisten Klöster in diesen Gegenden aufgehoben hatte, strömten die deutschsprachigen Böhmen, Mährer und Schlesier in die Österreichischen Stifte, vor allem nach Klosterneuburg. Um 1900 bestand die Mehrheit des Klosterneuburger Konvents aus sogenannten Sudetendeutschen. Daneben gab es auch Tschechen und Ungarn. Mit dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie hörte dieser Zuzug auf. In der Zwischenkriegszeit traten meist Österreicher, in steigendem Maße Wiener, ins Stift ein. Seit der Wiedererrichtung des Stiftes 1945 internationalisierte sich der Konvent zunehmend. Jetzt kommen Kandidaten aus Deutschland und den Niederlanden, in jüngerer Zeit aus Polen, Norwegen, Schweden, der Slowakei und sogar aus Vietnam. Es ist auch bemerkenswert, dass heute fast kein junger Mann sogleich nach der Reifeprüfung ins Stift kommt, sondern die meisten schon einen Beruf ausgeübt und sogar einen akademischen Grad erworben haben. &lt;br /&gt;
Zu den sozialen Verhältnissen gehört auch ein Blick auf die Situation der Untertanen und Angestellten, soweit die Quellen darüber Auskunft geben. Die soziale Lage der Stiftsuntertanen im Mittelalter lag offenbar über dem Durchschnitt, weil selten von Klagen und Beschwerden die Rede ist. Wenn Kriege und Naturkatastrophen größere Notstände verursachten, suchte das Stift Hilfe zu leisten, wenn es möglich war, und Steuern und Schulden nachzulassen. Über derartige Aktionen wurde bereits in der historischen Übersicht berichtet. Der Bauernaufstand, der 1594 im Mühlviertel ausbrach, schlug Wellen bis nach Klosterneuburg. 1597 rotteten sich die Weingartenarbeiter zusammen und forderten niedrigere Preise und höheren Lohn. Das richtete sich aber in erster Linie gegen die Stadtväter und nicht gegen das Stift. Auch das Revolutionsjahr 1848 verlief in Klosterneuburg, wie bereits oben berichtet, sehr ruhig. &lt;br /&gt;
Heute bemüht sich das Stift, seinen Angestellten modern ausgestattete Dienstwohnungen zur Verfügung zu stellen und ein gutes Arbeitsklima zu schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliothek==&lt;br /&gt;
Die Bibliothek ist praktisch ebenso alt wie das Stift. Die Signatur CCl 1 trägt die Riesenbibel, die der Stifter Markgraf Leopold III. 1136 für das Stift in Passau kaufte. Es sind aber auch zahlreiche ältere Codices vorhanden. Das ganze Mittelalter hindurch bestand im Stift ein Scriptorium, das im 11. und 12. Jahrhundert auch den Buchschmuck besorgte. Später wurden dafür Lohnmaler herangezogen. Im 15. Jahrhundert waren dies die führenden Meister der Wiener Herzogswerkstätte, deren Namen nur durch die Klosterneuburger Rechnungsbücher überliefert sind. Aber auch Lohnschreiber wurden beschäftigt, um die große Fülle des Materials zu bewältigen. Im Stift bestand auch eine Buchbinderwerkstätte, die vor allem im 15. Jahrhundert sehr schöne Bucheinbände herstellte. Die Stiftsbibliothek war immer eine der größten in Österreich. Der systematische Katalog, den der Chorherr Magister Martin im Jahre 1330 anlegte (CCl 162a), verzeichnet 366 Codices. Sie sind zum Teil noch heute in der Bibliothek vorhanden.&lt;br /&gt;
Der erste namentlich fassbare Stiftsbibliothekar ist Albertus Saxo, als ''custos librorum et dominarum'' 1289 genannt. Der Bibliothekar Magister Martin wurde schon erwähnt. Der Humanismus trat in Klosterneuburg verhältnismäßig früh auf. Die Chorherren Johannes Schwarz und Wolfgang Windhager pflegten in der Mitte des 15. Jahrhunderts humanistische Studien. Der letztere verfasste 1452/53 Kommentare zu den Komödien des Terenz (CCl 743a). Es wurden auch gezielt im Ausland Handschriften eingekauft. So erwarb der Chorherr Johannes von Perchtoldsdorf 1420/21 in Padua um 534 Gulden Handschriften, hauptsächlich kanonistischen Inhalts, für die Bibliothek. Auch der Chorherr Koloman Knapp, der als Vertreter des Stiftes auf dem Konzil von Basel weilte, kaufte dort im Auftrag des Propstes Codices ein. Aus Frankreich bezog man schon im 13. und 14. Jahrhundert Handschriften. &lt;br /&gt;
Die Bibliothek war ursprünglich neben dem Kreuzgang untergebracht, wo sich wohl auch das Scriptorium befand. Diese Räumlichkeiten wurden später völlig verändert. Nach der Errichtung des barocken Kaisertraktes bezog die Bibliothek neue Räume in dessen Erdgeschoss. Eine würdige Unterkunft fand die Bibliothek erst beim Ausbau des Neustiftes durch Joseph Kornhäusel 1834 bis 1842. Er errichtete den großen Saal über der Einfahrtshalle und das anschließende Handschriftenzimmer. Am 8. März 1837 ist die Übersiedlung der Bücherbestände in die neuen Räume vollzogen. Diese reichten allerdings bald nicht mehr aus, sodass nach und nach alle anschließenden Räume im zweiten Stock, die als Wohnzimmer geplant waren, der Bibliothek zugeschlagen wurden. Dazu kommt im 20. Jahrhundert noch ein Zeitschriftenzimmer mit modernen Stahlregalen und ein großes, zweigeschossiges Bücherdepot. Die Stiftsbibliothek ist eine reine Arbeitsbibliothek und daher Führungen nicht zugänglich. Der große Saal ist zwar eine elegante Schöpfung der Biedermeierzeit, kann sich aber mit den Prunksälen anderer Stiftsbibliotheken nicht messen. Heute umfasst die Klosterneuburger Stiftsbibliothek ca. 220.000 Bände, 1.256 Handschriften und 850 Inkunabeln. &lt;br /&gt;
Im Handschriftenzimmer ist noch heute die Bibliotheksordnung aus dem 14. Jahrhundert zu sehen: &amp;quot;Oe conservatione et commodatione librorum&amp;quot;. An mittelalterlichen Bibliothekskatalogen sind vorhanden: Bücherverzeichnisse des 12. Jahrhunderts (CCl 838), vom Anfang des 13. Jahrhunderts (CCl 252), des 13. Jahrhunderts (CC1161), Verzeichnis der Schulbibliothek um 1200 (CCl 1243) und der systematische Katalog des Magisters Martin von 1330 (CCl 162a). Außerdem existiert ein Ausleihverzeichnis aus der Zeit um 1470. &lt;br /&gt;
Unter den Zimelien der Bibliothek sind folgende Handschriften hervorzuheben: Bibel des hl. Leopold, 1136 (CCl 1), sogenanntes Psalterium des hl. Leopold, 11. Jahrhundert (CCl 987), Klosterneuburger Osterspiel, um 1200 (CCl 572), älteste Abschrift des Privilegium minus, Mitte des 13. Jahrhunderts (CCl 929), Klosterneuburger Bibel, 2 Bde. um 1315 (CCl 2 und 3), vierhändiges Riesenantiphonar, 1422/23, mit Miniaturen der Wiener Herzogswerkstätte (CCl 65-68). &lt;br /&gt;
Einige wertvolle Klosterneuburger Handschriften sind in die Wiener Hofbibliothek gelangt, wie die berühmte Biblia pauperum 1325/30 (Cvp 1198), ein Hymnus zu Ehren des hl. Leopold, Mitte des 14. Jahrhunderts (Cvp 364), und im selben Codex ein Ver- zeichnis der Gebetserhörungen am Grab des Heiligen, 1323. Die Berechnungen zur Klosterneuburger Fridericus-Karte befinden sich heute in der Bayrischen Staatsbibliothek zu München (Clm 14583).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bau- und Kunstgeschichte==&lt;br /&gt;
===Mittelalter===&lt;br /&gt;
Die Stiftskirche wurde in den Jahren 1114 bis 1136 errichtet und war höchstwahrscheinlich mit Bandrippengewölben ausgestattet, was eines der frühesten Vorkommen dieser Bauweise nördlich der Alpen darstellt. Reste der romanischen Bauplastik sind im mittelalterlichen Lapidarium ausgestellt. Restaurierungen der letzten Jahrzehnte haben an vielen Stellen die ursprüngliche Ausstattung freigelegt. Im Kreuzgang sind noch Freskenreste aus der Bauzeit der Kirche zu sehen. Ebenso konnten die Mauerkanten der &amp;quot;Alten Prälatur&amp;quot; aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sichtbar gemacht werden. Zugleich mit der Stiftskirche wurde die Burg Leopolds III. errichtet, die allerdings durch verschiedene Zubauten heute gotischen Charakter besitzt. In ihr ist jetzt das Stiftsarchiv untergebracht. Zur selben Zeit wurde auch das Stiftsspital mit der Kirche St. Gertrud erbaut, in der zwei schöne romanische Kapitelle ''in situ'' sichtbar sind. &lt;br /&gt;
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand der große, siebenarmige Leuchter. Er stammt aus derselben Werkstätte wie die älteren Teile der berühmten Bronzetüren von San Zeno in Verona. Die baumförmige Gestalt soll die &amp;quot;Wurzel Jesse&amp;quot; (nach Jesaja 11,1) symbolisieren, die sieben Lichter die Gaben des Heiligen Geistes. Interessanterweise brachte ihn der Volksglaube mit der Schleiersage in Verbindung, denn er hieß im Mittelalter &amp;quot;Holunderbaum&amp;quot; (''sambucus''). Leider ist der Fuß nicht erhalten, der gewiss der am reichsten geschmückte Teil des Leuchters war. Als die Stiftskirche barock umgestaltet wurde, musste der Leuchter weichen und wurde in der Leopoldskapelle (dem ehemaligen Kapitelsaal) aufgestellt, die bedeutend niedriger ist. Daher ging der Fuß verloren. &lt;br /&gt;
Das berühmteste mittelalterliche Kunstwerk Klosterneuburgs ist der 1181 vollendete Emailaltar des Nikolaus von Verdun. Die Emailtafeln bildeten ursprünglich die Verkleidung des Ambo, der Kanzel in der Stiftskirche. Das sehr konsequent durchdachte theologische Programm beruht auf der biblischen Typologie, das heißt, es stellt dar, wie schon Ereignisse des Alten Testaments auf die Erlösung durch Jesus Christus hinweisen. Der Schöpfer dieses theologischen Programms und der lateinischen Verse, die es erklären, ist Propst Rudiger (1167-1168), ein Bruder des berühmten Propstes Gerhoch von Reichersberg. Da er nur ein Jahr regierte, konnte erst sein Nachfolger Propst Wernher den berühmtesten Goldschmied seiner Zeit, eben Nikolaus von Verdun, mit der Ausführung beauftragen. Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass Nikolaus das Werk in Klosterneuburg im Zeitraum von etwa zehn Jahren geschaffen hat. Über seine eminente theologische Aussage hinaus bezeichnet es auch einen Wendepunkt in der abendländischen Kunst. Es ist nämlich das erste Werk des Hochmittelalters, das bewusst auf den Stil der Antike zurückgreift, damit größere Naturtreue einführt und so zum Wegbereiter der &amp;quot;gotischen Klassik&amp;quot; wird. Und in Klosterneuburg hat es ebenso spätere Generationen in ihrem Kunstschaffen angeregt. &lt;br /&gt;
Als Herzog Leopold VI. (1198-1230) seinen Sitz von Wien nach Klosterneuburg verlegte, erbaute er hier eine neue, prächtige Residenz, deren Palastfassade vor einigen Jahren freigelegt wurde. Im Zusammenhang mit dieser Residenz wurde von Meistern der königlichen Bauhütte in Reims die herzogliche Kapelle als erstes Werk der Gotik in Österreich errichtet. Aus rotem und weißem Marmor gebaut und mit reicher Vergoldung ausgestattet wurde sie wegen ihrer Pracht &amp;quot;Capella speciosa&amp;quot; genannt. Sie wurde im Jahr 1222 geweiht und 1339 dem Stift übergeben. Auf Befehl Kaiser Josephs II. wurde sie 1787 geschlossen und 1799 abgebrochen. Teile dieses einmaligen Gebäudes fanden beim Bau der Franzensburg in Laxenburg Verwendung. &lt;br /&gt;
Die Süd- und Ostflügel des Kreuzgangs wurden um 1250 im gotischen Stil neu errichtet und zeigen enge Verwandtschaft mit dem Kreuzgang des Stiftes Heiligenkreuz. Ein sehr bedeutendes Werk gotischer Plastik ist die um 1300 entstandene &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;, die heute im Lapidarium des Stiftes steht. Sie war ursprünglich die Hausmutter des Chorfrauenstiftes und ist das Werk eines französisch geschulten Bildhauers. Die Chorfrauenkirche, für die diese Skulptur einst gemacht wurde, erfuhr gerade damals eine Neugestaltung. Sie war ein zweischiffiger Kirchenraum mit geradem Chorabschluss. Das Gebäude steht noch heute, allerdings wurde es nach dem Aussterben des Frauenstiftes (1568) profanen Zwecken zugeführt. Heute dient es im Untergeschoss als Presshaus, im oberen als Pfarrheim. Nur die schönen Maßwerkfenster erinnern noch an die einstige Funktion als Kirche. Als im Jahre 1330 eine große Feuersbrunst das Stift zum Teil zerstörte, war das der Anlass zu reicher künstlerischer Betätigung. Der damals regierende Propst Stephan von Sierndorf war eine Mäzenatenpersönlichkeit großen Stils. Er ließ die geretteten Emailplatten des Nikolaus von Verdun zu einem Flügelaltar umbauen, wobei eine Reihe von Platten im Stil des Nikolaus neu geschaffen wurde (eines der frühesten Beispiele von echtem Historismus). Und auf die Rückseite dieses nunmehrigen Altars kamen vier große Temperagemälde, die nicht nur zu den ältesten Denkmälern der Tafelmalerei nördlich der Alpen zählen, sondern auch eine außerordentlich hohe künstlerische Qualität aufweisen. &lt;br /&gt;
Nach dem Brand von 1330 wurden der Nord- und der Westflügel des Kreuzgangs neu erbaut und mit Glasmalereien versehen, die den Bilderzyklus des Nikolaus von Verdun wiederholen - ein Beweis für die hohe Wertschätzung, die dieses Kunstwerk zu allen Zeiten genoss. In diesen Glasfenstern erscheint übrigens zum ersten Mal das Fünf-Adler-Wappen, das heute Niederösterreichs Landeswappen ist. Dass die Glasmalerei in Klosterneuburg intensive Pflege fand, beweist die urkundliche Überlieferung eines &amp;quot;Glasamtes&amp;quot; für 1331. Leider sind nur geringe Reste dieser bedeutenden Glasgemälde erhalten. &lt;br /&gt;
Propst Stephan von Sierndorf ließ sich in den Glasfenstern mehrmals selbst abbilden, ebenso auf einem Temperabild des Verduner Altars, in seinem Missale und auf einer Patene. Wahrscheinlich war sein Bild noch öfter an Werken angebracht, die heute nicht mehr erhalten sind - eine eigenwillige Persönlichkeit, die schon Charakterzüge der Renaissance vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Unter Propst Stephan erhielt auch der beim Brand beschädigte Vierungsturm der Stiftskirche gotische Gestalt. Auf dem Friedhof vor der Stiftskirche stiftete der Klosterneuburger Bürger Michael der Tucz 1381 eine prachtvolle steinerne Lichtsäule, als es zwei Päpste gab, wie die Inschrift ausdrücklich vermerkt. Die Brüder Berthold und Reinhard von Wehingen stifteten in den neunziger Jahren des 14. Jahrhunderts eine große Kapelle im Kreuzgang des Stiftes, von der nur mehr ein Drittel erhalten ist. Ihre Architektur steht in engem Zusammenhang mit der Eligiuskapelle im Wiener Stephansdom. &lt;br /&gt;
Am Ende des 14. Jahrhunderts begann Propst Peter Lenhofer (1391-1399) mit dem Bau des Südturms der Stiftskirche, da das romanische Westwerk seiner Zeit nicht zu Ende gebracht worden war. Der neue Turm reichte jedoch nicht über den Dachfirst hinaus, um den Gleichklang mit der nördlichen Hälfte nicht zu stören. Ungefähr gleichzeitig wurde gegenüber der Stiftskirche auf dem Friedhof anstelle des alten Karners von der Kreuzzeche die Sebastianikapelle erbaut, ein sehr hoher, schlanker Bau, der 1421 geweiht wurde. Die ehemalige Burg des hl. Leopold erfuhr in der Zeit der Gotik mehrere Umgestaltungen: Sie erhielt im 14.Jahrhundert eine Torlaube, im 15. Jahrhundert den prachtvollen Doppelerker und um 1500 eine außen angebaute Wendeltreppe.&lt;br /&gt;
Im 15. Jahrhundert blühte in Klosterneuburg besonders die Buchmalerei, wovon viele illuminierte Handschriften Zeugnis geben. Eine Reihe gotischer Tafelbilder ist heute im Stiftsmuseum zu sehen. Einen gewaltigen Aufschwung nahm die Kunstproduktion durch die Heiligsprechung des Klostergründers Leopold III. Hatten die Vorbereitungen zur Heiligsprechung besonders die historische Forschungstätigkeit angeregt, so kommt nun die künstlerische Verherrlichung des neuen Heiligen zum Zuge. Das wichtigste Werk in diesem Zusammenhang ist das einzigartige Triptychon des &amp;quot;Babenberger-Stammbaums&amp;quot;, ein riesenhaftes Tafelwerk, das von mindestens drei Künstlern 1489 bis 1492 geschaffen wurde. Es zeigt im Mittelteil auf 27 Rundbildern die Männer aus dem Geschlecht der Babenberger in Szenen aus ihrem Leben, auf den beiden Seitenflügeln die Frauen der Babenberger. Das Triptychon war im Kreuzgang nahe beim Grab des hl. Leopold aufgestellt und vergegenwärtigte so dem Volk das Geschlecht des Klostergründers. Die Grundlage des Gemäldes bildete eine im Auftrag des Stiftes vom Humanisten Ladislaus Sunthaym verfasste Geschichte der Babenberger, die 1491 in Basel im Druck erschien. Dieser Text wurde kunstvoll auf acht große Pergamentblätter geschrieben, prächtig illuminiert und neben dem Stammbaumgemälde aufgehängt, um alle Pilger über die Familiengeschichte des hl. Leopold zu informieren. &lt;br /&gt;
Mit der Reliquienübertragung (Translation) des hl. Leopold steht wohl der berühmte Zyklus der vier Tafelbilder von Rueland Frueauf d. J. aus dem Jahre 1505 in Verbindung. ''In anmutigem Märchenton'' (L. v. Baldaß) erzählt er die Gründungslegende des Stiftes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Neuzeit===&lt;br /&gt;
Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Glaubensspaltung, gab es kaum künstlerische Produktion. Erst nach dem Sieg der Gegenreformation kam es wieder zu Aufträgen. Propst Balthasar Polzmann ließ 1587 bis 1589 den unvollendeten Südturm der Stiftskirche zur vollen Höhe ausbauen, und zwar in Formen der Gotik - als Zeichen dafür, dass nun die Religion des Mittelalters wiederhergestellt sei. Auch in der 1609 vom Baumeister Andreas Piatzu neugestalteten Fassade der Prälatur sucht das große Kapellenfenster in sehr origineller Weise die Gotik nachzuahmen. &lt;br /&gt;
Der Bildhauer Hanns Stahl und der Maler Ludwig Hartmann schufen 1590/1591 einen neuen Volksaltar für die Stiftskirche, der Bildhauer Bernhard Frantz 1587/88 das prunkvolle Grabmal für Propst Balthasar Polzmann und mehrere Steinplastiken für den Turm. &lt;br /&gt;
1618 bis 1620 wurden ein neuer Fürstentrakt und die anschließende Neue Prälatur in italienisch anmutendem Stil vom Baumeister Giovanni Spaz errichtet. 1627 bis 1633 gestaltete Andrea Reddy das alte Dormitorium in einen Gang mit Einzelzellen um. Den prächtigen Stuck dieses Ganges schuf Giovanni Battista Solla. &lt;br /&gt;
Im Jahre 1634 nahm man den barocken Umbau der Stiftskirche in Angriff. Dabei hielt man im Äußeren noch an den mittelalterlichen Formen fest: sowohl der Nordturm der Kirche als auch die neuen Kirchenfenster sind im &amp;quot;gotischen&amp;quot; Stil gestaltet. Baumeister war zunächst Andrea Reddy, 1636/37 Jakob Spazi und seit 1638 Giovanni Battista Carlone. Dieser trug wegen schwerer Bauschäden den Vierungsturm ab und erbaute stattdessen den Nordturm völlig neu, wiederum in gotischen Formen, womit eine gewisse Einheitlichkeit der Kirchenfassade erreicht war. Die vergrößerten Kirchenfenster wurden mit pseudo-gotischem Maßwerk gefüllt. &lt;br /&gt;
Im Inneren wurde die Stiftskirche nach völlig anderen Prinzipien ausgestaltet. Der schwere, naturalistische Stuck stammt von Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a., wobei die schönste Leistung die Westempore darstellt. Auf ihr fand die große Orgel ihren Platz, die vom Passauer Orgelbauer Johann Freundt 1636 bis 1642 geschaffen wurde. Sie ist eine der wenigen Orgeln, die das alte Spielwerk bis heute unverändert bewahrt haben. Einen Choraltar und zwei Nebenaltäre schuf 1644 der Bildhauer Kaspar Leusering. Als Steinmetzmeister wirkten 1634 bis 1639 Santino Ceschina und 1640 bis 1643 Pielro Moino Maderno, als Stukkateure Domenico Rosso, Carlo Pasarino u. a. 1648 baute Freundt eine zweite, kleinere Orgel auf der vorderen Empore. &lt;br /&gt;
Der schon erwähnte Umbau der Leopoldskapelle, des ehemaligen Kapitelsaales, erfolgte 1677 bis 1680. Jakob Schlag schuf den Deckenstuck, Christoph Prandtl die Fresken, die volkskundlich sehr interessant sind. 1680 wurde das Langhaus der Kirche neu eingewölbt. Die neuen Gewölbe wurden niedriger und flacher als die mittelalterlichen angesetzt, um Platz für große Fresken zu gewinnen. Diese Fresken konnten allerdings erst nach der Türkenbelagerung seit 1689 ausgeführt werden, wobei der Maler Johann Georg Greiner die Befreiung Klosterneuburgs als triumphales Ereignis darstellte. Neue Altäre und eine neue Kanzel schufen die Linzer Bildhauer Johann Baptist und Johann Peter Spatz, die Bilder dazu malten die berühmten Künstler Antonio Bellucci und Peter Strudel. &lt;br /&gt;
Das 600 jährige Gründungsjubiläum des Stiftes im Jahre 1714 war Anlass für große Festlichkeiten. Vom kaiserlichen Hofingenieur Matthias Stein wurde eine Attrappe vor dem alten Hochaltar errichtet, die bereits weitgehend den heutigen Hochaltar vorwegnimmt. Steinl entwarf auch drei prächtige Triumphpforten, die auf dem Platz vor der Stiftskirche aufgebaut wurden und glücklicherweise im Bild erhalten sind. Die Wände der Stiftskirche wurden mit zwölf Bildern verkleidet, die in allegorischer Darstellung die Tugenden des heiligen Markgrafen priesen. Vom kaiserliehen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried wurde nach Steinls Entwurf die prachtvolle Monstranz geliefert, die die Gründungslegende des Stiftes vor Augen führt. &lt;br /&gt;
Das Jubiläum des Jahres 1714 muss auch der Anlass gewesen sein, Jakob Prandtauer mit den Plänen für einen Neubau des Stiftes und des Wiener Stiftshofes zu beauftragen. &lt;br /&gt;
Der Plan für den Neubau des Stiftes suchte möglichst viel vom alten Bestand zu erhalten und wurde vielleicht gerade deshalb nicht ausgeführt. Die treibende Kraft für die architektonische Neugestaltung des Stiftes Klosterneuburg war Abt Berthold Dietmayr von Melk. &lt;br /&gt;
Zunächst folgten kleinere künstlerische Aufträge. 1717 malte Balthasar Scabino de Rosa die Gewölbefresken in den beiden Querschiffarmen der Stiftskirche - wohl ein Beweis dafür, dass man nicht an einen völligen Neubau der Kirche dachte. 1723 setzte die letzte Etappe des Umbaus der Stiftskirche ein, die Neugestaltung des Presbyteriums. Begonnen wurde sie unter der Leitungvon Matthias Steinl, nach dessen Tod brachte Abt Dietmayr den gebürtigen Mailänder Donato Felice d'Allio als Bauleiter nach Klosterneuburg. 1723/24 wurde nach Entwürfen Steinls das reichgeschnitzte Chorgestühl ausgeführt, welches das spätgotische Gestühl in großartiger Weise paraphrasiert, ebenso das prächtige Kaiseroratorium. Die beteiligten Künstler waren Balthasar Jungwirth, Johann Straßer, Servatius Hoffmann, Bernhard Högenauer und Johann Franz Caspar. Der neue Hochaltar wurde nach dem Entwurf Steinls 1726 bis 1728 ausgeführt, die Plastiken sind von Johann Franz Caspar. Das Hochaltarbild malte Johann Georg Schmidt, das Deckenfresko Johann Michael Rottmayr (Architekturmalerei von Gaetano Fanti), die Stuckreliefs des Presbyteriums schuf Santino Bussi. &lt;br /&gt;
1725 wurde das Refektorium mit Stuck von Ferdinand Oxenbauer und Apostelbildern von Johann Georg Schmidt ausgestattet - wiederum ein Beweis dafür, dass man noch nicht an einen völligen Neubau des Stiftes dachte. Dazu kam es erst 1730, wobei Kaiser Karl VI. die ursprünglichen, klösterlich schlichten Pläne des Donato Felice d'Allio im Sinne einer Neuerfindung des Escorial zu einem gigantischen Projekt ausweiten ließ. Darüber wurde bereits berichtet. Unter den vielen an diesem Bau beteiligten Künstlern seien die Bildhauer Lorenzo Mattielli und Johann Joseph Ressler, die Stukkateure Santino und Gaetano Bussi, die Freskenmaler Daniel Gran und Domenico Francia, der Ofensetzer Johann Blaicher genannt. Das Werk, an dem sie mitwirkten, wäre eine der großartigsten barocken Klosteranlagen Europas geworden, aber es überstieg die finanziellen Kräfte des Stiftes, das diesen Auftrag des Kaisers realisieren sollte. Als Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, erlahmte das Interesse an diesem Bau, zumal auch Karls Tochter Maria Theresia keine Sympathie dafür aufbrachte. 1776 versuchte Propst Ambras Lorenz, den Bau zu einem ästhetisch befriedigenden Abschluss zu bringen, musste aber nach einem halben Jahr die Arbeiten wiedereinstellen. &lt;br /&gt;
Nach den großen Schwierigkeiten, die die josephinischen Neuerungen und die Napoleonischen Kriege mit sich brachten, konnte unter Propst Jakob Ruttenstock wenigstens einer der geplanten vier Höfe fertiggestellt werden. Zwei Architekten, Joseph Kornhäusel und Karl Roesner, hatten Pläne eingereicht. Das Stift entschied sich für Kornhäusels Entwurf, da er sich besser dem barocken Projekt einfügte. Er wurde in den Jahren 1834 bis 1842 verwirklicht. Das Stift beschäftigte in diesem Zusammenhang die Maler Jakob Drechsler und Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld. Der Hochaltar erhielt 1833 ein neues Bild von Leopold Kupelwieser, das nicht mit den bewegten Figuren von Franz Caspar harmonierte, weshalb diese entfernt wurden. Kupelwieser malte auch 1847 das Fresko des Jüngsten Gerichts in der neuen, von Roesner erbauten Friedhofskapelle. &lt;br /&gt;
In der Zeit des Historismus galt auch in Klosterneuburg die &amp;quot;Stilreinheit&amp;quot; als Ideal. Der Wiener Dombaumeister Friedrich von Schmidt leitete die Restaurierungsarbeiten, wobei man ihm zugestehen muss, dass er größeres Unheil verhüten konnte und nicht nur dem ursprünglichen Zustand der Kirche im Äußeren möglichst nahekommen wollte, sondern auch den vorhandenen Bestand weitgehend schonte. Die beiden Türme wurden auf die gleiche Höhe von 82,72 m aufgebaut, was zwar eine gute künstlerische Leistung bedeutete, aber die für Klosterneuburg charakteristische Tradition der ungleichen Türme beendete. Der barocke Innenraum der Stiftskirche blieb im wesentlichen unangetastet. Man beseitigte nur einige unglückliche Änderungen aus der Biedermeierzeit. Die bewegten Figuren des Hochaltars kamen wieder an ihre angestammten Plätze. Karl Peyfuß malte 1900 die großen Kreuzwegbilder an die Wände der Seitenkapellen, die sich recht gut in den Raum einfügen. Sakristei und Chorkapelle wurden 1891 bis 1893 von Martin und Joseph Schömer in neubarocken Formen sehr ansprechend neu erbaut. &lt;br /&gt;
Auch das 20. Jahrhundert hat im Stift künstlerische Spuren hinterlassen. Im Jahre 1911 wurde ein Pontifikalornat nach einem Entwurf von Anton Hofer hergestellt, der als eine der besten Leistungen des Jugendstils auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Nach Plänen von Robert Kramreiter wurde 1936 der Sakramentsaltar in der Stiftskirche umgebaut. Zur selben Zeit gestaltete Kramreiter den Innenraum der romanischen Spitalkirche St. Gertrud neu. 1958 bis 1960 wurde das nach dem Zweiten Weltkrieg von den russischen Besatzungstruppen völlig devastierte Gebäude des Stiftskellers nach Plänen der Architekten Heinzle und Simony revitalisiert.&lt;br /&gt;
In den Jahren 1961 bis 1962 wurde der Kapitelsaal des ehemaligen Klosters St. Bernhard bei Horn abgetragen und Stein für Stein in Klosterneuburg wieder aufgestellt - bis heute die größte Übertragung eines Bauwerks in Österreich. Die anschließende Sebastianikapelle wurde nach Plänen des Architekten Willi Zotti in Anklängen an die gotische Architektur aufgebaut und erhielt als großartigen Schmuck den sogenannten Albrechtsaltar. Der an den Kapitelsaal anschließende Kreuzgangrest aus St. Bernhard erhielt ein sehr schönes, modernes Glasfenster von Peter Bischof. 1978/79 wurde nach Plänen von Rainer Simak der &amp;quot;Pfortenhof&amp;quot; errichtet, in dem Weinhandlung, Buchhandlung und Souvenirladen sowie einige Kanzleien des Stiftes untergehracht sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Stiftsmuseum===&lt;br /&gt;
Propst Ambros Lorenz richtete 1775 das Stiftsmuseum als systematische Sammlung ein, wobei auch großes Augenmerk auf naturkundliche Objekte gelegt wurde. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden allerdings 1930 an das Naturhistorische Museum in Wien abgetreten. Einen beträchtlichen Zuwachs erhielt das Stiftsmuseum durch die Übernahme der Sammlungen des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea 1802. Die Münzensammlung erlitt als einzige Abteilung des Stiftsmuseums schwere Verluste in der Zeit der Aufhebung. 1943 wurde der gesamte Münzbestand abtransportiert. 1950 kamen Reste in völliger Unordnung zurück. Der Bestand an antiken Münzen wurde inzwischen von Prof. Robert Göbl und seinen Schülern inventarisiert und publiziert. Die römischen und prähistorischen Funde sind im &amp;quot;Römischen Lapidarium&amp;quot; ausgestellt, das 1991 eröffnet wurde. Wie dieses grenzt auch das &amp;quot;Mittelalterliche Lapidarium&amp;quot; an den Kreuzgang, das die Reste der romanischen Bauplastik und gotische Steinfiguren beherbergt, darunter die &amp;quot;Klosterneuburger Madonna&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Den Hauptteil des Stiftsmuseums bildet die Gemäldegalerie in den sogenannten Erzherzogszimmern im zweiten Stock des Stiftes. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu eingerichtet und 1958 eröffnet. Die Galerie enthält hauptsächlich gotische Tafelbilder, darunter so hervorragende Stücke wie die Rückseiten des Verduner Altars von 1331, den Stammbaum der Babenberger von 1489 bis 1492 und fast das gesamte künstlerische Werk des Rueland Frueauf d. J. &lt;br /&gt;
Auch die sehr bedeutenden Bestände der Elfenbein- und Bronzesammlung sind dort untergebracht. Zu den großen Schätzen des Stiftes zählt auch der sogenannte Albrechtsaltar (1437 bis 1439), der ehemalige Hochaltar der Karmeliterkirche Am Hof in Wien. Er wurde 1774 von Propst Ambros Lorenz nach Klosterneuburg geholt, in seine einzelnen Tafeln zerlegt und dem Stiftsmuseum einverleibt. Nach einer umfassenden Restaurierung steht dieses wichtigste Werk des gotischen Realismus in Österreich, wieder zu einem Flügelaltar zusammengesetzt, in der neu aufgebauten Sebastianikapelle. &lt;br /&gt;
Die Schatzkammer gehört zwar inventarmäßig zum Stiftsmuseum, ist aber räumlich von ihm getrennt und nicht öffentlich zugänglich. Ihre prachtvollen, frühbarocken Schränke wurden vom Laienbruder Marzellin Orthner 1677/78 hergestellt und enthalten zahlreiche Kostbarkeiten. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: der sogenannte Schleier der Markgräfin Agnes, mehrere mittelalterliche Goldschmiedewerke (13. bis 15. Jahrhundert), der Österreichische Erzherzogshut (1616), die &amp;quot;Schleiermonstranz&amp;quot; von Steinl und Känischbauer (1714) und viele Pontifikalornate. Die bedeutendsten darunter sind der Leopoldiornat von Johann Jakob Ellmannsperger (1729) und der Marienornat von Anton Hofer (1911). &lt;br /&gt;
1960/61 fand im Stiftsmuseum die Ausstellung &amp;quot;Klosterneuburg - Zentrum der Gotik&amp;quot; statt. Im Jahre 1985 war das Stift Schauplatz der niederösterreichischen Landesausstellung &amp;quot;Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Seit 1991 werden regelmäßig Sonderausstellungen des Stiftsmuseums veranstaltet. Sie betrafen bisher folgende Themen: Klosterneuburg zur Zeit Mozarts (1991), Sehnsucht nach der Antike (1992), &amp;quot; ... höchst frappant und pittoresk ...&amp;quot; - Biedermeier in Klosterneuburg (1993), Von Rebstock und Riesenfaß (1994/95), Die Krone des Landes (1996). Zu all diesen Ausstellungen sind Kataloge erschienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Archivalien==&lt;br /&gt;
Das Stift besaß von Anfang an ein Archiv. Eine Zeitlang war in Klosterneuburg auch das landesfürstliche Archiv der Babenberger untergebracht. Davon sind einige Restbestände zurückgeblieben, wie die älteste Urkunde des heutigen Archivs, eine Kaiserurkunde Heinrichs III. von 1043. Der älteste bekannte Aufbewahrungsort war die &amp;quot;Obere Sakristei&amp;quot; (der Sagrer). Ein Teil der Archivalien war im &amp;quot;Schriftenturm&amp;quot; ( turris marmorea) bei der Oberkammer auf dem Areal des heutigen Stiftsplatzes untergebracht. Im Jahre 1509 wurde das Archiv erstmals systematisch geordnet und im Schriftenturm konzentriert. Dort blieb es, bis dieser dem Bau des barocken Kaisertraktes weichen musste. Die Archivalien wurden nun in einen Raum der Prälatur transferiert, bis 1818 ein massiv gewölbter Raum im Erdgeschoss des Kaisertraktes als Archiv eingerichtet wurde, der bis zum Jahre 1972 dieser Bestimmung diente. Der Chorherr Willibald Leyrer hatte seit 1772 die Archivalien neu geordnet und katalogisiert. Die damals angefertigten, hübschen Behälter für die Urkunden und Akten sind heute noch vorhanden. &lt;br /&gt;
Das Archiv erhielt laufend großen Zuwachs, indem es Urkunden und Akten aus den verschiedenen Stiftsämtern übernahm, die bis zur Wirtschaftsreform von 1786 getrennte Kanzleien geführt hatten. Der größte Zuwachs war das komplette Archiv des aufgehobenen Stiftes St. Dorothea in Wien. Seine Bestände wurden 1786 von Lastträgern nach Klosterneuburg geschafft. 1791 kam der umfangreiche Nachlass des kaiserlichen Archivars Ferdinand von Freiesleben ins Stiftsarchiv, nach dem Kauf der Herrschaft St. Bernhard bei Horn im Jahre 1852 auch das Wirtschaftsarchiv dieser Grundherrschaft. &lt;br /&gt;
Für diese und viele andere Zuwächse war das alte Hauptarchiv längst zu klein geworden. Daher mussten verschiedene, zum Teil abgelegene und schlecht geeignete Räume als Depots für Archivalien verwendet werden, bis endlich seit 1970 der freigewordene, ehemalige Fürstentrakt (später Stiftsschule bzw. Juvenat) als Archiv adaptiert werden konnte. Seit 1972 ist das Stiftsarchiv hier für Benützer zugänglich und verfügt zum ersten Mal seit Jahrhunderten über genügend Platz für künftige Zuwächse, wenn auch die Aufarbeitung der riesigen Aktenbestände noch nicht abgeschlossen ist. Das Archiv wird von Forschern und Studenten häufig benützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bestände===&lt;br /&gt;
Das Stiftsarchiv hat glücklicherweise niemals größere Verluste erlitten und verfügt über sehr umfangreiche Bestände. Etwa 4.000 Urkunden sind im Original vorhanden, dazu kommen noch mehrere Kopialbücher. Unter den Handschriften des Archivs ist die bekannteste der um 1160 angelegte Traditionscodex, eine der wichtigsten Geschichtsquellen Niederösterreichs. Sehr wichtige Quellen sind auch die Grundbücher (Urbarien, Satz- und Gewerbücher) von ca. 100 Grundherrschaften. Die Rechnungsbücher der verschiedenen Stiftsämter reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Testamentsbücher usw. &lt;br /&gt;
Die Akten füllen derzeit über 3.000 Kartons, ihre Bearbeitung wird ständig fortgesetzt. Dazu kommen Briefe, Nachlässe, Personalakten der Chorherren (bis ins 16. Jahrhundert zurück), Kataloge usw. Die schon erwähnte Sammlung Freiesleben ist von großem Wert, da sie viele Abschriften heute verschollener Schriftstücke enthält. Das Archiv enthält ferner eine Sammlung von über 1.000 Architekturzeichnungen und noch mehr Grundstückspläne, die zum Teil künstlerisch ausgestaltet sind. &lt;br /&gt;
Im Stiftsarchiv ist auch das eigens katalogisierte Musikarchiv untergebracht. Zu seinen größten Schätzen gehört das Autograph der G-Dur-Messe von Franz Schubert. Auch die Münzensammlung des Stiftes hat derzeit ihren Platz im Stiftsarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ansichten und Pläne==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg und sein Stift gehören zu den am häufigsten abgebildeten Orten in Osterreich. Die ältesten Ansichten der Stiftskirche finden sich auf Glasgemälden in Heiligenkreuz (Ende 13. Jahrhundert) und Klosterneuburg (um 1330) sowie auf dem Stammbaum der Babenberger im Stiftsmuseum (1489-1492). Ein schlecht erhaltenes und topographisch ungenaues Fresko aus dem Jahre 1565 ist in den Hofarkaden des Palazzo Vecchio in Florenz zu sehen. &lt;br /&gt;
Seit dem 17. Jahrhundert wird Klosterneuburg häufig im Rahmen von Kupferstichserien und in graphischen Einzelblättern abgebildet. Im 18. Jahrhundert schaffen auch namhafte Maler wie Joseph Orient, Johann Christian Brand und Laurenz Janscha reizvolle Gemälde des Stiftes und der Stadt Klosterneuburg, wobei die Künstler bemüht sind, das &amp;quot;pittoreske&amp;quot; Element des noch unvollendeten Stiftsgebäudes hervorzuheben. &lt;br /&gt;
Die große Zeit der Klosterneuburger Landschaft ist das 19. Jahrhundert. Zur Zeit des Biedermeier bestand hier eine regelrechte Malerkolonie, zu der Kupelwieser, Fettenkofen, Friedrich Loos und einige weniger bekannte Künstler gehörten. Sie alle hielten Motive rund um das Stift im Bild fest. Klosterneuburg blieb bis zum heutigen Tag ein beliebtes Motiv für Maler und Graphiker. &lt;br /&gt;
Dass im Stiftsarchiv eine große Anzahl von Architekturzeichnungen und Plänen verwahrt ist, wurde schon erwähnt. Hier sind auch einige sehr interessante und topographisch wertvolle Vogelschauzeichnungen vorhanden. &lt;br /&gt;
Der weitaus größte Teil von Ansichten des Stiftes findet sich jedoch im Stiftsmuseum, wo sie seit Jahrzehnten systematisch gesammelt werden. Neben einer nahezu kompletten Sammlung von Druckgraphiken des 18. bis 20. Jahrhunderts befinden sich hier auch Gemälde, Aquarelle und Handzeichnungen so bedeutender Meister wie Anton Hansch, Rudolf und Franz Alt, August von Pettenkofen, Friedrich Loos, Anton Hlavacek, Egon Schiele, Oskar Laske und viele andere. Die Sammlung wird kontinuierlich fortgesetzt. Es ist nicht nötig, die einzelnen Werke hier aufzuzählen, da eine eigene Publikation darüber existiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Numismatik==&lt;br /&gt;
Klosterneuburg besaß nie das Recht auf offizielle Münzprägung. Das Stift gibt aber bis zum heutigen Tag die beliebten Leopoldspfennige aus. Deren Vorläufer waren die Pilgerzeichen, die seit der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. in Silber oder Blei geprägt und von den Wallfahrern an das Gewand (meist an den Hut) geheftet wurden. Die erste Prägung erfolgte 1489. Die Türkenbelagerung 1529 führte zur Einstellung dieses Brauches. &lt;br /&gt;
Eine zweite Wurzel ist wohl die bereits 1168 urkundlich bezeugte Armenspendung am Todestag des Stifters, für die sich das Stift Klosterneuburg stets besonders schöne, frisch geprägte Münzen besorgte. Zur Zeit des protestantischen Konvents schlief auch diese Armenspende ein. &lt;br /&gt;
Propst Balthasar Polzman (1584-1596) war der eigentliche Gegenreformator und bemühte sich um die Rekatholisierung der Stiftspfarren. Dazu setzte er bewusst den Kult des hl. Leopold ein, und eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel der religiösen Propaganda waren die von ihm erfundenen Leopoldspfennige. Das sind Medaillen zum Anhängen, meist in ovaler Form, mit dem Bild des hl. Leopold. Sie wurden gewöhnlich in Silber geprägt und am Leopoldsfest an das Volk verteilt. Wegen ihres Metallwertes waren sie sehr begehrt und konnten im Stift als halboffizielles Zahlungsmittel verwendet werden. Die früheste Herstellung dieser Pfennige ist für das Jahr 1584 bezeugt. Sie scheinen sehr erfolgreich gewesen zu sein und wesentlichen Anteil an der baldigen Rückkehr der Bevölkerung zum katholischen Glauben gehabt zu haben.&lt;br /&gt;
In der Barockzeit, als Österreich wieder ganz katholisch war, wandelte sich der Leopoldspfennig von einem Instrument der Glaubenspropaganda zur religiösen Denkmünze, wie sie vor allem an Wallfahrtsorten üblich war. Die Münzen wurden in großer Zahl an Gäste verteilt und an Wallfahrer verkauft. In Klosterneuburg erhielten die vornehmsten Gäste, vor allem Mitglieder des Kaiserhofes, goldene Prägungen. Die alljährliche Prägung und Verteilung der Pfennige wurde 1765 eingestellt. Seither werden die Leopoldspfennige wohl weiterhin geprägt, aber nur zu besonderen Anlässen. Der bisher letzte Leopoldspfennig erschien 1985 zum 500-Jahr-Jubiläum der Heiligsprechung Markgraf Leopolds III. Er wurde in Bronze, Silber und Gold aufgelegt. &lt;br /&gt;
Gelegentlich wurden vom Stiftauch normale Gedenkmedaillen ausgegeben, wie zum Jubiläumsjahr 1936 oder zum Millennium 1996. &lt;br /&gt;
Obgleich nicht eigentlich zur Numismatik gehörig, sei an dieser Stelle auch das Leopoldskreuz erwähnt, das im Jubiläumsjahr 1985 gestiftet wurde. Es ist dem altösterreichischen Leopoldsorden nachempfunden und wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich besondere Verdienste um das Stift Klosterneuburg erworben haben, und zwar in den Klassen Bronze, Silber und Gold (die beiden letzteren als Halsdekoration).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sphragistik und Heraldik==&lt;br /&gt;
===Sphragistik===&lt;br /&gt;
Das Kapitelsiegel aus dem 13. Jahrhundert zeigt das Bild der thronenden Gottesmutter mit dem Kind. Es blieb durch die Jahrhunderte unverändert. Auch der heutige Gummistempel des Stiftskapitels hat das gleiche Bild. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heraldik===&lt;br /&gt;
Das Wappen des Stiftes, eine silberne Sturzkrücke im roten Schild, ist mit Sicherheit aus dem Österreichischen Bindenschild hervorgegangen (ebenso wie das Wappen des Kapitels von St. Stephan, das heutige Diözesanwappen von Wien). Es hat seine Gestalt niemals verändert. Siegelmäßig tritt es zum ersten Mal an einer Urkunde des Jahres 1428 auf, aber es ist viel älter. Bei der letzten Restaurierung des Kreuzganges wurde ein Fresko mit diesem Wappen aufgedeckt, das um 1310 zu datieren ist. Aus derselben Zeit stammt eine Miniatur in einer Handschrift der Stiftsbibliothek (CCl 701, fol. 199). Demnach dürfte dieses Wappen eines der ältesten Klosterwappen überhaupt sein. &lt;br /&gt;
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Stiftswappen, was äußerst selten vorkommt, wie ein Adelswappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier ausgestattet. Als Helmzier diente ein Kreis, dem das Stiftswappen eingeschrieben und der mit drei Pfauenwedeln besteckt war.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Katharina Hofer</name></author>
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